,,Chris!…" Jills Hand suchte seinen Oberarm, ,,…Fahr nicht zu schnell ja…" Sie zitterte am ganzen Körper.
Besorgt blickte er neben sich, sah ihr in die Augen, dann wieder auf die Straße, ,,…Aber du sagtest, ich soll mich beeilen und…"
,,Ja, aber…" Jill legte den Kopf zurück gegen die Nackenstütze des Beifahrersitzes, sie spürte bereits einen immensen Druck auf ihrem Becken. Es fühle sich an, als würden beide Kinder aus ihr heraus fallen, sie nach untern ziehen. Ihre linke Hand huschte zurück unter ihren Bauch, mit der Rechten hielt sie sich an dem Griff über der Tür fest, ,,…ich will unsere Kinder nicht im Straßengraben zur Welt bringen und…außerdem wird mir bei den vielen Kurven nur schlecht und schwindelig. Du willst doch sicher nicht, das ich in deinen frisch gewaschenen Wagen reihere, oder?…"
Chris lachte plötzlich über ihren plumpen Ausdruck.
,,Hör auf zu lachen, oder ich bring deine Kinder augenblicklich hier zur Welt!" kratzte Jill schnappend zurück, grinse jedoch selbst.
,,Entschuldige…" dann wurde er ernst, ,,…Wie hältst du durch?" Sorge war in seiner Stimme zu hören, als er wieder einen kurzen Blick auf sie erhaschte. Er war aufgeregt und angespannt. Jill hatte von Null auf Hundert starke Schmerzen bekommen.
Es war ein Wunder, das er sie noch ins Auto hatte hieven können, immer wieder war sie in die Knie gegangen, hatte sich vornüber gebeugt, konnte nicht aufrecht gehen, ihre Schmerzen waren zu stark gewesen. Etwas stimmte nicht, das wusste er.
,,Du musst nicht - Oh Gott…" ihr Atem beschleunigte sich, ihr Körper spannte sich an, ,,…Oh Gott!…" sie kniff die Augen zusammen und Stöhnte unter einer weiteren, heftigen Wehe. Ihre Hand krallte sich in den Griff. ,,…Aau!…" Ihr Atem ging hechelnd und hastig, Schweiß stand ihr schon jetzt auf der Stirn und irgendwie fühlt es sich an, als wären es bereits Presswehen, was ihrer Ansicht nach völligunmöglich war, da noch keine zwanzig Minuten vergangen waren, als sie die ersten Schmerzen bemerkt hatte.
,,Das geht zu schnell…" das bemerkte auch Chris, ,,…beruhige dich, okay…Versuch ganz ruhig zu atmen."
Jill versuchte es, blickte starr vor sich hin und die Schmerzen ebbten etwas ab, auch wenn die Stiche in ihrem Rücken sie an den Rand des Wahnsinns trieben. Ihr Griff lockerte sich und sie legte beide Hände an ihren Bauch: ,,Das ist nicht so einfach…"
,,Dann kneif halt die Beine zusammen…" entgegnete er trocken, um sie aufzumuntern, um ihnen beiden etwas von den Sorgen, der Furcht zu nehmen, doch das schlug nach hinten los, als Feuchtigkeit in ihre Augen schoss.
,,Bist du okay?"
Sie nickte: ,,Ja…" sie schöpfte Atem, zuckte, ,,…Ahu…ich glaube, ich zerreiße…Wie lange noch?"
,,Fünf Minuten, dann sind wir im Krankenhaus."
Jill stemmte die Arme neben sich und setzte sich richtig auf. ,,Glaubst du da drin ist alles in Ordnung?" Sie sprach ihre Befürchtung aus, blickte zu ihm.
Für wenige Augenblicke trafen sich ihre Augen, ehe Chris auf den Verkehr zurück schauen musste. Er hatte ihre Angst gesehen und bei Gott, er hatte die selbe, doch er konnte sie nicht belügen, er wollte es auch nicht schön reden, hier ging es um ihre Zwillinge, also sprach er die Wahrheit: . ,,Ich weiß es nicht, Jill…"
Sie schluchzte los: ,,Oh, ich weiß, das da etwas nicht stimmt…" Sie fürchtete das etwas schief ging, konnte sich nicht erklären warum sie so plötzlich so heftige Wehen spürte. Einmal schon hatten sie ein Kind verloren und keiner von beiden wollte diese Erfahrung wieder machen.
,,Hey…" Chris tastete nach ihrer Hand, umfasste diese und drückte sie, versuchte ihr Trost und Aufmunterung zu spenden, ,,…Reg dich nicht auf, wir wissen noch nichts. Ich bin sicher, es geht alles gut. Weine nicht, okay? Versuch dich zu entspannen…" Er wusste noch wie lange es damals bei Eric gedauert hatte und war wirklich in der Erwartung, das es diesmal ebenso lang dauern würde, doch er erhaschte einen Blick auf die Uhr, als Jills Atem sich veränderte, eine weitere Wehe sie quälte und ihm verriet, das keine zwei Minuten vergangen waren. Er war zwar kein Experte, aber irgendwas drängte ihn zur Eile.
