Schweigen hatte sich an diesem, nächsten Morgen zwischen Chris und Jill gelegt. Sie warfen sich keinen einzigen Blick zu, lediglich dann, wenn der andere nicht hinsah, es nicht mitbekam und keiner der beiden sagte ein Wort, peinigte sie beidseits Ärger und Reue.

Ohne ein Wort zu wechseln, hatte Chris den Hund versorgt, während Jill ihren gemeinsamen Sohn auf dem Kindersitz im Wagen anschnallte und nur das leise Autoradio plärrte vor sich hin, als sie gemeinsam zu dem neuen Haus von Rebecca und Carlos fuhren, unweit entfernt.

Beim Umzug ihrer Freunde zu helfen, das hatten sie versprochen.

,,Tante Becca!" Eric lief freudig, lachend über den kleinen Vorgartenpfad, in die Arme seiner Patentante nachdem Chris ihn aus dem Kindersitz befreit und ihn laufen gelassen hatte.

,,Hey, mein Kleiner…" Rebecca umarmte ihn, hob ihn hoch, ,,..Na? Fitt und ausgeschlafen? Wir haben einiges zu tun heute."
Eifrig nickte der Junge, begrüßte auch Carlos.

Der ehemalige Söldner begrüße Jill mit einer freundschaftlichen Umarmung, Chris hingegen reichte er nur kühl und distanziert die Hand. Es war offensichtlich das Carlos Abneigung gegen Chris wieder größer geworden war.

,,Schön ist es hier, Rebecca, wirklich…" Jill lächelte. Es war das erste Lächeln für heute, überhaupt die erste Emotion, seit dem gestrigen Streit mit ihrem Ehemann.

Das Haus hatte ebenfalls zwei Stockwerke, einen Vorgarten, der mit einer hohen Hecke umrandet war, daneben die Einfahrt und die Garage und in amerikanischer Tradition und dem kommenden Halloween, hatte Rebecca es sich nicht nehmen lassen, bereits einen Kürbis mit Fratzengesicht vor die Tür zu stellen.

Die Nachbarhäuser waren in dem gleichen Stil gebaut, es war eine ebenso verkehrsruhige Gegend, wie bei Chris und Jill zuhause.

,,Ihr seit die Ersten hier…" sagte Rebecca, ,,…Matt hat sich und Claire entschuldigt, sie kommen etwas später, da sie mal wieder verschlafen hat, aber die Burtons werden in etwa einer halben Stunde eintreffen."

Jill nickte.

Chris blickte zu dem großen Umzugswagen, der in der Einfahrt seiner Freunde stand: ,,Da ist euer ganzer Krempel drin?"

,,Der restliche, ja…" antwortete Rebecca, schob Eric in ihren Armen in eine bessere Position, ,,…Carlos und ich haben schon mal rüber gebracht, was wir geschafft haben, doch für die sperrigen Möbel haben wir uns diesen Kleinlaster gemietet und brauchen etwas Hilfe."

,,Wir Jungs machen das schon, während ihr Ladies euch um den leichteren Kram kümmert..." beschloss Carlos, ,,…und mit Barrys Muskeln als Unterstützung sind wir noch vor dem Mittagessen fertig." Er hauchte seiner Frau einen Kuss auf die Wange…


…aber es dauerte natürlich doch länger, als angenommen.

Der Umzug zog sich bis in den frühen Nachmittag hinein, da Rebecca und Carlos sich einfach nicht einigen konnten, wo sie welchen Möbelstück hingestellt haben wollten. Der erste Stock war fertig zum einräumen, jetzt fehlten nur noch die Küche und das Wohnzimmer.

,,Glaubst du nicht, wir sollten die Couch doch lieber vors Fenster stellen?" fragte Rebecca.

Carlos, der mit Chris´ Hilfe dieses besagte Polsterstück gerade und auch auf ihren Wunsch hin etwas mittig ins Wohnzimmer gestellt hatte, drehte sich um und blickte seine Frau schief an: ,,Ich hoffe, du weißt bald, was du willst Becca…"

,,Ich meine ja nur…Ich wollte sie ja da hin haben, aber wenn ich es jetzt so betrachte, glaube ich, wir sollten sie, wie besprochen doch ans Fenster stellen, das würde farblich besser zu den Vorhängen passen..." sie grinste unschuldig, ,,….Sorry…"

Carlos ließ den Kopf hängen. Nun musste er noch einmal das schwere Ding schleppen. Er liebte die Ärztin, aber sie neigte dazu einen manchmal in den Wahnsinn zu treiben. Dann grinste er und schüttelte knapp mit dem Kopf: ,,Frauen!…Na komm…" er deutete Chris zuzupacken und beide folgten Rebeccas Wünschen.

Überglücklich ging sie nach getaner Arbeit zu ihrem Ehemann und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. ,,Danke, ihr seid Engel…" Sie blickte zu Chris, der sich schon zur Tür zuwandte.

,,Ich seh´ dann mal, wie Barry sich mit Matt in der Küche schlägt." Chris lächelte, ging an seiner Schwester vorbei, die das Wohnzimmer gerade mit Kathy und Eric betrat.

