Er zerrte sie die Treppen in den Keller seines Hauses hinab.

Jill konnte nichts anderes tun, als nachzugeben. Sie hätte sich verteidigen können. Sie hätte sich wehren können, gegen ihn, als er ihr vor TerraSave auflauerte. Mit Leichtigkeit hätte sie ihm das Messer entwenden können, mit dem er sie bedrohte. Er hatte ihr versichert, das er zustechen würde, sobald sie etwas unternahm, oder zu schreien anfing.

Warum sie es also dann zugelassen hatte war einfach.

Der Mann hatte ihr versichert, das er ihren Sohn entführt hatte, ihm etwas passieren würde, wenn Jill nicht das tat, was er verlangte.

Allein das war Grund genug. Der andere war genauso simpel.

Sie war schwanger.

Niemals würde sie ihre Kinder in Gefahr bringen, nur um ihre Kampfkünste unter beweis zu stellen. Ihr Leben war ihr nicht wichtig, das ihrer Babys schon. Es brauchte nur einen ungeschickten Hieb, eine kleine Unachtsamkeit und eine Katastrophe würde geschehen. Sie würde daher abwarten, bis der richtige Moment da war und sie sich ihrer Sache, ihrer Verteidigung ganz sicher war.

Jill kannte den Mann, der sie entführt hatte. Es war der Kinderarzt, der ihr schon seit Monaten nachstellte, der Mann der einen hypokritischen Eid geschworen und ihrem Sohn einmal das Leben gerettet hatte.

Der kurze Flur im Keller endete in einem Raum.

Er führte sie weiter hinein, zu einem Stuhl an der Wand. Im nächsten Moment drückte er sie auf diesen Suhl, da schnappten auch schon Handschellen um ihr eines Handgelenk, das sie mit einer Rohrleitung der Heizung verband.

Der Arzt trat zurück, lächelte und seufzte zufrieden. ,,Du bist so wunderschön."

Jill sagte erst nichts, blickte dem Mann nur argwöhnisch in die Augen. Sie konnte jetzt nicht unbedingt sagen, das sie große Angst vor ihm hatte. Jedoch fragte sich sie, was seine Beweggründe waren und was sie hier sollte.

Der Raum in dem sie sich befand war nicht besonders groß.

Ein recht kahler, fensterloser Kellerraum. Der Boden war mit Holz verkleidet, die Mauern weiß gestrichen. Neben ihr befand sich die Heizung, darunter eine einfache Federkernmatratze. Es war schon jetzt weitaus komfortabler als ihre Zelle damals in Afrika oder in der Tricell-Einrichtung. Ihr gegenüber befanden sich Regale mit Vorräten, Einmachgläsern und allerlei Werkzeug.

,,Wo ist mein Sohn?" Sorge lag in ihrer Stimme.

,,Dein Sohn? Ach Eric…ja…" der Mann lächelte, ,,…Der ist gut aufgehoben."

Ihr dämmerte es und sie schüttelte den Kopf: ,,Sie haben ihn nicht! Er ist nicht hier!…" sie war darauf reingefallen, aber auf diese Drohung wäre wohl jede Mutter reingefallen.

,,Nein, leider hat ihn die Kindergärtnerin nicht raus gegeben, als ich mich als Freund seiner Mutter vorstellte."

,,…Was wollen Sie von mir?" fraget Jill, beruhigt darüber, das wenigstens Eric in Sicherheit war.

Derek hatte das Messer noch immer in der Hand, grinste dann. In seinem Blick lag etwas sehr eigenartiges. Etwas, das sie sonst nur in den Augen von Chris wieder fand. Liebe?

Er schluckte, schien nervös, doch freudig wie ein kleines Kind, als er in seine Hosentasche griff, ein kleines Etwas hervorzog.

Jill stutzte. Er wollte doch nicht etwa? Oder doch?

Und dann ging Derek vor ihr auf die Knie, nahm ihre freie Hand und legte ihr einen Ring auf die Handfläche. ,,Jillian…Willst du mich heiraten?"