Jill schrie auf, das es Chris in den Ohren klingelte und sie konnte nicht anders, als die Beine so gut es eben ging zu spreizen. Es tat weh, es fühlte sich schon beinahe an, als würde eines ihrer Kinder sich durch sie durch arbeiten. Sollte sie ihre Kinder wirklich hier bekommen? Im Auto? Mitten auf der Straße?
Sie schluchzte erneut, sie spürte es, wie eines ihrer Babys nach unten rutschte: ,,Ah…es kommt! Ich kann ihn fühlen!…"
,,Mach keinen Scheiß!…" geängstigt von ihren Worten huschten seine Augen ein weiteres Mal zu ihr, nervös war er selbst, fürchterlich aufgeregt, ,,…Jill kneif deine Beine zusammen! Wir sind fast da!"
Jill schöpfte hastig Atem, zittrig glitt ihre Hand zwischen ihre Beine, als sie etwas eigenartiges fühlte, etwas warmes und nasses und als sie ihre Hand zurück zog, mischten sich nur noch mehr Tränen mit den Schmerzen in ihrem Körper.
,,Ich blute…" keuchte Jill und versuchte sich ruhig zu halten. Sie versuchte sich einzureden, das trotz allem alles gut gehen konnte. Ihre Kinder waren gesund und stark, das hatte die letzte Untersuchung bewiesen. Chris gefror innerlich, als er die rote Flüssigkeit an ihren Fingern sah…
Lauthals schrie das Baby. Kreischend und quiekend. Es wandte sich lebhaft und in den Händen des Bereitschaft habenden Arztes.
Chris hatte es kaum geschafft Jill aus dem Wagen zu helfen, noch aufrecht zu halten, als sie schon mit einer Schwester und einer Hebamme in den Kreissaal hetzten. Jill hatte es kaum geschafft sich auf das Bett zu setzen und mit Hilf der Hebamme ihre Beinkleidung auszuziehen, als der Arzt hinzu kam und dieser hatte gerade erst die Untersuchungshandschuhe über gestreift, da erblickte der erste Zwilling auch schon das Licht der Welt, glitt dem Arzt in nur wenigen Augenblicken praktisch in die Hände.
Im ganzen waren noch keine zehn Minuten vergangen, vom Auto aus hier her.
Der Mediziner lachte unter seinem Mundschutz, legte das schreiende, noch mit Blut besprenkelte Baby vorsichtig in die Arme seiner nach Luft keuchenden Mutter. ,,Dieser kleine, quirlige Mann hier, hatte es aber ganz schön eilig."
Jill kam nicht um ein überraschtes Lächeln, legte die Arme instinktiv um ihren neugebornen Sohn und blickte zu Chris. Er teilet den gleichen ungläubigen Gesichtsausdruck wie sie. Das war es jetzt schon? Einer der beiden war schon da?
,,Woww…" hauchte er nur, blickte glücklich auf seinen Sohn und konnte nicht gar nicht richtig fassen, das es so schnell gegangen war. Er hatte doch kaum Jills Hand gegriffen, um ihr beim Pressen helfen zu können und jetzt hatte er bereits einen zweiten Sohn?
Chris lachte leise. Er war glücklich, das alles gut gegangen war.
,,So, ich glaube unter den schnellen Bedingungen hier, stelle ich mich kurz vor. Mein Name ist Doktor Henry Carver…" lächelt der Arzt und zog seinen Mundschutz unters Kinn, konnte seinem gegenüber allerdings nicht wirklich die Hand geben, da seine behandschuhten Finger noch voller Blut waren, ,,...Das war ja wirklich in aller letzter Sekunde." Der Mann war schon etwas älter, so um die Mitte Fünfzig, aber sympathisch und erregte Vertrauen.
Chris sah zu ihm und nickte: ,,Ja, danke, em…das ging jetzt alles wirklich viel zu schnell."
Die Schwester hielt dem Arzt die mittlerweile herausgesuchte Karteikarte von Jill unter die Nase, da Chris es noch im vorbei gehen geschafft hatte, sie an der Rezeption anzumelden.
,,Tja, es kann ja auch mal etwas schneller gehen, Mr…" Dr. Carver las den Namen seiner neuen Patientin und schloss daher auf den Namen des Mannes an ihrer Seite, ,,…Redfield…" der Mediziner blickte zu Jill, die von der Hebamme ein Handtuch bekommen hatte, um das Baby etwas zu säubern.
,,Oh Chris…" Jill lächelte, ,,…er sieht aus wie du…"
Das Baby war etwas ruhiger geworden, bewegte sich langsamer, doch es atmete. Ja, es ging ihm gut, das wusste Jill und es machte sie glücklich. Nach allem was war, war es doch gut gegangen. Sie hatte wieder ein Kind, ihr zweites. Sie konnte es kaum fassen.
Jill spürte Chris´ Hand an ihrer Schulter, sah ihn an und er teilte ihr lächeln.
