,,Hast du auch alles?" wollte Jill wissen, sah ihrem Ehemann zu, der sich an diesem Vorabend von Claires und Matts Hochzeit seine Jacke anzog. Sie standen beide im Flur des Hauses.

Chris nickte: ,,Ja, ich habe meinen Schlüssel, meinen Geldbeutel, mehr brauche ich nicht."

Sie lächelte breit, griff ihm an die Jacke und richtete seinen Kragen: ,,Dann pass bloß auf, das Matthew auch sauber bleibt, du Brautführer."

Der Agent lachte: ,,So schlimm wird es nicht. Wir gehen nur etwas aus, einen trinken…es ist sein Junggesellenabschied und der will eher eine ruhige Nummer schieben."

,,So was wollte ich hören…"

Chris freute sich, küsste sie und fragte, als er sich von ihr löste: ,,Kommst du auch zurecht?"

,,Chris, mach dir keine Sorgen, ich komm schon klar. Eric ist ein Engel und Kathryn schläft ja jetzt auch durch, so wie deine Schwester es mir versichert hat, also werde ich überhaupt keinen Stress haben Baby zu Sitten."

Und wie aufs Stichwort klingelte es an der Haustür.

Der Schäferhund kläffte eifrig und wedelte mit dem Schwanz. Er roch die Personen vor der Tür, wusste, das es Freunde waren.

Chris drehte sich zur Haustür und kaum das er sie geöffnet hatte, hörte er auch schon Gelache und Gelächter. Nicht nur Matt, auch Barry und Leon waren da und kaum kam Chris dazu seine Freunde zu begrüßen, da drückte sich seine kleine Schwester mit Kind und Wickeltasche beladen an ihm vorbei, hinein ins Haus, während sie ihm fröhlich eine Begrüßung an den Kopf warf.

,,Hey, Claire…" Jill begrüßte die Braut mit einer kurzen Umarmung, sah im Augenwinkel, auch ihre übrigen Freundinnen draußen stehen. Kathy, Angela und Rebecca.

Die Brünette löste sich von ihrer Schwägerin: ,,Hey…alles klar?"

Ein Nicken war ihr antwort genug, ehe sie sich noch einmal zu ihrem Verlobten umdrehte: ,,Und wehe, ich höre etwas von einer Stripperin, Schatz!" Claire strahlte lächelnd, scherzte.

Matthew hob freudig und unschuldig die Hände: ,,Ich habe keine Ahnung, was dir drei mit mir vorhaben Süße."

,,Du wirst es sehen, McCarthy…" versprach Barry grinsend und legte Leon einen Arm auf die Schulter, ,,…Kenny, Chrissy und ich haben uns da schon was ausgedacht."

Jetzt trat Chris die Stufen hinab, zu seinen Freunden in den Vorgarten und nickte: ,,Ich hoffe, Kathryn hat dich gut schlafen lassen."

,,Wollen wir dann?" fragte Leon und rieb sich voller Vorfreude die Hände. Sie verabschiedeten sich von ihren Frauen und zogen dann scherzend und lachend los.

Jill und die anderen sahen zu, wie sie in Chris´ Auto stiegen und nach heftigem Winken zum Abschied, waren sie weg. Die Schwangere drehte sich kaum zwei Sekunden später zu ihren Freundinnen, zu Claire und sagte: ,,Ihr wollt sicher auch los, mach dir keine Sorgen, ich kümmere mich um Kathryn."
Verschmitzt grinste Claire, wog das Baby in ihrem Arm und nickte: ,,Ja, aber wir sind schon da, Jill…" sie nickte den anderen zu, ,,…Na dann kommt mal rein, Mädels…"

Verdutzt sah Jill zu, wie Rebecca, Angela und Kathy Claire folgten, hinein in ihr Haus, direkt Richtung Wohnzimmer. Fragend schritt Jill dazu, als sie die Haustür verdattert geschlossen hatte und sah, da ihre Freundinnen schon anfingen, es sich bequem machten: ,,Was?…Em, Claire, Kannst du mir sagen, was ihr vor habt?"

Rebecca hatte eine Kühltasche dabei, aus der sie Getränke und Gläser auspackte, Angela hatte Knabbereien dabei.

,,Wir haben alles im Griff, du brauchst dich um nichts zu kümmern…" entgegnete Claire, ließ die Wickeltasche zu Boden gleiten, ,,…Schläft Eric schon? Ich werde Kate zu ihm ins Zimmer bringen."

Verdutzt war Jill noch immer, konnte kaum folgen: ,,Hab ich was verpasst? Was ist mit `ich mache den Babysitter und ihr geht feiern´ geworden?"

