Das wohlig warme Feuer knisterte im Kamin, der Fernseher plärrte im Hintergrund, zeigte Cartoons, in die Eric vertieft war, wenn auch er den Couchtisch als Fahrbahn und Sprungschanze für seine Spielzeugautos nutzte. Zumindest er hatte Spaß, was man von seiner Mutter nicht wirklich behaupten konnte.

Sie lag auf der Couch, auf ihrer linken Seite und ihr war nicht gut.

Jill zitterte nicht wenig, denn ihr war schrecklich kalt, trotz der warmen Decke, unter die sie gekrochen war.

Ein weiterer Stich in ihrem Rücken, ihrer Taille, Jill hielt sich die rechte Seite, krümmte sich unter dem ansteigenden Schmerz. Sie schniefte, mit der freien Hand fuhr sie sich durchs helle Haar, bemüht ihr Unwohlsein vor ihrem Kind zu verbergen.

Gestern schon hatte sie sich nicht wirklich wohl gefühlt, auch wenn sie das niemandem gesagt hatte und gestern hatte sie auch schon hin und wieder diese Schmerzen, doch so richtig flach hatte sie erst seit heute Vormittag gelegen. Ob nun das Regenwetter der letzten Tage schuld war, oder vielleicht doch der kurze Urlaub, wusste Jill nicht und es war ihr auch redlich egal, wo ihre Grippe herkam. Das Einzige, was sie tun konnte war sich auszuruhen, so gut es eben ging.

,,Guck mal, Mama…" Eric riss die Aufmerksamkeit auf sich, schubste eines seiner Feuerwehrautos quer über den Holztisch und ließ es am anderen Ende hinab auf den Teppich stürzen. Vergnügt, klatschte der Junge dann, lachte und freute sich.

Hauchzart hob sich Jills Mundwinkel, sie schluckte, ihre Stimme kratzte: ,,Toll, Liebling…so weit ist es bisher noch nicht gefallen…"

Eric nickte, lief die wenigen Schritte und hob sein Auto wieder auf, um es noch einmal zu versuchen und dann bellte Ben lauthals, huschte freudig, mit dem Schwanz wedelnd hinaus aus dem Wohnzimmer, zur Haustür. Jill wusste umgehend, war los war, sie hörte wie die Haustür aufgeschlossen wurde, wie Chris bereits eintrat.

,,Daddy!…Daddy!…" Eric ließ alles stehen und liegen, huschte dem Hund nach, um seinen Vater zu begrüßen, der von der Arbeit nach hause kam.

Ja, er war heute zur BSAA gefahren, um ein paar Dinge zu regeln. Immerhin war er lange Krank gewesen und hatte deswegen auch zuhause bleiben müssen. Seit heute jedoch musste er wieder gehen, sich um die Rekruten kümmern, deren Ausbildung übernehmen und leiten, das übliche eben.

Jill stemmte sich auf, zwang ihren erschöpften Körper sich auf zu setzen, denn sie wollte nicht, das Chris es mitbekam. Zu stolz war sie, nach dem Streit von gestern Abend, um zuzugeben, das es ihr beschissen ging, doch kaum saß sie, suchte heftiger Schwindel sie heim. Ihr wurde übel, und das nicht zu knapp. Am liebsten hätte sie sich wieder hingelegt.

Sie hörte Chris mit Eric reden, hörte Schritte sich nähern und ihr war dennoch bewusst, das sie ihr Befinden niemals vor ihrem Ehemann verbergen konnte.

Jill hasste es und sie gestand sich ein, das sie Angst vor seiner Reaktion hatte, immerhin haben beide seit gestern Abend nicht mehr miteinander gesprochen. Heute Morgen, als sie aufgewacht war, war er schon weg gewesen, worüber Jill auch dankbar war.

Es schüttelte sie wieder.

Eiskalt lief ihr eine Gänsehaut über den Rücken, als die Wolldecke von ihrem Oberkörper rutschte und abrupt hielt sie inne, fasste sich an die rechte Seite. Das Stechen war schon wieder da.

