Chapter Twenty-Three
[Eine Notiz hing an den schwarzen Brettern der vier Häuser.]
Lieber Schüler
Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Schul-Klatscher am Freitag ihrer jährlichen Inspektion unterzogen werden, zwischen acht und vierzehn Uhr. Das Betreten des Quidditchfeldes ist in diesem Zeitraum den Schülern untersagt. Nur die eingetragenen Vertrauensschüler haben Zugang. Die Kapitäne der Hausmannschaft sind verantwortlich, ihren Teamkameraden von dieser Beschränkung zu berichten. Jeder Schüler, der in der Nähe des Feldes entdeckt wird, erhält einen Strafabzug von zwanzig Punkten.
Danke für Ihre Kooperation,
Madam Hooch.
[Eulenpost, Donnerstagmorgen, vor Entschlüsselung] -
An: Gertrude Merrybones
Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei
Meine liebe Gertrude,
es tut mir leid, von deiner andauernden Krankheit zu hören. Wie gewünscht, habe ich Großmutters Rezept beigefügt. Ich hoffe, es erzielt die gewünschte Wirkung. Schreib mir bald und erzähl mir, wie es läuft.
Umarmung und Küsse, deine Schwester,
Prudence
[Großmutter Merrybones' niemals versagendes Muffinrezept, nach der Entschlüsselung] -
Draco,
Danke für Ihre Nachricht. Ich entschuldige mich für die späte Antwort, aber Ihr Verschlüsselungszauber hat mich ein paar Tage Zeit gekostet.
Der Spruch ist ein Meisterwerk. Sie sollten wirklich darüber nachdenken, einen Entwurf an das magische Patentbüro zu schicken, falls das mit Ihrem Erbe nicht das Wahre sein sollte.
Aber zur Sache, denn ich habe einige Nachforschungen angestellt und ein Individuum gefunden, welches eine Lösung zur Verfügung stellen könnte. Natürlich zu einem gewissen Preis. Diese Angelegenheit streng vertraulich zu behandeln war nicht leicht, wenn man an die legalen Schwierigkeiten denkt. Ich habe einen geschätzten Betrag des laut Expertenmeinung beigefügt. Bitte lassen Sie es mich so schnell wie möglich wissen, sollten diese Bedingungen nicht Ihren Wünschen entsprechen.
Wir werden uns am Cubblestone Inn in der Knockturn Gasse am Samstagabend treffen. Ich würde Ihnen nahe legen, einen Raumunter dem Namen Mr und Mrs Merrybone im Inn zu mieten. Ich werde Sie dort zu genannter Zeit abholen.
Mit freundlichen Grüßen,
E. R. Borgin.
Donnerstagabend.
Es war der ideale Abend für einen Spaziergang, entschied Tonks. Ihr Schicht, die sich auf eine eher langweilige Zeit bezog, in der sie die Strecke Hogwarts-Hogsmeade kontrollieren musste, war zehn Minuten eher beendet als erwartet. Weitere zehn Minuten hatte sie schon damit verbracht, mit dem ebenfalls gelangweilten Rufus Quartermaine zu plaudern, der zu ihrer Ablöse gekommen war.
Tonks hatte die Möglichkeit, Hagrid in den Drei Besen auf ein Glas zu treffen oder sie ging zu Lupin, um sich einen weiteren Muggel Krimi auszuleihen (Lupins geheime Leidenschaft). Allerdings hatte sie sich doch für den Spaziergang entschieden.
Hogwarts mochte vielleicht so alt sein, wie die Berge, die es umgaben, aber es gab doch jedes Mal etwas Neues zu entdecken. So etwas waren zum Beispiel die vielen summenden Hydrangea Büsche, die Professor Sprout vergangenen Frühling gepflanzt hatte. Es hatte Tonks bestimmt zwei, drei Tage gekostet, ehe sie begriffen hatte, dass das leise Summen von den Büschen kam und nicht von der Verletzung in ihrem Kopf, die sie sich zugezogen hatte, als sie sich einmal in der Bücherei den Kopf an einem Regal gestoßen hatte. Es gab auch noch andere Sachen, wie die wechselnden Räume im Schloss, oder das berühmte Erfrischungstablett im Badezimmer der Vertrauensschüler.
