Entmutigt und niedergeschlagen verließ Jill wieder einmal das Krankenzimmer ihrer Freundin. Es war Freitag, ihre Besuchszeit also und was sollte sie auch den ganzen Tag machen, jetzt, wo sie nicht mehr arbeiten gehen durfte.

Leider war Rebecca noch immer nicht zu sich gekommen. Sie lag jetzt genau seit siebzehn Tagen im Koma.

Jill hatte den Kopf gesenkt, als sie auf dem nach hause Weg war, sah die Gestalt nur unbewusst auf sie zukommen. Ein Besucher, eine Schwester, egal wer es war, es war ihr egal.

,,Jill Redfield?"

Umgehend jedoch blickt die Blondine auf, in die Augen des Mannes, der ihr entgegen kam. Sie stockte irritiert, erschrak ihr innerstes doch bei seinem Angesicht. ,,Jake?"

Ja, Albert Weskers Sohn lief ihr gerade über den Weg, in schwarzer Kleidung und…

…mit einem Blumenstrauß. Eine blonde Frau mit kurzem Haar war an seiner Seite.

,,Em…Miss Birkin? Nicht wahr?" Jill hatte Sherry Birkin noch nie zuvor gesehen, lediglich einiges erzählt bekommen. Doch sie war schon immer gut gewesen eins nid eins zusammen zu zählen und dies hier wr ja wirklich zu offensichtlich.

,,Ja…nennen Sie mich Sherry, Sie sind Jill, die Ehefrau von Captain Christopher Redfield, richtig?"

Noch immer verdattert nickte Jill. Der Anblick der sich ihr bot, war mehr als ungläubig und irgendwie komisch. ,,Em…" Jill sah in das Gesicht der jüngeren Frau, dann in das des rothaarigen Mannes, ,,…Was tun Sie beide hier?" Es war ihr immer noch nicht wirklich angenehm in das Gesicht von Jake Muller zu blicken. Immerhin erinnerte er wirklich sehr stark an Albert Wesker.

Jake hielt den Blumenstrauß hoch: ,,Nach was sieht es denn aus? Ich will meine Lieblingsärztin besuchen."

Jill blickte über ihre Schulter, das Zimmer ihrer Freundin war keine zehn Meter weg: ,,Sie…" sie blickte wieder zu Jake, ,,…Sie wollen zu Rebecca?"

Er nickte.

,,Rebecca ist eine gute Freundin von uns, wussten Sie das nicht?" fragte Sherry Birkin.

Völlig überrumpelt schüttelte Jill den Kopf: ,,Nein…sie hat mir nichts gesagt…em…seit wann?"

,,Die Kleine doktert an meinem Blut rum, wenn du verstehst…" Jake neigte sich etwas zu ihr, ,,…da kommt man schon mal ins Gespräch…"

Es war nicht persönlich gemeint, doch Jill ging instinktiv auf Abstand. Sherry sah es, griff Jake an den Arm, hakte sich ein und hielt ihn so zurück. Als er zu ihr blickte lächelte die junge Frau. Im Gegensatz zu ihm, kannte Sherry die Geschichte um Jill, Chris und Wesker in Afrika.

,,Es ist schön, Sie endlich einmal zu treffen, Misses Refield…" Sherry sah zu Jill, ,,…Zu dumm, das wir uns damals in Raccoon nicht begegnet sind."
Jill schluckte, versuchte einen ihrer Mundwinkel zu heben, fühlte jedoch, wie ihre Hände feucht wurden: ,,Ja…wirklich zu dumm…"

Jake stutzte: ,,Du warst auch in Raccoon City?…" er sah Jill an, ,,…Dann kennst du auch sicher diesen Leon…"

Jill nickte einmal mehr: ,,Ja…er ist der beste Freund meines Mannes."

,,Ach ja…der Soldat…" Jake hob einen Zeigefinger, tippte sich auf die Stirn, ,,…sag ihm mal´n schönen Gruß. Habe gehört, der ist nicht mehr im Außendienst?"

,,Woher wissen Sie das?" Jill klang vielleicht etwas misstrauischer, als beabsichtigt und Jake registrierte das. Er hob eine Augenbraue, ihm gefiel der Blick nicht, den Jill ihm zuwarf: ,,Was denn? Ich mach nur Smalltalk…ist das verboten?…"

Jill schwieg weiterhin.

,,Was denn?…" Jake sah Jill direkt in die Augen, ,,…Wieso stierst du mich so an, als wenn ich dich fressen wollte? Ich bin keine BOW…"

,,Jake, lass gut sein…" Sherry ging lächelnd dazwischen.

Er sah zu ihr.

,,Tut mir leid…" hauchte Jill, ,,…Sie erinnern mich nur sehr an Ihren Vater…" Sie konnte sich nicht helfen, es war nun mal so und ein jedes Mal, wenn sie Jake sah, sah sie eben auch Albert.

,,Das habe ich schon mal gehört…Nur schade, das mein alter Herr im Feuer schmort, hätte gern mal ein Wörtchen mit ihm geredet."

Erschrocken war Jill bei seinen Worten. Jake wusste es also nicht? Er wusste nicht, das Wesker…

Nein, wie denn auch, es wusste niemand…


Chris betrat sein Haus am frühen Nachmittag nach Feierabend und hörte gleich nachdem er den Hund begrüßt hatte die Stimme von Jill im Wohnzimmer. Sie telefonierte.

