Chapter Fourteen

Peter Pettigrew war kein Naturfreund. Die vielen Jahre, die er als Animagus hatte verbringen müssen, hatten beträchtlich dazu beigetragen. Peter hielt es für eine Schande, dass all die Aufregung und Spannung, der Lebensmut für immer auf und davon zu sein schienen, wenn man verdammt dazu war, für mehr als zehn Jahre in Gestalt einer der niederen Kreaturen dahin zu vegetieren.

Er hatte genug davon dicht an der Erde zu leben, sich zu verstecken, im Dreck zu scharren und all die anderen unerfreulichen und widerlichen dinge zu tun, die eine Ratte eben tun musste, um zu überleben. In diesen Tagen zog er es immer vor überall aufrecht hin zu laufen, wo auch immer er hinwollte. "Scharren" war seit langen ein Schimpfwort.

Also lief er. Wann immer es möglich war. Es war nie ein wirklich aufrechter, eiliger Marsch, eher ein langsamer, lässiger Gang, der, Peters Meinung nach, durch und durch menschlich war. es gab aber gewisse Eigenarten des Rattendaseins, die sich nicht mehr umkehren ließen, war ihm zu seinem großen Bedauern aufgefallen. Da war das leichte einziehen seiner Schultern, das nervtötende Nasewackeln, wann immer er nervös wurde und die Tatsache, dass seine Fingernägel niemals wieder den gelben Schimmer verlieren würde oder ihr klauenhaftes Aussehen.

Mit diesen Dingen konnte er aber leben.

Was ihn jetzt beunruhigte war, der Blick auf Hogwarts, welcher ihn zwang vornüber gebeugt zu gehen, nervös zu zucken und zu seinem persönlichen Ärger, zu scharren.

Alte Gewohnheiten waren schwer loszuwerden und es lag auf der Hand, dass die Schule zu viele Erinnerungen trug.

Peter drückte sich am Waldrand herum und machte mit seinen menschlichen ungeschickten Füßen bedeutend mehr Lärm als mit denen der Ratte. Die Transformation hätte ihm diese Aufgabe hier bedeutend einfacher gemacht, aber er war nicht in der Stimmung dafür. Heute war er zu stur.

Er stolperte über eine Wurzel. Dies war unvermeidbar wenn man sich im Halbdunkeln herumdrückte. Er würde mit dem Zauberstab kein Licht machen, es sei denn, er war sich wirklich sicher, vor jedem menschlichen Wesen in Sicherheit zu sein. Peters Rattensinne, die immer abrufbereit neben seinen menschlichen (und nebenbei bemerkt, recht nutzlosen) Sinnen vorhanden waren, waren zum Zerreißen gespannt. Seine Nase roch den entfernten Geruch von Fleisch auf dem Grill irgendwo in Hogsmeade und sein Magen, der in den letzten Tagen keine Begegnung mit vernünftiger Nahrung hatte machen dürfen, knurrte laut zu seinem Missfallen.

Der abgesprochene Platz des Treffpunkts sah genauso aus, wie Peter ihn in Erinnerung hatte. Es war eine junge Eiche, mit kleinen Flächen voller weißer Blumen und roten Beeren, die etwas heller waren als altes Blut. Der gewöhnliche Betrachter hätte es für einen völlig herkömmlichen Baum des Waldes gehalten.

Aber Peter war nicht kein gewöhnlicher Besucher des Waldes und wusste, wieso dieser Baum etwas Besonderes war.

Die Esche war eines von Tom Riddles frühen Experimenten gewesen.

Der Baum war magisch, natürlich. Peters Rattensinn erkant den unmissverständlichen Geruch, der von ihm ausging; der sich in der Luft wie unsichtbare Rauch zu kleinen Wolken verschleierte und unwillkommene Tiere fernhielt. Es war keine dunkle oder helle Magie, welche immer einen metallischen Geruch in seiner Nase verursachte, sondern alte Magie, deren Geruch nur schwer zu beschreiben war.

Der Samen aus dem der Baum gewachsen war, hatte Tom Riddle in seinem dritten Jahr gesät. Einiges an Verschleierungszaubern, Ortungszaubern und Arithmatik waren nötig gewesen um den idealen Fleck im Wald an dem idealsten Tag zu finden. Wenn dieser schnell wachsende Baum ein Kräuterkunde-Projekt gewesen wäre, hätte Tom Riddle wahrscheinlich die volle Punktzahl und eine Auszeichnung erhalten.

