Chapter Twenty
Der Raum war unglaublich voll von Dampf. Wenn Draco seine Augen schließen würde, dann konnte er sich tatsächlich vorstellen durch eine warme, weiche Wolke zu treten. Er fühlte sich positiv an das Türkische Badehaus erinnert, das er während seines Istanbul Urlaubs besucht hatte.
Draco hob seine Hand vor sein Gesicht und erwartete fast eine kaum zu erkennende Bewegung durch die dicke Luft zu sehen. In der Luft lag ein erfrischender und heilender Duft, was seinen Aufenthalt hier auch sinnvoll machte.
Oh, sie wird mich hassen.
Er fühlte eine Enge in seiner Brust, die beim Eintreten noch nicht da gewesen war. Es war ein seltsames Gefühl. Zu milde um Schuld zu sein und zu unangenehm um als Ungeduld ausgelegt werden zu können. Was auch immer es war, es störte ihn und er wünschte, es würde verschwinden.
Sie saß kinntief im Wasser als er sie entdeckte.- Wahrscheinlich saß sie auf einer der unteren Stufen am anderen Ende der Wanne. Ihre Augen waren geschlossen und sie wirkte so vollkommen entspannt, dass er schon eifersüchtig war. Das Badezimmer hätte seins sein sollen, wenigstens für diesen Nachmittag. Er brauchte ein wenig Abstand von der richtigen Welt. Aber er konnte natürlich darauf vertrauen, dass Granger ihm seine Pläne zu Nichte machte.
Sein Blick durchs Badezimmer zeigte ihm, dass ihre Sachen zusammen gefaltet über der Handtuchstange hingen. Ihre Schuhe standen darunter. Immer vorbildlich, überlegte er und verdrehte die Augen. Dann wiederum aber vielleicht auch nicht immer. Sie war nicht sehr ordentlich gewesen, als sie sich im Motelzimmer ausgezogen hatte. Sie hatten dort mehrere Knöpfe verloren, Draco war sich sicher. Sein Reißverschluss hatte auch nicht mehr funktioniert. Er hatte die gesamte Kutschfahrt nach Hause (an den kleinen Ausflug zur Post in der Winkelgasse gar nicht zu denken) mit offenem Hosenstall.
Die Hose war aber vom Herrenhaus mit brandneuem Reißverschluss geschickt worden. Toolip hatte sich wohl darum gekümmert. Er war dankbar dafür, dass er keine Hose mit Knöpfen getragen hatte. Sie hatten sich fast manisch nach dem Tattoo stechen verhalten. Als wäre jede Sekunde ohne Berührungen die absolute Qual für sie beide gewesen. Knöpfe hätten Granger wahrscheinlich nur zornig gemacht. Er erinnerte sich, dass sie kaum noch eine gerade Linie hatte laufen können. Sie war so wacklig auf den Beinen gewesen, dass Draco sie hatte tragen müssen. Granger war nicht besonders elegant wenn sie betrunken war, aber sie war wesentlich unterhaltsamer als sonst. Er würde sogar soweit gehen und behaupten, sie hatte in dieser Nacht mehr gelacht als in den sieben Jahren zuvor.
Wenn er jemals in das Unglück kommen sollte, eigene Kinder zu haben, würde er ihnen sagen, dass es niemals gut war mit Magie herum zu spielen, von denen sie keine Ahnung hatten. Er könnte sich vorstellen, dann diese Geschichte zu erzählen, wie er unpassenderweise mit einem Schlammblut in einem Motelzimmer aufgewacht war und auch noch verheiratet war. Nur weil er dumm genug gewesen war, keinen Respekt vor alter Magie zu haben.
Natürlich würde er den Teil auslassen, in dem er absolut grandiosen Sex mit diesem Schlammblut gehabt hatte. Das machte aber auch die folgenden Turbulenzen nicht wett.
Der Beweis – also das Tattoo – wäre bald verschwunden, aber immerhin hätte er wenigstens ein Souvenir: Grangers pfirsichfarbenes Höschen lag gut versteckt auf dem Boden seines Koffers. Er schämte sich jedes Mal wenn er es anstarrte, wenn er sich eigentlich nur ein frisches paar Socken holen wollte.
Ja, ich bin immer noch hier. Und ich gehe auch nicht weg, bis du mich wegwirfst, schien es sagen zu wollen, gut versteckt zwischen zwei grauenhaften Paar wollenen Socken, die Millicent ihm vergangenes Weihnachten geschenkt hatte.
Es war ein interessanter Subtext in diesem Gedanken verborgen, aber Draco hatte keine Lust lange darüber nachzudenken, was es bedeuteten konnte. Es gab andere, wichtigere Sorgen in seinem Leben neben Granger. Das war bloße Übung dieses Mädchen aus seinem Kopf zu kriegen, damit er sich der Aufgabe widmen konnte, die ihm das Ministerium auferlegt hatte.
