Es war kurz nach drei Uhr Nachmittag.

Jill hatte noch Zeit bis sie ihren Sohn abholen musste und eigentlich hatte ihre Ärztin ihr geraten sich zu schonen, doch nach der Diskussion mit Rebecca heute Mittag, war Jill alles andere als ruhig. Sie war aufgeregt, rastlos, Erinnerungen traten in ihr auf, sie war wütend.

Also musste sie sich abreagieren.

Seit sie schwanger war, genauer gesagt, seitdem ihr Bauch immer größer wurde, war der Boxsack von Chris zu anstrengend für sie, daher hatte Jill sich entschlossen die Küche zu putzen, zu scheuern, zu waschen. Sie war schon seit geraumer Zeit dabei und seit geraumer Zeit schon, liefen ihr Tränen über die Wangen.

Sie war wütend, gekränkt und im Moment war ihr einfach alles zu viel. Jill hielt inne damit, die Schränke auszuwischen, rieb sich die Feuchtigkeit aus den Augen.

Ja, Rebeccas Worte hatten sie verletzt, sehr. Sie wollte nicht glauben, das ihre Freundin so etwas zu ihr gesagt hatte und doch war es so gewesen.

Rebecca war neben Chris die einzige die Detailliert wusste, was Jill in ihrer Gefangenschaft unter Wesker hatte mitmachen müssen und gerade diese Worte vorhin, das es besser wäre, sie wäre nie zurück gekommen, aus Beccas Mund zu hören, das Wissen, das ihre beste Freundin sie dahin zurück wünschte, tat unheimlich weh.

Wäre es denn wirklich besser gewesen, sie wäre nicht zurück gekommen? Es war jetzt vielleicht schandhaft so zu denken, aber an manchen Tagen war Jill fast der gleichen Meinung. Es wäre so viel einfacher gewesen, wenn nur eine von Chris´ Kugeln damals ihr Ziel nicht verfehlt hätten, ihren Schädel gespalten hätten…

Was denkst du denn da für einen Mist, Valentine?…Wärest du nicht zurück gekommen, wäre Chris niemals wieder glücklich gewesen und…es würde Eric nicht geben…Aber warum denke ich dann so etwas?…Hat Rebecca doch recht? Bin ich nicht ganz dicht?…

Dieses ewige auf und ab ging ihr gewaltig auf die Nerven. Immer war irgendetwas anderes. Konnte es denn nicht mal für ein paar Wochen oder Monate Frieden geben? Für immer, das war ja wohl zu viel verlangt…

Ein Schmerz zerrte sie zurück, aus ihren Gedankensträngen hinaus. Ein heftiges Ziehen durchfuhr ihren Unterleib.

Jill stützte sich mit einer Hand an der Küchenzeile ab, mit der anderen Stützte sie ihren Bauch. ,,Ah!" Es war niemand da, sie konnte also ruhig auch laut aufstöhnen, es war auch nicht das erste Mal, das sie diese Schmerzen erfahren musste.

,,Okay…ich hab´s begriffen…regt euch nicht auf…Ich beruhige mich ja schon…" Tief atmete sie durch, wartete auf das abebben. Sie wusste, das sie sich hinlegen sollte, sie würde es auch tun, ganz bestimmt. Irgendwie war ihr jedes Mal nicht wohl, sie hatte jedes Mal Schmerzen, wenn sie sich aufregte. Oh, wie sehr wünschte sie sich, das diese Schwangerschaft vorbei war. Noch sechzehn Wochen? Wie sollte sie das überstehen?

Plötzlich klingelte es an der Haustür.

Ben bellte lauthals los, wedelte hinaus aus der Küche, an die Tür, machte `Männchen´. Jill, die ihm folgte, erkannte an seinem Verhalten, das es wohl ein bekannter war, der sie besuchte und sie war nicht wenig überrascht, als sie ihrer Schwägerin die Haustür öffnete. ,,Claire?"

Die Brünette lächelte: ,,Hey, Jill…lange nicht gesehen…" sie bückte sich, um den Hund ausgiebig zu begrüßen, während sie eintrat und die Haustür mit der freien Hand wieder schloss.

,,Ja em…" Jill war noch immer überrascht, zog sich den Putzlappen von der Schulter, ,,…kann ich was für dich tun? Ist was passiert?"

Claire erhob sich, blickte in die Augen ihrer Freundin: ,,Wieso? Muss was passiert sein, wenn ich meine schwangere Schwägerin besuchen will?"

,,Nein, nein…" Jill ging zurück in die Küche, versuchte ihre Schmerzen, dieses Ziehen, zu ignorieren, ,,…willst du was trinken?"

Die Brünette nickte: ,,Ja, ein Wasser wäre super…" Sie folgte Jill.

Natürlich fiel Claire auf, das etwas im argen lag. Jills Augen sahen aus, als hätte sie geweint. Sie war auch etwas blass um die Nase, stützte sich am Rücken, während sie ein Glas aus dem Schrank nahm und Wasser aus einer Trinkflasche einfüllte.

Jill drehte sich zu Claire um, die am Tisch platz genommen hatte und stellte das Glas vor sie, setzte sich dann dankbar ihr gegenüber.

,,Was machst du? Putzen?" fragte Claire und sah die Küche. Ein Eimer mit Wasser, den Lappen, den Jill hinein geworfen hatte.

Die Blondine nickte: ,,Es war mal wieder fällig."

,,Du weißt, das du dich nicht anstrengen sollst." ein leichter, tadelnder Unterton lag in Claires Stimme.