,,Mama, Mama…" Eric kam angerannt, er war mit seinen dreieinhalb Jahren ein wirklicher Wirbelwind, ,,…guck mal, was Papa mir mitgebracht hat!" Er hielt seiner Mutter ein neues, kleines Spielzeugauto hin, noch in voller Verpackung.

,,Noch ein Auto? Du brauchst sicher bald ein ganzes Parkhaus für die Dinger…" sie versuchte fröhlich zu klingen.

,,Wills aufmachen!"

Sie nickte, tat es, befreite das neue Spielzeug aus seiner Plastikhülle und gab es ihrem Sohn. Lachend hüpfte er davon, zu seiner Spieldecke vor den Fernseher und ging auch gleich ans Werk.

Hinter ihr nahm sie Bewegungen wahr, Chris hatte das Wohnzimmer betreten, rieb sich die Hände, denn es war recht kühl draußen, und er ging schnurstracks zum Kamin.

Er besah sich das Feuer, schürte es und legte noch ein Holzstück auf: ,,Es regnet draußen noch immer…so ein Dreckswetter…"

Erstaunt sah Jill zu ihm, sie sah nur seinen Rücken. Verwundert darüber, das er überhaupt einen solchen normalen Ton an den Tag legte, antwortete sie: ,,Wirklich?…Naja, es soll die ganze Woche noch so runtermachen." Sie warf die Spielzeugverpackung mit leichtem Schwung auf den Couchtisch, vergrub dann ihre Hände unter der Wolldecke auf ihrem Schoß.

,,Na super…" murrte Chris. Er wartete nur zwei Sekunden in denen er sich räuspern musste und stellte dann das Gitter wieder vor den Kamin, das er vorhin weg genommen hatte. Es sollte verhindern, dass Eric dem Feuer zu nahe kam. ,,…Hör mal, Jill…wegen gestern Abend, da…"

Sie verdrehte sich Augen, konnte sich denken, was jetzt kam und unterbrach ihn strickt: ,,Hast du Hunger? Ich kann dir das Abendessenmachen."

Er schüttelte den Kopf, als er sich erhob: ,,Nein, lass mal ich…" er stockte, als er sich umdrehte, sein Blick auf ihr blasses Antlitz fiel. Sofort wurde er stutzig, näherte sich und nahm neben ihren Beinen auf der Couch platz. Jill kannte diesen, seinen Blick, erwartete, was zu kommen war, denn die Lawine war schon am rollen.

,,…Jill?…" er griff an ihren Oberarm, hielt sie davon ab aufzustehen, ,,…Fühlst du dich nicht wohl?"

Sie hob die Augenbrauen, zuckte leicht mit den Schultern, wozu sollte sie es leugnen? Um es zu verbergen, dazu hatte sie eigentlich nicht die Kraft und eigentlich auch nicht um ihm etwas zu Essen zu kochen. Es war ihr nur mit Mühe und Unwohlsein gelungen Eric vom Kindergarten wieder abzuholen und ihm etwas zu Essen zu machen. Jill schluckte: ,,…Nicht wirklich…"

,,Was hast du?" Chris sah kurz zu seinem Sohn, der vergnügt mit seinen Autos spielte und fixierte dann ihr blasses Gesicht noch einmal.

,,Keine Ahnung…" entgegnete Jill sichtlich fertig, ,,…Vielleicht ´ne Grippe oder so, ich habe immer so ein Ziehen in der Seite, das ist seit letzter Nacht schlimmer geworden…"

,,Du hast dich gestern schon nicht wohl gefühlt…" stellte er fest. Besorgt legte er seine Hand an ihre Stirn, denn trotz ihres bleichen Gesichts, kamen ihm ihre Wangen ungewöhnlich gerötet vor und er schreckte zusammen, überprüfte ihre Temperatur auch an ihrem Hals: ,,Jill, du hast Fieber!"

Sie nahm seine Hand weg von sich, blickte schweigend zu Boden.

,,Warum hast du nicht angerufen?…" wollte er wissen, ,,…Mensch, ich wäre doch heim gekommen."

