…Schwere Armeestiefel schlichen gespannt über den harten Betonboden. Das Klicken und nachladen von Waffen, vollautomatischen Sturmgewehren war zu hören, heftiges, gehetztes Atmen. Gebrüll der B.O.W´s hinter ihnen lagen in der Ferne, sie hatten es durch die Lagerhalle geschafft, auf wundersame Weise ohne einen Mann oder die Zivilistin zu verlieren.
Seine Männer blickten mit scharfen Augen umher, bereit auf alles zu schießen, was nicht mehr menschlich war.
Chris hatte die Führung übernommen, er war der Captain. Rechts neben ihm blickte Piers misstrauisch drein, beäugte den kahlen, nicht allzu großen Raum, den sie betraten, den Korridor, am anderen Ende. Es schien sicher, er Ausgang lag vor ihnen. Doch wie aus dem Nichts, drehte der junge Soldat sich um, suchte mit misstrauischem Blick nach der Zivilistin zwischen ihren Reihen. Sie war weg!
,,Die Frau, Sie ist weg! FINN!"
Chris drehte sich um, sah wie sich Finn McCauley, der Neue, hastig umdrehte. Er hastete zurück zu dem Gang aus dem sie gekommen waren, Sein Zittern war zu sehen, der ängstliche Blick. Es war seine Verantwortung und er hatte versagt. ,,Ich…k…Keine Ahnung was passiert ist! Sie war vor einer Sekunde noch da!" Er versuchte sich zu verteidigen, während Piers nur mit zornigem Blick den Kopf schüttelte.
Und dann passierte es. Ein Klacken.
Chris und Piers blickten noch hoch, sahen die Gitterstäbe über ihren Köpfen bereits nach unten schnellen und schafften es gerade noch so, in einem schnellen Sprung nach vorne in den Korridor, sich in dem sicheren Tode zu entziehen. Das Team blickte mit Entsetzen und Sorge zu.
Die beiden rappelten sich umgehend auf, griffen an die Gitterstäbe. Unmöglich die aufzubekommen, sie waren von ihrem restlichen Team abgeschnitten. Was war denn jetzt nur los?
Noch ehe jemand etwas sagen konnte, erklang ein zweiten Klacken und ein zweiten Gitter rutschte nach unten, versperrte seinem Team nun auch noch den Rückweg, es saß in dem Raum in der Falle. Unsicher und nun mit aufsteigender Panik blickten die Männer sich um, suchten nach irgendetwas, das ihre Situation erklären konnte, doch vergebens.
Chris verstand es nicht.
Wo kamen die Gitter her, wie sollte er sein Team, seine Freunde da raus bekommen? Und dann hörte er ihre Schritte. Ihre Absätze klickten, als sie sich langsam näherte.
Umgehend, wütend riss Chris sein Sturmgewehr nach oben, zielte an seinem Team vorbei, durch den kompletten Raum, zwischen den beiden Gittern durch und fletschte die Zähne. ,,Ada!" Er hatte ihr schon vorhin nicht vertraut, als er und einige seiner Männer sie fanden. Sie hatte nie den Eindruck einer unschuldigen Geisel erweckt.
Auch Piers erhob seine Waffe, genau wie das restliche Team.
,,Vielen Dank für den Escort, Jungs…" sie sprach mit einer sinnlichen Stimme, einer ihrer Mundwinkel hob sich eine Idee. Ihr Blick war genauso düster wie vorhin, ,,…Hier habt ihr ein kleines Andenken an mich." Dann warf sie einen metallenen Ball durch die Gitter.
Schrecken stand Finn in den Augen, als der Ball zu explodieren schien. Annähernd hundert Nadeln sprangen daraus hervor, in dem Bruchteil einer Sekunde. Die Dinger bohrten sich in Hälse, Arme, Beine, Gesichter. Instinktiv waren Chris und Piers zurück gewichen, schützten ihr Gesicht mit den Armen, auch wenn die Nadeln nicht allzu weit flogen, sie niemals erreichen würden.
Erschrocken dann sah Chris auf.
