~ Chapter Five ~
Er würde Bubotubler-Eiter spuckende Heuler entgegen nehmen. Er würde sich in ein Feld voller knallrümpfiger Kröter werfen lassen. Man könnte ihm ruhig einen norwegischen Stachelbuckel auf den Leib hetzen, mit einer notorischen Übellaunigkeit und einer Vorliebe für Reinblüter über einem Feuer, scharf gegrillt.
Zur Hölle, er würde sogar für zwei grauenvolle Wochen Longbottoms persönlicher Sklave sein.
Er wollte nur nicht nach Hause.
Etwas spät für eine Meinungsänderung, nicht wahr?
Ja, pflichtete Draco seiner inneren Stimme bei. Viel zu spät. Insbesondere seitdem Granger und er in finsterem Schweigen neben einander standen und warteten. Auf der Türschwelle von Malfoy Manor.
Draco wippte auf seinen Fersen, seine klammen Hände tief in den Taschen seiner Robe vergraben. Für einen wilden Moment lang, hatte er die Fantasie gehegt zu klingeln, Granger auf der Schwelle zurückzulassen und einen wahnsinnig schnellen Abgang hinzulegen, während er wieder in die Kutsche sprang und auf die Haupttore des Anwesens zu galoppierte.
Und als ob sie seine Gedanken lesen könnte, bemerkte er, wie Granger langsam ihren lockigen Kopf wandte und ihn mit einem unergründlichen Blick fixierte, bevor sie unmerklich näher kam.
Wenn sie wirklich Angst hatte, dann leistete sie hier aber einen verflucht guten Job, um es zu verbergen. Abgesehen von dem Allessagenden Zittern ihrer Hände, von dem er wusste, dass es typisch für sie war wenn sie aufgeregt oder nervös war, wirkte ihre Erscheinung äußerlich ziemlich ruhig.
Ihre kurze Reise zur Winkelgasse war unspektakulär verlaufen. Sie schien besser mit den Dingen klar zu kommen, als er es erwartet hätte. Draco hatte Tränen und Gestammel erwartet, was auch der Grund war, warum er einen festen Abstand zu ihr eingehalten hatte. Deswegen und natürlich wegen ihres scheinbar unendlichen Vorrats an bohrenden, nervtötenden Fragen.
Und Merlin, sie hatte Fragen.
An einem Punkt, wäre er fast geneigt gewesen, sie mit ihrer eigenen pfirsichfarbenen Unterwäsche zu fesseln. Er hatte sie unter einem Kissen im Motelzimmer entdeckt und hatte es bequemerweise vergessen zu erwähnen. Dafür hatte er aber dreißig Minuten lang ihre amüsante Suchaktion beobachtete. Er hätte ihr den Slip vielleicht gegeben, hätte sie zugegeben, dass er ihr fehlte.
Es war fast Mittag gewesen, als sie schließlich in die Winkelgasse appariert sind. Während seine Abwesenheit in der Schule, wohl bloß für ein paar gehobene Augenbrauen im eigenen Haus gesorgt hätte, würde Grangers Fehlen wahrscheinlich eine milde Panik auslösen. Also war es sein Vorschlag gewesen, dass sie ihren zwei stumpfsinnigen Nachläufern, die sie Freunde nannte und Professor McGonagall schreiben sollte. Die stellvertretende Hogwarts Direktorin würde es ohne Zweifel sofort riechen, wenn sich ihre Schulsprecherin in Schwierigkeiten befand.
Und Draco nahm an, dass sein Bett wohl unter "Schwierigkeiten" zu zählen war.
Als sie am Postgebäude angekommen waren, hatte er sich spendabel genug gefühlt um ihr ein paar Sickel Wechselgeld zu geben. Aber die undankbare, strubbelhaarige Besserwisserin hatte ihm daraufhin einen Blick verpasst, der ihm die Haare vom Kopf hätte weg brennen können. Und mit einem höchst empörten Schnauben hatte sie ihm schließlich das Geld mitten ins Gesicht geschmissen. Daraufhin war sie schließlich ins Gebäude gestürmt und hatte sein amüsiertes Grinsen nur um Sekunden verpasst.
Das Mädchen hatte die Eier eines Gryffindors in der Hose. Das musste er ihr lassen.
Er hatte sie von draußen beobachtet, für den Fall, dass sie etwas Dummes tat, wie ohne Vorwarnung loszuheulen, inmitten der Menge. Für ihn hatte sie bloß Grimassen, die gerunzelte Stirn und tödliche Blicke übrig. Aber für den fröhlichen, Postmeister mit Halbglatze hatte sie wohl all ihre Höflichkeitsfloskeln und strahlenden Lächeln reserviert. Immerhin hatte sie mehrere Gefühlsregungen. Ganz im Gegensatz zu Ron Weasley, der Gutmütigkeit zu einem völlig neuen nervtötenden Level katapultiert hatte.
Draco beobachtete wie sie die Spitze einer Feder mit ihrer kleinen pinken Zunge anleckte. Es war warm im Gebäude und Granger hatte sich die Kapuze vom Kopf gezogen. Der Wust an Locken hing über ihre linke Schulter und sie drehte gedankenverloren eine Locke zwischen den Nagelgekauten Fingern.
Für ein Mädchen, das keine zwei Knuts für ihr Äußeres geben würde, fiel Draco auf, dass sie überraschend feminin war. Es war nicht schwer den leichtfüßigen Gang zu übersehen oder das gewöhnliche Schwingen ihrer Hüfte, wenn sie durch die Gänge von Hogwarts hastete, bücherbeladen und schlecht gelaunt.