,,…Ja….Nein, es ist besser wenn du morgen zuhause bleibst, ihr alle…"

Er näherte sich, sah wie seine Frau mit dem Handy am Ohr aus dem Fenster in den Garten blickte und nickte.

,,…Wird schon nicht so schlimm werden, da müssen alle Kinder irgendwann durch…Ja, ich glaube schon…Okay, bye."

Kaum hatte Jill das Gespräch beendet, drehte sie sich zu Chris um.

,,Hey…" grüßte er, deutete auf das Handy.

Jill stürzte die Lippen: ,,Claire…ich hab ihr für morgen abgesagt…" sie ging an Chris vorbei, aus dem Wohnzimmer, durch den kurzen Flur und hinein in die Küche.

Verdutzt folgte Chris ihr, sah zu, wie sie den Wasserkocher ausschaltete und einen Tee vorbereitete. Er fragte sich wieso, denn eigentlich wollten Claire und Matt mit der kleinen Kathryn morgen zum Kaffeenachmittag vorbei kommen.

,,Wieso denn?" wollte er schließlich wissen.

Jill hatte den Tee in eine kleine Kanne gefüllt, Erics Lieblingstasse aus dem Schrank genommen und sich dann mit beiden Sachen zu Chris umgedreht. Sie seufzte leicht: ,,Dein Sohn hat Windpocken."

Chris sagte nichts.

Er sah nur zu, wie Jill an ihm vorbei ging, die Treppen hinauf stieg und Ben ihr folgte.

Windpocken?

Das sagte ihm was. Es war eine dieser Kinderkrankheiten…

Moment! Mein Sohn ist krank?…

Umgehend blickte er auf, ging los, eilte Jill hinterher. Er wollte wissen, wie es seinem Sohn ging…

Chris kam gerade hinzu, sah, wie Jill ihrem Jungen etwas zu trinken gab. Sie saß bei ihm auf der Bettkante.

Die kleinen Wangen des Kindes, waren vom Fieber gerötet, rote Flecken sah er auf den blanken Armen seines Kindes, teilweise auch schon im Gesicht.

,,Jill…" besorgt kniete er sich neben sie, musterte sein kranken Kind, ,,…heute morgen war doch noch nichts, als er in den Kindergarten ging."

Die Blonde Frau zuckte nur mit den Schultern: ,,Gestern morgen hat er sich doch auch schon nicht wohl gefühlt…" die drängte ihren Sohn sanft ins Bett zurück, ,,…Der Kindergarten hat mich vorhin angerufen, kaum das ich nach dem Besuch bei Rebecca mein Handy wieder angeschaltete hab. Die Kindergärtnerin sagte, das er Fieber hat und sie heute schon vier andere Kinder mit den gleichen Symptomen nach hause gehen ließen. Ich bin natürlich sofort hin und sofort mit Eric zum Arzt…" sie seufzte, musterte ihr Kind, das sie aus kranken Augen aus anblickte.

,,Mama…" Eric streckte die Hand nach ihr aus, ,,…hab Kopfweh…"

Jill beugte sich zu ihm, strich ihm über die Stirn: ,,Ich weiß, Baby…geht bald vorbei…du darfst nur nicht kratzen, okay?"

,,Schatz…" Chris fasste ihr an die Schulter, zog sie sanft zu sich, als er aufstand. Ihm war gerade ein Gedanke gekommen, ein sorgenvoller Gedanke.

Fragend schaute Jill in seine Augen, als sie ihm gegenüber stand: ,,Ja?"

,,Windpocken…" Chris nickte, um das zu verdeutlichen, sah auf den großen Bauch seiner Frau, ,,…du bist schwanger. Gibt es da keine Probleme?"

Jill stemmte ihre Arme in ihr Kreuz, ihr Rücken tat schon wieder weh. Sie wusste jedoch nicht wirklich eine Antwort: ,,Ich em…nein, ich weiß nicht. Wenn ich die Windpocken schon mal hatte, dann nicht."

,,Hattest du sie?" forsch fragte er, fixierte ihren Blick.

Sie schluckte: ,,Em…wenn, dann kann ich mich nicht mehr daran erinnern…Mein Vater wäre der einzige, der mir darauf eine Antwort geben könnte." Sie sah unter sich.

,,Solltest du dich dann nicht ein bisschen zurück halten?…" Chris dämpfte seine Stimme, da er bemerkte, wie Eric sie beobachtete.

,,Zurück halten?…" Jill stieß Luft aus ihren Lungen, konnte es kaum fassen, ,,…Chris er ist mein Sohn. Er braucht mich und ich werde ihn nicht wie einen Lebrakranken behandeln…Ich glaube ich hatte die Windpocken schon."

,,Aber du bist dir nicht sicher!"

,,Nein…"

Chris griff ihr an den Arm: ,,Lass mich ihn versorgen. Ich will nicht das du krank wirst, ich will nicht, das es den Zwillingen schadet."
,,Das wird es nicht…" entgegnete Jill, stockte dann und musterte ihren Ehemann, ,,…Was ist mit dir? Hattest du sie schon mal?"

Er nickte eindeutig: ,,Ja, ich war allerdings schon zehn und hab sie damals von Claire bekommen. Es war zwar nicht ganz so tragisch wie bei ihr, aber…ja, ich hatte sie. Deshalb, lass mich bei ihm bleiben."