Claire sah die Schwangere an: ,,Es ist wirklich süß von dir, das du dich dazu bereit erklärt hast und ich verstehe ja auch, das du in deinem Zustand kaum noch das Tanzbein schwingen kannst und deine Ärztin dir strickte Schonung verordnet hat, aber ich bitte dich, Jill, was ist mein Junggesellinnenabschied ohne eine meiner besten Freundinnen?…"

,,…Ja…" pflichtete Angela dabei, ,,…Du würdest echt fehlen."
,,Leute…" Jill war sichtlich überrascht, zum Teil auch überrumpelt, dennoch entglitt ihr ein Lächeln, ,,…das müsst ihr nicht wegen mir machen, ihr könnt euch ruhig amüsieren gehen und…"

,,Nichts da…" beschloss Claire, ,,…ich will den Abend vor meiner Hochzeit mit all meinen Freundinnen verbringen und die Braut entscheidet, wie sie den Abend verbringen will. Feiern können wir nachholen, so einen letzten Abend vor der Hochzeit nicht, denn ich habe vor nur einmal in meinem Leben zu heiraten…" sie schenkte Jill ein Lächeln, ,,…Jetzt fangt schon mal an, ich bringe meine Süße noch ins Bett…" sie drehte sich um und verließ das Wohnzimmer…


,,Sag mal…" begann Jill, die den Salat durchmischte, ,,…kann ich dich was fragen?" Sie und Rebecca waren dabei das Essen vorzubereiten, während Claire oben war und Angela und Kathy im Wohnzimmer warteten, den Couchtisch in eine Minibar umwandelten.

Rebecca, die gerade die Teller aus dem Schrank nahm, auf ein Tablett stellte, hielt inne, drehte sich zu ihrer Freundin um und sagte: ,,Aber klar, was denn?"

,,Wessen Idee war das denn?" sie lachte kurz auf.

Die Ärztin grinste: ,,Claires…aber wir waren alle damit einverstanden. Überlass das feiern mal den Jungs, wir Ladies haben uns schon ewig nicht mehr unterhalten und so einen richtigen Weiberabend gemacht. Es wird sicher lustig."
Jill stimmte zu.

Sie freute sich wirklich und wenn es okay für Claire war, dann war es auch okay für sie. Ohnehin war Jill noch nie einer dieser Nachtschwärmer gewesen. Sie konnte die Nacht durchaus auch außerhalb von Diskotheken, Bars oder Clubs verbringen.

,,Ach…" begann Jill dann, als ihre Gedanken auf ein anderes Thema glitten, ,,…noch etwas anderes, Becca…" Sie blickte noch einmal zu ihrer Freundin, die bereits das Besteck zurecht gelegt hatte und wartete bis diese zu ihr hoch blickte.

,,Ja?"

Jill wusste, sie würde ein Thema anschneiden, das vielleicht nicht heute hier her gehörte, aber sie konnte nicht anders. Es war ihr noch immer ein Rätsel, noch immer machte sie sich Gedanken darum, um den Vorfall von gestern mit Carlos.

,,Ich habe versucht dich anzurufen, den ganzen Tag und…"
,,Ach ja…" die junge Ärztin schluckte verlegen, ,,…em…war nicht zuhause." Sie mied den Augenkontakt.

Abrupt ließ Jill von der Salatschüssel ab, wandte sie zu ihrer Freundin, stemmte einen Am in ihre Hüfte: ,,Lügnerin."

Ertappt spürte die Ärztin diese verratende, Hitze in ihren Ohren.

,,…ich habe nämlich auch in deinem Büro angerufen und dein Kollege meinte, du hättest dir heute frei genommen…" Jill sah, wie schwerfällig ihre Freundin schluckte und hob einen Mundwinkel. Sie war ihr nicht böse. ,,…Hey, ist deine Sache, okay? Ich wollte nur mit dir reden über…Carlos."

Genervt verdrehte Rebecca die Augen, ließ die Schultern hängen: ,,Wieso?"

,,Weil er gestern Abend hier völlig betrunken angekommen ist und einen Haufen Müll geredet hat…" Jill schüttelte den Kopf, ,,…Habt ihr miteinander gesprochen? Ich meine, Becca, er war total neben sich."

Schuldbewusst lehnte die junge Brünette sich gegen die Küchenzeile: ,,Er hat mir auch eine Szene gemacht…er hat…" die fuhr sich durchs kurze Haar, wusste nicht recht, wie sie sich ausdrücken sollte, ,,…Ich war gestern Abend aus. Mit Marc…und Carlos hat uns gesehen. Er war so eifersüchtig und…wütend…" sie schüttelte den Kopf.

,,Dann steht ihr immer noch auf Abstand? Ich dachte, du wolltest das mit ihm bereinigen?" fragte Jill.