Wirklich, sie sollte besser ausgewählte Kleidung tragen. Die Lumpen, die sie trug, wenn sie nicht in der Schuluniform steckte, waren nicht viel besser als Kartoffelsäcke mit Löchern für die Arme. Rau, weit, figurlos und völlig uninspirierend.
Draco verstand viel von Kleidung. Neben einer heimlichen Vorliebe für Kräutershampoos (seine bevorzugte Wahl diesen Monat waren Rosmarin und Hawafena), hatte ihm dies seine Mutter vererbt. Seltsamerweise bemaßen seine Augen Granger und steckten sie anschließend in teure, dunkle Roben. Tief ausgeschnitten, um die weiche Haut zwischen ihren Brüsten zu zeigen.
Er blinzelte. Besser wäre natürlich, High-Heels und eine silberne schwere Kette um ihren linken Knöchel. Das Mädchen sah zum Teufel noch mal, noch besser aus, wenn sie überhaupt gar keine Kleidung trug. Je mehr Kleidung Granger trug umso nerviger fand er sie.
Oder vielleicht war es so, je weniger Kleidung sie trug, umso abgelenkter war er.
Ja. Daran lag es wahrscheinlich.
Er fragte sich, ob der gestrige Abend, den sie zusammen verbracht hatten ihre jungfräulichen Ansichten wohl etwas aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Es wäre eine Schande, wenn ein solch leidenschaftliches Mädchen wieder zu der frigiden Seite wechseln würde. Granger brauchte keine Kristallkugel um in ihre Zukunft zu blicken. Alles was sie tun musste, war der Hauslehrerin alles gleich zu tun. Minerva McGonagall war eine ausnahmslos fabelhafte stellvertretende Schulleiterin, aber sie besaß dennoch die sexuellen Reize eines Flubberwurms. Das war ziemlich unpraktisch, wenn man bedachte, dass Hexen länger lebten als Zauberer und ihr sexuelles Hoch erst später im Alter erreichten.
Wenn Granger sich die Mühe machen würde, ab und zu außerhalb ihrer Schulsprecherinnen Pflichten zu leben, hätte sie gemerkt, dass es noch angenehmere Ablenkungen außerhalb Hogwarts gibt, neben dem auf und ab marschieren in den Gängen der Schule, wie ein wesentlich hübscherer und besser riechender Argus Filch
Wie zum Beispiel einen mittelmäßigen Blowjob von Pansy Parkinson hinter den Gewächshäusern zu bekommen. Oder mit Maria Appleby und ihrer furchtbaren Stimme unter den Quidditchtribünen rumzumachen.
Oder war ihr vielleicht aufgefallen, was sie alles verpasste? Das würde ihr plötzliches Interesse an seiner Person erklären
Ein sehr interessanter Gedanke. Vielleicht war die Gryffindor Prinzessin nach allem doch bloß ein korruptes Miststück.
„Ahem, Malfoy." Mit einem Flüstern unterbrach Granger seine Gedankengänge. Er streckte den Rücken durch und blickte sie von der Seite an.
Ihre braunen Augen wirkten schwer vor Sorge. „Ich glaube, niemand kommt um zu öffnen." Sie griff ein zweites Mal nach der geflochtenen silbernen Klingel, als er sie mit erhobener Hand aufhielt.
Im selben Moment hörte er ein sanftes Schaben auf der anderen Seite der dicken Eichentür. Sie schwang unvermittelt auf und ein runzliger alter Hauself, gekleidet in einem rosanen geflickten Teewärmer stand nun im Türrahmen und blinzelte in die Höhe.
Die Augen der kleinen Kreatur schienen sich mit Tränen zu füllen und mit einem herzzerreißenden Laut warf er sich gegen Dracos Beine und umschlang sie heftig.
„Master Draco ist zurückgekehrt! Oh, Toolip freut sich so sehr!"
Draco zog eine Grimasse und schritt (mit der Hauselfe an den Beinen klebend) vorwärts in das dunkle Anwesen.
„Gut, dich zu sehen, Toolip.", erwiderte er jetzt und nicht in unfreundlichem Ton. Er gab der kleinen Kreatur einen Klaps auf den Kopf, während seine Augen sich wachsam im Foyer umsahen. Drinnen war es kühl, dunkel und etwas unheimlich. Genau wie es Draco in Erinnerung hatte. Das Sonnenlicht versuchte beinahe verzweifelt durch die überwucherten Fenster zu dringen. Einige verirrte Strahlen fielen auf den schwarz gefliesten Boden, der das Licht sofort wieder zu schlucken schien. Feiner Staub lag in der Luft und bewegte sich im Sonnenlicht. Keine Möbel standen mehr hier, dafür aber viele hölzerne Kisten, die fast den Weg zur hölzernen, ausladenden Treppe versperrten.
„Master Draco hat eine junge Miss mitgebracht!" Toolip wandte sich an Granger, die immer noch ziemlich beschäftigt zu sein schien, das Foyer mit großen Augen zu mustern.
Die Hauselfe sank in einen perfekten Knicks, das gewöhnliche Malfoy-Misstrauen vergessend. „Willkommen in Malfoy Manor, Miss."
Jetzt senkte sich Grangers Blick auf die winzige Kreatur. Draco verdrehte die Augen. Je schneller sie aufhören würde zu starren und sich wieder wie ein normaler Mensch verhielt, umso schneller konnte sie mit ihrem Anliegen Lucius aufsuchen.