,,Er ist perfekt…" hauchte Chris, blickte stolz zu dem neuen Familienmitglied. Er beugte sich zu Jill und hauchte ihr einen Kuss auf die Schläfe.
,,Mrs. Redfield…" begann der Arzt und fixierte ihre Augen, als sie aufblickte, ,,…ich gratuliere Ihnen, beiden…und habe gerade ihrer Karteikarte entnommen, das sie knapp sieben Wochen zu früh dran sind und wir erst Halbzeit haben, ist es in Ordnung, wenn ich Sie kurz untersuche? Nach dem zweiten Zwilling sehe? Die Schwester wird ihren Sohn zum Säuglingsstation bringen wo eine Kinderärztin sich seiner annimmt."
Jill nickte, blickte jedoch wieder zu ihrem Neugeborenen. Sollte der Arzt doch untersuchen wie er wollte, sie hatte ihren ersten Zwilling in den Armen, alles andere war ihr momentan noch egal.
,,Gott…" hauchte Chris, als er seine Hand an seinen warmen, Sohn legte. Seine Handfläche bedeckte fast den halben Rücken des Kindes, es war viel kleiner, als Eric damals, ,,…ich hab das ganz vergessen…woww…"
,,Hey Babyboy…wie gefällt es dir hier draußen?" Jill lachte sanft. Ihre Finger strichen über die Wange ihres Sohnes, sie freute sich, war genauso überwältigt und direkt in den Säugling frisch verliebt, sowie ihr Ehemann. Sie bekam nicht mit, was um sie herum geschah, bis die Hebamme hinzu trat. ,,…Mr. Redfield? Wollen sie die Nabelschnur durchschneiden?"
Chris blickte die junge Frau an und nickte. Er blickte grinsend zu Jill, folgte dann den Anweisungen der Hebamme und nahm die Schere. Er schnitt und er erinnerte sich einmal mehr zurück an die Geburt seines ersten Sohnes. Auch damals hatte er die letzte Verbindung zwischen Jill und seinem Sohn trennen dürfen. Es war etwas besonderes, etwas, das man bei jedem Kind nur ein einziges Mal machen konnte und es freute ihn, das er derjenige war, der es tun durfte.
Hätte ihm heute morgen jemand erzählt, er würde zuerst seine Schwester zum Altar führen und sich dann am gleichen Abend schon im Krankenhaus befinden, den ersten seiner Zwillinge auf der Welt wissen, hätte er lauthals los gelacht, doch nun war es so.
,,Okay…" die blonde Hebamme nickte, blickte dann auffordernd zu der Krankenschwester, die dann näher trat an Jills Seite.
,,Misses Redfield…" begann die kleine, Rothaarige, ,,…ich werde ihren Sohn jetzt zur Untersuchung bringen, ihn waschen und ankleiden, alles reine Routine okay?"
Jill nickte und ließ es zu, das die Frau sie und ihren Sohn trennt, sie ihn ihr aus den Armen nahm und kurz darauf aus dem Zimmer verschwand.
Jill wusste das. Bei Eric war es damals ähnlich gewesen und außerdem hatte sie noch immer den zweiten Zwilling in ihrem Bauch.
Ob das zweite Baby auch so schnell raus wollte, wusste Jill nicht, sie hatte seit einigen Minuten, seit der Geburt des Jungen keine Wehen mehr gespürt. Nun, sie hatte auch nicht wirklich darauf geachtet.
,,Okay, dann wollen wir mal sehn…" Dr. Carver begann mit einem Ultraschall, nachdem er Jill verdrahtet hatte und die Hebamme eine Decke über Jills Beine gelegt und ihr nachtblaues Oberteil hoch gereift hatte.
Jills Hand schloss sich dabei um die von Chris und sein Blick fiel unweigerlich auf ihren Bauch. Er war schon etwas kleiner, als noch vor einer halben Stunde.
,,Hat es sich schon gedreht?" wollte Jill wissen.
Ihre eigentliche Frauenärztin, Dr. Alexandra Green, hatte noch bei einer Routineuntersuchung vor vier Tagen festgestellt, das der zweite Zwilling, dessen Geschlecht noch immer unbekannt war, mit dem Kopf nach oben lag. Das war etwas normales und in den meisten Fällen, würde sich der Zwilling nach unten drehen, sobald der erste draußen war. Sie hatte sich keine Sorgen machen sollen.
Der Mediziner blickte Jill und Chris an und schüttelte den Kopf: ,,Noch nicht, aber das ist noch kein Grund zur Sorge. Es sind erst knapp fünfzehn Minuten vergangen seit der Geburt des ersten Zwillings und der zweite folgt meist recht schnell…" er überprüfte die Werte an der Wehenschreibmaschine, ,,…Der Herzschlag des Kindes ist stark, das ist ein gutes Zeichen, allerdings ist die zweite Fruchtblase noch nicht geplatzt. Auch ihre Wehentätigkeit hat für den Moment nachgelassen, wenn sich das in den nächsten fünfzehn bis zwanzig Minuten nicht ändert, werden wir die Fruchtblase zum platzen bringen, um die Geburt voran zu treiben."