Rebecca zuckte nur mit den Schultern.

Offensichtlich hatte sie das noch nicht getan.

Jill stemmte auch noch ihre zweite Hand in ihre Hüfte, um ihren Rücken zu entlasten: ,,Das fängt an aus dem Ruder zu laufen. Chris kam hinzu und beide wären sich fast wieder an die Gurgel gegangen…em…ich will mich da ja auch gar nicht einmischen und so, das ist allein eure Sache, aber ich finde, du solltest das klar stellen, denn dieses umherschweben, das ist weder für ihn noch für dich gut."

Rebecca nickte: ,,Tut mir leid, wenn er euch Probleme macht."

,,Ach…" begann Jill, ging die Episode noch mal durch und fing dann anders an, ,,…Keine Ahnung, wieso er sich betrunken hat, ich meine, wenn du normal mit ihm geredet hast, als er dich und diesen Marc sah, da müsste er das doch verstehen, immerhin…er hat dich noch nicht verloren, oder?"

Rebecca schwieg. Sie dachte an ihre Liebesnacht zurück. Ihre Nacht mit Marc, dem Unfallverursacher und Jill erkannte es.

Sie hob die Augenbrauchen: ,,Nicht dein Ernst, oder? Du hast dich wirklich…ihr wart…"

Die Ärztin wusste, das ihre Freundin es erkannte: ,,Jill, ich…ich hatte es nicht vor, glaub mir, es ist aber…einfach so passiert…" erste jetzt sah sie auf, in die blauen Augen der Blondine, ,,…und ob du es glaubst oder nicht, ich bereue es kein bisschen."

Jill fehlte sie Worte. Schock zeichnete sich in ihren Augen ab. Sie hatte bisher immer daran geglaubt, das sich das Ganze zwischen Carlos und Rebecca wieder einrenken würde.

Sie wusste wirklich nicht, was sie dazu, zu Rebecca und diesem Marc, sagen sollte, denn es war eine sichtliche Überraschung.

,,Ich weiß, was du jetzt denkst…" begann Rebecca, ging einige Schritte in die Küche hinein, ,,…Wie konnte sie so was tun! Sie ist doch noch verheiratet…"

,,Nein, nein…" unterbrach Jill, ,,…Ich em…ich denke gerade an überhaupt nichts, em…" sie blickte der Brünette in die Augen, suchte nach den richtigen Worten.

,,Dann sag mir, was ich tun soll? Ich meine…Carlos wird es nicht schaffen von dir los zu kommen, das wissen wir beide, das wussten wir doch schon immer und Marc…er ist…" Rebecca seufzte mit einem kleinen Lächeln, ,,…Er ist einfach perfekt. Ich…" sie musste es aussprechen, ,,…All die Zeit, die wir seit dem Unfall zusammen verbracht hatten, die Gespräche, seine Art und sein Lächeln…" sie sah noch einmal in Jills Augen, ,,…Ich habe mich in ihn verliebt."

Jill seufzte leise.

Momente lang geschah nichts, beide Frauen schwiegen, ehe die Blonde das Wort wieder ergriff: ,,Rebecca…" Jill schluckte, ,,…Ich würde dir wirklich gerne sagen, das ich mich für dich freue, aber…ich bin noch sichtlich zu überrascht dafür…"

,,Ich verstehe das Jill…"
,,…Ich kann dir auch nicht sagen oder raten, was du tun sollst, das ist deine Entscheidung, aber…du solltest, wenn du das mit Carlos beenden möchtest, reinen Tisch mit ihm machen."

Die Ärztin sah der Schwangeren in die Augen: ,,Bist du sauer?"

Jill schüttelte den Kopf: ,,Nein…Ich bin ehrlich, es ist schade, wenn es so enden soll für euch beide. Das habe ich weder für dich noch für Carlos gewollt, denn mir liegt viel an euch beiden, aber sich etwas vormachen, bringst letztlich ja auch nichts. Wenn du es wirklich beenden willst, musst du es tun, auch für ihn."

Rebecca nickte, sie würde darüber nachdenken. Ein gründliches, letztes Mal. ,,Okay…" sie griff das Tablett mit dem Geschirr, ,,…Na komm, vertagen wir das, em…dafür ist heute keine Zeit. Es ist Claires Abend. Die Mädels drüben warten auf uns…"


Claire war zufrieden.

Sie lächelte bis über beide Ohren. Sie genoss es die Hauptperson zu sein, denn heute drehte sich alles um sie und sie liebte es im Mittelpunkt zu stehen.

Gelacht wurde viel, herumgealbert, aber auch miteinander gesprochen. Die fünf Frauen genossen die gemeinsame Zeit unter Freundinnen, ebenso wie die kleine Herrenrunde auswärts.

