,,NEIN!" sie hastete hinzu, fiel neben ihrer Freundin auf die Knie, geübte Finger, fühlten nach einem Puls an ihrem Hals, dann an ihrem Handgelenk.

,,Oh mein Gott…" der Fahrer des Wagens stieg aus, bestürzt über seine Tat. Er hatte die blonde Frau gesehen, nicht jedoch die andere und dann war es zu spät gewesen.

,,Jill!" Chris rannte hinzu, so schnell ihn seine Füße tragen konnten, gefolgt von Barry, Leon, Carlos, Claire und Angela. Kathy hielt sich noch immer geschockt die Hände vor den Mund. Eine Tragödie war gerade passiert.

Erschrocken hockte Chris sich neben seine Frau in den frischen Schnee, er griff ihr an die Schultern. Jill weinte, Tränen des Schocks flossen über ihre Wangen, sie zitterte am ganzen Körper: ,,Chris! Ich kann nichts fühlen!…" ihre Finger zitterten an Rebeccas Hals, ,,…Ich kann ihren Puls nicht fühlen!"

,,Komm, komm…" Chris zog Jill von der regungslosen Rebecca weg, damit Leon sich ihrer annehmen kann.

Der Geheimagent kniete sich gehetzt neben seine Freundin und schluckte.

Das Auto hatte Rebecca übel erwischt.

Sie lag auf der Seite hatte eine Platzwunde am Kopf, Blut rann ihr übers Gesicht, ihr Bein war komisch verdreht, wahrscheinlich war es gebrochen, doch Leon nickte, als er ihren Hals berührte: ,,Sie lebt…Ruft einen Krankenwagen!" Barry hatte es bereits getan.

,,Was habe ich getan?…" Carlos stand daneben, sah auf das herab, was er heraufbeschworen hatte. Es war seine Schuld!

Seine Schuld, das Rebecca weg gelaufen war, seine Schuld das sie angefahren worden war.

,,Es tut mir leid…" der Fahrer brachte einen Erste-Hilfe-Koffer, zückte eine Wärmedecke und kniete sich neben Leon, ,,...ich habe sie nicht gesehen! Ich habe nur die blonde Frau gesehen."
Leon drehte den Kopf, sah zu Jill die schützend von Chris gehalten wurde und wandte sich an den Autofahrer: ,,Es ist passiert, daran können wir nichts mehr ändern, wir müssen alles dafür tun, das Rebecca überlebt." Er sah erneut auf sie herab. Seine Finger checkten noch immer den Puls von ihr, während seine andere Hand sicher stellte, das Rebecca auch noch atmete. Leon wagte es nicht die verletzte zu bewegen, sie hatte zwar äußerlich nicht viel, dennoch wusste er nicht ob vielleicht innere Verletzungen vorlagen. Er wollte es auf keinem Fall schlimmer machen, hoffte, das die Rettungskräfte wegen dem frisch gefallenen Schnee trotzdem nicht allzu lange brauen würden…


Carlos spürte Jills Faust in seinem Gesicht.

Er stolperte zurück, über die verschneite Vorgartenwiese der Burtons, fing sich jedoch. Der Schlag war pochend spürbar gewesen, wenn auch nicht übermäßig stark.

,,Was hast du getan?" Schmerz lag in Jills Stimme, Tränen brannten noch immer in ihren Augen. Gerade erst hatte der Rettungsdienst Rebecca notdürftig versorgt und mit blaulicht abtransportiert. Ihr Zustand war kritisch, das hatte der Notarzt noch gesagt. Eile war geboten. Angela war im Krankenwagen mitgefahren.

,,Woww…" Carlos hob beide Hände um Jill zu besänftigen, wich weiter zurück, über den verschneiten Vorgarten der Burtons, ,,…Chica! Es war nicht meine Absicht?"

Chris, Barry, Leon, Kathy, Claire und Matt sahen den beiden zu, misstrauisch, da niemand genau verstand, was los gewesen war. Sie standen alle genauso unter Schock, wie der Autofahrer, der von der mittlerweile anwesenden Polizei vernommen wurde.

,,Nicht deine Absicht?…" Jill schrie denn Mann an, der ihr einmal das Leben gerettet hatte und der nun Schuld an Rebeccas Unfall war.

Jill war wütend, ging weiterhin auf Carlos zu. Sie regte sich auf, ignorierte die protestierenden Bewegungen ihrer Kinder in ihr. ,,…Sie kann sterben und alles nur wegen dir! Weil du mich einfach nicht in Ruhe lassen kannst, mir noch immer nachheulst wie ein liebeskranker Teenager! Werd´ verdammt noch mal endlich erwachsen! Das Leben geht weiter und Dinge ändern sich!"

