Jill stellte Barry frisch aufgebrühten Kaffe hin. Es war offensichtlich, das ihr beider Freund fror.
,,Danke…" der ältere Mann umfasste die Tasse, dankte nickend.
,,Barry…" begann Chris, saß seinem Freund am Küchentisch gegenüber, ,,…Warum hast du nicht angerufen?"
,,Keine Ahnung."
Chris tauschte einen Blick mit seine Frau, ehe er erneut zu Barry blickte: ,,Ich dachte es wäre wieder okay bei euch beiden."
Barry schüttelte den Kopf. Man konnte sehen, das es ihm nahe ging: ,,Ich weiß nicht, was ich getan habe. Kathy meinte, sie braucht etwas Zeit für sich und ich stehe ihr dabei im Weg…Ich wusste nicht, wohin ich sonst gehen sollte, Chris…Danke, das ihr mir Asyl gewährt."
,,Du bist hier jederzeit willkommen, Barry…und du kannst natürlich bleiben solange du willst." sagte Jill.
Der ältere Mann blickte die blonde Frau ein weiteres Mal dankbar an.
,,Was sagen denn deine Mädels dazu?" fragte Chris.
,,Keine Ahnung. Die waren nicht zuhause…" entgegnete Barry, ,,…ich weiß nicht wie sie reagieren, wenn sie heute Mittag von der Uni heim kommen und ihr Dad nicht mehr da ist."
,,Meist du, es Hilft, wenn ich mal zu euch raus fahre und mit Kathy rede?" fragte Chris, sah in die Augen seines Freundes, der lediglich mit den Schultern zuckte.
,,Nichts für ungut Jungs, aber glaubt ihr nicht, ich wäre besser für ein Frauengespräch geeignet als ihr?…" Jill zog die Aufmerksamkeit der beiden auf sich. Sie stand noch immer am Küchentresen, ,,…Ich meine, ich glaube nicht, das Kathy sich dir anvertrauen wird, Chris. Klar, sie ist eine Freundin von dir, aber seien wir mal ehrlich, wenn sie Probleme mit ihrem Mann hat, dann wird sie sicherlich nicht noch mit einem anderen Mann darüber reden wollen."
,,Sie hat recht…" Barry stimmte zu, drehte den Kopf zu Chris.
,,Okay…" Chris nickte, ,,…dann rede du mit ihr…" dann blickte er aus dem Fenster hinter Jill, es schneite noch immer. Er drehte den Kopf zu Barry und fragte, ,,…Du bist mit dem Wagen da? Wie sind die Straßen draußen?"
Es war Chris klar, das Jill nach Baltimore fahren musste, um Kathy zu sehen und wenn der Schnee draußen liegen blieb, würde er nicht Gefahr laufen, das Jill noch einen Unfall baute. Er dachte nicht nur an sie, sondern auch an die Zwillinge. Wenn es heute nicht gehen würde, würde sie eben erst morgen oder in ein paar Tagen da raus fahren.
,,Der Winterdienst fährt, die Hauptstraßen sind fei und es ist auch nicht wirklich glatt." antwortete Barry…
,,Jill, du scheinst das nicht zu verstehen…" Kathy stand vom Sofa auf, ging aufgeregt durch ihr Wohnzimmer. Sie hatte sich mit Jill hingesetzt, die überraschend herein geschneit war, wollten reden, doch Kathy hatte keine Nerven dafür, ,,…Ich muss auch mal für mich sein. Was ist denn so schwer daran sich einfach nur raus zu halten?"
Jill sah ihrer Freundin nach. Sie wollte wissen, was bei den Burtons los war.
,,Es ist nicht schwer zu verstehen und ich mische mich nicht gerne ein, aber Barry ist mein Freund ist…" sie blickte die dunkelhaarige Frau an, ,,…und du bist das auch. Ich meine, Kathy, ihr seit das Ehepaar schlechthin. Seit fast dreißig Jahren seit ihr nun schon verheiratet. Niemand hätte erwartet, das ihr euch mal…trennen würdet. Ich möchte helfen, wenn ich kann."
