Chapter Nineteen

Draco musste es seinen Spielern zugestehen. Sie spielten unglaublich gut, wenn man bedachte, dass sie zum ersten Mal in dieser Formation spielten.

Ginny und Sharon zielten zum siebten Mal auf die Ringe der gegnerischen Seiten und lieferten sich einen Wahnsinns Quaffel-Pass-Spiel.

Draco verweilte bei den Gryffindor Ringen lange genug, um noch mit Ron zu sprechen, der gerade von einem Klatscher ans Bein getroffen worden war.

„Dieser Schnatz zeigt sich besser schnell.", grummelte Ron, während er seinen Schenkel massierte. „Ich glaube, Bligh versucht mich umzubringen."

„Das haben Treiber so an sich, Weasley. Du kennst doch Crabbe und Goyle, oder?", fragte Draco trocken. Er atmete knapp durch die Zähne als Astrid Huggins beinahe einen gewagten, ziemlich hohen Pass zwischen Sharon und Ginny ab gefangen hätte.

„Jaah, aber bei denen denke ich, handelt es sich um generellen Hass auf alle Gryffindors. Blighs Mission ist eher persönlich."

Draco wandte sich mit einem sardonischen Lächeln an Ron. „Quidditch ist immer persönlich."

Ron wedelte ungeduldig mit der Hand. „Hol dir einfach den Schnatz, in Ordnung? Ich weiß nicht, wie lange ich das hier noch durchhalte. Ein Hüter sollte sich nur Sorgen um den Quaffel machen. Nicht auch noch Ausschau nach monströsen Klatschern Ausschau halten. Übrigens, dieser andere Sucher, Tanner? Ist das sein Name? Leg falsche Fährten, ich wette, er folgt dir. Er ist nicht besonders erpicht auf eigene Arbeit, falls es dir aufgefallen ist.", schlug Ron ihm vor.

Es war Draco bereits aufgefallen. Sucher und Hüter schienen das Glück zu haben, auf solche Sachen achten zu können. Tanner schien es zu beabsichtigen ihm zu folgen, wenn er hoch über dem Feld einen besseren Blick suchte. Draco hielt ihn sowieso für einen unpassenden Sucher. Seine Statur glich eher dem eines Treibers, aber dennoch war er unglaublich schnell.

„Fährten legen, lenkt mich von meinem Ziel ab. Zu riskant. Der Typ ist faul, nicht blind."

"Wieso ist es riskant? Wegen deines Handicaps?", fragte Ron, sein nervtötendes Sommersprossengesicht in geübter Unschuldsmiene.

„Ich sehe schon, sie hat es dir erzählt."

„Pah. Meine Schwester erzählt mir alles."

Draco grinste. „Weasley, du armer, naiver Tölpel."

Ron zog eine Grimasse. "Vertrau mir bei Tanner. Der wird dein Siamesischer Zwilling sein, wenn er denkt, du weißt, wo der Schnatz ist. Wenn du das Ding vor ihm findest, schick ihn einfach in die Wüste.

„Wenn du damit falsch liegst, Weasley, werde ich heute Nacht eines deiner Geschlechtsteile entwenden."

„Das ist Quidditch.", erwiderte Ron in dem exakt gleichen Tonfall, wie Draco es zuvor getan hatte. „Das ist ein fairer Tausch."

Genau in dem Moment brach die Menge in Buhrufe aus, als Sharon von Huggins fast vom Besen gesto0ßen worden war. Sharon hatte auf die Torringe gezielt , aber Quatermaine hatte nun ohne Aufwand den Ball gehalten. Das Ergebnis blieb also immer noch gleich.

„Viel Glück.", rief Draco als er weiter nach oben stieg.

„Dir auch.", rief Ron ihm nach.

Das Warten auf den Schnatz war schnell vorbei. Als alle Aufmerksamkeit schließlich auf Ron lastete, sah Draco den Schnatz. Er wirbelte zehn Meter weiter unter ihm. Ein kurzer Blick zu Tanner verriet ihm, dass dieser ihn noch nicht entdeckt hatte.

Draco machte einen großen Aufwand sich umzudrehen und seinen Besen plötzlich nach vorne schnellen ließ. Die Zuschauer bemerkten es und buchstäblich hunderte von Leuten hielten gleichzeitig den Atem an und suchten nach dem goldenen Glanz. Das war alles was nötig war, damit Tanner in die falsche Richtung sauste.

