,,Oh, Christopher!…" Die bereits betagte, ältere Frau mit dem ergrauten Haar, das einmal Braun gewesen war, breitete freudig und lachend die Arme aus, kam auf Chris zu, kaum das er aus seinem Auto ausgestiegen war und fiel ihm um den Hals.

Chris entgegnete die Umarmung, lachte leise: ,,Hallo, Tante Martha…" Die frische Landluft wehte um sie herum, sofort stieg ihm der Geruch von einem Stall mit Tieren in die Nase, Heu und Erde. Es war der typische Landduft eben.

,,Ist das lange her, Junge, lass ich ansehen…" die rundliche Frau drückte sich von ihm, rieb ihm über die Oberarme, ,,...Oh, wie ich mich freue, dich zu sehen!" Ihre Augen leuchteten, sie freute sich wirklich ihren Neffen wieder zu sehen.

Hinter ihm regte sich etwas.

Es war Jill, die gerade aus dem Wagen gestiegen war, die Szene mit angesehen hatte. Sie sah sich um. Die Einfahrt in der sie standen, das Landhaus ein paar Meter weiter, daneben, rechter Hand eine Scheune, der weiße Lattenzaun, Heuballen, Traktor und Mähdrescher, ein wieherndes Pferd war zu hören, ja, es war eine richtige Farm, auf der sie gelandet war.

Seufzend stemmte Jill ihre Hände in ihren Rücken, sie war froh, endlich angekommen zu sein, die Fahrt endlich hinter sich zu haben.

Dann sah sie zu Chris und seiner Tante zurück, Martha kam breit Lächelnd auf sie zu, reichte ihr die Hand, was Jill unverzüglich entgegnete.

,,Hallo, Engelchen…" grüßte die Frau, ,,…ich bin froh, das ihr endlich hier seid, das mein Neffe es endlich mal geschafft hat vorbei zu kommen. Schade, das ihr euren Sohn nicht mitgebracht habt, aber…" sie sah vergnügt zu Jills Bauch, ,,…was sehe ich da? Ist noch eins im Anmarsch…"

Jill musste sich wirklich ein Lachen verkneifen aufgrund der doch etwas aufbrausenden Art der älteren Dame, sie tauschte einen Blick mit Chris und beließ es nur bei einem Grinsen: ,,…Danke, das wir her kommen durften, Misses Jennings."

,,Aber, aber Kindchen…" die grauhaarige Frau wank ab, ,,…nachdem Christopher mich angerufen, fragte, ob es uns was ausmachen würde, wenn ihr uns besucht, da hab ich mich riesig gefreut und ich habe gute Nachrichten für euch…" sie sah wieder zu Chris, ,,…Die Ferienwohnung im Dachgeschoss ist frei geworden, die letzten Kunden mussten aus beruflichen Gründen früher abreisen. Wir haben sie für euch her gerichtet, ihr braucht noch nicht mal im Gästezimmer zu übernachten."

,,Woww, Danke…" Chris war überrascht, wusste, dass seine Tante die Ferienwohnung eigentlich meistens vermietet hatte. Er legte einen Arm um Jills Schultern, ,,...aber du hast die Leute doch wohl nicht wegen uns zum Teufel gejagt?"

Martha lachte über dann Spaß, wank einmal mehr ab: ,,Ach wo, ich doch nicht…" sie blickte noch einmal auf die Schwanger und nickte: ,,Kommt rein, ich habe frische Limonade gemacht, dann können wir uns etwas unterhalten."

Chris tauschte noch einmal einen Blick mit Jill, dann folgten sie der Farmerin ins innere ihres Landhauses…


Chris lächele umgehend, als er zurück in das kleine Wohnzimmer kam. Er hatte nach dem gemeinsamen Abendessen unten bei seiner Tante und deren Mann Jill nach oben gebracht, ihr die kleine Wohnung gezeigt und sich für einen Moment entschuldigt, um ihre und seine Reisetasche aus dem Auto auszuladen und jetzt, als er zurück kam, war Jill bereits auf der Couch eingeschlafen.