,,Was würde das nützen?…" Jill überlief es erneut, sie zitterte plötzlich am gesamten Körper, vergrub sich unter der Decke, ,,...Ist nur eine Grippe…"

Voller Sorge griff er ihre Oberarme, drückte sie sanft zurück af die Couch, in eine liegende Position: ,,Komm, leg dich hin…" es nutzte jetzt wirklich nichts mit ihr zu diskutieren. Sie war krank und das Beste, was sie tun konnte, war die Füße hoch zu legen, schon allein wegen den Zwillingen.

Behutsam ging Chris ihr zur Hand, half ihr die Decke um den Körper zu legen und er zog diese hoch, bis zu ihren Schultern, strich ihr dann einige Strähnen aus der Stirn, ihr Haar trug sie offen. ,,Ruh ein bisschen, ja? Ich kümmere mich um Eric und Ben und dann fahr ich dich zum Arzt."

,,Ich habe in den letzten Wochen Ärzte zu genüge gesehen, Chris…"

,,Dennoch fahren wir nachher, ja?…" er sah ihr eindringlich in die Augen und als sie nachgebend nickte, sprach Chris weiter, ,,…Mach die Augen ein bisschen zu, ich habe alles im Griff."


Mittlerweile war der Fernseher aus, man hörte nur noch das Feuer und den Regen draußen. Es wurde auch schon allmählich dunkel.

,,Hey…" Chris war gerade wieder zu ihr gekommen und setzte sich nun vor Jill auf die Couch und wartete bis diese ihre Augen wieder aufschlug. Hatte sie geschlafen? Er konnte es nicht behaupten.

Jill schluckte: ,,Hey…"

Er sah sie an, prüfte noch einmal ihre Temperatur an der Stirn. Sie hatte eindeutig Fieber, er war nicht wenig besorgt: ,,…Geht es dir etwas besser?"

Sie hatte ihre Hand an ihren Bauch gelegt: ,,Ich weiß nicht…" sie schloss noch einmal die Augen, ,,…ich bin so müde."

Chris legte umgehend seine Hände an ihren großen Bauch. ,,Schatz, bist du sicher, das du nicht…ich meine…Es sind nicht die Babys, oder?" Ja, er hatte Furcht, das etwas schief ging, das Jill vielleicht an Frühwehen leiden könnte. Er hatte wirklich richtig Angst das etwas im argen lag.

Warum musstest du sie gestern Abend auch so aufregen und mit ihr streiten?Has du vergessen, wohin sie dass das letzte Mal gebracht hat?

Chris bereute seinen Wutausbruch, er hätte nicht so aus der Haut fahren dürfen.

,,Nein…" versicherte sie ihm leise, ,,…den Zwillingen geht es gut…glaub ich."

Er nickte: ,,Okay…Ich habe Eric rüber zu Susan gebracht, sie wird ein Weilchen auf ihn aufpassen. Ich bring dich jetzt zum Arzt, ja?"
Jill schlug die Augen wieder auf, nickte, wollte sich schon aufstemmen, doch irgendwie fühlte sie ein grabbeln im Bauch, in ihrer Kehle, fühlte, wie sich ihr der Magen umdrehte. Sie hielt inne, stützte sich auf ihrem Ellenbogen ab und legte ihre freie Hand an ihre Brust.

Chris sah sie an, sah, das sie sämtliche Farbe verloren hatte und griff sanft an ihren Arm: ,,Alles klar? Ist dir nicht gut?"

Sie atmete langsam durch und schüttelte den Kopf.

Alarmiert erhob sich Chris, ging in Aufbruchstellung: ,,Soll ich dir einen Eimer bringen, oder schaffst du es ins Bad?"

Ganz gleich, wie elend ihr momentan gerade war, brachte seine Reaktion sie irgendwie dazu, das sich ihr Mundwinkel hob: ,,Nein…" sie schluckte, ,,…ich muss nicht reihern, keine Sorge…das Frühstück ist mir schon heute Mittag hoch gekommen und seitdem bin ich völlig leer."

Chris griff ihren Arm erneut, half ihr sich auf zu setzen: ,,Du hättest wirklich anrufen sollen."