Zeit das hier zu beenden, dachte Draco mit einem feinen Grinsen. Das war für gewöhnlich der Punkt wo das Spiel in den Hintergrund gedrängt wurde und er nur noch den Schnatz in seinem Kopf sah.

Leicht bewegte Draco die Spitze seines Besens und raste dann schräg nach unten. Der Schnatz brach plötzlich los. Selbst nach hunderten von Spielen war es immer noch unmöglich dem Schnatz irgendeine Berechnung anzumerken. Draco flog schneller und als er Spitze an Spitze mit dem Schnatz flog sah er den Boden schnell auf sich zurasen. Scharf legte er sich nach links, streckte die Hand aus und schloss endlich die Finger um sein persönliches Ziel.

Tanner war immer noch außer Sichtweite, aber so nicht Bligh. Draco hörte den Treiber kommen, noch bevor er ihn sehen konnte.

„Verfluchter Todesser, elender Hurensohn!"

Blighs Worte waren nicht überraschend, so aber der Tritt den er Draco verpasste. Es traf ihn zwischen den Schulterblättern und hätte ihn eigentlich von seinem Besen werfen müssen, aber Draco reagierte schnell genug und klammerte sich an seinen Besen. Er wirbelte mehrere Meter weit durch die Luft, bevor er in der Lage war den Besen rumzureißen und nicht auf den Boden aufzuschlagen.

Der Schnatz war jedoch verloren. Und Tanner hatte es gesehen.

Diese Tatsache raubte ihm den Atem. Draco durchlebte die vertraut grauenhafte Sensation wie er Luft holen wollte, aber nicht in der Lage dazu war. Nur am Rande nahm er wahr wie Ron Weasley und Horace Sommerby sich gegenseitig anschrieen. Sommerby hatte eine beeindruckende Auswahl an Schimpfwörtern, die kein Hufflepuff jemals hören sollte.

Bevor es Draco erlaubt war, den Himmel von dem grünen Gras zu unterscheiden, ignorierte Bligh Madame hoochs Pfiff und rammte Draco seinen Besenstiel hart ins Gesicht. Danach schrie er Tanner an, er solle endlich den Schnatz fangen, der nicht besonders weit weg sein konnte.

Ginny war als erste unten. Der relativ unbeeindruckte Gesichtsausdruck zeigte, dass ihr Gewalt und unfaires Spiel im Quidditch nicht unbekannt waren.

Draco legte den Kopf zurück und versuchte mit seinem rechten Ärmel das Bluten seiner Nase zu unterbinden. Ginny warf ihm einen knappen Blick zu. „Malfoy, ich denke, deine Schulter ist ausgekugelt."

Ah, das war es also. Das erklärte auch den blinden Schmerz. Seine Nase ignorierende taste Draco nun nach seiner Schulter.

„Ahem, vielleicht solltest du das auf dem Boden tun, nicht auf dem Besen. Wir holen Madame Hooch und…"

Er hatte seine Schulter oft genug einrenken müssen. Er wusste, wie er atmen musste, wie er drücken musste und wie er den blendenden Schmerz ignorieren musste, der sich wie eine kochend heiße Eisenstange anfühlte, die ihm erbarmungslos in den Rücken gerammt wurde.

Ginny verzog die Nase. „Bei Merlins bunten Zehennägeln, Malfoy! Du musst wirklich nicht so übertrieben Hardcore sein."

Kaum ein paar Meter weiter, hatte eine wütenden Madame Hooch Bligh endlich zum Absteigen gezwungen und bedeutete nur mit rüden Gesten an ihn des Platzes zu verweisen.

Ginny war davon überzeugt, dass Draco kurz davor war ohnmächtig zu werden. Seine Schulter war zwar wieder am richtigen Platz, aber er sah so blass aus, wie sie es noch nie gesehen hatte. Er nahm einen tiefen Atemzug und entspannte sich langsam.

Draco wollte etwas Cleveres sagen, etwas schneidendes, aber er war überzeugt, dass wenn er seinen Mund öffnen würde, nur etwas Unverständliches dabei rauskommen würde.

