Penetrant klingelte sein Handy auf dem Nachttisch, weckte Chris aus seinem Schlaf. Einmal, zweimal, dreimal…immer wieder piepste das elektronische Gerät, wurde dabei auch stetig lauter.

Murmelnd brummte er sein Missgefallen und löste sich nur schwer von Jill, zog seine Hand von ihrem mittlerweile schon deutlich und richtig gerundeten Babybauch. Er drehte sich auf den Rücken und zwang die Augen auf, blinzelte heftig, denn zu so früher Morgenstunde, war es doch noch und trotz des zugezogenen Vorhangs eindeutig zu hell für ihn. Der frisch gefallene Schnee in der letzten Nacht reflektierte und verstärkte nur die aufgehende, kühle Dezembersonne.

Wieder klingelte das Handy und einmal mehr verfluchte Chris die Elektronik.

Tastend griff er danach, stemmte seinen Oberkörper hoch und bemerkte, das Jill sich neben ihm ebenfalls zu regen begann.

,,Wehe, das ist nicht wichtig, es ist halb sechs, Sonntagfrüh!" meckerte er verschlafen, dann lauschte er.

Jill hatte ebenfalls ihre Augen aufgebracht und es gefiel ihr überhaupt nicht, schon geweckt zu werden. Sie hatte lange gebraucht, bis sie endlich bequem liegen konnte, da ihr Rücken sie seit einigen Tagen schon ungemein plagte. Noch Müde fielen ihr die Augen wieder zu.

,,Mathew, jetzt Mal langsam…Was?"

Abrupt riss Jill die Augen auf, Chris´ Stimme hatte erschrocken geklungen, sie lauschte nun ebenfalls. Matt rief an? Ging es um Claire?

,,…Wirklich?…Na, das wurde auch Zeit…" Chris nickte mit dem Hauch eines Lächelns, ,,…Okay, okay…wir sind auf dem Weg." Er legte auf und blickte zu Jill, die den Kopf wissend zu ihm gedreht hatte. Ein verschlafenes Grinsen zierte ihre auch Lippen. ,,Ist es soweit?"
Chris schluckte und nickte lächelnd. ,,Ich werde Onkel."

Mühsam stemmte Jill ihre Arme neben sich und brachte sich in eine sitzende Position, sie nahm wieder Augenkontakt auf: ,,Wann ist sie rein?"

,,Um vier, drei heut Morgen, aber die im Krankenhaus sagten, es würde noch dauern, Matt sagte, er hatte sich erst jetzt gemeldet, weil er uns ausschlafen lassen wollte."

Amüsiert und ironisch hob Jill beide Augenbrauen, sah dann unter sich und eine ihrer Hände glitt über ihre kleine Bowlingkugel.

,,Ja, unter ausschlafen verstehe ich auch was anderes…" er musterte sie, ,,…wie geht es den beiden?"

Jill blickte in seine Augen: ,,Denen geht es sicher gut…"

,,Konntest du denn heute etwas besser liegen?…" er wusste um ihre Rückenschmerzen, ,,…Was macht dein Kreuz?"

Sie zuckte mit den Schultern: ,,Wenn dass das einzige Problem bleibt, bin ich noch zufrieden…" sie schwang ihre Beine auf dem Bett, ,,…Komm, wir sollten zu ihr ins Krankenhaus fahren."

Ruckzuck war Chris an ihrer Seite, um ihr aufzuhelfen. Jill lachte, stand ihm gegenüber, ,,…Danke, aber noch komm ich alleine hoch."

Chris musterte sie von oben bis unten: ,,Sicher? Ich meine…ja, du bist erst in der sechzehnten Woche und…" er legte beide Hände an ihre Rundung, ,,…naja, man könnte meinen, deine Ärztin hat sich verrechnet. Bein Bäuchlein ist ja jetzt schon beachtlich und ich bin sicher, es wird Rebecca nachher auffallen. Immerhin haben wir sie ein paar Wochen nicht mehr gesehen."

Jill legte ihre Hände auf seine und grinste: ,,Ich weiß…meinen Kolleginnen fällt es auch schon langsam auf und gerade letzte Woche hat Claire solche Andeutungen gemacht. Wenn uns also jemand darauf anspricht, dann sagen wir, das es zwei sind."

,,Echt?"

