Chapter Seventeen
Mittwoch
Ginny Weasley war davon überzeugt, dass kein Gesetz der Welt – ob von Muggeln oder Zauberern – sie würde aufhalten könne, Malfoy mit etwas hartem und schwerem eins über den Kopf zu ziehen.
Er war absolut unmöglich.
Diesen Nachmittag beinhielt die meiste Zeit, die sie jemals mit ihm zutun gehabt hatte. Seine Blondheit (wie Ron angefangen hatte ihn zu nennen, neben vielen anderen Dingen…) hatte beschlossen den Kapitän der Hogwartsseite zu spielen. Gut, er war der einzige von ihnen der wirklich Kapitän war, das gab ihm allerdings trotzdem nicht das Recht den Hufflepuff Treiber Horace Summerby als eine riesige, fliegende Feldermaus zu beschimpfen, die Westen nicht einmal finden würde, selbst wenn man sie auf die Nadel eines großen Kompass aufspießen würde.
Und das waren bloß die ersten zehn Minuten Training.
Die Lehrer hatten den Spielern den Nachmittag über freigegeben um sich zu treffen und noch einmal die Strategie durchzugehen. Dem Auroren Team war so etwas nicht gegönnt, denn diese mussten ihre Schicht zu Ende machen. Allerdings schien es die Auroren nicht zu stören. Sie wirkten völlig gelassen, selbst als kleine Erstklässler auf sie zustürmten, um Autogramme zu holen. Tonks hingegen fand all dies sehr amüsant und ärgerte ihre Teamkollegen ohne Ende.
Der Rest der Schule musste unglücklicherweise mit dem Unterricht weiter machen. Jedem war heiß, langweilig und alle waren missgelaunt, während sie während der langen Unterrichtsstunden aus dem Fenster starrten. Das traf vor allem auf Harry zu. Er hatte sich direkt nahe des Fensters hingesetzt und in Verwandlung nahm er überhaupt gar keine Notiz von Professor McGonagall, die eifrig erklärte, wie man akademische Karriere in diesem Fach beginnen könnte (Hermine hatte gefragt).
Aber um fair zu sein, die Hauslehrerin von Gryffindor, schien selbst nicht unbedingt voll und ganz bei der Sache zu sein. Sie maßregelte Harry ein Mal, aber jeder konnte sagen, dass sie nicht mit vollem Herzen dabei war, denn ihre Augen huschten immer wieder nach draußen über die Schlossgründe.
Bevor sie übten, saß das heilige Hogwarts Team in der Umkleidekabine und diskutierte über die Spielzüge. Ginny hatte Eiskrem und Bahnenscheiben mitgebracht, weil sie damit rechnete das Mittagessen zu verpassen. Malfoy war bewaffnet mit einer kleinen Tafel, Kreide und einem Quidditchbuch über trickreiche Manöver aufgetaucht. Dazu trug er Drachenhaut Quidditchhosen, die sicher schon bessere Tage gesehen hatten. Die Hosen waren eng und abgetragen und zwangen die Slytherinsucherin Sharon Pucey dazu, jedes Mal ihren hochroten Kopf zu senken, wenn Malfoy nur wenige Zentimeter wild gestikulierend an ihr vorbei schritt.
Die Spannung wurde schließlich etwas aufgelockert als das Team schließlich auf dem Feld war und die Besen bestieg.
Ron, der etwas neben sich stand, weil er der ausgewählte Hüter war, hatte sich fast auf einen handfesten Streit mit Malfoy eingelassen, als es zu der geplanten Strategie kam.
Diplomatie siegte allerdings und sie würden eventuell davon triumphieren, dass die Auroren dachten, sie würden ein defensives Spiel vorlegen, was auch der Grund war, warum sie, vom ersten Blasen der Pfeife in die Offensive gehen wollten.
Sharon Pucey führte die Treiber und Ron durch eine gewöhnliche passen-und-schlagen Aufwärmung, während Ginny und Malfoy hoch oben über das Feld flogen.