,,Woww…" staunte Claire und hielt alles mit einer Videokamera fest, ,,…sieht ja schon fast wohnlich aus, nur der Fernseher fehlt noch." Das weiße Sofa im Kontrast mit der mediterran-rötlichen Wandfarbe und den Nussbraunen Vorhängen. Die ebenso braune Wohnwand hatten Carlos und Rebecca schon vor ein paar Tagen zusammen aufgebaut.
Kathy hatte eine weitere Umzugskiste mitgebracht: ,,Hier, da steht groß `Wohnzimmer´ drauf…" sie stellte die Kiste vor den Oliveiras ab und blickte Rebecca dann fragend an, ,,…Was habt ihr denn da drin? Backsteine?"

Rebecca lachte, genoss es, die Arme von Carlos um sich zu spüren und sagte schlicht: ,,Bücher."

,,Bücher?…" hinterfragte Kathy, ,,…aber ich dachte, ihr wolltet euch eine Art Bibliothek oben einrichten?"

,,Das tun wir auch…" entgegnete Carlos, ,,…Nur sie hat so viel Lesestoff, dass da ein einziges Zimmer nie und nimmer ausreicht." Er löste sich von seiner Frau und machte Anstalt das Zimmer zu verlassen, ,,…Ich lasse euch vier dann mal die schwierige Aufgabe des Einräumens, zumindest dabei kannst du nützlich sein." er grinste Frech zu Claire.

,,Hey!…" die Hochschwangere boxte ihm spielerisch gegen die Schulter, ,,…Ich habe hier schließlich am meisten zu schleppen!"

Carlos lachte, genauso wie die anderen. Er mochte es Claire aufzuziehen. Sie verstanden sich einfach prächtig. Mal eine Redfield, die er durch und durch ausstehen konnte.

Natürlich nahm ihm keiner seinen Witz übel. Aufgrund von Claires fortgeschrittener Schwangerschaft, war sie ohnehin nicht in der Lage sich körperlich schwer zu betätigen, so hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, den Arbeitenden irgendwelche Verbesserungskommentare zu geben, nach ihrem Neffen zu sehen und den Unzug auf Videoband festzuhalten…


,,…wartet…." Barry musste umgreifen, um die Arbeitsplatte der Küche nicht fallen zu lassen. Er, Matthew und Jill brachten das lange Stück, nach dem Ausschneiden wieder durch die Verandatür zurück in die Küche.

Die Unterschränke waren schon ausgerichtet, das schwierigste war jetzt noch das anpassen der Arbeitsplatte.

,,Mach schon…" ächzte Matt neben Jill, der das massive Gestein auf seinem Knie abstützte.

,,Passt mit der Türkante auf…" keuchte Jill. Ihre Finger mussten sich anstrengen nicht los zu lassen. Es war Millimeterarbeit, doch dann waren sie wieder im innern des Hauses.

,,Okay, jetzt hochheben, dann platzieren wir das gute Stück da drauf und dann geht's an die Feinarbeit." Barry standen Schweißperlen auf der Stirn. Er gab das Startkommando und er, Jill und Matt begannen die Platte hoch zu hieven.

Jill glaubte kaum, das sie es schaffte und plötzlich dann, schlängelten sich ihr sehr vertraute Arme neben ihre.

Sie drehte den Kopf, Chris stand neben ihr.

Er blickte ihr in die Augen, nickte ihr mit ernstem Gesichtsausdruck zu, deutete ihr, ihm Platz zu machen und die Blondine tat es.

Sie wich doch dankbar zurück und sah zu, wie die drei Männer die Steinplatte gekonnt und beinahe auf den Millimeter genau platzierten. Chris hatte die Kraft ersetzt, die noch gefehlt hatte, die Kraft, die Jill einfach nicht besaß.

Barry stieß Luft aus, klopfte seinem Freund auf die Schulter: ,,Danke, Kumpel…" er sah Chris an, ,,…seit ihr drüben fertig? Wir müssen das Ding hier noch ausrichten und das Ceranfeld und die Spüle anbringen, dann die Hängeschänke anschrauben, die hoffentlich vorn irgendwem in der Zwischenzeit noch zusammen gebaut werden."

Der Agent nickte: ,,Ja, wir sind drüben fertig, ich kann euch jetzt helfen." Er sah zu, wie Barry und auch Matt sich ihren Wasserflaschen widmeten und drehte sich indes selbst zu Jill um, die in der geräumigen Küche bereits dabei war die nächsten Schrankteile aus der Verpackung zu befreien. ,,Hey, hast du mal´n Moment?…" er drängte sie etwas abseits in den hinteren Teil der Küche und außer der unmittelbaren hörweite, ließ seine Stimme gedämpft.

Jill war nicht wenig erstaunt, das er das Schweigen zwischen ihnen brach und hörte zu. Sie war gespannt, was aus seinem Munde kommen würde.

,,…Was sollte das denn gerade?!" seine Augen musterten sie dabei, seine leise Stimme zischte.

Verdutzt blickte Jill ihn an, konnte ihm nicht folgen.

,,Sag mal, bist du bescheuert?…Wie kommst du dazu so schweres Zeug zu schleppen? Hast du vergessen, das du schwanger bist?"