Genervt verdrehte Jill die Augen, wandte den Kopf zur Seite und entgegnete: ,,Wenn ich warte bis mein Bauch noch dicker wird, komm ich nirgends mehr dran…" sie blickte wieder zu der Schwester ihres Ehemannes, ,,…Was willst du?"
,,Woww…" hauchte Claire, ,,…ganz schön gereizt heute, was? Ich weiß, diese dummen Hormone…"

Tief atmete Jill durch, riss sich zusammen, um nicht zu explodieren. Claire sah das, hob beschwichtigend die Hand: ,,Schon okay, schon okay…" sie trank einen Schluck, ,,…Ich bin hier weil…" ihre Augen sahen in die von Jill, ,,…Ich weiß was zwischen dir und Becca vorgefallen war."
Die Blondine verschränkte die Arme vor der Brust: ,,Es war nicht unbedingt…abgemacht mit euch, das weiß ich, aber ich kann Rebecca nicht einfach so anlügen."

,,Uns war da auch nicht wohl dabei…Matt und ich hatten schon Gewissensbisse, aber findest du nicht, Carlos hätte ihr das doch selbst sagen sollen? Ich meine, genau genommen ging es uns ja nichts an."

,,Aber mich ging es etwas an!…" Jill konnte nicht glauben, das Claire sich jetzt auch noch gegen sie verschwor, ,,…Hack nur auf mir herum, mach du mir auch noch Vorwürfe, genau das kann ich jetzt gebrauchen und da kannst du Becca die Hand geben…Ich habe nie gelogen, immer das Richtige getan und gesagt und so bleibt es auch. Wenn Carlos damit ein Problem hat, dann hätte er die Finger von mir lassen sollen!…"

,,Reg dich doch nicht so auf…" Claire wollte sie beruhigen.

,,Ich rege mich aber auf. Ich habe die Schnauze voll okay…" entgegnete Jill, fuhr ihrer Schwägerin einfach übers Wort, ,,…Vielleicht wäre ich wirklich besser nicht wieder gekommen…"

,,Unsinn…Rebecca hat das nicht so gemeint, es ist ihr nur raus gerutscht, weil sie wütend war. Ich habe ihr alles erklärt, auch, was zu dem Unfall geführt hat und es tut ihr wirklich leid…sie is momentan eher wütend auf mich und die anderen, das wir Carlos´ Lüge unterstützt haben."

Jill sah zur Seite, atmete aufgeregt durch, versuchte ihre erneuten Tränen zurück zu halten. Sie wischte sich die Nässe von der Wange, es war zu spät.

,,Hey…" Claire stand augenblicklich auf, klang mitfühlend und setzte sich auf den Stuhl am Kopfende des Tisches, quer neben sie. Behutsam legte sie einen Arm an Jills Schulter, ,,…du musst nicht weinen."

,,Ich kann nichts dafür…" Jills Tränen wurden schlimmer, ,,…ich will es zurück halten, aber es geht nicht, ich habe das Gefühl ich platze…"
,,Ich weiß, Rebecca hat dich mit ihren Worten verletzt…" Claire wusste noch gut, wie fertig Jill war, nachdem Chris sie aus Weskers Fängen in Afrika befreit und zurück gebracht hat. Diese drei Jahre hatten tiefe Spuren hinterlassen, die `Narben´ waren ja heute noch zu sehen.

Jill schniefte nur, schüttelte den Kopf: ,,Es ist nicht nur Rebecca…Momentan wächst mir alles über den Kopf…"

Und Claire verstand: ,,Chris?"
Die Blonde nickte. Dicke Tränen rannen ihr über die Wangen. ,,Ich mache mir solche Sorgen um ihn…ich hoffe jeden Tag, das es ihm endlich etwas besser geht, doch es tut sich nichts…"

,,Ich wollte ihn heute besuchen, aber er hat geschlafen…" Claire sah ihre Freundin an, ,,…Er wird wieder, bestimmt, du kennst doch meinen Bruder."

,,Oh Claire, ich habe ihn so noch nie gesehen…Das Fieber, der Husten…er hat Probleme beim Atmen und…er schafft es ja kaum allein aus dem Bett…" sie sah unter sich, schüttelte den Kopf, ,,…wenn ich nicht schwanger wäre, könnte ich ihm wenigstens helfen…"

,,Hey, rede dir das nicht ein…Chris ist ein Bär, das weißt du, du würdest ihm auch nicht viel helfen können, wenn du nicht schwanger wärest und nur weil du ihn ins Krankenhaus gebracht hast, heißt das nicht, das du dich deswegen schuldig fühlen musst. Du hast getan, was das Beste für ihn…für euch beide war und Chris weiß das. Er weiß, das er hier zuhause mit deiner Schwangerschaft und Eric nur eine Belastung wäre."

,,Ich habe Angst Claire…" Jill schluchzte, ,,…und ich habe das Gefühl, mir fällt die Decke auf den Kopf…und…ich fühle ich so allein!" sie legte sich beide Hände vors Gesicht, weinte heftig und hemmungslos. Erbärmlich, wie ein kleines, hilfloses Kind.

Es war ihr egal, was sie sage. Ihr war nun einfach danach sich auszuweinen, warum das wusste sie auch nicht.

Claire strich ihr mit der Hand sanft über die Schulter. Sie war wohl gerade richtig gekommen, Jill war sichtlich fertig, brauchte nach den letzten Wochen wohl auch jemand, der für sie da war. Claire war klar, wieso Jill im Moment so emotional war, sie war schwanger und da spielte einfach alles verrück. Diese bekannte `Heultage´ schienen sie gut im Griff zu haben.