„Wie lange, werden wir dieses offensive Spiel durchziehen?", fragte Ginny schließlich. Sie hatte gewartet, bis Malfoy fertig war Ravenclaws Anne Takamara anzuschreien. Er beharrte darauf, dass Frauen keine guten Treiber waren. Als Antwort hatte Anne, die fast zweimal so groß wie Malfoy war, einen Klatscher direkt auf ihn zu getrieben, der sein Ohr nur Millimeter verfehlt hatte.
Er ignorierte ihren offensichtlichen Versuch sein Leben zu bedrohen und flog nun neben Ginny.
„Wie dein Bruder so hilfreich eingeworfen hat, werden sie von uns erwarten, dass wir vollkommen bei der Sache sind. Und dieses Gefühl werden wir ihnen auch geben.", erklärte Draco. „Es ist ein Freundschaftsspiel, also werden sie wahrscheinlich freundlich sein. Am Anfang. Dann werden sie aufholen und wir haben bis dahin hoffentlich schon ein paar Tore ergattert. Sie werden dann erfahren warum Hogwarts den Weltrekord für die meisten Quidditch bezogenen Schulunfälle hält."
„Halten wir wirklich diesen Rekord?", fragte Ron jetzt. Er hatte die sonderbare Angewohnheit plötzlich überall aufzutauchen, wenn Malfoy Anstalten machte mit seiner Schwester zu reden.
Draco lächelte ein gruseliges Lächeln. „Wir haben Durmstrang mit sechs gebrochenen Nasen, zwei zersplitterten Oberschenkelknochen und Goyles schlimm gebrochenen Bein geschlagen."
„Ouch." Ginny verzog den Mund. "Ich bin nicht sicher, ob ich stolz oder schockiert sein soll."
Malfoy stellte den rechten Schuh auf den Besenstiel um seinen Schuh fester zu binden und behielt trotz allem die perfekte Balance. Eine feine Röte zog sich über seinen hohen Wangen, noch vom vorherigen Training. Sein haar hatte er zurück gestrichen und es lag so perfekt als hätte er Stunden damit zugebracht.
Über ihnen war der Himmel bewölkt und es hatte den Anschein als würde sich jede Bewegung, jeder Schatten in seinen grauen, klaren Augen widerspiegeln.
Er folg sehr wie Harry, fiel Ginny auf, was auch Sinn machte, denn beide waren Sucher und ähnlich gebaut. Der Unterschied war, dass Harry mit seinem Herzen spielte und seinem Instinkt vertraute, wenn er ein spektakuläres Manöver hinlegte. Malfoy spielte mit dem Kopf. Er war kühl und berechnend. Zweimal, während der Übung, war er dem Schnatz hinterher geflogen, nur um nach der halben Strecke wieder umzukehren, denn er hatte keine Chance mit dem kleinen, goldenen Ball mitzuhalten, wenn er nicht schmerzhaft auf das Feld krachen wollte. Harry wäre weiter geflogen. Zur Hölle mit der gebrochenen Schulter, dem kaputten Schlüsselbein, das ihn möglicherweise am Ende erwartet hätte
„Nett.", sagte Ron unvermittelt. Er blies in eine imaginäre Pfeife und deutete auf die Torringe. Sharon Pucey übte an einem Schwung, der den Quaffel mit einem leichten Bogen durch den mittleren Ring befördern sollte.
„Ugandanischer Schleuderwurf.", erklärte Ron begeistert. Scheinbar mussten Hüter über jeden Trick bescheid wissen. „Sie macht es gar nicht mal so übel. Aquch wenn sie aus Slytherin kommt. Ich versuche, ob ich ihn halten kann." Er flog hastig zu Sharon und forderte ein schnelles Übungstraining.
„Ich meine mich zu erinnern, dass dieses Manöver nicht unbedingt gut funktioniert hat, bei eurem letzten Spiel gegen uns, Malfoy.", sagte Ginny jetzt grinsend. Malfoy brachte anscheinend das schlimmste in ihr zum Vorschein. Sie fragte sich, ob er diesen Effekt bei jedem verursachte.
Der Blick, den Malfoy ihr versetzte, war zu einem böse und zu zwei Teilen amüsiert. „Das war, weil Potter geschummelt hat."
„Harry schummelt nicht!"