Chris näherte sich, wollte jetzt endlich wissen, was Sache ist. Er legte eine Hand an die Schulter seiner Frau, während Barry indes zu Carlos ging, sich neben ihn stellte. ,,Was ist hier los?…" Barry blickte den ehemaligen Söldner an, dann sah er zu Jill. Noch immer ging ihr Atem mehr als aufgeregt.

,,Was hast du getan, Carlos?…" verlangte Chris zu wissen. Seine Stimme war scharf und voller Zorn. Er hatte bereits eine Ahnung, doch riet sich siebt in anbetracht der Situation nicht gleich über zu kochen. Die vergangenen dreißig Minuten waren für alle beteiligten schrecklich gewesen.

,,Chica…" Carlos bereute, sah Jill an, schüttelte fast verzweifelt den Kopf, ,,…es tut mir leid…"

Chris drehte sich ein jedes Mal der Magen um, wenn dieser schmierige Spanier seine Frau nach einem Flittchen benannte.

,,…ich habe die Kontrolle verloren, du musst mir verzeihen…" Carlos wollte auf Jill zu gehen, doch Barry hielt ihn zurück.

Verletzt blickte Jill ihren Freund an: ,,Ich soll dir verzeihen?…" noch immer war sie sauer. Sie löste sich aus dem Griff ihres Ehemannes, ging selbst auf Carlos zu, ,,…Ich habe dir gesagt, das du dich von mir fern halten sollst, ich habe dir gesagt, das ich mit meiner Familie glücklich bin, mit Chris…" Es war ihr egal, das alle anderen das mit anhörten, ,,…Ich bin nicht deine Chica und du hast kein Recht dir einfach zu nehmen, was du willst, nur weil du es nicht haben kannst!"

,,Ich hatte mich nicht unter Krontrolle, okay? Es war nur ein Kuss, Jill…" murmelte Carlos und es war zu viel für Chris.

Carlos hatte Jill geküsst? Wut kochte in den Augen des Agenten auf, er wollte lospreschen auf Carlos zu, doch Leon war es, der ihn zurück hielt. ,,Lass gut sein!…" Leon wollte Chris festhalten, da er genau wie alle anderen verstand, was los gewesen sein musste. Jeder wusste wie nahe sich Carlos und Jill standen.

,,Nimm die Finger von mir!…" Chris schubste ein zur Seite, kam auf Carlos zu, stupste auch ihn, ,,…Was hast du gemacht, hm?…Was hast du ihr angetan?"

,,Ich? Was hast du ihr angetan?…" Carlos hielt Chris davon ab, ihn ein weiteres Mal zu stoßen, wurde selbst auch zornig. Er hasste Chris schon eine ganze Weile und eine ganze Weile hatte er sein überkochen zurück gehalten. Rebecca zuliebe, doch sie war nun nicht da. ,,…Du hast sie im Stich gelassen! Du hast sie allein gelassen!…Du warst noch niemals gut für sie!"

,,Redest du von Jill?…" Chris ballte seine Fäuste, ,,…Sie ist meine Frau, klar! Nicht deine! Du hast deine ja wunderbar ins Krankenhaus verfrachtet!"

,,Chris!…" Jill ging zu ihm, griff ihm an die Schultern und stellte sich vor ihn. Sie sah ihn an, ,,…Bitte, lasst es nicht so weit kommen!" Sie wollte die beiden auseinander drücken, sie wollte es schlichten, zitterte vor Kälte. Eines der Zwillinge boxte gnadenlos in ihre Nieren.

Carlos griff nach Jills Arm und als Chris das sah, brodelte es ihm über. ,,Wag es nicht sie anzufassen!" Chris drückte Jill dabei mit einem Arm zur Seite, gegen Barry, krallte dann den Kragen des ehemaligen Söldners und schlug zu.

Blut spritzte aus der Nase von Carlos, tränkte den Schnee.

,,Chris! Carlos!…Hört auf!" Barry, Leon und Matt wollten dazwischen gehen, doch da war es Carlos schon gewesen, der auf Chris los ging…

Sie weinte.

,,Es ist alles meine Schuld!"

Jill saß schluchzend auf der Couch im Wohnzimmer der Burtons neben Claire und weinte, genoss es von ihrer Schwägerin gehalten zu werden. Sie brauchte das jetzt irgendwie.

,,Nicht doch…" Kathy saß dicht vor Jill und Claire auf dem Sessel, hielt Jills Hand, ,,…Niemand kann etwas dafür."