Wäre sie nicht an einen Heizkörper gekettet und zuvor von einem ihr fremden Mann in dessen Kellerraum gezerrt worden, hätte sie laut aufgelacht, doch so behielt sie es lieber für sich, denn offensichtlich war der Mann wahnsinnig. Ihn übermäßig zu reizen könnte böse enden.

,,Was sagst du dazu, mein Liebling?"

Jill schauderte bei seinen Worten, bei seiner Berührung und sie schluckte. ,,Das kann nicht Ihr ernst sein, Dr. James…"

,,Und ob…" er blickte ihr in die Augen, ,,…du bist alles, was ich je wollte. Du bist mein Glanz, meine Sonne…ich liebe alles an dir, dein Aussehen, dein wundervolles, blondes Haar…"

,,Dann muss ich Sie enttäuschen…" entgegnete Jill sarkastisch, ,,…eigentlich bin ich Brünett." Sie glaubte kaum, was er von ihr wollte. Würde sie den Wahn nicht in den Augen des Mannes nicht sehen, würde sie es für einen schlechten Scherz halten.

,,…Das ist mir egal…" sagte er, nahm ihren Pferdeschwanz in seine Hand, roch daran, ,,…Du bist so sinnlich, noch nie habe ich etwas so begehrt wie dich…" dann sah er ihr wieder in die Augen, ,,…Heirate mich, Jill!"

,,Das geht nicht…" obgleich sie diesen Mann damit wütend machte, sie wollte nicht von ihm angefasst werden. Zog ihre Hand zurück, der Ring klapperte zu Boden. ,,…Ich habe bereits einen Mann. Ich liebe ihn mehr als alles andere und ich trage seine Kinder! Lassen Sie mich auf der Stelle gehen!"

Wut prasselte in seinem Geiste nieder, zornig stand er auf, hob die Hand und schlug zu.

Es knallte laut, Jill keuchte, als ihr Kopf zur Seite flog, ihre linke Gesichtshälfte pochte. Instinktiv hatte die ihre freie Hand schützend an ihren Babybauch gelegt.

,,Das war die falsche Antwort! Sag mir was ich hören will!"

Jill leckte sich das Blut von der Lippe, blickte auf, direkt in die Augen des Mannes: ,,Wissen Sie, es ist nicht das erste Mal, das man mich entführt hat. So langsam wird das zum Alltag meines Lebens. Sie können mir keine Angst einjagen!"

Sein Zorn verflog, sah er das Blut. ,,Liebling…ich will dir nicht weh tun…" er beugte sich zur ihr, nahm ihren Kopf in seine Hände und hauchte ihr einen Kuss auf den Haaransatz, dann wich er wieder zurück, ,,…Glaubst du nicht, ich habe an alles gedacht? Ich habe oben ein Kinderzimmer eingerichtet. Nur für das Kind. Wer wäre denn ein besserer Vater als ich? Ich bin Kinderarzt. Ich kann unser Baby gesund halten, es richtig erziehen."
,,Sie sind krank, Dr. James, Sie brauchen Hilfe!" Es war offensichtlich, das der Mann total fanatisch war.

,,Was ich brauche, kannst nur du mir geben…" er wollte sich ihr wieder nähern, doch ganz plötzlich aus heiterem Himmel klingelte es an der Haustür.

,,Wer ist das?" fragte er sich.

Jill blickte ebenfalls auf, holte Luft, doch da hatte sie schon das Messer am Hals. Derek griff ihren Pferdeschwanz, zog ihn nach unten, sodass sie ihm in die Augen sehen musste.

,,Du bist still, verstanden! Wenn du dich bemerkbar machst, dann wird es das Balg in dir bereuen." Er entfernte sich, schloss und verriegelte die Tür von Außen.


