Rebecca lachte.
Sie lachte herzlich und unbeschwert über den Witz den Chris gerade von sich gegeben hatte.
Das sah Jill und es gefiel ihr ihre Freundin so zu sehen.
Zu lange schon war Rebecca nicht mehr so fröhlich gewesen. Zu lange schon hatte sie viel zu viel dran genagt, was mit ihr und Carlos gewesen war. Doch seit letzter Woche, seitdem die Scheidung endlich durch war, war die junge Ärztin wieder fröhlich, vollkommen sie selbst.
Carlos hingegen war verschwunden. Man hatte seitdem nichts mehr von ihm gehört. Es ging das Gerücht, das er wieder nach Honduras gegangen sei.
Jill zuckte innerlich die Schultern. Sie wusste es nicht.
Um ehrlich zu sein, war sie auch froh darüber. War Carlos ihr einst ein guter Freund gewesen, so hatte das Ereignis bei Claires Hochzeit das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht.
Niemals würde Jill vergessen, was um ein Haar mit Eric hätte passieren können. Das er sich hätte schlimm verletzen können, als Carlos so betrunken wie er war, mit ihm gestürzt war.
Doch es war glimpflich ausgegangen.
,,Also Chris…" Rebecca lachte noch immer, ,,…du bist so richtig fies, hat das die schon mal jemand gesagt?"
Der Agent lachte ebenfalls: ,,Ja…Claire…" er griff sein Glas und trank einen kräftigen Schluck der kühlen Limonade die Jill heute Morgen zubereitet hatte.
Es war heiß heute, an diesem fünfzehnten Juni. Sehr heiß. Schon seit rund drei Wochen rollte diese Hitzewelle über die Ostküste, die Sonne schien strahlend und hell, weshalb sich Chris und Jill mit Rebecca, die vorhin zu Besuch gekommen war, im Garten nieder gelassen hatten. Von hier aus hatten sie auch Eric im Auge, der vergnügt in seinem Sandkasten spielte, Chris selbst war es gewesen, der bereits einen Sonnenschirm über den Spielplatz des Jungen gestellt hatte.
,,Also wirklich…" Rebecca trank ebenfalls aus ihrem Glas, sie schüttelte den Kopf noch immer amüsiert über die Pointe.
Jill hob lediglich einen Mundwinkel. Sie hatte den Witz schon gekannt, Chris hatte ihn ihr gestern schon erzählt, drum wollte sie endlich ein neues Thema anschneiden. ,,…Jetzt erzähl mal, Rebecca…wie ist das Zusammenleben mit Marc?"
Die Ärztin nickte und grinste dabei bis hinter beide Ohren: ,,Es läuft super, ehrlich. Wir sind ein Team und das wichtigste ist…er hat nur Augen für mich."
Jetzt lächelte auch die Blondine: ,,Es freut mich für dich. Wirklich."
,,Ja…" stimmte Chris zu, ,,…Obwohl ich dachte, das man ein Trennungsjahr abwarten muss, wenn man sich scheiden lässt."
,,Das ist für gewöhnlich auch so…" erklärte Rebecca, ,,…Aber ich habe einen guten Draht zum Richter, der hat das ganze etwas beschleunigt. Nichts illegales, um Gottes Willen, denn ich würde mich für Carlos niemals strafbar machen, aber naja…der Richter war mir noch was schuldig."
,,Soll das heißen, du hattest ihm schon mal im Laufe deiner beruflichen Laufbahn das Leben gerettet?"
,,Du weißt ich habe Schweigepflicht, aber im Prinzip bist du gut im Erraten, Chris."
Der Agent nickte. So musste es also gewesen sein.
Ein quengeln erklang, nein gleich Zwei auf einmal. Unweigerlich drehte alle drei den Blick um Babyfon, das vor ihnen auf dem Gartentisch stand.
,,Oh, oh…" hauchte Jill und nahm das kleine Gerät an sich, ,,…Da sind wohl zwei aufgewacht." Sie machte sich schon dran auf zu stehen.
,,Soll ich dir helfen, Schatz?" ragte Chris.