Ablenkung war nicht gerade gut, wenn man spionieren wollte. Er wusste genug über Betrug, um zu sagen, dass es half einen klaren Kopf zu haben, ohne Sorgen und einen gesunden Körper, ohne Rückenschmerzen und ohne die ständigen Gedanken an lange dunkle Locken und einen wohlgeformten Hinten.
Sein Gehirn war überzeugt, dass ein nachmittäglicher Verkehr mit Granger eine definitive Heilung wäre. Die Nacht in London war im noch im Gedächtnis und er hatte gar nicht gewusst, dass es so schwierig sein würde, sie loszuwerden.
Dann wäre er in der Lage sie in Ruhe zu lassen. Natürlich wäre es.
Draco ging langsam (ziemlich behutsam) zu einer hölzernen Bank in der Ecke, setzte sich und zog seine Handschuhe aus. Mit den Händen funktionierte es nicht, also zog er sie mit den Zähnen aus und ließ sie achtlos auf den Boden fallen. Das Geräusch des Leders auf den Fliesen verursachte ein Echo.
Granger hätte sich fast den Kopf am Rand gestoßen vor Schreck, aber sie ging für eine Sekunde unter und kam prustend wieder nach oben. Es wunderte ihn nicht, dass ihre Tugendhaftigkeit auf Alarmbereitschaft war, und sie ihre Arme hastig um ihren Oberkörper schlang. Sie duckte sich ins Wasser, bis ihr Gesicht fast vollkommen vom Schaum verdeckt wurde. Sie war nur noch ein dunkler Fleck, fast wie ein haariger Frosch.
Er hob kurz die Hand, um ihr zu winken.
„Malfoy!" Sie verschluckte sich erneut und begann zu husten. Das Schaumbad schien nicht besonders gut zu schmecken. Sie wischte sich die nassen Haare aus dem Gesicht. „Was zur Hölle tust du hier?"
Er begann, seine Quidditchstiefel auszuziehen und bereute es, dass er seine Knoten immer vollkommen unlösbar schnürte.
„Man sollte denken, das wäre offensichtlich. Ich bin dabei ein Bad zu nehmen." Es war wahrscheinlich dumm, so fröhlich zu klingen, aber er konnte nicht anders. Sie zu ärgern verschaffte ihm ein großes Vergnügen.
Er zog den linken Stiefel aus und der rechte folgte um einiges schneller. Draco schob sie zur Seite. Seine grauen Wollsocken kamen als nächstes dran.
Grangers Augen sahen aus, als ob sie gleich aus ihren Höhlen fallen würden. „Ein Bad?", wiederholte sie, und sah Weasley besonders ähnlich, wenn er gerade verwirrt war. Eine Traube von Seifenblasen hing in ihren Haaren. Ihre Wangen waren nass und rosa und sie wurden immer dunkler. Sie hatte schöne Wangenknochen, bemerkte Draco. Fein, aber dennoch so gut ausgeprägt, dass sie dort keine Falten bekommen würde. Und ihre volle Unterlippe würde auch niemals hässlich aussehen können.
„Ja, Granger. Ein Bad. Etwas, das Wasser involviert, Seife, eine Wanne und wenn man Glück hat…", er machte eine Pause für den bösen Effekt, „… Gesellschaft."
Sie befeuchtete ihre Lippen. Ihr verwirrter Blick schwand langsam. Sie begann zu verstehen. Und sofort verwandelte sich die Verwirrung in grenzenlose Wut. Solche Wut, dass sie vergaß, ihre Hände schützend vor ihren Körper zu pressen. Ihre Fäuste hatten sich wahrscheinlich unter Wasser geballt. Draco musste zugeben, dass sie ziemlich gut darin war, ihm böse Blicke zuzuwerfen.
Es war wahrscheinlich Blaises Einfluss.
Aus irgendeinem Grund gefiel Draco diese Idee gar nicht, dass sie diese Eigenschaften von attraktiven Slytherins übernahm. Er hätte lieber, dass sie sowas von ihm übernahm. Er hatte genug Eigenschaften, die er weitergeben konnte. Jedenfalls, stand ihr Wut (so nackt wie sie in der Wanne saß, ihre Haut heiß und glänzend). Scheiß drauf, was der Rest der Schule über sie dachte. Sie war eine attraktive Harpyie. Eine hübsche Streberin. Draco gab zu, dass sie nicht schlecht anzusehen war. Was auch immer zwischen Jetzt und dem Abschluss passierte, Draco war sich sicher, dass, sollte er die Zeit überleben, er ab jetzt immer langbeinige, Brünetten mit Locken bevorzugen würde, mit großen Augen und dem Hang alles besser wissen zu wollen.