,,Und was soll ich tun?…" sie lächelte knapp, ,,…Mich in unserem Schlafzimmer einmauern? Die Inkubationszeit bei Eric ist ohnehin schon vorbei, das heißt das eine eventuelle Ansteckungsgefahr schon seit mehreren Tagen besteht. Wenn ich diese Krankheit also nicht gehabt hätte, wäre es ohnehin schon zu spät."

,,Das ist nicht komisch, Jill…" Chris machte sich wirklich Sorgen.

Ihr verging das Lächeln, sie schüttelte den Kopf: ,,Du hast recht…Entschuldige…" dann seufzte sie, ,,…Erics Kinderarzt hat mir nahe gelegt bei meiner Gynäkologin vorbeizuschauen und einen Bluttest machen zu lassen. So kann man sehen, ob ich Antikörper gegen Windpocken habe oder eben nicht."

,,Dann geh, jetzt…ich bleibe bei ihm."

,,Mama!…" Eric fing plötzlich an zu weinen. Er setzte sich auf, dicke Krokodilstränen mischten sich unter sein Schluchzen. Es ging dem Jungen nicht gut, das sah man ihm an, ,,…nicht weg gehen…"

Jills Herz sank bei dem Anblick, sie setzte sich wieder zu ihm, schlang die Arme um den Körper ihren Sohnes, drückte ihn sachte an sich: ,,Nein, Liebling…" sie versuchte ihn zu trösten, während Eric sich in ihre Arme flüchtete. ,,…Ich gehe nicht weg!…Niemals, okay…Ganz ruhig, Schatz…"

Chris sah zu, verstand dass das Kind sich nach seiner Mutter sehnte…


Nach knapp acht Tagen ging es Eric besser. Das Fieber war lange schon weg, er hatte das schlimmste hinter sich und würde bald wieder fitt sein. Noch immer hatte er ein paar der roten Flecken, aber es waren keine neuen mehr aufgetreten.

Es war jetzt kurz nach drei Uhr Mittags und Eric machte ein Nickerchen.

Jill nutzte die Zeit, um die Wäsche im Keller aufzuhängen. Sie musste nicht mehr zur Arbeit gehen, also hatte sie Zeit genug. Sie hockte sich hin, um die Wäsche aus der Maschine in den Korb zu ziehen, dann packte sie diesen an den Griffen und stand auf, ein Stich durchfuhr ihren Körper.

Instinktiv hatte Jill den Korb auf der Maschine abgestellt, ihre Hand war an ihren Bauch gewandert. Sie kannte das. So oft in der letzten Zeit machten sich die Zwillinge bemerkbar, so oft hatte sie schreckliche Rückenschmerzen.

Jill reckte ihren Nacken und strich über ihren Bauch: ,,Ich dachte schon ihr zwei würdet auch endlich mal ein Nickerchen machen…" Sie seufze, griff in den Korb und fing an die Wäsche an der Leine, die quer durch den Raum gespannt war, aufzuhängen.

Sie war noch nicht ganz fertig, als sie die Haustür hörte, Schritte, einen Schlüssel der an das Schlüsselbrett gehangen wurde und das freudige jauchze ihres Hundes. Chris war also schon zuhause? Früh.

Und ja, kurz darauf, hechelte ihr Schäferhund dabei, wedelte aufgeregt mit dem Schwanz.

Jill hing gerade eine ihrer Hosen auf, blickte zu dem Hund: ,,Ja! Herrchen ist wieder da, nicht wahr?.." sie lächelte, hörte auch schon schlurfende, leicht träge Schritte auf der Treppe.

Sie blickte hin, kurz dachte sie bei dem klang der Schritte zurück nach Raccoon City, als die Untoten umher wandelten, doch Jill wusste, das dem nicht so war. Sie lebte nicht in der Vergangenheit, sondern im hier und jetzt. ,,Du bist früh dran, Chris…" ihr Lächeln war herzlich.

Chris kam um die Ecke in den Kellerraum, hatte eine Hand an seinen Nacken gelegt und versuchte ihr lächeln zu erwidern: ,,Hey.."

,,Oh oh…" Jill sah, das etwas nicht stimmte, ,,…Ist alles okay bei dir? Du siehst ganz schön fertig aus."

Er seufzte, atmete dabei tief durch: ,,Ja, war´n harter Tag. Viel Training, viele Übungen…Ich habe früher Feierabend gemacht, hätte keine einzige Trainingseinheit mehr fertig gebracht."

,,Ist alles klar?" fragte sie, hing die Wäsche weiter auf, doch musterte ihren Ehemann immer wieder. Er sah wirklich irgendwie nicht gut aus.

,,Ich bin nur müde…" er ging ihr zur Hand, half ihr die letzten Kleidungsstücke aufzuhängen, ,,…Wie war dein Tag? Geht es Eric besser?"

Jill nickte: ,,Ja, er schläft, aber ich denke in ein paar Tagen ist er wieder fitt. Ich werde ihn noch eine Woche zuhause lassen, bis er sich richtig erholt hat."

,,Ist wohl besser so…" Chris sah zu ihr, ,,…Wenn du willst, kannst du ins Krankenhaus fahren, ich bin ja jetzt zuhause." Er wusste, das sie es in der letzten Zeit wegen Eric nicht geschafft hatte, Rebecca zu besuchen.
Sie schüttelte den Kopf: ,,Nein…heute ist Samstag und…" sie schluckte, ,,…Du weißt ja um die Abmachung."