„Oh, doch, tut er.", erwiderte er. „Ich könnte mir vorstellen, wie schockiert du sein würdest, wenn ich dir erzählen würde, dass Sharon das Ziel nur verpasst hat, weil Potter ihr vorher seinen verfluchten Besen in die Seite gerammt hatte, als sie gerade den Quaffel abgegeben hatte. Und ich rede hier nicht von der Art von Stoß, den die gute Sharon vorgezogen hätte."
„Oh, halt die Klappe, Malfoy. Das war ein Unfall."
„Ja, und ich bin noch Jungfrau."
Ginnys Wangen färbten sich leicht. „Du hörst dich an, als würdest du niemals einen Fehler auf dem Feld machen." Sie sah, dass Malfoy Ron beobachtete während dieser einen sehr eindrucksvollen Salto rückwärts hinlegte um den Quaffel zu fangen.
„Im Gegenteil, kleine Weasley, ich mache andauernd Fehler."
„Die da wären?", konterte sie prompt.
Draco bedachte sie mit mildem Argwohn. „Mal abgesehen davon, dass Gryffindor den Pokal dieses Jahr bereits gewonnen hat, kann ich dir wohl ohne Sorge verraten, dass ich den Schnatz niemals mit Links fangen kann."
Ginnys Augen weiteten sich überrascht. „Das ist Unsinn. Ich habe dich das sicher schon einmal tun sehen."
Draco schenkte ihr geheimnisvolles Lächeln. „Was du gesehen hast, kleine Weasley, war, wie ich mich auf die linke Seite gerollt habe, um ihn mit der rechten Hand zu fangen." Er machte es ihr vor.
„Warum kannst du ihn nicht mit links fangen?", fragte Ginny jetzt. Sie musste zugeben, dass er sein Handicap ziemlich gut verstecken konnte. Die anderen Teams hätten ein kleines Vermögen für eine solche Information gezahlt.
er beobachtete immer noch Ron, während er antwortete. „Weil ich meine linke Schulter bereits über sechzehn mal ausgekugelt habe."
Sie verzog den Mund. „Das ist ja grauenhaft. Wie?"
„Mein erste Freundin war eine Halbriesin.", informierte er sie in einem nüchternen Ton. „So wie Hagrid. Es war Liebe auf den ersten Blick, wirklich."
„Sehr witzig." Ginny verschränkte die Arme vor der Brust. „Jetzt ernsthaft, es kann nichts normales sein, denn dann hätte es Madame Pomfrey heilen können."
„Ich werde dir nicht sagen, wieso, kleine Weasley." Er lehnte sich zur Verdeutlichung weiter vor und Ginny stellte entnervt fest, dass seine Haut auch von nahem so perfekt aussah, wie von weitem. „Du hast nur ein bisschen aus mir herausbekommen, weil du viel netter bist, als dein Bruder, der große, orangene Affe."
Ginny seufzte. Sie würde ihn vielleicht mehr mögen, wenn er einen ehrlichen Versuch machte, mit ihr zu flirten. Das würde wenigstens charmant sein. Sie war daran gewähnt, dass Jungs in ihrer Nähe aufdringlich wurden. Aber Malfoy machte einen Sport daraus sie einfach nur zu reizen.
Seine Aufmerksamkeit galt dem bevorstehenden Spiel, was eine gute Sache war.
Sie deutete auf den Spielfeldrand. „Ich denke, du hast einen Besucher."
Draco drehte sich auf dem Besen um und sah wie Carmen Meliflua zu ihm hoch winkte. Mittlerweile hatten auch die anderen frei und füllten bereits die ersten Bänke. Carmen umklammerte einen Notizblock und sprang immer wieder auf derselben Stelle. Draco hatte ihr und Pansy gestattet über das gegnerische Team alles an Schmutz und Gerüchten herauszufinden. Und das durch die geprüfte Methode des Schnüffelns.
„Gerade richtig.", sagte er. Er sammelte den Rest des Teams ein und schickte sie zu den Umkleiden. Sie hatten weniger als fünfzehn Minuten um sich fertig zu machen.
Ron nahm an, dass Draco den Mädchen streng geheime Informationen hatte zukommen lassen.
Draco blätterte hastig durch die besagten Notizen. „Wir haben hier einiges an Material, das uns vielleicht von Nutzen sein könnte…"
Ron stellte fest, dass er teilweise richtig lag.
