~ Chapter Six ~
Severus Snape litt an chronischer Schlaflosigkeit. Falls der Fall eintreten sollte, dass er wirklich einschlief, dann war sein Schlaf nur von kurzer Dauer und plagte seinen Geist mit der Art von Träumen, die die meisten Menschen lethargisch und für mehrere Stunden unansprechbar werden ließen. Tiefer, ruhiger Schlaf war etwas, was er nicht kannte. Es schien wie Ironie, dass der Zaubertränkelehrer unfähig, eher unwillig, war, einen Zaubertrank zu brauen, der ihn traumlos und sofort schlafen lassen würde.
Oh, es gab Tränke, natürlich. Dunkle, brodelnde, finstere Gebräue, die ihm jeden bewussten Gedanken, jede Erinnerung für so lange stehlen würden, wie er es wollte. Er braute sie niemals für sich selbst. Wahrscheinlich lag es an seiner sadistischen Veranlagung, überlegte er. Es gab wahrscheinlich bloß ein paar Menschen auf dieser Erde, denen ein solcher Schlaf zu gönnen wäre. Und er war sich sicher – er war bestimmt nicht einer von ihnen.
Ganz abgesehen davon, dass es völlig sinnlos war, war Snape schon recht früh zu Bett gegangen. Er ignorierte selbst die eher kümmerlichen Versuche, die seine Schüler als Hausaufgabe abgegeben hatten. Das Alter holte ihn langsam ein und er schaffte es nicht mehr bis in die frühen Morgenstunden zerfetzende Kommentare mit der Feder aufs Papier zu bringen, ohne dass ihm die Sinnlosigkeit des Ganzen aufging. Die Kälte der Kerker kroch ihm nun viel leichter in die Knochen. Und die Kerkerräume waren kalt, ohne Frage. Es schien als wären die warmen Gedanken, der gute Humor, die absolute Natürlichkeit des Schlosses ausschließlich in den gemütlichen oberen Stockwerken geblieben.
Er würde einen Arm und ein Bein dafür geben, wie ein Hufflepuff im ersten Jahr zu schlafen.
Das knisternde Feuer im angrenzenden Schlafzimmer ließ ihn die Brauen heben. Langsam erhob er sich wieder und griff nach seinem Zauberstab von seinem Nachttisch und der unausgesprochene Lumoszauber tauchte das Schlafzimmer in sanftes Licht. Es war weit nach Mitternacht, aber von den Geräuschen her zu schließen bekam er gerade eine Nachricht via Flohpulver.
Als Snape sein Büro betrat wartete der nächtlicher Gesprächspartner bereits ungeduldig in den kalten grünen Flammen des Kamins.
Lucius Malfoys Augen betrachteten ihn missmutig von den langen schwarzen Haaren bis zu den dunkellilanen Pantoffeln. „Für gewöhnlich schläfst du nicht so früh", entgegnete Lucius und verzichtete somit auf eine Begrüßung.
Snapes Lippen verzogen sich zu einem dünnen Strich und Furcht machte sich in ihm breit. Es würde also eine von diesen Nächten werden.
„Zusätzlich zu dem Bewerten - völlig unkorrekter und gefährlicher Zaubertrankproben, die mir die Idioten von Erstklässlern angedreht haben, musste ich auch noch Lupin diesen Nachmittag vertreten", erwiderte Snape jetzt. Er beschloss dem Wunsch nach schwarzem Kaffee nachzugeben. Schlaf zu finden würde diesen Abend wohl eine unerfüllte Hoffnung bleiben.
„Ah." Lucius lächelte. Sein Blick glitt zur Seite. Wohl um aus dem Fenster zu blicken. „Mir war nicht bewusst, dass der hoffnungslose Werwolf wieder zurückgekehrt ist. Ist es denn Vollmond heute Nacht?", erkundigte sich Lucius in höflichem Plauderton. „Ist mir nicht aufgefallen."
Snape braute sich einen starken Kaffee in der kleinen Küchenzeile, die er noch nicht in ein Zaubertranklabor verwandelt hatte. Er mochte seinen Kaffee so stark, dass er ein Loch in die steinerne Küchenzeile brennen könnte und er bevorzugte es, ihn magielos zu kochen.
„Gestern Nacht war Vollmond. Heute erholt er sich bloß."
„Du siehst furchtbar aus, Severus."