Seine Männer krümmten sich, stöhnten, heulten und gingen scheinbar unter Schmerzen in die Knie. Die Frau hatte noch immer ein Lächeln auf den Lippen, drehte sich um und verschwand.
Warum?
Chris verstand es noch immer nicht. Er und sein Team hatten der Frau geholfen zu entkommen, warum also dieser Hinterhalt?
Ein Schrei von einem seiner sich krümmenden Freunde, Rauch stieg von ihm auf.
,,…Nein…" hauchte Chris, sah genau wie Piers mit Schrecken zu, was gerade vor ihren Augen geschah. ,,Nein, verdammt noch mal! Nein!…" Chris brüllte aufgeregt, schlug gegen die Gitter, als seine Freunde zu Boden gingen, ihre Qual wurde schlimmer. Pein stand in ihren Gesichtern, die zu schrecklichen Fratzen mutierten.
Und dann schlug Finns Körper in hellen Flammen auf.
Chris traute seinen Augen nicht, sein Atem beschleunigte sich. Diese Frau hatte sein Team mit dem C-Virus infiziert und das auch noch in enormen Mengen. Das durfte einfach nicht wahr sein!
,,…Finn, halt durch!"
Der junge Rekrut schaffte es noch mal auf seine Beine, sein Gesicht eine Mischung aus verbranntem Fleisch und Tränen. Er zwang seine Füße los zu gehen. Langsam und träge.
,,Nein, nicht so!" hauchte Chris fassungslos, als ein weiterer Mann seines Teams in Flammen aufging, dann ein dritter.
,,Ca…Captain!…" Finns Flammen wandelten sich in eine schleimige Schicht, die seinen Körper zu umhüllen begann. Er brachte nur stockend noch seine Stimme hervor, streckte nach Hilfe suchend die Hand nach Chris aus und Chris streckte seinen Arm durch die Gitter zu ihm, so weite er nur konnte. Er wollte die Hand des jungen Mannes greifen, ihm helfen, doch er erreichte ihn nicht und es war zu spät.
,,FINN!" schrie Chris, musste zusehen, wie dieses schleimige, knorpelige, braune Etwas den Neuen und die restlichen Teammitglieder vereinnahmte, eine Kruste über den gesamten Körper bildete. Die Schmerzensschreie stoppten, stille herrschte in dem Raum, die Männer standen still, wie Statuen, wie Kokons. Es war vorbei, sie waren tot.
Chris sank kraftlos auf die Knie. Schock hatte seinen Geist beherrscht.
Er hatte versagt, seine Freune…alle…weg…
Piers jedoch sah es als erster. Er traute seinen Augen nicht, als der Kokon von Finn zu pulsieren begann, dann sich nach oben aufblähte, größer wurde und platzte. Schmatzend und geräuschvoll schlug Schleim zu Boden.
,,Captain, wir müssen weg!" Piers wusste, was aus diesen Gestalten entstand, sie hatten es schließlich in den letzten Stunden alle miterlebt.
Chris´ Gesicht war eine Mischung aus Furcht und Unglaublichkeit. Es durfte nicht wahr sein, dass das aus seinen Freunden werden sollte.
Das was einmal Finn gewesen war, formte sich zu einer dieser riesigen gepanzerten B.O.W´s, brüllte, grummelte, befreite sich aus seiner krustigen Hülle, schlug um sich, stampfte auf den Boden und auch die anderen…Kokons pulsierten, fingen an auszubrechen.
Piers hielt seine Waffe erneut im Anschlag, wich zurück, genau wie Chris und beide konnten es sich nicht erklären das die Gitterstangen, der jetzige Schutz vor den B.O.W´s, vor ihren mutierten Freunden, einfach so wieder oben in der Decke verschwanden.
Das Monster das einmal der unschuldige Neuling war, kam brüllend auf die beiden überlebenden Soldaten zu. Piers zielte: ,,Jetzt! Wir müssen hier raus!"
Doch Chris konnte nicht. Ein Schock breitete sich in dem sonst so unerschrockenen und erfahrenen Feldagenten aus. Ein Hieb, ein Stich, der ihn die Realität vergessen ließ.