,,Diesmal kannst du das aber nicht Jill…" Kathy blickte die jüngere Frau an, wurde ruhiger, ,,…Weißt du, ich kenne Barry jetzt seit ich sechzehn bin und seitdem sind wir auch zusammen, mit achtzehn war ich verheiratet, bin praktisch von meinem Elternhaus in die Ehe gesprungen und nie habe ich etwas alleine gemacht, es wird Zeit für mich, das ich Haus und Herd verlasse und endlich mal Leben kann. Ich möchte auch mal etwas machen ohne Barry, ich meine, klar ich liebe ihn, aber…ich brauche auch mal etwas Zeit für mich alleine, verstehst du das nicht?"
Jill stand auf, ging auf sie zu: ,,Doch, ich verstehe es sehr gut, Kathy…aber Barry, er hat keine Ahnung, wieso du ihn vor die Tür gesetzt hast. Anstatt zu streiten, hättest du ihm genau das sagen sollen, was du mir jetzt beichtest. Ich bin sicher, er würde es verstehen und ich bin sicher, er würde dir diese Zeit auch lassen."
,,Oh Jill…du hast keine Ahnung, wie strickt und stur er sein kann. Er ist ein Cop. Er geht keine Kompromisse ein, er ordnet an."
,,Das klingt aber nicht nach dem Barry den ich kenne."
Kathy kam zurück, setzte sich wieder zu ihr und blickte in die Augen der Blondine: ,,Menschen verändern sich. Wir alle werden älter."
,,Sicher aber…willst du nicht noch mal mit ihm reden? Er wird es einsehen, da bin ich sicher."
,,Wir haben uns gestritten, Jill…und das ziemlich heftig, ich glaube nicht, das sich das so schnell wieder einrenken wird. Wir sind nicht Chris und du, wir sind vielleicht nicht das ideale Paar, das füreinander bestimmt ist."
,,Jetzt redest du Unsinn und du weißt das…" entgegnete Jill, ,,…glaubst du allen ernstes, du wärest so lange mit ihm zusammengeblieben, hättest ihm zwei Töchter geboren, wenn er nicht der Mann deines Lebens ist?…Ich weiß gut genug, wie es in dir aussieht, wie sehr du zweifelst, bei mir war es doch nicht anders in der letzten Zeit…Die Sache mit Chris hat mich ebenso zum nachdenken gebracht…" sie legte ihrer Freundin eine Hand an die Schulter, ,,…aber Kathy, du und Barry, ihr gehört zusammen, das weiß ich."
,,Mag sein, trotzdem ändert das nichts an meinem Entschluss, ich will einfach etwas Zeit für mich haben. Ich möchte ihn momentan nicht sehen. Vielleicht ist das auch nur eine Phase, ich weiß es nicht."
,,Soll ich ihm das sagen?" ungläubig hob Jill ihre Augenbrauen.
Kathy nickte, verschränkte die Arme vor der Brust: ,,Ja…sag ihm das so. Entweder es bleibt so wie es ist, er sucht sich für ein paar Wochen eine andere Unterkunft oder er kommt zurück und ich tue das. Es ist mir gleich. Ich habe auch mit Moira und Polly geredet, sie freuen sich zwar nicht darüber, aber sie sehen es ein und lassen mir die Zeit, die ich brauche."
Jill nickte: ,,Okay…Barry wird sicher ein Weilchen bei uns bleiben. Du kannst natürlich auch jederzeit vorbei kommen, egal wann, okay?"
Die ältere Frau nickte…
,,Was?…" Barry glaubte nicht recht zu hören, ,,…das hat sie gesagt?"
Jill nickte: ,,Ja."
Sie war gerade erst wieder nach hause gekommen, hatte Chris und Barry im Wohnzimmer vorgefunden. Eric spielte vor dem Fernseher auf seiner Spieldecke mit seinen Feuerwehrautos, doch lauschte dem Gespräch der Erwachsenen, auch wenn er wohl nicht viel verstand.
,,Und was jetzt? Wo soll ich hin? Wie lange will sie dieses Spielchen denn treiben?" Barry wurde wütend, stand aus dem Sessel auf und ging einige Schritte, zur Verandatür. Sein Blick verlor sich draußen auf der dicken Schneedecke des Gartens.