Andere Dinge waren nicht ganz so harmlos, unglücklicherweise.
Das Team der Auroren in Hogwarts traf sich früher am Abend, um die Themen in ihren Reporten zu besprechen. Das Problem war nämlich, es gab keine Themen-. Moody hatte daraufhin angemerkt, dass er sicher war, der Rekrut sei in Hogwarts, aber seit dem letzten Mittwoch, an dem das Mal über Hogsmeade erscheinen ist, sei eben nichts Böses mehr passiert. Das letzte Quidditchspiel zwischen Auroren und Schülern war demnach also eine sehr willkommene Ablenkung gewesen. Dennoch blieb das Gefühl, das etwas ganz und gar nicht stimmte. Quartermain behauptete, dass er zu einem Siebtel Seherfähigkeiten geerbt hatte und spüren konnte, dass etwas Hässliches passieren würde. Trelawney stimmte mit ihm überein, aber das war weder etwas Neues, noch etwas, das besonders erwähnt werden musste.
Jeder fühlte es. Die Nervosität grenzte an Furcht. Das Ende eines Jahres in Hogwarts war nie ruhig und langweilig gewesen. Also, wieso sollte es dieses Mal anders sein?
Weil wir dieses Mal bereit sein, deshalb, dachte Tonks.
Albus Dumbledore würde sich eher selber die Hand abschlagen, als einen von ihnen zu erlauben, die offensichtlichen Fallen des Dunklen Lords zu beachten. Und es waren Fallen. Es gab immer eine Handvoll Schüler auf der Beobachten-Liste. Schüler, die etwas anderes waren, als die anderen. Hoffnungslos, antriebsarm und sehr, sehr wütend auf die Welt.
Zurzeit gab es vier aus Slytherin, drei aus Ravenclaw und ein Gryffindor. Professor Sprout war sehr erleichtert gewesen, dass kein Schüler aus ihrem Haus verdächtig genug war, um auf die Liste zu kommen. Sie war nicht froh, weil es eine Art Bestätigung für sie war, dass sie eine gute Hauslehrerin war – oh nein! Vielmehr war sie erleichtert, denn würde sich ein Hufflepuff anschließen wollen, dann konnte Voldemort sich sehr glücklich schätzen. Hufflepuffs waren nämlich ziemlich grausame und blutsüchtige Berserker, sollten sie sich denn entschließen, einen loyalen Eid abzulegen. Ein Hufflepuff Todesser weniger war ein Segen für die Auroren.
Sie fühlte sich erregt durch ihre trüben Gedanken und beschleunigte ihre Schritte. Unter ihren Füßen machte der Boden ächzende Geräusche. Neben sich hatte sie die summenden Hydragenas und zu ihrer rechten den Wald. Sie nahm einen kleinen Seitenweg, der automatisch den Weg zu dem Gebiet von Donald Bligh markeierte. Oder war es das Gebiet von Astrid Huggins? Moody war immer sauer, wenn sie sich nicht merken konnte, welcher Auror für welches Gebiet verantwortlich war.
Es war Blighs Gebiet. Sie wusste es, denn sie stolperte fast in ihn hinein.
Es gab anscheinend ein Problem. Bligh sprach mit einer Person, die im Schatten verborgen lag und seine Stimme klang gereizt.
„Lumos", sagte Tonks und beleuchtete die Szene. „Don, kann ich dir helfen?", fragte sie und stellte sich neben ihren Kollegen.
Sie war überrascht, dass es sich um Draco Malfoy handelte, mit dem Bligh gerade sprach. Das Licht zeigte ihn jetzt deutlich. Ihr Cousin ersten Grades trug dunkle Jeans, Turnschuhe und ein dunkles langärmeliges Shirt. Der Junge sah aus, als wolle er spionieren.
Es überraschte sie kaum, dass manche Schüler die Gefahr so außer Acht ließen. Erst gestern hatte sie einen Ravenclaw dabei erwischt, wie er nach der auferlegten Bettzeit noch in die Bibliothek geschlichen war. Hogwarts war ihr Zuhause und es war niemals leicht, einem Teenager zu erklären, dass er in seinem Zimmer zu bleiben hatte.