Chris, Leon, Barry und Mathew waren unweit entfernt, nach Washington zu einer Bar gefahren, die Barry ausgesucht hatte.

,,Cheers!…" belustigt stießen die vier besten Freunde miteinander an, kleine Schnapsgläser stießen gegeneinander, bevor sie entleert wurden.

,,Ah…" Barry schluckt das bitter schmeckende Gesöff runter, drehte sich zum Tresen um und stellte das Glas demonstrativ auf den Kopf. Chris Leon und Matt taten es ihm gleich.

,,…da kommt Freude auf, was, Männer?…" sprach Barry weiter, ,,…Ich kann mich kaum noch an einen solchen Abend erinnern, nur wir unter uns, keine Weiber dabei."

,,Ich bin sicher, das selbe sagen sich unsere Ladies auch gerade…" Leon lächelte schief, dachte an unweigerlich an Angela.

,,War das eigentlich geplant?…" wollte Chris wissen, setzte sich hab auf einen Barhocker neben Barry, ,,…Claires Junggesellinnenabend bei uns zu verbringen?" Er musste, genau wie die anderen etwas lauter sprechen, da die Musik im Hintergrund und die Gespräche der anderen Gäste ziemlich laut waren.

,,Das wusste keiner von uns so genau…" erklärte Matthew, ,,…Ich glaube sie hat das ganz spontan mit den anderen beschlossen."

,,Na, Hauptsache ist doch, das sie sich alle so gut amüsieren, wie wir. Ich bin jetzt dran…" entgegnete Leon, drehte sich dann abermals zum Barkeeper und bestellte die nächste Runde.

,,Christopher Redfield?"

Chris und die anderen drehte die Köpfe zu der Stimme neben ihnen und im Gegensatz zu seinen Freunden kannte Chris die beiden Männer, die dort standen, sich ebenfalls etwas zu trinke bestellt hatten. Er hob freudig die Augenbrauen, drehte sich zu ihnen und reichte ihnen nacheinander die Hand: ,,Keith? Quint?…" er lächelte, ,,…Was treibt euch beide denn hier her?"

Die beiden Männer grüßten die Runde, ehe Keith antwortete: ,,Wir sind öfters hier, aber dich haben wir hier noch nie gesehen."

Chris nickte, machte die Männer auch miteinander bekannt: ,,Freunde, das sind Quint Cetchum und Keith Lumley von der BSAA Equipment-Abteilung. Die basteln euch das beste Zeug zusammen, was man an Ausrüstung bekommen kann. Ich kenne auch keine zwei die besser in ihrem Gebiet sind als sie…Ohne Keiths Scharfsinn und ohne Qunits Computerkunde wäre die Mission damals um Terragregia schlimmer ausgegangen als sie war."

Ja, es stimmte. Die beiden, die damals nachträglich in den Einsatz geschickt wurden, hatten ausschlaggebende Hinweise gefunden, geholfen die Mission erfolgreich aufzudecken und abzuschließen.

,,Aber Keith, ich dachte, du hättest nach Afrika gewechselt." stellte Chris fest.

Der schwarze Agent nickte: ,,Ja, schon, aber das war da einfach nicht meine Welt. Klar, Vaterland und so´n Zeug, aber mir hat mein Partner gefehlt und so bin ich wieder hier her, zu meinen Freunden gekommen."

Qunit nickte: ,,Ja, der Kerl hat uns auch ganz schön gefehlt…" er blickte durch die Runde, ,,…Aber was treibt euch hier her, vor allem dich Chris? Ich hätte nicht gedacht, das du so ein Nachtschwärmer bist."

Chris grinste und schüttelte verneinend den Kopf: ,,Nein, bin ich auch nicht, aber seht ihr den Kerl da?…" er deutetet auf Matt, ,,…Er wird morgen mein Schwager."

Somit war klar, was die vier Männer hier her zog und die beiden BSAA Agenten tauschten grinsende Blicke, ehe Qunit noch einmal das Wort erhob, zum Bräutigam diesmal: ,,Hey, da kann man nur gratulieren. Claire ist ein gutes Mädchen…"

,,…Jap…" pflichtete Keith bei, ,,…leider hat es keiner von uns bei ihr geschafft, als sie noch bei der BSAA arbeitete. Du kannst dich glücklich schätzen. Vor allem, da du ja offensichtlich ihren großen Bruder auf deiner Seite hast."

Matthew nickte, zuckte amüsiert mit den Schultern.

,,Wie sieht es aus, Jungs?…" fragte Leon die beiden BSAA Agenten, als er die frisch bestellten Biergläser verteilte, ,,…Trink ihr einen mit uns?"

Keith und Quint sahen kurz einander an, dann nicken sie…