,,Komm, das geht vorbei. Chris wird schon wieder und es wird wieder besser. Glaub mir, als ich noch schwanger war, gab es auch Tage, an denen ich glaubte es geht nicht mehr, ich habe auch angefangen zu heulen, wusste nicht warum, aber morgen…ja, da kann die Sonne schon wieder scheinen, denk positiv…" die Brünette wartete einige Sekunden, sah ihrer Schwägerin zu, wie deren Tränen abebbten und ihr kam eine Idee, ,,…Ich weiß was. Wir beide werden uns heute Mal entspannen, machen uns einen gemütlichen Abend, was hältst du davon?"

Jill schniefte noch, sie wischte sich die Tränen von der Wange, versuchte sich zu fangen: ,,Ich kann nicht, Eric…" sie strich sich das Haar nach hinten, sah irgendwie nicht gut aus. Eine Hand legte sie wieder an ihren Bauch, das Ziehen würde stärker.

,,Um fünf ist der Kindergarten aus, nicht wahr?" Claire fiel Jills verhalten auf. Sie musterte die Schwangere genau.

Die Blonde nickte nur, atmete tief durch. Ihr wurde auf einmal so heiß.

,,Ich rufe Matt nachher an, er sieht ohnehin nach Kathryn und da Eric ja wieder gesund ist, macht das rein gar nichts mehr aus…" Ja, Claire hatte ihre Tochter von Eric fern gehalten, hatte auch die angekündigten Besuche abgesagt. Ihr Baby war mit knapp zwei Monaten noch viel zu jung für die Windpocken.

Jill schwieg.

,,Sag mal…" begann Claire, ,,…ist alles okay?…Hast du Schmerzen?"

,,Wie kommst du darauf?"

Claire hob ihre Augenbrauen: ,,Hey, ich bin auch durch eine Schwangerschaf gerauscht…" sie sah zu dem schwangeren Bauch, ,,…Sind sie schlimm? Die Schmerzen."
Jill sah knapp zu Claire, ihre Hand lag noch immer auf ihrem Bauch, strich besänftigend darüber. ,,Es ist normal…"

,,Vorwehen?"

Die Blonde nickte: ,,Ich muss nur aufpassen, das sie nicht dauerhaft bleiben…meine Ärztin hat mir Medikamente verschrieben. Mein Blutdruck ist zu hoch, es bessert sich nicht."

Claire war alarmiert.

Sie wusste, das ein zu hoher Blutdruck zu einer Frühgeburt führen konnte, bei Zwillingen war das ohnehin ein Risiko. Ein Grund mehr, ihrer Schwägerin etwas unter die Arme zu greifen.

Noch einmal schniefte Jill, wischte die letzten Tränen von ihrer Wange: ,,Chris weiß es nicht. Ich wollte es ihm heute morgen sagen, aber…Er konnte ja kaum die Augen offen halten und er würde sich nur unnötig aufregen. Ich sage es ihm, wenn er wieder fitt ist."

Claire nickte, drückte sie an sich: ,,Es wird wieder besser, du wirst sehen und auch das mit Rebecca wird sich einrenken. Sie stellt Carlos vermutlich gerade zur Rede…Ich telefoniere jetzt mit Matt und dann haben wir zwei etwas Zeit für uns…Putzen lassen wir mal auf Seite heute, ich bringe dich schon auf andere Gedanken."

Jill sah in die Augen ihrer Freundin und war gerührt, das Claire für sie da war. Sie nickte: ,,Danke…"

Wieder umarmte Claire Jill. Sie wusste, wie einsam ihre Schwägerin ohne Chris war, hoffte ja selbst, das es ihrem Bruder bald wieder besser gehen würde. Windpocken waren für Erwachsene besonders schlimm und diese Lungenentzündung noch dazu, das knockte ihn richtig aus. Es war ernst…


Chris hustete. Er hatte den Kopf zur Seite gedreht.

Der Kalender auf seinem Nachttisch zeigte den elften Februar an. Zwei Wochen schon war er hier. Zwei Wochen…

Ewig lang kam es ihm vor.

,,Ist immer noch heftig, was? Der Husten?…" Rebecca sah ihren besten Freund an, saß an seinem Bett. Sein Hustenanfall hatte das Gespräch jäh unterbrochen.

Der Agent nickte, als das Husten abebbte, schluckte und drehte sich wieder zu ihr um. Er saß aufrecht im Bett. ,,Ja…" Seine Stimme klang noch schwach und er war noch immer blass, krank, doch Chris konnte sagen, das es ihm wirklich etwas besser ging, wie noch vor zwei Tagen. ,,…aber es wird besser. Ich hoffe, ich komme…bald hier raus…"

Rebecca musterte ihn. Müde sah er aus, erschöpft.

,,Abwarten…" sagte die Ärztin, ,,…es hat dich ganz schön erwischt."

,,Mein Arzt meinte heute Morgen noch, das es…bergauf geht. Ich kann auch wieder besser atmen…" Chris legte den Kopf nach hinten, er gab zu, das er sich noch immer so schlapp fühlte. Er atmete durch und sagte dann: ,,…Um das Gespräch von vorhin wieder aufzunehmen…" er schluckte, ,,…Du kommst ja heute raus. Hast du schon mit Jill gesprochen?"

Umgehend sah Rebecca unter sich.