Chris stand einfach nur da, unfähig zu begreifen, was aus seinem Team geworden war, unfähig sich zu bewegen und das war sein aller größter Fehler. Die B.O.W stürmet rasend, brüllend auf ihn zu…
,,Chris?…Hey, Chris!…" es war nicht Piers der ihn rief, es war jemand anderes, ,,…Komm, schon, wach auf, Chris! Bitte…" es war die besorgte Stimme einer Frau, nein, seiner Frau.
Umgehend riss Chris die Augen auf, erwachte aus seinem schrecklichen Traum, sah die vertraute Dunkelheit seines Schlafzimmers um sich herum.
,,Bist du in Ordnung?" Jills Stimme klang leise, ihre Hand lag auf seiner Schulter, hatte sie sich doch auf ihrem Ellenbogen aufgestemmt.
Chris lag seitlich, mit dem Rücken zu ihr, doch drehte sich leicht zu ihr um: ,,Jill?"
Blonde Strähnen fielen in ihr Gesicht: ,,Du hast geträumt…bist du in Ordnung?"
Er sagte nichts, drehte den Kopf in die andere Richtung, bis ihm sein Radiowecker verriet, das es kurz nach vier Uhr morgens war. Weihnachtsmorgen, der fünfundzwanzigste Dezember und genau vor einem Jahr war es passiert.
Noch verschlafen blickte er wieder zu ihr, musterte sie: ,,Hab ich dich aufgeweckt?" Was für eine Frage, natürlich hatte er das, dessen war er sich sicher.
Jill kniff die Lippen aufeinander, sie sah besorgt aus: ,,Halb so wild, sag, bist du okay?"
Chris holte Luft durch die Nase: ,,War es so laut?" Ihm war klar, das er einen Alptraum gehabt hatte, genauso wie ihr. Erinnerungen.
Ihre Hand lag noch immer auf seiner Schulter: ,,Ich glaube nicht das Barry oder Eric auch aufgewacht sind."
,,Tut mir leid, Jill…" Chris ließ entmutigt den Kopf fallen. Er hatte sie aufgeweckt, sie brauchte ihren Schlaf.
,,Es muss dir nicht leid tun, ich wecke dich mit meine Alpträumen ja auch."
Er hob seinen schweren Schädel wieder aus den Kissen und berührte ihre Wange mit seiner Linken. ,,…Komm, schlaf weiter, ja?"
Sie nahm seine Hand in ihre: ,,Chris, wenn du darüber reden willst…" es war nicht das erste Mal, das sie ihn wegen eines Alptraumes geweckt hatte. ,,Nein, Jill…" leise sprach er, unterbrach sie.
,,…Aber…"
Er befreite seinen Arm von ihrem, schlang ihn dann um ihren Rücken: ,,Es war nur ein Traum, Liebling, mach dir keine Sorgen…" Chris drückte sie sachte an sich, ,,…Versuch noch etwas zu schlafen."
Jill legte sich an seine Seite, bettete ihren Kopf auf seine Brust. Ihr war klar, was Chris geträumt haben musste und ihr war genauso klar, das er stur wie er nun mal war, niemals darüber sprechen würde. Genauso wie das letzte Mal, als sie ihn vor ein paar Nächten geweckt hatte. Sie fand es nicht gut, sie wollte, das er ihr gegenüber so offen war, wie sie ihm und sie würde mit ihm darüber sprechen.
Bald…
,,Mama!…" Eric kam freudig ins Schlafzimmer seiner Eltern gerannt. ,,Papa!…Mama!" Er eilte zum Bett, kletterte hinauf, auf die Seite auf dem Sein Vater lag, noch schlief.
Das Kind sprang aufgeregt auf der Matratze.
,,Aau!" überrascht schreckte Chris auf, als Eric auf seinen Oberschenkel sprang. Doch Chris keuchte nicht aus Schmerz, er merkte es zwar schon, doch er war eher erfreut, da ihn das lachende Gesicht seines Sohnes ebenfalls zum lachen brachte. Er setzte sich auf.