,,Es hängt immer nur an mir…" Jill wischte sich mit der freien Hand die Tränen aus den Augen, doch dies verhinderte nicht, das weitere kamen, ,,…Wenn Carlos nicht in mich verliebt wäre, wäre das niemals passiert…Rebecca ist doch meine beste Freundin!" Sie machte sich nicht wenige Sorgen.

,,Es ist falsch dir die Schuld zu geben…" Claire strich Jill über den Rücken, ,,…Du hast das nicht gewollt, den Kuss und Carlos hat sich nicht daran gehalten, im Gegenteil, er hat dich dazu gezwungen…Bitte, versuch dich zu beruhigen, okay…"

Jill sah unter sich, vergrub ihr Gesicht in ihre beiden Hände, schluchzte und weinte jetzt umso mehr. Sie machte sich so große Vorwürfe und plötzlich dann zuckte sie, eine Hand schnellte an ihren Bauch. Jill stöhnte leise: ,,Ah…"

,,Hast du was?" fragte Kathy, musterte die Schwangere.

Jill schüttelte den Kopf: ,,Nur ein Tritt…die beiden rebellieren schon die ganze Zeit."

,,Du solltest dich hinlegen, Jill…" begann Claire, doch die Blondine schüttelte den Kopf, ,,…Nein, ich muss ins Krankenhaus, ich muss wissen, wie es ihr geht!"

,,Bald…" Kathy drückte ihre Hand, ,,…sobald die Jungs fertig sind okay? Leg wenigstens bis dahin die Füße hoch, ja?" Sie hatte bemerkt, genau wie Claire, das Jill völlig neben sich stand.

,,Eric…" begann Jill dann, doch Claire unterbrach sie, strich ihr über die Schultern: ,,Er schläft noch immer, genau wie Kathryn, mach dir keine Sorgen."


Chris drehte sich von dem Durchgang zum Wohnzimmer weg, wandte sich von den Frauen ab, ging auf den Küchenthresen zu und stellte sich neben seinen baldigen Schwager.

Matt blickte missmutig auf die Zigarette in Chris´ Hand, sah zu wie der Agent daran zog. Er wusste, das Chris in jungen Jahren mal geraucht hatte, das hatte Claire ihm erzählt, doch er hatte nicht gedacht, das er wieder in den alten Trott zurück fallen würde, erkannte aber auch, das dies hier eine Ausnahme war. Chris musste runter kommen, sich beruhigen und Barry schien genau zu wissen, wie das anzustellen war, deshalb hatte er ihm eine Zigarette angeboten.

,,Hätte nie gedacht, das ich dich mal an einem Glimmstängel ziehen sehen würde…" murmelte Matt, verschränkte die Arme vor der Brust.

Chris zog einmal mehr an der kleinen Nikotinstange, schniefte und atmete den Qualm dann wieder durch Nase und Mund aus. Er gab zu, das es ihm irgendwie gut tat, schluckte und sagte: ,,…Ich hatte noch nie eine weiße Weste."

Barry kam aus dem Esszimmer, wo sich noch immer Leon und Carlos befanden und betrat die Küche. Er blickte zu Chris, musterte ihn.

Der Kampf war nicht schön gewesen, sie hatten es nicht auf Anhieb geschafft Carlos und Chris voneinander zu bringen. Erst die Polizei, die noch anwesend war, noch immer mit dem Fahrer des Wagen gesprochen hatte und aufmerksam wurde, konnte den Konflikt beenden, die beteiligten beruhigen.

,,Sie sind weg…" Barry meinte damit die Polizei und den Fahrer, ,,…Geht es dir jetzt besser Chris?"

Chris knirschte auf seinen Kiefern, noch immer war er wütend auf Carlos.

Niemand hatte dass Recht seine Frau anzufassen, schon gar nicht dieser Mistkerl und als Chris und alle anderen erfahren hatten, das Carlos es war, der Jill zu einem Kuss gezwungen hatte, hatte ihn einfach niemand mehr halten können.

Carlos hatte wahrscheinlich die Nase gebrochen, denn Chris hatte es deutlich knacken hören, das Blut zeugte davon und irgendwie war er stolz darauf. Ein paar hiebe hatte er ihm in den Magen verpasst, ein Veilchen, doch auch Chris war nicht ungeschoren davon gekommen. Er hatte den Spanier unterschätzt. Carlos hatte ihm so eine verpasst, das Chris wirklich fühlen konnte, wie seine Lippe riss und erspürte die Fäuste des ehemaligen Söldners noch immer in seinen Rippen.

Dennoch war es recht glimpflich ausgegangen.