„Danke, Lucius." Snape ließ seinen Kiefer kreisen. Er hatte sich angewöhnt mit den Zähnen zu knirschen, wenn er versuchte sich zum Einschlafen zu bewegen. „Ich sehe, deine Inhaftierung hat an deinen Manieren nicht viel geändert."
Lucius hob eine weißblonde Augenbraue. Wenn man nicht genau hinblickte, war der Unterschied zwischen Lucius und seinem Sohn nicht zu erkennen. Die Ähnlichkeit war, wie immer, gerade zu unheimlich.
„Sollte es dann denn?"
„Nein, ich denke nicht." Snape seufzte. „Langweiliges Geplänkel war noch nie einer deiner Stärken gewesen. Lucius, ich gehe recht in der Annahme, dass du meine Ruhe für etwas Wichtiges unterbrochen hast? Der Gebrauch von Flohpulver in deinem Haus beschränkt sich auf eine Stunde die Woche. Du solltest dich also lieber kurz fassen und mir sagen, was du von mir willst."
Es gab Zeiten in denen eine solche Bemerkung Snapes Lucius zum Toben gebracht hätte. Aber diese Zeiten waren vorbei. Vorbei aber nicht vergessen, wenn er auf den eisigen Blick in Lucius' Augen schloss. Der jetzige Lucius Malfoy war ein Hurricane, gefangen in einer winzigen Stahlbox. Der Zauberer, der einst Angst und Schrecken verbreitet hatte war dabei langsam zu verschwinden. Schicksal und Konsequenz hatten ihn zur Aufgabe seines Zauberstabes und seines Willen gezwungen. Ohne beides war Lucius Malfoy nur noch ein einst respektheischender Name.
Snape hätte Lucius' Schicksal vielleicht amüsant gefunden, vielleicht sogar verdient, aber ihre gemeinsame Geschichte war zu dicht miteinander verbunden, als dass er sich eine moralische Überlegenheit hätte leisten können.
Vor allem nicht, wenn diese Geschichte so bleibende Narben hinterlassen hatte.
Lucius gut aussehender Kopf hatte sich nach oben gereckt und er schien unsicher zu sein, was er als nächstes sagen sollte. Snape war plötzlich sehr interessiert. Der ältere Malfoy war selten unsicher, selbst wenn er offensichtlich Unrecht hatte. Das war es, was ihn zu einer solch starken Persönlichkeit machte. Nicht jeder war fähig so unabdingbar und völlig unpassend von sich selbst überzeugt zu sein.
Und nur Lucius konnte Unrecht so gut aussehen lassen.
„Draco", sagte Lucius jetzt schlicht.
„Ich verstehe", erwiderte Snape jetzt betont langsam. „Aber ich fürchte, du musst etwas deutlicher werden."
Lucius antwortete indem er seine Hand hob und mit dem langen Zeigefinger gegen sein Ohr deutete.
Die Geste war klar. Dies war eine Konversation die bloß für Snapes Ohren bestimmt war. Diese Bitte war nahezu unmöglich zu erfüllen, da Lucius Flohnetzwerkverbindungen überwacht wurden. Trotzdem gab es Wege die Privatsphäre zu garantieren. Es würde ihn einen Bericht für Dumbledore kosten, aber dies war einer der Vorteile, wenn man als Doppelagent tätig war. Die beruflichen Freiheiten.
Snape zog seinen Zauberstab und murmelte den Zauber. „Desino subausculto."
„Hat er dir erzählt, dass er über das Wochenende vorbei kommen wollte?", fuhr Lucius jetzt fort, mit einer entschlosseneren Stimme.
Snape nickte und schien zu resignieren. „Dein Sohn hat mich bloß darüber informiert, wann er wieder kommt. Seine Abwesenheit hat eine leichte Panik unter seinen Freunden verursacht, die Sturm an meine Tür geklopft haben. Davon überzeugt, dass dein geschätzter Sohn völlig sturzbetrunken in ein bis jetzt unentdecktes schwarzes Loch im Schloss gestürzt ist."
„Ich habe vergessen wie groß er ist, wie schnell er wächst." Lucius blickte jetzt fast wehmütig drein, welches ebenfalls eine Eigenschaft war, die man an ihm nicht oft betrachten konnte. Snape wusste, was das leise Lallen in Lucius' Stimme verriet.