Ja, heute war sie entlassen worden, ihr Bein war noch immer in Gips, sie war noch auf Krücken angewiesen, aber ihr Arzt hatte ihr selbst gesagt, das sie verdammtes Glück gehabt hatte, was die schnelle Erholung nach dem Koma anging und das sie nur sechs Wochen nach dem Unfall wieder entlassen werden konnte.

,,Nein…" sie schüttelte den Kopf.

,,Ich weiß, was vorgestern los war und…ich glaube schon, das du mit ihr reden solltest immerhin seid ihr doch Freundinnen. Sie wirkt so gedrückt seither." begann Chris.

Rebecca nickte, um ihm Einhalt zu gebieten: ,,Ich weiß, ich weiß…und…" sie seufzte schwer, ,,…ich habe ihr Unrecht getan, ich wollte nicht wahr haben das Carlos…" die junge Ärztin blickte zu ihrem Freund, ,,…Naja…vielleicht bist du nicht der richtige für dieses Thema."

Chris hustete, schluckte dann und sagte: ,,Ich würde ihn in Stücke reißen wenn ich könnte…Ich wollte nie, das du verletzt wirst, egal auf welche weise."

Die Brünette sah unter sich und wusste was er meinte, dann schüttelte sie den Kopf: ,,Ich hätte nie gedacht, das Carlos so was…" sie brach ab.

Er sah zu ihr, sah ihre Traurigkeit und fragte: ,,Wie stet es zwischen euch?"

Sie schniefte: ,,Ich habe ihn darauf angesprochen und er hat es zugegeben…er hat mir…" Rebecca seufzte, ,,…Er hat mir auch gebeichtet, das er Jill noch immer liebt. Chris es tut mir leid."

Chris schüttelte den Kopf: ,,Nein, dir muss gar nichts leid tun…Matthew hat mir erzählt, das Carlos vorerst in ein Hotel gezogen ist?"

Rebecca nickte: ,,Ja…ich habe ihm gesagt, das ich etwas Zeit für mich brauche…ich meine, klar, er ist nicht wirklich fremd gegangen und Jill hatte dem ja niemals zugestimmt, aber es hat doch weh getan das zu erfahren."

,,Ich verstehe…dann wird er dich auch nicht abholen kommen?" Urplötzlich drehte Chris den Kopf zur Seite, hustet erneut.

Rebecca wartete, bis er fertig war und antwortete dann: ,,Nein…Marc wird kommen."

,,Marc?" Chris schluckte, atmete angestrengt durch. Wieso fühlt er sich nach jedem Hustenanfall nur so völlig außer Atem?

Sie nickte: ,,Ja, du weißt doch…Marc Abernathy, der Mann der mich angefahren hat."

Chris erinnerte sich nur flüchtig an den hoch gewachsenen, brünetten Mann aus jener Nacht. Er hatte ihn seither nie wieder gesehen, aber seine Schwester hatte ihm erzählt, das der Unfallverursacher Rebecca besucht hatte, sich entschuldigte und die beiden ins Gespräch gekommen waren.

,,Er ist sehr nett und es tut ihm leid, wir haben beide nicht aufgepasst…" vollendetet Rebecca, ,,…er hat mich zum Kaffee eingeladen."

Ungläubig hob Chris die Augenbrauen, einer seiner Mundwinkel hob sich.

Rebecca verdrehte die Augen: ,,Hör auf zu grinsen, Redfield! Es ist nicht das, was du denkst, ich bin schließlich immer noch verheiratet."

Er lächelte: ,,Hey…war doch nur ein Scherz…" dann wurde er ernst, ,,…Biegst du das mit Carlos wieder gerade?"

Sie seufzte schwer, überlegte vielleicht etwas zu lang, doch sagte dann: ,,Wenn er Jill nicht loslassen kann, dann nicht."

Wie aufs Stichwort klopfte die Blondine an die Zimmertür, trat mit einem Lächeln ein, das jedoch gleich verging, als sie sah, das Rebecca es war, die Chris besuchte. ,,Oh…ich hoffe, ich störe nicht…" leise klang ihre Stimme, sie mied es Rebecca in die Augen zu sehen.

,,Nein, komm…" Chris streckte die Hand nach ihr aus, ,,…ich hab dich vermisst, Liebling…"

Rebecca schluckte, griff bereits nach ihren Krücken und richtete sich auf. Sie gab zu, ein Teil von ihr war eifersüchtig. Chris und Jill hatten einander und sie? Sie hatte gerade niemanden. Carlos war nicht da, hatte sie nicht mehr besucht, seit dem Streit vor ein paar Tagen und sie hasste es. Egal, was er getan hatte, sie liebte ihn doch noch.

Jill trat langsam näher, sah zu, wie Rebecca aufstand und gehen wollte und gab sich einen Ruck. Sie schluckte: ,,Du musst nicht gehen, Becca."

,,Doch Jill…" Rebecca seufzte, blickte nur flüchtig in die Augen der Blondine, ,,…Wir reden ein anderes Mal." Sie hinkte auf den Krücken davon, hinaus, aus dem Zimmer…


Chris ergriff Jills Hand, während seine andere schon zu ihrem Bauch wanderte, die Rundung berührte. Oh, wie hatte er sie vermisst, es war so einsam hier im Krankenhaus.

Jill drehte den Kopf zu ihm, kam nicht um ein Lächeln, als sie sich ihm gegenüber auf die Bettkante setzte. ,,Hey…" hauchzart küsste sie seine Lippen, die Ansteckungsgefahr war vorbei.