„Das Haus wird dich schon nicht beißen.", sagte Draco schließlich und überreichte Toolip nun seinen Reiseumhang. Hermine schien sich lange genug wieder gefangen zu haben, um ihm einen finsteren Blick zu zuwerfen.
„Obwohl es dich vielleicht ausspucken könnte.", fügte er mit einem humorlosen Lachen hinzu. Wieder blickte sie eingeschüchtert drein, aber sie schaffte es, den Korridor zu verlassen und schritt nun langsam durch das Foyer.
„Wo ist mein Vater?", erkundigte sich Draco nun bei Toolip. Im Moment war die Hauselfe abgelenkt, während er mit Missfallen die zerknitterte Robe betrachtete.
„Master Lucius ist in seinem Büro.", informiert Toolip ihn jetzt, ihre hohe Stimme klang jetzt noch etwas höher. „Wünschen Sie ihn jetzt zu sehen?"
„Ja. Warum das Unvermeidbare hinausziehen?" Draco warf Hermione ein sadistisches Lächeln zu, bevor er ihr seinen Arm bot. Sie ignorierte ihn kalt.
Toolip ging voran. Draco folgte ihr und ihm entging nicht, dass Granger diesmal keine Einwände zu haben schien einige Meter hinter ihm zu gehen.
Es gab einfach keine reinblütigen Zauberer wie Lucius mehr.
Es ging weniger um die erschreckend vielen Halbblüter, als mehr darum, dass alle alten Normen und Werte einfach verdrängt wurden. Das Züchtigen mit der Peitsche zu Hause, das Predigen des Familienkodex, das Erlernen des Stammbaums. Wie man auf einem Pferd reitet, bis zum Verärgern der Ehefrau. Diese Dinge eben.
Den älteren Malfoy umgab eine unausgesprochene Eleganz, die Draco noch nicht völlig erreicht hatte. Lucius ähnelte Snape in vielerlei Dingen. Im besten Sinne. Was auch immer man über den Zaubertränkelehrer sagen mochte, er bewegte sich geschmeidig wie ein Panter.
Lucius war ihm ähnlich, natürlich vitaler und gefährlicher. Außerdem stand die Tatsache im Raum, dass Snapes Entscheidungen ab und an doppelsinnig waren, die Lucius' hingegen aber mörderisch und abscheulich. Und nun wusste dies auch die magische Welt. Obwohl Lucius Malfoy, wenn auch ohne Zauberstab, besser bewacht wurde als jede Prostituierte in der Nokturn Gasse, war er kein Mann mit dem man leichtfertig seine Späße treiben sollte.
Auftritt Hermine Granger, die in die wohl älteste Zaubererfamilie eingeheiratet hatte und durchaus als Ärgernis bezeichnet werden konnte. Vor allem, wenn sie nicht in die Annullierung einwilligen würde, bevor sie nicht eine nette kleine Goldsumme als Abfindung eingestrichen hatte. Obwohl Draco sich eingestand, sie wohl gut genug zu kennen, um diese Möglichkeit auszuschließen.
Granger interessierte sich nicht für Geld. Sie verhielt sich seltsam in dieser Angelegenheit.
Über die letzten Jahre war es Draco gewesen der die Galleonen hatte springen lassen müssen, für Essen und andere Notwendigkeiten auf Malfoy Manor. Lucius mochte vielleicht keinen einzelnen Knut besitzen, aber Draco war weit davon entfernt. Draco bekam jeden Monat einen großen Betrag seines Erbes ausgezahlt, welches sein Großvater Julius ihm vermacht hatte. Dazu erhielt er von seiner Mutter einen nicht nennenswerten Betrag an Geld. Sie war nie sehr mütterlich gewesen. Ihre Wärme war mit einem arktischen Sturm zu vergleichen, aber Draco hatte sie sowieso mehr als hübsche Bekannte in Erinnerung, nicht als Mutter.
Geld war deswegen nie ein Problem. Der Sicherheitsfluch der über dem Haus lag und die Angestellten, die verständlicherweise nicht ohne Zauberstab arbeiten wollten, waren ein herber Schlag gewesen. Sein Geld konnte ihm nicht einmal helfen, das Haus in Ordnung zu halten. 300 Hektar Land waren für einen Zauberer und vier alte Hauselfen unmöglich zu bewerkstelligen.
Draco bezweifelte, dass sein Vater ihm Schuld an seiner Situation gab. Reue wiederum war etwas völlig anderes. Lucius war kein verrückter Mann ohne jegliche Art von Moral. Allerdings haben die Einsamkeit, die Verzweiflung und der teure Brandy über die letzten drei Jahre das Schlimmste in ihm zum Vorschein gebracht.
Es gab eine winzige Chance, dass Lucius die Nachricht der Hochzeit als Entschuldigung sehen könnte, um endlich durchzudrehen. Würde er durchdrehen, wäre er nicht der erste inhaftierte Zauberer dem dies passierte. Erst einen Monat zuvor hatte Cadmus Avery etwas wie ein Möbelmassaker in seinem eigenen Haus veranstaltet. Dann hatte er seine drei Hauselfen mit einem Samurai Schwert geköpft, bevor die Auroren ihn endlich niedergekämpft hatten. Ähnliche Alarmgegenstände waren auch über Malfoy Manor verteilt. Zauber wurden direkt in die Wände gesetzt. Das kleinste Zeichen schwarzer Magie würde die Auroren in Scharen in das Haus treiben.