,,Chris, du musst mich nicht bedauern. Erst war Eric krank, dann du, es war nur eine Frage der Zeit bis ich an der Reihe war."

,,Aber gerade jetzt…" es war nur ein murmeln seinerseits und ja, es stimmte. Krank zu sein, war in keiner Schwangerschaft gut, zumal Fieber eine Rolle spielte. Er verwarf seine Gedanken, wollte sie nur noch schnell zum Arzt bringen und half ihr aufzustehen.

Kaum stand Jill jedoch kam der Schmerz zurück: ,,…Au…" sie drehet den Kopf zur Seite, hustete, hielt sich den Rücken und fand erst nach wenigen Sekunden ihre Stimme wieder, ,,…Tut mir Leid…"

Chris hatte sie leicht festgehalten. Er hatte sonst befürchtet, sie könnte fallen, in der Tat war sie in der letzten Zeit, wegen des großes Bauches, schon etwas unstabil auf den Beinen: ,,Du musst dich nicht entschuldigen, wenn das jemand muss, dann ich, aber…vertagen wir das. Schaffst du es bis zum Auto?"

Jill konnte nur nickten, fehlte ihr die Kraft etwas zu antworten. Ihre Knie waren weich und ihre Beine fühlten sich so schwer an, von den Rückenschmerzen ganz zu schweigen und sie war dankbar, das sein Arm es war, der sich stützend um sie legte, sie sicher zum Auto brachte…

Chris´ Sorge war größer geworden.

Die Fahrt ins Krankenhaus hatte Jill sehr angestrengt. Sie war richtig bleich, fühlte sich wirklich richtig krank und trotz der Heizung im Auto klagte sie über eine immense Kälte, die sie fühlte. Es wunderte ihn, dass das so schnell gekommen war. Von dem Unwohlsein von gestern bis jetzt. Was hatte sie sich denn da bloß eingefangen?

Er hoffte, das es nichts schlimmes war.


Ein Arzt hatte Jill gründlich untersucht. Er hatte ihre Vitalfunktionen überprüft, die Lungen abgehört, das Herz.

Chris war erschrocken, als der Arzt ihren Bauch, dann ihren Rücken abtastete und Jill im unteren Bereich aufgekeucht hatte. Er hatte ihre Hand gehalten, war bei ihr gewesen, sie wollte nicht alleine sein, hatte noch immer eine Abneigung gegen Krankenhäuser, gegen Menschen in weißen Kitteln.

Der Arzt nahm Jill außerdem Blut zur Untersuchung ab und bat um eine Urinprobe, dann erfolgte ein Ultraschall. Sie wurden von einer Krankenschwester in ein Zimmer gebracht und dann mussten sie warten.

Jill war dankbar, das sie endlich einmal Ruhe hatte. Sie war dankbar, ihre müden Glieder endlich hinlegen zu dürfen.

Chris deckte sie zu, setzte sich dann vor ihr Bett auf einen Stuhl, nahm ihre Hand und musterte sie. Jill drehte sich auf die linke Seite, da sie auf dem Rücken nicht liegen konnte. ,,…Der hat dich ganz schön auf den Kopf gestellt, was?" Vor zwei Stunden waren sie von zuhause aus aufgebrochen.

Jill schluckte, sagte nichts, da er ihre Antwort ohnehin schon kannte. Nein, sie fing gleich ein anderes Thema an, nachdem ihr Blick durch den Raum geschweift war: ,,Die behalten mich hier, oder?"

Er schüttelte den Kopf: ,,Das wissen wir noch nicht…"

,,Warum wurden wir dann hier her gebracht?…" wollte Jill wissen.

,,Damit du dich ausruhen kannst…" Chris strich ihr mit der freien hand das Haar aus der heißen Stirn, ,,…Schatz du bist nicht nur krank, du bist auch schwanger und das auch noch mit Zwillingen. Die sind sicher sehr Vorsichtig."

Jill senkte den Kopf, ihre freie Hand streichelte über ihren Bauch. Sie brummte argwöhnisch.