Jill tauschte einen Blick mit Chris, ehe sie auf ihren Freund zu ging und weiter sprach: ,,Ich weiß, es ist nicht leicht für dich, das verstehe ich, aber für den Moment, nimm es hin. Es bringt nichts, wenn du Kathy jetzt bedrängst. Sie ließ sich nicht umstimmen oder zu einer Aussprache bewegen…"
,,Das sagst du, Jill?…" Barry drehte sich zu ihr um. In seinen Augen funkelte Wut und Enttäuschung, ,,…Ich dachte du wolltest mir helfen, aber wahrscheinlich hast du sie nur bestärkt in ihrem Entschluss."
,,Was?" ungläubig musterte die Blondine ihn und auch Chris fasste es nicht, was er da von seinem besten Freund zu hören bekam.
,,Ist doch so. Eure eigene Ehe ist doch momentan sowieso alles andere als rosig. Weil du zu stur bist Chris zu verzeihen, hast du sicherlich meiner Frau auch solche Flausen in den Kopf gesetzt."
,,Woww…" Chris war aufgesprungen, noch ehe Jill etwas entgegnen konnte und stellte sich zwischen Barry und sie, hielt den Mann zurück, der auf seine Frau zugehen wollte, ,,…Barry! Vergiss nicht mit wem du redest!" Strickt und ernst war sein Blick dabei.
Der Cop besann sich, als er in die Augen seines Freundes blickte. Seine Zunge war schneller, als seine Gedanken und er blickte unter sich. Die Wut verflog in Reue: ,,Sorry, ich hätte das nicht sagen dürfen…" er sah ihr in die Augen, ,,…Jill, es tut mir leid. Ich…ich bin mir ja selbst ein Kotzbrocken in der letzten Zeit."
Sie stürzte die Lippen: ,,Schon okay…" sie nahm es ihm nicht übel, ,,…Du bist aufgeregt, Barry…vielleicht solltest du erst mal eine Nacht drüber schlafen."
,,Dann werft ihr mich nicht raus?" er blickte zu Chris.
,,Nein." sagte dieser, legte ihm eine Hand an die Schulter, ,,…Du kannst bleiben solange du willst, das weißt du und außerdem ist gerade das Gästezimmer wieder frei geworden." Chris lächelte und blickte knapp zu Jill, die sein Lächeln erwiderte.
Der Cop war froh, das seine Freunde ihm nicht böse waren und nickte dankend, dann sah er die Blicke, die sich beide zuwarfen: ,,Dann seit ihr wieder zusammen?"
,,Wir arbeiten dran." entgegnete Jill.
,,…und es läuft immer besser…" fügte Chris grinsend hinzu…
…Grob wurde sie zurück in das Labor geschubst. Die Wachen waren nicht sanft mit ihr umgegangen. Noch immer zitterte ihr Körper durch den heftigen Hieb mit den Elektroschockern.
Entmutigt und erniedrigt, stemmte Jill sich auf dem eiskalten Betonboden auf, erhob ihren Oberkörper, doch vermochte noch nicht aufzustehen. Ihre Beine gehorchten ihr nicht, zu betäubend war der Stormschlag gewesen. Innerlich brach die Hoffnung erneut.
Ein weiterer Fluchtversuch zunichte gemacht.
Schon wieder.
,,Oh Jillian, liebes…" Wesker schob seine Sonnenbrille zurecht, seine Stimme klang kalt und gleichgültig, ,,…wie oft wirst du noch versuchen zu entkommen? Wie oft muss ich dich noch lehren, das es kein entkommen mehr gibt?…" Er stand von seinem Stuhl auf, der vor allerlei Laborequipment und Computerkonsolen stand. Seine Schritte hallten an den Wänden wieder, als er sich ihr näherte. ,,…Dankt man denn so dem Mann, der einem in jener Nacht das Leben gerettet hat? Ich verstehe nicht, was du da draußen noch willst. Für die Welt ist Jill Valentine schon lange gestorben. Selbst dein ach so geliebter Partner und unser beider bester Freund, Chris, hält dich für tot."
Jill wagte es noch nicht den Kopf zu heben, noch immer schöpfte sie Atem. Sie schniefte: ,,Das ist nicht wahr. Ich weiß, das er nicht daran glaubt. Solange mein toter Körper nicht vor ihm liegt wird er nach mir suchen, er wird niemals aufgeben."
Wesker murrte etwas, schnippte dann mit den Fingern und eine der beiden Wachen schwang seine Peitsche.