,,Das war keine Abmachung, sondern eine ganz feige Anordnung…" Chris lehnte sich stützend gegen die Wachmaschine. Irgendwie war ihm unwohl, deshalb war er früher nach hause gekommen, doch er zeigte es ihr nicht. ,,…was anderes hätte ich von dem auch nicht erwartet."

,,Chris!"

,,Nein, im ernst, Jill, du kannst Rebecca doch besuchen, wann du willst."

Jill zuckte mit den Schultern: ,,Ja schon, aber ich will keinen Ärger…Ich weiß, du magst es nicht, wenn Carlos mir über den Weg läuft…"

,,Aber Hallo!…Nach allem, was er angestellt hat?…"

,,Eben und darum ist diese dumme Abmachung ja auch irgendwie okay…" pflichtete Jill bei, ,,…ich will auch einfach keinen Stress haben."

Hellhörig blieben seine Augen auf ihr hängen: ,,Wieso? Macht er dir stress?"
,,Nein, aber weißt du, wenn er mich dann mal sieht, dann fängt er gleich mit der alten Leier an und das habe ich einfach satt."

,,Hat aber lange genug gedauert das aus deinem Mund zu hören, Jill."

,,Hey, er ist…war…ein Freund. Ich weiß nicht ob das noch der Fall ist und ich will einfach momentan nur meine Ruhe haben…" sie zuckte und griff sich noch einmal an den Bauch, ,,..Ah! Hey! Hört auf damit…"

Chris lächelte leicht, blinzelte etwas, da die Helligkeit ihm in den Augen brannte, doch er kam zu ihr, legte seine Hand auf ihre: ,,Ärgern dich die beiden wieder?"

Sie nickte: ,,Ja…ich glaube, die kommen nach dir und können Carlos auch nicht riechen."

Er lachte leise, dann verging es ihm allerdings. Er dachte an Sylvester zurück, an Rebeccas Unfall und schüttelte den Kopf, an die Schlägerei mit Carlos und er bereute es: ,,Tut mir leid…das war damals nicht gerade…nett gelaufen…"
,,Nein, war es nicht, ihr habt euch aufgeführt wie Teenager…" sie legte ihre Hand um seinen Rücken, ,,…Vergessen wir es. Hoffen wir nur, das Rebecca endlich bald aufwacht."

Chris nickte.

Jill griff seine Hand, wollte nach oben gehen, doch hielt inne und sah ihm in die Augen: ,,Sag mal Chris, kann ich dich was fragen?"

,,Klar…"

,,Es geht um Jake…" begann Jill, ,,…ich habe ihn und Sherry heute im Krankenhaus gesehen, sie wollten Rebecca besuchen, sind wohl irgendwie befreundet. Wusstest du das?"

Schweigend schüttelte Chris den Kopf.

,,Naja…ich habe mich etwas mit ihnen unterhalten und…" sie schluckte, sah unter sich. Das kommende fiel ihr schwer auszusprechen, doch sie hatte lange darüber nachgedacht und wollte es.

,,Und was?" wollte er wissen, ignorierte das Pochen in seinem Kopf. Chris war neugierig, wusste er doch, das seine Frau sehr zurückhaltend war, was den Sohn von Albert Wesker anging.

,,…Er weiß nicht, das sein Vater noch lebt, nicht wahr?" Jill sah Chris in die Augen.

Der Agent schluckte, wusste nicht, ob es gut oder schlecht war, dieses `alte´ Thema wieder aufzurufen. ,,Warum fragst du das? Du weißt doch, das Albert Wesker für die Öffentlichkeit damals, zweitausendneun in dem afrikanischen Vulkan umgekommen war…" er senkte die Stimme, hielt ihren Augen stand, ,,…Alles, was danach passierte…Jill, nur wenige wissen davon, du ich unsere Freunde und nur ein paar vertrauenswürdige Männer der BSAA."
,,Aber Jake ist sein Sohn…hat er nicht das Recht zu erfahren, das sein Vater lebt?"

,,Nein…es ist besser so, für ihn, für die Menschheit und vor allem auch für dich…" Chris schüttelte den Kopf, ,,…hast du vergessen, was wir durchgemacht haben?"

,,Natürlich nicht. Wie könnte ich das vergessen…aber Chris, es geht hier nicht um uns. Ich fände es richtiger, wenn Jake Gelegenheit hätte seinen Vater selbst zu sehen, wenn er zumindest darüber entscheiden könnte, ob er es will oder nicht."

Unverständlich wich Chris von ihr: ,,Wer bist du? Mutter Theresa?…Ja, Jake scheint wohl in Ordnung zu sein, doch er hat einen Massenmörder als Vater. Glaub mir, so was will er nicht sehen."

,,Das hat niemand zu entscheiden außer Jake selbst und…"

,,Hast du es ihm gesagt?" unterbrach Chris, verschränkte die Arme vor der Brust.

Jill schüttelte den Kopf: ,,Ich war kurz davor…aber ich konnte nicht, Sherry war bei ihm."

Chris seufzte: ,,Jill das ist streng geheim! Du hast nicht das Recht etwas davon preis zu geben, egal an wen. Du arbeitest nicht mehr bei der BSAA und selbst wenn…Wesker verrottet in einer extra angefertigten Hochsicherheitszelle. Niemand kommt da ohne weiteres rein."