Definitiv ein Abend für das Denkarium, mutmaßte Snape. Er zog seine Brauen zusammen. „Ich würde es begrüßen, wenn du schnell zum Ende kommen würdest. Für mich gehört es nicht zum Alltag mit verurteilten Todessern zu völlig gottlosen Zeiten zu plaudern. Nicht gut für den Ruf, wenn du verstehst."
Lucius Blick war tödlich. „Du bist ein Bastard."
Mit Lucius' Missmut gestraft, fühlte er sich fast etwas schuldbewusst, da er diese Situation fast genoss. Sein Gesichtsausdruck blieb jedoch unverändert kühl. „Nur ein Bastard kann einen anderen erkennen…"
„Es liegt eine Situation vor, welche vielleicht deine Beihilfe benötigt", antwortete Lucius jetzt scharf. Er klang bereits genervt. „Draco ist in Schwierigkeiten."
Snape schnaubte auf. „Wann ist die lästige Frucht deiner Lenden mal nicht in Schwierigkeiten?" Er nahm einen tiefen Schluck der schwarzen Flüssigkeit und sank in seinen Lehnstuhl. Der Stuhl hatte einst Dumbledore gehört und war bestimmt schon acht Jahre über seiner Zeit.
Lucius verengte seine Augen. „Die Art von Schwierigkeiten, die nur Emmanuel Borgin beheben kann, du großer, überheblicher Schleimbeutel."
Das erweckte Snapes völlige Aufmerksamkeit. Er setzte mit einem lauten Klong wieder ab und erhob sich. Der Ausdruck in seinem Gesicht hätte die Erstklässler wahrscheinlich dazu gezwungen sich hinter ihren Kesseln zu verstecken. „Lucius, was in Merlins Namen hast du getan?"
Lucius blickte beleidigt zu ihm auf. „Es ist nichts, was ich getan habe."
„Auf was hat sich mein verflixter Patensohn dann eingelassen, wenn die fragwürdige Hilfe von Borgin beansprucht werden soll?"
Aus einem bestimmten Grund verursachte diese Frage einen amüsierten Ausdruck auf Lucius' Zügen. „Hermine Granger, allem Anschein nach."
Snape blinzelte. „Sag das noch einmal."
„Sie sind verheiratet. Sie haben sich dem Fida Mia unterzogen. Draco hat das Mädchen mitgebracht, um mich zu informieren. Ich muss gestehen, ich hätte…besser mit der Situation umgehen können." Lucius seufzte auf. Er betrachtete nun den geflochtenen Teppich auf Snapes Boden.
Lucius hatte Recht. Es war tatsächlich eine kleine Katastrophe. „Dieser Idiot…" Snape biss die Zähne zusammen. „Von all den idiotischen Dingen…!" Er schaffte es Lucius nicht zu fragen, was er seinem Jungen denn angetan hatte. Snape zwang sich Dracos Bild in seinen Kopf zu rufen, als er vor einigen Stunden bei ihm gewesen war und von seiner Rückkehr aus Malfoy Manor berichtet hatte. Draco hatte müde ausgesehen, aber ansonsten unversehrt.
„Es ist bloß eine Sache von schlechtem Urteilsvermögen gewesen und wir werden es schnell bereinigen", versicherte Lucius jetzt.
Snape atmete langsam ein. Wie wenig Lucius doch von der Person wusste, die Draco geworden war. Wie verzweifelt er diesen Jungen doch zu lieben schien. Es gab bloß einen plausiblen Grund, warum Draco das prekäre Risiko auf sich genommen hatte, seinen Vater wegen der Sache aufzusuchen und nicht ihn.
Wenn Draco Lucius' volle Aufmerksamkeit hatte erreichen wollen, dann ist ihm das wohl gelungen.
Und er hatte Hermine Granger unbemerkt auf diese Fahrt mitgenommen.
Junge, was hast du bloß getan?
„Lucius, das ist mehr als bloß schlechtes Urteilsvermögen. Fida Mia ist unumkehrbar! Und du bist dazu bereit ihn zu Borgin zu schicken um einen Gegenfluch einzusetzen?"
„Au contraire, Severus." Lucius verschränkte die Arme vor der Brust, einen scharfen Blick auf den eleganten Zügen. „Es gibt Wege und es gibt Wege."
Snapes Augenbrauen zogen sich zusammen. „Schwarze Magie?" Er schnaubte auf. „Ich bezweifel, dass Granger sich darauf einlässt."