Und dann war da noch die Sache mit dem Verstand. Tja, die Geschichten mit den dummen, blonden, gutbestückten Kellnerinnen waren wohl zu Ende.
Der Schmerz in seiner Schulter, reichte offensichtlich nicht aus, um seine Erektion zu beeinflussen. Er musste vorsichtig sein, wenn er seine Hose auszog. Sie würde ihn sonst wohl sofort verhexen, wenn sie es sah. Am späten Nachmittag wüssten potter und Weasley Bescheid und er hätte schwere Verletzungen bis zum Abendbrot.
Sie sagte jetzt irgendwas. Es war erstaunlich, wie sie so eine schrille Stimme haben konnte. Granger sprach für gewöhnlich ruhig und beherrscht, fast sanft, aber trotzdem herrisch, nervig und weinerlich auf einmal.
„Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, Malfoy, aber das Badezimmer ist im Moment besetzt! Warte, bis du dran bist! Und verschwinde auf der Stelle, sonst werde ich…"
„Was? Eine Beschwerde einreichen? Ein Schüler-Bewertungsbogen ausfüllen und ihn in die Beschwerdebox werfen? Schreien? Keiner wird dich hören."
Sie knurrte. Ja, sie knurrte. Es war süß. „Das wirst du nicht tun, du Bastard. Ich spiele nicht diese Spiele mit dir! Wir hatten eine Abmachung!" Sie war so wütend, dass sie das Wasser schlug. Leider erinnerte sie das daran, dass ihre Brüste mittlerweile kaum noch vom Schaum bedeckt wurden.
Bei Merlin. Wie war es möglich, dass der Rest der Schule niemals bemerkt hatte, dass du Schulsprecherin so einen verflucht ansprechenden Vorbau aufzuweisen hatte? Klein, aber perfekte Proportionen, mit kleinen harten Nippeln, die auf seine Hände und seinen Mund reagierten und sich färbten wie es ihre Wangen taten. Sie war schlank, aber mit der Andeutung von Kurven und weichem Fleisch an den richtigen Stellen. Die meisten dieser hervorragenden Attribute waren unter ihren furchtbaren Sachen versteckt. Jogginghosen im Winter, weite T-Shirts im Sommer.
Vielleicht war es besser so. Sie würde sich sonst noch was denken, wenn jeder Idiot in der Schule anfing sie zu begaffen.
Dass es Ron Weasley bereits tat, war schlimm genug.
Seine Erinnerung an London war immer noch schemenhaft, aber diese Tatsache störte ich nicht mehr so, wie noch am ersten Tag. Er erinnerte sich dafür an das Gefühl, sie zu berühren besser, als er es wirklich vor Augen hatte. Sie erinnerte sich, wie sie sich unter seinen Händen angefühlt hatte. Die vage Erinnerung, wie ihre Brüste perfekt in seine Hände gepasst hatten. Ihre weiche Haut, die sanften Kurven ihrer Schultern und das Gefühl ihres Schlüsselbeins unter seinem Kuss.
Sie hatte es bewusst gar nicht mehr wahrgenommen, wie er sie berührt hatte. Sie hatte ihm vollkommen vertraut, dank ihrer blinden Trunkenheit. Und ehrlich, wenn sie seins wäre, würde er den Alkohol versteckt und verschlossen halten. Für immer. Für den Fall, dass irgendein Typ auf die Idee kam, diese Achillesferse an ihr anzuwenden. So wie er es getan hatte.
Neben der Tatsache, die er eine „Natürliche Lüsternheit" nennen würde (eine Redewendung, die Crabbe öfter verwendete, wenn er von seiner Beauxbatons Freundin sprach), war da immer noch diese Unschuld, die er schrecklich interessant fand. Es war, als sehe er eine Farbe, die er vorher noch nie gesehen hatte und würde sagen, „ Oh, wie schön.".
Sie spritzte mit Wasser nach ihm. Ziemlich viel sogar. Er genoss es. Er schob sich das nasse Haar aus der Stirn, und wischte sich das trockene Blut von der Nase. Er warf ihr einen warnenden Blick zu.
„Beruhige dich, Granger.", informierte er sie spöttisch. „Du tust dir noch weh."
„Ich werde dir wehtun, wenn du nicht verschwindest.", zischte sie. Sie blickte sich verzweifelt um. Wahrscheinlich suchte sie nach einer anderen Waffe, als das Seifenwasser. Aber ihr Zauberstab war bei ihrer Kleidung und diese lag weit außerhalb ihrer Reichweite. Da war aber immer noch ein Tablett voller Seifen, Badesalz, Ölen und ein Schwamm.