,,Nein, nein, geht schon…" entgegnete Jill mit einem Lächeln, ,,…Die haben sich er die Windeln voll, damit komme ich schon klar." Sie zwinkerte ihrem Ehemann zu und verschwand dann ins innere des Hauses.
Rebecca sah den Blick des mittlerweile drei fachen Vaters. Sie schmunzelte: ,,Und wie läuft es bei euch? Die kleinen Würmchen halten euch sicher auf Trapp…"
Chris blickte zu ihr und nickte: ,,Ja, die ersten beiden Monate waren schon schlimm, mit wenig Schlaf verbunden und wir mussten zusehen, das Eric auch nicht zu kurz kam, aber mittlerweile schlafen die Zwillinge schon etwas mehr am Stück und es wird leichter…" dann lachte er, ,,…Aber wehe, beide haben gleichzeitig Hunger, da steht kein Bäumchen mehr, wenn das Gebrüll los geht."
,,Das glaube ich dir aufs Wort." Rebecca lächelte.
Sie blickte Chris weiterhin an, der noch einmal an seinem Glas trank.
Es war gut geworden. Ja, alles.
Rebecca hatte erfahren, was damals passiert war, hatte mitgebangt, doch nicht nur Jill hatte sich hervorragend erholt, auch die Zwillinge waren mittlerweile stark und kräftig geworden. Zwar mussten sie nun insgesamt noch rund drei Wochen im Krankenhaus bleiben, doch dann durften Chris und Jill sie endlich mit nach Hause nehmen. Mittlerweile war es ja Juni, über drei Monate her und niemand mehr dachte noch an die schweren Anfänge zurück. Nein, denn die glücklicheren Momente waren es, die das Ehepaar festhalten wollte. Und es funktionierte.
Evan Andrew war der Junge tatsächlich genannt worden und für das kleine Mädchen, nun, Rebecca fand, das ihre Freunde einfach den perfekten Namen gefunden hatten.
Evelyn Christina.
Nach ihrem Vater.
Wohlklingend und schön, wobei die Kleine jetzt schon einen Spitznahmen hatte, denn Chris und Jill nannten sie einfach nur Eve.
Eric, Evan und Eve…drei Namen die vollends zu den Redfields passten und Rebecca hoffte auf nun unbeschwerte Jahre für alle. Für die Refields, für Leon und Angela, für die Burtons, für sich selbst und natürlich auch für Claire und ihre kleine Familie…
Lächelnd kam Chris an diesem Abend aus dem Kinderzimmer seines ältesten Sohnes, da er ihn gerade zu Bett gebracht hatte, während Jill das Zimmer der Zwillinge verließ.
Es war schon dunkel draußen.
,,Schlafen die beiden?" wollte er wissen.
Jill lächelte ihm entgegen und nickte knapp. ,,Wie zwei Engelchen."
Grinsend nahm Chris die Hand seiner Frau, zog sie sanft zu sich: ,,Na bei deinen und meinen Genen, was soll da sonst auch rauskommen?"
Sie entgegnete nichts, lachte nur vor Glück und Zufriedenheit, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und hauchte ihrem Ehemann einen sinnlichen Kuss auf die Lippen.
Chris erwiderte diesen, schlang er doch noch seinen zweiten Arm sanft um ihren Rücken und dann, als beide sich wieder voneinander lösten, den Blickkontakt suchten, stürzte er nur kurz die Lippen und sprach etwas aus, was nahezu jeder sehen konnte. ,,Ich liebe dich, Jill Valentine, weiß du das?"
Die Blondine schmunzelte vergnügt, ehe sie seine Nasenspitze küsste. Natürlich wusste sie es auch, dazu musste sie nichts weiteres sagen. ,,Na komm, du Charmeur…" sie zog ihn sanft mit sich, die Treppen hinab, ,,…Genießen wir den Abend, solange er noch ruhig bleibt."
Chris folgte ihr mit einem gleichen Schmunzeln.
Ja, obwohl ihre Zwillinge schon fast durchschliefen, war es immer mal wieder gegeben, das einer der Beiden aufwachte. Deshalb genossen Chris und Jill jede Zweisamkeit, die sie bekommen konnten, um nur für sich zu sein.