,,Ist das Gefährlich?" fragte Chris besorgt. Noch immer hielt er die Hand seiner Frau.
Dr. Carver schüttelte den Kopf: ,,Nicht übermäßig, wir werden, wenn es überhaupt so weit kommt, sehr vorsichtig sein…" er lächelte, ,,…Keine Sorge, ich habe schon mehr als vierhundertsiebenundzwanzig Zwillinge gesund und munter auf die Welt geholt, darunter war mindestes die Hälfe in Frühgeburten ausgeartet. Hier wird es nicht anders sein…" er adressierte Jill, ,,…entspannen sie sich noch ein bisschen, wir werden ein paar Minuten warten."
,,Danke…" sagte Jill…
Kurze Zeit später schon hatte die Krankenschwester den gewickelten und gut versorgten Jungen zurück zu seinen Eltern gebracht.
Noch kurze Momente durften sie ihn halten, ehe er auf die Säuglingsstation zurück gebracht und in einen Brutkasten gelegt werden würde. Es war zwar alles gut gegangen und der neugeborenen Junge war für seine Verhältnisse doch recht kräftig und soweit gesund, doch immerhin waren die Kinder viel zu früh dran. Es musst noch auf einiges geachtet werden.
Doch die kostbaren Minuten bis dahin, schätzten Chris und Jill sehr.
Chris war Stolz und freute sich wahnsinnig seinen kleinen Sohn in den Armen zu wiegen. Es erfüllte ihn mit Glück und Freude. Er lachte leise: ,,Es kommt mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen, das Eric so klein war und jetzt? Jetzt ist er schon ein großer Bruder…"
,,Wie sein Daddy…" Jill stemmte die Arme neben sich und versuchte ihren großen Bauch in eine bessere Lage zu bringen, um ihren Rücken zu entlasten. Sie winkelte die Beine an, sah zu den beiden und lächelte: ,,…Wir haben uns noch nicht mal auf einen Namen geeinigt…"
Chris setzte sich zu ihr auf die Bettkante und sah sie an. Jill sah noch nicht so mitgenommen aus wie bei Eric. Klar, sie waren ja auch erst knappe fünfunddreißig Minuten im Krankenhaus. Er sah ihr an, das sie noch, oder besser gesagt schon wieder Schmerzen hatte, doch sie waren lange nicht so stark wie die Wehen vorhin.
,,Das letzte Mal hab ich den zweiten Vornamen ausgesucht, du den ersten. Sollen wir es diesmal umgekehrt machen?"
Jills Lächeln ebbte ab: ,,Komm mir jetzt nicht mit James…mein Kind wird nicht nach einem Butler benannt."
Chris lachte, streckte seine freie Hand aus, um seiner Frau einige verschwitzte, blonde Strähnen aus dem Gesicht zu streichen. ,,…Ich dachte da mehr so an James Bond, weißt du…" er scherzte, ,,…aber nein, ich hasse diese Anzüge und Smokings, das weißt du ja, em…und ich muss gestehen, ich hab mich schon vor Wochen entschieden."
,,Das hast du mir gar nicht gesagt, du hast entschieden?…" sie schloss die Augen, konzentrierte sich nur auf ihre Atmung und seine Stimme, versuchte den Schmerz zu vergessen.
Chris schluckte: ,,Ich wollte es dir schon noch mitteilen, im richtigen Augenblick, aber wir sind ja nicht mehr dazu gekommen."
Auffordernd blickt Jill ihn an, nachdem die Bauchschmerzen sich aushalten ließen. ,,Welchen?"
Er grinste und blickte auf das gemütlich schlafende Baby in seinen Armen. ,,Weißt du, mir würde…" er sah ihr in die Augen, ,,…Mir würde Evan gefallen."
Sie sagte nicht, lächelte nur wieder, da Chris noch nicht fertig war.
,,…es em…es bedeutet `kleiner, tapferer Krieger´ und naja…ich mag den Namen. Es passt auch gut zu `Eric´ und da dein Favorit `Andrew´ war, dachte ich an Evan Andrew Redfield."
,,Das klingt schön…" Jill schloss die Augen, der Name klang wie Musik in ihren Ohren. Chris sah wie glücklich sie war und das es ihr gefiel. Seine freie Hand nahm ihre.
Umgehend blickte sie wieder auf, sah in die Augen ihres Mannes, dann zu ihrem schlafenden Sohn in seinen Armen und beide wussten, dass es der perfekte Namen für den Kleinen war…
Chris strich ihr über die Schultern, den Rücken. Jill hatte sich nach vorne gelehnt, als eine ziemlich heftige Wehe durch ihren Körper rauschte. Sie stöhnte, atmete, tat was sie konnte und wieder kam er sich nur machtlos vor.