Es wäre nicht besonders clever, würde sich sein Vater dazu entscheiden, Granger mit seinem schweren Briefbeschwerer zu Tode zu prügeln. Aber das wäre höchst unwahrscheinlich. Grausiger Mord war nicht der Stil seines Vaters. Wahrscheinlich würde die Aussicht, Grangers Blut auf seinem unbezahlbaren Aubusson Teppich zu haben, ihn von dieser Idee abbringen.
Draco stand nun auf dem eben besagten Teppich und hatte seinen Vater nun gerade darüber informiert, dass er tätowiert, verheiratet – und das mit einer muggelgeborenen Gryffindor - war, welche neben ihm zur Salzsäule erstarrt war.
Wenn die Hölle aufbrechen sollte, würde sie das in den nächsten Sekunden tun.
Auf den ersten Blick machte es den Anschein, als würde sein Vater die Neuigkeiten über ihren betrunkenen Ausrutscher besser als erwartet auffassen. Obwohl erste Eindrücke bei Lucius oft täuschten.
„Wie?", fragte Lucius jetzt, und schaffte es, Ekel, Schrecken und eiskalte Wut in einer einzigen Silbe zu vermitteln. Der ältere Zauberer stand in der Mitte seines Büros, noch gekleidet in seinen roten seidenen Morgenrock und er schien es zu hassen, dass es erst drei Uhr nachmittags war. Eine leere Kristallkaraffe und ein Schwenker, halb gefüllt mit Cognac, standen auf seinem Schreibtisch. Sein Haar hing ihm lang und ungekämmt über die Schultern und eine Vene zuckte beständig über seiner linken Schläfe.
Kein guter Anfang, überlegte Draco gerade, aber es gab wenig, um etwas daran zu ändern.
Er musste Granger zu Gute halten, dass Granger sich so gut wie nicht bewegt hatte, als er die Begebenheiten der letzten Nacht schnell und mit monotoner Stimme wieder gegeben hatte. Wahrscheinlich würde sie nur zu gerne ihre Meinung sagen, aber sie hielt es wohl auch für das Beste, dass Lucius leise und knapp informiert wurde.
Draco hatte die Erzählung mit ihrer Flucht von der Abschlussfeier begonnen, erzählte dann von ihrem Ausflug zu Snake und Stone, fasste die Tattoogeschichte mit der folgenden Hochzeit schnell zusammen und endete mit dem Erwachen am nächsten Morgen im dem Motel in London.
Es überraschte ihn in keinster Weise, dass sein Vater sie nicht ein einziges Mal angesehen hatte. Nicht von dem Moment an als Toolip sie in das Büro geführt hatte, bis zu dem Punkt der Geschichte, die von den Tattoos handelte. Sie könnt ebenso gut unsichtbar sein, der Aufmerksamkeit nach zu folgern, die Lucius ihr widmete.
Eine schrecklich lange Stille folgte der Erzählung. Das einzige Geräusch machten die toten Blätter, die der Wind draußen über die Grünflache jagte. Und natürlich das besorgte Murmeln von Toolip. Lucius schien es vorzuziehen stumm zu bleiben. Mit einer so langsamen Geste, die die Anspannung im Raum nur noch zu steigern schien, strich er sich eine lange blonde Strähne über seine Schulter zurück und griff nach seinem Schwenker.
„Der Zauber heißt, wenn ich mich nicht irre, Fida Mia.", erklärte Lucius nun mit so leiser Stimme, dass Draco ihn fast überhörte, hätte nicht jeder im Raum seinen Atem angehalten.
Er wusste, Granger würde diesen präzisen Moment für eines ihrer unzähligen „Aber ist nicht…" Argumente nutzen. Er behielt Recht.
„Aber ist Fida Mia in Brittannien nicht verboten?", fragte das Gehirn von Hogwarts jetzt in die Stille hinein. „Gerade weil man den Zauber nicht zurück nehmen kann? Ich meine, es wurde ja als Aufspürzauber verwendet, die paranoide Zauberer ihren Sklaven auferlegt haben, in Form eines Brandmarks, damit sie nicht fortlaufen konnte…"
Draco schritt bereits zu den gegenüberliegenden hohen Bücherregalen. „Oh, es gibt einen Gegenspruch, da kannst du sicher sein.", erwiderte er. „Ich glaube sogar, hier steht ein Text über alte…"
Lucius bewegte sich wie ein Lichtstrahl auf Eis. Hermine hatte nicht einmal die Zeit überrascht zu schreien, bevor sein Vater ihn grob zurückzog, und mit unglaublicher Kraft in einen gläsernen Tisch warf, auf dem sein unangetastetes Mittagessen stand. Der Tisch, sowie das Porzellan zerbrachen in winzige Splitter und Draco zog scharf die Luft ein.
Toolip schrie auf und versteckte das Gesicht in ihren Händen und ihr Murmeln wurde zu einem hohen Keuchen. Hermine hatte ihre Hand ausgestreckt, um Dracos Fall aufzuhalten, aber sie hatte es nicht geschafft. Stattdessen war sie selber gestürzt und das Porzellan splitterte noch mehr.
Ihr geschockter Blick als sie Draco aufhelfen wollte, war ein perfektes Gegenteil zu dem kalten Angriff seines Vaters.
„Nicht.", zischte Draco ihr zu und zog sich von ihr zurück. Ohne Worte, fielen ihre Hände schlaff zu ihren Seiten ab und sie versetzte Lucius einen Blick voller Abscheu und Hass.
„Wie viel Leid muss ich noch erdulden?", fragte Lucius nun mit einem verächtlichen Blick auf seinen Sohn.