Die Seifen flogen ihm um die Ohren, eine nach der anderen. Er schaffte es, sich jedes Mal zu ducken. Als die Gläser mit Badesalz folgten, hob er die Bank an und ging dahinter in Deckung. Dann kam der Schwamm, aber es war wenig beeindruckend, wie er mit einem nassen „Klatsch" an die nächste Wand flog und eine nasse Spur hinterließ als er zu Boden glitt.
„Du widerlicher, perverser Mistkerl!", schrie sie, während sie nach dem Tablett griff. Leider war das mit der Wanne verbunden. Sie zog ein paar Mal daran, ehe ihr aufging, dass er ihre Brüste nun vollständig sehen konnte, und duckte sich schnell zurück ins Wasser. Sie starrte ihn mit unverhohlenem Hass in die Augen.
Würde er lachen, würde sie noch wütender werden und sich bestimmt noch irgendwie weh tun. Also biss sich Draco auf die Lippe, zwang sich zur Ruhe und wich den glitzernden Scherben auf dem Boden aus. Jetzt zog er sich langsam die Weste aus.
Er fing auch an zu summen.
Seine Gelassenheit brachte sie zur Weißglut, aber dennoch müsste sie nackt und nass aus der Wanne klettern und zu ihren Sachen gehen, um zu ihrem Zauberstab zu gelangen. Es gab nicht viel anderes, was sie tun konnte.
„Ich schwöre dir, wenn du nicht sofort gehst, Malfoy, dann gehe ich direkt zu Dumbledore."
Darauf hatte er schon gewartet. Sie sollte genau wissen, um was es ging, bevor er sie manipulieren konnte. Draco wusste, sie würde es nicht tun. Es zu sagen, würde bedeuteten, dass sie genauso Mist bauen konnte, wie alle anderen.
Außerdem… sie mochte ihn.
Obwohl er dieses mögen ein wenig zu oft testete und sie zu oft provozierte…
Aber was soll's. Die Jungend war eben dafür da, potentiell dumme Entscheidungen zu machen und von den Fehlern zu lernen. Er wusste, dass sie bluffte. Wenn sie wirklich einen Fehler machen sollten, der nicht rückgängig zu machen war, dann würde er wenigstens erfreulich sein.
Nachdem er die Weste aushatte, fehlte nur noch das Shirt. Er schloss die Augen vor Schmerz als er den Arm heben musste. Er warf es auf die Bank. Der Schmerz zwang ihn, ein paarmal zu blinzeln, ehe er seinen Fokus wieder gewann. Wenn er bewusstlos werden würde, würde sie ihn wahrscheinlich ertränken oder etwas ähnliches.
Er drehte sich zur Wand, für ihr beider Wohl, und begann die Hose seine Beine hinab zu schieben.
„DU WIRST DEINE VERFLUCHTE HOSE ANBEHALTEN, MALFOY!"
Sie war vollkommen panisch. Malfoy hatte also beschlossen, völlig zu ignorieren, dass das Badezimmer besetzt war. Er war einfach rein gestolpert. Obwohl stolpern nicht das richtige Wort war. Der Bastard hatte es ziemlich geschickt und leise getan. Jetzt stand er hier, hatte erklärt, was er vorhatte und erwartete, dass es sie nicht störte.
Die Tatsache, dass sie eine Vergangenheit hatten, war eine lahme Entschuldigung, ohne Zweifel.
Aber es störte sie. Es war genau die Art von Verhalten, die sie von ihm erwartete und hoffte, er würde sich dennoch nicht so verhalten. Vielleicht fanden es andere Mädchen charmant, vielleicht fanden sie ihn unvorhersehbar und verwegen, aber sie tat das nicht. Sie hasste es, wenn er es schaffte, dass sie sich prüde fühlte, als würde sie keinen Spaß verstehen.
Seine Bemerkung an dem schlimmen Wochenende, kamen ihr wieder in den Sinn:
„Vermisst du es?"
Vermisse ich was?"
„Den Stock, den ich tatsächlich aus deinem Hintern entfernt habe."
War es wahr? War sie so verfahren, dass sie die leichten Dinge des Lebens nicht mehr sehen konnte? Was war schlimm daran einen Spruch ein wenig zu überstrapazieren? Sie war doch ganz klar willens gewesen an ihrer Abschlussparty über die Stränge zu schlagen. Brachte etwa ein alkoholisches Fiasko ihre wahren Seiten ans Licht? Und was überhaupt waren ihre wahren Seiten?
Lila, höchstwahrscheinlich, überlegt Hermine. Hatte die Sünde überhaupt eine Farbe?