Das Einzige, was Chris weh tat, unter all dem Geschehenen waren die Tränen in Jills Augen gewesen. Erstarrt hatte sie ihn angeblickt, nachdem der Kampf unterbrochen worden war, erschüttert und er wusste, er hatte sie verletzt. Jill hasste es, wenn er aus der Haut fuhr, doch was sollte er tun? Er hatte sie verteidigen müssen, er hatte Carlos von ihr fern halten müssen und er hoffte, das er es jetzt endlich geschafft hatte.

Schweigend nickte Chris auf Barrys frage hin, zog noch einmal an der Zigarette.

Barry stemmte die Arme in die Hüften: ,,Das ist alles nicht gut gelaufen, Chris."

Der Agent funkelte seinen alten Freund an: ,,Willst du mir Vorwürfe machen? Nur zu…das kann ich gerade noch so verkraften ohne ein Loch in die Wand zu boxen."
,,Nein, ich mache dir keine Vorwürfe…" entgegnete Barry, ,,…das tust du schon von alleine. Es hätte nur nicht sein müssen."

,,Ach komm, du hast doch gesehen, gehört, was dieser Drecksack Jill und Rebecca getan hat! Nur wegen ihm ist der Unfall passiert! Und ich lasse nicht zu das irgendjemand seine Finger an meine Frau legt!"

,,Das sollst du auch nicht, glaub mir…" sagte Matt, ,,…Wenn es um Claire gehen würde, hätte ich auch so reagiert. Ich kann dich versehen, Kumpel."

,,Typisch Mann, was?" Claire stand plötzlich in der Küche, musterte ihren Verlobten, dann ihren Bruder. Sie sah die aufgeschlagene Lippe. ,,Tut das nicht weh?"

,,Kaum…" er zog wieder an der Kippe.

,,Ich hasse es wenn du rauchst!…" sagte Claire, ,,…Und Jill mag das auch nicht." Es war offensichtlich das keine der Frauen die Schlägerei gut gefunden hatte. War wohl eben: ,,…typisch Frau, was?" murmelte Chris, zuckte nur mit den Schultern…


,,Ihr haltet alle nur diesem Wunderknaben bei!…" protestierte Carlos und war unruhig durch das Esszimmer gegangen. Er stemmte die Hände in die Hüften, blickte aus dem Fenster, sah darin jedoch auch sein eigenes Spiegelbild. Er war ganz und gar nicht stolz auf sich.

,,Weil du im unrecht bist, Carlos!…" Leon versuchte mit ihm zu reden, ihn zu beruhigen.

,,Unrecht?…" der ehemalige Söldner blickte den Geheimagenten an, ,,…Leon, du weißt ganz genau, wie ich, was dieses Arschloch Jill angetan hat!…Ich hab ihn noch nie wirklich gemocht. Schon damals, als wir ihn nach Raccoon City getroffen haben, war er mir zu wider. Ich kann einfach nicht verstehen, das Jill so blind ist und…alles war so viel besser, als er noch verschwunden war."

,,Glaubst du?…" der blonde Mann lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, blickte den Südamerikaner an, ,,…Sie war nicht glücklich ohne ihn, das haben wir alle gesehen."
Carlos seufzte, schüttelte den Kopf: ,,Ich hätte dafür sorgen können, wenn ich nur noch etwas Zeit gehabt…"

,,Carlos, sie geht dich nichts an!…" Leon stand von seinem Stuhl auf, war er sonst immer der eher ruhige Typ, musste er jetzt mit Nachdruck appellieren. ,,…Jill ist eine erwachsene Frau, es ist ihre eigene Entscheidung. Sie liebt Chris, nicht dich und das musst du akzeptieren…"

Wortlos blickte Carlos zu Boden.

,,Sag…" wollte Leon wissen, ,,…liebst du eigentlich Rebecca? Oder hast du sie nur genommen, weil du Jill nicht haben konntest?…"

,,Hör auf Leon…" er dachte an das Bild seiner scheinbar leblosen Frau im Schnee zurück. Schmerz lag in seiner Stimme.

,,Ist sie deine große Liebe oder nur der Trostpreis?"
Voll mit Zorn und Wut sah Carlos Leon in die Augen, fauchte ihn an: ,,Was geht dich das an, Kennedy?…Gar nichts!" Dann, ohne weiter abzuwarten, ging Carlos an ihm vorbei, verließ das Esszimmer, jedoch nicht durch die Tür zur Küche, da er wusste, das Chris sich dort aufhalten musste, nein, er ging durch die andere Tür…

…und er horchte auf, als er den kurzen Flur zum Wohnzimmer zu durchquerte und Jills Stimme vernahm.