Sie nickte: ,,Ich kann es ja doch nicht ewig für mich behalten. Die Angst das etwas doch noch schief geht, wird bleiben, solange, bis ich unsere Kinder gesund geboren habe."
Chris nickte, er teilte die gleiche Furcht, bemerkte aufmerksam, jedes Zwicken, das Jill spürte, doch im Regelfall waren es nur Rückenschmerzen. ,,Wird schon gut gehen, diesmal…" hauchte er und küsste ihre Stirn, ,,…Ziehst du dich an? Ich wecke Eric und geh dann mit Ben kurz raus. Barry müsste dann so langsam auch mitbekommen das wir wach sind und…"
,,Wir ziehen uns beide an, ich möchte ohnehin noch duschen, dann kümmere ich mich um unser Kind und du dich um den Hund, damit es schneller geht, denn glaub mir, Claire lässt sich sicher nicht so viel Zeit wie ich beim Kinderkriegen."

,,Glaubst du?" fragte er.

Sie nickte grinsend: ,,Sicher, ihr Redfields habt es ja immer eilig, glaub mir ich weiß es, denn ich bin mit einem verheiratet."

Chris lachte glucksend…


Jill sah Kathy zu, die sich mit Eric und einem Kinderbuch beschäftigte.

,,Was ist das?…" wollte Kathy wissen. Eric zeigte zusammen mit der Frau auf die bunte Zeichnung: ,,Hund! Ben auch."

,,Ja, euer Ben ist auch ein Hund…" vollendete Kathy und tauschte einen grinsenden Blick mit Rebecca. Auch Jill schmunzelte. Sie liebte den klang seiner Stimme. Sie sah zu, wie der Junge lachte und sich zu ihr drehte, dann zu seinem Vater blickte.

Chris war das reinste Nervenbündel.

Ungeduldig ging er auf und ab. Er war nicht mit Carlos und Barry hinab in die Cafeteria gegangen, zu besorgt war er um seine Schwester.

Nervös strich er sich das Haar zurück, seine Hand blieb in seinem Nacken liegen. Seit ihrer Ankunft, seit schon annähernd drei Stunden war er einfach nur unruhig. Zwar hatte er schon mit Claire gesprochen und es ging ihr wirklich gut, doch er machte sich einfach immer Sorgen um seine kleine Schwester.

,,Jetzt seht euch das an…" murmelte Jill und schüttelte leicht den Kopf, ,,…man glaubt fast, er wäre der Vater…" sie sah zu ihren Freundinnen, ,,…War der bei mir auch so?"

Die beiden zuckten belustigt mit den Schultern. Eric war es, der zu seinem Vater trippelte, und ihm an Hosenbein zupfte: ,,Daddy…"

Chris hielt inne und besann sich. Er setzte ein Lächeln auf und hob seinen Sohn in die Arme, scherzte. ,,Eu…bist du aber schwer geworden, seit dem Frühstück mindestens zwei Pfund …"

,,Ja, er hatte schon immer deinen Appetit…" Jill reckte sich, atmete durch und stand dann von dem Stuhl auf. Es war kurz nach Mittag, sie musste mal aufstehen uns sich etwas bewegen. Als sie stand, stemmte sie sich die Arme in ihr Kreuz.

,,Alles okay?" fragte er und musterte sie.

,,Ja, ich kann nur nicht mehr sitzen…" sie seufzte und atmete durch.

Rebeccas Blick ging unweigerlich zu Jills Bauch, sie musterte die Rundung, die durch Jills Haltung nur noch betont wurde. ,,Sag mal…" begann Rebecca dann, ,,…dieses fliederfarbene Oberteil…hattest du doch schon, als du noch mit Eric schwanger warst."

Jill blickte in die Augen ihrer Freundin und nickte: ,,Ja, ich habe es letzte Woche im hintersten Teil meines Kleiderschrankes gefunden. Wieso?" Sie hatte ehrlich gesagt nichts mehr, was ihr noch wirklich passte. Alles war zu eng geworden und da hätte sie per Zufall dieses Oberteil entdeckt, war eigentlich der Meinung gewesen sie hätte vor Monaten schon alles ihrer Schwägerin mitgegeben. Vermutlich war dieses Kleidungsstück einfach nach hinten gerutscht.

,,Du bist gerade erst im vierten Monat…" Rebecca ob die Augenbrauen hoch, ,,…also, haltete mich für verrückt, aber ich könnt schören das…"

,,Das was?" fragte die Schwangere und tauschte ein verschmitztes Lächeln mit ihrem Ehemann.

,,Guck dich doch mal an, dein Bauch ist…ordentlich gewachsen, dieses Top hattest du damals bei Eric an, als du im sechsten Monat warst…" besorgt stand Rebecca auf, fixierte Jills Augen, ,,…Ist alles in Ordnung bei dir?"

Wieder tauschten Chris und Jill Blicke, grinsten und er nickte.

,,Weißt du…" begann Jill, drehte sich wieder zu Rebecca, ,,…es ist alles okay, bestens sogar und darüber freuen wir uns riesig…und naja…zwei Kinder brauchten eben auch doppelt so viel Platz."