,,Aber du schon, oder?…" sie sah ihn weiterhin an, ,,…Du hast doch uneingeschränkten Zutritt, als einer von wenigen, das weiß ich, wenn du also mit Jake reden würdest und…"

Er wank ab: ,,Bemüh dich nicht, Schatz. Ich werde das nicht tun."

,,Aber stell dir vor du wärest an seiner Stelle, würdest du nicht auch wissen wollen, woher du kommst?"

Chris verdrehte die Augen: ,,Jill…das kannst du nicht vergleichen, hör sofort auf, so was zu reden." Er wurde ärgerlich.

,,Wieso? Wenn es…wenn es mein Vater wäre, dann…"
,,Ist er aber nicht…" unterbrach er noch einmal, ,,…Bei Gott was ist denn los mit dir? Seit wann gräbst du diese alte Episoden wieder aus?…Diese verkorkste Familie kann dir egal sein, vergiss es, okay?"

Jill senkte den Kopf: ,,Ich weiß nicht ob ich das kann…" sie sprach aus, was sie fühlte, ,,…Chris, ich finde es nicht richtig."
Chris seufzte, griff ihr an die Schulter: ,,Schatz, immer wenn du schwanger bist, bist du so überemotional…verdräng diese Gedanken. Wesker ist Geschichte und die Tatsache, das sein Sohn hier ist, bis Rebecca wieder gesund ist und den Impfstoff zu Ende bringen kann, ändert daran nichts…Gehen wir hoch, komm…" er blinzelte heftig, ,,…ich will nicht mit dir streiten."
,,Ich mit dir auch nicht…es tut mir leid…"

Er nickte knapp, küsste ihre Stirn und unterdrückte das Gefühl, als würde er auf einem Schiff versuchen gerade aus zu laufen.

Jill nahm erneut seine Hand, zusammen verließen sie den Keller, gingen nach oben. Ob sie es vergessen konnte, wusste sie nicht, allerdings tat sie ihrem Ehemann den Gefallen und legte das Thema vorerst zu den Akten.

Ben schlängelte sich derweil bereits vor…

…und oben angekommen, war Chris irgendwie dankbar, denn mit jeder Stufe war sein Schwindelgefühl größer geworden.

Er schloss die Augen, hörte wie Jill die Tür zum Keller hinter ihnen schloss. Seine Hand rieb über seine Stirn, die Treppen hoch ins Schlafzimmer, das schein er nicht mehr zu schaffen.

Reiß dich zusammen, Mann!…Nicht so, nicht vor ihr…

Jill drehte sich zu ihm, sah, wie unstabil seine Schritte wurden, wie er schwankte und erschrak fürchterlich, als Chris mit der Schulter gegen die Flurwand sank, sich festhielt.

Umgehend war sie an seiner Seite, griff seinen starken Oberarm: ,,Chris? Bist du in Ordnung?" Besorgt blickt sie in sein Gesicht, das allmählich jegliche Farbe verlor. Er blinzelte jedoch nur, richtete sich wieder auf, auch wenn die Schmerzen in seinem Kopf jetzt unaufhörlich klopften: ,,Ist schon okay, ich hab nur etwas Kopfschmerzen."
,,Nur etwas Kopfschmerzen?…" sie hob ihre Augenbrauen, ,,…Chris du bist kreideweiß im Gesicht."

,,Es war´n harter Tag…" er wollte sich von ihr lösen, weiter gehen, doch einmal mehr wurde ihm schwarz vor den Augen.

Jill packte zu, hielt ihn und gab zu, das sie sich plötzlich ängstigte. ,,Komm…" sie zog ihn sanft mit sich ins Wohnzimmer, ,,…setz dich erst mal, ja?…Oder besser, leg dich hin…"
,,Schatz, es geht mir gut, du…"
,,Hinlegen!" unterbrach Jills strickt, drückte ihn auf die Couch, brachte ihn in die wagerechte und setzet sich auf die Kante. Sie prüfte die Temperatur an seiner Stirn: ,,Fieber hast du keins."
,,Sag ich ja…" beteuerte er unter heftigem blinzeln, ,,…sind nur Kopfschmerzen. Migräne oder so."

Verdutzt hob sie eine Augenbraue: ,,Du hattest noch nie zuvor Migräne."

,,Dann fängt es halt jetzt an…" er schloss kurz die Augen. Warum war ihm nur so komisch?

Jill atmete durch, überlegte, wie sie ihm helfen konnte und nickte innerlich: ,,Warte einen Moment, bleib bitte liegen…" Sie verschwand in der Küche und kehrte mit einem kühlen Tuch zurück.

Chris hatte seinen Oberkörper aufgestemmt, er wollte am heiligten Tag nicht auf der Couch herum liegen: ,,Was hast du da?"

Sie setzet sich wieder vor ihn, drückte ihn ohne Mühe wieder nieder und legte ihm das feuchte Tuch auf die Stirn: ,,Hier…das hilft mir auch immer, wenn ich Kopfschmerzen habe…" Jill musterte ihn genau, ,,…darum bist du heim gekommen, nicht wahr? Oh Chris, du hättest anrufen sollen, ich hätte dich doch abgeholt."

,,Und Eric?…" was sollte er es abstreiten, sie wusste es doch ohnehin, ,,…Du hättest ihn mitschleppen müssen. Er ist krank."
,,Das bist du auch, mein Lieber…" Jill seufzte, schüttelte knapp den Kopf, ,,…Nicht auszudenken, was passiert wäre, wäre dir beim Autofahren so schwindelig geworden."

