Chapter Twenty-Two
Harry lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nippte langsam an seinem heißen Tee. Er versuchte die Tatsache zu ignorieren, dass sein Kopf sich anfühlte, als wäre er mit einem Mörser bearbeitet worden.
„Zucker?", fragte Snape, mit kaum vorhandener Verwirrung. Was er wirklich hatte sagen wollen, war, „Warum bist du immer noch hier?"
„Nein, danke", gab Harry still zurück. Nach einem drei Stunden langen Okklumentik Examen, tat Sprechen weh. Auch Tee trinken tat weh. Er stellte seine Tasse auf einem Stapel Bücher ab, die älter aussahen als Dumbledore und dachte an das kommende Wochenende.
Unglücklicherweise tat Denken auch weh.
Aber Harry würde es Snape bestimmt nicht erzählen. Zu viel Gelegenheit für Snape, ihn zu beleidigen.
Es war ihre letzte Stunde dieses Jahr gewesen und Snape hatte Harry wöchentlich unterrichtet und sich Notizen gemacht, wie Dumbledore es angetragen hatte. Snapes Beitrag zu dieser Aufgabe waren ab und an ein böses Grinsen gewesen und bedeutungsschwangeres Räuspern, wenn Harry seinen Fokus verlor und einen Fehler gemacht hatte.
Diese Fehler unterliefen ihm selten mit viel Abstand zwischen jedem Einzelnen, worüber beide überrascht waren. Alles in allem hatte Harry diesen Unterricht bemerkenswert gemeistert. Und sie beide wussten das.
Nicht, dass Snape vorhatte Worte des Lobs zu äußern. Harry nahm an, es war schon genug Lob, dass der Mann ihn nicht jedes Mal bis aufs Blut beleidigte. Nach drei Jahren des privaten Unterrichts, hatten sie sich still schweigend geeinigt. Harry würde ihn keinen missmutigen, alten Mistkerl schimpfen, oder etwas wie Fledermaus im Kerker, während Snape dauerhaft den Namen James Potter vermied.
Bis jetzt stand es drei zu achtzehn. Snape führte ganz klar mit den Beleidigungen. Es brachte Harry zum Lächeln, wenn er darüber nachdachte, selbst wenn es unwichtig und kindisch war.
„Das nächste Mal schlage ich vor, dass Sie einen Kopfschmerztrank anwenden, ehe Sie beginnen. Ich vertraue darauf, dass sich auf mich hören", schnappte Snape gereizt. Er veranstaltete etwas Lautes an seinem Pult. Atmen, nahm Harry an.
Nicht mal das konnte Harry vertragen. Sein Gehirn fühlte sich an, wie ein ausgewrungener Waschlappen.
„Ich vertrage Kopfschmerztränke nicht. Sie beeinträchtigen meine Konzentration", war seine Antwort darauf, obwohl es eher ein Stöhnen war, als wirkliche Worte.
Snape ließ seine Feder sinken. „Potter, ein Floh, der vom Rücken eines räudigen Hundes in einer Straße in Kalkutta springen würde, würde Ihre Konzentration beeinträchtigen. Trotz allem hat sich Ihre Kontrolle verbessert. Es war besser als letzte Woche."
Nicht das schon wieder, dachte Harry. Dieser Mann konnte es nicht sein lassen. Harrys Ungehorsamkeit gegenüber Lupin nach diesem bedeutungsschweren Mittwoch im Wald, hatte für zwei Tage für Gesprächsstoff in der gesamten Schule gesorgt, aber nur Hermine und Snape nervten ihn immer noch damit.
Und jetzt stand es drei zu neunzehn. Sollte er nur weiter machen.
„Diese Sache mit Lupin, geht Sie nichts an, Professor. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn sie aufhören würden, es zu erwähnen."
Da. Niemand sollte sagen, dass er nicht wusste, wie man höflich gegenüber seinen Feinden war.
„Denken Sie noch mal scharf nach", fing Snape an. Harry konnte den Monolog schon kommen hören.
„Es geht mich sehr wohl etwas an als ihr Okklumentiklehrer, wenn man bedenkt, wie solche Dinge Ihre Konzentration beeinträchtigen können. Ihr Privatleben könnte mich kaum weniger interessieren, aber Sie sollten Wege finden, wie Sie diese arme-verletzte-Seele Gedanken, jedes Mal, wenn Sie einen kleinen Streit mit jemandem haben, in Ihrem Kopf behalten. Für jeden, der Legelimens einigermaßen beherrscht, wären Sie mit diesen schwachen Barrieren, ein gefundenes Fressen."