Das Projekt wurde aber düsterer mit der Zeit, als Riddle begann dem Baum regelmäßige Blutspenden zu versetzen. Die seines eigenen Blutes natürlich. Mitten auf den Grund,. Wo sich die Wurzeln fest verankert hatten. Zauberschicht über Zauberschicht lagen auf dem Baum, wie Reben, der sich beständig seinen Weg nach oben bahnte und alles verschlang, was in seinen Weg kam. Die Zauber reiften mit den Jahren. Man konnte sagen, der Baum war Riddles Verwandlung. So wie die Ratte Peters Verwandlung geworden war.

Es hatte viel Kraft und Arbeit gekostet, den Baum wieder zu hegen und zu pflegen, und Voldemort hatte keine Versprechen äußern können, ob der Baum immer noch in Takt sein würde. Der Baum wuchs nun schon seit fast vierzig Jahren unentdeckt vor sich hin und besaß die Kraft von drei ausgewachsenen Männern. Voldemort hatte die alten Banne neu aufleben lassen. Der Baum erfüllte jedenfalls seinen Zweck, an einem schattigen Platz zwei Meilen vom Schloss entfernt.

So weit so gut.

Jeder, der das Dunkle Mal auf seiner Haut trug konnte sich gegen den Baum lehnen und eine ganze Hand voll Auroren hätten an dem Baum vorbei laufen können, ohne auch beim genaueren Betrachten entdeckt zu werden. Sie würden nur einen im Vergleich recht jungen Baum sehen, inmitten von hundert Jahre alten Bäumen.

Der Trick war, die Schulgründe von Hogwarts unbemerkt zu betreten. Der Baum lag vielleicht einen zehn Minuten Marsch vom Quidditchfeld entfernt, aber er lag immer noch in der erreichbaren Distanz eines patrouillierenden Aurors.

Am Ziel seiner Suche angekommen, fühlte sich Peter endlich mutig genug die Spitze seines Zauberstabes zu heben und spärliches Licht in die Dunkelheit hinaus zuschicken. Er erschrak, als er bemerkte, dass der Rekrut bereits da war.

Der Satansbraten lehnte an besagtem Baum. Vielleicht war es seine Fantasie, die ihm diesen streich spielte, aber er hatte das Gefühl als würde der Baum diese Geste mit unheimlich knarrenden Holz erwidern.

„Du kommst spät, Wurmschwanz.", sagte das Kind, dessen Gesicht halb im Mondlicht lag.

Peters Puls beschleunigte sich unwillkürlich als er die so bekannte und beunruhigende Gestalt von Harry Potter wahrnahm. Seine grünen Augen waren unheimlich erleuchtet durch den gelben Schimmer von Peters Zauberstab. Das verstrubbelte schwarze Haar lag wüst auf seinem Kopf und die vom Quidditch stark beanspruchten Hände, die die Esche beinahe zärtlich streichelten, waren größer und stärker geworden.

„Ich vertraue darauf, dass du das Schloss unbemerkt verlassen hast?", fragte Peter jetzt. Es gab Regeln bei diesen Treffen, egal ob es dem Kind passte oder nicht.

„Wenn man bedenkt, dass ich damit das ganze Jahr über keine Probleme hatte… Natürlich habe ich es unbemerkt verlassen." Peter hörte die leise Gereiztheit in seiner Stimme.

Peter war sofort schlecht gelaunt. Er hasste den Potterjungen mit Leidenschaft und wurde nur ungerne an ihn erinnert. Auch wenn er so viele Jahre in der Obhut verschiedner Weasley verbracht hatte, war er nicht besonders Kinderlieb. Teenager mochte er schon gar nicht. Und Potter repräsentierte alles, was er nur hassen konnte. Denn all das wäre er in seinem Alter gerne gewesen. Hass und Neid waren mittlerweile enge Bekannte für ihn geworden, stellte Peter beunruhigt fest.

„Der Dunkle Lord entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten im Verboten Wald.", wiederholte Peter die Worte seines Meisters.