,,Treten sie wieder?" fragte er legte seine Hand neben ihre und ja, er fühlte es dieses Mal. Kleine Tritte, Bewegungen, heftiges strampeln.

,,Ist immer nur das eine Baby, das wohl auf der rechten Seite liegt…als ob es nicht schon genug weh tut…" sie schloss die Augen, ,,...ich habe Angst Chris…"

Umgehend fiel dieses erfüllende Gefühl, sein Kind zu fühlen von ihm, er blickte bei ihren Worten in ihre Augen.

,,Was, wenn…wenn es den Babys schadet? Oh Gott, ich will mir nicht ausmalen, wenn ich sie verlieren…"

,,Stopp!…" er hob die Hand, legte sie auf ihre vollen Lippen, ,,…Sag das nicht. Es wird nichts passieren, Jill."

Sie wollte ihm glauben, dann spürte sie Tränen in ihren Augen. Jill krümmte sich nach vorne, als die peinigenden Pfeile in ihrer Seite, dieses Brennen wieder über sie herfiel.

Chris hielt ihre Hand, streichelte beruhigend über ihren Bauch, ihre Hand krallte sich in sein Handgelenk, er hörte ihre Atmung, hasste es zu sehen, wie sie litt ohne etwas dagegen machen zu können. Er fragte sich einmal mehr, wieso Jill krank geworden war, sie hatte doch immer auf sich geachtet.

Jill schniefte, entspannte ihre Glieder, wahrscheinlich waren die Schmerzen zurück gegangen.

,,Mach dir keine Sorgen, Schatz…" er küsste ihren Handrücken, ,,…es wird dir sicher bald besser gehen."

Sie nickte, atmete durch und als sie ihn so anblickte, kam ihr ein Gedanke, den sie völlig vergessen hatte. Ja, beide hatten völlig vergessen, was noch am Vorabend zwischen Ihnen gelegen hatte. Der Streit um Jake und seinen Vater.

,,Chris…" Jill sah ihm in die Augen, ,,…wegen gestern…"
,,Hey, vergiss es okay?…" er fiel ihr ins Wort, ,,…Ich habe mich wie ein Vollidiot benommen und es tut mir Leid, das ich dich so angepflaumt habe. Ich könnte es auf mein Redfield-Temperament schieben, aber…nachdem ich heute den ganzen Tag Zeit gehabt habe, darüber nachzudenken, ist mir klar geworden, das ich vermutlich nur eifersüchtig bin."

,,Eifersüchtig?…" fragend blickte sie drein, ,,…Auf was? Warum?"

Chris seufzte leise: ,,Auf die ganze Geschichte…und ich muss mich wohl noch dran gewöhnen, das du…Naja, das du wieder die selbe Jill bis, wie früher…" er hielt ihrem Blick stand, ,,…Ich sollte froh sein, das du dich mit deiner Vergangenheit wieder so gut arrangieren kannst, stattdessen stelle ich mich quer. Allerdings war ein Teil von mir einfach nur wütend und enttäuscht, das du mir dein Tun vorenthalten hast…" er schluckte kurz, hielt noch immer ihre Hand, ,,…Es tut mir leid…Du kannst natürlich tun und lassen was du willst, es steht mir wirklich nicht zu darüber zu entscheiden."

Die Blondine nickte: ,,Ja…und ich bereue meinen Entschluss nicht. Okay, ich habe gegen das `Top Secret´ verstoßen, aber es war mir egal, ich war nicht ehrlich zu di, wieso, wusste ich ja selbst nicht, vielleicht weil ich geahnt habe, wie du reagierst. Es ist nicht nur meine Vergangenheit, Chris, auch deine und wir beide müssen uns damit arrangieren…" sie schniefte, ehe sie weiter sprach, ,,...Ich habe mit Jake gesprochen und erkannt, das er so völlig anders wie sein Vater ist, das komplette Gegenteil…aber ich habe mich dazu verpflichtet gefühlt. Ich musste Jake die Wahrheit sagen, er hat ein Recht darauf und ob du es willst oder nicht, ein Teil von mir…wird immer Weskers Nachruf tragen."