Fast eine Stunde war nun schon seit der Geburt von Evan vergangen und vor ein paar Minuten, nachdem Dr. Carver Jill erneut untersucht hatte, war ihre Fruchtblase zum platzen gebracht worden.
Mittlerweile war auch Dr. Alexandra Green eingetroffen und ging ihrem Kollegen zur Hand. Jill war nicht wenig beunruhigt darüber, da plötzlich zwei Ärzte, eine Hebamme und eine Krankenschwester um sie herum schwänzelten.
Das Baby in ihrem Bauch wollte wohl nicht so wirklich mitspielen, es hatte sich auch noch nicht gedreht, lag mit dem Kopf noch immer nach oben. Das war nur allzu klar, denn immerhin war Jill viel zu früh dran. Dieses zweite Baby war wohl einfach noch nicht so weit und darüber sorgte Jill sich sehr.
Chris sah es ihr an, erging es ihm nicht anders, denn war es kurz nach der ersten Geburt wieder recht leicht geworden, waren die Schmerzen für Jill jetzt umso größer. Chris blickte zu den beiden Medizinern. Der Mann und die Frau unterhielten sich leise, mit ernsten Minen, nickten, als würden sie etwas beschließen. Dann sah er zu, wie Jills Frauenärztin zu ihnen kam.
Jill schluckte und lehnte sich zurück in die Kissen, die leichte Decke spendete ihrem zitternden Körper kaum Wärme. Sie trug sie mittlerweile ein einfaches Krankenhaushemdchen, auch ein Armbändchen mit Namen hatte man ihr um das Handgelenk gelegt.
Schweiß stand ihr auf der Stirn, sie war blass und irgendwie fühlte sie sich nicht wohl. Die Wehen waren heftig, doch diese würde sie für ihr Kind schon durchstehen, so lange es eben sein musste. Allerdings war da noch etwas anderes in ihr. Etwas, das ihr weh tat und das sich überhaupt nicht gut anfühlte. Sie spürte einmal mehr, das etwas nicht stimmte.
,,Jill?…" Alexandra Green blickte sie an, nachdem sie kurz zu Chris geblickt hatte.
Müde schlug Jill die Augen auf, blickt ihre Ärztin an und versuchte ihre Sorge, ihre Befürchtung zu unterdrücken. ,,…Ist alles okay mit dem Baby?" Ihre freie Hand strich über ihren Bauch, die andere hielt die von Chris.
Die Ärztin stürzte die Lippen. ,,Das wissen wir nicht…"
Ein Schock.
Chris´ Herz sank in seine Knie. Sie wussten es nicht? Die Ärzte wussten es nicht? Was war denn überhaupt los?
,,…wir haben jetzt geraume Zeit gewartet…" sprach die dunkelhaarige Frau weiter, ,,…Das Baby hat sich nicht in eine bessere Geburtslage gebracht. Ihre Wehen sind bereits sehr stark und wir laufen Gefahr, dass das Baby in Steißlage geboren wird, wenn es so in den Geburtskanal rutscht. Es kommt leider auch hinzu, dass wir einen geringen Abfall der Herztöne des Kindes erkennen können und wir wissen nicht warum, da bisher alles reibungslos verlief…Vermutlich war die überraschende Geburt ein bisschen zu viel Aufregung für den zweiten Zwilling. Das Baby steckt das nicht so ganz weg, wie wir es gerne hätten…und…es kann natürlich auch sein, das es sich in der Nabelschnur verheddert hat und das diese das Baby daran hindert sich umzudrehen, das konnten wir so auf dem Ultraschall nicht sehen."
,,Aber…es kann doch ersticken…" Furcht zeichnete sich in Jills Augen ab, als neuer Schmerz durch ihren Körper zischte.
Dr. Green wollte, musste ehrlich zu ihr sein, sie blickte in die Augen von Chris, adressierte dann jedoch die Mutter: ,,…Im schlimmsten Falle ja, aber da das Baby nach wie vor noch so liegt, wie es die ganze Zeit über gelegen hatte, glaube ich eher, das die Nabelschnur es lediglich festhält. Mein Kollege und ich sind der gleichen Meinung und wir glauben auch nicht das dieses Baby auf natürlichem Weg geboren werden kann. Dafür herrscht der Stillstand schon zu lange…Wir würden Ihnen dringend zu einem Kaiserschnitt raten."
Jill sah zur Seite, ihre Augen suchten jene von Chris, flehten, bettelten und er verstand es.
Er setzte sich vor sie auf die Bettkante und legte seine freie Hand auf ihren Bauch. Er wusste, um ihre Angst. Sie wollte keinen Kaiserschnitt, sie wollte generell niemals wieder narkotisiert und ausgeliefert sein, die Kontrolle über ihren Körper verlieren, doch ihm war klar, dass das vielleicht die einzige Möglichkeit war.
Chris stürzte die Lippen, nickte, denn auch in seinen Augen stand Angst.