Sie war erleichtert, das sie ihn fürs erste los war und bemerkte offensichtlich, das ihr Entführer überhört hatte, das sie Zwillinge trug. Das war ihr allerdings egal, sie musste hier raus. Vielleicht war das ihre Chance.

Jill blickte auf die Handschellen. Es waren nicht die allerneusten Modelle, aber immerhin richtige Justizhandschellen. Wie sollte sie die ohne Dietrich nur…

Sie kam auf einmal nicht umher einen Mundwinkel zu heben, griff mit ihrer freien Hand in ihre reichlich zerzauste Frisur und zückte eine kleine metallene Haarklammer, die jene Strähnen nach hinten halten sollten, die zu kurz für das Haargummi waren.

Mit Hilfe ihrer Zähne bog Jill die Klammer auf, sodass die zwei Enden nicht mehr press aufeinander lagen.

Sie drehte sich zu dem Heizkörper. ,,Seht nur hin, Kinder. Mami zeigt euch, wie man das macht…" Jill setzte ein Ende des kleinen Metallstückes in den kleinen Spalt seitlich an den Handschellen ein, dort wo der Verschluss im innern lag. Sie tastete, horchend und als sie die Klammer an der richtigen Stelle hatte, drückte sie. Mit einem Schnappen glitt die Schelle auf und ihr Handgelenk war wieder frei.

Im Geiste dankte sie ihrem Vater erneut für die Diebesausbildung, für die Kniffe, die er ihr in jungen Jahren schon beigebracht hatte.

,,So, ich zeig es euch noch mal, wenn ihr älter seid…" Jill stand triumphierend auf, griff sich an den Bauch, strich sich darüber. Ihre Kinder bewegten sich in ihr. ,,…ja, ja, ich weiß. Wir verschwinden hier, Daddy macht sich sicher schon Sorgen." Dann fasste sie sich ins Kreuz, es tat weh und fühlte sich an, als würde eines ihrer Kinder ihr auf de Wirbelsäule liegen. Doch sie konnte jetzt nicht darauf achten, sie musste zur Tür und hier raus.

Jill kam nur zwei Schritte weit, da hörte sie auch schon, wie die Tür wieder entriegelt wurde. Derek kam zurück!

Sie drehte den Kopf zu den Regalen, schnappte sich zwei der Einmachgläser. Wenn sie richtig traf, würde der Mann zu Boden gehen und sie könnte entkommen.

Dann war es soweit.

Die Tür ging auf und ein rothaariger Mann streckte die Nase vorsichtig herein.

Jill hielt gerade noch ihre Hand, ihren Schwung zurück, da sie den fremden erkannte. Ungläubig weitete sie die Augen: ,,Jake?"

Er sah sie umgehend, zuckte zurück: ,,Woww!…" er deutete auf die Einmachgläser, ,,…kämpft ihr Hausfrauen denn normalerweise nicht mit Bratpfannen statt mit Sauerkirschen?" Er drückte die Tür vollends auf, drehte sich um. Jake bückte sich, griff etwas regungsloses und schleifte Dr. Derek James an den Beinen herein.

Die Nase des Arztes blutete, er hatte ein übles Veilchen.

,,Was geht hier vor?" misstrauisch wagte Jill nicht nähe zu kommen, doch hatte die Gläser gesenkt.

,,Das sag ich dir, Puppe…" Jake deutete auf den bewusstlosen Entführer, ,,…der kann sich jetzt selbst die Nase wieder richten." Er grinste, drehte sich dann zu Jill um, beäugte sie. Er sah, das sie nicht verstand, was vor sich ging und wusste, das er es ihr erklären musste. Beide Hände hob er, nachdem er sein Handy gezückt hatte: ,,Hey, ganz ruhig, ich rette dir nur den Arsch…Hier…" er warf ihr das Handy zu, ,,…Ruf mal den Muskelprotz von Ehemann an und…" Jake überlegte fuhr sich mit den behandschuhten Fingern über die Oberlippe, erhob dann den Zeigefinger, ,,…ach ja, die Bullen wären wohl auch nicht schlecht. Ich werd´ das Kerlchen hier erst mal zusammenbinden."
Jill war völlig überrumpelt…


…und sie war noch immer völlig neben der Spur. Sie hatte mit Jake…Albert Weskers Sohn noch keine zwei Worte gewechselt.