Es war erst kurz nach acht und ja, ziemlich früh, doch er wusste, das Jill in der letzten Zeit ziemlich häufig ziemlich müde war, zumal sie die Fahrt hier her schon angestrengt hatte, auch mit den gefühlten eintausend Pausen an Raststätten. Sie hatten sich so viel Zeit gelassen, das sich die siebenstündige Fahrt von morgens bis in den frühen Abend hinein gezogen hatte.

Leise kam Chris näher und setzte sich neben sie auf die Kante der Couch, etwas Platz war noch da, wenn auch nicht viel, da Jills Bauch ordentlich gewachsen war.

Sanft legte Chris seine Hand daran, streichelte zärtlich darüber und lächelte. Es war der zwanzigste Februar, also nur noch knapp zehn Wochen. Er konnte dieses Glück noch immer kaum fassen.

Jill sah aus, wie ein Engel.

Sie lag auf der linken Seite, die Hände unter dem Kopf, das hellblonde Haar umrandete ihr hübsches Gesicht. Langsam gingen ihre Atemzüge und dann regte sie sich.

Blinzelnd schlug sie die Augen auf, sah sich um und traf seine Augen. Sie schien sich selbst zu wundern, dann kam es ihr: ,,Ich bin eingeschlafen!"

Chris lächelte erneut: ,,Ja."

,,Oh, Chris, tut mir leid…" sie wollte sich hochstemmen, doch er hielt sie zurück. ,,Macht doch nichts, Süße, bleib liegen. Glaub mir, du hast jedes recht zu schlafen, wenn du müde bist."

,,Nein war nur ein ziemlich langer Tag…" sie zwang sich dennoch hoch. Chris griff ihr umgehend an den Arm, half ihr, denn schon jetzt war Jill so unbeweglich wie damals mit Eric kurz vor dessen Geburt. Ihr Bauch war wirklich riesig und allein, würde sie sich wohl kaum aufrichten können.

Sie atmete aus, als sie saß, lehnte ihren Oberköper gegen das Polster zurück und strich sich mit beiden Händen über ihre Kugel. Sie stieß seichte Luft aus den Lungen, unglaublich wie kurzatmig sie schon jetzt war.

,,Ist groß, nicht wahr?" fragte Chris amüsiert und setzte sich neben sie.

Jill nickte: ,,Ja…diesmal ist es wohl wirklich aus mit meiner Wespentaille." Dann lächelte sie.

,,Was?" er tat es ihr gleich, doch sie schüttelte nur den Kopf und sagte: ,,Ich kann sie fühlen."
Chris legte umgehen abermals eine Hand an ihren Bauch, doch er fühlte es nicht. Er hatte schon seit zwei, drei Wochen nichts mehr gefühlt. Je größer die Babys wurden, desto weniger Platz hatten sie in Jills Bauch, zwar bewegten sie sich etwas, aber nicht mehr so stark.

,,Keine Sorge…" meinte Jill aufmunternd und legte ihm eine Hand an die Schulter, ,,…wenn die zwei erst Mal da sind, nerven sie dich noch für den Rest deines Lebens."

Er lachte und hielt ihre Hand.

Ja, Jill hatte recht. Es würde sicher alles gut gehen. Ihr Blutdruck war dank der Medikamente gefallen und unter Kontrolle und solange sie sich ausrechend schonte, was sie auch tat, würden sie alle strickt durch bis ins Ziel kommen.

Natürlich hatte Chris sich auch Gedanken über die Fahrt hier her gemacht, doch laut Jills Frauenärztin, war es sogar eine gute Sache, ein wenig Urlaub zu haben, so lange man es eben langsam angehen ließe und genug Zeit bei der Hin- und Rückfahrt einplante.

,,Und? Wie findest du meine Tante und ihren Mann?" fragte Chris dann und beugte sich nach vorne, um das Fernsehprogramm umzuschalten. Sie wollten sich gleich gemeinsam einen Spielfilm ansehen, das taten sie gerne zusammen.

Jill sah ihm zu: ,,Nett."

,,Nur nett?…" Chris blickte seine Frau an.

Verlegen grinste sie: ,,Naja, sie nennt mich Engelchen und Kindchen, ist wohl ein bisschen verhätschelt, deine Tante."

Er stimmte lachend zu: ,,Das war sie schon immer. Ich kann vier oder vierzig sein, ich bleibe immer `ihr Junge´."

