Chapter Twenty-Four

Hast du einen Kerker gesehen, hast du alle gesehen, war Tonks' Meinung, auch jetzt.

Es gab immer die erforderliche Dunkelheit, die feuchten, kalten Steinwände, an denen anscheinend immer Wasser aus ein oder zwei kleinen Spalten tropfen musste und verrostete Gitter vor den kleinen Fenstern, direkt unter der Decke.

Dazu kamen die enorm großen, schimmeligen Holztüren, die selbst einem ausgewachsenen Troll Probleme bereiten würden und der seltsame Wächter des Kerkers.

Aber der Name des Mannes war nicht Igor oder etwas ähnlich klischeehaftes, nein, sein Name war Bob und schon seine Gewöhnlichkeit war fast ein wenig enttäuschend.

Tonks nahm an, dass sie höchstens sechs Stunden bewusstlos gewesne sein konnte, weil immer noch Sonnenlicht durch das kleine Fenster drang. Sie war erst wenige Minuten wach, aber sie konnte jetzt schon sagen, dass Bob ein Möchtegern-Todesser zu sein schien, welcher wohl noch nicht genügend Qualitäten eines Wahnsinnigen aufwies, um draußen zu arbeiten. Er beantwortete keine ihrer Fragen. Und alles, was sie in ihrem Zustand tun konnte, war wenigstens ein Paar strategisch clevere Sticheleien anzubringen.

„Du bist eine Hübsche", erklärte Bob, als er ihr eine Schüssel mit Brühe durch den Schlitz unter der Tür durchschob. Sie hegte die Vermutung, dass Bob sie von ihrer Aurorenuniform befreit und in diesen Sack gesteckt hatte, den sie gerade trug. Das war gute Planung. Ihre Kidnapper wollten wohl dringend, dass sie die volle Kerkererfahrung genießen konnte.

„Danke", erwiderte Tonks, griff sich die Schüssel mit Brühe, und ehe Bob sich bewegen konnte, hatte sie diese durch den höheren Schlitz in der Tür auf Bobs haarlosen Kopf entleert.

„Du Miststück! Warte, bis ich dich in die Finger kriege!", war seine vorhersehbare Reaktion darauf.

Tonks ließ ein paar Sekunden verstreichen. Sie tippte ihren Fuß auf den Boden.

Sie hörte das Schlurfen auf der anderen Seite der Tür, gefolgt von gemurmelten Flüchen und weiteren Schritten. Tonks tippte ihren Fuß achtmal auf den Boden und schätzte, Bob müsste die Tür wohl erreicht haben. Schließlich verließ er den Kerker.

Acht Schritte waren nicht weit von der Freiheit entfernt, überlegte sie und speicherte diese Information.

„Wer hält mich hier gefangen? Wo ist Bligh?", forderte sie zu wissen. Es war wichtig zu wissen, ob noch weitere Bobs auf der anderen Seite Wache hielten. „Er ist besser noch am Leben!"

Tonks trat frustriert nach der Tür. Es schien so, als wäre sie tatsächlich allein. Ihr Fuß tat weh, aber der Schmerz nahm ihr etwas von ihrer Nervosität.

Es war ihr gelungen zumindest kurzzeitig einen Blick auf den Schüler zu erhaschen, der dem Draco-Doppelgänger geholfen hatte, sie außer Gefecht zu setzen.

Sie hatte keine Angst.

Noch nicht.

Um es einfach zu erklären, waren Klatscher verzauberte einzelne Lederstücke, gefüllt mit Sand und Baumwolle, mit dem Spruch belegt, Spieler während eines Spieles anzupeilen.

Die Zauber, die verwendet wurden, waren denen des Schnatzes nicht unähnlich, wobei hier der Zauber darin bestand, dass er nicht gefangen werden sollte. Es handelte sich um einfache, mechanische Magie. Und es gehörte zum Allgemeinwissen, dass diese Sprüche Potential hatten nach einer gewissen Zeit missbraucht zu werden.

Das war auch der Grund, weshalb Madame Hooch darauf bestanden hatte, das Quidditchequipment im letzten Jahr zur Sicherheit der Spieler überprüfen zu lassen.

Fehlte die genaue Steuerung der Klatscher nämlich, so richteten sie sich gegen jeden, der sich auf dem Quidditchfeld bewegte.

In den vergangen Jahren war es nicht ungewöhnlich gewesen, zerquetschte Nager oder Vögel im Sand zu finden. Es war auch nicht ungewöhnlich, Hagrid im Sand zu finden, nach dem Überprüfen der Klatscher, um die Tierleichen aufzusammeln, um sie an sein Haustier des Monats zu verfüttern..