Zu sehr fragte sie sich, was er hier wollte. Wieso ausgerechnet er ihr zur Hilfe gekommen war. Sie hatten Wochenlang nichts von Jake gehört oder gesehen. Warum also jetzt?

Wie Jill es geschafft hatte die Polizei zu verständigen war ihr ein Rätsel. Sie erinnerte sich nur noch an die aufgeregte Stimme ihres Ehemannes.

Still stand sie vor der Haustür und sah dem Schneefall zu, sah, wie zwei Polizei ihren Entführer in Handschellen an ihr vorbeiführten. Kurz trafen sich ihre Blicke und Jill schauderte plötzlich. In den Augen des Mannes sah sie nun Hass und Zorn. Er wurde vom Sanitäterteam vorab durchgecheckt, hatte allerdings nichts ernstes, außer ein momentan deformiertes Gesicht.

Ein weiterer Officer trat zu Jake, der neben Jill stand, zückte einen Notizblock: ,,Wie ist Ihr Name, Mister? In welcher Beziehung stehen Sie zu Täter und Opfer?"

Jake hob die Augenbrauen: ,,Gleich zwei Fragen auf einmal, sie sind aber hartnäckig."

,,Bitte, Mister…" wiederholte der Gesetzeshüter.

,,Hallo?…"

Jill sah neben sich, ließ von Jack und dem Polizist ab. Eine Frau näherte sich ihr, hatte sie angesprochen und diese war auch Polizistin, denn sie trug die selbe Uniform wie alle anderen hier. ,,Miss? Sind Sie in Ordnung?"

Jill nickte.

,,Mein Name ist Officer Jane Blur. Sind Sie einverstanden, wenn ich Sie zum Krankenwagen führe. Sie sollten Ihre…" Jane blickte auf en schwangeren Bauch von Jill, ,,…em, Ihre Lippe versorgen lassen." Behutsam hatte die Frau eine Hand an die Schulter des Opfers gelegt und Jill nickte abermals: ,,Danke Officer Blur…aber Sie brauchen mich nicht mit Samthandschuhen anzufassen. Situationen wie diese sind mir nicht neu."

Verblüfft blickte die Polizistin sie an, nickte dann jedoch ebenfalls und brachte Jill zum Sanitäter an den Krankenwagen, während Jake weiterhin vernommen wurde…


,,…Also Misses Redfield es ist alles soweit in Ordnung, der Blutdruck ist etwas hoch, aber das ist wohl nur die Aufregung…" der Notarzt sah selbst nach Jill, überprüfte ihren Kreislauf, ,,…Sollen wir jemanden für Sie anrufen?"

Jill schüttelte den Kopf.

Sie saß im Krankenwagen auf der Liege, blickte durch die offene Hintertür. Eine warme Decke war ihr vom Arzt um die Schultern gelegt worden.

Draußen flitzen Polizisten herum, hatten das Haus abgesperrt, taten ihren Job und sicherten Spuren, vernahmen wohl Nachbarn. Schaulustige hatten sich vor die Absperrung gestellt.

,,Nein, danke. Mein Mann weiß schon bescheid. Er wird bald hier sein und mich nach hause bringen."

Gerade leuchtete der Arzt ihr mit einer Taschenlampe in die Augen, während Jill auf den Zeigefinger des Mediziners blickte. ,,Ihr Zustand scheint normal. Die Platzwunde an der Lippe wird verheilen, das ist keine große Sache und ansonsten sieht es auch nicht aus, als währen sie ernsthaft verletzt. Jedoch kann eine posttraumatische Belastungsstörung oder ähnliches auftreten. Desorientiertheit, Panickattacken…obwohl Sie sich momentan nicht im Schockzustand befinden. Sie sehen dennoch etwas bleich aus."