Die alte Fledermaus hatte, unglücklicherweise, Recht. Das war doch immer das Problem. Die Tatsache, dass Voldemort einmal in der Lage gewesen war, Harry seine widerliche, haftende Präsenz einzupflanzen und einen langen Blick in seinen Kopf hatte werfen können.
Es war mentale Vergewaltigung. Einfach und rein, und Harry würde den Bastard dafür umbringen.
Er würde den Bastard auch für knapp dreiundsechzig andere Gründe umbringen. Es war gut, die Übersicht bei solchen Dingen zu behalten. Es machte das Konzept der Vendetta interessanter, Harrys Meinung nach.
Snape war anscheinend mit dem Marker-Massaker fertig, das er in den Hausaufgaben seiner Zweitklässler veranstaltet hatte. Er verließ sein Pult und begann seine Gläser und Flakons neu zu sortieren.
Es war bemerkenswert, wie Snape eine andere Person dazu bringen konnte, sich völlig unsichtbar zu fühlen, während er nur zu deutlich werden ließ, wie unwillkommen diese Person jetzt gerade war.
Harrys Blick war verschwommen und er versuchte die Aufkleber auf Snapes Gläsern zu entziffern, aber sein Kopf schmerzte beim bloßen Versuch und er hatte keine Lust, seine Brille wieder aufzusetzen. Gerüchten zufolge, brauchte Snape heimlich schwarzmagische Liebestränke für den Schwarzmarkt, um ein wenig Extrageld zu verdienen. Er verdiente wirklich nicht viel, wie Harry seine spartanische Existenz beurteilte. Wie sonst konnte er seine drei Dutzend Qualitätsroben in zwölf verschiedenen Schwarztönen bezahlen? Gute Roben waren teuer, wie Draco Malfoy, das Arschloch, immer wieder verlauten ließ, wenn Ron in der Nähe war.
Der Gedanke, dass Snape voller Konzentration über einen Liebestrank gebeugt war, war immer wieder einen Schenkelklopfer wert.
„Bringen Sie die Sache mit Lupin wieder in Ordnung, oder tragen Sie Seinen Schutzhelm, der sie davor bewahrt, dass Ihre Gefühle in Ihrem Kopf die Oberhand gewinnen."
Harry hob eine Augenbraue, und hoffte, dass Snape nicht versucht hatte, seine Gedanken zu lesen.
„Hm, würde der Schutzanzug helfen?"
„Bei Ihren Harren wird gar nichts helfen", erwiderte Snape so trocken, dass seine Stimme förmlich knisterte. Er füllte, was auch immer er gerade gemixt hatte, ihn ein Glas und reichte es ihm wortlos. Der Inhalt sah genauso aus, wie etwas, dass man von einem Teller kratzte, der schon seit Jahren in der Spüle lag.
„Trinken Sie, es ist für Ihren Kopf."
Harry trank die graue, düstere Flüssigkeit und war sich nicht sicher, was es gewesen war, das er getrunken hatte. „Was ist das?", fragte er und er war nicht fähig, das Misstrauen aus seiner Stimme zu verbannen.
Snape verdrehte die Augen. „Wenn ich Sie umbringen wollte, Sie undankbare Heulsuse, hätte ich es bereits getan, und das mit weitaus weniger Aufwand."
Harry nickte und in seinem Kopf korrigierte er die Beleidigungs-Rate. Drei zu Zwanzig. „Das hat Hermine auch gesagt."
Ihren Namen zu erwähnen, ließ Snape seine Stirn noch mehr runzeln als sonst. Als wäre sie eine Art Problem, über das Snape nachdenken würde, seit Harry es an diesem Abend erwähnt hatte.
Er hätte Snape vielleicht eine entsprechende Frage gestellt, aber es klopfte an der Tür.
Es war Lupin, der seinen Kopf zur Tür hereinsteckte und sein gewöhnliches Lächeln auf den Lippen trug. „Guten Abend, Severus. Ich habe mich gefragt, ob ich kurz mit Ihnen sprechen könnte." Er erkannte Harry im Stuhl und es schien ihn nicht zu überraschen, ihn hier zu sehen.
„Hallo Harry. Wie läuft Okklumentik?"
„Ja, es geht", erwiderte er mit einem steifen Grinsen. Er konnte nicht begreifen, weshalb er immer noch sauer auf Lupin war. Vor allem war es unmöglich, diesen Mann wütend zu machen. Aber, warum er ihn wütend machen wollte, das hätte er nicht sagen können.