Der Stansbraten schnaubte höhnisch. "Das sollte er auch. Nett, mir einen verseuchten Zauberstab zu geben! Ich nehme an, die Person, die den verhexten Zauberstab an erster Stelle gestohlen hat, ist bereits bestraft worden? Ich denke, unser Meister wird in dieser Angelegenheit keine Gnade zeigen, oder? Das Dunkle Mal besudelt mit dem Zeichen der Malfoy-Feiglinge…"

„Die Verantwortlichen wurden zur Rechenschaft gezogen, ja.", stimmte Peter mit ihm überein. Die Verantwortlichen waren wirklich absolute Idioten…

Die zwei Idioten waren der lebende Beweis, warum neues Blut so dringend gebraucht wurde. Ihnen wurde aufgetragen gestohlene Zauberstäbe sicherzustellen, komme was wolle. Der gammelige Ministeriumsbunker hätte ein leichtes Ziel darstellen können. – Für jeden mit einem Hauch von Verstand.

Es war schon schlimm genug, dass Ollivander plötzlich beschlossen hatte einfach zu verschwinden. Verlassene Zauberstäbe waren ein schwieriges Ziel. Secondhand-Zauberstäbe wurden nun genau bewacht und überprüft und es war wahrscheinlich einfach einen Zauberstab einfach zu stehlen, als sich durch den ganzen rechtlichen Papierkram zu kämpfen, um einen zu bekommen. Mit dem neuen Minister, der ad hoc Priori Incantatem veranlasste, bei jeder kleinen Unruhe, musste man wirklich vorsichtig sein, für was man seinen eigenen Zauberstab verwandte.

Es war auf jeden Fall vorteilhaft, dass die Auroren nicht viel weiter mit Zauberstab-Ortung gekommen sind, wie der Dunkle Lord selbst. Aber wozu die Auroren fähig waren, war, dass ein Zauberstab sofort losging und seinen Aufenthalt preisgab, sobald ein schwarzer Zauber gesprochen wurde.

Dass der gestohlene Zauberstab Lucius Malfoy gehörte war wirklich ironisch. Die Tatsache verwehrte sich keinem. Es war entweder Ironie oder Schicksal, und letzteres war kein Wort, dass man Voldemort gegenüber laut aussprach, wenn man noch vorhatte seine eigene Zunge zu behalten.

Falls es zu Malfoy durchdringen würde, was mit seinem Zauberstab passiert sei, dann würde der Verräter sich vermutlich vor Lachen kringeln.

Aber so weit hatte der kleine Rekrut gute Arbeit geleistet und sämtliche Spuren nach diesem kleinen Zwischenfall verwischt. Sie konnten sich keine Fehler leisten. Nicht, wenn es nur noch ein Woche war, bevor die momentanen Todesser-Kandidaten zu weit weg sein würden, um sich darum kümmern zu können.

„Machen wir dann genauso weiter wie immer?", fragte ihn der Satansbraten jetzt. "Ich nehme an, deswegen hat unser Meister dieses Treffen vereinbart."

Peter machte keinen Hehl aus dieser Sache. „Es gab Grund zur Besorgnis. Bist du fähig den Plan weiter zu führen auch wenn sich die Aurorenanwesenheit um das Schloss verstärkt hat?"

Die grünen Augen verengten sich. „Die ganze Angelegenheit mit dem Dunklen Mal und dass es sich in Lucius verfluchtes Zeichen verwandelt hatte, hat sich nur zu unserem Vorteil ausgewirkt, Pettigrew. Nicht nur hatte es den gewünschten Effekt auf die Leute, nein, jetzt sind alle Augen sogar auch noch auf Draco Malfoy gerichtet." Das Kind schenkte ihm ein katzengleiches Grinsen. „Die Hälfte der Schule denkt immer noch, er hat etwas damit zu tun. Die andere Hälfte bemitleidet ihn."

„Eine glückliche Fügung.", begann Peter. „Aber ich wurde geschickt, um zu sehen, ob du immer noch frei von Verdacht bist. Unsere Rekrutierungsarbeit wäre ruiniert, würdest du versagen."