„Du weißt doch, Erdulden ist Stärke.", entgegnete Draco jetzt und erhob sich wieder. Seine Finger presste er gegen seinen Mundwinkel der durch den Sturz aufgeplatzt war. „Das hast du mir doch gesagt.", fügte er kalt hinzu.
Die Antipathien im Raum waren nahezu greifbar. Hass lag in der Luft wie der Geruch des schweren Holzes der Wände.
Lucius machte dem jetzt ein Ende. „Toolip, du wirst meinen Sohn in seine Gemächer bringen. Ich wünsche allein mit Ms Granger zu sprechen."
„Nein.", war alles, was Draco dazu sagte.
„In Ordnung.", erwidert Hermine in derselben Sekunde.
Draco hatte sich zornig zu ihr herum gedreht. Hermine war so blass, dass die wenigen Sommersprossen beinahe krass hervor standen. Er versetzte Lucius einen Blick, den sie nicht einmal wagte zu deuten, bevor er mit raschen Schritten den Raum mit der Hauselfe verließ und die Türen hinter ihm ins Schloss knallte.
Lucius hatte sich hinter seinem Schreibtisch nieder gelassen schrie eilig einige Zeilen auf ein dickes Stück Pergament. „Ich werde Ihnen 15 Minuten meiner Zeit opfern, Miss Granger. Danach werden Sie in einem der Gästezimmer untergebracht. Bevor Sie morgen nach Hogwarts zurückkehren, werde ich eine Lösung für Ihr kleines Problem gefunden haben. Es wird dann an Ihnen und meinem Sohn liegen, dass sie sich um die besagte Lösung mit der erforderlichen Sorgfalt kümmern."
Er hielt kurz inne und hob seinen Blick zu ihren Augen. Er bemerkte ihre Furcht, wie ihre zitternden Hände.
„Ich sehe, Sie stimmen mit meiner Disziplin nicht überein." Er sprach mit gewöhnlicher Stimme als ginge es um das Wetter. Dennoch klang seine Stimme nicht völlig klar. Aus einem bestimmten Grund, linderte dies ihren Hass auf diesen Mann etwas. Er war betrunken. Das entschuldigte natürlich nicht, was er getan hatte, aber sie hoffte inständig, dass er ein besserer Vater war wenn er nicht aufgelöst vor Wut war.
„Sie missbrauchen Ihre Position als Elternteil. Und wenn Sie dies tun, erniedrigen Sie sich selbst, ihren Sohn und den Namen Ihrer Familie. Aber der letztere Teil ist ja sowieso irrelevant, nicht wahr?"
„Ich habe erdenklich wenig zu verlieren, Miss Granger."
Es war direkt unheimlich wie sehr er Draco ähnelte. Aber er war attraktiver als Draco, wenn so etwas tatsächlich möglich war. Lucius sah aus wie ein Gemälde von Goya, überlegte Hermine. Verwirrend den Inhalt betreffend, aber exquisit in der Erscheinung. Es war eine scharfe, rohe Art von Schönheit.
Dracos Züge hingegen, waren mehr maskulin. Er hatte vielleicht die stechende Augenfarbe seines Vaters geerbt, aber er besaß ebenfalls die markanten Züge der Blacks. Lange, feine Züge. Geschwungene Lippen und die gleichen breiten Schultern, die Sirius so ausgezeichnet hatten. Ein Teil von Hermine wollte fort von hier. So schnell sie ihre wackligen Beine tragen konnten. Ein anderer, weniger intelligenter Teil, wollte einfach sitzen bleiben und Lucius anstarren, wie eine gereizte Wildkatze im Zoo. Mit dem einzigen Unterschied, dass das, was sie von ihm fernhielt nur ein Schreibtisch aus Kirschholz war.
Oh Gott. Ihr wurde wieder übel.
„Meine Fehler sind meine Sache.", erklärte sie mit fester Stimme. „Selbst wenn ich es meinen Eltern sagen würde, bezweifel ich, dass sie mir auch nur ein Haar krümmen würden."
„Mein Sohn ist kein Findelkind, Miss Granger. Ich mische mich nicht in seine Angelegenheiten. Aber wenn er so dumm war seine Eroberung zu heiraten, nun…" Lucius lächelte jetzt. „Dann wird es zu meiner Pflicht ihm meine väterlichen Abneigungen deutlich zu machen. Aber lassen Sie uns zum Punkt kommen. Sie sind offensichtlich eine intelligente junge Frau, also drängt sich die Frage praktisch auf." Er verschränkte jetzt seine Arme. „Wie viel?"
„Für Draco?", fragte sie verwirrt und beleidigt. „Sie können ihn für einen Schokofrosch haben. Wenn Sie so etwas nicht besitzen, wie wäre es dann mit der illegalen, aber unbezahlbaren Sammlung an ägyptischen Flüchen, von denen es heißt, dass Sie sie versteckt hielten?", schlug sie jetzt vor, mit getäuschter Plauderstimme. „Oh, nein, warten Sie. All diese Dinge hat das Ministerium ja konfisziert, nicht wahr? Dann muss ich doch bei dem Schokofrosch bleiben."
Nun. Das war wirklich nicht übel gewesen. Wäre Ron zugegen gewesen, hätte er wahrscheinlich anerkennend gepfiffen und sich vor Lachen auf den Schenkel geschlagen. Es war amüsant zu sehen, dass Lucius sie für eine schamlose Goldgräberin hielt. Naja, die Wahrheit war ungleich schlimmer.
Wenn es auf Draco zu sprechen kam, war sie wirklich als mehr als schamlos zu bezeichnen.