Jill hob einen Mundwinkel.

,,Was?"

Sie holte Luft: ,,Wissen Sie…ich bin immer so blass, ist eine Pigmentstörung…und ich habe das alles bereist hinter mir. Es kann mir nichts mehr anhaben…" traurig blickte Jill unter sich, aber so war es und Jill wunderte sich selbst darüber.

Der Mediziner nickte, fragte dann: ,,Wurde Ihnen denn sonst noch Gewalt angetan von der ich, wir wissen sollten? Egal welcher Art?"

Jill verneinte.

Dann deutete der Mann auf ihren Bauch. ,,Wie weit sind Sie? Sechster Monat?"

,,Vierter."

Er hob kurz eine Augenbraue, dann dämmerte es ihm: ,,Zwillinge?"

Jill nickte.

,,Ich würde Ihnen raten, nach all der Aufregung sich untersuchen zu lassen. Reine Routine natürlich und natürlich wird sich eine Polizeipsychologin während ihrer Vernehmung dabei befinden."

Noch einmal nickte die blonde Frau. Sie war Müde. ,,Danke."

Er schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln, wandte sich dann an die Polizistin: ,,Officer? Wir sind fertig, Sie können sie jetzt mitnehmen."

Jill hatte sich erhoben, stieg aus dem Krankenwagen, nicht ohne sich dankbar an der Polizistin festzuhalten und sah dann auf.

Jake stand an der Vorgartenmauer des Anwesens, blickte in ihre Richtung.

,,Kommen Sie Misses Redfield, sobald ihr Ehemann eingetroffen ist, fahren wir aufs Revier…"

,,Einen Moment…" Jill blickte zu ihr, wartete bis die Frau nickte, dann ging sie los, direkt auf den Sohn ihres Erzfeindes zu.

Sie hatte den halben Weg zurück gelegt, da hörte sie ihn rufen. ,,Jill!"

,,Hey, Mister…" ein Polizist wollte ihn zurück halten, doch Chris war einfach unter der Absperrung durchgeschlüpft. ,,Lassen Sie mich durch, das ist meine Frau!" er drückte den Polizisten zur Seite, traf dann den Blick von Jill.

Jill lächelte erleichtert, sah zu, wie Chris auf sie zu eilte, er rannte förmlich. Er lächelte ebenso. Sie sah seine Besorgnis, seine Furcht, die gerade verschwand und dann schlang er die Arme um sie.

Fest drückten beide sich aneinander.

Sie schloss die Augen, vergrub ihren Kopf an seinem Hals, hielt sich an ihm fest. Erst jetzt bemerkte sie, wie sehr sie sich nach ihm gesehnt hatte.

Chris drückte sie, roch ihr Haar, er hatte sie wieder. Er küsste ihre Stirn, ehe er sich von ihr löste, ihr die Decke wieder um die Schultern legte, die verrutscht war. Dann musterte er sie, griff mit beiden Händen an ihren Hals, sanft streichelte er mit den Daumen über ihre Wangen. Er erblickte die Wunde an ihrer Lippe.

,,Bist du okay, Schatz? Bist du verletzt?"

Jill schüttelte den Kopf: ,,Nein, es geht mir gut, Chris."
Er legte eine Hand an ihren Bauch, war noch immer aufgeregt: ,,Und die beiden?"

Sie nickte: ,,Es geht uns allen gut…Wo ist Eric?"

,,Kathy passt auf ihn auf, keine Sorge…" Wieder drückte er sie an sich, ,,…Oh Gott, ich dachte ich hätte dich verloren!"

Jill schloss einmal mehr die Augen, wusste wie groß seine Sorge um sie gewesen war. Es tat ihr so gut, in seinen Armen zu sein.

,,Wer hat dir das angetan?" fragte Chris dann und sie lösten sich abermals. Im Augenwinkel sah Jill Barry. Er war auch dabei, lächelte ihr erleichtert zu.