Chris versuchte ein Lächeln, genoss ihre Hand auf seiner Stirn und er wusste, das ihr das kommende nicht gefallen würde: ,,Das war es…ich bin rechts ran gefahren."

Jill ließ die Schultern hängen: ,,Chris! Das ist überhaupt nicht komisch, es hätte sonst was passieren können!"

Er sah zur Seite, atmete durch. Seine Schmerzen wurden nur etwas gelindert, doch er fühlte sich momentan wirklich sogar zu schwach um aufzuspringen und daher blieb er einfach liegen. Es tat ihm doch gut einfach mal liegen zu bleiben.

,,Tut mir leid, das du das so sehen musst…" sagte er, ,,…Du hast mich sicher in den letzten achtzehn Jahren, noch nicht krank gesehen."

,,Doch…" entgegnete Jill, ,,…Ein knappes Jahr nachdem wir uns kennen lernten, damals im Julie neunzehnhundertsiebenundneunzig…" sie lächelte milde, während sie mit dem kühlen Tuch über seine Stirn fuhr, ,,…Claire hatte Semesterferien und war bei dir, sie hat mich doch noch mitten in der Nacht angerufen, um Hilfe gebeten, weil sie nicht wusste, was sie mit dir anfangen sollte. Du hattest die Grippe mit Fieber, Übelkeit und allem drum und dran, weißt du noch?"

,,Ich bin überrascht, das du das noch weißt…" Chris hatte die Augen einmal mehr geschlossen, die Dunkelheit tat ihm gut.

Jill lächelte breiter: ,,Wie könnte ich das vergessen. Es war das einzige Mal, das du krank warst. Die Verletzungen bei den Einsäten zählen dabei als Krankheit ja nicht mit, das ist Berufsrisiko, aber…du warst immer kerngesund…" Ihr Magen verkrampfte sich vor lauter Sorge. Was, wenn Chris sich etwas eingefangen hatte? Was, wenn er krank wurde? Irgendwie musste sich sein momentaner Zustand ja erklären lassen.

,,Achtzehn Jahre…" murmelte er. Seine Hand lag wie gewohnt auf ihrem Bauch, streichelte über die Kurve, ,,…lange Zeit. Unglaublich, das wir uns schon so lange kennen."

Sie nickte, musterte sein bleiches Gesicht, während sie ihre Hand auf seine legte und fragte: ,,Willst du nicht doch zum Arzt? Chris, du gefällst mir überhaupt nicht…Nicht das du dich…naja, bei Eric angesteckt hast und…"
,,Unsinn…" er blinzelte, ,,…ich hatte die Windpocken doch schon, du kannst Claire fragen, sie wird es dir bestätigen…Es ist morgen wieder besser. Bestimmt…" Chris strich sich selbst über die Stirn, seine Kopfschmerzen waren enorm.

,,Dann ruh dich aus…" beschloss Jill mit sanfter Stimme, ,,…Bleib grad so liegen, ich kümmere mich schon um den Hund." Sie sah nur zu, wie Chris die Augen zufielen. Das er ihr nicht widersprach oder das letzte Wort haben wollte, zeigte ihr, das er wirklich Schmerzen haben musste…


Jills Handy vibrierte auf dem Nachttisch.

Gequält stöhnte sie auf und öffnete die Augen. Sie lag auf der Seite, hatten Stunden gebraucht, um einen geeigneten Liegeplatz zu finden, da ihre Kinder so richtig unruhig in ihr gewesen waren. Ihre Hand glitt an ihr Kreuz, sie verzog das Gesicht. Das Gefühl auf Steinen geschlafen zu haben war dagegen angenehm.

Den großen Bauch, damit konnte sie umgehen, auch mit dem Unwohlsein ab und an, aber das schlimmste waren die quälenden Rückenschmerzen. Wenn die nicht wären, wäre diese Schwangerschaft der reinste Spaziergang.

Noch einmal vibrierte das Handy und noch verschlafen zu dieser frühen Morgenstunde, griff sie ihr Telefon. Sie las den Namen neben der Uhrzeit - 06:17 - auf dem Display und ging ran: ,,Hey Claire…was rufst du so früh denn an? Sonntag…" Sie befürchtete, das Claire sie wieder einmal mit dem neusten Klatsch und Tratsch versorgen wollte, so wie es ihre Schwägerin stets tat, doch nur wenige Sekunden später weitete Jill die Augen, ,,…Was? Wirklich?" Ihr Atem schnappte.

,,…Ja, ja, wenn ich es dir doch sage…" man konnte Claires Lachen hören, ,,…Carlos selbst hat mich vorhin angerufen. Gestern Nacht ist sie aufgewacht. Sie steht noch etwas neben sich, aber oh Gott, Rebecca ist wieder wach!"

Erleichtert hatte Jill sich aufgesetzte, rieb sich mit der freien Hand noch mal über den Rücken. ,,Gott sein dank…fahrt ihr hin?"

,,Ja, Carlos ist noch dort. Kommt ihr auch?"