Und sein Vater war immer sehr präzise gewesen. Malfoys sind niemals Unverständlich,

„Da! Der Schnatz!", schrie Ginny plötzlich, genauso klingend wie die verrückte Pygmäen Eule ihres Bruders beim Frühstück. Das kleine goldene Ding, drehte sich unkontrolliert über ihren Köpfen. Als hätte es gemerkt, dass es entdeckt worden war, schoss es senkrecht nach oben, ähnlich Grangers Arm in Zauberkunst, wenn er zum hundertsten Mal in die Höhe schoss.

„Verdammt.", fluchte Draco leise. Er war zu erschöpft um etwas Besseres hervor zu bringen. Der helle, weiße, verschwommene Schmerz in seinem Arm legte sich nur langsam. Es fühlte sich an, als wäre er kurz davor abzufallen, würde er ihn bewegen und doch wusste er, dass er es musste.

„Hol ihn dir!", schrie Ginny, mit einem unnatürlich grellen Quidditch Funkeln in den Augen. „Hol ihn, Malfoy!"

Draco musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass Tanner sie gehört hatte und nun wie ein Muggel Feuerwerkskörper auf sie zugerast kam. Die Raunen und Zischen der Menge war nun nicht merhj zu überhören.

Der Punktestand war gleich. Wenn Draco den Schnatz jetzt fangen würde, dann hätte Hogwarts gewonnen.

Er tat es.

Es war definitive ein Vorteil ein Hogwarts Vertrauensschüler zu sein. Wenn man ein Weasley und ein Vertrauensschüler war, brachte es einem Molly Weasleys grenzenlose Bewunderung und extra Leckereien an Weihnachten. Die netten Vertrauensschüler waren sich bewusst und dankbar für ihr Glück und benutzten ihre Macht nur für Gute Sachen.

Die nicht so netten Vertrauensschüler andererseits – und es gab eigentlich nur zwei – waren eher ambivalent als korrupt. Hermine und Blaise hatten einziemlich strenges Regime aufgebaut, das sie selber befolgten und somit Vorbilder für den Rest der Schule waren.

Ein anderes Beispiel, warum es gut war ein Vertrauensschüler zu sein war, dass man nicht an Bettgehzeiten gebunden war oder auch in die Verbotene Abteilung der Bibliothek durfte. Vertrauensschüler durften abwesend sein, ohne dass sie großartig jemand fragte aus welchem Grund. Dumbledore erlaubte seinen Vetrauensschüler viel Autonomität. Das war riskant, aber der momentane Krieg hatte einen großen Effekt auf die Schüler und keiner verhielt sich unangebracht.

Vertrauensschüler waren außerdem gesegnet mit ihrem eigenen Badezimmer. Und das war ein Badezimmer…

Vom Boden bis zur Decke glänzend weiße Fliesen, die Echos zurückwarfen und jeden Wassertropfen so klingen ließen als besäße man seine eigene persönliche Grotte. Die Kuppelförmige Decke war passend in jeder Jahreszeit. Es war nie zu heiß oder zu kalt. Die enorme Wanne in der Mitte war schnell zu füllen und konnte bestimme zwei Crabbe und Goyle große Quidditchmannschaften fassen. Das Sprungbrett war im sechsten Jahr abgebaut worden, denn es wurde nicht benutzt. Stattdessen war es durch eine Bar ersetzt worden, in der jedes Teenager Getränk zu finden war, dessen Verzehr sich lohnen würde. Alkohol war streng verboten und McGonagall hatte ordentliche Strafen vorgesehen, sollte jemand betrunken im Bad erwischt werden.

Nach dem Spiel hatte Ginny ihr vorgeschlagen ein Bad zu nehmen, um das zu heilen, an was Hermine auch immer litt.

„Du siehst fertig aus.", erklärte sie der Schulsprecherin. „Und dein sieht aus, als ob es nur zu gerne gewaschen werden würde."

Dankenswerter weise hielt Ginny nichts von Höflichkeiten und sie unterdrückte den drang durch ihre unordentlichen Haare zu fahren. Es gab ihr jedenfalls eine Entschuldigung nicht an dem munteren Treiben teilnehmen zu müssen. Ron glühte, Ginny hatte rosige Wangen, Harry war neidisch und gönnte keinem den Sieg und alle Gryffindors stanken nach nassem Hund.

Die Tatsache berücksichtigend, dass ihre Sinne im Moment auf Alarmbereitschaft fungierten, ergriff sie die Chance, murmelte Entschuldigungen und ließ ihre Klassenkameraden allein.