,,…und wenn Rebecca stirbt, werde ich mir das niemals verzeihen…"

,,Hey, mal den Teufel nicht an die Wand, Jill…" Kathy war bei ihr, ,,…es ist Rebecca, sie wird das packen."

,,Ich habe das nie bemerkte…" Jill weinte noch immer, ,,…aber nicht nur Chris hat mir das Leben gerettet. Wo wäre ich denn heute, wenn Rebecca nicht für mich da gewesen wäre?…Kathy, sie hat mir mit der Therapie mein Leben zurück gegeben, sie hatte immer ein offenes Ohr und wie danke ich es ihr?…Sie muss mich jetzt hassen, ich weiß es!"

,,Sie hasst dich nicht, bestimmt nicht…beruhige dich, okay? Ich hol dir ein Glas Wasser…" dann hörte Carlos Schritte, Kathy ging wohl, so war Jill alleine im Wohnzimmer.

Seine Chance sich zu entschuldigen, denn nicht nur Rebecca hatte er weh getan.


Langsam kam Carlos ins Wohnzimmer. Jill lag seitlich auf der Couch, ihm gegenüber. Eine warme Decke über ihrem Körper, ihre eine Hand lag unter ihrem Kopf, die andere lag auf ihrem Babybauch. Sie schniefte leise und stürzte die Lippen, ihr Blonde Haar glitzerte im Licht des Mondes.

Als sie seine Schritte hörte, hob sie den Kopf: ,,Chris?"

Enttäuschung lag schwer auf seinen Schultern. Wie konnte sie nur umher noch an diesem Mistkerl festhalten?

Auch sah er Enttäuschung in ihrem Blick, als sie ihn erkannte. Mühsam stemmte Jill sich und ihren schwangeren Bauch auf. ,,Was willst du hier?"

,,Mit dir reden." er näherte sich und sah, das es Jill nicht gefiel, sie machte Anstalt zurück zu weichen und Carlos stoppte.

Jill sah zur Seite.

,,Es tut mir leid. Ich wollte dir das nicht antun…"

,,Mir?…" sie blickte fassungslos in seine Augen, ,,…Was hast du Rebecca angetan? Sie liebt dich doch und du…du machst ihr alles kaputt!"

,,Was soll ich denn machen, Jill…" er wollte sich noch einmal näher, was zu Folge hatte, das die blonde Frau aufstand und in den Raum hinein ging, Distanz zwischen sie bringen wollte. Carlos ließ es nicht zu, holte sie ein und grapschte nach ihrem Handgelenk. ,,…Hast du vergessen, was hinter uns liegt? Was wir in Raccoon durchgemacht haben? Ich kann es nicht, Jill…Ich habe es versucht, aber es bringt einfach nichts…" er sah ihr in die Augen, ,,…Ja, ich habe Rebecca gerne, ich liebe sie, aber…ich liebe dich auch! Ein Teil von mir liebt dich mehr als sie und wollte niemandem weh tun, ich dachte ich könnte das vergessen, aber…Jill ich kann dich nicht vergessen!"

Sie brachte ihr Handgelenk aus seinem Griff und schüttelte den Kopf: ,,Ich liebe Chris!…Carlos, du bist mein bester Freund, mehr nicht! Ich danke dir, das du mir einst das Leben gerettet hast, aber ich bin genauso machtlos wie du. Mein Platz ist bei ihm…" Jill legte sich eine Hand an den Rücken, ihr Baby, eines davon, schien ihr schon wieder in die Nieren zu boxen.

Carlos schüttelte den Kopf, lachte beinahe. Zu viel war heute Abend passiert und er verstand es nicht. ,,Warum?…Nach allem, was er dir angetan hat? Mach dir nichts vor, du bist doch nur mit ihm zusammen, weil du seine Kinder in dir trägst."
,,Hör auf mir Worte in den Mund zu legen!…" sie wurde ärgerlich, ,,…Und lass mich endlich in Ruhe, Carlos! Wenn du mich so liebst wie du sagst, dann verstehst du auch, wie es mir geht, das ich an Chris hänge…Also geh, lass mich jetzt allein!"

,,Nein, ich verstehe es nicht, ich will es auch nicht verstehen! Ich meine, komm schon…" er griff wieder ihre Hand, trotz ihres Protestes, ,,…das darf nicht so ablaufen! Ich habe schon Rebecca verloren, ich kann dich nicht auch noch verlieren…"

,,Bitte…" hauchte Jill, als sie sich von ihm drücken wollte, ihre Arme von seinen befeien wollte.