Er hatte ihr zugehört, ihr dabei in die Augen gesehen und er verstand sie wirklich. Man konnte nicht einfach abschließen und vergessen. So ein Erlebnis, ein Lebensabschnitt begleitet einen für immer und Chris sah ein, das Jill gewisse Dinge tun muss, um mit sich selbst in Reine zu kommen. ,,…Okay…" sagte er, ,,…Ich habe ja auch nichts gegen Jake. Zwar war er mir am Anfang ziemlich suspekt, aber…du hast recht, er ist ganz anders wie Wesker. Ich denke im Innern, ist er ein guter Kerl."

,,Ich bin nicht rein…"

Er sah auf, fragend.

,,Ich bin nicht mit Jake in den Hochsicherheitstrakt…" erkläre Jill genauer, ,,…Das wäre doch zu viel gewesen und…auf der Rückfahrt sagte Jake zu mir, das alle Welt recht hätte. Sein Vater wäre ein Menschenfeind, das Monster für das man ihn hielt, er war erschüttert, Chris, erschüttert über seinen leiblichen Vater…und dennoch…" sie brach ab.

,,Was?…" wollte Chris neugierig wissen.

Jill benetzte ihre Lippen, sprach ihre Gedanken dann einfach frei heraus: ,,…Und dennoch werde ich das Gefühl nicht los, das auch ich zu ihm gehen sollte."

Chris wich zurück, sah zur Seite und schüttelte den Kopf: ,,Jill…"

,,Doch…"

,,Ach das ist Unsinn…" er hielt noch immer ihre Hand, blickte ihr wieder in die Augen, ,,…Wie willst du dem Mistkerl gegenüber treten, der dein Leben kaputt gemacht hat?…Das ist Wesker!"

Jill reckte sich: ,,Ich weiß das…ich sage ja nicht, das ich hingehen will, aber…Ich habe irgendwie das Gefühl, das etwas fehlt. Ich nicht ganz da bin…noch nicht und vielleicht ist dass das fehlende Stück…"

Er schüttelte weiterhin den Kopf, fand ihre Idee völlig daneben: ,,Was erhoffst du dir denn davon? Das er sich entschuldigt? Das er mit dir einen Kaffeeplausch hält?"

,,Nein…" ihr fielen wieder die Augen zu, sie konnte sich nicht helfen, das war es eben was sie fühlte und um ehrlich zu sein, wusste sie selbst nicht einmal, was sie erwarten sollte, warum sie eigentlich noch immer diese Art von Verbindung zu ihrer Vergangenheit fühlte.

Nach einem kurzen Schweigemoment, beugte Chris sich näher zu ihr, hob seine freie Hand, um ihr über die Stirn zu streichen: ,,Jilly, Liebling…" er sah ihr an, das das es ihr nicht gut ging, ,,…ich verstehe dich, wirklich, aber ich glaube nicht, das es gut für dich ist, wenn du hingehst und dieses Dreckschwein noch mal siehst, es wird dir nicht helfen, das weiß ich…"

,,Warst du jemals dort?"

Chris schüttelte den Kopf: ,,Nie. Und ich werde auch nicht hin gehen. Es ist vorbei, wir sollten dankbar dafür sein, das wir noch eine weiter Chance bekommen haben und alles andere vergessen, meinst du nicht auch?"

Jill schwieg.

Sie sah unter sich und Chris erkannte, wie sehr sie nachdachte. Er wollte nicht, das sie sich da rein steigerte, er wollte, das sie sich auf anderes konzentrierte und beendete das Thema. ,,…Hey…" sagte er dann, ,,…komm, vergessen wir das Thema für heute, ja? Du musst dich jetzt erst mal ausruhen und gesund werden und dann…in weniger als zwei Wochen schon ist Claires Hochzeit, denk jetzt daran! Lenk dich ein bisschen ab, okay? Wir können, wenn du willst, über alles andere noch einmal reden, wenn es dir besser geht."
Jill atmete durch, eine weitere Welle des Schwindels suchte sie heim, vermischte sich mit einem Kälteschauer und ja, Chris hatte recht. Sie konnte sich wirklich ein andermal darüber den Kopf zerbrechen. Es gab jetzt wirklich wichtigeres.