Das Badezimmer der Vertrauensschüler erschien ihr fast wie ein magischer Zufluchtsort.

Es gab bestimmt offensichtliche Gründe, warum die Wanne so groß war, dass mehrere Schüler darin Platz finden konnten, aber dieser mögliche Gebrauch wurde in der Öffentlichkeit niemals laut beratschlagt. Ron war für gewöhnlich nicht höflich und hatte schon oftmals laut ausgesprochen was andere dachten.

„Glaubst du, da hat schon mal jemand drin gevögelt?", hatte er während einer Verwandlungsstunde in ihrem sechsten Jahr geflüstert.

„Hast du das schon gemacht?", fragte Seamus Finnegan sofort und hatte mit seinen dunkelblonden Augenbrauen gewackelt. Es war eine ziemlich indiskrete Frage, darauf bezogen, dass Ron Vertrauensschüler war. Hermine konnte nicht mehr sagen, was Ron geantwortete hatte. Und dafür war sie dankbar. Es gab eine Zeit, wo, mit Ron auszugehen eine logische Konsequenz gewesen wäre, aber die Dinge hatten sich in ihrem sechsten Jahr entscheidend geändert. Es wäre… nun ja… eine einfache Entscheidung gewesen. Zusammen zu kommen wäre keine große Herausforderung gewesen. Aber Hermine wusste, dass Ron neben seiner leichtes-Leben Einstellung absolute nicht einfach war. Es amüsierte sie, über seinen neuen Status als angesehener Hogwarts Junggeselle nachzudenken, aber dass er tatsächlich kein Problem damit hatte Mädchen in einer Badewanne zu verführen, machte ihn nicht gerade zu einem ihrer bevorzugten Ideale.

Es ekelte sie beinahe an, um ehrlich zu sein.

Er liebte sie, davon war Hermine überzeugt, aber ob er wirklich in sie verliebt war, das heraus zu finden, dazu war sie nie in der Lage gewesen. Seit dem vierten Jahr hatte sie Angst zu fragen, in ständiger Angst, dass die Antwort Ja sein würde.

Der Unterschied zwischen jemanden lieben und in jemanden verliebt sein war enorm, hatte Ginny ihr versichert. Hermine musste dem jungen Mädchen die Gunst des Zweifels geben, denn sie hatte niemals so für irgendwen gefühlt.

Als sie erst sicher im Bad eingeschlossen war, mit dem „Nicht-Stören" Schild an der Tür, kniete sie sich neben einen der vielen bunten Hähne der Wanne und beschloss, dass ein frisches Bad eine gute Idee war. Das nasskalte Wetter schrie förmlich danach.

Sie drehte eine Reihe an grünen Hähnen auf und atmete den überwältigen Duft von Nadelhölzern ein. Die Blasen war groß und fest, so wie sie es mochte. Ihr langes Haar antwortete automatisch auf die feuchte Hitze und begann sich in feine Locken zu drehen.

Als das Wasser die perfekte Temperatur erreicht hatte, löste Hermine die Spangen aus ihrem Haar, legte die Uniform ab und ließ sich in die Wanne gleiten. Drei Schwimmzüge durchs Wasser und sie hatte das andere Ende der Wanne erreicht, wo sie so lange einweichen würde, bis der Sankt Nimmerleinstag gekommen war, schwor sie sich mit geschlossenen Augen.

Hogwarts Krankenflügel

„Mr Malfoy! Muss ich Sie in Ihrem Bett festbinden, um mir Ihre Schulter anzusehen?", fragte Madame Pomfrey harsch. Sie hatte genug, von dem dickköpfigen, unfreundlichen Jungen, der offensichtlich ziemlich große Schmerzen hatte und es dennoch nicht zugeben wollte. Die problematische Schulter, war bei ihm schon immer Anlass zur Sorge gewesen.

Malfoy saß ziemlich steif auf dem Rand des Bettes. Wahrscheinlich hätte er sogar etwas Unanständiges erwidert, aber sein Mund war lediglich eine dünne Linie des Schmerzes. Er sah furchtbar aus, aber er war immer noch in der Lage, sie mit einem Bösen Blick zu strafen.