Er lächelte ebenfalls, sie umarmen sich: ,,Hey…"

Beruhigt war sie, denn es schien ihm wirklich besser zu gehen: ,,Wie geht es dir heute? Besser doch, oder?" Sie löste sich von ihm, blicke ihn an.

Chris nickte: ,,Ja…etwas…" Müdigkeit lag in seinen Augen, ,,…und es ist noch viel besser, wenn du bei mir bist…." erneut legte sich ein Lächeln auf ihrer beider Lippen, ehe er dann wissen wollte, ,,…und wie geht es dir? Euch?" Seine Hand stich über den großen Bauch von Jill.

Sie mochte es, wenn er das tat und nickte: ,,Gut…wieder…"

,,Wieso wieder?" er kniff die Augenbrauen zusammen.

Jill holte Luft, sie wollte es ihm jetzt endlich sagen, ihre Hand wanderte beiläufig in ihren Rücken, stützte ihr Kreuz: ,,…Ich hatte ein paar Schwierigkeiten…mit dem Bauch und mit mir selbst."

Chris war plötzlich beunruhigt. ,,Ich verstehe nicht…bist du in Ordnung?"

,,Du weißt doch noch, das mein Blutdruck etwas hoch war…" als er nickte, fuhr sie fort, ,,…es hat sich nicht gebessert und meine Ärztin hat mir Medikamente verschrieben…"

,,Medikamente?…Aber…"
,,Reg dich nicht auf, es ist alles okay, Chris…" Jill legte ihm eine Hand an die Schulter, ,,…Es kommt schon mal vor, vor allem, wenn man Zwillinge kriegt. Ich soll mich nur schonen, nicht aufregen…" sie rollte mit den Augen, ,,…die übliche Leier eben."

,,Du hast es doch selten geschafft, die Füße still zu halten…" er lächelte knapp, war erleichtert, das Jill ihm versicherte, das nichts ernstes im argen lag, ,,…genauso wenig wie ich…" Chris seufzte, ,,…Ich habe es so satt hier herum zu liegen und nichts machen zu dürfen."

Jill beugte sich etwas zu ihm, strich ihm über die Stirn. Sie war so froh darüber, das sein Fieber endlich weg war. ,,…Du warst…bist sehr krank, Chris. Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht."

Die Finger seiner Hand strichen über ihre Wange, ihr einige Haarstränen hinters Ohr und er grinste einmal mehr: ,,Ich hatte heute morgen ein Gespräch mit dem Doc…" er räusperte sich, drehte dabei den Kopf zur Seite.

Gespannt lauschte Jill seinen Worten: ,,Und?"

,,Er meinte, es dauert noch, bis das alles auskuriert ist und der Husten wird wohl auch noch ein Weilchen da sein, aber meine Lungen hätten sich trotz der Krankheit schon gut gemacht…Wenn es so bleibt, dann kann ich vielleicht schon nächste Woche wieder nach Hause."

Überrascht sah sie in seine Augen: ,,Was?…Wirklich? Nach nur knapp drei Wochen schon?"

Er nickte: ,,Du hast eben ein Stehaufmännchen geheiratet…" Chris lachte, freute sich darüber, das sie sein Lachen mit einstimmte. Oh, wie sehr er es liebte, wenn sie lachte. Doch so schön der kurze Moment auch war, so schnell war er wieder vorbei, als Chris von einem weiteren Hustenanfall heim gesucht wurde. Ihm verging das Lachen, drehte er sich zur Seite, weg von ihr und hielt sich die Hand vor den Mund.

Jills Gesichtszüge verloren ebenfalls jegliche Freude, denn sie konnte nichts tun, außer zusehen. Sie strich ihm über den Rücken, wartete, bis es vorbei war.

Chris atmete durch, hielt Sekundenlang inne und schöpfte einfach nur Atem. Er fühlte sich beinahe so, als wenn er ein alter Mann wäre, kaum im Stande noch selbst zu atmen.

,,Dauert noch ein ganzes Weilchen, bis du wieder fitt bist." ihre Stimme ließ ihn sich wieder auf seinen Rücken drehen, seine Augen in ihre blicken.

Er nicke: ,,Ja…aber damit kann ich leben, solange ich dir nicht zur Last falle."
Wieder strich sie ihm über die Stirn, durchs Harr, schüttete strickt den Kopf: ,,Aber nein…du bist mir noch nie zur Last gefallen, red dir das bloß nicht ein."

Chris schluckte: ,,Doch das bin ich, hör du lieber auf…das zu beschönigen. Ich habe mitbekommen, wie du dich um mich gekümmert hast, als meine Krankheit anfing…" er schüttelte den Kopf, blickte zu ihrem Bauch, ,,…vielleicht hat auch das dich einfach zu sehr angestrengt, immerhin war Eric ja auch rank gewesen und…"

,,Euch zu versorgen hat nicht das geringste mit meinem Blutdruck zu tun…" Jill stoppte, da sie selbst merkte, das sie Unsinn redetet, sie schüttelte den Kopf, ,,…oder zumindest nicht nur…Ach Chris, du kennst mich, du weißt wie sehr ich explodieren kann, wenn ich schwanger bin und seien wir mal ehrlich, momentan regt mich aber auch wirklich jede Kleinigkeit auf."