Die Gefangene zuckte heftig unter dem Hieb, der auf ihren, nur durch ein dünnes Hemdchen bedeckten Rücken prasselte. Wie oft hatte sie das ertragen müssen. Es war seit jeher die Strafe für ihre Fluchtversuche.
Erst einer, dann zwei, drei, vier und beim fünften war der Schmerz zu groß, der Schlag zu fest. ,,Aah!" Jill stöhnte auf, spürte, wie ihre Haut der rechten Schulter, am Schulterblatt riss. Fest biss sie sich auf die Lippen, spürte warmes Blut ihren Rücken hinunter sickern. Noch weitere Hiebe folgten, heftige und starke, sie vermochte sie nicht mehr zu zählen. Erst dann, als ihre Arme einknickten, ihr Körper unter den Schlägen zu Boden gebracht wurde, schnippte Wesker erneut mit die Finger und endlich stoppte es.
Scharf zog sie Luft ein, versuchte den Schmerz zurück zu halten, nicht an ihren geschundenen Rücken zu denken, als sie es vermocht, sich noch einmal aufzurichten.
,,Eine weitere Woche hungern soll dich leeren, mir zu gehorchen, Jill…" Wesker ging vor ihr in die Hocke, krallte in ihr nun hellbraunes Haar, das seit einigen Wochen irgendwie immer heller wurde und riss ihren Kopf zu sich nach oben.
Jill konnte nicht anders, als ihm in die Augen zu blicken, keuchte ihr Atem vor Anstrengung. Sie versuchte ein jedes Mal sich zu beherrschen, doch immer wieder fragte sie sich wofür denn noch. Es war hoffnungslos.
,,…Ich werde mit etwas für dich einfallen lassen müssen. Das P30 wirkt leider nicht dauerhaft."
,,Warum tust du das?…" Jills Stimme zitterte, ,,…Du hast was du willst. Du hast Uroboros, warum lässt du mich nicht in Frieden? Töte mich endlich…" Ja sie wünschte sich den Tod.
Jill konnte es nicht ertragen, ihr drehte sich der Magen dabei um, bei allem, was er getan hatte, wozu er ihr Blut benutzt hatte.
Zu wissen, das sie der Ursprung dieses teuflischen Virus war, peinigte sie beinahe mehr als all die vielen Peitschenhiebe, all die Folter und all die Experimente, die sie hatte erleiden müssen.
,,Damit ich den einzigen Zeitvertreib verliere, der mich in meiner Freizeit beschäftigt?…" Wesker strich ihr mit seiner freien Hand über die Nasenspitze, ,,…Nicht doch."
Er hob einen seiner Mundwinkel aus purem Sarkasmus, warf dann ihren Kopf zur Seite, trieb sie zurück auf den Boden. ,,Ein jedes Mal, wenn ich dich leiden sehe, spüre ich den guten alten Christopher ebenso leiden…" sprach Wesker, als er sich erhob. Er breitete theatralisch die Arme dabei aus. ,Erstaunlich…ich kann eure Verbindung beinahe spüren. Ihr hattet schon immer eine und auch wenn er nicht weiß, das du noch lebst, Jill, so rieche ich seinen stinkenden Geruch an dir, schon wirklich schade, das ihr nie mehr sein konntet, werdet, als berufliche Partner, ihr hättet ein niedliches Pärchen abgegeben…"
Als Jill ihren Kopf erneut hob und ihren Peiniger mit Furcht in den Augen anblickte, lächelte dieser und sprach weiter: ,,…Du leidest, für ihn, Jillian, das darfst du niemals vergessen und sollte sich doch einmal die Gelegenheit bieten und er in mein Radar eindringen, dann freue ich mich schon jetzt auf seinen Gesichtsausdruck…" Er lachte boshaft…
Nachdenklich stand Jill vor dem großen Spiegel am Kleiderschrank in ihrem Schlafzimmer.
Sie trug ein türkisblaues Tanktop darüber eine hellgraue Strickweste, doch eben diese Weste hatte sie zurück geschoben, sie entblößte ihr rechtes Schulterblatt.
Jill drehte sich ein wenig, um besser hinblicken zu können, als ihre linke Hand auch den Träger ihres Tops zur Seite streifte. Sie wollte wissen, wie sehr man eben jene eine Narbe noch sehen konnte und ja, man sah sie klar und deutlich.