Jill hatte Martha Jennings schon früher kennen gelernt, allerdings nur flüchtig. Zu ihrer Hochzeit waren seine Verwandten nicht gekommen, da sich Peter, Marthas Mann, unverhofft bei der Arbeit an der Scheune das Bein gebrochen hatte und sie sich um ihn kümmern musste, deshalb konnte Jill von sich behaupten diese Frau vielleicht einmal in ihrem Leben gesehen zu haben. Sie kannte sie kaum.

,,…Also, wenn die beiden damals das Sorgerecht für Claire und mich bekommen hätte und nicht Tante Sylvia, dann hätte er mich sicher nicht mit gerade Mal achtzehn vor die Tür gesetzt, aber das Geld war damals einfach zu knapp."

Ja, Chris´ Vater hatte zwei Schwestern gehabt, Martha und Sylvia, die sich beide nie gut verstanden haben. Letztere war mittlerweile auch schon gestorben, so war Tante Martha die einzig lebende Verwandte, die Chris noch hatte, mit Ausnahme natürlich von Claire.

Die Blondine nickte: ,,…muss schwer gewesen sein…"

Chris nickte: ,,Aber immerhin war ich älter als du, als ich allein für mich sorgen musste. Wann kam dein Dad noch mal in den Knast?"

Jill überlegte nur kurz: ,,Ich war sechzehn und stand auf der Straße…" sie seufzte, ,,…Ich hatte nicht das Glück einen Verwandten zu haben und die staatlichen Kinderheime in die ich gesteckt wurde sind auch nicht das wahre gewesen. Ich habe nach ein paar Monaten, mit siebzehn, die Fliege gemacht, bin zur Armee…"

,,…und jetzt bist du hier…" Chris blickte sie weiterhin an, ,,…Ich glaube kaum, das wir beide, also unser Leben so verlaufen wären, wäre unsere Jugend anders abgelaufen."
Sie stimmte zu, legte den Kopf gegen seine Schulter: ,,…aber dafür haben wir jetzt uns. Du warst schon immer meine Familie. Du und die Jungs bei STARS."

Chris erinnerte sich zurück, schmunzelte: ,,Ja, wir waren ein richtiges Team, ein Clan."

Jill nickte. Sie bedauerte es jedoch nicht mehr. Klar, es tat noch immer weh, immerhin waren es alle liebe Freunde gewesen, aber sie konnte es nicht mehr ändern, also ließ sie es sich das alles anders zu wünschen.

Dann kam ihr ein anderer Gedanke, sie hob den Kopf. Adressierte ihren Ehemann: ,,Ist eigentlich Eiscreme da?"

Er grinste hielt ihrem Blickkontakt stand: ,,Du glaubst doch nicht im Ernst, ich hätte Tante Martha verschwiegen, das meine schwangere Frau in Eiscreme baden könnte und sie sicher ganz gereizt wäre, wenn sie während unseres Kurzurlaubs auf darauf verzischten müsste?…Sie hat etwas eingekauft."

Jill lächelte: ,,Kannst du es holen? Wie sollen wir uns sonst einen gemütlichen Abend vorm Fernseher machen und unseren Valentinstag nachholen?"

Chris grinste, stahl sich einen Kuss von ihr: ,,Bist du nicht zu müde?"

,,Doch, aber ich kann ja nicht rund um die Uhr schlafen und naja…wenn es etwas zu Naschen gibt, warum nicht?"

,,Okay…" Er nickte amüsiert, stand bereits auf und freute sich darauf einen gemütlichen, ruhigen Abend mit Jill zu verbringen. Immerhin hatten sie Valentinstag vor einer Woche getrennt verbringen müssen, Zeit also, um das nachzuholen…


Seit geraumer Zeit lief der Actionfilm mit Bruce Willis im Fernseher.

Jill saß an Chris´ Seite und löffelte die Eiscreme aus dem Becher. Sie sah zu ihm auf, nahm einen Löffel voll und hielt es ihm vor den Mund: ,,Magst du?"

Er drehte den Kopf vom Fernseher weg, sah sie lächelnd an und wollte seinen Mund schon öffnen, da zog sie ihm belustigt den Löffel vorm Munde weg und tippte auf ihre Lippen: ,,Kostet was!"