Ihr Kollege wirkte etwas neben sich. „Ich habe diesen hier im Dunklen gefunden. Er sagt, er plant sich hier mit einem Mädchen zu treffen."
Höchstwahrscheinlich wollte Bligh Malfoy einen über braten, weil er nach der Sperrzeit draußen war. Tonks seufzte. Alle Streite, die auf Quidditch beruhten, dauerten länger als gewöhnliche Auseinandersetzungen.
„Es gibt natürlich Punkteabzug, Malfoy", sagte Bligh mit unprofessioneller Schadenfreude. Er zog sein Notizbuch hervor, schrieb hastig etwas nieder und widmete seine Aufmerksamkeit wieder seinem Opfer.
Malfoy blieb völlig ruhig. Er sah fast gelangweilt aus. „Schön", erwiderte er und streckte seinen Arm aus. „Auf die Finger hauen, Punkte abziehen und dann kann ich wieder gehen?"
In diesem Moment wurden Tonks drei Dinge klar. Wären sie ihr nicht klar geworden, dann wäre dieses Zusammentreffen auf dramatische Weise anders ausgegangen.
Erstens gab Malfoy nicht zu erkennen, dass sie sich kannten, obwohl sie einander als Cousin und Cousine letzte Woche vorgestellt worden waren. Die zweite Sache war, dass sie von Draco Malfoy eigentlich erwartet hatte, seine Ehre zu verteidigen. Dass er von seinem göttlichen Recht sprechen würde, dass er überall sein durfte, wo auch immer er sein wollte.
Sie hatte sich schon fast auf seine Rechtfertigung gefreut.
Und das führte zu dem dritten Punkt. Sie hatte nämlich das alarmierende Gefühl überhaupt nicht mit Draco Malfoy zu sprechen. Da war etwas an ihm, was ungefähr so glaubhaft war, wie ein Orangensaft Milchshake. Nämlich eigentlich gar nichts.
Sie entschloss sich, den Bluff zu aufzudecken. Während Bligh weiter darüber meckerte, dass er nur bezahlte würde, um Babys zu hüten, richtete Tonks den Zauberstab auf den angeblichen Draco Malfoy.
„Du wirst schön stehen bleiben", befahl sie dem Fremden und richtete den Zauberstab direkt auf seine Brust.
„Tonks… was tust du da?", fragte Bligh und sah sehr unsicher aus.
„Ich glaube nicht, dass das Malfoy ist", informierte sie ihren Kollegen, ohne ihn anzusehen.
„Grundgütiger", murmelte Bligh. Er war vielleicht etwas grob und bekam schnell einen heißen Kopf, aber sie zählte darauf, dass er nicht schwer von Begriff war. Er reagierte nicht sofort. Er hob jetzt seinen Zauberstab, brachte ihn auf Tonks Höhe und zwei Lumos Zauber trafen den falschen Malfoy.
„Ich nehme an, du wirst es wissen", erwiderte er langsam.
„Wir werden es sehen." Die Spitze ihres Zauberstabs berührte die Brust des Fremden. „Wer bist du?"
Der Fremde lächelte. Es war Dracos Halblächeln. Sie kannte es, und dennoch wirkte es fremd. Als würde es ein völlig Fremder lächeln. Und Tonks bemerkte, dass Draco niemals so viele Zähne zeigte.
Damit sie eine bessere Kontrolle über den Fremden hatte, schritt sie um ihn herum und überließ es Bligh, den Betrüger zu entwaffnen. Sie war drei Schritte hinter ihm bereit ihn zu schocken, wenn nötig.
„Wer sollte ich sein, wenn nicht Draco Malfoy?", fragte der Junge ruhig.
Dieselbe gedehnte Stimme, dieselbe Wortwahl. Es war fast gruselig. Und sehr gut gemacht.
„Tonks?", wandte sich Bligh jetzt fordernd an sie. „Ich will mir wirklich nicht zweimal Ärger einhandeln, weil ich denselben Schüler auf und außerhalb des Quidditchfeldes beleidige."
Tonks legte den Kopf schief und betrachtete ihren nicht-Cousin von hinten. „Er ist nicht Malfoy", sagte sie nach einer Weile. „Ergreif ihn."
"Wenn du einen Zauberstab bei dir hast, dann lass ihn jetzt fallen!", schrie Bligh.