Der Striemen lief etwa zwanzig Zentimeter über ihr rechtes Schulterblatt, endetet auf der Schulter, allerdings war die Narbe nicht mehr ganz so rötlich. Sie verblasste wohl allmählich, doch würde für immer zu sehen sein.
,,Jill?…" Chris streckte suchend nach ihr seine Nase ins Schlafzimmer, glaubte zuerst, das sie nicht in diesem Zimmer war, doch stoppte im zweiten Moment, als sich seine Augen mit ihren in dem Spiegel trafen.
Stutzig fiel sein Blick auf ihre Schulter, als er näher kam.
,,Hey…" sprach er, ,,…alles okay bei dir?" Er hatte einen Riecher dafür, wenn etwas im argen lag, besonders bei Jill. Chris spürte es ein jedes Mal, wenn sie sich mit etwas beschäftigte.
Jill wusste das, doch schüttelte knapp den Kopf, schob ihre Kleidung zurück über ihre Schulter, verhüllte ihre Vergangenheit. ,,Alles okay…"
Chris stand jetzt vor ihr, er hatte die Narbe gesehen, wusste woher diese stammte, wusste, welche Gräueltaten man ihr angetan hatte und sagte: ,,Sicher? Du kommst mir etwas nachdenklich in den letzten Tagen vor."
Die Blondine sah zu seiner Hand, die ihre Schulter berührte. Für Chris war es das normalste der Welt, er kannte jede einzelnen Makel an ihr. ,,Ich hatte…einen Alptraum…" begann Jill leise, ,,…eine Erinnerung…" kurz blickte sie ihm in die Augen, dann ging sie zurück zu Bett, wo sie die frisch gewaschene und zusammengelegte Wäsche aus dem Korb nahm, die Kleidungsstücke weiter in den Schrank räumte. ,,…und ich wollte wissen, ob es noch viel auffällt."
,,Was hast du denn geträumt?…" wollte er wissen, ging ihr umgehend zur Hand, ,,…Wie du zu dieser Narbe gekommen bist?…Jill, du musst das vergessen, es kann dir nichts mehr antun." Er hatte Angst, das sie in ihren alten Trott aus Furcht und Angst verfiel, doch da irrte er sich.
Jill schüttelte den Kopf: ,,Nein, das kann es nicht, das weiß ich, aber es bleibt ein Teil von mir…" sie drehte sich noch mal zum Wäschekorb und griff den nächsten Stapel, ,,…und es wird immer zu sehen sein. Für jedermann lesbar."
Chris konnte ihr nicht recht folgen: ,,Ja, wie kommst du darauf? Ich meine, klar, du hast hin und wieder immer noch Alpträume, aber warum denkst du gerade jetzt daran zurück?"
Sie zuckte mit den Schultern: ,,Weil ich wieder zur Ruhe gekommen bin? Weil sich nach dem letzten Jahr wieder alles beruhigt hat? Ich weiß es nicht, Chris…aber ich erwische mich selbst in der letzten Zeit oft mit der Frage, was gewesen wäre, wenn ich damals nicht…" sie schüttelte den Kopf, ,,…Naja, wenn ich nicht gefallen wäre."
Augenblicklich stoppte er, blickte seine Frau mit großen Augen an. ,,Wieso denkst du daran?"
Jill war ebenfalls stehen geblieben, traf seinen Blick und zuckte mit den Schultern: ,,Denkst du denn etwa nicht daran?"
Strickt schüttete er den Kopf: ,,Das habe ich mir schon vor langer Zeit abgewöhnt. Dieses `was wäre wenn´ spare ich mir, ich kann die Vergangenheit ohnehin nicht ändern, so sehr ich mich damals auch danach gesehnt hatte."
,,Mich interessiert das aber…" entgegnete die Blondine und schob den letzten Stapel Wäsche zurück in den Schrank, ,,…immerhin…" sie drehte sich zu ihm um, fixierte seinen Blick, ,,…Wir waren Partner Chris, glaubst du, wir wären jetzt da wo wir eben jetzt sind, wenn die Nacht im Spencer anwesen anders gelaufen wäre?"