Umgehend fing Chris an zu lachen, hatte einen Arm um sie gelegt und sah sie wieder an: ,,…Du könntest ruhig mal etwas Mitleid mit mir haben…"

,,Hm…" machte sie spielerisch neckend, steckte sich demonstrativ den Löffel selbst in den Mund.

Chris lachte einmal mehr. Er mochte es, wenn Jill zufrieden war und er fand es unglaublich, welchen Appetit seine Frau auf Eiscreme hatte. ,,Als du mit Eric schwanger warst, warst du süchtig nach Sahne, jetzt nach Eis…ich hoffe, du wirst nicht nach hause rollen."

,,Ey!…" protestierend kniff sie ihm in den Oberschenkel, ,,…Nenn mit ja nicht Fett, mein Lieber! Du hast mir das eingebrockt."

,,Ach komm…eingebrockt ist so ein furchtbar hartes Wort."

Sie lächelte: ,,Na und? Du hast es manchmal verdient!…" allerdings gab sie nach, bei dem kleinen Wortgefecht, dem kleinen Spaß, den sie miteinander machten und sie reichte ihm einen vollen Löffel und ja, diesmal ließ sie Chris vom Eis kosten.

,,Und?" fragte sie dann.

Verwundert blickte er sie an: ,,Was? Ist nur Eiscreme. Schmeckt nach Erdbeeren oder so."

Sie nickte beiläufig, `fütterte´ ihn noch einmal und fragte: ,,Was machen wir morgen? Sehen wir uns die Stadt an?"

Er schluckte die kalte Süßigkeit: ,,Wenn du dich dazu in der Lage fühlst, ein kleiner Spaziergang kann sicher nicht schaden."

Jill blickte verdutzt drein: ,,Ob ich mich in der Lage dazu fühle? Wer hat denn gerade drei Wochen im Krankenhaus gelegen?…Naja, Hauptsache, wir finden irgendwo was essbares."

Noch einmal hob er amüsiert die Mundwinke, mochte es ihre endloses Geplapper zu zuhören. Unglaublich fand er es auch, das schwangere Frauen immer nur ans Essen dachten - das hieße, bei seiner Frau war es zumindest so. Er musterte sie. Trotz der Zwillingsschwangerschaft war Jill immer noch relativ schlank. Viel hatte sie kaum zugenommen. ,,Ich frag mich wo du das ganze Futter hinstreckst. Bei dem was du verdrückst, müsstest du wirklich kugelrund sein."

,,Ich esse für drei, vergiss das nicht…" sie stürzte die Lippen und gönnte sich den nächsten Löffel. Dann durchzog sie ein heftiger Tritt. Jill bäumte sich auf, ,,…Auh!" Das Besteck fiel ihr hin.

Direkt waren Chris´ Augen auf sie gerichtet, bei ihrem Keuchen ahnte er das Schlimmste: ,,Was has du?"

Jill hatte den Kopf in den Nacken gelegt, stemmte sich die freie Hand ins Kreuz, dann schüttelte sie den Kopf: ,,Nichts…sie treten nur…" sie stöhnte mit schmerzverzerrtem Gesicht, jeglicher Spaß war aus ihren Augen gewichen, ,,…Ich habe jedes Mal das Gefühl, das die Football spielen und mir dabei die Wirbelsäule zertreten."

Chris hörte ihr aufmerksam zu. Seine Hand legte er an ihren Rücken, massierte ihre Wirbelsäule im unteren Bereich. Er wusste, wie stark ihre Schmerzen manchmal waren und je weiter Jill kam, je schlimmer wurde es. ,,Willst du dich hinlegen?"

Sie atmete durch, zuckte noch einmal unter dem Ziehen und nickte dann.

Er stand umgehend auf, machte ihr Platz und nahm ihr den Eisbecher ab, den er auf den Wohnzimmertisch stellte.