Der Betrüger griff in seine Tasche, zog den Zauberstab hervor und warf ihn Bligh zu, während er dreckig grinste.
„Du machst eine ziemlich furchtbaren Fehler, Auror", erwiderte der Betrüger. „Denk lieber noch mal nach, bevor du etwas tust, was du noch bereuen wirst."
Bligh hob den Zauberstab, um ihn direkt auf sein Gesicht zu richten. Ein direkter Stupor auf den Kopf, war bekannt dafür, irreparable Schäden zu verursachen. „Auf den Boden, oder es wird unangenehm für dich. Und ich werde es nicht noch einmal sagen."
Das seltsame Grinsen verschwand nicht für eine Sekunde. „Hast du jemals jemanden verloren, der dir wichtig war, Auror?"
„Auf den Boden, du kleine Ratte, bevor ich dir die Zähne austrete", knurrte Bligh.
„Ein Freund, Elternteil, Geschwister? Einen Partner, vielleicht?", fuhr der falsche Draco fort.
Tonks nahm eine etwas andere Art von Problem wahr. „Er will dich nur ablenken, Don. Fessel den Jungen und wir sind hier fertig. Ich werde ein Signal senden."
Der Fremde war einen Blick über seine Schulter auf Tonks, als würde er erst jetzt bemerken, dass sie hinter ihm stand. „Huggins. Ist das nicht der Name seiner Freundin? Eine hübsche, blonde Aurorin. Feine blaue Augen. ZIemlich gute Jägerin?"
Ein kurzer Blick auf Bligh bestätigte dem Fremden, dass seine Anspielung ihr Ziel nicht verfehlte.
„Astrid, das war der Name", fuhr der Betrüger fort und dieses Mal sprach er direkt mit Bligh. „Hübscher Name für ein hübsches Mädchen. Sie muss heute auch patrouillieren, richtig? Ich wette, ihr zwei trefft euch danach auf eine Drink."
Und dann war das finstere Lächeln verschwunden. Sein Platz wurde von Bosheit eingenommen. Der gewöhnliche Klang der Stimme war ebenfalls verschwunden. Was übrig blieb erinnerte in keinster Weise mehr an Draco Malfoy.
„Wenn du jetzt verschwindest, Auror, werde ich meinen Leuten sagen, sie nicht wie ein Schwein zu auszuweiden, nachdem sie sie bekommen haben. Wir würden ihre Überbleibsel wie Konfetti in die Bäume hängen. Es würde dich Wochen kosten, all ihre Teile zu finden. Kannst du dir den Schaden vorstellen, den fünf verdorbene Individuen anrichten können? Bei zu einem zerbrechlichen Geschöpf?"
Das war alles, was es brauchte. Es war unwichtig, ob die Drohung leer war oder nicht. Blaise hatte elf Jahre an Training hinter sich, was bedeutet hätte, dass er es besser wissen müsste.
„Donald, nein!", rief Tonks, aber zu spät.
Mit einem Schrei stürzte sich Bligh auf den Betrüger, nur eine Sekunde eher, bevor Tonks den Schockzauber losgelassen hatte. Er umfing den Körper des Betrügers und der Zauber traf einen Baum in nächster Nähe. Beide wälzten sich für einen Moment auf dem Boden, aber das war alles, was der Betrüger brauchte, um die Oberhand zu gewinnen.
Er rollte mit beachtlicher Geschwindigkeit von Bligh herunter, griff in seine Tasche und zog etwas hervor, das in Papier eingewickelt war. Er warf es nach Bligh. Jetzt hatte sie freie Bahn und der nächste Schockzauber traf sein Ziel. Er traf den Fremden in die Brust und er fiel rücklings in den Dreck.
Das Objekt, das er geworfen hatte, war nicht größer als ein fautgroßer Glasball. Bligh keuchte auf, als das Glas seinen Arm traf. Dunkle, dampfende Flüssigkeit schien sich durch seine Uniform zu brennen. Etwas Leuchtendes tropfte von dem Glas, fast in Zeitlupe. Panisch schlug der Auror nach der leuchtenden Flüssigkeit auf seinem Arm – und verschwand.
Tonks schrie auf. Das verfluchte Ding war ein Portschlüssel! Moody würde definitiv um sich schlagen, wenn er das herausfand.