An diesem speziellen Morgen hatte sich eine kleine Schar an Schülern zusammen gefunden, um dem Spektakel beizuwohnen, wie Tandish Dodders, ein Slytherin aus dem vierten Jahr, versuchte, nicht von den Klatschern zermatscht zu werden.

Draco verließ das Schloss und fiel in einen Sprint, bis zum ersten Slytherin, den er kannte. Es handelte sich um Edward Knox aus dem sechsten Jahr. Er war Dracos bester Kunde, wenn es um den Verkauf von seinen alten Hausarbeiten ging.

„Berichterstattung."

Knox wirkte unglaublich erleichtert, Draco zu sehen. „Ein Frühaufsteher aus Ravenclaw war der erste, der ihn gesehen hat. Und Weasley und Parkinson patrouillieren heute Morgen und sind gerade los, um Madame Hooch zu holen. Weasley hat versucht, den Klatscher in die Luft zu jagen, aber er kann nicht zielen. Ich habe den Finite Incantatem versucht, aber der funktioniert auch nicht", schloss der Junge schließlich.

Draco und Knox betrachteten, wie nur zwei Slytherins es konnten, mit Faszination wie Dodders sich flach auf den Boden warf und der Klatscher nur knapp neben ihm hart in den Boden schlug.

„Hat ihm jemand mal vorgeschlagen, aufzuhören?"

„Au, das war knapp!", rief Knox aus. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Draco zu. „Natürlich haben wir ihm gesagt, dass er aufhören soll. Er ignoriert uns aber. Außerdem hat er ein Drittel des Weges hinter sich. Wir hatten überlegt, dass immer noch die Möglichkeit besteht, dass er es schafft…"

Ein weiterer Klatscher sauste nur knapp an Dodders Ohr vorbei. Die Menge schnappte nach Luft und einige jüngere Mädchen bedeckten ihre Augen mit den Händen. Knox' Einschätzung gegenüber Dodders lagen nicht völlig weit entfernt. Das Klatscher-Laufen war von einigen Idioten über die Jahre hinweg versucht worden. Aber immer nur von Sechst- oder Siebtklässlern. Dodders aber war klein, hatte kurze Beine, keine guten Ausweichmanöver und es war nicht besonders wahrscheinlich, dass er ohne Hilfe noch lange aushalten würde.

Knox sah sich zu den Tribünen um. „Weasley kommt."

Ron joggte tatsächlich zu ihnen und sah aus wie ein wütender, mit dem Finger zeigender, Papier wedelnder Hummer. Er stoppte erst, als er mit Draco auf Augenhöhe war.

„Du hast Nerven, du sadistischer Arsch!"

Für einen kurzen Moment glaubte Draco, Granger hätte Weasley tatsächlich erzählt, was im Badezimmer der Vertrauensschüler vorgefallen war, aber dann presste der Gryffindor Vertrauensschüler ihm das Stück Papier in seinen Händen direkt gegen Dracos Brust.

„Ich weiß, ihr Slytherins habt eure eigenen kleinen kranken Rituale und Wege Unsinn zu verbreiten, aber das ist einfach nur falsch!"

Knox linste über Dracos Schulter, und die beiden Slytherins lasen die Notiz.

Beweise deine Stärke auf dem Quidditchfeld

Diesen Morgen.

Von einem Ende zum andern.

Kein Halten. Kein Umkehren.

Ich werde dir zusehen.

Malfoy

Dracos Augen hatten sich verdunkelt als er sie wieder zu Rons Gesicht hob. „Wo hast du das her?", wollte er wissen, die Stimme gefährlich leise. Der Klang seiner Stimme ließ Rons Ausdruck von zornig zu verwirrt wechseln. Schließlich sah er ihn angewidert an.

„Es steckte in der Tasche des Jungen. Neben seinen Büchern", erwiderte Ron. „Du willst mir jetzt erzählen, dass du das nicht geschrieben hast?"

Aber Knox beantwortete diese Frage. „Wow, ich glaube da will dich jemand drankriegen, Malfoy."

„Definitiv", bestätigte Draco und steckte den Beweis in seine Tasche. Ein weiterer Schüler gesellte sich zu ihnen. Es war Ernie Macmillan. Hufflepuffs Equvalent zu Pansy Parkinson. Und das sollte bedeuten, er war mindestens genauso eine schlimme Tratschtante.

„Wo zur Hölle ist Madame Hooch? Parkinson ist vor zehn Minuten losgegangen. Soll ich gehen und Professor Snape holen?", bot Ernie an. Er starrte ebenfalls neugierig auf die Notiz.

„Arme Kaulquappe. Tod durch Snape wird schlimmer sein als Tod durch Klatscher", murmelte Knox.

„Snape zu finden dauert zu lange", entgegnete Ron. „Er ist… uhm… beschäftigt."