Jill legte sich derweil einfach hin, auf die Seite. Sie hatte schon jetzt Schwierigkeiten ihre Beine anzuheben. Als sie lag, forme sie sich das Kissen unter ihrem Kopf zurecht, während Chris eine Decke nahm und seine Frau zudeckte. Er sah in ihrem Gesichtsausdruck, das sie noch immer Schmerzen hatte und setzte sich auf die Sofakante vor sie. Seine Hand glitt noch einmal in ihren Rücken: ,,Bist du sicher, das es geht? Tante Martha hat bestimmt irgendwie ein paar Schmerzmittel, die du…"

,,Nein!…" Jill unterbrach ihn strickt, ,,…Keine Medikamente!…" sie atmete ein weiteres Mal durch, strich sich selbst über ihren Bauch, ,,…Ich komm schon klar…" Ein leichtes Lächeln zierte ihre Lippen.

Chris nickte, hatte seine freie Hand ebenfalls an ihren Bauch gelegt. Obgleich er kau was fühlen konnte, fragte er: ,,Was machen die da drin? Tango Tanzen?"

Jill hatte ihre andere Hand, nachdem sie sich das Haar nach hinten gestrichen hatte, unter ihren Kopf gelegt und zuckte nur knapp mit den Schultern. Noch immer atmete sie tief durch, versuchte die Pein in ihrem Rücken auszuhalten: ,,Keine Ahnung…fühlt sich eher an, als würden sie miteinander zanken."

Er lachte: ,,Jetzt schon? Dann hoffen wir mal, das wir sie bändigen können, wenn sie erst mal da sind."

Auch Jill musste lächeln, sie verdrehe die Augen: ,,…ich wollt´ es wäre schon so weit."

,,Das geht schneller als du denkst…" entgegnete er, ,,…Sieh mal, in zwei Wochen schon ist Claires Hochzeit und dann dauert es nur noch fast zwei Monate."

Jill nickte…


,,So, es ist jetzt genau…" Chris riss seine Augen von dem Gerät weg, blickte auf seine Armbanduhr, ,,…08:29..." dann sah er wieder hoch, hinein in den Camcorder, den er hielt, sich selbst auf Band aufnahm, ,,…Die erste Nacht wirklich richtig gut geschlafen, kein vergleich mehr zu dem elenden Krankenhaus…" er drehte das Gerät um, filmte nun aus dem Fenster, ,,…es ist noch ziemlich frisch draußen, aber die Sonne scheint, ist immerhin etwas…"

Kurz hielt er inner, um sich seine freie Hand vor den Mund zu halten. Wieder hustetet er. Ja, seine Erkrankung war schlimm gewesen, der Husten zeugte noch davon und er hoffte, das dieser Urlaub ihm gut tun würde.

Chris räusperte sich, hielt den Camcorder wieder ruhig, dessen Bild total verwackelt war und schluckte, ehe er erneut das Wort ergriff, sich vom Wohnzimmer aus ins Schlafzimmer begab: ,,…Und hier…" er blickte auf das Display, lächelte, als er die Person filmte, die noch immer seelenruhig schlief, ,,…da haben wir Mami…sie schläft noch immer, diese Schlafmütze…"

Jill lag auf der Seite, hatte Kissen in ihrem Kreuz liegen, zwischen ihren Beinen und unter ihrem Bauch, nur damit sie bequem liegen konnte. Chris fand es lustig.

,,…Hat letzte Nach lange gebraucht, bis sie eingeschlafen war. Die Zwillinge bewegen sich lebhaft, ärgern sie ständig, aber es geht ihr gut und…das ist die Hauptsache…" er wurde nachdenklich, als er Jill betrachtete, ,,…Ja, es ist alles okay…Oh, guck, Mom wacht auf…"

Jill hörte Worte, Geräusche und erwachte langsam. Sie regte sich, schluckte und blinzelte mit den Augen. Es war schon relativ hell hier im Zimmer, da Chris bereits den Laden geöffnet hatte, nachdem er geduscht und sich angezogen hatte.

Er hatte sich selbst gewundert, das er so früh wach gewesen war.

,,Hm…" sie brummte etwas, blickte hoch zu ihm, sah ihn, sein Grinsen, die Camera und verzog das Gesicht, zog sich die Decke über den Kopf: ,,…Och…legst du das Ding auch mal wieder aus der Hand? Das hast du gestern während den Pausen auf den Raststätten auch gemacht und…ich bin doch noch gar nicht salonfähig."