,,Hör auf…" er schüttelte den Kopf, verschränkte die Arme, ,,..Ich möchte nicht daran zurück erinnert werden…und selbst wenn…" Chris sah sie an, ,,…Dann wären wir wohl beide jetzt tot. `Er´ hätte uns beide erledigt. Erst mich und dann…und dann dich."
Jill sah wie Nahe es ihm noch immer ging. Sie kam auf ihn zu und legte ihre Hand auf seine Schulter.
,,Glaub mir, ich habe mich damals mit winden und schreien gegen die Tatsache gewehrt das du…weg warst und hätte alles getan, um es ungeschehen zu machen, aber es bringst nichts in geschehenem herumzutreten, ich dachte, das hättest du begriffen."
Ungläubig musterte sie ihn: ,,Was regst du dich so auf, Chris? Ich habe dir nur eine Frage gestellt."
,,Entschuldige…" er sah zu Boden, seine Hand legte sich an ihre Wange, ,,…ich habe den Tod meiner Eltern mit der Zeit weg gesteckt, aber deinen werde ich niemals vergessen."
,,Oh Chris…" Jill streckte sich, schlang ihre Arme um seinen Hals, hielt ihn. Einmal mehr wusste sie, wofür sie damals all die Jahre unter Weskers Tyrannei überlebt hatte.
,,Lass uns das Thema wechseln, ja?" er hatte ihre Umarmung entgegnet. Jill nickte, sie lösten sich voneinander.
,,…Allerdings eins bereue ich." sprach Chris von vorne.
,,Hm?" fragend blickte Jill ihm in die blauen Augen.
Er lächelte, während seine Hand an ihr Bäuchlein glitt, während er seinen Kopf senkte. ,,Das hier…"
Jill folgte seinem Blick, legte ihre Hände über seinen.
,,Die beiden…und Eric…" sagte Chris, beäugt die schon beachtliche kleine Kugel, blickte dann noch einmal in die Augen seiner Frau, ,,…Wir hätten das alles schon vor Jahren tun sollen."
Sie lächelte, blickte selbst einmal mehr zu ihrem Bauch. Mittlerweile war es gut zu sehen. Sie konnte es nicht mehr verstecken.
,,Dann hätten wir wenigstens das Geschrei in den ersten Monaten schon hinter uns." scherzte Jill dann.
Chris lachte, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
,,Ach sag, warum hast du mich eigentlich gesucht?" wollte sie dann wissen.
Der Agent rief es sich kurz in Erinnerung und antwortete: ,,Barry hat gesagt, das er heute mal das Mittagessen kocht, brauchst dir also keinen Stress zu machen."
,,Barry? In meiner Küche? Glaubst du das geht gut?" Jill lächelte verschmitzt.
,,Bestimmt…" Chris nahm ihre Hand, ohne das es ihm bewusst war und dann wurde er ernst, fragte sie: ,,…Glaubst du, er und Kathy kommen wieder zusammen?"
Jill seufzte leise.
Schon drei Wochen waren vergangen, seit ihr gemeinsamer Freund notdürftig bei ihnen unter gekommen war.
Barry war dankbar, das er bleiben durfte.
Sicher wäre er auch in ein Hotel gezogen, aber so war der Familienvater wenigstens unter Menschen die er kannte und gern hatte.
,,Ich hoffe es…" sagte Jill ehrlich, ,,…Ich habe letzte Woche noch mal mit Kathy telefoniert, nachdem das Versöhnungsgespräch der Beiden ja total in die Hose gegangen war, doch sie wollte nicht auf mich hören. Auch Claire und Becca haben es versucht, erfolglos."
,,Ja…" Chris sprach leise, ,,…ist schade, wenn die beiden wirklich auseinander gehen sollten."
Jill nickte.
,,Jill? Chris?…Habt ihr hier irgendwo noch Spaghetti versteckt?" Barrys Stimme hallte durch das Haus.
Die Blondine verdrehte die Augen: ,,Ich gehe lieber runter und ihm zur hand, bevor er mir alles durcheinander macht…Siehst du nach Eric? Er spielt mal wieder Indiana."
,,Hat er sich etwa wieder aus seinem Bettlacken ein Zelt gebaut?" fragte Chris amüsiert.