„Sicher, gehen Sie, Potter", sagte Snape müde.
Harry fühlte bereits, wie der Trank zu wirken begann. Der Schmerz in seinem Kopf ließ nach und er fühlte sich nur noch angenehm müde. Und hungrig. Vielleicht machte er einen Umweg durch die Küche…
„Wann werde ich erfahren, wie ich abgeschnitten?", fragte er jetzt. Er wollte, dass Snape Dumbledore einen guten Report vorlegte, in dem er von Harrys stetig verbesserten Okklumentik Stunden schwärmte.
Snape blickte über seine Nase in Harrys Gesicht. „Wenn ich es für angemessen halte. Gute Nacht, Potter."
„Nacht", erwiderte Harry nur, während er kaum seine Lider offen halten konnte. Er rempelte sogar Lupin auf seinem Weg nach draußen an.
Lupin wartete, bis er verschwunden war, wartete noch eine Weile und trat dann ebenfalls raus in den Flur, blickte durch den Gang und reckte seine Nase in die Luft.
Snape verschränkte die Arme vor Brust. „Darf ich fragen, was du da tust?"
„Harry hat den Tarnumhang seines Vaters, wusstest du das?", war Lupins kryptische Antwort. „Jetzt, wo Harry beinahe fertig mit Hogwarts ist, kann ich es dir sagen."
„Ja. Der Schulleiter hat mich über diese nützliche Kleinigkeit am Anfang des Jahres informiert, während er außerdem gesagt hat, ein Schüler könnte für die Taten eines ehemaligen Schülers nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Aber ich hatte es im Gefühl, deshalb habe ich, wann immer ich mich beobachtet fühlte, Flüche durch die Gänge geschossen."
Es hätte ein Scherz sein können. Aber es war Snape, der es sagte. Lupins Augen warfen amüsierte Falten und er setzte sich auf den Stuhl, auf dem Harry vorher gesessen hatte. „Wirklich?"
Snape sah ihn an. „Ich denke, die kurze Unterhaltung ist vorbei. Was kann ich sonst für dich tun, Lupin?"
„Macht es dich nicht müde, immer so furchtbar schlecht gelaunt zu sein?"
„Nicht im Geringsten", erwiderte Snape sanft. „Es ist weniger anstrengende als ewig gut gelaunt und freundlich zu sein. Ich bin sicher, du stimmst mit mir darüber ein."
Lupin schien sich davon nicht angegriffen zu fühlen. Wie Harry, war er an Snapes bittere Seitenhiebe gewöhnt. „Ein Glas oder zwei von deinem exzellenten Cognac, den du in deinem Pult unter Verschluss hältst, könnte deine schlechte Laune lindern."
Beinahe reglos holte Snape den Cognac aus seinem Pult und kippte den Rest, der davon übrig war in zwei Schwenker, die er ebenfalls aus der Schublade holte. Er reichte Lupin das eine Glas, in derselben Manie, in der er Harry zuvor seins gereicht hatte.
Der Professor für Verteidigung roch genussvoll an dem Glas. „Ich bin wegen Draco Malfoy und Hermine Granger gekommen." Er lehnte sich ein Stück weiter vor und sah Snape beinahe prüfend an. „Und ich habe das Gefühl, dass du genau weißt, wovon ich rede."
Snapes Lippen wurden schmal. Lupin wusste es also. Und Lucius, Borgin und der Tätowierer. Das brachte es auf sieben Leute.
„Es ist der Fida Mia. Sie haben sich dem Spruch in der Nacht ihrer Abschlussfeier unterzogen."
„Verfluchte Hölle!", rief Lupin ungehalten aus und verschüttet einen Schluck Brandy auf seiner Hose. „Unter all den dummen Dingen, die sie hätten tun können!"
„Es ist nicht völlig unwiderruflich", fügte Snape jetzt hinzu.
„Ach nein? Ist Fida Mia nicht gerade für seine ewige Haltwertzeit bekannt?"
„Es gibt Wege. Keine angenehmen. Sie waren am Wochende auf Malfoy Manor, um Lucius zu sehen."
Lupins Kopf ruckte hoch. „Du machst Witze! Hermine ist freiwillig in Lucius Malfoys Haus gegangen?