Chris lachte: ,,Na und? Ich habe Eric versprochen alles mögliche auf Band aufzunehmen, das er es sich zuhause angucken kann."

,,Aber doch nicht mich, wenn ich so zerknittert aussehe…"

Er lachte weiter, die Camera hoppelte leicht: ,,Das ist doch Wurscht…" Chris beugte sich zu ihr hinab, zupfte die Decke von ihrem Gesicht, ,,…Wo bist du denn?"

Blinzelnd unter der Helligkeit strich Jill sich das blonde Haar aus dem Gesicht. Eigentlich hasste sie es, so geweckt zu werden, doch sie kam nicht um ein leichtes Lächeln: ,,Du bist wie deine Schwester, weiß du das?…Man kommt sich schon vor, wie ein Popstar."

Chris zuckte mit den Schulter: ,,Liegt in der Familie…Hast du gut geschlafen?"

Jill sah ihn an, nicht in die Kamera: ,,Ja…als ich dann mal die Position gefunden habe, die passt, habe ich sehr gut schlafen können."

,,Super, dann können wir gleich runter zum Frühstück, ich hab ´n Bärenhunger…"

Sie freute sich darüber, das es Chris besser ging, das er wieder Appetit hatte und streifte die Decke von ihrem schwangeren Körper: ,,Gib mir nur ein paar Minuten im Bad…" Jill wollte sich aufstemmen, doch wegen all der Kissen, die wie ein Nest um sie herum lagen, schaffte sie es nicht. Sie stöhnte genervt, noch verschlafen auf und begann die Kissen von ihrem Körper zu schieben, dann versuchte sie es noch mal.

Chris´ Grinsen war stetig größer geworden, er sah amüsiert zu, wie seine Frau versuchte aufzustehen und wie sie erneut aufgab.

Schwer fiel Jill in die Kissen zurück: ,,Ich komm kaum noch hoch…bin noch nicht richtig wach…" sie hörte plötzlich sein Lachen und wurde ärgerlich, ,,…Hey! Hör auf so dämlich zu Lachen!"

,,Sorry, Jill…" er kicherte, ,,…aber das sieht so ulkig aus, wie ein Käfer auf dem Rücken…" Chris lachte weiter.

Jill fand das alles andere als witzig, hob dennoch ihren Mundwinkel: ,,Das ist nicht komisch!…" sie streckte die Hand nach ihm aus, ,,…Hilf mir lieber."

,,Wieso?…" er ärgerte sie, ,,…ich finde du siehst richtig putzig aus."
Ihr entglitten sämtliche Gesichtszüge: ,,Putzig?…Chris, du bist echt unmöglich!…Erst weckst du mich mit der blöden Kamera, dann machst du dich auch noch über mich lustig, das ist nicht…"

Chris lachte weiterhin, unterbrach sie einfach: ,,Reg dich ab, Schatz, sonst wird die Milch noch sauer!" Das nächste was er durch das Display sah, war ein Kissen, das ihm ins Gesicht gepfeffert wurde. ,,Ey!" protestierte er, warf das Kissen neben sie aufs Bett.

Jill war ärgerlich, versuchte noch einmal aufzustehen: ,,Das hast du verdient! Jetzt hilf mir endlich."
,,Wieso sollte ich?" er konnte es nicht lassen, sie aufzuziehen.

Frustriert stieß sie Luft aus ihren Lungen: ,,Komm schon, ich meine es ernst, Chris, ich muss pinkeln!"

,,Du solltest so ein Wort nicht vor unserem Sohn sagen, was wenn er das Band sieht und es sich merkt?" sein Grinsen war richtig neckend.

Jill verdrehte die Augen: ,,Der kennt schon ganz andere Wörter…" sie hielt ihre Hand noch einmal nach ihm aus, ,,…jetzt mach schon…"

Endlich gab Chris nach, zwar mochte er den Spaß, aber er wollte seine schwangere Frau nicht unnötig reizen. Er griff ihr an die Hand und half ihr beim Aufstehen. Umgehend, als Jill stand, richtete er den Camcorder auf ihren Bauch: ,,…Seht ihr Kinder, so hab ich eure Mom komplett im Griff…"

Irgendwie amüsiert wuschelte Jill ihrem Mann durchs Haar: ,,Du bist ein Kindskopf, Chris…" sie ging an ihm vorbei, hinaus aus dem Schlafzimmer, peilte das Bad an.