Er erinnerte sich, hob einen Mundwinkel: ,,Dazu noch die Stimmungsschwankungen? Claire hat mir alles erzählt."
Jill nickte, hob die Augenbrauen: ,,Ehrlich, im Moment ist es alles andere als einfach. In einem Moment bin ich glücklich, im anderen bin ich so richtig am Ende und ich fange an zu heulen, auch wenn es keinen wirklichen Grund dafür gibt…"

,,Dauert ja nicht mehr lange."
Sie zog nur die Augenbrauen hoch, drehte den Kopf zur Seite: ,,Ich will es nur endlich hinter mir haben."

Er grinste leicht: ,,Sieh es doch mal positiv…Du kannst essen was du willst, so viel du willst, du kannst die Leute um dich herum nerven wie es dir gefällt und du hast jede Entschuldigung für jegliches Verhalten."

Jill nahm seine Hand in ihre. Seine Wärme war gut und schön. Auch sie vermisste ihn. Sehr.

,,Kommen wir noch mal auf das zurück, was du mir vorhin gesagt hast…" Jill sah ihm in die Augen, ,,…Du könntest wirklich in ein paar Tagen schon entlassen werden?"
Chris nickte: ,,Ich bin zwar noch weit davon entfernt gesund zu sein, aber…mein Arzt meinte, wenn ich es langsam angehen lasse, Bett- oder Couchruhe halte, dann könnte er mich vorzeitig auf Bewährung entlassen."

Amüsiert bei seinem Wortlauf, lächelte sie: ,,Du bist im Krankenhaus, nicht im Knast."

Er nickte: ,,Kommt aber fast aufs gleiche raus…"

Jill drückte seine Hand, ihr Herz schlug spürbar höher, sie konnte nicht leugnen, das Vorfreude darin lag: ,,Es wäre toll, wenn du wieder heim kommen würdest…es ist ohnehin etwas einsam, wenn Eric im Kindergarten ist."

Verdutzt blickte er sie an: ,,Ach ja?…Ich müsste zur Arbeit, wenn ich gesund wäre, dann wärest du mit Ben doch auch allein."

Die Blonde nickte: ,,Schon…und es ist vielleicht auch die ersten zwei Wochen gut, aber…um ehrlich zu sein, hasse ich es schon zu hause fest zu sitzen. Ich meine, irgendwann ist ja mal zu ende geputzt."

Chris nickte. Er verstand sie, denn noch nie zuvor war Jill so lange untätig dazu verdammt zuhause zu bleiben, doch sie tat es nicht für sich, sondern nur für ihre Kinder.

,,Sag mal?…" er räusperte sich, blickte sie an, ,,…Was hältst du von einem kurzen Urlaub?"

Verdattert und überrascht hielten ihre Augen seinen stand: ,,Was?"

Er nickte ein weiters Mal: ,,Ja, wir könnten ein paar Tage zu meiner Tante fahren. Du weißt doch. Tante Martha."

,,Ja…die Schwester deines Vaters…" Jill erinnerte sich, hatte diese Frau jedoch lange nicht mehr gesehen. Jahre nicht mehr. Sie war ein paar Mal zu besuch bei Chris und Claire gewesen und Jill wusste, das diese Frau eine Farm in der Nähe von Atlanta hatte.

,,Du zögerst…" stellte er fest, ,,…Magst du nicht?"

Jill sah unter sich: ,,Das ist es nicht…"

,,Was dann?"

,,Die Kinder…em…" sie schloss die Augen, ,,…Die Zwillinge, es ist eine Autofahrt von fast acht Stunden, wir würden sicher ewig brauchen mit den endlosen Toilettestopps an den Raststätten, außerdem weiß ich nicht, ob ich so lange sitzen kann."

,,Wenn dass das kleinste Problem ist…" er nahm ihre Hand, ,,…Wir können und ja Zeit lassen. Mein Doc meinte, etwas Urlaub könnte nicht schaden, es sei denn dein Doc hätte was dagegen."

,,Ich müsste nachfragen, aber ich denke nicht…"

,,Na also…" entgegnete Chris, ,,…ich habe schon mit Claire gesprochen, wenn es so weit ist, wird sie sich um Eric kümmern und die Burtons nehmen den Hund für ein paar Tage."
Überrascht sah Jill in seine Augen: ,,Aber…wir beide allein? Ich dachte…naja…Eric mag doch Tiere und deine Tante hat einen ganzen Stall voll…"

Chris stimmte zu: ,,Sicher…aber ich glaube, es wäre besser, wenn wir beide mal ganz alleine wohin fahren…" er schluckte, wollte ehrlich zu ihr sein und sprach seine Gedanken aus, ,,…Schatz, glaub nicht, ich habe nicht gemerkt, das du gestresst bist…auch wenn ich hier versauern muss, weiß ich, das du momentan so eine Art Burnout hast. Du musst mal etwas anderes sehen, als der alltägliche Alltag, wir beide müssen das und…" er holte noch einmal Luft, ,,…überleg mal, es ist das letzte Mal, das wir uns davon stehlen können bevor die Zwillinge da sind. Sieh es einfach als eine Art Urlaub zum Kraft auftanken, als Ruhe vor dem Sturm, wenn das Babygeschrei wieder los geht und…"

,,…nebenbei soll frische Landluft ja auch gesund sein…für dich…" vollendete Jill und hob amüsiert einen ihrer Mundwinkel.

Chris stimmte ihr Lächeln mit ein, dann fragte er: ,,Was meinst du?"

Sie seufze: ,,Ich frage meine Ärztin und wenn sie mir für die Zwillinge ein okay gibt, dann soll es so sein."