Sie waren beide erwachsen. Würde sie es erlauben.. Was überhaupt erlauben? Sexuell belästigt und bedroht zu werden? Mit ihr spielen zu lassen und sie dann wegzuwerfen, wenn es ihm langweilig wurde? Es gab Dinge, mit denen sich eine Frau – ob Muggel oder Magisch – niemals beschäftigen sollte. Eines dieser Dinge war Draco Malfoy.
Die Realität, wo der Fida Mia Zauber endete und die wahren Gefühlen für ihn zum Vorschein kamen, waren eine problematische Sache. Vielleicht war wirklich etwas völlig falsch in ihrem Innern. Etwas, dass nach seinem unmöglichen Verhalten gierte. Leise, witzig und einfühlsam zum einen – kalt, berechnend und beängstigend zum anderen.
Es war dämlich. Sie war dämlich. Sie fühlte sich wie ein kleines Mädchen, deren Luftblase zum Platzen gebracht worden war. Von einem Jungen, der sich genau als das darstellte, was sie sowieso schon von ihm gedacht hatte.
Wenn er sie jetzt zum Weinen brachte, würde sie ihm das niemals verzeihen.
Eine weitere Analyse ihrer Gefühle wurde von dem vertrauten Gefühl unterbrochen, eine Gänsehaut zu bekommen. Sie fühlte die Hitze in ihrem Innern. Als hätte jemand die Hitze im Badezimmer einfach höher gestellt.
Gegen ihr besseres Wissen hob sie den Blick, um zu sehen, zu welcher Missetat er sich jetzt wieder hinreißen lassen würde. Sie starrte seinen tätowierten Rücken an und betrachtete somit genau einen der beiden Teile ihres Problems.
Da waren sie. Seine Flügel, die genauso wunderschön aussahen, wie sie sie in Erinnerung hatte. Ihm so nah zu sein, war absolut hypnotisierend. Mit jeder Bewegung schienen sich die Flügel ebenfalls zu bewegen. Er sah aus, wie eine Art verletzter Engel, der immer noch seiner Verletzungen der letzten Schlacht zu tragen hatte.
Dort, wo der linke Flügel leicht eingeknickt war, erkannte sie eine Stelle, die seine sonst makellose Haut entstellte.
„Großer Gott! Ist das von Bligh?", wollte sie wissen und starrte vor Schrecken auf die dunkle Färbung auf seiner Haut. Jeder hatte das Foul gesehen, aber es sah nicht so ernst aus, wie es sich jetzt darstellte. Fast schwarz war die Färbung seiner Haut.
Er sah sie an, blickte dann an sich hinab und zuckte die Schultern. „Ich zahl's ihm später heim."
Nach dem Ausmaß seiner Verletzungen zu urteilen, musste er ziemlich heftige Schmerzen haben. Aber er zeigte es natürlich nicht. Harry war genauso. Jungs waren alle gleich verrückt.
„Pomfrey hat mir Salbe mitgegeben. Ich habe gehofft, dass du mir helfen würdest", fügte er hinzu.
Ihr Mitleid schwand. Sie brauchte dringend etwas, um es nach ihm zu werfen. Offensichtlich war ihm klar, dass er hier nicht willkommen war dennoch war er da – und mit nacktem Oberkörper fragte er sie, ob er tatsächlich ein Bad mit ihr nehmen durfte, damit sie die versaute Krankenschwester spielen würde.
Seine Hose hatte er noch an. Vielleicht bestand hier noch Hoffnung.
„Dann hoffst du auf ein Wunder, Malfoy", erwiderte sie kühl. „Geh zu Pansy, oder zu irgendeiner deiner anderen Eroberungen und lass sie es für dich tun."
Er sah irritiert aus und milde verblüfft. „Pansy war niemals eine Eroberung. Wieso denkt das jeder?"
Vielleicht wegen deines Rufs als männliche Schlampe von Hogwarts, dachte sie bei sich, aber sie sagte es nicht laut, denn im Gegensatz zu ihm hatte sie immer noch Manieren.
Abweisend verschränkte sie die Arme vor der Brust. Vielleicht würde er einfach verschwinden, wenn sie ihn ignorierte.
Aber damit schien sie kein Glück zu haben.
„Ich habe bereits alles von dir gesehen, Granger. Und du von mir. Aus nächster Nähe, wenn du dich erinnerst,", sagte er jetzt. Was folgte, war das vertraute Geräusch eines Reißverschlusses, der geöffnet wurde. Wirklich, niemand brauchte dafür so lange. Er war absolut nervtötend.
„Unglücklicherweise erinnere ich mich, ja", murmelte sie, unglücklich darüber, dass sie nun überall errötete. Nach einem kurzen Blick wusste sie, dass die Handtücher und Bademäntel zu weit entfernt lagen. Nur ein kleiner Waschlappen lag neben ihr am Rand.