,,Misses Redfield…" Dr. Green blickte Jill in die Augen, ,,…Es wird allgemein dazu gedrängt Zwillinge schon dicht nacheinander auf die Welt zu holen, um eine eventuelle Sauerstoffunterversorgung des zweiten Kindes zu vermeiden…Ich meine, es ist allein Ihre Entscheidung und ich möchte Sie wirklich nicht beunruhigen, aber es wäre einfach in Anbetracht der jetzige Situation sicherer."
Jill sah zu ihrem Bauch, spürte eine neue Wehe heraufziehen und nickte daher. So sehr sie sich auch fürchtete, sie konnte das Leben ihres Kindes nicht gefährden.
Ihre Hand zitterte in der von Chris.
,,Jill?…" Chris wartete, bis sie ihn anblickte und er erkannte in ihrem Gesichtsausdruck nicht nur Angst, sondern auch den Schmerz neuer Wehen, die in ihr aufstiegen. Er war besorgt, ihre Blässe und ihr kalter Schweiß beunruhigten ihn sehr. ,,…Hey…bist du in Ordnung?" Er strich ihr über die Wange, da er wohl registrierte, wie abwesend sie war.
Zittrig ging ihr Atem, sie blickte ihm noch in die Augen, wollte etwas sagen, doch plötzlich verkrampfte Jill, als ein beißender, heller Schmerz in ihrem Bauch auf heulte. ,,Aaah!…"
She was dying!
Sie würde sterben, genauso fühlte es sich auf einmal an.
Jill spürte das Blut durch ihre Adern rauschen, ihren eigenen Herzschlag gegen ihre Brust hämmern und ihren Puls rasen. Etwas lief schief, etwas lief auf einmal ganz gewaltig schief. Wieso waren ihre Schmerzen plötzlich so stark, so anders? So brennend?
,,Aaau!…Chris!…" sie krümmte sich noch im selben Moment, krallte sich in seine Arme und drehte sich zur Seite. Es tat weh, etwas zerriss in ihr, sie schrie.
Alarmiert huschte der Arzt herbei, während Dr. Green bereits den Monitor, die Herzfrequenz des Kindes überprüfte.
Chris war erschrocken, hielt Jill an beiden Schultern fest, hielt sie im Bett, da sie sich aufbäumen wollte. Er konnte sich nicht erklären, was jetzt auf einmal passierte. Er blickte geschockt auf die schreiende Frau vor sich, deren beide Arme sich vor Schmerzen um ihren Bauch schlangen. ,,Was ist los mit ihr?" wollte Chris wissen. Schrecken stand in seinen Augen, denn Jill verhielt sich jetzt so anders, als bei der letzten Wehe. Ihr Schmerz war plötzlich anders, so groß. Chris war unfähig etwas zu tun. Jill litt.
Sie litt fürchterlich, rang nach Atem, krümmte sich unter einer erneuten Schmerzeswelle, die kaum aufzuhören schien. ,,Aahau…" erbärmlich klang sie, Tränen mischten sich unter die Schmerzen. Sie krallte sich in seine Unterarme, zitterte.
,,Der fötale Herzschlag fällt ab…" hallte die Stimme der Ärztin durch den Raum, gleichzeitig mit heftigem elektronischem Piepsen.
,,Hämorrhagie…" zischte die Stimme des Arztes zu seiner Kollegin in Chris´ Ohren, der Jills angewinkelte Beine fest hielt. ,,…Sie verblutet uns, wir müssen schneiden."
Sein Herz raste, als Chris den Kopf drehte, erblickte, das die Laken unter Jills Oberschenkel bereits dunkelrot getränkt waren. Blut.
Er sah das Blut seiner Frau, das Blut von Jill. ,,…Nein…" Etwas lief schief, etwas stimmte nicht. Etwas krallte sich erneut in seine Arme, Jill war es, ihr entwich erneut ein Aufschrei. ,,Chris!"
In ihren Augen sah er die gleiche Frage, die auch ihn plagte. Keiner der beiden wusste, was gerade passierte.
,,Lucy…bringen Sie Mr. Redfield in den Wartebereich." wies Dr. Carver an, reichte seiner Kollegin bereits eine Spritze.
,,Was…" Chris war unfähig Worte aus seinem Hals zu bringen, er nahm kaum wahr, das die Krankenschwester herbei kam und ihn bereits zur Tür schob, von Jill trennte.
Seine Augen waren nur auf den Kontrast durch das Blut auf den weißen Laken gelenkt. Er sah Jill, die sich den Bauch hielt, die sich umso mehr krümmte, als es nicht mehr seine Hände waren, die sie festhielten und er sah wie ihre Ärztin ihr eine Spritze gab, nachdem sie ihr eine Sauerstoffmaske aufgesetzt hatte und der Arzt und die Krankenschwester Jill schnellstmöglich für die Operation vorbereiteten.
Erst als die rothaarige Krankenschwester die Tür hinter sich schloss, ihm der weitere Blick auf seine Frau verwehrt wurde, realisierte Chris, was gerade im Gange war.
Nervös fixierte er die Augen der jungen Frau: ,,Was ist passiert? Was ist mit Jill?" Er konnte es sich nicht erklären.