,,Eric…" Chris griff dem Kind unter die Arme, als dieser auch auf seine aufwachende Mutter springen wollte und zog es zu sich, um nicht zu riskieren, das den Zwillingen etwas passierte. ,,Freust dich wohl, was du Rabauke?" Eric lachte unterdessen nur, kringelte sich, als sein Vater ihn kitzelte.
Jill lächelte.
Müde hatte sie ihre Augen aufgebracht, doch gleich wurde sie mit purem Glück erfüllt. Sie sah das Lachen ihres Sohnes, die Freude von Chris und kaum könnte sie schöner geweckt werden.
Sie stemmte sich auf die Ellenbogen: ,,Morgen, ihr zwei."
,,Mama!…" Eric löste sich von Chris, fiel seiner Mutter um den Hals, ,,…Ist Weihnachten…"
Jill nickte, leget ihre Hand auf den Rücken ihres Sohnes, lächelte und blickte Chris an: ,,Hey…"
,,Hey…" grüßte er zurück, beugte sich zu ihr und küsste sie. Dann lachte er.
Eric drehte den Kopf zu seinem Vater, grinste und sein Grinsen war viel sagend. Er hatte es auf etwas abgesehen.
,,Jill, ich glaube unser Sohn möchte nachsehen, ob Santa Claus, ihm was gebracht hat."
,,Ja!…" Eric drehte sich vollends zu Chris um.
Wieder strich Jill dem Kind über den Rücken: ,,Dann wecken wir Onkel Barry und dann sehen wir mal nach, was?"
Eric nickte eifrig und kroch dann vom Bett.
Chris und Jill blickten dem Jungen hinterher, tauschten dann zufriedene Blicke und zuckten mit den Schultern, ehe auch die beiden aus dem Bett aufstanden…
Marry Christmas
- to all five of you J
…I´m home…
Thanks for everything.
B.B.
Chris zeigte auf den Zettel der an Barrys Tür hing, denn sein Zimmer war leer und auch Jill las ihn, lächelte dann. ,,Hab ich es mir doch gedacht. Er kam mir gestern Abend gleich so anders vor."
,,Ja…" Chris nickte, ,,…das ist sicher das größte Geschenk für ihn." Er erinnerte sich, das Barry und Kathy auf Rebeccas Weihnachtsfeier lange miteinander gesprochen hatten, er hatte gesehen, wie sie einander an der Hand hielten, als Jill Klavier gespielt hatte und ja, er war zuversichtlich gewesen…
Erics Augen leuchteten, als er an der Hand seiner Mutter das Wohnzimmer betrat.
Vor dem Fenster, zwischen der Glastür die zum Garten und der Wohnwand stand der Weihnachtsbaum. Er war groß, größer als Chris und breit, dicht beästet. Vor einer Woche hatte sie gemeinsam den Baum geschmückt und nun glitzerte und glänzte er in allen Farben. Die Lichterketten strahlten hell, das Lametta lag seicht und federleicht auf der Tanne. Dahinter, draußen im Garten fiel der frische Schnee, hüllte die Welt in ein weißes Kleid. Es war ein schönes Bild, das typische Weihnachtsklischee.
,,Oh…" Eric löste sich von Jills Hand und trippelte freudig zum Baum. Er lachte, als er die beiden Päckchen darunter da. Freudig zeigte er mit dem Finger darauf, ,,…Da! Guck!"
Wieder tauschten Chris und Jill einen Blick miteinander. Sie lächelten als sie sich näherten.
Jill schlang ihren Morgenmantel um sich und nahm auf dem Sofa platz. Neben sie gesellte sich Ben. Neugierige Hundeaugen blickten dem Treiben zu.
Chris ging an den beiden vorbei, setzte sich dann einfach so neben ihr auf den Boden. Auch er trug noch seinen Schlafanzug, ebenso wie Eric.
Der Agent hatte so früher jedes Weihnachten verbracht, mit seinen Eltern, seiner Schwester. Es war das Gemütliche daran. Noch im Schlafanzug die Geschenke auspacken.