Rebeccas Kiefer klappte unweigerlich auf, ebenso wie Kathy verdutzt drein blickte. Sie stand nun ebenfalls auf, stellte sich neben Rebecca und fragte: ,,Jill, ist das wahr?" Sie blickte zu Chris.

Er nickte grinsend und legte seine freie Hand an den Rücken seiner Frau: ,,Ja…mein Schatz bekommt Zwillinge."

Augenblicklich stieß Rebecca ein Jubeln aus, klatschte in die Hände und fiel Jill um den Hals. ,,Oh Mann!…Ich freu mich wahnsinnig für dich! Das ist ein Wunder!"

,,Ja…" hauchte Jill lachend, strich ihrer Freundin über den Rücken, ,,…es ist unser zweites Wunder nach Eric…"

,,Chris, du bist wahrlich ein Glückspilz…" meinte Kathy und drückte ihm ein Küsschen auf die Wange.

,,Ja, ja…" lachte auch er, verlegen und tauschte einen grinsenden Blick mit seinem Sohn, der ebenfalls freudig lachte, als hätte er es schon verstanden.

,,Was ist Zwilling?" fragte das Kind.

Chris ging neben ihm in die Hocke: ,,Es bedeutet, das du noch Geschwister bekommen wirst. Spielgefährten und du wirst ein großer Bruder sein, so wie ich es für Claire bin."
,,Dann kann ich mit denen Spielen?"

,,Ja…" Chris nickte, ,,…dauert aber noch ein Weilchen, ja?"

Eric nickte ebenfalls.

,,Woww…" Rebecca musterte die beiden und blickte noch mal zu Jill, während auch Kathy die werdende Mutter in die Arme schloss, ,,…das ist großartig…Eineiig?"

,,Nein…" antwortete Chris, ,,…Zweieiig."

,,Wisst ihr schon, was es wird?…" wollte Kathy wissen, ,,…oder lasst ihr euch wieder überraschen?"
,,Nein, diesmal nicht…" Jill griff die freie Hand ihres Mannes und blickt ihn stolz grinsend an, ,,…Auf dem letzten Ultraschall konnte man es noch nicht sehen, die beiden scheinen etwas scheu zu sein."

,,Aber wir sagen es euch, sobald wir es wissen…" fügte Chris hinzu.

,,Da kann man aber gratulieren, habe ich richtig gehört?"

Die kleine Gruppe drehte sich zu dem Neuankömmling herum, der mit seiner Aussage gerade alles auf den Kopf stellte.

,,Onkel Leon!" Eric jubelte, hüpfte auf den blonden Mann zu und fiel ihm in die Arme. Der Junge lachte, als er hoch gehoben wurde.

,,Leon…" hauchte Jill erfreut, als ihr guter Freund sie an sich drückte.

,,Hey…" begrüßten ihn Rebecca und auch Kathy: ,,…Wo hast du die ganzen Monate gesteckt?"
Leon Scott Kennedy lächelte, blickte in die Gesichter seiner Freunde und sagte: ,,Ach, war einiges los bei uns in der Agency…könnt ihr euch ja denken…" dann erblickte er Chris.

Beide Agenten reichten sich die Hände.

,,Schön das du wieder da bist." sagte Chris.

Leon hob die Augenbrauen: ,,Schön das du wieder da bist…Mann Chris…du warst weg und plötzlich standest du mir in China vor der Nase…"

Chris blickte unter sich: ,,Ja, lange Geschichte." Er dachte an die Jagt nach Ada - Carla zurück. Piers Nivans.

In einem leer stehenden Lagerhaus hatte die Jagd sich zugespitzt und Leon war zum ersten Mal wieder auf seinen alte Freund Chris getroffen. Der Geheimagent holte Luft: ,,Tut mir leid, das ich dir eine Gescheuert habe."

,,Mir auch Leon…" Chris blickte in seine Augen, ,,…Ich war wütend und habe nicht gesehen, was du gesehen hast, aber ich hätte dich niemals ernsthaft verletzt."
,,Das weiß ich Chris…Wir haben beide nur unsere Pflicht getan." Leon setzet Eric derweil wieder ab, erhob sich und legte eine Hand freundschaftlich auf die Schulter seines besten Freundes.

Chris nickte.

Sie verstanden sich.

,,Wie kommst du damit klar?…" wollte Chris wissen, ,,…Nach allem, was mit dem Präsidenten passiert ist?"