Draco hob eine Augenbraue. „Woher weißt du, dass er beschäftigt ist?"

„Harry ist bei ihm."

„Und tut was?", fragten Knox und Draco gleichzeitig.

Ron wurde röter. „Harry hat mir gesagt, er hat einen Termin bei Snape heute Morgen, um irgendwelche Ergebnisse von alten Projekten zu diskutieren."

„Großartig", seufzte Draco. „Ich wollte gerade fragen, wo der Sankt Potter ist. Das ist genau seine Kragenweite."

„Hey, Jungs", unterbrach Ernie ihn. „Ich will euch ja nicht stören, aber ich glaube, der Junge überlebt die nächsten fünf Minuten nicht."

Die Klatscher umkreisten Dodders und sahen aus, wie ein unförmiger Geier. Dann und wann brach einer aus der Formation und raste bedrohlich auf Dodders zu.

Draco rollte seine Schultern, um dann einen knappen, misstrauischen Blick gen Himmel zu werfen. „Ich regel das."

Mit dem Zauberstab in der Hand und allen Augen auf sich gerichtet, wanderte er in die Mitte des Quidditchfelds, seine Laune so finster wie sein Blick. Die Klatscher wichen sichtbar auseinander, mit der Aussicht auf ein weiteres Ziel auf dem Feld.

„Falls du nicht wiederkommst, kann ich dann alle deine Hausarbeiten für Verwandlung dieses Jahr haben?", rief Knox ihm zu, nur um einen bösen Blick von Ron zu kassieren.

Nach zehn Schritten zum Rand des Quidditchfelds hielt Draco inne, um mit der Hand seine Augen abzuschirmen. Er sah entnervt zu dem Jungen hinüber.

„KAULQUAPPE! DU SCHLEIMIGE, WIDERLICHE VERSCHWENDUNG AN SPERMA! DU KOMMST SOFORT HIER RÜBER ODER MERLIN HILF MIR UND ICH FLUCHE DEINEN SCHWANZ VON DEINEM KÖRPER UND SCHICKE IHN DEINER MUTTER PER EULE!"

Dodders war gerade dabei vor einem Klatscher wegzulaufen. Er sprang mit einem Hechtsprung in die Luft und rollte sich dann im Sand ab, nur um dem Aufprall des Klatschers um Sekunden zu entgehen. Dodders kam wieder keuchend auf die Füße. Der Junge war immer noch im Pyjama, Merlin noch mal.

„Du bist verrückt, Malfoy!", schrie Dodders ihm zu. „Du bist doch derjenige, der mich herausgefordert hat!"

„Benutz mal deinen Kopf, du scheiß Idiot! Würde ich mit meinem verdammten Namen unterschreiben?"

Und endlich wirkte der Junge panisch. Draco musste es ihm lassen. Der Junge hatte Eier, neben dem offensichtlichen Fehlen von Gehirnmasse.

„Du meinst, du hast mir den Zettel nicht zugesteckt?"

„Nein. Ich habe es weder geschrieben noch zugesteckt! Soll ich die Hauselfen es dir vortanzen lassen, damit du es begreifst?", schrie Draco zurück.

„AHHHH!" Plötzlich schrie Dodders auf. Er war über aufgeworfenen Sand gestolpert. Selbst von hier konnte Draco erkennen, dass der Junge seinen Knöchel schlimm verdreht hatte.

„Granger, ich hoffe du siehst zu", murmelte Draco und stürmte dann auf den heulenden Dodders zu.

Vier Klatscher lösten sich sofort aus dem Wust über ihm und peilten ihn an. Draco duckte sich, wich aus, blieb stehen und setzte seinen Weg dann fort. Es war wie ein Ausweichmanöver der Hölle. Sechs Jahre Suchertraining zahlten sich endlich aus, obwohl das Ausweichen ohne Besen wesentlich schwieriger war als mit. Er erreichte Dodders gerade rechtzeitig, um ihn am Kragen zu packen und wegzuziehen, bevor die Klatscher ihn geplättet hätten.

„Bleibt da!", rief Ron. Er führte eine Gruppe an älteren Schülern auf das Feld. Sie gaben ihr bestes, um die Klatscher abzulenken.

„Kannst du laufen?", knurrte Draco durch zusammengebissene Zähne. Er schlang einen Arm um Dodders Hüfte und half ihm zu stehen. Der schwerfällige Junge war beinahe ein Schwergewicht, und Dracos verletzte Schulter protestierte nahezu augenblicklich. „Versuch zu laufen, du Arsch. Wenn ich den Leviosa benutze wirst du zum fliegenden Ziel. Ich kann dich nicht tragen und die Klatscher gleichzeitig aus dem Weg räumen!"

„Ich versuch es…", keuchte die Kaulquappe, während er mehr Gewicht auf das verletzte Bein legte.