Eric blickte zu ihm und Chris nickte: ,,Na los, nimm dir deine Päckchen…" er drückte seinen Sohn zu den Geschenken, ,,…Santa Claus hat sie dir gebracht." Chris lachte zu Jill und sie sah ihn lächelnd an, legte ihre Hand zufrieden auf die Schulter von ihm.
Natürlich krallte Eric sich das größte Geschenk zu erst. Lachend drehte er sich zu seinem Vater um und Chris half ihm das zu tragen, sich zu setzen, da es doch noch etwas schwer für den Jungen war.
Eric lachte, grapschte nach dem bunten Papier, riss es auf und befreite das Rechteck aus seiner Verpackung. ,,Oh…Indianas!" Eric jubelte, als er auf der Verpackung das Abbild eines Kinderzeltes entdeckte.
Jill griff die kleine Digitalkamera vom Couchtisch und machte ein paar Bilder.
Sie liebte es den beiden zu zusehen. Sie liebte das Lachen ihres Sohnes. Er freute sich wahnsinnig, über das Zelt, auch, als er das Duplo-Indianerdorf auspackte. ,,Will spielen, Papa!"
,,Ja, ja…" Chris lachte, ,,…aber wir sollten doch Ben auch noch sein Geschenk geben, oder?"
Eric nickte: ,,Ja…" er griff noch einmal unter den Weihnachtsbaum, zückte ein neues, schwarzes Halsband mit der entsprechenden Hundemarke.
,,Komm her, Ben…" sagte Chris, klopfte auf seinen Oberschenkel und augenblicklich kam der Hund vom Sofa gesprungen, auf sein Herrchen zu. Chris schallte dem Hund sein altes Halsband ab, zog ihm das Neu an. Ben hechelte, als Chris ihm über die Seite strich. ,,Na gefällt es dir, Junge?"
Der Hund bellte.
Auch Jill kraulte den Kopf des Hundes, lachte. ,,Na, sieht das nicht schön aus?" Sie sah Eric an.
,,Ja, ja…" Eric kicherte, fiel dem Hund um den Hals, ,,…Schöner Ben!…" er löste sich von dem Hund wieder, sah zu seinem Vater, ,,…Ist jetzt Mami dran?"
Jill sah fragend auf, als Chris auf die Frage von Eric hin nickte. Sie sah, wie Eric sich noch einmal zu dem Baum wandte. Das Kind griff ein kleines Päckchen, etwa handgroß, grünes Papier und eine rote Schleife dran, dann reichte es dies seiner Mutter.
Verdutzt blickte Jill erst zu Eric, dann zu Chris: ,,Em…ich dachte wir hatten vereinbart, das wir uns nichts schenken…"
Chris grinste: ,,Ist ja nicht nur von mir, dein Sohn schenkt es dir auch…"
Jill sah unter sich, auf das kleine Päckchen, ihr verging das Lächeln.
,,Hast du was?" fragte Chris, zog die Augenbrauen ein Stück zusammen, musterte seine Frau eindinglich.
Sie wollte das Wort ergreifen, da war es Eric, der sich an ihrem Bein festhielt: ,,Mach es auf, Mami!"
,,Okay…" Jill rang sich ein Lächeln ab, dann begann sie an dem Papier zu ziehen, das Päckchen zu öffnen und hervor kam, wie sie sich bereits gedacht hatte, eine kleine Schmuckschatulle. Sie grinste: ,,…Ich muss dich enttäuschen Chris, ich bin ja schon verheiratet."
Er lachte amüsiert, sah ihr in die Augen: ,,Mach es auf…"
Jill öffnete das Kästchen und darin lag eine silberne, zierliche Kette mit einem kleinen Herzförmigen Anhänger. Es passte genau zu dem Armband, das Chris ihr einmal, ebenfalls an Weihnachten geschenkt hatte.
Ihre Finger nahmen die Kette heraus.
,,Aufmachen!" forderte Eric und Jill erkannte, das der kleine Anhänger ein Medaillon war. Sie legte die Schachtel auf ihren Schoß und öffnete das kleine Silberamulett. Ein Bild war darin, ein kleines, wunderschönes Bild. Es zeigte Chris und Eric.