Das Parkinson Mädchen war auch da, ihn stützend, wie eine Pinguin Mutter ihr verletztes Junges. „Madame Pomfrey, ich kann mich um ihn kümmern.", versicherte sie. „Ich bringe ihn zurück in den Gemeinschaftsraum. Sie haben dort eine Feier zu seinen ehren vorbereitet. Er muss einfach da sein."

Poppy versetzte dem Mädchen einen tödlichen Blick. „Er muss unter gar keinen Umständen irgendwo sein, Miss Parkinson, es sei denn ich erkläre ihn gesund genug dazu." Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Malfoy. „Lassen Sie mich ihnen wenigstens eine Salbe verabreichen. Sie können sie für eine Stunde einziehen lassen, während Sie sich ausruhen."

„Dann tun wir eben das.", erwidert Pansy und schnappte sich die salbe aus Madame Pomfreys Hand. Pomfrey betrachtete Malfoy noch einmal prüfend. Er war immer noch in voller Quidditchmontour. Wahrscheinlich hatte er zu viele Schmerzen, um sich davon zu befreien.

„Komm schon, Draco, die Schüler erwarten dich.", zischte Pansy, ungerührt von Madame Pomfreys bösem Blick.

Es war offensichtlich, dass Malfoy diese Party ungerührt seines Gesundheitszustandes besuchen wollte. Pomfrey hätte vielleicht mit der Zunge geschnalzt, aber das gehörte sich nicht. Slytherin Stolz war manchmal eine recht selbstzerstörerische Angelegenheit. Fast so schlimm wie rücksichtslose Gryffindor Courage.

„Mr Malfoy, ich befürchte, ich muss darauf bestehen, dass Sie sich behandeln lassen. Wenn nicht, sehe ich mich gezwungen, Sie Professor Snape zu melden."

Das erregte seine Aufmerksamkeit. Wenn alles andere versagt, brauchte man nur eine weise Person, die Snape gegenüber einem sturen Schüler erwähnt. „Was schlagen Sie vor?", flüsterte er durch zusammen gebissene Zähne. Seine eisgrauen Augen waren kühl, so wie immer, aber hinter ihnen verbarg sich der Triumph einer Herausforderung. Er wusste, sie bot ihm ein Ventil und er war neugierig, ob sie es schaffen würde.

„Ein Bad.", verkündete sie mit gewohnter Autorität. „Wenn Sie mich schon nicht selber nachsehen lassen wollen, dann lassen Sie die Salbe wenigstens einwirken, bevor sie sich etwas in der Wanne entspannen. Die Zusammensetzung lässt sich wunderbar mit warmen Wasser kombinieren."

Er sah sie kurz an. „Gut, dann werde ich das tun."

„Aber Draco-", begann Pansy erschüttert.

„Geh du zu der Party und entschuldige mich. Sie werden das schon verstehen.", erwiderte er. Die Veränderung in seiner Stimme war recht beeindruckend. Es war eine Mischung aus geschmolzener Butter und warmem Honig. Der Schmerz Schalter war wieder umgelegt worden.

Parkinson antwortete prompt. Sie seufzte. „Wenn du es so willst…"

„Das tu ich."

Sie ignorierte Madame Pomfrey als sie ihn noch ein letztes Mal flehend ansah. Dann drückte sie ihm das Glas mit dem Balsam in die Hand und wandte sich um. Es war offensichtlich wie gerne sie selber wieder zum Gemeinschaftsraum gehen würde um bei der Party dabei zu sein.

„Ist ein Bad wirklich gut oder sind Sie bloß hilfreich?", fragte er, während er den Deckel der Dose aufdrehte und daran roch. Er legte den Kopf schräg und betrachtete Madame Pomfrey halb amüsiert, halb interessiert.

In diesem Moment sah er genau wie sein Vater aus. Poppy musste sich zwingen, nicht erschrocken einen Schritt zurück zu machen.

„Es ist meine Aufgabe hilfreich zu sein.", erwiderte sie und ihre Stimme klang strenger als gewöhnlich. Sein unheimlicher Charme würde bei ihr nicht wirken. „Und ja, ein Bad ist gut. Am besten wirkt die Salbe eben bei Hitze. Ihr Hersteller, Professor Snape, hat es mir versichert.