Sie nickte dann leicht.

Ein hauchzartes Lächeln huschte über seine Lippen und er küsste seicht ihren Handrücken, noch immer hielt er sie, dachte nicht mal daran sie los zu lassen.

Wie auf´s Stichwort klopfte es an der Tür und der Arzt kam zurück. Er lächelte und trat näher, blieb vor dem Bett stehen. ,,Misses Redfield…" begann Dr. Candle, ,,…wir haben ihre Testergebnisse."

Chris setzte sich auf. Jill schluckte schwer: ,,Was ist es?…" Chris´ Berührung, gab ihr Kraft, nahm ihr einen Teil ihrer Angst, ihrer Sorge. Oh, sie hoffte, das es nichts ernstes war.

,,…Sind die Babys okay?" wollte Jill zu aller erst wissen.

Dr. Candle nickte: ,,Ja, den beiden geht es gut, Ihnen jedoch leider nicht, Misses Redfield…" er schluckte kurz, ehe er weiter sprach, ,,…Wir haben die Blutprobe im Schnellverfahren untersucht und erhöhte Entzündungswerte festgestellt…bei der Ultraschalluntersuchung hatte ich schon den Verdacht. Sie haben eine Nierenbeckenentzündung. Daher das Fieber, die Krämpfe."

Chris blickte besorgt zu Jill, die ihre Lippen aufeinander presste, sich fürchtete.

,,…Aber ich kann sie in dem Sinne beruhigen und sagen, das ist sehr häufig unter Schwangeren. Da ohnehin ein vermehrter Harndrang besteht wird das oft erst nicht als solches Leiden erkannt, aber ist mit der richtigen Medikation schnell in den Griff zu bekommen."

,,Wo hab ich das her?" wollte Jill wissen.

Der Arzt hob die Schultern: ,,Dafür gibt es viele Faktoren…Bakterien dringen in den Harnleiter ein und verursachen eine Entzündung, können, wie in ihrem Fall auch hoch bis zu den Nieren wandern. Ursache kann ein geschwächtes Immunsystem sein, aufgrund von Stress oder Überanstrengung, oder eben einer Schwangerschaft, aber auch sexuelle Aktivität oder einfach nur Unterkühlung kann eine Rolle spielen. Wir haben in den Testergebnissen auch festgestellt, das Sie nicht genügend Flüssigkeit aufnehmen, Sie sollten dringend versuchen über den Tag verteilt mehr zu trinken, drei Liter mindestens."

Jill nickte: ,,Ja, ich trinke zu wenig…" sie war noch immer müde.

,,Ich werde Ihnen Antibiotika geben, damit die Entzündung rasch abklingt und keine Sorge…" er sah die Frau und dann den Mann an, ,,…wir wählen die Präparate sehr sorgfältig aus, besonders während einer vorliegenden Schwangerschaft und bisher gab es noch keinerlei Folgeschäden für Mutter oder Kind. Es ist zwar ehrlich gesagt immer besser keinerlei Medikamente zu sich zu nehmen, aber wir laufen Gefahr, das Ihr Zustand sich verschlimmert und im allerschlimmsten Fall auch chronisch enden kann, daher würde ich Ihnen dringend dazu raten."

Sie bewegte den Kopf blickte Chris an und wartete bis dieser ihr in die Augen blickte. Er nickte dann und Jill seufzte. Ja, sie würde es tun, denn sie wusste, das sie ihren Kindern so nur noch mehr schaden würde.

,,Okay…" fuhr Dr. Candle fort, ,,…ich werde eine Schwester verständigen, die ihnen genau erklärt, was sie einzunehmen haben und ich würde Ihnen gerne intravenös Flüssigkeit zukommen lassen, wenn es für Sie in Ordnung ist…Mitunter habe ich in Ihrer Anamnese gelesen, das Sie schon einmal eine Fehlgeburt hatten und in Anbetracht dessen und der Tatsache, das Sie Zwillinge erwarten, würde ich Sie gerne heute Nacht und vielleicht auch noch Morgen zur Beobachtung hier behalten…"
Jill schloss die Augen, sie hatte es ja schon erwartet.