Sie war gerührt, eine Träne stahl sich aus ihrem Augen.
,,Mama!…" Eric blickte traurig drein, ,,…Du magst es nicht?"
Jill sah ihren Jungen an, strich ihm durchs Haar und nickte: ,,Doch, es gefällt mir sehr, Liebling…" dann sah sie Chris an, ,,…Ich habe nur nichts, was ich dir zurück schenken kann." Sie hätte doch etwas besorgen sollen.
Chris lächelte noch immer.
Die Sorge, das Jill die Kette nicht gefiel war umgehend zerstreut. Sie war wohl nur traurig, das sie nichts für ihn hatte, doch das konnte er auch zerstreuen.
,,Oh doch Jill…" Er rutschte zu ihr, kniete vor ihr und legte eine Hand an ihren Oberarm, den anderen an ihren Bauch. Sanft strich er über die Babyrundung, ,,…du schenkst mir das hier…" Chris blickte ihr in die Augen, ,,…Das ist mehr, als ich mir wünschen konnte."
Jill legte eine Hand auf seine, sah ihn sehnsüchtig an und lächelte nun auch, zufrieden.
Eric lache, hatte vom Tisch einen Mistelzweig genommen und hielt ihn zwischen seine Mutter und seinen Vater. ,,Ihr müsst euch küssen!"
Beide sahen zu dem Jungen, er lachte, wedelte mit dem Zweig.
Chris richtete sich auf seinen Knien auf, während Jill sich zu ihm runter beute und beide gaben sich einen kurzen Kuss. Nicht zu viel, denn vor ihrem Sohn verhielten beide sich stets zurückhaltend.
Es war pures Glück, was an diesem Morgen über der - noch kleinen - Familie lag und so sollte es auch bleiben. Jetzt endlich…
…und so blieb es auch den ganzen Tag.
Eric hatte keine Ruhe gehabt, bis sein Vater ihm geholfen hatte das Kinderzelt aufzubauen. Das Kind hatte auch mit den Bauklötzen gespielt, während Jill das Essen zubereitete.
Es war ein verschneiter, schöner Weihnachtstag.
Barry hatte nur kurz angerufen, sich bedankt und frohe Weihnachten gewünscht und Chris hatte daraufhin auch Claire angerufen und während Rebecca mit Jill telefonierte, rief auch Leon an.
Am Abend, als es dann Bettzeit war, bestand Eric darauf, in seinem neuen Zelt zu schlafen. ,,Aber im Bett ist es doch viel bequemer…" Jill nahm seufzend auf der Couch neben Chris platz, nachdem sie ihren Sohn endlich ins Bett, ins Zelt, gebracht hatte, ,,…und wärmer."
,,Ach komm, das machen doch alle kleinen Jungs…" er schlag einen Arm um ihre Schultern, ,,…Hast du noch nie in einem Zelt übernachtet?"
,,Nein…" gab Jill zurück, sah in den Fernseher, in dem gerade die Nachrichten liefen. Mit einer Hand spielte sie an der Kette, die sie heute geschenkt bekommen hatte, ,,...wenn er sich erkältet, bist du dran schuld." Sie lächelte.
Chris nickte, lachte: ,,Ja, ja…es ist warm im Zimmer und er schläft neben Ben auf Decken und Kissen."
,,Okay, okay…" sie verdrehte die Augen, legte den Kopf gegen seine Schulter. Beide lauschten dann den Nachrichten weiter, die gerade das Wetter für die nächsten Tage ansagten, bevor der gemeinsame Spielfilm begann, den beide sich ansehen wollten.
,,Ach, ich weiß es jetzt wieder."
,,Was?" wollte Chris wissen.
Jill hob den Kopf, sie sah zu ihm und wurde detaillierter: ,,Na, Susi…ich weiß es jetzt wieder."
,,Susi?" mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Chris seine Frau an.
,,Na meine Puppe…" Jill lächelte, ,,…ich konnte mich doch nicht mehr erinnern, was mit ihr passiert ist."