Sie blickte dann in die Augen ihres Ehemannes, wusste das diese ausflippen würde: ,,Es war Derek James…"

,,Was?…Dieser Spinner?"

Sie nickte.

Umgehend blickten seine Augen suchend umher: ,,Wo ist das Schwein, ich dreh ihm den Hals um!"

,,Chris nein!…" Jill hielt ihn am Arm zurück, genau wie Barry. Zwei unferne Polizisten blickten ihn aufmerksam an.

,,…verlier jetzt nicht die Nerven, es ist nichts passiert. Er ist weg, wird eingelocht und verliert mit Sicherheit auch noch seine Zulassung. Lass es auf sich beruhen."

Chris blickte ihr in die Augen: ,,Ich soll es auf sich beruhen lassen, das er das Leben von dir und unseren Kindern gefährdet hat?"

,,Bitte…es bringt doch nichts!"

Er sah unter sich, seine Kiefer mahlten vor Zorn aufeinander, doch dann nickte er.

,,Er war einfach nur besessen von mir, konnte nicht akzeptieren, das ich dich habe und das hat ihn in den Wahnsinn getrieben."

,,Unglaublich das so etwas Arzt ist…Kinderarzt noch dazu." Chris war noch immer wütend, doch versuchte sich zu beruhigen, denn er wusste das, wenn er sich aufregte, Jill sich ebenso aufregte. Er drehte sich zu ihr, fragte dann: ,,…Wie bist du da raus gekommen? Allein?…Wie konntest du mich angerufen? Ich konnte dich nicht erreichen." Es war ihm nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen, als Jill ihn plötzlich angerufen hatte, ihm gesagt hatte, wo sie zu finden war.

,,Er hat mein Handy zerstört…" sagte Jill, ,,…ich war nicht lange in seiner Gewalt und hatte dann sogar etwas Hilfe. Wer weiß wo das geendet hätte, wenn Jake mir nicht geholfen hätte." Sie drehte sich mit Chris zu Jake um, der noch immer an der Mauer stand.

Weskers Sohn hatte die Arme verschränkt, den Redfields aufmerksam zugesehen.

,,Sie?" Chris hielt Jills Hand. Sie kamen gemeinsam mit Barry auf Jake Muller zu.

Der Rothaarige zuckte mit den Schultern, sah Chris amüsiert in die Augen: ,,Ich war dir noch was schuldig, Kumpel. Du hast ja schließlich meinen Arsch damals im Unterwasserlabor gerettet…jetzt sind wir quitt, würde ich mal sagen."

,,Wie?…" Chris schluckte, ,,…Woher wusstest du…"

,,Das die Schnecke Hilfe braucht?…" Jake grinste, ,,...Intuition."

Jill lief es kalt über den Rücken. Sie mochte nicht so benannt zu werden, schon gar nicht von einem Mann der im Reden und der Mimik Wesker so verdammt ähnlich war.

,,…Schicksal oder Zufall? Sucht euch was aus…" fuhr Jake fort, ,,...aber in Anbetracht der späten Abendstunden und das ich mich nach meiner Bude sehne, will ich mal nicht so sein…" er räusperte sich, hob einen Fuß, stemmte ihn hinter sich gegen sie Mauer, ,,…Ich hatte bei TerraSave was zu erledigen, Sherry bat mich darum und das bleibt meine Sachen klar…Also ich ging über den Parkplatz und da sah ich deine Frau und diesen ziemlich zwielichtigen Typen an ihrer Seite. Ich könnte schwören, das ich da im Sonnenlicht ein Messer habe aufblitzen sehen und dachte mir, da ich sowieso nichts mehr großes vorhatte, ich fahre hinterher…" Jake grinste ein weiteres Mal, ,,…Schön brav hat der Mistkerl auch nach dem Klingeln die Tür geöffnet und schön brav hat er meine Faust geschluckt, ehe er sein Nickerchen begann."