"Anscheinend hat diese Huggins Frau etwas für einen deiner älteren Brüder übrig, Weasley. Ja, ich weiß, sie hat absolut keinen Geschmack, aber sollte sie versuchen den Quaffel an dir vorbei zu kriegen, dann… ich weiß nicht…" Er überlegte einen Moment, „zwinker ihr zu oder so, würdest du das tun? Tu es jedoch nicht beim ersten Mal, sonst kommt sie dir auf die Schliche." Draco nickte schließlich und wirkte zufrieden.
Es gab einen kurzen Moment der Stille, während dem Rons Mund weit offen stand.
„Und versuch nicht immer so verwirrt auszusehen. Es lässt dich dumm aussehen.", fügte Draco ungeduldig hinzu.
Ginny und Anne Takamara mussten Ron davon abhalten sich auf Malfoy zu stürzen. Malfoy schien es nicht zu bemerken. Seine Blondheit war im Kapitäns-Modus.
„Also, ein Typ namens Rufus Quatermaine ist ihr Jäger. Vielleicht erinnert ihr euch an ihn. Er hatte die Schicht am Eingang letzte Woche. Nicht der hellste Stern, dieser Kerl. Einer unser Zweitklässler hat es tatsächlich geschafft ein paar Stunkbomben an ihm vorbei zu schmuggeln. Er hat ihm gesagt, es wären Fruchtbarkeits Kugeln…"
Sharon kicherte. „Ah. Ist das nicht der, der gestern diesen Unfall in der verbotenen Abteilung hatte?"
Draco nickte. „Laut unserer guten Carmen, hat Mr Quatermaine es fertig gebracht sich von einer Ausgabe von Hagrids Monsterbuch in die Hand beißen zu lassen."
„Das gibt es immer noch?", fragte Ginny. „Niemand benutzt es mehr, seit unserm zweiten Jahr."
„Naja, letztes Jahr musste eine Hufflepuff Siebtklässlerin als Mutprobe besorgen.", korrigierte sie Anne Takamara jetzt.
Draco schnaubte auf. „Wenn du mit benutzen meinst, sich den Finger abbeißen und sich bewusstlos schlagen lassen dann hast du recht. Es wird nicht mehr benutzt."
„En verletzter Hüter sind gute Neuigkeiten. Wenn Quatermaine Probleme mit seiner rechten Hand hat, dann sollten die Jäger sich auf dieses Ziel konzentrieren.", schlug Sharon vor. Sie war Dracos vor geplante Strategien bereits gewöhnt.
„Oh, Moment." Draco las noch einige weitere Zeilen. Er spielt beidhändig?", fragte er nun Carmen, die an der Tür zu den Umkleidekabinen lehnte.
„Ja, ist er.", bestätigte sie.
„Verflucht."
Carmen setzte ein gewinnendes Lächeln auf „Allerdings haben die Treiber Bligh und diese Astrid Huggins angefangen auszugehen. Vielleicht hilft uns das weiter?"
Draco wandte sich den weiblichen Spielern zu. Da war ein Funkeln in seinen Augen. Sharon Pucey würde es Inspiration nennen. Ginny nannte es extreme Hingabe.
„Ich weiß nicht…", begann er. „Würden die Mädchen bereit sein etwas Haut zu zeigen?"
Anne Takamara machte einen angewiderten Laut, nahm ihren Besen und stolzierte wieder hinaus auf das Feld.
„Das ist der Rest deiner Strategie?", fragte Ron zornig.
Die cleverste Idee, die Harry jemals hatte, war die Gryffindors aufzufordern, mit dem Rücken zur Sonne zu fliegen, um die Gegner zu blenden. Und bei den Weasley Zwillingen galt nicht einmal das als wirklich clever.
Draco steckte die Handschuhe in den Bund seiner Hose und hielt die Umkleidetüren offen, damit der Rest des Teams raus gehen konnte. Das Geräusch der Leute draußen, worunter sich auch Hogsmeade Bewohner und Familienmitglieder befanden, wuchs stetig an.
Sein Grinsen war teuflisch. „Ja, Weasley. Das und Gewinnen."