Lucius jedoch bleib zuversichtlich. „Ich habe mit dem Mädchen gesprochen. Sie wird tun, was sie tun muss um diesen monumentalen Fehler auszumerzen und für den richtigen Preis wird Borgin ihnen helfen."
„Zwei Dinge…", begann Snape und schritt langsam sein Büro ab. Lucius verdrehte die Augen, mit einer harschen Geste, dass Snape fortfahren sollte.
„Technisch gesehen ist ein Gegenfluch für Fida Mia möglich, aber damit die Beschwörung wirkt, müssen beide Parteien vollkommen einverstanden damit sein, den ehelichen Bund zu lösen. Und wenn man die Komplexität berücksichtigt und die…" Snape hielt kurz inne, einen unsicheren Blick auf den Zügen. „…Intimität dieses alten Rituals, nehme ich an, dass weder Draco noch Miss Granger unter Zwang tätowiert worden sind?"
„Das soll heißen?", schnappte Lucius bitter, obwohl sein Unterton Snape deutlich mitteilte, dass er die Antwort bereits wusste.
„Draco ist ihr nicht abgeneigt", entgegnete Snape und ignorierte Lucius' überzogenes Keuchen. „Wenn sie vorhaben den Gegenfluch zu benutzen, sollten sie es tun, bevor Draco selbst sich dieser Tatsache bewusst wird."
Lucius blickt voller Wehmut zu ihm auf. „Ja, es ist mir aufgefallen. Er schien anzunehmen, dass ich vorhatte sie zu beseitigen."
Snape wollte nach seiner Kaffeetasse greifen, hielt jedoch kurz inne. „Hatte er Recht damit?"
„Ich nehme an, viel hat nicht gefehlt." Lucius ruckte mit dem Kopf als würden sie belanglose Themen wie das Wetter abhandeln und nicht vorsätzlichen Mord an lästigen Kindern.
„Ich habe keinen Sinn für deinen Humor", bemerkte Snape knapp. „Du hast ihm natürlich versichert, dass deine Muggelkinder-mordenden Zeiten vorbei sind, richtig?"
Lucius lächelte und machte eine wegwerfende Handbewegung. Den Blick, den er Snape zuteilwerden ließ, konnte als absichtliche Bosheit bezeichnet werden. Es war typisch Lucius und es war lächerlich charmant. „Wie du siehst, Severus, fehlt es mir nicht an guten Motiven, aber das ist ein anderes Thema. Was ist die zweite Sache, die dich beunruhigt?"
Es war wahrscheinlich nicht clever es ihm zu erzählen, mutmaßte Snape, aber jetzt gab es schwerlich etwas, was es noch ändern konnte. „Der Orden hegt die Vermutung, dass Voldemorts Rekrutierungskampagne in Hogwarts anlaufen wird", eröffnete Snape schlicht.
Auf diese dunkle Offenbarung folgte ein langes Schweigen. Lucius' Blick war nicht zu deuten, genauso wenig wie Snapes. Beide Männer schienen tief in Gedanken versunken und beide waren sich dieser Tatsache bewusst.
Snape ließ sich viel Zeit um den Becher erneut an die Lippen zu setzen.
„Draco ist weder ein Anführer, noch befolgt er Befehle", sagte Lucius schließlich sehr bedacht auf seine Worte.
„Er wird nicht teilnehmen, noch wird er wirkliche Versuchung verspüren es irgendwann zu tun", bestätigte Snape jetzt ebenfalls. Er war zufrieden über Lucius' Ansicht. „Aber diese Rekrutierung wird die Angelegenheiten noch komplizieren. Dein Sohn ist ein beliebtes Objekt. Gewisse… Fraktionen werden nicht besonders beeindruckt davon sein, dass er Lord Voldemorts Absichten zwiespältig gegenüber steht. Es wird über ihn geredet werden. Vor allem wenn seine Heirat mit Granger ans Licht kommt."
Lucius Augen verengten sich. „Dann wird sie nicht ans Licht kommen."
„Borgin wird eine Herausforderung sein", fuhr Snape fort. „Und eine zeitliche obendrein. Wenn Draco mit Granger beschäftigt ist, werden ihn die Rekruten womöglich abfangen. Aus den Augen aus dem Sinn, wie man so schön sagt. Der Junge hat eine ungesunde Neugierde, die ihn öfter in Schwierigkeiten bringt als ich es sagen kann. Ich kann nicht glauben, dass diese Worte meine Lippen verlassen, aber Granger könnte sich als recht guter Einfluss auf Draco erweisen."