,,Mr. Redfield, Ihre Frau hat aus noch unbekannten Gründen eine starke Blutung bekommen, ein Notkaiserschnitt ist die einzige Chance, die sie und das Baby noch haben."
,,…noch haben?…" Chris verstand nicht. In Millisekunden hatte sich alles geändert…
Eric lachte endlich wieder, malte ein Bild mit Buntstiften aus seinem kleinen Rucksack, den seine Mutter ihm am Morgen gepackt hatte.
,,Das malst du aber schön…" Kathy besah sich die Strichmännchen und das Gebilde, das man als Hund bezeichnen konnte.
Der kleine Junge nickte: ,,Ist für mein Daddy…" Er hatte dank Kathys Beschäftigungen die ganze Aktion um Carlos recht gut verarbeitet.
Alle warteten noch immer in der kleinen Halle, hatten sich unterhalten und Rebecca hatte sich mehr als einmal entschuldigt. Keiner nahm es ihr übel, im Gegenteil. Jeder verfluchte Carlos und seinen alkoholisiertes Benehmen.
,,Und du bis sicher, das sie nicht noch woanders hingefahren sind?" wollte Claire von Leon wissen. Nervös ging sie auf und ab, machte sich Sorgen um ihren Bruder, da dieser und Jill schon ziemlich lange weg waren.
,,Ja…" entgegnete Leon. Er hatte Chris und Jill im Krankenhaus getroffen, ehe Chris dort verarztet worden war, ,,…sie wollten nur kurz nach hause, damit Chris sich umziehen kann und dann wollten sie direkt wieder her kommen."
Angela, die an seiner Seite saß, ihre Hand lag auf seiner Schulter, hob die Augenbrauen und stellte eine Vermutung auf: ,,Vielleicht stecken die beiden irgendwo im Stau?"
Claire war noch immer nervös: ,,Und wieso geht mein Bruder dann nicht an sein Handy?…Das ist nicht seine Art…" sie schüttelte den Kopf, stemmte die Arme in die Hüfen, ,,…Da stimmt doch etwas nicht."
,,Schatz…" Matthew kam zu ihr, legte seine Hände auf ihre, ,,…es ist sicher alles in Ordnung. Beruhige dich."
Barry strich sich beiläufig über den Bart, stand neben dem Tisch, an dem seine Frau und Chris´ Sohn saßen: ,,Vielleicht sind sie noch einmal auf Carlos getroffen und…"
,,Ach nein…" unterbrach Kathy ermahnend, ,,…der hat uns heute schon genug Ärger gemacht."
,,Und liegt sicher verwahrt in einem Krankenhausbett…" vollendete Leon, blickte in die Runde, ,,…Er hat zwar nur ´ne leichte Gehirnerschütterung, aber die behalten in über Nacht zur Beobachtung da, zumal er voll wie eine Ampel ist und außerdem weiß er ja überhaupt nichts davon, das Chris und Jill ebenfalls dort waren."
,,Also ich denke, die kommen jeden Moment…" Matthews Vater hatte einen Schluck Wasser getrunken, blickte auf seine Armbanduhr, ,,…Ich meine, die sind doch erst weg seit…" Er pfiff.
Es ging jetzt schon auf halb elf zu.
Rebecca saß auf dem Tisch, nickte: ,,Ja, die sind seit annähernd drei Stunden weg. Es wird Zeit, auch für Eric. Kein Kind seines Alters sollte um diese Zeit noch auf sein."
,,Bin aber nicht müde…" protestierte das Kind, ,,…will auf Mama und Papa warten."
Kathy lächelte, tauschte einen amüsierten Blick mit Barry und strich dem Jungen über den Rücken: ,,Aber natürlich, sie sind sicher bald wieder da."
Ein Piepen unterbrach den Freundeskreis. Claire zuckte erschrocken zusammen, grinste dann, denn es war ihr Handy, das in ihrer Tasche klingelte.
,,…Sorry…" sie huschte weg von ihrem grinsenden Ehemann, zurück zu dem Kinderwagen, in dem ihre Tochter seelenruhig schlief, ,,…da will sicher noch jemand gratulieren…" Sie fischte das Telefon aus dem Beutelchen und blickte auf das Display. Die Nummer kannte sie nicht.
,,Wer ist es?" fragte Matthew.
Claire zuckte mit den Schultern: ,,Die Nummer sagt mir nichts…" dennoch nahm sie den Anruf entgegen, ,,…Hallo? Wer ist da?…" sie begann augenblicklich zu lächeln, ,,…Oh, Chris! Wir haben gerade über euch gesprochen. Wo bleibt ihr denn?…"
In den nächsten Sekunden ebbte ihr Lächeln allerdings ab, was natürlich auch Rebecca, Angela, Leon, die Burtons und Matthew und sein Vater mitbekamen. Verdutzt tauschten sie einander Blicke, ehe sie zurück zu Claire blickten und ihrem Gespräch lauschten.