Ein Muskel in Lucius' ansonsten ausdruckslosem Gesicht zuckte drohend. Wenn Blicke unverzeihliche Flüche wären, würde sie schon längst unter Todesqualen auf dem Boden liegen, überlegte Hermine jetzt.
„Stell mich nicht auf die Probe, Mädchen.", knurrte Lucius jetzt und lehnte sich ihr entgegen. „Niemand sonst weiß, dass du hier bist. Daran muss ich ja wohl nicht erinnern."
Das war nicht besonders klug von ihm. Hermine war enttäuscht. Sie hatte mehr erwartet.
„Ich will Ihr Geld nicht. Ich will nur raus aus dieser Ehe. Je schneller Sie uns eine Lösung bieten, umso schneller kann ich gehen."
Lucius schwieg für einen Moment und studierte ihr Gesicht. Er trommelte mit seinen langen Fingern auf dem Tisch.
„Gut. Ich gebe Ihnen den Namen eines Kontaktmannes. Ein Experte auf dem Gebiet der dunklen Zaubersprüche, welcher in der Lage sein sollte, den Fida Mia Spruch aufzuheben. Da ich dieses Haus nicht verlassen kann, liegt es an Ihnen und meinem Sohn, diese Heirat so schnell wie möglich zu annullieren."
Es bedurfte nicht viel Fantasie zu wissen, dass Draco vor der Tür warten würde.
Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, schloss sie die Türen fest hinter sich. Sie lehnte sich erschöpft gegen das schwere Mahagoni. Sie hatte kaum Zeit ihren Puls unter Kontrolle zu kriegen, da umfing Draco grob ihren Arm und zog sie mit sich, den Korridor entlang.
Er hatte eine extrem schnelle Dusche hinter sich, fiel ihr auf. Sein Haar tropfte auf den weißen Kragen seines Hemds. Er trug Jeans und sein Gesicht war von einem ziemlich besorgten Ausdruck gezeichnet.
Überraschenderweise hatte sie ihn in all den sieben Jahren des Internatlebens noch nie in etwas anderem gesehen, als in seiner Schuluniform, Quidditchklamotten oder Festroben. Es verstörte sie etwas zu sehen, dass Draco Malfoy ein Jeans besaß und sogar trug. Wie ein ganz normaler Teenager.
„Was hat er gesagt?", forderte Draco jetzt. Der Duft von Rosmarin stieg ihr in die Nase. Es musste sein Shampoo sein. Ihr fiel auf, dass die letzten Knöpfe seines Hemds falsch geknöpft waren.
„Sag es!", schnappte er wütend, als sie ihm nicht sofort geantwortet hatte.
Hermine seufzte langsam und begann ihre Schläfen zu massieren. Sie konnte die Kopfschmerzen bereits fühlen. Sie wollte nichts weiter als über einer dampfenden Tasse Tee zu entspannen, am besten in ihrem eigenen Zimmer in Hogwarts. Nicht wenige ihrer brillanten Ideen waren über einem dampfenden Becher gesüßten, schwarzen Tee entstanden.
Da sie sich diesen Luxus wohl nicht gönnen konnte, nahm sie Vorlieb mit dem nächst Besten, was sich bot. Einen zornigen Draco Malfoy ärgern.
„Dein Vater hat mir einen Schokofrosch und eine Fluchanleitung zum Austausch gegen dich angeboten. Ich denke, ich komme besser bei diesem Deal besser weg."
Oh ja, sie verbrachte definitiv zu viel Zeit mit ihm. Seine scharfe Zunge färbte langsam auf sie ab.
Für einen kurzen Moment lang wirkte er völlig verdutzt und überraschte sie dann, indem er hart um ihre Schultern griff und sie gegen die Portrait gesäumte Wand presste.
„Aufpassen, da unten!", murrte ein verschlafener Zauberer im nächsten Bild. „Keinen Grund einen zu wecken."
Hermine blinzelte vor Schmerz und ihr Kopf berührte nun den scharfkantigen Bilderrahmen. Zur selben Zeit rauschte ein unbekanntes Gefühl durch ihren Körper. Es prickelte auf der Haut ihrer Hüfte und ihres rechten Oberschenkels. Es kribbelte bis in ihre Zehenspitzen. Entweder hatte sich ihr Bein entschieden taub zu werden, oder der Drachen darauf erwachte gerade zum Leben.
Das Letztere machte ihr zu viel Angst. Vor allem ohne eine Bücherei auf deren Wissen sie zugreifen konnte.
„Kannst du keine Konversation führen, ohne mich in irgendeine Art Wrestlinggriff zu stecken?", spuckte sie ihm jetzt entgegen und grub ihre Fingernägel in seinen Unterarm.
Draco griff nach ihrem Kinn, um sie zu zwingen ihn anzusehen. Er war ihr nicht mehr so nahe gewesen, seit dem Morgen im Motelzimmer. Sie starrte in blaue Augen, klar wie eine Bergquelle, die ihr mit reiner Gehässigkeit entgegen funkelten.
„Hör zu, du verfluchtes Miststück", begann er, ihr frivoles Verhalten ignorierend, „in zwei Wochen erhalte ich genug Geld von meinem Großvater, um nie wieder in dieses Haus zurückkehren zu müssen. Ich gebe zu, dass du nicht vollkommen allein für diese Katastrophe hier zuständig bist, aber wenn du dich zwischen mich und mein rechtliches Erbe stellst, wird es dir mehr als leidtun."
Das waren tatsächlich Neuigkeiten. Hermine starrte ihn an. Ihr Gehirn arbeitete schnell, um diese Informationen zu verarbeiten. „Mein Gott, du hasst Lucius genauso wie alle anderen."