Jill sagte nichts, sie blickte nur stumm unter sich, hasste es bevormundet zu werden und drehte sich weg von ihm, doch seine Hand war es, die ihren Arm packte, sie aufhielt.

,,Hey, ich rede mit dir!" er wurde lauter.

Sie entzog sich ihm schroff, fauchte ihn an: ,,Lass mich in Ruhe, Chris!"

Barry und Matt stockten im gleichen Augenblick wie Carlos, der gerade hereingeschneit kam. Alle drei adressierten das Ehepaar.

,,Hey…" Matt kam zwei Schritte näher, ,,…seit wann giftet ihr zwei euch denn so an?"

Jill sagte wieder nichts, hatte noch immer ihren verletzten, zornigen Blick in den Augen, als sie in die Gesichter ihrer Freunde sah und ohne weiteres, ging sie los, rauschte an Carlos vorbei, hinaus aus der Küche, einfach nur weg.


Barry spülte noch einen Schluck Wasser seine Kehle hinunter, ehe er seinen besten Freund ansprach: ,,Chris? Ist alles okay mit euch? Sagtest du nicht, ihr wäret wieder ganz okay miteinander?" Er dachte, genau wie alle anderen, das es zwischen Chris und Jill wieder besser laufen würde.

Der Agent schwieg, blickte nur stillschweigend unter sich und setzte das fort, was Jill begonnen hatte. Er entfernte die Verpackung des nächsten Schrankes und oh, wie er es hasste.

Ja, er hasste im Moment alles, er war zornig auf Jill, er war verwirrt wegen dem Baby und er wusste überhaupt nicht wie er damit umgehen sollte.

,,Vielleicht hat die gute Jill doch eingesehen, das es so am besten ist." Carlos hatte die Arme verschränkt, lehnte sich mit der Schulter und verschränkten Armen gegen den Türrahmen. Er war noch immer nicht begeistert davon, Chris hier zu haben, doch er versuchte Rebecca zuliebe sich zurück zu halten, obgleich er am liebsten seine Faust in das Gesicht des Agenten geschmettert hätte. Wieso hatten aber auch einfach alle Frauen die er kannte, eine Schwäche für Chris?

Gut, Claire war seine Schwester und Jill…naja, sie war eben blind vor liebe und Rebecca? Sie bezeichnete den Superhelden als besten Freund. Carlos hasste das.

,,Halt dich da raus, Carlos und pack mit an, das hier baut sich nicht von alleine auf und ich will hier nicht überwintern."

Augenblicklich ging der ehemalige Söldner auf die scharfen Worte des Agenten ein: ,,Hey, niemand hat dich gebeten hier zu helfen!"

,,Ich bin nur hier, weil Rebecca eine sehr gute Freundin ist, aber gut, wenn es dir so passt, dann mach das hier doch alleine!" wütend funkelte Chris Carlos an, hielt inne mit seiner Arbeit.

Provoziert kam Carlos auf ihn zu: ,,Ja, das mache ich auch! Lieber mach ich es alleine, als das ich mir von dir helfen lasse!"

,,Was ist denn eigentlich dein Problem, Carlos?"

,,Du bist mein Problem, Wunderknabe!…" Carlos war dicht bei ihm, funkelte ihn sauer an. Es machte ihm nichts aus, das er einen halben Kopf kleiner als Chris war, seine Wut war umso größer. Er hasste ihn dafür, was er Jill angetan hatte. ,,…Du und die Tatsache, das du es einfach nicht lassen kannst, um Jill herumzuschwänzeln."

,,Bitte was? Sie ist meine Ehefrau! Was geht dich das an?…Kümmer du dich gefälligst um deine!"

Barry und Matt tauschten Blicke, wussten wohin das ganze führen würde und mussten die Situation schleunigst entschärfen.

,,Hey…" Barry ging dazwischen, drückte die beiden auseinander, ,,…hey, Jungs!…" er blickte Carlos und Chris nacheinander an, ,,…Steckt eure Waffen wieder weg und legt einen Waffenstillstand ein. Carlos, was Chris und Jill miteinander zu diskutieren haben, das machen die schon unter sich aus und Chris…versuch du dein Temperament im Zaum zu halten und Carlos nicht zu provozieren. Ihr müsst euch nicht beweisen, wer der größer Rudelanführer ist, klar? Und jetzt zurück an die Arbeit!"

Noch einen Moment an sahen sich der Agent und der ehemalige Söldner an, dann resignierte Chris, senkte den Kopf und verließ ebenfalls die Küche, nicht jedoch ohne mit seiner Schulter absichtlich gegen die von Carlos zu rempeln.

,,Was ist heute nur los mit allen?" fragte Matt halblaut…


,,…ist denn eigentlich los? Ihr kommt mir beide heute so eigenartig vor."

Chris blieb augenblicklich auf der Treppe stehen, als er die Stimme seiner Schwester im oberen Stockwerk hörte. Es kam wohl aus Rebeccas Arbeitszimmer.

,,Ich möchte nicht darüber reden." Es war Jills Stimme, die er nun vernahm. Sie klang traurig.

,,Ich dachte du und Chris, ihr versteht euch endlich wieder besser."