„Guter Einfluss?" Lucius schnaubte empört. „Das Mädchen ist mutig, das lass ich ihr. Aber sie ist hoffnungslos naiv. Sie hat die Angewohnheit ihre Meinung an den unpassendsten Gelegenheiten kund zu tun."
Snapes Mundwinkel hoben sich leicht. „Du würdest überrascht sein, wie süchtig Ehrlichkeit machen kann, wenn man es erst einmal probiert hat."
„Ich glaube, es ist an dir zu sagen, was du damit wirklich meinst."
Snape war zu erleichtert ihm da zu widersprechen. „Wann wirst du ihm von seiner Mutter erzählen?", fragte er jetzt mit sanfter Stimme.
„Und was hättest du gerne, dass ich ihm sage? Dass ich mich geweigert habe, ihn Narzissa zu überlassen und dass diese verrückte Frau es mir auf die dümmste Weise zurückgezahlt hat?" Lucius schnappte nach Luft.
„Bei Merlin, Lucius!", entgegnete Snape zornig. „Seine Mutter wurde nicht von schlichter Verbannung dahin gerafft. Sie hatte so viel Opium im Blut, dass es einen Zentaur hätte umbringen können. Sie ist nun seit Monaten tot. Du musst es ihm sagen!"
Lucius' Antwort war ein Flüstern. „Er muss es noch nicht wissen."
„Draco ist kein Dummkopf. Wenn er Narzissas so genannte monatliche Beiträge zurückverfolgen wird, wird er wissen, dass sie von mir kommen. Seine Mutter ist tot, Lucius. Egal auf welchem Wege, er wird es erfahren. Du musst es dem Jungen erzählen, oder du riskierst es, das bisschen was du von ihm hast ganz zu verlieren.
„Und wäre das so schlimm?", fragte Lucius fast herausfordernd. „Für ihn?", fügte er kalt hinzu und sein Blick ruhte auf Snape.
Snape sah es nicht ein, seine Worte abzuschwächen. „Nein", gab er zu. „Er würde dich nicht vermissen. Und Lucius, du tätest gut daran, der momentanen Gottheit, die du in deiner Blasphemie anbetest zu danken, dass dein Sohn so viel mehr ist als du und so viel weniger zur selben Zeit. Lucius mied seinen Blick und zu Snapes Überraschung wurde sein Blick trübe. „Er hätte unser sein sollen, Sev. Deins und meins…"
Snape lachte verhalten, aber das Geräusch war eher trocken und völlig freudlos. „Selbst wenn moderne Magie einen Weg finden würde gleichgeschlechtliche Fortpflanzung zu unterstützen, denke ich, dass er ein grauenhaft entstelltes Monster geworden wäre. Sei dankbar, dass er Narzissas Grazie geerbt hat."
„Ja", bestätigte Lucius jetzt, den Blick immer noch gesenkt. „Du warst schon immer ein großer, dummer Depp."
Es war eine alte, vertraute Beleidigung zwischen ihnen. Eine, die für viele Jahre nicht gebraucht worden war.
Snape blickte in Lucius' Gesicht, dessen Blick sich immer noch irgendwo in der Leere verlor. Aber hinter dem verklärten Blick, von dem vielen Alkohol noch verstärkt, war Snape tatsächlich in der Lage den Mann zu erkennen, dem er ohne Zweifel völlig bedingungslos vor mehr als zwanzig Jahren gefolgt war. Manchmal war es seltsam Draco in seiner Klasse sitzen zu sehen, während er interessiert seinen Erläuterungen lauschte oder einfach ins Leere starrte mit Lucius' deutlichen Zeichen auf Dracos jungen Zügen.
So sehr wie sein Vater, dachte Snape jetzt. Es war ein beunruhigender Gedanke. Aber zum Glück für Draco, wurden die Ambitionen die Lucius in den Wahn der Obligation geführt hatten von Narzissas fehlender Persönlichkeit wett gemacht. Natürlich war Draco fies und manchmal wirklich bösartig. Aber der Junge würde sich selbst niemals erlauben als die Klinge von jemand anderem benutzt zu werden. Wie seine Mutter, war er viel zu selbstgerecht dafür.