Kurz herrschte Stille in der kleinen Runde. Chris und Jake hielten Blickkontakt.

,,Und?…" fragte Jake, ,,…War dann doch eher Zufall, was?"

Chris blickte zu Boden, dann sah er auch schon Jill, sie sich rührte. Er blickte zu ihr, sah ihr zu, wie sie Jake anblickte und Jill tat das, was sie vorhin schon hatte tun wollen. ,,Danke…" sagte sie aufrichtig, ,,…Das meine ich ernst, auch für meine Kinder." Zwar war Jill sich sicher, das sie es auch alleine da raus geschafft hätte, dennoch war sie Jake Muller wirklich dankbar.

Der Rothaarige nickte.

Chris reichte ihm die Hand: ,,Ich danke Ihnen ebenfalls, Jack…"

Überrascht und dennoch mit einem haudünnen Lächeln entgegnete er den Händedruck von Chris…


Der Zeiger auf der Wanduhr näherte sich mittlerweile der ersten Stunde nach Mitternacht, als Kathy endlich etwas an der Haustür hörte.

Sie riss die Augen vom Fernseher weg, stand auf und hörte schon Stimmen im Flur. Natürlich hatte Barry sie angerufen, ihr bereits das meiste erzählt, auch, das sie noch mit aufs Revier mussten.

Erleichtert fiel Kathy Jill um den Hals, als diese das Wohnzimmer betrat, gefolgt von ihren beiden Begleitern Chris und Barry. ,,Hey…alles klar bei dir?"

Jill entgegnete die Umarmung: ,,Ja, alles okay…" Beide lösten sich voneinander. ,,…ich bin nur etwas müde."

Kathy sah die Wunde an ihrer Lippe und zog Luft zwischen die Zähne: ,,Das sieht aber übel aus, soll ich dir zum drauf legen etwas Eis bringen?"

,,Nein, danke…schläft Eric?"
,,Ja…er h at mir natürlich tausend fragen gestellt, aber ich habe ihm versichert, das seine Mom bald wieder da ist. Er wird morgen früh sicher ganz aus dem Häuschen sein."

Erleichtert atmete Jill durch: ,,Ich danke dir…"

Die ältere Frau schenkte ihr ein Lächeln.

,,Komm, willst du dich setzen?" fragte Chris und rieb Jill sanft über die Schultern. Sie fror, das wusste er.

Jill blickte ihn kurz an: ,,Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich fertig…ich gehe schon mal hoch."

Chris küsste ihre Wange, dann nickte er: ,,Ich komm gleich nach."

Sie sahen zu, wie Jill ging.

,,Wie steckt sie es weg?" fragte Kathy, kaum das Jill die Treppen oben war. Sie sah Chris und Barry an.

,,Erstaunlich gut." sagte der ältere Mann und Chris nickte ein weiteres Mal: ,,…Ja…"

Unglaubliche Erleichterung drang noch immer durch seinen Körper. Chris konnte es kaum glauben, schon wieder hatte es jemand auf Jill abgesehen. Was war denn nur los? War sie vom Pech verfolgt? Lag ein Fluch auf ihr?

Nein, es war sicher einfach nur Zufall.

Zufälle hatten schon von jeher seinen Weg gestimmt und er war sich sicher, so würde es auch bleiben.

,,Hey Kumpel…" Barry legte ihm eine Hand an die Schulter, ,,…mach dich nicht fertig, ja? Sie ist mit einem blauen Auge davon gekommen."

,,Ja, nur hätte es nicht soweit kommen dürfen…" Chris schüttelte unverständlich den Kopf, ,,…Sind die Menschen denn eigentlich alle verrückt? Sich einfach etwas nehmen zu wollen, was einem nicht gehört, einen anderen Menschen da mit rein zu ziehen? Ich verstehe es nicht…"

,,Jill ist in Ordnung, die Babys auch." versicherte Barry, er wusste welche Gedanken sich sein Freund gemacht hatte.