Chris näherte sich, neugierig und angelockt. Er blieb vor dem Raum stehen, mit dem Rücken zur Wand und spähte hinein. Beide Frauen waren damit beschäftigt Bücher in die Regale zu räumen.

Jill seufzte schwer und hielt inne, als sie sich ein weiteres Mal bücken und nach Büchern greifen wollte. Sie schüttelte den Kopf. Keine von Beiden bemerkte, das Chris sie belauschte.

Claire sah sie an: ,,Wieso denn?"

In Jills Augen lag Reue, Schmerz und Traurigkeit: ,,Es ist einfach zu spät, Claire…zu spät."

,,Was redest du da? Es ist niemals zu spät."

,,Ich habe ihn angelogen…" Jill legte sich beide Hände vors Gesicht, Nässe tränkte ihre Augen, ,,…Oh Gott, was habe ich nur getan?"

Erschrocken über Jills Gefühlsausbruch näherte Claire sich ihr, legte ihr eine Hand an die Schulter: ,,Was meinst du damit? Was meinst du damit das du ihn angelogen hast?"
Aufmerksam beobachtete Chris die beiden. Es tat ihm urplötzlich leid. Er sah, wie Jill sich verhielt, das ihr der Streit wohl genauso nachgehen musste wie ihm und er bereute es. Es bereute es auch, sie vorhin so angeschnauzt zu haben.

,,Ich bin schwanger…" leise sprach Jill, blickte Claire an.

Die Brünette weitete überrascht die Augen: ,,Du bist…was?…Aber…ich dachte em…Woww…" Claire war sichtlich überrumpelt, blickte zu dem Bauch ihrer Freundin, dann wieder in deren Augen, ,,…Wie ist das denn passiert?"

Jill schniefte, lehnte sich gegen die Wand: ,,Ich habe es dir gesagt."
,,Damals? Als du dich mit Chris ausgesprochen hast? Kurz nach seiner Rückkehr?…" und als Jill nickte, sprach Claire weiter, ,,…Woww…ich hab dich noch dazu überredet hinzugehen…Das ist doch toll."
,,Toll?…" Jill teilte die Freude ihrer Schwägerin nicht, ,,…Claire, das ist alles andere als toll!…Ich habe Mist gebaut, ich habe…." sie schluckte schwer, ,,…Ich habe es ihm verheimlicht."

,,Wieso denn das? Seit wann weißt du es?" wollte Claire wissen.

,,Seit zwei, drei Wochen…Rebecca hat es herausgefunden und…ich weiß selbst nicht, wie es dazu kam, ich meine…Gott, ich dachte, ich könnte nie wieder ein Kind bekommen."

Sanft legte Claire ihre Hand abermals an den Oberarm ihrer Schwägerin, gab ihr Trost: ,,Jill…stell es nicht in Frage, du bekommst noch einmal ein Baby von dem Mann den du liebst, jede andere Frau würde es annehmen und sich glücklich schätzen."
,,Aber das bin ich nicht…" Jill löste sich von ihr, ging in den Raum hinein.

Chris schaffte es gerade noch so, sich zurück zu ziehen, sodass er unentdeckt blieb. Weiter lauschte er, hoffte so seine Frau besser verstehen zu können, hoffte, das er erfuhr, wie es wirklich in ihr aussah, denn zu ihm selbst war Jill stets schweigsam.

,,…Himmel noch mal, er denkt, das er nicht der Vater ist!…" hauchte Jill von neuem.

,,Was?…" Claire fand das lächerlich, hob de Augenbrauen ,,…Aber das ist er doch, oder?"
,,Natürlich ist er das…" Jill reckte sich das Genick, ,,…aber es spielt keine Rolle mehr, wir haben uns gestritten gestern Abend und…ich weiß, das er mich verlassen wird."

,,Was redest du da, Jill? Chris liebt dich, er ist zurück gekommen, um bei dir zu sein. Er wird dich sicher nicht verlassen. Ich bin sicher, er stand unter Schock, genau wie du."

Jill schüttelte abermals den Kopf: ,,…Es war doch schon immer so. Alle haben mich verlassen auf die eine oder andere Art. Joseph, Richard und die anderen, meine Mutter, mein Vater…Chris…"

,,Aber im Gegensatz zu allen anderen ist Chris nicht tot…" Claire kam zu ihr, nahm sie in die Arme, ,,…Jill, versuch diese Gedanken zu vertreiben, okay? Ich weiß, das letzte Jahr war nicht leicht für dich und du warst sehr krank, du bist bei weitem noch nicht gesund, aber bitte versuch dich zu erinnern, wie sehr du und mein Bruder einander braucht, wie es früher war. So kann es wieder werden, ihr zwei seit wie ein und die selbe Person, ihr gehört einfach zusammen."
,,Das weiß ich, Claire…und ich…Ich wünsche mir nichts anderes, aber es ist so viel kaputt gegangen, ich war in den letzten Wochen einfach so unfair zu ihm und…es tut mir leid."

,,…aber du weißt, das Chris dir das niemals vorwirft…" fiel Claire dazwischen, ,,…Du kennst ihn. Du weißt genauso gut wie ich, das er ein Kerl ist, dem nichts wichtiger ist, als seine Familie. Was da letztes Jahr passiert ist, deine Fehlgeburt, das war eine Tragödie, auch die Mission in Edonia und sicher, er hat Fehler gemacht, doch glaub mir, er steinigt sich deswegen schon selbst."