Wenn sie doch nur den zauberstablosen Accio beherrschen würde. Harry konnte ihn.
„Ich werde jetzt bis fünf zählen, du widerlicher Spanner. Wenn du dann nicht verschwunden bist, werde ich dich verstümmeln." Sie wusste, Drohungen wirkten bei ihm nicht, also legte sie so viel Kälte wie sie konnte in ihre Stimme. „Eins… Zwei…"
„Du bist wunderschön", sagte er leise. Und dieses Mal hörte sie keinen Spott in seiner Stimme. Er war jetzt höchstwahrscheinlich nackt. „Ich glaube nicht, dass ich dir das schon gesagt habe. Ich werde hart, wenn ich nur an dich denke."
Hermines Mund wurde übergangslos trocken. Seine Stimme änderte sich immer ein bisschen, wenn er das Wort sagte, was sie niemals sagen würde. Eben die Dinge, die er manchmal sagte. Sie glaubte nicht, dass sie sich jemals an seine Worte gewöhnen könnte, selbst wenn sie schon dreißig Jahre verheiratet wären. Er hatte den Hang, sie immer wieder zu schocken.
„Du bist ein Lügner und ein Bastard, und ich war dumm genug, mit dir zu schlafen. Da hast du's."
„Hab ein Herz", flehte er.
Er war mittlerweile im Wasser. Hermine hörte das sanfte Eintauchen und spürte die Wellen an ihrem Körper. Sie stieß ungläubig die Luft aus. „Hab etwas Sinn für Anstand! Vier!"
Sie warf einen kurzen Blick über die Schulter und registrierte, dass er auf "seiner" Seite der Wanne blieb. Er lehnte sich an den Rand und schloss die Augen. Selbst aus dieser Distanz konnte sie seine nassen vollen Wimpern auf seinen weichen Wangenknochen ruhen sehen. Er hatte einen hässlichen Kratzer, der sich über seinen Kiefer zog. Er sah aus, als müsse er zielich wehtun. Sie sah auch Spuren von getrocknetem Blut unter seiner Nase und auf seinem Kinn.
Er sah ziemlich angeschlagen und mitgenommen aus, und abgesehen von der Tatsache, dass er Teufel war, konnte sie nicht anders als ein wenig Mitleid zu empfinden.
Etwa eine Minute verging. Sie war zufrieden, dass er blieb, wo er war. Sie war bereit aus der Wanne zu klettern. Sollte er sie wirklich ansehen wollen, dann sollte er eben.
„Wo willst du hin?", fragte er genauso schnell wie sie es sich überlegt hatte.
Sie starrte ihn an, als hätte er soeben gefragt, ob Hosen zwei oder drei Löcher für die Beine hätten. „Weg von dir. Nimm dein Bad. Der Raum gehört dir."
„Bleib", sagte er bloß. Nu reine winzige Spur des Flehens lag in seiner Stimme. Es war kaum zu hören, aber es war hypnotisch. Hermine war sich sicher, dass Malfoy eher der Typ Mensch war, der sich die Zunge abbeißen würde, ehe er irgendjemanden um etwas anflehte.
„Draco, du bist vollkommen übergeschnappt, weißt du das?" Er musste das wirklich von ihr hören.
„Bleib." Dieses Mal lag nichts Nettes in seiner Stimme als er sprach. Es war als er sie damals vor dem Büro seines Vaters bedrängt hatte. Damals hatte er einfach nur kalt klar gemacht, was er wollte. Eben der Draco, der alles bekam, was er wollte. „Bleib, oder ich erzähle Potter und Weasley, dass wir es letztes Wochenende wie die Karnickel getrieben haben und dass du mir den besten Blowjobs meines Lebens verpasst hast." Da war die vertraute Boshaftigkeit in seiner Stimme. Es hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass er wusste, dass ihr Ruf einer ihrer wenigen wunden Punkte war.
Hermine spürte, wie das Blut aus ihren Wangen wich. „Das würdest du nicht tun", provozierte sie ihn. „Du hast genauso viel zu verlieren wie ich."
„Nicht wirklich", informierte er sie jetzt und hob gleichgültig seine gesunde Schulter. Erst jetzt fiel ihr auf, dass seine Augen die Farbe geändert hatten. Es war relativ dunkel im Badezimmer und die Farbe seiner Augen war von dem hellen silbergrau plötzlich zu einem stählernen Ton gewichen. Er stieß sich von der Kante ab und griff nach ihrer Hand. Sie wehrte sich nicht sofort und er nutzte die Gelegenheit, ihre Hand fester zu greifen und ihre feinen Knöchel zu massieren.