Gerade, als sie unten an der Treppe angekommen waren, den Flur an der Küche vorbei zum Wohnzimmer gingen, vibrierte Chris´ Handy in seiner Hosentasche.
Er stoppte, zückte es hervor und blickte auf das Display.
,,Oh…" Chris blickte zu Jill, die stehen geblieben war, ,,…ist Steven von der BSAA, ich geh kurz ran. Geh nur schon mal vor." Er deutete zum Wohnzimmer, wo eindeutig das spärliche Flimmern des Fernsehbildschirmes zu sehen war, da die Tür offen stand.
Jill nickte, drehte sich um und betrat das gemütliche Wohnzimmer, überlegte bereits welchen Film sie sich beide nachher anschauen konnten.
,,Hey, Steven…" begrüßte Chris seinen Kollegen, als er den Anruf entgegen nahm, ,,…Was gibt es?" Natürlich wunderte er sich nicht wenig, wieso Steven ihn um diese Zeit noch anrief. Denn selbst wenn es irgendwo einen Zwischenfall gab, war er doch nicht zuständig, da er nur für die Ausbildung der Rekruten verantwortlich war.
Aufmerksam lauschte der den Worten seines Freundes, doch als er kaum etwas verstehen konnte, hakte er nach, ,,…Steven? Ich kann ich kaum hören, was ist das für ein Krach im Hintergrund? Wo bist du?" Chris würde, wenn er schwören musste, darauf setzen, das im Hintergrund Schüsse zu hören waren und im gleichen Augenblick fühlte es sich in dem Agenten an, als würde ihm jemand in den Magen Boxen: ,,Wie? Was ist in Washington passiert?…Was ist los bei dir?" Aufregung peinigte ihn und als er die Worte seines Kollegen verstand, konnte er ihnen kaum glauben, ,,…Was? Ein Angriff?…" Chris kam nicht umhin zu schmunzeln, glaubte er auf den Arm genommen zu werden, ,,…Ich soll mir meine Familie schnappen und verschwinden? Was redest du da, Steven?"
,,Chris!…Komm her, schnell!"
Jills ruf nahm ihm veranlasste ihn dazu rasch das Wohnzimmer zu betreten und was er da hörte, im Fernsehen sah, verschlug ihm sichtlich die Sprache.
,,…versuchen die örtlichen Behörden, Mithilfe der hiesigen BSAA-Agenten die Lage in den Griff zu bekommen…" sprach die Nachrichtensprecherin in einem Extrabericht, ,,...Ich wiederhole noch einmal…Am heutigen, späten Nachmittag wurde ein Anschlag mit Biowaffen auf die Stadtmitte von Washington DC verübt. Die örtlichen Behörden und die Mitarbeiter der Bioterrorism Security Assesment Alliance sind bereits vor Or und versuchen die Verbreitung der Seuche einzudämmen. Bisher ist allerdings noch nicht geklärt um welche Art Biowaffe es sich handelt. Es wird vermutet, das es sich, laut den Aussagen der Personen die Sichtkontakt mit den Infizierten hatten, um eine Art des C- Virus handelt, das bereits vor einem guten Jahr in Tall Oaks freigesetzt wurde…" sie Nachrichtensprecherin holte Luft, um weiter zu sprechen, man konnte unschwer die Angst in ihren Augen erkennen, die Furcht und das es ihr sichtlich zusetzte so etwas zu berichten, mitzuerleben, ,,…Das Militär ist neben der Eindämmung bereits dabei die Zivilisten zu Evakuieren. Es wird im allgemeinen Empfohlen die Stadt Washington zu verlassen, bis sich die Lage bessert. Wer sich hierzu veranlasst fühlt, soll dies allerdings auf ruhige Art und Wiese tun, um eine Panik zu vermeiden…"
Chris starrte wie gebannt auf den Fernseher, der die Bilder einer mutigen Reporterin und eines mutigen Kameramannes zeigte, gefilmt am Ort des Geschehens. Schreiende Menschen, Polizisten, Agenten der BSAA, Infizierte, Waffenschüsse, Feuer, Trümmer, ein einziges Chaos.