,,Ich weiß…" noch einmal schniefte Jill.

,,Hör zu, versuch noch mal in Ruhe mit ihm zu reden, ich bin sicher, er hat das nicht so gemeint gestern Abend und klar, du hättest ihm das Ganze nicht verheimlichen dürfen, aber ich bin sicher, ihr werdet euch vergeben können. Bei allem, was ihr hinter euch habt, dürfte das doch eine Kleinigkeit sein."

Jill nickte. Sie bereute es, geschwiegen zu haben, auch wenn sie sich bis jetzt noch nicht mal erklären konnte, wieso sie überhaupt nichts gesagt hatte.

,,Soll ich mit ihm reden?" wollte Claire wissen.

,,Nein…" entgegnete die Blonde, ,,..ich mache das schon auf meine Art, aber danke, Claire."

Die Brünette lächelte: ,,Immer doch und hey…Glückwunsch zu dem Baby, Jill."


Nach ein, zwei Stunden stand die Küche soweit aufgebaut da, sodass Rebecca und Carlos den Grill im Garten angeschmissen hatten und etwas zu essen machten.

Es war noch immer recht frisch draußen, der Schnee lag auch noch immer auf der Welt, aber das störte keinen, als sie in der kleinen Runde am Gartentisch saßen und ihr etwas verspätetes Mittagessen verspeisten.

Barry befand sich etwas abseits der Gruppe, passte auf den Grill auf, drehte das Fleisch und die Würstchen, als Chris sich zu ihm stellte.

,,Hey, Chris…"

,,Hey…"

,,Na, was darf´s denn noch sein?"

Der Agent hob die Hand: ,,Danke, ich bin voll bis oben hin." er steckte die Hände in die Hosentaschen.

Barry blickte seinen Freund schief an: ,,Du? Mister `Nimmersatt´ Redfield?"

Chris lächelte knapp, haudünn und nickte.

Ja, die ganze Sache mit Jill verwirrte ihn noch immer. Es ging ihm Nahe was er vorhin gehört hatte und ja, auch er wollte mit ihr reden, im ruhigen. So konnte es nicht weiter gehen.

,,Sag mal Chris, ist alles okay bei dir?"

,,Ja, wieso?"
,,Na du kommst mir recht schweigsam vor, dann vorhin, die Auseinandersetzung mit Carlos…" Barry blickte ihn an, ,,…Ich dachte ihr zwei wäret mittlerweile gut befreundet."

Ratlos zuckte der Agent mit den Schultern: ,,Scheint, als wenn mein Verhalten Jill gegenüber ihn immer noch beschäftigt. Kann ich irgendwo verstehen, immerhin hat er sie mal geliebt, dennoch…er soll sich bloß raus halten."

,,Aber du musst auch zugeben, das du deine Frau vorhin in der Küche ziemlich schroff angepflaumt hast…" Barry trat näher, vergewisserte sich, das nach wie vor keiner in ihrer Nähe war, ,,…Ich meine, ihr wirkt allmählich wie ein Ehepaar das einander überdrüssig geworden ist."

,,Barry…"
,,Ist doch so, Chris…und ich will nur, das ihr beide euch etwas einkriegt, ich meine…ich möchte das meine zwei besten Freunde glücklich miteinander sind. Es wäre echt Scheiße, wenn das mit euch beiden nicht mehr klappen würde."
Chris hielt dem Blick seines Freundes stand und nickte: ,,Danke, Barry…Jill und ich…wir arbeiten dran, aber es ist momentan einiges komplizierter als es danach aussieht."

Barry blickte an ihm vorbei, zurück zu den anderen, sah, wie Jill Eric half sein Fleisch klein zu schneiden, was sie zu dem Kind sagte, konnte er nicht hören, doch er wusste, wie liebevoll Jill ihrem Kind etwas beibrachte.

,,Was macht sie?" wollte Chris wissen. Er wollte sich nicht umdrehen, nicht Gefahr laufen Jills Blick zu begegnen.

,,Sie hilft Eric…" Barry drehte das Fleisch noch einmal, ,,…Ich hoffe nur, ihr könnt das alles aus der Welt schaffen, es wäre schade für den Jungen." Das meinte Barry wirklich so und Chris wusste das.

Chris wusste auch, das Barry den Jungen sehr gerne hatte, dass er sich ihm großväterlich verhielt und ja, auch Eric mochte den älteren Mann, vielleicht sah er in ihm sogar so etwas ähnliches wie einen Großvater, immerhin war er gezwungen ohne jegliche Großeltern aufzuwachsen.

,,Danke…" sagte Chris, als er dies realisierte.

Fragend blickte Barry ihn an.

Chris lächelte: ,,Danke, das du meinem Sohn ein bisschen den Großvater ersetzt, ich weiß, so alt bist du noch nicht, aber…"

,,…aber ich mache es gerne…" unterbrach Barry, blickte noch einmal zu dem Kind, dann in die Augen dessen Vaters, ,,…Ehrlich, Chris, der Kleine bedeutet mir eine Menge."