Eine steile Falte entstand zwischen seinen Augenbrauen und für eine Sekunde wirkte er nervös. „Du hast keine Ahnung, was es heißt zu hassen, Granger. Wahrer Hass bringt dein Blut zum Kochen und du siehst AK grün."
„Ich hasse dich.", erwiderte sie leise und wunderte sich fast, dass sie es tatsächlich so meinte.
Draco legte seinen Kopf zur Seite und bedachte sie mit einem prüfenden Blick.
„Nein.", sagte er jetzt entschieden. „Nicht wirklich." Und dann lächelte er. Ein breites Lächeln, das all seine weißen, geraden Zähne entblößte. Das Lächeln, welches er ihr geschenkt hatte, als sie sein Angebot akzeptiert hatte, die Feier zu verlassen. Sofort war sie misstrauisch.
Es war, als wäre sie in einer windigen Brise gefangen. Heftig und aufbrausend, aber alles in allem nicht unangenehm.
Besonders nicht, wenn man diese Art von Wetter mochte.
Aber schließlich passierte etwas Seltsames. Sein Blick wurde stechender und sie nahm die plötzliche Hitze wahr, die durch das dünne Material seines Hemds strömte. Die Wärme in seinen Augen war etwas völlig Neues, etwas das Hermine von ihm nicht gewöhnt war.
Völlig gefangen und neugierig hob sie langsam ihre Hand und berührte seinen linken Mundwinkel, der etwas dick und rot war, von seinem Sturz. Sie zitterte als sie ihren Daumen über den kleinen Schnitt streichen ließ und schließlich ihren Blick zu seinen Augen hob, nicht sicher, warum sie so dringend das Bedürfnis hatte, sich für seine Verletzung zu entschuldigen.
Seine Wimpern senkten sich leicht und es machte den Anschein als würde er tiefer einatmen als vorher. Er ließ ihr Kinn los, um mit seinen Knöcheln über ihre Wange zu streichen. Es schien ihr unmöglich, dass er noch näher kommen könnte, aber er tat es.
Es war Sommer und es war heiß, sicher, aber plötzlich wurde die Hitze zwischen ihnen völlig unerträglich. Die obere Hälfte seines Hemds war feucht von seinen Haaren und klebte an seinem Oberkörper. Das Material war durchscheinend, fast transparent und zeigt nur zu deutlich die Muskeln seines Brustkorbs.
Hermines Herz hämmerte in ihrer Brust und sie fixierte seine verletzten Lippen, die sich langsam teilten, Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt.
Was auch immer gleich passieren würde, beide würden es später bestimmt bereuen. Nicht zu vergessen, dass sie sich beide in der unmittelbaren Nähe eines ziemlich zornigen, momentan unzurechnungsfähigen Lucius Malfoy befanden. Nur eine winzige Bewegung ihres Kopfes oder das Atmen von Luft, die sie nur allzu bald brauchen würde, wäre in der Lage den Abstand zwischen ihrer beider Lippen zu schließen.
„Master Draco." Die hohe Stimme von Toolip unterbrach die Situation. Die Elfe stand keine zwei Schritte weit entfernt von ihnen. „Ich soll die Miss zu ihrem Zimmer bringen."
Draco versteifte sich und Hermine glaubte nicht, dass er sie loslassen würde, aber schließlich nickte er knapp. Diese Bewegung markierte klar das Ende ihres seltsamen Intermezzos.
„Ich garantiere dir, dass du mich hassen wirst, sobald wir fertig sind.", versprach er ihr mit einem Flüstern.
Bis auf den Boden gedemütigt, folgte ihm ihr Blick, bis sein doppeldeutiger Blick, sein warmer Körper und der Kuss, der nicht hatte sein sollen den Flur entlang schritten.
„Du bist ein elender Mistkerl.", erklärte sie jetzt mit vorgeschobenem Kinn.
„Es gibt viele Arten von elenden Mistkerlen, Granger. Mein Vater gehört zur schlimmsten Sorte. Also, pass auf deine Worte auf, bis wir zurück in Hogwarts sind." Drohend hob er den Zeigefinger, als wäre sie ein kleines Kind. „Ich werde es dir nicht noch einmal sagen."
Hermine blieb gegen die Wand gelehnt stehen, bis Draco an das Büro seines Vaters klopfte und hinter den Türen verschwand.
Oh, Draco Malfoy war definitiv ein elender Mistkerl, aber Hermine war sich noch nicht sicher in welche Kategorie er fallen würde.
Den Rest des Tages lotste Toolip Hermine zum Gästetrakt, welcher sich im Ostflügel befand. Dort würde sie bleiben, bis sie nach Hogwarts aufbrechen würden. Die Elfe erzählte von den architektonischen Begebenheiten des Hauses, wie man sich nicht verlief und natürlich erwähnte sie alle nennenswerten geschichtlichen Details.
Das Gästeschlafzimmer war überraschend karg eingerichtet, aber dennoch wirkte es prunkvoll, soweit sie das beurteilen konnte. Ihre Augen huschten über die schweren Thikmöbel und den meterlangen violetten Stoff, der über dem Bett hing und als Himmel diente. Es war wohl ein Gästezimmer für Mädchen, fiel ihr auf. Auf die Pastelltöne und pinken Seidenlaken zu schließen. Sie vermutete, dass die Räume für die Männer in schlichten Braun und Burgunda gehalten worden waren. Mit abgetrennten Hippogreif-Köpfen an der Wand und Streitäxten, für den Fall jemand wolle sich als dramatischer Todesser aufspielen…
„Gibt es sonst noch etwas, das Sie brauchen, Miss?", fragte die Elfe nach und riss Hermine aus ihren Gedanken. Sie schüttelte leicht den Kopf und ließ sich auf die Matratze sinken. Dann erst bemerkte sie den kleinen Becher mit einer dampfenden Flüssigkeit. Es musste ein Zaubertrank sein.