„Wenn Professor Snape sie gemacht hat, muss es die Beste sein.", kommentierte er trocken ihre Worte und drehte den Verschluss wieder zu. „Ich danke Ihnen." Er erhob sich langsam. Er sah immer noch so aus als hätte ihm jemand mit immenser Kraft eine Brechstange auf seinem Arm zerschlagen.

Madame Pomfrey hielt ihn auf, als er an der Tür stand. Weiß Merlin, warum sie es tat. Vielleicht weil es das Ende der Schulzeit für ihn war oder das letzte Mal, dass sie ihn alleine sah. Vielleicht auch, weil es einfach getan werden musste.

„Sie wissen, Draco, Sie müssen nicht immer das tun, was die Leute von Ihnen erwarten."

Er wirkte nicht aufgebracht oder angegriffen bei ihren Worten. Eher schien er zu resignieren. „Wenn ich irgendetwas anderes tun würde, Madame Pomfrey, dann würde sich die Welt aus ihren Angeln heben."

Draco machte sich auf den weg zu dem einzigen Ort, wo er genug Privatsphäre besaß, um ein entspannendes Bad zu nehmen. Das Badezimmer der Vertrauensschüler. Den Gemeinschaftsraum vermeidend, also wohlwollende Klapse auf die Schulter und gute Worte und Komplimente von Mädchen die die viel zu jung waren vermeidend, schlug er sich durch die Gänge. Der Schmerz in seiner Schulter ließ langsam völlig nach, aber noch konnte er sie nicht bewegen. Er spürte jeden Schritt, jede Treppenstufe und jeden Herzschlag wenn sein Herz frisches Blut durch seine Körper pumpte. Als er den fünften Stock erreicht und an Boris dem Bekloppten vorbei war, wollte er nichts anderes als einfach in seinem warmen Bad zu versinken und über die grauenhafte Rache an Donald Bligh nachzudenken.

„Was issn los?", murmelte Boris unwirsch. Boris schien sich auch in diesem Jahrhundert zu weigern ein bisschen klüger zu werden.

„Nichts, du verrückter, alter Bastard. Lass mich in Ruhe."

„Warte, du kannst da nicht rein."

„Warum zur Hölle wohl nicht?"

„Weil da schon jemand ist."

Da über der Türklinke hing tatsächlich ein „Nicht-Stören" Schild. Wenn er genau hinhörte konnte er das Geräusch von rauschendem Wasser ausmachen.

VERFLUCHT NOCH MAL. Draco ließ seine Stirn gegen die Tür sinken und schloss die Augen. Der verfluchte Raum war doch wohl nicht tatsächlich besetzt? Wer zur Hölle nahm ausgerechnet jetzt ein Bad! Jeder normale Schüler war gerade in Feierlaune in den Gemeinschaftsräumen. Draco wollte gerade einen halbherzigen Schritt zurück machen, als ich etwas inne halten ließ.

Sein Zorn wurde mit einem Mal weggewischt. Er presste seine Handflächen und seine Wange sanft gegen die Tür.

„Granger.", flüsterte er sehr leise. Die Gewissheit, sie hinter dieser Tür zu wissen, war alles andere als eine Beruhigung für seine Nerven, aber für einen kurzen Moment lang, war der Schmerz in seiner Schulter vergessen.

Woah. Krankes Zeug, dieser Fide Mia Zauber.

Sie war also dort drüben. Allein. Und er stand hier, mit nichts als einer Tür zwischen ihnen. Und noch besser war, alle anderen waren gerade mit etwas völlig anderem beschäftigt.

Der gerade Weg führt zu Problemen, erinnerte ihn der rationale Teil seines Gehirns. Wahrscheinlich mehr als nur eine Art von Problem. Besser wieder in die Keller zurückgehen, wo Pansy und die anderen ein kühles Butterbier bereithalten.

Ich will kein Butterbier, widersprach der Böse Bastard Teil seines Gehirns. Ich will bei dem Mädchen sein, das mich den Schmerz vergessen lässt.

So wie es den Anschein machte, war der rationale Teil seines Gehirns so willensstark wie ein Kaninchen, das im Karottenfeld ausgesetzt worden war.

Naja, wenn du es so ausdrückst…

„Curmudgeons.", flüstere Draco und die Tür öffnete sich leise nach dem genannten Passwort. Er war dabei seine Böse Bastard Quote für diesen Monat noch etwas aufzustocken.

Es hatte Vorteile ein Vertrauensschüler zu sein.