Leon seufzte, blickte zu Jill, dann zu den anderen: ,,Er war ein Freund…" er sah unter sich, ,,…Der Mann fehlt mir, dennoch muss es weitergehen. Der Vizepräsident hat alles soweit wieder in den Griff bekommen, bis im Januar die neuen Wahlen stattfinden werden. Hunnigan und die Kollegen vom Secret Service sind allerdings noch immer Schockiert. Man kann es ihnen nicht verübeln. Dieser Terroranschlag mit dem Tod des Präsidenten der Vereinigten Staaten stellt beinahe Racoon City noch in den Schatten."

,,Gut, das ihr Simmons aufhalten konntet."

Leon nickte, blickte kurz unter sich: ,,Ja…aber der Preis war hoch."

,,Ihr habt es beide überlebt…" sagte Kathy, ,,…seid dankbar dafür."

Der Geheimagent nickte ein weiteres Mal, blickte dann erneut in die Runde: ,,Also, wie geht es Clairchen? Als Matt anrief und mir sagte, das eine meiner besten Freundinnen ihre Tochter zur Welt bringt, bin ich von Philadelphia gleich hier her gefahren."

,,Sie ist okay…dauert aber noch ein Weilchen." sagte Rebecca.

,,Hast du Angela nicht mitgebracht?" wollte Jill dann von ihm wissen.

Leon lächelte bei dem Gedanken an seine Liebste: ,,Sie kommt nach, musste noch kurz ins Department. Sie wird in etwa einer Stunde hier sein."

,,Gut, denn ich wollte noch mit ihr reden." Jill verstand sich gut mit Leons hoffentlich bald mal Verlobten. Lange genug waren sie schließlich schon zusammen…


Leon Scott Kennedy nahm den Tod des Präsidenten noch immer hart. Er war zu seinem Schutz da, dafür verantwortlich, doch als es darauf ankam hatte er nicht nur versagt, sondern es war sein Finger der den Abzug gedrückt hatte.

,,…hoffe, das kann er mir eines Tages vergeben." Leon stand bei Barry, Carlos und Chris draußen vor den Türen des Krankenhauses. Sie hatten frische Luft gebraucht.

Angela war mittlerweile auch eingetroffen. Die Frauen waren noch immer oben, redeten, tratschten und warteten, genau wie die Männer.

,,Mach dir keine Vorwürfe, Junge…" Barry legte ihm die Hand an die Schulter, ,,…Ich bin sicher Adam ist dir in diesem einen Punkt dankbar. Du hast ihn erlöst, er hätte sicher nicht gewollt, das er weiter untot umher wandeln muss."

,,Ich weiß deine Aufmunterungsversuche zu schätzen, Barry…" Leon sah ihm in die Augen, ,,…Ich hoffe auch wirklich, das du das mit deiner Frau wieder gerade biegen kannst. Nach allem was ich gehört habe, weiß sie selbst nicht, was sie will?"

Barry nickte: ,,Woher…"

,,Kathy hat es Angela erzählt."

Carlos hob amüsiert die Augenbrauen: ,,Da können wir Jungs ja alle froh sein, das sich unsere Frauen so gut miteinander verstehen, so kommen auch wir an manch wichtige Einzelheiten."

,,So?" Chris blickte den ehemaligen Söldner an.

,,Ja…" Carlos nickte, ,,…ich weiß so einiges über dich und Jill und über die Tatsache, das du gegangen bist."

Barry ging strickt dazwischen: ,,Lass es doch ruhen, Carlos. Es ist nicht dein Bier."

Auch Leon bemerkte die erneuten Spannungen zwischen Carlos und Chris, fragte: ,,Was ist mit euch? Ihr hattet euch doch ausgesöhnt."

,,Er kann es einfach nicht einsehen, das Jill und ich wieder zusammen sind. Er hasst mich, weil ich meiner Pflicht nachgegangen bin."

,,Das ist nur eine Ausrede! Du hast sie einfach im Stich gelassen, Chris…" Carlos fuhr ihn sauer, ,,…Niemand war da, verstehst du. Jill stand mit einem kleinen Kind ganz alleine da, nur weil du den Helden spielen musstest."
,,Ich bin kein Held…"
,,Da hast du verdammt recht!" schnappte Carlos zurück, funkelte den Agenten sauer an, fühlte wie Leon es war, der ihn zurück hielt. ,,Carlos du solltest dich da raus halten…" sagte er, ,,…das ist wie Barry schon sagte, nicht unsere Sache. Jill hatte sicher ihre Gründe, genau wie Chris."
,,Du musst akzeptieren, das die beiden einander gehören, Himmel, die bekommen noch mal ein Baby, klar…" sagte Barry, ,,…Kümmere du dich lieber um Rebecca."

,,Ihr verteidigt ihn einfach immer, was?…" fragte Carlos, blickte in die Gesichter seiner Freunde und prompt mischte eine Frauenstimme mit: ,,Habt ihr euch schon wieder in den Haaren, Jungs?"