Er folgte ihr, konnte es nicht lassen, sie doch noch einmal aufzuziehen: ,,Sag bescheid, wenn du nicht mehr vom Klo hoch kommst…da kann ich dir auch zur Hand gehen.."

Mit großen, tadelnden Augen blickte sie ihn über die Schulter hin an. Sie schüttelte den Kopf, amüsiert über den Spaß, den sie miteinander machten, atmete dann durch, grinste selbst, als das Lächeln in seinem Gesicht war, zeigte ihm frech weg den Mittelfinger und verschwand hinter der Badezimmertür…


Am Vormittag sahen Chris und Jill sich auf der Farm um. Besahen sich die Scheune mit den zwei Pferden, der Kuh, einer Hand voll Schweinen und Hühnern. Eine Katze geisterte ebenfalls auf dem Hof herum.

Gemütlich spazierten die zwei Hand in Hand nebeneinander her und ja, Jill gab ihm recht, es war eine gute Idee mal Urlaub zu machen. Einfach mal raus zu kommen und ein paar Tage abzuschalten.

,,…Na siehst du, das habe ich dir ja gesagt." pflichtete Chris bei, lächelte zufrieden, sah ihr zu, wie sie an eines der Pferde eine Karotte verfütterte.

Jill nickte, sah zu ihm auf und musterte ihn, er gab dem anderen Pferd auch etwas. Sie seufzte: ,,Weißt du eigentlich, das ich in meinem ganzen Leben noch nie auf einem Pferd gesessen hab?"
Er sah zu ihr, war nicht wirklich verwundert: ,,Es gab sich sicher nie die Möglichkeit…Als kleiner Junge war mein Dad oft mit mir hier, während Mom sich um Claire gekümmert hatte…" er streichelte dem Pferd über die Nüstern, ,,…Ich bin sicher, Martha und Peter hätten nichts dagegen, wenn du dich mal drauf setzen willst."

Sie lächelte: ,,Um Gottes Willen, nein, ich kann ja so noch kaum die Balance halten, lass das mal stecken, ich bin sicher, wir werden irgendwann wieder her fahren, ich bin ja schließlich nicht ewig schwanger."

Er nickte, nahm dann wieder ihre Hand und zog sie sanft weiter.

Ja das Risiko war viel zu groß, das etwas passieren konnte, das verstand er und er ertappe sich, überhaupt nicht daran gedacht zu haben. ,,Was machen wir heute noch so?" wolle Chris dann wissen.

Jill folgte ihm, zuckte mit den Schultern: ,,Nicht viel? Immerhin sollst du zur Ruhe kommen, schon vergessen?"

,,Ach komm, ich bin wieder fitt, Jill."

Sie rollte nur die Augen: ,,Das bis du nicht…Ich habe dich letzte Nacht durchaus gehört, auch wenn du glaubtest, ich würde schlafen."

Vor zwei Tagen erst war Chris aus dem Krankenhaus entlassen worden, mit der strickten ärztlichen Anordnung, es ruhig angehen zu lassen, sich nicht anzustrengen.

Er hatte auch Medikamente bekommen, ein Spray, das ihm das Atmen erleichterte, wenn sein Husten denn schlimmer werden würde und das war letzte Nacht der Fall gewesen.

Ohne ersichtlichen Grund war er aufgewacht, hatte heftig husten müssen, nach Luft geschnappt. Schnell hatte er das Schlafzimmer verlassen, um Jill nicht aufzuwecken, so wie er nun hörte, hatte er das doch.

Chris sah unter sich.

Sie stupste ihm am Arm an: ,,Komm schon, ist halb so wild, ich bin heilfroh, das du fast wieder in Ordnung bist."

Er hob den Kopf, blickte ihr in die Augen und atmete durch. Er war ja selbst froh darüber. Zufrieden legte er einen Arm um seine Frau: ,,Sollen wir rein gehen? Es wird recht kühl."