Snape ignorierte die Frage, denn sie war rein rhetorisch. „Das Haus gehört jetzt Draco. Jedenfalls gehört es ihm eher als seinem Vater. Lucius hat ihnen geraten, sich Hilfe von Borgin zu besorgen."
„Borgin? Großer Gott. Das wird ja besser und besser." Lupin seufzte. Er sank zurück auf den Stuhl. Die beiden Männer tranken ihren Cognac in düsterer Stille, für einen Moment.
„Ich nehme an, du beobachtest sie?", fragte Lupin schließlich.
„Ja."
„Weiß der alte Mann Bescheid?"
„Nein."
Lupin trommelte mit dem Finger auf den Rand seines Schwenkers. „Ich denke, es ist sicher, anzunehmen, dass er es nicht weiß. Er war schließlich für ein paar Wochen außer Haus."
Snape schnaubte aus. „Das ist ja wohl untertrieben. Fawkes ist bereits aus der Asche auferstanden."
„Das ist wirklich das Letzte, was Hermine jetzt gebrauchen kann", erwiderte Lupin.
„Ich versichere dir, dass diese neue Entwicklung auch nicht gerade ideal für meinen Patensohn ist. Vor allem, wenn du Arthur Weasleys verrückte Idee berücksichtigst, die ihn zum Spion machen soll", entgegnete Snape gereizt.
Lupin schüttelte müde den Kopf. „Ich habe wirklich keine Ahnung, was kürzlich in Arthur gefahren ist."
Snape schürzte spöttisch die Lippen. „Wenn ich nachhelfen darf? Es nennt sich Macht."
„Ja, es ist immer noch Arthur Weasley über den wir hier reden. Ich bin geneigt zu glauben, dass diese Strategie eher auf schlechte Ratschläge als auf einen schlechten Minister zu schieben ist."
„Es ist genau dasselbe. Der Parasit Coon ist der letzte in einer sehr langen Reihe von schlechten Entscheidungen."
Wieder entstand ein längerer Moment der Stille, während beide Männer über schlechte magische Politik nachdachten.
Jetzt war es Snape, der die Stille brach.
„Lupin, woher weißt du es?"
„Das über unsere verhinderten Turteltauben?" Lupin verdrehte die Augen. Es war eine alte Eigenschaft von ihm, Snape kannte ihn dafür gut genug. „Abgesehen von der Tatsache, dass sich beide seit dem letzten Jahr schmachtende Blicke zuwerfen?
„Abgesehen davon, ja."
2Ich konnte die Magie an ihnen riechen, Severus", gestand Lupin. „Das klingt völlig seltsam, aber es ist wahr. Denk dran, dass ich mit ihnen dutzende Male im Gewächshaus gearbeitet habe. Das ist ein ziemlich starker Zauber, mit dem die beiden da gespielt haben."
Spielen war hier wohl nicht das passende Wort. Lupin räusperte sich und wirkte leicht amüsiert. Er nahm einen weiteren Schluck aus dem Glas. Sein Ausdruck wäre wohl am besten als resignierend zu beschreiben gewesen.
„Hermine und Draco, hm?" Lupin schüttelte langsam den Kopf, als würde er dadurch versuchen, etwas Logisches in diese Sache bringen zu wollen. „Ich kann nicht bestreiten, dass sie nicht ein hübsches Paar abgeben. Streitsüchtig, aber hübsch."
„Sie geben ein entschieden gefährliches Paar ab", korrigierte ihn der Zaubertrankmeister.
„Gefährlich für wen genau?"
Snape entschied, dass dies eine dumme Frage war, die ein kluger Mann stellen konnte. „Für sich selbst. Für die, die Einfluss auf ihr Schicksal haben. Für Potter, der sich auf die Besserwisserin mehr als auf alles andere verlässt. Für Ihn, dessen Namen nicht genannt werden darf, der am allerwenigstens erfreut wäre über eine Verbindung zwischen altem Blut und neuem."
„Ich müsste noch das Scheitern junger Liebe hinzufügen. Ein Grund mehr, warum ich diesen Mistkerl erwürgen möchte", erklärte Lupin, in weniger Typischer Manie. Harry würde der Mund offen stehen, wäre er noch hier. Lupin trank den Rest seines Brandys und schob Snape das leere Glas zu.
„Danke für den Schlummertrunk."
„Ist ja nicht der erste. Keiner von uns kann die vielen Male noch zählen", erwiderte Snape und wirkte etwas abwesend.
Lupin lächelte, bevor er die Tür hinter sich schloss. „Oh, du wärst überrascht."