Er freute sich, küsste ihren Handrücken…


…und kaum hatte Jill das Krankenzimmer verlassen, stockte sie, als eine gewisse Person ihr gegenüber am Fenster lehnte und mit undeutbaren Augen anblickte.

,,Jake?…" sie war verwundert, ,,…Was tun Sie denn hier?"

,,Geht es ihm gut?" Der Söldner verschränkte die Arme vor der Brust stemmte ein Bein gegen die Wand, als er sich gegen die Fensterbank lehnte.

Jill hob die Augenbrauen.

Erkundigte sich Jake gerade wirklich nach Chris? Woher weiß der Sohn von Wesker eigentlich das Chris Redfield im Krankenhaus war? Jill hatte den jungen Mann schon ein paar Wochen nicht mehr gesehen.

,,Rebecca hat es mir erzählt…" als konnte Jake Gedanken lesen, beantwortete er Jills ungestellte Frage, ,,…ich habe sie ein paar Mal besucht und da kam es rüber, keine Sorge, Püppchen, ich habe nicht vor deinen Göttergatten im Schlaf zu ersticken…" Jake grinste in seiner üblichen Manie, was Jill überhaupt nicht witzig fand.

Sie wusste nicht, ob sie ihm vertrauen konnte und die Tatsache, das dieser Mann hier war, gefiel ihr auch nicht.

,,Was wollen Sie hier, Mr. Muller?"

Der rothaarige Mann schluckte: ,,Ich wollte Mal Hallo sagen…" er löste sich von der Wand und kam auf Jill zu, ,,…Nein, eigentlich wollte ich zu Becca, aber sie ist schon weg, em…Ich muss sie erreichen, hast du Mal ´ne Telefonnummer? Die Private hab ich nicht."
Verwirrt blickte Jill drein: ,,Sie arbeitet mit Ihnen und Sie kennen nicht Ihre Telefonnummer? Was wollen Sie von ihr?"

,,Top Secret, geht nur die Jungs bei der BSAA was an, du kennst ja den ganzen Mist…" Jake hielt nichts davon um den heißen Brei zu reden, ,,…ich wollte unseren Captain da drin fragen, aber der hatte ja gerade Besuch…"

Er war Wesker so ähnlich. Im Verhalten, in der Weise wie er sprach, ging, lächele…einfach alles.

,,…sag mal kann es sein, das ich dich jedes Mal aus der Fassung bringe?…" Jake stand vor Jill. Er war ein gutes Stück größer als sie, weshalb sie aufblicken musste.

Unweigerlich huschten Erinnerungen in ihr hoch, wie Wesker einst so vor ihr stand. ,,Was…was meinen Sie?"

Der Söldner verschränkte die Arme vor der Brust, zuckte mit den Schultern: ,,Na, ich habe irgendwie das Gefühl, als wenn meine Anwesenheit dir auf den Zeiger geht, so wie du immer drein blickst, oder ist es mein Stammbaum?…Kanntest du meinen alten Herrn etwa auch näher?"

Und Jill wandte sich ab.

Sie drehte sich zur Seite, ging einige Schritte in den Flur hinein, wartete bis der Pfleger vorbei gegangen war, ehe sie weiter sprach: ,,…Sie haben ja keine Ahnung…"

,,Ja und davon habe ich viel…" Jake drehte sich zu ihr um. Er konnte seine Eindrücke nicht länger zurück halten, die er während seiner Zeit hier in Washington aufgeschnappt hatte. Immerhin hatte er durch Rebecca und der Forschung an einem Antigen durch sein Blut einiges mit der BSAA zu tun und auch einiges aufgeschnappt.

,,…Du warst die Agentin, nicht wahr? Die damals in Europa verschwunden war…und drei Jahre später in Afrika wieder von den Toten auferstand."

Irgendwie hatte Jill das erwartet. Wenn Jake auch nur einen kleinen Teil des Verstandes seines Vaters geerbt hatte, brauchte er nicht lange um zwischen die Zeilen zu blicken.

Die Blondine nickte auf seine Frage hin.

,,Weskers Gefangene…" hauchte Jake, musterte die Frau vor ihm.

Jill drehte den Kopf, blickte über ihre Schulter zu ihm: ,,…Nur eine von vielen, ihr Vater hat nicht nur mein Leben zerstört."

Neugierig kniff Jake die Augenbrauen zusammen, schloss zu Jill auf und stellte sich vor sie. Er wollte so viel Wissen, seine Vergangenheit war noch immer ein Rätsel, noch immer wusste der Söldner keine Einzelheiten. ,,Du kannst mir sicher ´n Haufen erzählen`, immerhin war mein Vater derjenige der dich drei Jahre lang gefoltert hat…"

Seine Worte zwickten Jill nicht wenig, aber sie spürte, das es gut war darüber zu reden. Sie fühlte, das es richtig war Jake einzuweihen, denn ganz gleich, ob sie den jungen Mann kannte oder nicht, einerseits hatte er ein Recht darauf, andererseits war da irgendetwas, was sie drängte sich Jake auf diese Weise zu nähern.

,,Was wollen Sie noch wissen?…" fragte Jill, ,,…Chris hat Ihnen doch sicher schon einiges erzählt."

