Chapter Twenty-Six
What's so amazing
That's keeps us star gazing
What do we think we might see?
Freitagabend
Um fünf nach zwei Uhr morgens schlüpfte Hermine in ihre Hausschuhe, zog Harrys Umhang über und schlich aus dem Schlafsaal.
Die Lehrer patrouillierten jetzt neben den Vertrauensschülern durch die Gänge, so wie auch in Hermines zweitem Jahr nach dem Kammer-des-Schreckens-Fiasko. Anscheinend hatte sich McGonagall freiwillig angeboten, die Gänge vor dem Gryffindorturm zu kontrollieren.
Hermine hoffte, dass McGongagall heute patrouillierte, denn es wäre einfach an ihr vorbeizukommen, als an einem jungen, trainierten Auroren.
Nichts gegen Minerva McGonagall.
Dabei erwischt zu werden, zu den Bettzeiten in Hogwarts herumzuschleichen, würde mehr Ärger bedeuten, als sie gebrauchen konnte. Oder die Auroren. Oder die Lehrer. Nicht zu erwähnen, dass sie auch auf Harrys Umhang besonders Acht geben musste.
Es war schon lästig genug, dass die Dielen im Schloss überall knarrten und die Türen quietschten, wenn man versuchte, besonders leise zu sein. Vielleicht hatte Malfoy recht. Vielleicht fehlte ihr das Schleich-Gen. Allerdings dämpften ihre Hausschuhe ihre Schritte hervorragend. Sie musste nur um jede Ecke linsen, ehe sie weiter konnte, um zu gucken, wer Aufsicht hatte.
Sie hatte drei Auroren gezählt, ehe sie das Erdgeschoss erreichte. Und jetzt war sie nur noch einen Korridor vom Krankenflügel entfernt.
Unglücklicherweise stellte sie bei ihrer Ankunft fest, dass Professor direkt vor den geöffneten Türen des Krankenflügels stand. Er starrte in die Dunkelheit, mit einem Ausdruck, der fast herausfordernd wirkte. Hermine runzelte die Stirn.
Tatsächlich schien Snapes gewöhnlicher Ausdruck immer misstrauisch zu sein.
Mist.
Sie wartete, was ihr wie Stunden vorkam, dabei waren es wohl höchstens zwanzig Minuten. Sie spürte einen Krampf im rechten Fuß. Selbst der Meister der Zaubertränke musste irgendwann zur Toilette, oder nicht? Wie ein Wunder erschien Hagrid am anderen Ende des Korridors. Er trug einen monströsen Mantel und eine schwach leuchtende Laterne. Er winkte Snape zu sich. Dieser verzog fast schon obligatorisch seine Mundwinkel und verließ schließlich seinen Posten, um mit dem Wildhüter zu sprechen.
Hermine nutzte ihre Chance und sprintete die letzten paar Meter, bis sie es sicher in den Krankenflügel geschafft hatte. Bei Nacht war der Krankenflügel nur schwach beleuchtet und wirkte wie eine enorme langgezogene Höhle, die nicht unangenehm nach Desinfektionsmittel roch. Tagsüber war es hier dennoch angenehmer, befand Hermine.
Sie spürte keine Aufregung und nervösen Spannung, wie als sie das erste Mal aus dem Gryffindorturm geschlichen war, um Draco in der Eulerei zu treffen. Der Ärger war nun viel näher, und es war nicht spaßig, was sie tat.
Alle Betten waren leer, bis auf das, was am nächsten zum Fenster stand. Und es waren die Vorhänge komplett herumgezogen. Ein paar schwarze Lederschuhe, die zur Schuluniform gehörten waren lieblos unter das Bett geworfen worden. Ihr fiel auf, dass keine Blumen, Pralinen oder Karten auf dem Nachtisch standen, so wie es bei Harry immer der Fall gewesen war, wenn er im Krankenflügel lag.
Vielleicht war es in Slytherin nicht üblich den Prozess der Genesung mit Schokolade zu beschleunigen.
Aber irgendwie war es traurig.
Als sie sich vergewissert hatte, dass Snape noch nicht zurück war, zog sie die Vorhänge schließlich auf. Unsichtbar zu sein hatte seinen Vorteil.
Nur einen Blick, sagte Hermine sich. Sie legte den Umhang ab.
Malfoy schlief auf dem Bauch, eine Hand neben seinem Gesicht, die Finger zusammengerollt. Auf der rechten Seite seines Gesichts schimmerten die Reste einer Salbe. Er sah schrecklich jung aus, wenn er so entspannt vor ihr lag. Ein Riss über seiner Augenbraue war bereits magisch verheilt. Die verletzten Stellen sahen rot und etwas dick aus, aber ansonsten schien er noch heile zu sein.
Er trug die Pyjamas des Krankenflügels und sein Oberteil war so falsch zugeknöpft, dass sie annehmen musste, er hatte darauf bestanden, es selber zu machen. Sie fragte sich, ob es deshalb war, weil er nicht wollte, dass jemand Frage bezüglich des Tattoos auf seinem Rücken stellte.