Jill nickte: ,,Ja…" sie schob ihn zur Tür, griff den leeren Wäschekorb im vorbeigehen, ,,…dann kannst du ja gleich mal die Kavallerie spielen."
Chris lachte, als er zu dem Kinderzimmer seines Sohnes ging.
,,Jill?" Barry rief erneut.
,,Ich komme…" entgegnete sie, tauschte noch einen lächelnden Blick mit ihrem Ehemann und war bereits dabei die Treppen hinab zu gehen...
,,Onkel Barry?"
,,Hm?…" der ältere Mann sah den Jungen an, der neben seiner Mutter am Mittagstisch saß.
Eric kaute seine Nudeln: ,,…Wohnst du jetzt immer hier?"
,,Eric man spricht doch nicht mit vollem Mund…" Jill hatte sich zu ihrem Sohn gedreht, wischte ihm mit einer Serviette die Soße vom Kinn.
Barry lächelte: ,,Ich nehme es ihm nicht übel, Jill."
,,Ja ist doch nichts dabei…" fügte Chris hinzu, ebenfalls mit vollem Mund.
Jill blickte ihren Ehemann an und sagte: ,,Ich weiß ja wenigstens von wem er das hat. Du bist doch genauso und dich kann man ohnehin nicht mehr erziehen, drum könntest du mir ruhig helfen deinem Sohn ein paar Manieren beizubringen."
Chris grinste breit: ,,Du machst das doch gut, dafür brauchst du mich nicht…" er blickte zu dem Kind, knipste ein Augen zu, ,,…Immer schön auf Mama hören, ja?"
Eric lachte amüsiert, wusste, das sein Vater es nicht ernst meinte.
Jill seufzte nur, schüttelte den Kopf und widmete sich selbst wieder ihren Spaghettis.
,,Onkel Barry…" Eric beharrte noch immer auf seine Frage.
Der ältere Mann lehnte sich nach vorne und sah ihn eindringlich an: ,,Nein, ich wohne nicht für immer hier…" er hoffte es zumindest, doch sollte Kathy wirklich nicht mehr wollen, war er gezwungen sich etwas eigenes zu suchen.
,,Schade…" Eric zog eine Schnute.
,,Du magst ihn nicht wahr?" fragte Jill ihr Kind und dieses nickte.
Barry war gerührt, streckte die Hand aus und strich dem Jungen sanft über den Kopf: ,,Ich mag dich auch, Kleiner…"
Es klingelte an der Haustür.
Ben stand von seinem Platz neben Chris auf und bellte lauthals.
,,Ist ja gut, Junge…" Chris klopfte ihm sanft an die Seite, um ihn zu besänftigen, ,,…Wir wissen, du bist ein guter Wachhund."
,,Ich geh schon…" verkündete Jill, ,,…vielleicht ist es ja für mich." Sie lächelte und stand auf.
,,Erwartest du denn jemanden?" fragte ihr Ehemann neugierig.
,,Nur den Postboten."
,,Ach ja? Warst du wieder Onlineshoppen?…" Chris wusste das Jill nicht der Typ Frau war, der Stundenlang durch den Kaufhausdschungel huschte.
Unschuldig zuckte sie mit den Schultern, deutete auf ihren Bauch: ,,Sieh mich an, ich habe bald kein Kleidungsstück mehr in das ich noch reinpasse."
Chris lachte und schüttelte den Kopf, als sie amüsiert um die Ecke verschwand. ,,Frauen…" er sah zu Barry, der sich ebenfalls amüsierte.
,,Solange sie nicht deine Sachen trägt kannst du froh sein…" Barry sah seinen Freund an, dachte an dessen erneutes Vaterglück, ,,…Du bist ein Glückspilz, Chris…"
Nachdenklich nickte der Agent, hoffte einmal mehr, das sein Freund seine Familie zurück bekommen würde…
,,Hallo, kann ich Ihnen helfen?" fragte Jill und musterte den jungen Mann an ihrer Tür eindringlich.
Es war nicht der Postbote.
Nein, es war jemand anderes und im selben Moment, da Jill die Tür geöffnet hatte, kam es ihr vor, als hätte man sie mit einem Vorschlaghammer getroffen.