Er nahm nur noch die Stimme seines Freundes in seinem Ohr wahr, die ihm riet, die ihn drängte mit seiner Familie zu verschwinden und Jills Hand war es, die seine freie nun ergriff.
,,…und an alle Bürgerinnen und Bürger, die es nicht schaffen, aus der Gefahrenzone zu kommen, verbarrikadieren Sie sich in ihren Wohnungen, gehen Sie nicht vor die Tür. Hilfe ist unterwegs…"
,,Chris…" es war das Einzige, was die blonde Frau an seiner Seite hervor brachte. Während ihre Augen noch immer auf den Bildschirm starrten.
Chris schluckte, wusste, das die Nachrichten nichts Gutes verhießen, dennoch konnte er kaum einen klaren Gedanken fassen.
Ein Bioterroranschlag? Hier in Washington?
Jetzt war es also so weit.
Das, was niemand wahr haben wollte, war geschehen. Raccoon City und Tall Oaks würden nur kleine Wunden dagegen sein, das spürte Chris.
…Jill…
Das war das Einige, an was er denken konnte.
…Die Kinder…Claire…meine Familie…
Noch völlig neben der Spur, sprach Chris in sein Telefon zu seinem Kollegen: ,,Steven…wie sieht es aus?"
,,Beschissen, Chris…ich meine, China war ein Zuckerschlecken dagegen, wir können kaum etwas tun…nur hoffen…trotz Impfschutz hat es bereits Allan und David erwischt…echt…" der Agent am Telefon keuchte vor Anstrengung, ,,…seht zu, das ihr verschwindet, dauert nicht lange bis die BOW´s uns zurück drängen und sich bis nach Arlington ausbreiten, Ich kann nur hoffen, das wir sie lange genug in Schach halten können, damit die Zivilisten evakuiert werden können."
,,Okay, pass auf dich auf, Steven."
,,Du auch Chris und…der Boss hat nach dir gefragt, aber hey, Mann…deine Familie solle dir jetzt wichtiger sein, sieh zu, das du sie in Sicherheit bringst."
Chris beendete das Gespräch.
Bleich sah er aus. Geschockt. Er konnte kaum glauben, dass es wirklich passiert war. Alles würde sich ändern…
,,Musst du gehen?" Jill war es, die ihre Stimme fand, die genauso beängstigt drein Blickte wie er, da sie genauso gut wusste, das etwas schlimmes kommen würde.
Er schluckte, drehte sich zu seiner Frau und holte Luft um etwas zu sagen, dabei fasste er an ihre Schultern: ,,Geh nach oben, Schatz, pack ein paar Sachen ein, wir müssen hier erst mal verschwinden, bevor es zu spät ist."
Jill schluckte schwer.
…Weg?…Sie mussten hier weg? Hier war doch ihr Zuhause, wo sollten sie hin?…Mit drei kleinen Kindern?…
,,Geh…" drängte er, als sie nichts von sich gab, doch er konnte ihre Gedanken erkennen, ,,…Ich sage Claire und den anderen bescheid, wir machen einen Treffpunkt aus." Gerade als er sein Hand wieder packte, die Nummer seiner Schwester wählen wollte, um die er sich nicht wenige Sorgen machte, griff will ihm ehrfürchtig und beherzt an den Oberarm.
Sie wartete bis er in ihre Augen blickte, dann fragte sie aufgeregt und ungläubig: ,,Du geht nicht weg?"
Jill wusste, das er sehr pflichtbewusst war, das er der BSAA über loyal war und so hatte sie eigentlich schon fast damit gerechnet, das er wieder ins Feld ziehen würde. Umso überraschter war sie, als er den Kopf schüttelte.
,,Nein…" fest blickt Chris Jill in die Augen. An dem Anschlag konnte er nichts ändern, sein Ziel galt Einzig und allein nur noch einer Sache, ,,…Jill…sollte es zum schlimmsten kommen…" er versprach es sich selbst und auch ihr, ,,,…Ich werde bleiben, ich werde euch, dich und die Kinder nicht noch mal alleine lassen…"
-The End…?…