Sie schafften es bis auf fünf Metern, wo Ron und die anderen standen. Rons Sommersprossengesicht war knallrot vor Anstrengung.

„Beeilt euch, ihr habt's gleich geschafft!"

Gleich. Aber noch nicht jetzt.

Sie hätten es fast geschafft, wäre Dodders nicht schon wieder gestolpert. Draco bereute die Tatsache, dass sie innerhalb des Schulgeländes nicht apparieren konnten und riss den nutzlosen Dodders erneut in die Höhe, aber dieses Mal traf Draco der Klatscher direkt in die Kniekehle. Beide Slytherins stürzten und Dracos Zauberstab entglitt seinen Fingern. Der Klatscher krachte auf den Boden, zwei Zentimeter von Dracos Kopf entfernt und hinterließ einen Krater, so groß wie ein Kürbis im Sand.

„Bedeck deinen Kopf!", befahl Draco knapp. Dodders hatte zu viel Angst, um ihm zuzuhören. Er versuchte weiterzukrabbeln, auf Ron und die anderen zu. Auf Händen und Knien. Ein zweiter Klatscher gewann an Höhe. Als er den höchsten Punkt erreicht hatte, hielt er in der Luft inne, nur um mit doppelter Geschwindigkeit zurück gen Boden zu rasen. Flüche schossen über Dracos Kopf hinweg. Er bemerkte, dass nun auch Professor Flitwick und Madame Hooch in der Menge standen. Einige der Klatscher hatten nun versteinert in der Luft inne gehalten, aber nicht der eine, der auf Dodders zugeschossen kam.

Draco wischte sich die Strähnen aus der Stirn und spuckte Sand und Gras auf den Boden. Sein Zauberstab lag zu weit weg. Für einen kurzen Moment überlegte er, mit einem Hechtsprung zu ihm zu gelangen.

Jeder, der behauptete, eine Muggelschule zu besuchen, sei gefährlich, musste dringend für eine Woche nach Hogwarts kommen, entschied Draco.

Bevor er überlegt hatte, ob es wirklich eine kluge Entscheidung war, kam er auf die Füße und rannte zu Dodders. Mit einem Sprung hatte er sich auf den Jungen geworfen. Kaulquappe hatte gerade das sein Frühstück über sich selbst erbrochen.

Draco bemerkte a Rande, dass wohl Hafergrütze Teil des Frühstücks gewesen war.

Hogwarts' Schulsprecher und Schulsprecherin saßen in McGonagalls Büro und verdauten die Neuigkeiten der Attacke auf dem Gelände und dass zwei Auroren verschwunden waren. Jetzt war Dumbledore gerade bei Arthur Weasley und seinen Beratern im Ministerium. Das Schulministerium war erst jetzt informiert worden.

Einer der vermissten Auroren war Nymphadora Tonks.

Als direkte Auswirkung war die alljährliche Abschlusszeremonie für die Siebtklässler gestrichen worden. Und das wäre das zweite Mal in neunhundertjährigen Geschichte Hogwarts. Der Abschlussjahrgang würde die Zeugnisse per Post erhalten. Die Eltern waren bereits benachrichtigt worden und konnten ihre Kinder abholen, falls diese schon eher nach Hause wollten.

Professor McGonagall reagierte mit einem beruhigenden Nicken auf Hermines Reaktion. Hermine hatte die Finger in die Armlehne ihres Stuhls gekrallt, so dass ihre Knöchel weiß hervor traten.

„Wir werden wieder öffnen, Miss Granger. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme", versicherte die Hauslehrerin von Gryffindor fest. „Es ist immerhin nicht das erste Mal, dass wir die Schließung der Schule zu befürchten hätten, und wir sind immer noch da, um davon zu erzählen."

„Hermine?" Blaise lehnte sich näher zu ihr und runzelte die Stirn, während sie immer noch abgehackt atmete. Er wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht, aber sie schien es nicht wahrzunehmen. Sie blinzelte schnell, schien aber nichts mehr zu sehen.

„Ahem… Professor, ich glaube, es geht ihr nicht gut."

McGonagall schritt um ihren Schreibtisch. „Miss Granger, geht es Ihnen gut?"

Nein, ging es nicht. Ihr war schwindelig, sie war kurzatmig und es klingelte in ihren Ohren. Draco war etwas passiert…

McGonagall hätte bestimmt noch mehr Fragen gestellt, wäre die Tür zu ihrem Büro nicht gerade aufgeflogen. Ron kam kaum zu Atem, sein Hemd mit Blut getränkt. Seine Augen waren aufgerissen und er war außer sich.

„Professor…", keuchte er, völlig außer Atem. „Bitte, kommen Sie schnell. Draco Malfoy ist tot!"