,,Dann wart ihr schon beim Arzt?" fragte Kathy.

Chris schüttelte den Kopf: ,,Nein, ich bringe sie morgen früh erst hin, sie sagt das alles in Ordnung ist."

,,Dann sollte ich auch langsam aufbrechen…" meinte Kathy, doch Barry hob die Hand, mischte sich dazwischen: ,,Du musst nicht. Ich meine, es ist sicher okay, wenn du hier übernachtest. Es ist schon spät."

,,Ja, er hat recht." pflichtete Chris bei, steckte sich die Hände in die Hosentaschen.

,,Danke, Jungs…" entgegnete Kathy, ,,…aber ich muss wirklich los…"

,,Aber du bist doch sicher auch müde und nach Baltimore ist es ein ganzes Stück und dann diese Uhrzeit, ich…"´

,,Barry!…" Kathy blickte ihren Ehemann an, brachte ihn somit zum stoppen, ,,…Lass es." Dann ging sie nach einem recht kurzen Abschied…


Erschöpft kam Jill ins Schlafzimmer zu ihm.

Sie hatte gerade geduscht, ihr Haar war zwar geföhnt, doch noch immer etwas Klamm. Sie trug eine ihrer Pyjamahosen und darüber ein einfaches, weißes Tanktop. Der runde Bauch hob sich deutlich hervor. Ihre eigenen Sachen waren mittlerweile alle etwas eng. Sie musste sich allmählich neue zulegen.

,,Hey…" Chris saß bereits im Bett, ähnlich gekleidet wie sie. Er hatte das Badezimmer im Erdgeschoss benutzt.

Jill hob ihre Mundwinkel, kroch dann zu ihm ins Bett, schlüpfte unter die warme, weiche Bettdecke. Natürlich hatte sie noch nach ihrem Sohn gesehen. Eric schlief friedlich.

Chris rutschte runter, brachte sich von einer sitzenden Position in eine liegende, sah zu, wie Jill sich an seine Seite schmiegte, ihn anblickte.

,,Bist du auch wirklich okay?" wollte er wissen, legte seinen Arm um ihren Rücken. Er fühlte nicht nur ihren Körper an sich, auch ihren straffen, schönen Bauch. Ihm wurde einmal mehr bewusst, das er das alles heute hätte verlieren können.

Jill nickte.

Sie war erleichtert wieder zu hause zu sein.

,,Es geht mir gut, Chris…" sie seufzte leise, genoss seine Wärme, ,,…Ich bin noch immer etwas geschockt, aber es ist vorbei. Du musst dich nicht sorgen…" müde atmete sie durch, brummte leise.

Er sah zu ihr: ,,Hast du was?"

Ihre Hand ruhte auf seiner Brust: ,,…Bin nur so müde…" ihr fielen schon die Augen zu, ,,…Meine Beine fühlen sich so schwer an, ich würde es nicht mehr schaffen jetzt noch aufzustehen. Sanft lag ein Lächeln auf ihren Lippen.

Chris schmunzelte, strich ihr immer wieder zärtlich über den Rücken, hielt sie: ,,…Dann schlaf, mein Schatz, du hast es dir verdient."
Immer mehr glitt ihr Geist in die Traumwelt. Sie war zuhause und sie war in Sicherheit. Ob sie nun wirklich große Angst vor dem Mann gehabt hatte, wusste sie noch immer nicht, allerdings war sie beruhigt, das es ihren Zwillingen gut ging. Das war wirklich das allerwichtigste für sie, alles andere würde sie morgen auf sich zukommen lassen.

,,…Chris?…"

,,Hm?"

Jill hatte die Augen bereits zu: ,,…Ich liebe dich…"

Hauchzart hob sich nun auch einer seiner Mundwinkel. Er wusste es, dennoch war es schön so etwas zu hören. ,,…Ich liebe dich auch, Jill…" Hin und wieder musste es einfach mal gesagt werden…