,,Ja, auch Sherry und Rebecca…aber…" Jake stürzte die Lippen, ,,…ich will Dinge wissen, die sonst keiner weiß…Ich kenne meinen Vater nicht, ich weiß nur von seinen Taten, das er ein Menschenfeind und Wahnsinnig war, aber…"
,,…Was soll ich Ihnen sagen, Jake…" ging Jill dazwischen, ,,…Es stimmt. In Ihrem Vater gab es nichts mehr, was man menschlich bezeichnen konnte. Er war skrupellos, eiskalt und jeder, der seine Pläne zunichte machen wollte, bereute es…" sie schüttelte den Kopf, ,,…Ich habe es lange genug mit angesehen, ansehen müssen…Er hat mich gefügig gemacht, zu seiner Sklavin, ich habe Dinge gesehen, die er Menschen antat, unschuldigen Menschen, die so schrecklich waren…das ich kaum mehr zurück denken will, Dinge, die mich auch heute noch in meinen Alpträumen verfolgen. Albert Wesker war besessen von der Idee, die Menschheit zu retten, sie zu bessern, auf seine eigene verrückte Art, dieser Virus hätte die Welt wie wir sie kennen damals zerstört, Jake."

Man konnte deutlich sehen, das ihre Worte in den jungen Mann sackten.

,,Wie kam es dazu?…" wollt er wissen, ,,…Ich meine, du bist sicher nicht freiwillig in den Dienst meines Alten Herrn getreten…"

,,Nein…" Jill sah zu Boden, brauchte einige Sekunden, doch dann antwortete sie, ,,…Er war dabei Chris umzubringen, ich musste es einfach verhindern…"

,,…und hast dich selbst für den Kerl aufgegeben, den du liebst?…" vollendetet Jake, ,,…Romantisch…" dann seufze er, ehe er weiter sprach und unter sich blickte. Er wirkte gerade überhaupt nicht mehr selbstsicher wie sonst. Es war unschwer zu erkennen, das ihm die ganze Sache nachging, klar, niemand hörte gerne, das der eigene Vater ein Wahnsinniger war, ,,…Ich kann es immer noch nicht fassen, je mehr ich höre…wünsche ich mir, das mein Erzeuger lediglich ein Versager mit Alkoholproblem war, der meine Mutter auf die klassische Art hängen ließ, anstatt so was serviert zu bekommen."

,,Man kann es sich nicht aussuchen, Jake…" Jill hatte ihm eine Hand an die Schulter gelegt.

Schweigend nickte der junge Mann in Schwarz und schluckte, ehe er das Wort ergriff: ,,Na immerhin konnte dein Gatte meinem alten Herrn die Lichter ausknipsen ehe es zu spät war."

Jill zog ihre Hand zurück, sah zur Seite. Eine dicke Gänsehaut lag ihr auf dem Rücken und sie wusste, das sie gegen die Geheimhaltung verstieß, gegen das Versprechen, das sie Chris gegeben hatte, aber sie konnte nicht anders. Sie konnte Jake nicht länger mit dem Wissen leben lassen, keinen Vater mehr zu haben, sie wusste nicht wieso, Himmel, es war der Teufel Albert Wesker, dennoch fühlte Jill sich verpflichtet seinem Sohn die Wahrheit zu sagen.

,,Er lebt…"

Umgehend hob Jake den Kopf, musterte die Blondine eindringlich.

Jill sah zu ihm, sah in seine Augen, es waren die von Wesker: ,,Ihr Vater lebt, Jake…Chris hat ihn nicht umgebracht."

Verdutzt zog der rothaarige Söldner die Augenbrauen erneut zusammen: ,,Was soll das heißen? So wurde es mir von der BSAA bestätigt."

,,Es ist die offizielle Fassung, das Albert Wesker am 09 März 2009 durch das Einschreiten von BSAA Agenten in Afrika ausgeschaltet worden war, doch das stimmt nicht…" Jill riss dem Mann gerade den Boden unter den Füßen weg, sich selbst wohl auch, denn sie war eigentlich nicht befugt darüber zu reden, es würde sicher Ärger geben, ,,…er hat überlebt…Er wollte Rache, hat unseren Sohn entführt, doch er konnte aufgehalten werden. Seitdem sitzt er in einem Hochsicherheitstrakt der BSAA in Washington unter strenger Bewachung."

Jake schluckte, atmete durch, ehe er die Information sacken ließ. Hatte er einen Grund ihr zu glauben…er tat es einfach.

Seine Hand wanderte in sein Genick, verharrte dort: ,,Warum ist er nicht tot? Das Gericht hätte ihn doch auf den Stuhl bringen müssen…" er blickte zurück zu Jill.

Sie gab ihm die Antwort: ,,Wir hatten unsere Aussagen gemacht, das Gericht fand es eine härtere Strafe ihn einfach weg zu sperren, als ihn umzubringen und er hat es auch verdient…Wesker verdient jede einzelne Sekunde im Abseits und der Gefangenschaft, glauben Sie mir, der Tod wäre eine Gnade für ihn gewesen."

,,Ich will ihn sehen…" platze es aus Jake heraus.

Jill schluckte: ,,Das ist nicht so einfach, er wird streng bewacht und…"

,,…und Chris Redfield ist ein hohes Tier bei der BSAA, ich bin sicher er hat Zugang…" Jake griff Jill an die Schulter, ,,…und seine Frau kann mir da behilflich sein. Helfen Sie mir!"

,,Jake…" sie wollte widersprechen, doch er ließ sie nicht zu Wort kommen. ,,Komm schon, Blondie! Du bist mir ohnehin noch was schuldig und…Ich muss es wissen, ich muss meinem Erzeuger gegenüber treten…"

Sie blickte in seine Augen, er in ihre, sekundenlang geschah nichts…