„Potter und Weasley machen vielleicht den lahmen Versuch, mich zu verprügeln, aber damit kann ich leben", erklärte er, während er immer noch ihre Hand streichelte. Die Sensation, die seine Finger in ihrem Inneren verursachten, waren berauschend. „Mein Vater wird auch drüber hinweg kommen. Er braucht mich. Er weiß, dass ich letztendlich übernehmen muss. Und wenn Lucius entscheiden sollte, sich gegen seine Auflagen des Ministeriums zu wehren, werde ich Professor Snape darauf ansetzen."
Sie hatte das Bedürfnis ihn an den Schultern zu packen und ihn so lange zu schütteln, bis die Logik wieder in sein Blickfeld rutschen würde. „Vor einer Woche warst du noch genauso angewidert, wie ich es war!", beharrte sie.
„Ich hatte Zeit über die Vor- und Nachteile nachzudenken. Und wenn überhaupt, dann bedeutet, dich flachzulegen nur, dass sich mein Ruf verbessern wird." Er lächelte plötzlich. „Du könntest der weiße Elefant für Ahab sein."
"Das ist der weiße Wal, du verrückter Perversling." Er hatte offensichtlich keine Ahnung, wie Moby Dick endete. Fast wollte sie ihm erzählen, dass Kapitän Ahab eines grausamen Todes gestorben war, den er selber verschuldet hatte und eine Woche auf seinem blöden Schiff zu Tode geblutet war.
Sie zitterte vor Wut und vor anderen unaussprechlichen Emotionen. Es war eine plötzliche Traurigkeit. Enttäuschung wäre ein zu triviales Wort gewesen. „Es läuft jetzt also auf Erpressung hinaus, ja?" Sie verfluchte ihre Stimme dafür, so zu zittern. Sie zog stur an ihrer Hand, die er immer noch genauso stur festhielt.
Kurz herrschte Stille, in der sich beide betrachteten. Hermine fand es erstaunlich, dass er ihr immer noch in die Augen sehen konnte, nach all dem, was er soeben von sich gegeben hatte.
„Könntest du einfach die blöde Salbe auf meiner Schulter verteilen?", knurrte er wütend und klang zum ersten Mal ungeduldig, seit er das Badezimmer betreten hatte. Er verknotete seine Finger mit den ihren. „Bitte. Das ist alles, was ich will."
„Wieso?"
"Weil die Schmerzen mich umbringen", erwiderte er trocken. Er griff nach der Salbe am Wannenrand. Hermine sah ihm zu, als er den Deckel öffnete, eine Hand voll Salbe raus holte und sie in ihre Hand drückte. Unter Wasser hatte er sein Bein um ihren Unterschenkel gelegt. Sein Haar Kitzelte ihr Bein. Jetzt brachte er sie näher an sich, so nah, dass sich sein Penis gegen ihren Bauch drückte. Das reine Gefühl ließ ihr schwindelig vor Augen werden und ein Schwall Hitze breitete sich in ihrem Unterleib aus. Dort wo vorher die Schmetterlinge gewesen waren.
Dieser Junge besaß nicht den Hauch von Bescheidenheit. Er wurde nicht einmal rot.
„Du siehst, ich habe keine Geheimnisse vor dir." Er steckte eine ihrer Locken hinter ihre Ohren und sah amüsiert aus, als sich die Locke um seinen Finger wickelte.
Ihr Haar war ein solcher Verräter. Sie hätte ihren Kopf vor dem Sommer rasieren sollen. Vielleicht würde sie das jetzt noch tun.
„Nein, hast du verflucht noch mal nicht", gab sie ironisch zurück. Es störte sie, dass sie nicht allzu viel von ihm wusste. „Was hat dir Dumbledore letzte Woche in seinem Büro erzählt? Und was stimmt nicht mit deiner Schulter, dass Madame Pomfrey es nicht beheben kann? Und was hat Snape mit den Stimmungen deines Vaters zu tun? Sind sie alte Freunde vom Todesser Sommercamp oder so was?"
Er hob eine Augenbraue. „Oder so was. So viele Fragen. Fang an mich einzureiben und vielleicht erzähle ich es dir."
Gegen ihr besseres Wissen und gegen jeden ihrer Instinkte, tat sie, was er verlangte. Wenn auch nur, weil sie neugierig war. Das sagte sie sich jedenfalls selbst. Sie verteilte die Salbe auf ihren Fingern und begann seine Haut einzureiben. Es roch nach Eukalyptus und weitere bekannte Düfte. Zuerst war sie nicht besonders einfühlsam und er knurrte nach jeder Berührung. Sie konnte nicht leugnen, sie würde die vielen Verspannungen und Knoten in seiner Schulter nicht spüren. Aber sie spürte Genugtuung, dass er die nächsten Tage wohl einige Schmerzen haben würde.