,,Ich glaub das nicht!…" zornig, wütend eilte Chris auf Carlos zu, riss ihn zu sich herum und schlug abermals zu.

Erst war Leon in die Küche gekommen, dann Kathy und irgendwie hatte Chris so was erwartet, da er wusste, das Jill alleine war. Er wollte eigentlich nur nach ihr sehen, mit ihr reden, doch das Bild von Carlos und Jill, wie sie sich von ihm befreien wollte, ließ abermals einige Sicherungen durchbrennen. Seine Faust krachte auf dass Jochbein von Carlos. ,,Lass endlich deine Dreckspfoten von ihr, klar!"

Jill sah, wie die anderen aus der Küche folgten. Sie mussten Chris gehört haben und Jill sah im nächsten Moment, wie Chris abermals auf Carlos los gehen wollte und griff zu, packte seinen Arm. Sie hielt ihren Ehemann zurück: ,,Chris, bitte nicht! Es ist genug!"

Carlos rappelte sich hinter ihr auf, kam wieder auf die Beine.

,,..Ich habe das alles so satt…" Jill war aufgeregt, sauer, ,,…Eure Rivalität nervt, ab jetzt…betrachtet mich einfach als die Schweiz okay! Rebecca ist im Krankenhaus, sie könnte sterben und ihr habt nichts besseres zu tun, als euch um mich zu streiten?…"

,,Sag das deinem Wunderknaben da!" Carlos´ Nase blutete wieder.

,,…Hör auf mich zu provozieren!" Chris näherte sich ihm, fuhr ihn sauer an, nur zurück gehalten von Jill, die mittlerweile seine Hand ergriffen hatte. Matt stand hinter ihr, neben Claire und Kathy. Barry und Leon standen auf der anderen Seite.

Jill sah, wie Carlos noch einmal das Wort ergreifen wollte, streckte die Hand aus, stellte sich abermals zwischen die beiden Männer: ,,Hört auf!…" sie sah den hasserfüllten Gesichtsausdruck von Carlos, blickte jedoch dann zu Chris. Sie griff auf noch seine andere Hand, sah ihm in die Augen: ,,…Bitte, Chris…nicht mehr! Lass uns einfach gehen!"

Chris atmete aus, legte eine Hand an ihre Wange und nickte. Ihretwegen, nur ihr zu liebe, drückte er seinen Ärger runter und irgendwo hatte sie ja recht. Es brachte nichts, den Kerl windelweich zu prügeln, Rebeccas Unfall konnte nicht mehr geändert werden. ,,Okay…„ er atmete durch, ,,…fahren wir…" Sanft hielt er noch immer ihre Hand, als beide los gehen wollten.

,,Ich bin noch nicht fertig mit dir!…" Carlos war rasend vor Wut. Nicht nur, das Chris ihn noch mal geschlagen hatte, nein, er musste jetzt auch noch zusehen, wie er mit Jill von dannen zog. Er war zornig, außer sich vor Schmerz, auch das Jill ihn vor allen anderen zusammen gestutzt hatte, noch immer Partei für Chris ergriff machte ihn so ärgerlich. Warum war sie nur so blind?

,,Wag es nicht mir den Rücken zuzudrehen, Redfield!" Er stürmte erneut auf Chris zu, da dieser sich gerade umgedreht hatte. Jill stand noch immer zwischen den Beiden, hielt Carlos an den Oberarmen zurück: ,,Hör endlich auf damit, Carlos!"

,,Ich finde, ihr solltet euch jetzt mal alle abregen!" Barry mischte sich nun doch ein, er kannte die beiden die er Freunde nannte, wusste, das dies niemals gut enden würde.

,,Hey, Carlos, er hat recht, wir…" Chris war umgehend an Jill Seite, legte eine Hand an Carlos´ Schulter, wollte das Wort ergreifen und ihn besänftigen, doch er sah, wie das Fass zum überlaufen gebracht wurde, kaum da sich die beiden Männer in die Augen geblickt hatten. Carlos grummelte wütend, Hass überflutete ihn und er wollte das Hindernis überwinden, das ihn von seinem Widersacher trennte. Er packte das, was vor ihm stand, schubste es kräftig zur Seite, nur um Chris erneut an den Kragen zu gehen. Zu spät und zum Entsetzen aller anderen, bemerkte er, das Jill es war, die ihm im Weg gestanden hatte…

Carlos´ Kraft war zu stark.

Jill hatte nur noch einen Ruck gespürt, wie aus dem Nichts war es gekommen. Sie stolperte zur Seite und fiel.