„Was ist das?", erkundigte sie sich und erhob sich wieder um das Gebräu näher zu war gerade damit beschäftig zwei enorm große Kissen vom Bett zu ziehen. „Sie müssen es trinken, bevor sie zu Abendessen.", erklärte die Elfe jetzt bedächtig.
„Ja, aber was ist es?"
„Es ist für das danach, Miss.", sagte Toolip jetzt etwas leiser.
Hermine runzelte die Stirn und hob schließlich den Becher hoch, um an dem Gebräu zu riechen. Lucius musste sie für ziemlich bescheuert halten, wenn er glaubte, sie würde irgendeinen Zaubertrank trinken, den er in seinem Haus gebraut hatte.
„Das Danach?", hakte sie jetzt nach. „Ich verstehe nicht."
„Sie sind doch mit meinem Master Draco zusammen, oder sind Sie es nicht?" Toolip sagte dies in besonders höflichem Ton und die Erkenntnis traf Hermine mit einem saftigen Schlag.
Die alte Elfe kam näher und tätschelte sachte ihren Arm. „Am besten nehmen Sie es heute. Wenn Sie einen Tag verpassen, schmeckt der Trank von morgen nur noch schlimmer." Toolip runzelte die faltige Stirn.
Hermine starrte hinab in die brodelnde Flüssigkeit, welche ihr freundlich entgegen zu winken schien.
„Toolip hat es gemacht. Ist nichts falsch mit dem Trank." Mit diesen Worten nahm sie den Becher und nahm selber einen Schluck zu sich. „Es schmeckt wie Asche, natürlich, aber ich habe etwas Honig für Sie hinein getan."
Floh Asche, Lotus, Mallobark und Senna Blume, mit Honig für den Geschmack. Auch bekannt als der „Old School" Verhütungstrank, den alle Fünftklässler erlernen. Viele Hexen und Zauberer benutzen heutzutage Magie, aber Hermine war sich nahezu sicher, dass weder sie noch Draco in der Lage gewesen waren den Contraceptus Zauber anzuwenden.
Sie stöhnte auf. Was war bloß los mit ihr? Nicht einmal an Verhütung zu denken? Gott, sie würde niemals jemals auch nur wieder einen kleinen Schluck trinken. Alkohol war böse. Es verzerrte das Bewusstsein und setzte alle moralischen Grenzen außer Kraft. Aber wenn sie im Kopf jetzt ihren monatlichen Zyklus errechnete, war es recht unwahrscheinlich, dass etwas passiert war. Aber sie war wirklich dankbar für diesen Trank. Vielleicht hatte sich Lucius im Arbeitszimmer furchtbar verhalten, aber immerhin war er noch so klar im Kopf gewesen Toolip zu sagen, dass sie einen Trank brauen sollte.
Hermine dankte der Elfe und trank langsam den widerlichen Trank.
„Arbeitest du schon lange hier?", fragte sie schließlich und fühlte sich langsam unwohl, als die Elfe immer noch nicht fertig war, dass Zimmer herzurichten. Offensichtlich hatte Lucius die klare Instruktion gegeben, dass Toolip bis zum letzten Tropfen des Tranks hier blieb.
„Oh, ja." Toolip nickte. "Ich arbeite hier lange. Ich bin Master Dracos Nanny."
Hermine verschluckte sich an ihrem zweiten Schluck. „Seine Nanny? Ich meine, du bist immer noch seine…?"
Toolip zuckte die Achseln, aber ein amüsiertes Funkeln erschien in ihren Augen. „Er braucht keine Nanny, nicht mehr, nein. Aber er macht trotzdem, was ich sage."
„Keine Frage.", erwiderte Hermine mit einem Lächeln.
Als Toolip das Zimmer mit dem leeren Becher verlassen hatte, ließ sich Hermine wieder auf das Bett sinken. Sie war sich nicht sicher, ob sie laufen oder sitzen wollte. Die stummen Tränen folgten erst vierzig Minuten später.
Nach langen drei Stunden voller Zweifel und Angst, gab sie ihrem Körper nach und kuschelte sich in die lila Seide des Bettes. Auch wenn alles in Kopf sich weigerte, irgendwelche Art von Komfort und Wärme anzunehmen, die von Lucius Malfoy kam.
Der Schlaf erlaubte ihr vielleicht eine kurze Verschnaufpause vom richtigen Leben, aber Hermine war sich der Tatsache, dass die nächsten zwei Wochen die Hölle werden würden, schmerzlich bewusst.
Besonders, wenn sie darüber nachdachte, wie sie es den Jungs erzählen sollte.
...
A/N: liebe die-na, vielen dank fürs kommentieren! tut mir richtig leid, dass ich das nur stückchenweise schaffe mit dem posten hier. der editor ist eine höllenqual, und wenn du dich für den rest der übersetzung interessierst, dann empfehle ich, auf meiner page weiterzulesen... da sind vierzig kapitel mehr online... und ich hab deinen kommi da schon gelesen! Switche hin und her, wie du siehst =)
wünsche dir hier und auf der page viel spaß beim lesen!
liebste grüße,
~ meg