Jill nickte: ,,Ja, ich denke schon, ich weck die anderen…Hoffen wir, das Becca okay ist." Sie beendete das Gespräch und konnte gar nicht fassen, wie schwer der Stein war, der gerade von ihren Schultern plumpste. Allerdings tat sich noch ein anderer Gedanke auf. Rebecca war aufgewacht, nach sechsundzwanzig langen Tagen und hatte das Koma besiegt, doch wie würde es ihr gehen? Erst jetzt würde sich zeigen, ob irgendwelche Folgeschäden durch den Unfall, die schwere Kopfverletzung zurück geblieben waren.

Jill hoffte wirklich, das ihre Freundin in Ordnung war.

Sie drehte sich zu Chris, lächelte, er schlief noch immer.

Langsam rutschte Jill näher, brachte ihren Bauch in eine bessere Position und legte eine Hand an seine Schulter: ,,Chris?…Liebling…Wach auf."

Er lag auf dem Bauch, bis zu den Schultern zugedeckt. Niedlich wirkte er ein jedes Mal, wenn er schlief.

,,Chris?…"

Ein seichtes Brummen verließ seine Kehle

,,…ich weiß es ist früh, aber ich habe gute Nachrichten…" Jill grinste, ,,…Rebecca ist endlich aufgewacht."

Chris blinzelte derweil, brauchte ungeheuer lange, um zu sich zu kommen. Doch er antwortete: ,,Wirklich?"

Jill nickte, sah zu, wie er sich auf die Seite drehte, sich aufsetzen wollte, doch aus irgendeinem Grund wieder zurück in sein Kissen fiel.

Er griff sich an die ungewöhnlich warme Stirn: ,,Bin gleich auf Deck, dann können wir…" Wohl war ihm noch immer nicht, im Gegenteil. Sein Körper fühlte sich schwer wie Blei an, erschöpft und so als wäre er die ganze Nacht einen Marathon gelaufen, anstatt friedlich zu schlafen. Im allgemeinen fühlte Chris sich heute anders als gestern, irgendwie…richtig krank.

Stutzig, schob Jill seine Hand aus seinem Gesicht. Seine Wangen kamen ihr so gerötete vor und da, an seinem Handgelenk entdeckte sie etwas. Jill griff seinen Arm und weitete die Augen. Rote Flecken, wie bei…

Jill sah ihm ins Gesicht, legte ihre Hand prüfend an seine Stirn und ließ die Schultern hängen: ,,Chris! Du hast Fieber!"

,,Unsinn…" er wollte hoch, doch sie hielt ihn zurück, griff ihm an die Schulter und hielt ihn mit Leichtigkeit im Bett.

,,Ich bringe dich jetzt zu einem Arzt!" Sie befreite ihren Körper von der Bettdecke.

,,Das ist nicht nötig, ich…" er brach ab, als ihm vor lauter Müdigkeit noch mal die Augen zufielen, er den Schwindel versuchte zu unterdrücken. Was war denn nur auf einmal los?

Jill hielt inne, als sie aufstehen wollte, drehte sich zu ihm und lupfte den Kragen seines T-Shirts, auch an seinem Hals entdeckte Jill diese Punkte, diese Flecken und für sie war es sonnenklar: ,,…Du hast dich angesteckt!"

,,Unmöglich…" Chris wollte abermals hoch, doch sie hielt ihn zurück, stemmte ihre Hände gegen seine Brust und drückte ihn wieder nieder.

,,Bleib liegen! Du bist krank…"

,,Bin ich nicht…" er seufzte, ,,…Hab nur Kopfschmerzen…"

,,…und du glühst vor Fieber!…" Jill war mehr als aufgebracht, nervös und kroch aus dem Bett, kam dann herum, an seine Seite und sagte, ,,…Ich sag den anderen ab, du wartest hier und…ich fahre dich zu einem Arzt."

Er schwieg, hatte kaum die Kraft ernsthaft mit ihr zu Diskutieren.

Sorge lag in ihrem Blick. Wenn Chris sich wirklich mit Windpocken angesteckt hatte…es war viel schlimmer, wenn man diese Krankheit als Erwachsener bekam.

Chris sah ihr nach, gestand sich ja ein, das es ihm wirklich gar nicht gut ging und war dankbar dafür, noch etwas schlafen zu können…


Carlos wartete auf dem Flur.

Er ging nervös auf und ab, rieb sich den Nacken.

Erleichterung umfing ihn noch immer und der ehemalige Söldner konnte es fast nicht glauben, das seine Frau endlich wieder aufgewacht war.

Oh, was war er doch für ein Trottel gewesen Jill nachzuheulen, die einfach nichts von ihm wollte. Er hätte sie vergessen sollen, denn wie das Sprichwort so schön sagte, weiß man ja erst was man hatte, wenn man es verliert.

Die Zeit in der Rebecca nicht in dem gemeinsamen Haus bei ihm war, war hart gewesen. Er war zwar früher immer allein gewesen, doch das war nichts gegen die Einsamkeit die er heute spürte. Überall hatte er ihre Gegenwart gefühlt und bereut.

Es tat ihm leid.

Niemals hätte er zulassen dürfen, das Rebecca etwas passiert, er liebte sie doch…

,,Carlos!"

Er drehte sich um, zu der Frauenstimme, die nach ihm rief.

Claire schob den Kinderwagen, Matthew an ihrer Seite. Sie blieben vor Carlos stehen.

,,Wie geht es ihr?" fragte Matt.

Der ehemalige Söldner nickte: ,,Sie ist noch etwas verwirrt und so, klar, wenn man bedenkt das sie gerade aus dem Koma erwacht ist, aber ich glaube, sie kommt wieder in Ordnung."