Das dumpfe Geräusch ihres Sturzes zu Boden war zu hören, ihr Körper, ihr Bauch schlug seitlich auf. ,,Ah!…" erschrocken richtete sie sich umgehend, noch in der selben Sekunde, auf dem rechten Ellenbogen auf, ihre linke Hand griff schützend an ihren Bauch. Die Babys darin rastlos und unruhig, aufgerüttelte und erschrocken über den plötzlichen Aufprall.

,,Jill!" Kathy legte sich die Hände vor den Mund. Entsetzt waren auch Barry, Leon und Matt. Claire fiel neben der blonden Frau auf die Knie, griff ihren Arm: ,,Bist du okay?" Sorge stand auch in den Augen von Chris, der sich hinter sie Hockte, seine Hand um ihren Körper legte: ,,Schatz, bist du verletzt?"

Noch völlig unter Schock stehend stemmte Jill sich weiter auf, sie suchte Worte, die sie nicht fand, sie konnte nicht begreifen, was Carlos ihr angetan hatte. Er hatte sie gestoßen, nie hätte sie ihm das zugetraut und…sie war gefallen.

Jills Hand tastete sich zu der Stelle ihres Bauches vor, auf der sie aufgeschlagen war. Rechts im mittleren Bereich, genau dort, wo ihre Ärztin ihr beim letzten Ultraschall den Kopf eines ihrer Zwillinge gezeigt hatte. Ihre Kinder.

Sie war auf ihre Kinder gefallen.

Jill spürte die heftigen Tritte, es tat weh. Ihre Hand, ihr Körper fing auf einmal an zu zittern und als sie realisierte, das bei einem Sturz alles schief gehen konnte, das ihre Kinder in Gefahr sein konnten, ja dass sie diese vielleicht sogar verlieren konnte, schluchzte Jill verzweifelt auf.

Was, wenn etwas passiert war?

Sie spürte Claires Hand, die ihr über die Schulter strich, doch das gab ihr keinen Trost. Sie fühlte Chris an ihrer Seite, doch auch das linderte das Geschehene nicht. Wie denn auch. Sie hatte Angst, schreckliche Angst um ihre Kinder.

Jill konnte nicht verhindern, das weiter Tränen sich ihre Wangen hinab flüchteten.

,,Chica…" Carlos war voller Reue, er hatte vergessen, was er tat, ,,…ich…es tut mir so leid…" er war vor ihr auf die Knie gegangen, blickte sie mit besorgten Augen an.

Chris löste sich von Jill, stand auf, griff Carlos einmal mehr an den Kragen, mit beiden Händen und zog ihn zu sich hoch. Er schüttelte ihn voller Zorn: ,,Was hast du ihr angetan!"

Carlos sah Schmerz in den Augen des Agenten.

Und das war es auch, was Chris fühlte. Carlos hatte nicht nur Jill weh getan, nein, er hatte auch noch das Leben seiner Kinder aufs Spiel gesetzt, seine Zukunft! Chris liebte die Zwillinge, er hatte sich geschworen sie und seine Familie vor Schaden zu bewahren und nun hatte dieser Abschaum vielleicht das Schlimmste hervorgerufen. Oh wie sehr hasste Chris ihn!

,,Wenn den beiden irgendetwas passiert ist, dann mach ich dich fertig!" Chris fauchte erbittert.

,,Chris…Chris!…" Barry, drückte ihn von Carlos weg. Leon war indes selbst zu Carlos gegangen, hielt ihn fern von Chris.

,,Das wollte ich nicht…" versuchte Carlos sich zu verteidigen, sein Blickkontakt mit Chris riss nicht ab.

Der Agent war so unbeschreiblich wütend. Er brüllte den ehemaligen Söldner förmlich an: ,,…Du wirst dich von ihr und meiner Familie fern halten, wage es nicht noch einmal dich bis auf hundert Fuß zu nähern oder du wist es bitter bereuen, das schwöre ich dir, Carlos!"

Carlos hätte eigentlich etwas erwidert, doch der Schock seiner Jill etwas getan zu haben, saß doch noch tiefer. Reue biss unerbittlich an seine Seele. Es tat ihm so wahnsinnig leid.

Jill schniefte, hatte sich mit Claires Hilfe aufgesetzt. Noch immer war ihr ganz schlecht von dem Aufschlag, ihre Beine fühlten sie an wie Wackelpudding.

,,Jill…" Kathy war hinzu gekommen, hockte sich zu ihr und musterte sie, ,,…ist alles okay? Hast du Schmerzen?"