Grimmig schoss sie das Signal in die Luft, ehe sie sich bückte, um den Betrüger näher in Augenschein zu nehmen. Jetzt gerade war der Gefangene der einzige Anhaltspunkt zu Blighs Aufenthalt. Der Fremde, wer auch immer er war – oder sie – lag auf der Seite. Es war, als würde sie eine Illusion anstarren.
Tonks war sich sicher, es handelte sich nicht um Vielsafttrank. Der Betrüger war ein Metamorphmagus, genau wie sie.
Und die Bedeutung dieser Tatsache war nicht unerheblich. Nein, viel mehr absolut unglaublich.
In wenigen Minuten, würde der Fremde seine ursprüngliche Form annehmen, denn Metamorphmagi konnten die Form während der Bewusstlosigkeit nicht beibehalten.
„Wer bist du?", flüsterte Tonks. Es gab nichts weiter zu tun, als zu warten. Zu warten, dass Unterstützung kam – und sie hoffte, dass es nicht Astrid sein würde.
„Jemand, der ziemlich sauer sein wird, wenn er aufwacht", sagte eine Stimme direkt hinter ihr.
Tonks wirbelte herum. Sie konnte noch einen Blick auf die Person werfen, die sie kurz darauf mit einem Schlag auf den Kopf zu Boden schickte.
Ihr letzter Gedanke, ehe sie auf den Boden schlug, war, dass Dumbledore vielleicht doch seine metaphorische Hand verlieren würde.
Freitag
Gott, er haste den Morgen. Der Tag machte sich einen Spaß daraus, sich über sein beschissenes Leben lustig zu machen. Die Sonne war viel zu fröhlich und optimistisch. Sie verteilte Wärme, die ihn nicht zu erreichen schien.
Draco weigerte sich, seine Augen zu öffnen. Auch wenn seine Wecker ihm sagte, dass es halb sieben war, und Zeit, sich anzuziehen und zum Frühstück zu gehen, wo ihn fünfhundert Augen anstarren würden, aus einer Vielzahl von Gründen.
Das gute war, dass er acht Kissen in seinem Bett hatte und keine Angst sie zu verwenden. Draco stapelte sie über seinem Kopf, damit er das Tageslicht ignorieren konnte, wenn es versuchte, durch sein Fenster ins Zimmer zu kriechen.
Er hörte die Fußschritte vor seiner Tür. Das war das nervige, mit dem er leben musste, dafür, dass er nicht mehr im Schlafsaal bei den anderen war. Die Vertrauensschüler des siebten Jahres hatte ihre eigenen Zimmer. Ja, das war gut. Aber die Räume lagen genau neben dem Gemeinschaftsraum, so dass jeder Zugang hatte, der die Hilfe eines Vertrauensschülers in Anspruch nehmen wollte.
Die lauteren, schnellen Schritte gehörten de, verhältnismäßig jüngeren Slytherins, die immer noch Aufregung in einem neuen Tag in Hogwarts fanden. Die sogar das Frühstück der Elfen besser fanden, als das, was ihre Mum kochte (auch wenn viele das nicht zugeben wollten).
Die langsamen Schritte gehörten den Siebtklässler, keine Frage. Slytherins waren im Allgemeinen keine Frühsaufsteher. Aber Draco nahm an, es hatte eher mit dem Alter zu tun und nicht mit der Hausverteilung.
Ungestörter Schlaf war ein Luxusgut, und könnte man es tauschen oder kaufen, dann hätte sich Draco einen Vorrat davon für ein ganzes Jahr gesichert. Oder gestohlen von einem Hufflepuff, der sowieso immer fröhlich und sorglos durch das Leben wanderte.
Eine ganze Progression an Schritten schien direkt vor seine Tür inne zu halten.
Geh weg, Pansy. Ich hab keine Interesse an Frühstück.
Es herrschte Aufregung auf dem Flur, was bedeutete, dass jemand gleich seinen Kopf abgebissen bekommen würde.
Der Griff drehte sich.
Hab ich dran gedacht abzuschließen?
Die Tür öffnete sich quietschend.
Anscheinend nicht.
„Draco!", flüsterte eine Stimme, die nicht Pansy, Millicent, Goyle oder Blaise gehörte. Niemandem, der das Recht hatte, in diesem Raum zu sein.