Sie versuchte es zu verstecken, doch irgendetwas lag in den Augen des Mannes vor ihr, die durch eine Sonnebrille nur schwer zu erkennen waren. Etwas vertrautes, was sie doch gleichzeitig erschreckte und einschüchterte.
Der Mann war jünger als sie, vielleicht Anfang zwanzig und ja, er war sogar gute zwei Köpfe größer als sie, größer auch als Chris. Sein rötliches Haar war kurz rasiert, ähnelte der Frisur, die Soldaten hatten über seine linke Wange lief eine Narbe auf der sonst bleichen Haut. Er trug schwere Stiefel, eine dunkle Hose und eine ebenso dunkle Lederjacke. Unten am Straßenrand stand ein Motorrad.
Seines?
…Bestimmt…
,,Sorry Ma´am…" der Mann musterte sie genauso sehr wie sie ihn, ,,…habe keinen Plan ob das hier das richtige Haus ist. Kennst du einen namens…em…ach, wie war der Name noch…" er schien zu überlegen, schnipste in die Finger ,,…Christopher Redfield…oder so?"
Jill hatte sich nicht helfen können, zuckte erschrocken zusammen. Das Schnipsen und die Erscheinung des jungen Mannes erinnerte sie an etwas, was sie glaubte überwunden zu haben. Misstrauisch war sie, zog ihren Körper unterbewusst hinter der Haustür zurück, zum Schutz?
,,Was…" sie stürzte die Lippen, ,,…Wer sind Sie?"
Der rothaarige Mann stieß Luft aus seinen Lungen, stemmte die Arme in die Hüften und blickte sich um. Er ließ den Blick durch die Nachbarschaft streifen: ,,Hör mal, Süße…ich hab ja auch keinen Schimmer, wer du bist, wärest du also so nett mir zu sagen, ob du diesen Kerl kennst, denn was ich mit dem zu klären habe ist meine Sache. Wenn nicht, auch gut, dann bin ich in der falschen Straße und gleich wieder verschwunden." Er zog sich schon zurück, da er wohl glaubte hier wirklich falsch zu sein, doch Jill fragte sich, was dieser Mann von ihrem Ehemann wollte. War er ein Kollege von der BSAA? Er sah nicht danach aus.
Er erinnerte Jill eher an eine Art…Söldner.
,,Jilly? Schatz, was brauchst du denn so lange, es wird doch alles kalt, wenn…"
Sie drehte sich um, blickte in das entgeisterte Gesicht von Chris Redfeld, der zu Stein erstarrt schien, als sein Blick auf den Fremden vor der Tür fiel.
Der junge Mann hatte sich umgedreht, als ihm diese eine, bekannte Stimme in die Ohren drang und zog süffisant einen Mundwinkel nach oben. Hier war er ja dann doch richtig.
Chris erkannte ihn, er traute ihm nicht. Er traute schon seinem Vater nicht, seiner ganzen, verdammten Sippe.
Umgehend schlugen seine Alarmglocken an. Er griff Jill forsch an den Arm, zog sie von der Haustür weg, hinter sich. Schließlich wusste er nicht, ob Jake eine Waffe oder so bereit hielt, um seinen Vater doch noch zu rächen.
,,Was wollen Sie hier?" Chris kam gleich zur Sache.
Jake Muller hob theatralisch beide Hände: ,,Hab ich dich also gefunden. Der Gute Chris Redfield. Ich dachte ehrlich dieses Riesenvieh da unten in der Unterwasseranlage hätte dich und deinen Schoßhund von Partner damals platt gemacht."
Chris fuhr es eiskalt den Rücken hinab, den gleichen Sarkasmus hatte Wesker auch gehabt. Er blickte nach hinten über seine Schulter, als er Jill ausatmen hörte. Er sah, wie sie sich auf die untersten Treppenstufen setzte. Den Blick gerade aus ins leere gerichtet, Erinnerungen an ihren Tyrannen, kamen wohl in ihr hoch und Chris musste nicht raten um zu wissen, das Jill jetzt genau wusste, wer dieser junge Mann da draußen war.
Albert Weskers Sohn.
Ihr fuhr eine peitschende Gänsehaut über den ganzen Körper. Das Gesicht ihres einstigen Captains huschte durch ihren Geist, der Mann da draußen sah ihm so ähnlich. Das war es was sie vorhin schon irgendwie bemerkt hatte…