Chris drehet sich umgehend zu Jill um. Er sah, wie aufgeregt sie noch immer war und kniete sich noch einmal zu ihr. Er blickte ihr in die Augen, legte eine Hand an ihre Wange, während seine andere Hand wieder sanft auf ihrem Bauch lag. ,,Alles okay, Schatz?"

Sie stürzte die Lippen und nickte: ,,Ja…wir sind nur noch ein bisschen erschocken. Es tut mir leid." Eine weitere Tränen rann ihr die Wange hinab.

,,Nicht doch, Jill…" Claire strich ihr noch immer über den Rücken.

Chris nickte: ,,Ich bringe dich lieber ins Krankenhaus…" er spürte die Bewegungen, die protestierenden Tritte seiner Kinder in ihr, als er ein weiteres Mal seine Hand schützend um ihren Bauch legte.

,,Ich bin okay, mir ist nur ein bisschen schwindelig…"

Er sagte nichts, stand nur auf, um hinter sie zu gehen. Claire und Kathy taten es ihm gleich. Chris griff Jill unter die Arme und zog sie sanft hoch, zurück auf ihre Beine, sie stöhnte gequält und kaum das sie stand, hielt sie sich die rechte Seine. ,,Au…" sie streifte sich das Shirt hoch, entblößte einen Teil ihres schwangeren Bauches. Die Stelle war gerötet formte bereits einen gut zu sehenden Bluterguss.

,,Das reicht, ich fahr dich jetzt augenblicklich ins Krankenhaus!" beschloss Chris, griff bereits in seine Hosentasche, um den Autoschlüssel zu zücken. Er war nervös.

,,Ich hole eure Jacken…" beschloss Claire.

,,Nein…" Jill drehte sich um zu ihr, wollte sie aufhalten, ,,…ich kann nicht weg, Eric…"

,,Mach dir keine Sorgen, Jill, ich passe auf ihn auf…" versprach Kathy, griff der Schwangeren an den Oberarm, da sie bemerkte, wie Jill plötzlich die Augen verdrehte, ,,…Jill?…"

Chris sah auf, sah seine Frau schwanken, wie sie sich an die Stirn griff und legte seine Hand um ihre Schultern: ,,Jill? Fühlst du dich nicht wohl?"

,,Ich weiß nicht…" Jill griff nach seinem Shirt, sie hielt sich an dem Stoff fest, ,,…mir…mir wird so…" und dann gab ihr Körper auf, sie brach zusammen.

Chris griff zu, fing sie, hielt sie aufrecht und setzte sie vorsichtig auf dem Boden ab. Der Autoschlüssel fiel zu Boden.

Sein Arm umfing ihren Rücken, der andere ging zu ihrem Gesicht. Mit zittrigen Fingern drehte er ihren Kopf zu sich, strich ihr einige Haarstränen aus den Augen: ,,Jill?…" er war besorgt, seine Atmung war hastig. Was war denn jetzt auf einmal los?

Wieso war Jill zusammengebrochen? Waren die Babys in Ordnung? Und warum nur war sie auf einmal so schrecklich blass?

,,…Jill?…Sag was!" Furcht spiegelte sich gleichermaßen in seiner Stimme, wie in seinen Augen.

Kathy war hinzu gekommen, hatte sich zu ihr gekniet, ebenso wie Leon. ,,Was ist los?"

,,Ich weiß nicht…Jill?" Chris´ Stimme hellte sich auf, als seine Frau sich wieder zu regen begann. Sie flutete hauchzart die Augen auf, keuchte auf: ,,…Chris?" Wie kam sie denn nur auf einmal auf den Boden? Oh, ihr war so schwindelig.

,,Jill!…" Chris strich ihr über die Wange, rüttelte sanft an ihrer Schulter, denn wieder fielen der Schwangeren die Augen zu. Schlaff hing Jill in den Armen von Chris.

,,Ich fahre euch…" beschloss Leon, griff den Autoschlüssel neben Chris´ Bein und stand auf. Er ging los, zur Garderobe und schnappte seinen Parker.

Claire und Matt sahen sich mit sorgenden Blicken an, sahen dann zu, wie Chris es schaffte aufzustehen und Jill in seine Arme zu heben.

Barry hatte indes die Jacken von Chris und Jill geschnappt, legte ihr ihren über den Körper, als Chris sich zu ihm umgedreht hatte. Dankend nickte er seinem Freund zu, immerhin war es verdammt kalt draußen. Leon nahm die Jacke von Chris entgegen und gemeinsam verließen sie das Haus der Burtons.

Barry, Kathy, Claire, Matt und Carlos blieben still zurück…