Das eine Kissen auf dem Bett hatte er zu einem Ball zusammengedrückt, um wohl höher liegen zu können. Die dünne Decke lag auf dem Boden vor dem Bett. Seine Füße waren nackt, und einer hing über der Bettkante.
Er hatte wirklich schöne Füße.
Sie hatte ihn gesehen. Mehr hatte sie nicht gewollt. Aber Hermine glaubte, dass ihm kalt werden würde ohne Decke.
Sie ging vorher sicher, dass die Vorhänge wieder komplett geschlossen waren, ehe sie sich nach der Decke bückte. Während sie unten war, bückte sie sich nach seinen Schuhen und stellte sie ordentlich nebeneinander. Als sie sich wieder aufrichtete, erschrak sie fast, als die Hand, die gerade noch neben seinem Gesicht gelegen hatte, langsam ihre Wange berührte.
Er war wach und betrachtete sie mit einem besorgten, verwundbaren Blick. Sie fühlte, wie die Luft nicht mehr aus ihren Lungen weichen wollte.
„Konnte ihn nirgendwo finden", erklärte er, nahe am Rand der Tränen. Seine Augen war nur halb geöffnet und seine Stimme durch die Medikamente noch etwas träge. Hermine entspannte sich etwas, als sie merkte wie orientierungslos er war.
„Er kommt immer, wenn ich rufe."
Sie deckte ihn wieder zu und zögerte nur eine Sekunde, ehe sie seine Hand ergriff. „Wen konntest du nicht finden, Draco?"
„Braun und zottelig. Riecht nach Ententeich." Er lächelte wehmütig bei dieser Erinnerung. „Er ist mir vom Dorf aus gefolgt."
Er sprach von irgendeinem langverlorenen Haustier, ging Hermine auf. Der Hund schien ihm viel bedeutet zu haben.
„Das tut mir leid", sagte sie. Und es tat ihr wirklich leid, denn es war eine sehr private, intime Erinnerung, die er mit ihr teilte, und sie wusste, er würde sich später dafür hassen, dass er es sie hatte wissen lassen.
„Mein Kopf fühlt sich beschissen an", flüsterte er und befeuchtete seine Lippen mit seiner Zunge. Er rollte sich stöhnend auf den Rücken, und Hermine unterdrückte, ihm zu sagen, dass er ruhig sein sollte. Snape müsste nur den Kopf in den Krankenflügel stecken, um zu wissen, dass sie hier war.
„Möchtest du ein Glas Wasser?", fragte sie jetzt.
Er verzog unglücklich den Mund. Wahrscheinlich realisierte er gerade, wo er war und mit wem.
„Granger?"
„Ja, ich bin's, Hermine. Ich bin hergeschlichen, um dich zu sehen." Sie fügte den letzten Teil hinzu, bevor er sich entscheiden konnte, wieder laut zu werden.
„Hermine…"
Sie musste grinsen. Er hatte Probleme ihren Namen zu sagen, und schaffte es erst beim dritten Versuche. Es war fast so schlimm wie bei Krum, überlegte sie. „Ich wollte dich nicht wecken."
„Wusste, du kommst zurück", erwiderte er mit einem bestätigenden Nicken. Er lächelte so breit, als hätte er gerade erfahren, dass der Weihnachtsmann, die Zahnfee und der Osterhase tatsächlich existierten und am Ende der Straße eine riesige Party feierten.
„Die andere. Granger. Sie mag mich nicht besonders. Gut, dass ich einen leichten Schlaf habe. Würde noch kommen und mich erledigen, diese Harpyie."
Hermines Augen weiteten sich. Der Mann vor ihr war anscheinend voll mit Medikamenten bis hinter die Augen. Die Gehirnerschütterung musste schlimmer sein, als Ron es beschrieben hatte.
Das Händehalten war aber ziemlich angenehm. Er hatte einen warmen, trockenen Griff, was eher ungewöhnlich war, bei Jungen seines Alters. Ihrer Erfahrung nach waren die Hände eher schwitzig.
„Ich wollte sehen wie es dir geht."
„Schräußlich", informierte er sie. Sie glaubte, er wollte zuerst Schrecklich sagen und hatte seine Meinung beim Sprechen doch noch geändert.
„Das war sehr riskant, dass du dem Jungen geholfen hast. Alle sprechen darüber."
Er grinste mit geschlossenen Augen. Es war fast niedlich. „Kaulquappe ist in Ordnung. Bräuchte etwas Gehirn, aber sonst ist er ok."
Sie lachte, und unterdrückte das Geräusch sofort wieder. „Vielleicht interessiert es dich zu hören, dass Dodders Lobeshymnen auf dich singt."
Er machte eine wegwerfende Handbewegung, die ihn fast dazu brachte aus dem Bett zu fallen. Hermine umfing seine Schultern und hielt ihn ruhig. „Das ist mir scheiß egal! Jemand hasst mich genug, um mich drankriegen zu wollen. Die Liste an möglichen Leuten ist lang, weißt du… Könnten viele sein. Hermine, hörst du zu?"