,,…Natürlich stet es Ihnen frei zu gehen, Misses Redfield. Diese Entscheidung liegt bei Ihnen…" Der Arzt sah ihre Reaktion, ,,…Ich würde es nur als Vorsichtsmaßnahme empfehlen, damit wir beobachten können, ob die Behandlung auch Zeitschnell anschlägt."
,,Okay…" antwortet Jill, sah den Arzt wieder an, ,,…Ich tue was Sie sagen, Doktor."

Der Mediziner nickte mit einem aufmunternden Lächeln: ,,Gut, dann wird wie gesagt eine Krankenschwester Ihnen alles weitere geben und wir sehen uns dann morgen früh zur Visite wieder, Misses Redfield…Mister Redfield…" er kam vor, reichte ihr die Hand zum Abschied und dann auch Chris.

Der Agent nickte ebenfalls kurz, bei dem Händeschlag und als der Arzt dann das Zimmer verlassen wollte, hielt Chris ihn auf: ,,Ach, Dr. Candle?"

,,Ja?" er drehte sich noch einmal um.

,,Sie haben auch eine Frau?" Chris war der Abdruck auf der Haut am Ringfinger aufgefallen. Ein Indiz dafür, das dieser Mann wohl gewöhnlich einen Ring trug.

Dr. Candle lächelte: ,,Ja, ich bin verheiratet…" ihm war der Blick auf seine Hand aufgefallen, ,,…Schmuck ist nur leider bei der Arbeit verboten."
,,Und Sie sind glücklich?"
Jill sah verdutzt zu ihrem Ehemann. Wieso stellte er ihrem Arzt solche Fragen? Und dann fiel es ihr ein.

,,Sicher, meine Frau Mary und ich sind sehr glücklich zusammen wir erwarten selbst unser erstes Kind…" Dr. Candle verabschiedete sich noch ein weiteres Mal, dachte sich allerdings nichts wirkliches bei den Fragen des Mannes und verließ dann das Zimmer.

Kaum hatte er die Tür geschlossen, richtete Jill ihr Wort an Chris: ,,Musste das jetzt sein?"

Er zog die Augenbrauen hoch: ,,Was denn? Du musst heute allein hier bleiben, ich will nur sicher gehen, das er kein Psychopath ist, so wie der gute Kinderarzt von Eric."

Sie verdrehte die Augen: ,,…Nicht jeder ist verrückt."
,,Hey, ich will nur das du in guten Händen bist…" Chris blickte sie an, hob einen seiner Mundwinkel, ,,…vielleicht sollte ich den Kerl von der BSAA Background überprüfen lassen. Dr. Adam Candle stand auf seinem Namensschild."

,,Chris…" sie ermahnte ihn leicht amüsiert, schloss dabei die Augen.

Er grinste, hauchte ihr einen weiteren Kuss auf den Handrücken: ,,Ich mach nur Spaß, Jill…"

Sie nickte, zwang ihre Augen wieder auf: ,,Wie lange kannst du noch bleiben?"

Chris sah auf die Wanduhr über dem Bett: ,,Es ist halb acht…ich bleibe noch bis die Krankenschwester kommt, dann sollte ich nach hause fahren und unseren Jungen ins Bett bringen, morgen ist schließlich wieder Kindergarten. Und sobald ich ihn hingefahren habe, komme ich dich wieder besuchen. Vielleicht darfst du auch schon nach hause."

Jill nickte: ,,Vielleicht wird mir eine Nacht ausschlafen mal gut tun…" sie griff sich erneut an die Seite, glaubte kaum, das es möglich werden würde. Der Schmerz war schließlich nicht einfach wegzublasen.

Chris legte eine seiner Hände auf ihre und küsste ihre Stirn. Er hoffte, das es ihr bald wieder besser ging. Krank zu sein hatte er selbst gehasst und er wusste, das es ihr nicht anders ging…