Nicht dass Snape ein Unbekannter im Bezug auf das Folgen anderer war, ohne Logik oder Sinn, doch er hatte durch den dunklen Lord gelitten, wahre Schmerzen verspürt. Schon im Alter von siebzehn. Er erinnerte sich wie er auf Lucius' Hochzeit in der Menge gestanden hatte und beobachtet hatte, wie Lucius seine Lippen auf die kühlen roten Narzissa Blacks gepresst hatte. Er erinnerte sich an den suchenden Blick Lucius', der ihm gegolten hatte. Ein kurzes, schmererfülltes Lächeln.
„Ich habe plötzlich das Verlangen jemanden umzubringen.", sagte Lucius knapp. In diesem Moment sah er tatsächlich aus wie der 41-jährige Mann, der er war. Und wie ein besorgter Vater.
„Das erinnert mich, Lucius" Snape hob seinen Blick und brachte einen Hauch Kälte in seine Stimme zurück. „Verletzte deinen Sohn nur noch ein weiteres Mal und das nächste Treffen mit ihm wird in Askaban stattfinden. Verwechsel meine Hilfe nicht mit Freundschaft."
Lucius' Lächeln wirkte beunruhigend. „Ah, Severus, das würde ich nicht tun. Nicht noch einmal."
Snape musste nicht auf seine Taschenuhr blicken, um zu wissen, dass die Stunde der Flohkommunikation sich dem Ende neigte. Die grünen Flammen begannen im Rauch zu verschwinden.
Lucius bemerkte es ebenfalls. „Ich hoffe darauf, dass du mich informierst? Informationen von Draco zu verlangen ist genauso wie Lumos unter Wasser anwenden zu wollen…"
Snape verstand. Und er war plötzlich dankbar nicht selbst ein Vater sein zu müssen. Draco gab dem Wort stur eine völlig neue Bedeutung. „Meine Loyalität liegt bei meinem Patensohn, aber ich werde dich informieren."
„Meinen Dank, Severus."
„Oh und Lucius, da ist noch eine weitere Sache."
„Ja?"
Lucius starrte ihn an.
„Halt es für eine morbide Frage, aber würdest du sie beantworten?"
„Was würdest du tun, wenn du deine Freiheit wieder hättest?", fragte Snape jetzt.
Kein Zögern und keine Lüge lag in Lucius' Stimme als er sprach, was ebenso beunruhigend war, wie seine Worte.
„Meinen Sohn nehmen, ob er will oder nicht, und weglaufen", erwiderte der ehemalige Todesser nun.
„Du würdest ihn wirklich zu einer solchen Existenz zwingen?", fragte Snape jetzt. „Eine Existenz, bei der er jede Person hinter sich lassen muss, die er gekannt hat, immer auf der Flucht, immer versteckt?"
Die Flammen waren einer grünen Wolke gewichen und Lucius' Gesicht verschwamm langsam im Nebel. „Das würde ich", erwiderte er. Seine Stimme verklang bereits. „Innerhalb eines Herzschlags."
Die Flohnetzübertragung endete so abrupt als hätte man eine Kerze ausgeblasen.
Alles was von der vergangen Konversation geblieben war, war ein schwerer Geruch von Flohpulver im Kamin und die Tatsache, dass Snape hell wach war. Alarmiert und besorgter als er es zugeben wollte.
Er schritt hinüber zu seinem Schreibtisch und setzte sich. Es war ein schöner Schreibtisch. Eines der wenigen Dinge in seinem Leben, zu dem er eine sentimentale Verbindung hatte. Äußerlich hätte der Betrachter vier gleich große Schubladen entdeckt. Zwei an jedem Ende. Aber als Snape mit seinem Zauberstab sachte gegen die Mitte des Tisches klopfte und eine leise Beschwörung murmelte, erschien eine fünfte viel kleinere Schublade aus dem Nichts.
Die versteckte Lade sprang auf und ein kleiner Beutel aus grünem Samt kam zum Vorschein. Snape betrachtete den Beutel einen Moment lang, bevor er ihn aus seinem Versteck hob. Er spürte, dass seine Hände im Begriff waren zu zittern, aber als Meister der Zaubertränke konnte er sich eine solche Unprofessionalität nicht erlauben.
Vorsichtig stülpte er den Beutel nach außen. Im Material eingenäht befand sich ein winziger heller, goldener Schlüssel.
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A/N: liebe die-na, ich war schneller auf meiner page und hab dir da geantwortet : danke für deinen kommi!