,,Ich biege das schon wieder hin mit Jill…" schnitt Chris dann wieder ein anderes Thema hin, ,,…Ich weiß, ich habe mich falsch verhalten, aber es sind jetzt Dinge im Gang, die alles wieder gut werden lassen können…Wie du immer so schön sagst, Barry, es gibt nichts, was sich nicht wieder bereinigen lässt."

Abrupt blickte der ältere Mann ins Feuer, nickte langsam und nachdenklich, ehe er nach einigen Momenten der Stille sagte: ,,Tja, vielleicht…hat mich mein alter Rat im Stich gelassen."

Stutzig blickte Chris ihn an: ,,Was meinst du?"

Barry seufzte schwer. Er hatte den Drang es jemandem zu sagen. Er wollte es seinem besten Freund gestehen, er wolle darüber reden.

,,Kathy und ich…" begann er, ,,…wir sind…naja…es gibt da ein paar Probleme."

,,Wieder?"

Barry schüttelte den Kopf: ,,Noch immer."
,,Was für Probleme?…" fragte Chris bestürzt, ,,…Barry, was ist los?"

,,Wenn ich das wüsste, Chris…Sie redet dauernd davon, das sie ihr Leben leid ist, das sie mal was alleine unternehmen will und ich ihr auf die Nerven gehe. Das ist nicht schön, sage ich dir."
,,Ach, komm…" aufmunternd legte Chris ihm eine Hand an die Schulter, ,,…das sind sicher die Wechseljahre, das muss jede Frau mal durchmachen, das kennst du doch."

Barry nickte: ,,Ja, nur das meine Frau diese schon längst hinter sich hat…" nachdenklich zuckte er mit den Schultern, ,,…Ich weiß nicht, was ich tun soll. Wenn ich mit ihr reden will wird sie sauer, wenn ich sie ignoriere aber auch und wenn ich sie einfach nur fragen will, was los ist flippt sie total aus…Ein Glück das die Mädchen das noch nicht mitbekommen haben."

,,Barry…" begann Chris, ,,…seit ich dich kenne sind du und Kathy zusammen, ja noch länger und bisher hattet ihr nie auch nur den Ansatz einer Meinungsverschiedenheit. Es ist nur normal das nach all den Jahren mal die Luft raus ist. Das wird sich sicher wieder einrenken."
,,Ja? Hast du da keinen Tipp für mich? Ich finde es scheiße mit ihr nur noch in einer Wohngemeinschaft zu leben. Ich traue mich ja kaum noch mich in ihrer Nähe aufzuhalten."

Chris hob verwundert die Augenbrauen: ,,Da fragst du ausgerechnet mich nach einem Tipp? Meine Ehe ist momentan genauso verfahren…aber…" er überlegte, ,,…ich lasse Jill ihren Freiraum. Versteh mich nicht falsch, Barry, klar ich will nichts lieber als ihre Nähe, aber aufdrängen und unter Druck setzen, sie dazu zwingen mit einem zu reden und sich mit dem Problem auseinander zu setzen, bringt bei ihr ohnehin nichts, da macht Jill vollkommen dicht...Versuch Kathy einfach mal zu zeigen, das du noch da bist, das du etwas für sie erledigt, ihr den Hof machst oder so, wie man das eben zu euere Zeit genannt hat, dann wird sie sich sicher wieder beruhigen."

,,Glaubst du?"

Der Agent zuckte mit den Schultern: ,,Ist besser als nichts zu tun, oder? Frauen sind eben kompliziert."
,,Mann, aber was würden wir ohne sie machen." Barry grinste, dankbar über die Aufmunterung seines Freundes.

Chris erwiderte das…


,,Gott sei Dank, sind wir bald fertig…" Rebecca drehte sich zu Jill.

Alles war bereits fertig aufgebaut, es war später Nachmittag und während die Männer sich noch der Wachmaschine, dem Trockner, der Kühltruhe und den größeren Gerätschaften im Keller widmeten, Claire sich irgendwo im Haus mit Eric beschäftigte, half Jill Rebecca stillschweigend die Küche zu säubern.

,,…Ach und wir danken euch natürlich auch noch einmal, das ihr uns heute geholfen habt. Carlos und ich hätten tagelang gebraucht."

Jill war dabei die Schränke abzuwischen: ,,…Kein Problem…" sie zog los, an die gegenüberliegende Wand und brachte die Leiter herbei, ,,…Wir haben uns damals auch gefreut, als ihr uns geholfen habt." Sie lächelte knapp.

Rebecca hielt inne damit die Teller in den Schrank zu räumen und fragte stutzig: ,,Was hast du denn vor?"

Die Blondine sah ihre Freundin an, wunderte sich über die Frage: ,,Na, ich werde auch obendrauf wischen. Die Jungs haben ganz schön Dreck gemacht." Durch das anschrauben und zusammenbauen, war natürlich überall Schleifstaub liegen geblieben.

Rebecca griff Jill an die Schulter und schüttelte den Kopf: ,,Lass nur, ich mache das schon, du musst da nicht rauf."

,,Ist schon okay, ich bin doch gerade dabei…Außerdem habe ich keine Höhenangst." sie grinste leicht, wusste, das Rebecca sich vor Höhen etwas fürchtete.