Der Braut entglitten jedoch sämtliche Gesichtszüge: ,,…Was?!…Warte, jetzt mal langsam Chris!…Was ist los?…" sie horchte, lauschte und Schock zeichnete sich in ihren Augen ab, ,,…Oh mein Gott!"
,,Ist was passiert?" wollte Matt wissen, kam näher, doch Claire hob die Hand, um ihm Einhalt zu gebieten, horchte weiterhin.
Sie nickte: ,,Okay, okay…Chris, reg dich nicht auf, wir kommen, okay?…" Tränen schossen ihr in die Augen, ,,…Wir sind unterwegs!"
Ohne weiteres beendete sie den Anruf, versteinert war ihre Mine, Schrecken zeichnete sich lediglich ab. Sie konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, sie realisierte kaum, was ihr Bruder ihr gerade mitgeteilt hatte.
,,Claire?" Matthew fasste ihr an den Am, drehte sie zu sich um. Er wusste augenblicklich das etwas nicht stimmte.
,,Was ist los?" wollte Leon wissen und erhob sich von seinem Stuhl.
Die Braut blickte zu ihm und Angela und nickte: ,,Es ist…" sie fand ihre Stimme nur schwer, ,,…Es ist Jill, sie…die Zwillinge."
,,Ist etwas passiert?…" Rebecca sprang ebenfalls auf, kam Claire näher, Sorge treib ein gemeines Spiel mit der jungen Ärztin, ,,…Sag es uns schon!"
,,Jill kriegt die Zwillinge, aber…" Claire schluckte, ,,…Chris sagte, irgendwas stimmt nicht, sie wird operiert!"
,,Um Gottes Willen…" hauchte Barry, teilte die Gefühle von Angela, Kathy und allen anwesenden, ,,…wo sind die jetzt?"
Claire blickte zu ihrem Ehemann, schüttelte den Kopf: ,,Ich muss da hin…mein Bruder braucht mich jetzt."
Matthew nickte, half Claire bereits in ihre Jacke, die sie von dem Stuhl gegriffen hatte: ,,Ich fahre mit dir."
,,Sollten wir nicht alle fahren?" fragte Angela in die Runde.
,,Nein…" entgegnete die Braut, ,,…ich meine, natürlich könnt ihr das, nur…Chris klang so verwirrt, beinahe im Schock, ich weiß nicht genau was los ist und…" sie brach ab.
,,Dann warten wir auf euren Anruf." sagte ihre Schwiegervater, nickte ihr aufmunternd zu.
Claire nickte, drehte sich zu Rebecca und griff ihr an die Schulter, während ihr Blick zu ihrer schlafenden Tochter ging: ,,Könntest du…"
,,Natürlich…" Rebecca griff Claire an die Schultern, wartete bis diese sie wieder anblickte und nickte dann, ,,…ich kümmere mich um die Kleine, macht euch keine Sorgen. Geh jetzt." Sie sah die Furcht in den Augen ihrer Freundin, wusste, wie Nahe sich Claire und Chris standen, das wusste jeder der hier anwesenden…
Komplikationen.
Das war es.
Chris hatte die ganzen letzten zwanzig Minuten gebraucht, um darauf zu kommen.
Komplikationen waren es, die ihn von Jill getrennt hatten und er wusste, das es nichts gutes verhieße. Es war ernst gewesen, darin bestand kein Zweifel, warum sonst hätten die beiden Ärzte plötzlich so zur Eile gedrängt.
War das jetzt die Strafe?
War das die Strafe, die ihm auferlegt wurde, weil er die letzte Zeit mit seiner Familie so glücklich gewesen war? Weil er sie letztes Jahr einfach…vergessen hatte?
War es die Strafe dafür, das Jill noch mal schwanger geworden war? War es nicht vorgesehen, das sie weitere Kinder bekommen durften und musste Jill dafür jetzt sogar mit dem Leben bezahlen?
Schwer war sein Kopf, den er mit beiden Händen auf den Knien abstützte. Unruhig wippte Chris auf und ab. Das Warten machte ihn fertig.
Er war zu nichts fähig.
Chris konnte kaum atmen.
Es wunderte ihn, das er es überhaupt geschafft hatte Claire anzurufen, denn bewegen konnte er sich nicht mehr, zu groß war seine Angst davor, das gleich die Tür zu den Operationssälen aufging und eine schlechte Nachricht auf ihn zukommen würde.
…Nicht schon wieder…
Er wollte einfach nicht schon wieder um Jills Leben bangen müssen. Das war zu oft schon der Fall gewesen und er fühlte sich jetzt genauso hilflos wie damals, als sie ihre Fehlgeburt erlitten hatte, wie damals als er sie schon einmal verloren hatte, in Europa vergebens um sie gesucht hatte, in der stürmischen Nacht im Spencer-Anwesen.
…Oh Gott sie darf nicht sterben…bitte…ich tue alles, aber…nimm mir nicht meine Frau…nimm mir Jill nicht weg!…
Ein Schniefen war zu hören, als er sich seine Tränen verbiss…