Jill nickte…


…und drin erfreute sich Chris nur ein paar Minuten später an einem warmen Kaffee, den seine Tante gemacht hatte.

Er saß bei ihr am Küchentisch, als Peter von draußen hinzu kam sich beide Hände rieb. ,,Woa…wird ganz schön kalt…" der Farmer lächelte dem Agenten zu, ,,…pack heut Abend lieber ein paar Holzscheite mehr in den Kamin."
Chris nickte: ,,Mach ich…Kannst du bei irgendwas Hilfe gebrauchen, Peter?"

Der Mann, der gerade dankend von seiner Frau ebenfalls eine warme Tasse Kaffee bekommen hatte, zog sich die Mütze von seiner, ergrauten, leichten Glatze. ,,Nein, nein…" antwortete er, ,,…Du und deine Frau, ihr seid hier um Ferien zu machen, das bisschen Mähdreschen, damit werde ich schon noch fertig…" Peter blickte durch die kleine Küche, ,,…Wo ist sie übrigens?"

Martha antwortete anstelle von Chris: ,,Sie ist im Wohnzimmer, telefoniert mit Claire…"

,,Ja, ja, die Damenwelt…immer den Hörer am Ohr…" Peter lachte glucksend, was Chris zum lächeln brachte.

,,Ach komm…sie erkundigt sich doch nur nach ihrem Junge, würde mir nicht anders gehen…" Martha setzte sich Chris gegenüber.

Peter nahm neben ihr platz: ,,Das war auch noch nie der Fall, du rufst Malcolm ja heute noch regelmäßig an."

Martha nickte, dachte an ihren Sohn und blickte dann zu Chris: ,,Ein Jammer, das unser Junge gerade in Europa ist. Ihr habt früher immer zusammen auf dem Heuboden herumgetobt, erinnerst du dich?"

Chris bejahte: ,,Bis ich mal durch das Holz gekracht bin und mir beim Sturz den Arm gebrochen hab."
Peter schüttelte den Zeigefinger: ,,Ich habe euch Jungs ja immer verboten da hoch zu gehen. Die Sanierung war no ich nicht durch."

Der Agen hob beschwichtigend, spaßig beide Hände: ,,Ist gut, Onkel, ist gut…als Bursche macht man halt so´n Blödsinn."
Das Ehepaar lachte, tauschte Blicke, erinnerte sich gerne zurück an die alten Zeiten, auch erinnerte sich Martha gerne an ihren Bruder zurück.

,,Weißt du, Chris…" sie wartete, bis er aufblickte, ehe sie weiter sprach, ,,…Dein Vater wäre wirklich stolz auf dich. Nicht nur deine berufliche Laufbahn, nein ich glaube, er hätte dir den Rausschmiss bei der AirForce sogar verziehen…" sie lachte kurz auf, ehe sie wieder ernst wurde, ,,…aber ich weiß, das er sich irre gefreut hätte, das du eine gute Frau gefunden hast…Deine Mutter ebenso. Sie hat sich nichts sehnlicher gewünscht, als einmal Großmutter zu werden."

Chris sah unter sich. Bilder seiner Eltern, Erinnerungen huschten durch seinen Geist. Teilweise schon verschwommen und er nickte: ,,Ja…du hast sicher recht und…naja…nach dem Unfall hab ich nie wieder gedacht, ich würde eine Familie haben. Jetzt ist es so, nur bin ich diesmal selbst der Vater…"

,,Und ein echt guter noch dazu…" Jill kam lächelnd hinzu, hatte seinen letzten Satz gehört, ,,...Sonst würde Eric nicht so an dir hängen."

Chris blickte zu ihr, sah ihr lächelnd zu , wie sie sich auf den Stuhl neben ihn setzte und fragte: ,,Und? Alles klar?"

Die Blonde nickte: ,,Ja…Claire hat alles in Griff, unser Sohn ist artig und ihr Baby schläft."

,,Na dann könnt ihr ja noch ein Weilchen länger bleiben…" Martha lächelte, hatte die Hand ihres Mannes ergriffen. Freude lag in der kleinen Gruppe, pure Zufriedenheit, die Einfachheit des Lebens genießend und trotz des kühlen, wolkigen Wetters draußen, wurde der Raum mit Sonnenschein erfüllt…