Er beschwerte sich jedoch nicht. Auch hielt er sie nicht auf. Er sah sie einfach nur ausdruckslos an. Sie konnte beinahe fühlen, wie er ihre roten Wangen in sich aufsog. Sein Blick wanderte tiefer zu ihren Lippen. Sie hatte das plötzliche Verlangen ihr Haar vor ihr Gesicht fallen zu lassen.
„Granger, ich könnte schwören, dass ich die Hitze fühle, die dein Gesicht abstrahlt. Hast du dich noch nie um deinen kranken Geschwister oder dein Haustier gekümmert?"
Sie ließ sich nicht beirren. „Crookshanks wird nicht krank. Und ich bin Einzelkind. Ich dachte, ihr Todesser wisst über so was bescheid?"
„Ich bin sicher, dass Todesser so etwas tun. Aber ich bin kein Todesser. Ich weiß es also nicht", erwiderte er knapp. Wahrscheinlich hasste er diese Assoziation. Schließlich fügte er seinen harschen Worten etwas sanftere hinzu. „Ich wusste nicht, dass du Einzelkind bist. Du verhältst dich nicht so."
Aus irgendeinem Grund, gefiel ihm wohl ihr Ohr und ihr Ohrläppchen besonders gut. Aber auch die Linie ihres Kiefers. Er berührte sie kaum. Leicht ließ er seine Fingerknöchel ihren Kiefer hinaus wander und hielt an ihren Lippen inne.
„Wie verhalte ich mich dann?", wollte sie wissen. Sie fuhr mit den Daumen über die dunkelste Stelle seiner Verletzung und drückte leicht zu.
Er stöhnte leise. „Mütterlich. Du verhältst dich, als sorgst du dich ständig nur um hilflose, dumme Menschen und Tiere in deinem Leben."
Sie schnaubte auf. „Harry und Ron würde das bestimmt zu gerne hören."
„Harry hat einen Märtyrerkomplex, ist absolute fatalistisch, hat das Borderline Syndrom und verweigert Autorität, weil er sich tief im Innern besser als der Rest der Welt fühlt. Ron hingegen leidet unter dem Unterdrück-Mich-Syndrom. Er hat wahrscheinlich mehr Talent, als er glaubt. Er ist so daran gewöhnt nur Zweiter zu werden, dass es ihm ausreicht. Zu gewinnen allerdings ängstigt ihn so sehr, dass er seine Quidditchspiele immer nur knapp über dem Durchschnitt spielt. Er verehrt Potter nur ein wenig mehr, als dass er ihn beneidet und er ist natürlich in dich verliebt, aber verbietet sich selber, dich zu haben."
Draco fing einen Tropfen Wasser von ihrer Nasenspitze als er fertig war.
Hermine schnappte nach Luft. Jede schmutzige, gemeine, häßliche Sache, die sie jemals über die Jungs in den letzten sieben Jahren gedacht hatte, wurde hier von Draco in ein paar knappen Sätzen in Worte gefasst.
„Du bist nicht die einzige, die zusieht und lernt.", erklärte er. Er zog sie in seine Arme. Es war eine emotionale und physische Offenbarung und sie war für einen Moment erstaunt.
Der Spruch verdoppelte und verdreifachte jedes bisschen an Emotionen in ihr. Hass und Furcht wurden größer, aber auch die anderen Gefühle, die sie für ihn hegte. Sie fühlte sich leicht und ihr Herz schlug schnell. Es machte sie krank. Sie wollte ihre Arme um ihn legen, bis alles Schlechte der Welt verschwunden war, vor allem, da sie überzeugt war, dass vieles Schlechte in seinem Innern war
„Du hättest im Krankenflügel bleiben sollen.", sagte sie schließlich. Weiß Gott, was ihre Augen eigentlich sagten. Zu viel wahrscheinlich. Es war ihr egal.
„Ja, hätte ich.", erwiderte er nun völlig ernst. Draco sah sogar ziemlich besorgt aus. Er sah aus, als wollte er sie küssen. Er sah tatsächlich genauso aus, wie im Wald, eine Woche zuvor als er sie geküsst hatte.
„Bitte, fass mich nicht an", flüsterte sie und zitterte, trotz der Hitze.
„Glaub mir, ich versuche, es nicht zu tun", antwortete er mit rauer Stimme. Sie flüsterten beide.
Oh Gott oh Gott oh Gott oh Gott… er war bloß ein Junge. Sie würde damit schon fertig werden.
„Verflucht, Granger. Ich verspreche, ich werde dir nicht wehtun."
Lügner, dachte sie traurig. Und dann küsste sie ihn.