Angela Miller war es, die nach draußen kam, Leon suchte und sich lächelnd neben ihn stellte. Ihr braunes, langes Haar wellte sich über ihren Rücken. Sie trug einen hellgrauen Mantel, steckte ihre Hände in die Jackentaschen von Leon, um diese anzuwärmen und stahl ihm einen Kuss.

Der dunkelblonde Mann lächelte zufrieden. Er war glücklich mit ihr.

Einen Arm legte er um ihren Rücken: ,,Na? Schon fertig? Ich dachte, Jill wollte mit dir reden?"

,,Hat sie auch."

,,Und?"

Angela hob ihre Augen, lächelte einmal mehr: ,,Und was? Sie wollte nur etwas wissen. War nur ein Frauengespräch, nichts weiter, Scott." Sie schmiegte sich an ihn, hielt Jills wahre Absicht aber wie versprochen für sich.

Leon lachte, drücke Angela sachte an sich. Seine Liebste nannte ihn hin und wieder bei seinem zweiten Vornahmen, zum Spaß.

Chris seufzte. Ein kühler Windhauch war gerade herauf gezogen, noch immer schneite es aus vollen Zügen.

Der Agent steckte die Hände in die Hosentaschen und begann sich von der Gruppe zu entfernen: ,,Ich werde mal wieder hoch gehen…"

,,Hey, komm schon, deine Schwester ist zäh, die packt das schon." sagte Barry.

,,Ich weiß…" entgegnete Chris nur, ging dann trotzdem wieder ins Innere des Krankenhauses. Er machte sich zwar nicht wenige Sorgen um Claire, aber irgendwie wollte er auch zu Jill zurück…


Chris stieg im zweiten Stock aus dem Aufzug, ging gerade aus am Schwesternzimmer dieser Station vorbei und bog dann links in den Gang, stoppte plötzlich, als er seine Frau erblickte, die mit einem Mediziner redete.

Jills Körperhaltung war zurückweichend, strickt.

Der Mann vor ihr sprach auf sie ein, wollte ihren Arm greifen, kam näher und Chris wurde umgehend wütend. Er kannte den Typen. Es war schon wieder dieser Kinderarzt, der einen Narren an Jill gefressen hatte.

Eilig beschleunigte Chris seine Schritte, den langen Flur hinab.

,,…wollen Sie denn nur von mir?…Lassen Sie mich endlich in Ruhe!" Jill entriss ihm ihren Arm, wich weiter zurück, da hatte sie die Fensterbank im Rücken.

,,Aber Jill, ich will doch nur das Beste für Sie…für ihre Kinder…" Dr. James blickte auf den Bauch der Schwangeren, ,,…es könnte so schön sein."

,,Hey!…" Chris kam wie ein Wirbelwind dazwischen, griff dem schmalzigen Engländer an die Schulter drückte ihr von Jill weg. Schubste so heftig, das der Arzt mit dem Rücken gegen die gegenüberliegenden Wand stolperte.

Demonstrativ stellte Chris sich schützend vor Jill, ,,…Es wird erst richtig schön, Freundschen, wenn meine Faust Bekanntschaft mit Ihrer Visage macht!…Wie deutlich muss die Lady denn noch werden? Lassen Sie meine Frau in Ruhe, klar!"

Empört blickte der Mann zu Chris: ,,Sie haben mich geschubst? Sie drohen mir? Wagen sie es nicht, ich kann mir die Besten Anwälte leisten!"

,,Drohen Sie mir?…" fragte Chris ironisch, ein leichtes Grinsen auf den Lippen, ,,…Dann tunen Sie es! Laufen Sie zu ihrem Anwalt, es hat ohnehin niemand etwas gesehen, also was wollen Sie dann machen?"

Der Arzt entfernte sich ein paar Schritte, er schien wirklich Respekt, Furcht vor Chris zu haben. ,,Das haben Sie nicht für nichts gemacht! Sie werden es noch bereuen!…" er blickte noch einmal zu Jill, dann wieder zu Chris und dann schob er seinen Arztkittel zureckt, drehte er sich schnaufend um und ging den Gang hinab.

Chris sah ihm nach, bis er um die Ecke war und wartete ab, bis der Typ wirklich nicht mehr da war, geschweige denn um die Ecke spitzen konnte, ehe er sich endlich zu Jill herum drehte.

Besorgt musterte er sie.

Jill stand noch immer an der Fensterbank, still, hatte eine Hand schützend über ihren Bauch gelegt.

,,Bist du okay? Hat er dir was getan?" Chris hatte seinen Zorn runtergeschluckt, wusste er jedoch nicht, wie lange dieser Mann sie schon bedrängt hatte.