Das Kind grinste. „Oh, Würmchen, ich wusste nicht, dass du so besorgt bist. Die Rekrutierungsarbeit unseres Meisters wird gut verlaufen, das versichere ich dir. Sag ihm, dass er sich nicht sorgen soll. Er hat mich und wir beide wissen, das ist alles, was zählt."

Das war zum Teil wahr. Ihre Seite konnte einige neue Monsters in spe gebrauchen, so wie jetzt eines vor Peter stand. Außerdem bestand die Tatsache, dass Metamorphmagi unersetzbar waren.

Peter reichte dem Satansbraten einen vollen Beutel. „Hier sind die Portschlüssel, wie vereinbart. Es sind drei Stück, die dem Ministerium gestohlen worden sind." Dem unbehaglichen Blick des Kindes ausgesetzt, fügte Peter schnell hinzu: „Diese wurden gecheckt und noch einmal gecheckt. Alle Portschlüssel sind frei von Markierungen."

Mit einem nun zufriedenen Blick wühlte sich der Satansbraten durch den Beutel. „Ausgezeichnet. Ich mag es, wenn du mir Spielsachen bringst, Würmchen."

„Das sind die Portale des Todes. Gefüllt mit Drachenblut." Er machte eine Grimasse als das Kind eines der Portale des Todes in die Luft warf und wieder auffing.

„Ich muss dich ja nicht daran erinnern, dass du extra vorsichtig mit ihnen sein musst!"

Der Satansbraten grinste ihm entgegen und hielt das erwähnte Portal dem Sonnenlicht entgegen. Es war ein gläserner Ball, gerade die Größe einer Orange. Im inneren der Kugel befand sich dunkle, böse Flüssigkeit. Drachenblut. Eine silberne Münze schwamm in der Mitte.

Er ließ ein sanftes Seufzen voller Wertschätzung ertönen. „Wunderschön. Wir haben nur von ihnen gelesen, versteht sich. Wirklich eins in meiner Hand zu halten ist etwas völlig anderes..."

„Da ist noch etwas.", fügte Peter hinzu. Zu seiner Erleichterung legte sein junger Mitstreiter den Portschlüssel wieder zurück.

„Ja?"

„Unser Meister verlangt ein Geschenk, wenn du in der Lage bist, es fertig zu bringen. Deine Zukunft in dem Neuen Orden wird sofort bestätigt wenn du uns Lucius' Sohn beschaffst. Lebend."

Peter war nicht auf den plötzlichen Wutanfall vorbereitet. „Es gibt nichts, nichts, dass ich euch nicht genauso bieten kann, wie Draco Malfoy! Was dieser verfluchte Blutsverräter tun kann, kann und werde ich besser machen. Sicher plant unser Meister nicht immer noch, ihn auf unsere Seite zu bringen!"

„Die Absichten unseres Meisters gehen dich nichts an. Hätte er vor, es dir leichter zu machen, würde er es dich wissen lassen." Peter konnte nicht widerstehen seine Worte mit einem hässlichen Grinsen zu unterstreichen. Die Entwürdigung die Rekrutierung einem Welpen zu überlassen, der nur halb so alt war wie Peter, nahm er Voldemort immer noch sehr übel.

Er beneidete das Kind. Wenn auch nur ein wenig.

Der Satansbraten wirkte immer noch skeptisch und blickte ihn argwöhnisch an. "Wieso nicht mehr Potter? Ich bin nahe genug dran um einen Versuch zu wagen." Das Gesicht von Harry Potter, mit seinem markanten Keifer und bemerkenswerten Wangenknochen schien sich anzuspannen und begann Wellen zu werfen, wie die Oberfläche eines unruhigen Sees. An seinen Platz trat nun ein herzförmiges Gesicht, mit dichten, langen Wimpern und einem kleinen geschwungen Schmollmund.

Peter starrte Hermine Granger an, und ihm fiel auf, dass nicht nur Potter um einiges reifer geworden war in den letzten zwei Jahren.

„Du wirst Potter in Ruhe lassen. Wir haben andere Pläne für ihn."

Das Kind nickte. „Ich mg diesen verbesserten Dunklen Lord. Diese ganze "schnappt Potter" Besessenheit war völlig unattraktiv. Die Welt besteht aus mehr als einem Jungen."

Peter stimmte völlig mit ihm überein.