,,Ah, und?"
Jill zuckte mit den Schultern: ,,Dad war damals aufgeflogen, die Polizei war hinter ihm her. Wir mussten direkt aus der Stadt raus, in einen anderen Staat und…naja, meine Puppe blieb in dem ganzen Trubel einfach in unserer Wohnung zurück. So wie alles andere."
,,Ein Leben auf der Flucht…" murmelte Chris.
Sie nickte: ,,Ja…" sie wollte noch etwas hinzu fügen, doch eine weitere Nachricht flimmerte über den Bildschirm, eine Erinnerung für Chris.
Umgehend schnellte, bei den Worten des Reporters Chris´ Kopf nach vorne, er lauschte, ebenso wie Jill.
,,…wird anlässlich des verheerenden Terroranschlages mit Biowaffen im Osten Europas die auf den Tag genau vor einem Jahr verübt worden sind, eine Gedenkfeier der Opfer und der Verluste unter den Rettungskräften und Soldaten am kommenden Montag den 30.12.2013 auf dem Gelände des Hauptquartiers der Washingtoner BSAA abgehalten…Die Anschlagsserie forderte mehrere tausende Opfer, die Schäden beliefen sich in Milliardenhöhe und sind bis heute noch nicht…"
Chris sah die Bilder des zerstörten Edonias, der Soldaten, den Bodentrupps und dem Flakfeuer, nahm die Fernbedienung und schaltete umgehend ab.
Jill blickte ihn an, strich ihm über den Bauch.
Er atmete durch, legte seine Hand auf ihre, dann sah er sie an: ,,Schon okay…"
,,Nein…" sagte Jill, ,,…ich sehe, das es schwer für dich ist. Es waren deine Freunde und letzte Nacht…dein Alptraum…er hat das wieder bewiesen."
Chris wich von ihr, setzte sich auf und legte die Fernbedienung zurück auf den Couchtisch. Er hätte nie von sich gedacht mal einer dieser kriegstraumatischen Soldaten zu werden.
Jill beobachtete ihren Ehemann, atmete durch. Sie wusste, das Chris an dieser vorhin erwähnten Gedenkfeier vorgeladen war. ,,Du weißt noch immer nicht, was du sagen wirst, oder?"
Er schüttelte den Kopf: ,,Was würdest du an meiner Stelle sagen?"
Sie setzte sich ebenfalls auf, legte einen Arm um seinen Rücken: ,,Die Wahrheit…" kurz herrschte Stille, ehe sie weiter sprach, ,,…sprich das aus, was war, was verloren ging, was in die ist…und dann wird das richtig sein."
Er nickte: ,,Du warst schon immer im Reden besser wie ich…es tut mir leid."
Jill blickte ihn weiterhin an, ließ ihn fertig sprechen, da sie wusste, das heute er sich an alles zurück erinnern musste. Genau heute vor einem Jahr war er in Edonia gewesen.
,,Für dich ist dieser Tag heute doch sicher auch so unangenehm wie für mich." All die Freude, die er am Morgen noch gespürt hatte, schwand allmählich.
,,Nein…" Jill schüttelte den Kopf und als Chris en Kopf zu ihr drehte, ihr in die Augen blickte fuhr sie fort, ,,…Heute vor einem Jahr, hab ich mit Eric allein unter dem Baum gesessen und gehofft, erst morgen Nachmitag um viertel vor fünf vor einem Jahr war es so weit. Erst dann hat ein Agent der BSAA vor der Tür gestanden und erst dann war mein Herz stehen geblieben. Dieses Jahr jedoch ist das alles anders. Es wird niemand kommen, der mir schlechte Nachrichten über Captain Redfield bringt, denn dieser ist endlich wieder an meiner Seite."