Sie blickte auf, in seine Augen und nickte: ,,Alles in Ordnung."

,,Was wollte er denn schon wieder?" Chris stellte sich neben sie, lehnte sich ebenfalls gegen die Fensterbank.

,,Keine Ahnung. Der Kerl wird mir echt unheimlich. Ich dachte, er hätte das von vorgestern auf dem Weihnachtsmarkt verstanden."

,,Na jetzt hat er es mit Sicherheit. Wenn der dich noch einmal belästigt, dann kann er sich hinterher selbst operieren." er seufzte.

,,Bitte Entschuldige, Chris." Sie wollte selbst damit fertig werden, doch irgendwie war Dr. Derek James einfach zu hartnäckig einzusehen, das sie einfach nichts von ihm wollte. Sie war froh gewesen, das Chris plötzlich da gewesen war.

,,Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Jill…" er strich ihr eine Haarsträhne hinters Ohr, ,,…Ich weiß ja selbst, das meine Frau verdammt gut aussieht."
,,Ach ja?" Sie hob die Augenbrauen, grinste.

Er tat es ihr gleich, netzte seine Lippen, hielt ihren Augen stand. ,,Ja…sie ist nicht zu verachten…" er ging auf ihr Spielchen ein, ,,…Weißt du, sie ist wirklich attraktiv, hat eine ordentliche Portion Brüste, einen schönen Hintern. Ihr Harr glänzt im Tageslicht beinahe so, als wenn es strahlen würde und sie hat wunderschöne eisblaue Augen, die einen ein jedes Mal an einen frostig schönen Wintermorgen erinnern. Dann dieses Lächeln…" er schwärmte förmlich, ,,…Welcher Mann würde ihr da nicht zu Füßen liegen wollen?"

Jill grinste weiterhin: ,,So, ist das alles, was du an deiner Frau liebst? Ihr Äußeres?"

Chris lachte, schüttelte amüsiert den Kopf: ,,Nein…das sind Äußerlichkeiten. Das, was mich anspricht, liegt tief innen…Weißt du, meine Frau ist ein guter Mensch, sie hat ihr Herz am rechten Fleck, ihr kann ich blind mein Leben anvertrauen. Sie hat Sinn für Humor, ist immer da, wenn ich jemanden zum reden brauche. Sie ist mein bester Freund, der zweite Teil meines Ichs und ohne sie, will ich nicht mehr sein."

Tief atmete Jill durch.

Ihr Herz machte einen Sprung, nach dieser erneuten Liebeserklärung. Ein jedes Mal war ihr bewusst, wie sehr sie in diesen Mann verliebt war, es ließ sich nicht abstellen und bei Gott, sie wollte das auch überhaupt nicht.

Sanft legte sie eine Hand an seine Wange, stahl sich einen süßen Kuss von seine Lippen, fühlte seine Hand an ihrer Hüfte. ,,Weißt du…" sie blickte ihm in die Augen, ,,…das geht mir mit meinem Mann genauso."

Chris lachte, drückte Jill an sich und verschloss ihre Lippen abermals zu einem Kuss, der jedoch im gleichen Moment wieder jäh unterbrochen wurde, als Jill zusammen zuckte, zurück wich. Ihre Hände glitten an ihren Babybauch.

,,Hast du was?" fragte Chris leicht besorgt, über ihre abrupte Reaktion. Seine Hände lagen noch immer an ihren Seiten.

Jill hauchte Luft aus ihren Lungen, wartete kurz und dann begann sie zu lächeln, sie lachte leise.

,,Was…Was ist?" er konnte ihr nicht folgen, er verstand nicht was vor sich ging, doch seine Sorgen wurde von ihr gleich in alle Winde zerstreut.

,,Ich kann sie fühlen…" Jill sah auf, in seine Augen, ,,…Chris, ich kann unsere Babys fühlen!"

,,Was?…" seine Augen huschten zu ihrem Bauch.

,,Ja…" sagte sie mit Nachdruck, lächelte noch immer, ,,…es fühlt sich so…kribbelig an. Ja, etwas bewegt sich."

,,…Echt? Wo?…Ist das nicht zu früh, du bist erst im vierten Monat." sanft legte er seine Hand neben ihre. Er wollte die Kinder auch fühlen.

Bedauernd legte Jill ihre Hand auf seine und schüttelte den Kopf: ,,Ich glaube nicht, das es schon so stark ist…ich fühle es in mir drin."

Enttäuscht ließ Chris die Schultern hängen: ,,Schade…" Er hatte sich darauf gefreut, doch es war ein gutes Zeichen. Seine Kinder lebten, er freute sich.