,,Ja und? Mich graust es ja nur, wenn ich ohne Sicherung irgendwo rauf muss." Rebecca hatte es gehasst Carlos zusehen zu müssen, wie dieser die Fassade des Hauses gestrichen hatte. Zwar hatten sie damals ein Gerüst stehen, doch irgendwie behagten Höhen der Ärztin überhaupt nicht. Sie wunderte sich selbst, früher hatte ihr das überhaupt nichts ausgemacht.

,,Na also, ich mach das schon." Die Blonde wollte abermals hinauf und abermals wurde sie zurück gehalten.

,,Jill…" Rebecca blickte sie an, ,,…du bist schwanger, schon vergessen?" Betrübt blickte die Ärztin ihr in die Augen.

Irritiert wich Jill zurück: ,,Was hat denn das jetzt damit zu tun?"

,,Na, du solltest nicht unbedingt jedes Risiko mit Freuden auf dich nehmen. Ich würde so was niemals von Claire verlangen."

Jill fühlte sich überrumpelt: ,,Claire? Entschuldige mal, aber Claire sieht wirklich so aus, als würde sie jede Minute werfen, da bin ich doch noch Meilenweit entfernt und ich bin sicher, das nichts passieren wird, wenn ich auf diese Leiter steige, immerhin muss ich das zuhause ja auch machen."

,,Dann hast du es Chris noch nicht gesagt?" stellte Rebecca erschrocken fest.

Jill hielt inne, senkte den Kopf. Sie hatte unterbewusst dieses Thema angeschnitten, das Rebecca die Wahrheit zu erkennen gab.

,,Warst du denn wenigstens mittlerweile beim Arzt, so wie ich es dir geraten habe?" wollte die jüngere Frau dann wissen.

Ein knappes Schütteln mit dem Kopf bekam sie zur Antwort und fiel dabei aus allen Wolken: ,,Jillian!…Bist du verrückt oder was?…Wie kannst du nicht zum Arzt gehen? Du bist doch jetzt mindestens in der…" Rebecca rechnete kurz durch, ,,…in der elften Woche und du fängst so langsam an es auch zu zeigen!"

,,Ich habe es vergessen, okay! Ich will nicht darüber reden…" stickt drehte Jill sich weg, griff den kleinen Wassereimer, ging durch die Verandatür nach draußen und kippte ihn im Garten aus, dort wo es niemanden stören würde, wenn es zu Eis erfror. Dann kam sie zurück, füllte frisches Wasser ein.

Rebecca hatte sie derweil beobachtet und nickte, als ihre Freundin wieder bei ihr war: ,,Du verdrängst es…Du wolltest es schon nicht wahr haben, als ich es dir damals gesagt habe. Warum?"

Jill schwieg, dachte an den Streit mit Chris und an das Gespräch mit Claire zurück und unterbewusst legte sich eine ihrer Hände an ihren Unterbauch. Zum ersten Mal tat sie das, spürte ein seichtes Ziehen, sow eis so oft schon, doch ohne es zu registrieren.

,,Süße, ich verstehe das nicht, du müsstest doch glücklich sein. Dein Mann ist wieder bei dir, lebt, du hast einen gesunden Sohn und erwartest noch einmal ein Baby…Wieso weiß Chris nichts davon?"

,,Er weiß es okay…" Jill drehte den Kopf zu ihr, nachdem sie seufzend den Wasserhahn wieder zugedreht hatte, ,,…Warum sagen mir eigentlich alle das ich glücklich sein soll? Ich bin es nicht und vielleicht will ich es auch überhaupt nicht sein!" Ärgerlich drehte sie sich um, mit dem Rücken zum Waschbecken und lehnte sich an, verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.

Sie hatte keine Ahnung wieso sie so zickig war, wieso sie sich über einfach alles und jeden aufregen konnte.

,,Das ist Bullshit und du weißt es."
,,Es nervt einfach, Becca!…Ich habe alles so satt! Das Ganze hin und her mit Chris, dass, was da in mir ist…" sie blickte an sich hinab, ihre Hand lag wieder an ihrem Bauch, sie konnte die Erhebung uner dem legeren Shirt fühlen, sie fühlte das Zwicken erneut, es war stärker geworden und urplötzlich wurde ihr schwindelig. Ihr war so oft schwindelig, sie fühlte sich nicht gut.

,,Hey…" Rebecca bemerkte es, griff ihr besorgt an die Schulter, ,,…Bist du okay?"

Jill, die ihre Augen geschlossen hatte, öffnete sie wieder, nickte und unterbewusst riet sie sich selbst sich zu beruhigen. ,,Ja…" sie sprach leise und ruhig, ,,…ich will nur nicht drüber reden. Bitte!"

Rebecca nickte ebenfalls, musterte ihre Freundin genau: ,,Okay…aber ich denke, du solltest Feierabend machen, es ist ohnehin nicht mehr viel und du siehst müde aus."

Die Blonde schluckte, drehte sich wieder zu dem Wassereimer um, der noch in der Spüle stand: ,,Ja, sobald ich fertig bin."
Amüsiert versuchte Rebecca zu grinsen: ,,Du bist ein richtiger Sturkopf, weißt du das?"