Chris beugte sich zu ihr, griff ihr an die Wange und küsste sie, legte dann seine Stirn auf ihre und schluckte: ,,Ich bin doch so ein Vollidiot…wie hatte ich dich nur vergessen können?…Ich weiß, ich werde mir das ewig vorwerfen…" er holte Luft, um weiter zu sprechen, ,,…Als Piers mich damals vor China in dieser Bar in Edonia aufgegriffen hatte, erinnerte ich mich zwar wage an die BSAA und alles andere, aber obwohl ich dein Gesicht vor mir sah, wusste ich nicht wo ich dich hinstrecken soll…Du warst ständig in meinen Gedanken, diese blonde, wunderschöne Frau, dein Lächeln…ich wusste es erst im Laufe des Auftrags wieder, als ich mit Leon konfrontiert wurde und…" seine Hand strich ihr über die Wange, ,,…ich wollte zu dir, ich wusste nur nicht wie ich das anstellen sollte und ich bin so dankbar dafür, das du mir verzeiht hast."
Jill hielt seinem Blickkontakt stand: ,,Ich habe lange mit mir gerungen…aber, ich kann nicht ohne dich. Das letzte Jahr war das schwerste, was ich je erlebt habe. Ich hätte noch drei weitere Jahre unter Wesker überlebt, weil ich wusste, das es dir gut geht, doch nicht zu wissen, wo du bist, ob du lebst, das hat mich fertig einfach gemacht…wenn Eric nicht…" sie sah unter sich, schniefte, ,,…wenn ich unser Kind nicht gehabt hätte, ich weiß nicht, was dann mit mir passiert wäre…Es ist so eigenartig, nicht wahr? Das zwei Menschen sich einander so verbunden fühlen."
Chris stimmte ihr zu: ,,Ich weiß, es hat nicht immer danach ausgesehen, aber…" er drückte ihr Kinn noch, damit er ihr wieder in die Augen blicken konnte, ,,…ich glaube nicht, das jemals zuvor jemand so geliebt hat."
,,Das sagst du nur, weil Weihnachten ist." Einer ihrer Mundwinkel hob sich amüsiert wie der seine, Jill neigte sich zu ihm vor und hauchte ihm zärtlich einen Kuss auf die Lippen.
Chris fing ihre Lippen mit seinen, kaum das sie sich wieder gelöst hatte. Er ließ seine Hand noch immer an ihrem Hals liegen, umfing ihren Rücken mit der anderen und drückte sie sachte an sich. Der Kuss war schön, wurde fordernder und plötzlich dann, passierte es.
,,…Ah!…" Jill legte beide Hände an seien Brust, drückte ihn protestierend von sich.
Erschrocken lockerte Chris seinen Griff um sie, musterte Jill mit sorgevollem Blick: ,,Habe ich dir weh getan?" Er war irritiert durch ihren sprachlosen Gesichtsausdruck.
,,Jilly?…" er griff an ihre Wange, ,,…Bist du okay?"
Noch einen Moment herrschte Stille, dann fing Jill plötzlich an zu lachen. Sie legte sich eine Hand an den Bauch, als sie es wieder spürte.
Chris war aufgeregt: ,,Hey! Was ist denn los?…"
Jill strahlte: ,,Da will dir jemand Hallo sagen…" sie griff seine Hand platzierte diese auf ihrem Babybauch und Chris atmete aus, als er etwas pochen spürte. ,,Was…war das ein Tritt?" Er spürte es gleich noch mal, dann sah er ihr in die Augen.
Sie nickte, hielt ihre Hände auf seinen: ,,Sie wollen ihren Vater wohl frohe Weihnachten wünschen." Es war ein tolles Gefühl ihre Kinder nun endlich richtig deutlich, kräftig zu spüren.
Chris lachte jetzt selbst.
Dieses Glücksgefühl stellte alles andere in den Schatten. Das Gefühl dieses Leben in ihr spüren zu können, erfüllte ihn und sein Herz schlug ihm bis zum Hals: ,,Das ist so wundervoll! Jill…jetzt haben du und die Zwillinge mir doch noch etwas geschenkt."
Jill legte ihre Arme um seinen Hals, zog ihn in eine innige Umarmung: ,,Oh, ich liebe dich so sehr Chris!"
,,Ich dich auch, Jill…dich und unsere Kinder!" Er schniefte, hielt sie genauso fest…