Aufmunternd leget sie ihm ihre freie Hand an die Wange: ,,Och, du wirst sie noch oft genug spüren, da bin ich sicher und wenn die beiden erst mal da sind, dann werden sie dir noch bist ins hohe Alter auf der Nase herum tanzen."

Chris lachte leise mit ihr, legte seine Stirn an ihre und hauchte ihr Küsse auf Wange und Nase, drückte sie an sich und auch Jill schlang die Arme um seinen Hals. Sie freuten sich beide, sie waren glücklich.

,,Jill! Chris!…"

Rebeccas stimme klang auf dem Flur.

Die beiden fuhren auseinander, drehte sich zu ihrer Freundin, die eilig näher hastete.

,,Was ist los?" fragte Chris.

Rebecca lächelte bis über beide Ohren: ,,Es ist Claire…es ist soweit! Beeilt euch, ich rufe die anderen noch!" Sie huschte grinsend an ihnen vorbei.

Chris und Jill sahen ihr kurz nach, tauschten dann freudige Blicke, griffen einander an der Hand und gingen zurück in den Wartbereich vor den Kreissälen…

Matt strahlte bis über beide Ohren, als er aus der großen Flügeltür trat, auf die kleine Gruppe, all seine Freunde zukam. Das kleine, zerbrechliche Bündel in seinen Armen quengelte, bewegte sich.

Rebecca legte sich die Hände an den Mund, freute sich, genau wie Kathy und Angela. Leon grinste, hatte Eric auf dem Arm. Barry und Carlos tauschten freudige Blicke, sahen dann zu dem frisch gebackenen Vater, der auf Jill und Chris zuging.

Matt blieb vor seinem baldigen Schwager stehen war sichtlich überglücklich: ,,Chris…hier ist deine Nichte."

Der BSAA - Agent fühlte etwas eigenartiges in seiner Brust, als ihm das kleine Neugeborene in den Arm gelegt wurde. Eingewickelt in eine weiße Decke, trug sie einen rosafarbenen Schlafanzug. Neugierig beäugte das Baby seinen Onkel.

Chris lächelte, wurden seine Augen doch etwas feucht. Das kleine Mädchen, seien Nichte war bildhübsch. ,,…Sie hat die Augen unserer Mutter…" hauchte Chris, blickte in das gleiche Grün, mit dem seine Mutter ihn immer angeblickt hatte.

,,Claire hat das auch gesagt…" murmelte Matt glücklich.

,,Sie ist wundervoll…" sagte Jill leise, hatte eine Hand an den Rücken von Chris gelegt. Sie sah einmal mehr wie sanft er doch sein konnte. Unnahbar im Kampf, ein starker Bulle, ein Krieger ohne Kompromisse, doch im Innern war er nicht so hart wie seine Schale, nein, Jill kannte ihn in- und auswendig. Sie wusste, das die Geburt seiner Nichte ihn glücklich machte. Er liebte seine Schwester sehr. ,,Wie heißt sie denn?" fragte Barry.

Matthew blicke in die Runde und sprach es aus: ,,Kathryn Anne Redfield McCarthy."

Ungehend blickte Chris auf zu Mathew, glaubte nicht, was er gehört hatte. Kathryn war der Name seiner und Claires Mutter.

,,Ein schöner Name…" sagte Kathy, schniefte.

,,Ist ein Baby…" hauchte Eric, besah sich das kleine Mädchen.

Leon kam mit ihm näher und nickte: ,,Tja, jetzt bist du nicht mehr das Nesthäkchen, was sagst du dazu?"

Der Junge grinste: ,,Bin schon groß"

Jill drehte sich zu ihrem Sohn, lächelte.

,,Wie geht es Claire?" fragte Chris, der endlich wieder seine Stimme gefunden hatte.

Matt schluckte und nickte: ,,Du kennst deine Schwester, sie würde am liebsten gleich aufspringen und nach hause gehen."

,,Kann sie das denn?"

Der frisch gebackenen Vater lachte: ,,Sicher, sie war schon auf, hat die kleine eigenhändig gebadet. Ehrlich, ich habe den Eindruck, sie hat die Geburt weg gesteckt, als wäre es nichts gewesen."

Chris lächelte.

Ja, seine Schwester war schon immer ein Stehaufmännchen gewesen, genauso wie er.

,,Jill, sie möchte dich sehen." sagte Matt dann an die Blondine gerichtet.

Verwundert hob Jill die Augenbrauen: ,,Mich?"

Mathew nickte…


Überglücklich umarmten die beiden Frauen sich.