,,Wurde Sie schon untersucht?" wollte Claire wissen. Natürlich freute sie sich, genau wie Matt darüber, das es Rebecca wieder besser ging, das sie überhaupt wieder bei sich war.

Carlos nickte noch einmal: ,,Ja…ihr Arzt hat heute früh schon nach ihr gesehen und…" er blickte Matt und Claire eindringlich an, ,,…Sie hat zum Glück keine bleibenden Schäden behalten, nur…sie kann sich an den Unfall und die Stunden davor nicht mehr erinnern. Retrograde Amnesie, nannte es der Doc."
,,Aber du hast es ihr gesagt?" fragte Claire, sah kurz in den Kinderwagen, um sich zu vergewissern, das es ihrer schlafenden, kleinen Tochter gut geht. Es war zur Gewohnheit geworden das zu tun.

Carlos schwieg und erst als Claire fragend wieder zu ihm aufblickte, tauschte er auch einen Blick mit Matt, ehe er anfing: ,,…Ich…Ich habe es ihr nicht gesagt und so soll es auch bleiben…"

,,Was?" fragte Matthew, schob sich seine Brille zurecht.

Claire glaubte nicht recht was ihr Freund da von sich gab: ,,Du willst es verschweigen, das du Jill geküsst und damit den Unfall ausgelöst hast?"

Der ehemalige Söldner verdrehte die Augen: ,,Nein…ja…ich weiß nicht…" er blickte kurz unter sich, um sich zu sammeln. ,,…Ich habe Rebecca erzählt…" begann er dann von neuem, ,,…Wir wollten alle Mann raus, um das Feuerwerk zu gucken und als sie auf die Straße lief, wurde sie vom Auto erwischt."
,,Das ist eine glatte Lüge, Carlos, und du weißt es…" die Brünette war nicht erfreut darüber, ,,…Rebecca verdient die Wahrheit."

,,Ich weiß…" entgegnete er, blickte sie eindinglich an, ,,…ich bringe es ihr schon bei, aber noch nicht jetzt, erst wenn es ihr besser geht, okay? Bitte sagt auch ihr nichts."

,,Mann, du verlangst echt von uns, das wir eine gute Freundin anlügen?…" Matt schüttelte den Kopf, ,,…Carlos, das wird im Chaos enden, Rebecca hasst es belogen zu werden, das weißt du genau so gut, wie wir alle. Ganz zu schweigen davon, das wenn wir mitspielen, du nur dein Gewissen entlasten kannst."

,,Genau!…" pflichtete Claire bei, ,,…Ich kenne Becca schon so viele Jahre, schon in Raccoon City bei ihrer Begrüßungsparty, die andere STARS Mitglieder für sie arrangiert haben und…" sie schüttelte den Kopf, ,,…Ich kann das nicht bringen, Carlos. Zumal…du bist doch selbst mittlerweile ein Cop, du weißt doch das Unfallopfer zumindest mal verhört werden, ich meine…Herrgott, gegen den Fahrer läuft eine Ermittlung."

,,Ich habe bereits mit meinen Kollegen gesprochen…" entgegnete Carlos, wusste jedoch im Geiste, das seine Freunde Recht hatten, ,,…sie werden noch nicht hier auftauchen, ich habe also noch ein paar Tage zeit und…ich will ja gar nicht, das ihr für mich lügt, ich weiß, das ich Scheiße gebaut habe, aber ich will Rebecca erst die Wahrheit erzählen, wenn es ihr wieder relativ gut geht. Ihr Bein ist gebrochen, sie hat noch immer Schmerzen."

Claire und Matthew tauschten einen Blick.

,,Wenn wir das tun…" begann Matt, ihm war genauso wenig wohl dabei wie seiner Verlobten, ,,…dann nur um Rebeccas willen. Wenn sie frägt, werden wir den Fragen ausweichen, klar?"

Carlos nickte, als die beiden ihn wieder anblickten: ,,Danke…" gerade als er schon los gehen wollte, seine Freunde zu seiner Frau bringen wollte, fragte er, ,,…Was ist mit den Redfields? Kommen die noch? Barry ist schon unterwegs mit seiner Familie."
Claire schluckte: ,,Jill schafft es nicht. Eric geht es zwar besser, aber sie hat vorhin noch mal angerufen, gesagt, das Chris sich nicht wohl fühlt und sie kann nicht von zuhause weg."
Ungläubig hob Carlos die Augenbrauen: ,,Chris fühlt sich unwohl? Oh, der arme Herr…" er stieß Luft aus seinen Lungen, glaubte dem Ganzen nicht, ,,…der hat doch nur Hemmungen mir über den Weg zu laufen."

,,Nein…das stimmt nicht. Mein Bruder ist…" Claire wurde unterbrochen, als ihr Verlobter sie am Arm griff. Sie sah zu ihm.

,,Tut doch jetzt nichts zur Sache, Claire…" sagte Matt, ,,…Ich glaube es ist vielleicht auch für Rebecca ganz gut, wenn die beiden Kerle sich nicht begegnen, du weißt wie lieb die sich haben." Ironie lag in seinen Worten.

Claire atmete durch und nickte. Ja, Matt hatte irgendwie recht. Es würde eine Bombe platzen, wenn Carlos und Chris sich begegnen würden, nach allem, was passiert war…