Auch Jills Mundwinkel hoben sich eine Idee und sie griff nach dem Henkel des Eimers, doch kaum hatte sie ihn angehoben, durchfuhr ein zischender Blitz ihren Körper. Sie stockte, stellte den Eimer zurück, keuchte auf.

Umgehend blickte Rebecca zu ihr, mit ernstem Gesicht: ,,Hast du was?" Sie sah das es Jill überhaupt nicht gut ging, strich ihr daher sanft über den Rücken.

,,Nein…" Jill schüttelte den Kopf, hielt sich mit den Armen an der Arbeitsplatte fest. Sie schloss die Augen, als die vertrauten Krämpfe sie wieder peinigten und irgendwie stärke wurden, ,,…ist schon okay…" Sie hatte jedoch offensichtlich Schmerzen.

,,Du, Jill…" begann ihre Freundin, ,,…ich glaube wirklich es ist besser, wenn du dich kurz hinsetzt. Nicht das du zu viel heute getan hast…Ja? Barry hat mir erzählt, das du mitgeholfen hast die Arbeitsplatte zu schleppen, die ist doch viel zu schwer." Rebecca blickte Jill eindringlich an.

,,Sie sah anfangs nicht danach aus…" Die Blonde schluckte, als der Schwindel noch einmal bei sie wehte und gerade, als Rebecca ihren Arm griff, sie zu einem der Küchenstühle dirigieren wollte, ging Jill in die Knie: ,,Ah!" Ein heftiger Schmerz durchzog ihren Unterleib, prasselte wie eine durchbohrende Speerspitze über ihr Kreuz.

,,Jill!" Rebecca war an ihrer Seite, musterte sie.

,,Schon gut…" Jill keuchte, hockte vornüber gebeugt, hatte ihren Bauch mit beiden Armen umklammert. Wieso tat es auf einmal so höllisch weh? Ihr Atem zeugte davon.

,,Setz dich!…Komm schon!…" die Ärztin drängte ihre Freundin auf den Boden, ,,…Hast du das öfter?"

Jill hatte die Augen zugekniffen, tat einfach, was Rebecca ihr sagte, denn ihre Krämpfe, ihre Rückenschmerzen wurden schlimmer. Sie schüttelte den Kopf, zog die Beine an den Körper und versuchte unter dem heftigen atmen klare Worte heraus zu bringen: ,,…Es…war…Es war noch nie…so schlimm…Au!…" Sie zuckte, ihre Glieder fingen an zu zittern, während sie eine ihrer Hände in ihr Kreuz presste, glaubte, sie würde auseinander brechen, ,,...Ich weiß nicht…was auf einmal los ist…"

Rebecca war eine gute Ärztin, ihre Finger schlüpften gleich an Jills Handgelenk: ,,Beruhige dich, Jill! Tief durchatmen, okay?"

Jill tat es und es ließ allmählich nach. So schnell wie es gekommen war, so schnell war es auch wieder vorbei. Sie entspannte sich, schöpfte Atem.

Sanft strich ihr Rebecca einige, blonde Haarsträhnen aus dem Gesicht: ,,Jill, ich hoffe inständig, das du zum Arzt gehst. Ihr müsst wissen, ob mit dir und dem Kind alles okay ist…Ich rufe Chris, er soll dich hin fahren."

Doch im selben Moment dachte Jill an den Streit zurück, griff ihrer Freundin an den Arm, als diese aufstehen wollte: ,,Nein…"

,,Keine Sorge, ich sage es niemandem sonst…"
,,Das ist es nicht, ich…" Jill schluckte, ,,…Oh Rebecca, wir haben Streit, ich will nicht noch mehr Salz in die Wunde streuen."

,,Deine Gesundheit und die des Kindes geht doch wohl vor. Ich bin sicher, er fährt dich zum Arzt, es ist immerhin sein Kind und mal unter uns, so schlimm kann euer Konflikt nicht sein."

Jill wollte widersprechen, sah ihre Freundin an, doch augenblicklich kamen die Schmerzen in Wellen zurück. Sie explodierten in ihrem Innern und Jill krümmte sich heftig nach vorne. ,,Ooh!" sie stöhnte auf, versuchte Atem zu schöpfen, glaubte sie doch zu ersticken. Irgendwas war nicht richtig, etwas…da war etwas anders als sonst. Sie hate immer mal wieder Schmerzen und Krämpfe gehabt, aber es war bisher nicht so schlimm gewesen.

,,Jill!…" erschrocken grapschte Rebecca ihr an die Schultern, ,,…Beruhige dich, okay!…Jill?" Sie konnte nur zusehen, die weitere Krämpfe ihre Freundin schüttelten, wie der Schmerz größer wurde, wie verzweifelt Jill im Geiste zu flehen schien, das es aufhören sollte und das jagte Rebecca große Angst ein. Sie war Ärztin, eine verdammt gute und sie wusste, das Schmerzen in der Frühschwangerschaft einiges kaputt machen konnten, sie wusste, das es Zeit war Jill zu einem Facharzt zu bringen und zwar auf der Stelle.

,,Halt durch…" sie strich Jill durchs Haar, stand auf und rannte aus der Küche, sie musste zu Chris…