Jill hatte sich zu Claire ans Bett gesetzt, sie beglückwünscht und als die beiden sich wieder voneinander lösten, ergriff Jill das Wort: ,,Du hättest deinen Bruder sehen sollen. Er war zur Salzsäule erstarrt, so überwältigt war er."

Die junge Mutter lächelte: ,,Glaub ich dir…ich bin so froh über meine kleine Tochter. Ich sehne mich ja jetzt schon wieder nach ihr."

Jill nahm ihre Hand. ,,Du siehst gut aus, kaum zu glauben, das du gerade erst ein Kind zur Welt gebracht hast."

Claire war zwar etwas erschöpft, doch nickte, sah ihrer Schwägerin in die Augen: ,,Ich weiß. Das hab ich von Chris. Einfach weiter machen…" sie lachte und fügte dann im ruhigeren Ton hinzu: ,,…Du hattest recht, Jill."

,,Womit?"

,,Damals…ein Kind zu haben verändert einen und ich kann erst jetzt verstehen, wie es dir nach Erics Geburt gehen musste."

Jill nickte lächelnd: ,,Es ist wundervoll, das stimmt und…du hast es in Rekordzeit geschafft, wir haben halb sechs Uhr abends."

,,Echt? Waren das nur knapp fünfzehn Stunden? Woww…"

Beide Freundinnen lachten erneut miteinander, dann fragte Jill: ,,Wolltest du mich deshalb sehen? Um mir das zu sagen?"

Die Brünette schüttelte den Kopf: ,,Nicht nur…ich wollte wissen em…Ob du es dir denn jetzt auch überlegt hast. Ich will noch immer, das du Kathryns Patin wirst."

,,Es wäre mir eine Ehre."

Claire lächelte, denn sie wusste, Chris würde damit automatisch und mit Sicherheit der Pate werden. Besser aufgehoben könnte sie sich ihre kleine Tochter nicht vorstellen…

Chris saß am späten auf der Bettkante.

Er war überglücklich das alles so gut gegangen war. Sie hatten noch eine ganze Weile im Krankenhaus verbracht. Es war schön, perfekt und Chris stellte einmal mehr fest, wie sehr sich alles um ihn herum zusammenwebte, verknüpfte.

Er hatte seine Familie, Claire hatte nun ihre und dennoch gehörten sie alle zusammen. Nichts würde das mehr ändern. Nie wieder.

Chris lächelte breit, als er jemanden ins Zimmer kommen hört, Bewegungen auf dem Bett wahr nahm. Es war Jill die gekommen war, über das Bett kroch und ihre Arme von hintern um ihn schlang.

Sanft hauchte sie ihm einen Kuss auf die Schläfe. ,,Hey, Onkel."

Er hörte ihr Lächeln, drehte den Kopf zu ihr um: ,,Selber Hey, Tante…schläft unser Sohn?"

Jill nickte.

,,Das ging ja schnell…"

,,Tja weißt du, ich habe ihm einfach erzählt, das man als großer Junge und frisch gebackener Cousin fitt sein muss."

Chris lachte, griff ihre Arme und zog sie sanft zu sich nach vorne, darauf bedacht ihr nicht weh zu tun, auf ihren bauch aufzupassen.

,,…und bald ist er ein großer Bruder."

Jill blickte zu ihrer Rundung, nickte.

Ja, zum ersten Mal seit sie schwanger war, seitdem sie ihre Kinder heute gespürt hatte, glaubte sie auch daran. Es musst gut gehen.

,,Schon komisch, was?…" sprach Chris dann weiter, war ihrem Blick gefolgt und als sie wieder zu ihm aufblickte, er ihre Augen traf, fuhr er fort, ,,…Wie schnell die Zeit davonrast."

Jill nickte: ,,Ja…kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, das du mich zurück gebracht hast."

Chris beugte sich zu ihr, hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, ließ seine Hand dann in ihrem Nacken liegen: ,,…Viel ist seitdem passiert…zu viel. Es soll nie wieder so sein."

Sie stimmte zu, stahl sich ihren Kuss zurück: ,,Sehen wir nach vorne, was sehen wir da?"

,,Ich sehe dich, mich, unsere drei Kinder, die Familie und unsere Freunde."

Schmunzelnd grinste Jill: ,,Ich auch…aber genau jetzt…" sie drehte den Kopf zum Radiowecker, ,,…ist es kurz vor halb zehn und weißt du was ich sehe?"

Sein Grinsen wurde genauso breit: ,,Nein, was denn?" Seine Hand strich ihr über die Wange.

,,Ich sehr dich und mich in wenigen Minuten unter der Dusche…gemeinsam?" Jill hob fragend die Augenbrauen.

,,Wie kann ich denn da `Nein´ sagen?" verschmitzt hielten seinen Augen ihren stand…