Es war Carmen Meliflua, die Teufelin aus dem vierten Jahre, und sie würde es bereue, geboren worden zu sein.
„Draco, bitte! Du musst schnell kommen. Ich glaube, Tandish Dodders will sich umbringen!"
Fick dich, Welt, dachte Draco als er seine Augen mit einem tiefen Seufzen öffnete.
Ehrlich, er hatte es mit einem Haufen Affen zu tun. Vielleicht würden Bananen die gewünschte Lösung herbeiführen. Die Idioten standen alle vor seinem Raum. Einfaches Englisch schien nicht zu funktionieren.
Salazar Slytherin würde sich in seinem Grabe umdrehen, wüsste er, was aus dem einst illustren Haus geworden war.
„Wenn mir jemand nicht sofort erklärt, was hier zum Teufel vor sich geht, dann werde ich den Cruciatus verwenden", drohte er jetzt.
Es war vielleicht nicht das Klügste, was er zu einer Horde nervösen Erstklässlern sagen konnte. Carmen Meliflua, der selbstsüchtigste Affe der Gruppe, fing an zu weinen.
Nachdem Draco eilig seine Hose und ein Shirt übergezogen hatte, das viel zu klein war, als dass es ihm jemals gehört haben könnte, schaffte es die weinende Carmen, die Geschichte zu erzählen. Aber sie erzählte sie durch die Tür, wo er sie hin verbannt hatte.
Zwei Taschentücher später sah die Geschichte wie folgt aus: Der Idiot Tandish Dodders, auch bekannt unter dem Namen Kaulquappe, hatte beschlossen, die Warnungen bezüglich des Quidditchfeldes zu ignorieren. Mehr als zwölf Schulklatscher wurden von Geziefer befreit und gereinigt. Der Idiot hatte also eine Wette abgeschlossen und wollte nun von einem Ende des Feldes zum anderen rennen, während die Klatscher gesäubert wurden.
Draco stoppte, als er die Hose verschloss. „Warum ist das mein Problem? Wo zum Teufel ist Zabini?"
Carmen schluchzte schon wieder. „Er ist in einem Treffen mit McGonagall. Hermine Granger ist da auch. Sonst hätten wir ihn gefragt, ob-"
„Ja, ja – schon gut", schnappte er zornig und fuhr sich durch seine Haare. Die Erwähnung, der doppelzüngigen Kröte aus Gryffindor verbesserte seine Laune nicht. Carmen räusperte sich auf die Weise, wie sich auch Granger räusperte, wenn sie ihm etwas zu sagen hatte, was er nicht leiden konnte.
„Lebt der Idiot noch oder nicht?"
„Das letzte Mal, als wir nachgesehen haben, ja", bestätigte Carmen. „Du musst etwas tun! Das bedeutet Unmengen an Punkten, wenn die Lehrer das rausfinden. Und wir führen doch gerade", fügte sie jammernd hinzu.
„Aus dem Weg." Er stieß seine Tür auf, schubste damit eine langsamen Slytherin zur Seite und rauschte zum Portraitloch des Gemeinschaftsraums. Er wandte sich noch einmal zu Carmen um. „Und hör auf zu heulen", befahl er knapp.
Ein Slytherin machte sich schließlich nicht vor der Schule lächerlich.
Carmen hob ihre großen, feuchten Augen, um ihn anzusehen. Auch das erinnerte ihn an Granger. Draco überlegte, ob er nicht eine Tüte finden, und sie Carmen über ihren Kopf ziehen sollte.
„Es tut mir leid, aber… es ist meine Schuld, dass er das getan hat. Er… mag mich, weißt du? Und ich bin immer… schrecklich zu ihm."
Was sie eigentlich sagen wollte, war, dass sie alle schrecklich ihm gegenüber waren. Carmen, Draco und der gesamte Rest von Slytherin.
Wenn Dodders von den Klatschern totgeschlagen wurde, dann war es die Schuld des gesamten Hauses.
Draco hatte das Bedürfnis, seine Hände ins Gesicht zu schlagen. Carmen war also eine Slytherin mit einem Gewissen.
Oh, er wusste verflucht genau, wie sich das anfühlte.