„Ich höre zu." Um das zu bestätigen setzte sie sich auf seine Bettkante.
„Mein Kopf tut weh, ich hab mein Gesicht ruiniert, und sie sagen mir, du warst nicht mal da, um es zu sehen", fuhr er fort.
Hermine speicherte dieses kleine aber dafür umso wertvollere Geständnis. Sie richtete seinen Kragen, der halb in seinem Oberteil steckte. „Jedenfalls habt ihr beiden überlebt, und ich versichere dir, dein gutes Aussehen ist immer noch intakt."
„Pff…", machte er, während er sich eine Strähne aus der Stirn pustete. „Granger denkt, ich bin widerlich. Will nicht mit mir sprechen, will mich nicht anfassen. Will nicht mal mit mir schlafen, wenn wir nüchtern sind. Hat mich aber dennoch geheiratet. Das ist schon was, hm?"
Ihre Augen wurden noch größer. Er war wohl gerade richtig in Schwung. „Scheint so."
Malfoy schien es schwer zu fallen, sie im Fokus zu behalten. Er runzelte die Stirn, verzog den Mund und befahl ihr, sich nicht immer zu verdoppeln, denn ihm würde schwindelig werden.
„Au", stöhnte er.
Und er tat ihr leid. „Shh. Mach die Augen zu."
Nichts, nicht mal ein Besuch im Krankenflügel war einfach, wenn es um Draco Malfoy ging. Aber es fühlte sich falsch an, dass es niemanden störte. Dass niemand irgendwo nicht besorgt darüber war, wie es ihm ging und dass niemand versuchte nach Ausgehverbot hierher zu schleichen.
„Ok", erwiderte er. „Bleibst du?"
„Ja."
„Kommst du ins Bett?"
„Ich kann nicht."
„Klar kannst du. Hier ist Platz. Siehst du?"
Sie wusste nicht, was er erwartete, dass sie sah, denn er hatte sich keinen Millimeter bewegt.
Hermine schrieb es dem temporären Wahnsinn zu, dass sie ihre Schuhe auszog und sich zu ihm legte. Da war kein Platz, und sie musste Malfoy praktisch mit Gewalt zur Seite schieben, denn er war nicht in der Lage sich überhaupt zu bewegen. Er roch nach Salbe und Kampferöl, was ihr nicht gefiel, denn es überlagerte seinen natürlichen Duft.
„Das ist verrückt. Wenn ich erwischt werde, dann gehst du mit mir unter", versprach sie flüsternd, nachdem sie die Decke über sie beide gedeckt hatte.
Malfoy grinste immer noch. „Ok", erwiderte er wieder, ehe er sein Kinn auf ihren Kopf legte. „Wir sollten das öfter machen."
Bei ihm klang es so, als würden sie sich gerade zu Tee und Gebäck treffen.
Hermine lag in seiner Armbeuge, den Kopf auf seiner Brust und ein Bein über seins gelegt, und es alarmierte sie fast, dass sie jetzt gerade perfekt hätte einschlafen können. Der Schlüssel gegen Schlaflosigkeit war also in keiner gemütlichen Position mit einem zugepumpten Draco Malfoy ein enges Krankenbett zu teilen, wo nach Vick Vapor Rub hoch zehn roch.
„Sag der Harpyie es tut mir leid, dass ich versucht habe sie in der Wanne zu vögeln. Das machst du, oder Hermine?" Er kuschelte sich in ihren Nacken.
„Die Harpyie nimmt die Entschuldigung an", erwiderte Hermine bitter. Die Erinnerung war immer noch frisch in ihrem Kopf. Sie war sich nicht sicher, ob sie auch mit einem nüchternen, nicht unter Drogen stehenden Draco Malfoy zurecht kommen würde.
„Ich hätte ihr nicht wehgetan", versicherte er und klang plötzlich sehr ernst.
Hermine legte den Kopf zurück, um ihn anzusehen, und er nutzte diese Gelegenheit, um seine Lippen ihre Nase streifen zu lassen. Schon allein dieser Kontakt reicht, damit es sich in ihrem Kopf zu drehen begann. Er schielte hinab auf ihre Sommersprossen. Es war zu dunkel, um zu erkennen, was seine chamäleonartigen Augen vorhatten, aber sie wettete, seine Augen waren geweitet.
„Du hast versucht, sie zu verletzen. Sie ist nicht dumm, weiß du?", schaffte sie endlich zu sagen.
Allerdings ist sie verrückt, denn sie spricht von sich in der dritten Person…
„Sie ist klüger als ihr gut tut. Weniger Gedanken. Mehr Sex", erklärte Draco feierlich. „Ich sollte das auf ein T-Shirt drucken lassen."
„Ja, mach das." Hermine strich mit ihren Fingern durch seine Haare, um zusehen, wie sehr sein nervtötendes Gehirn beschädigt worden war.
„Das fühlt sich gut an", murmelte er, während seine Finger die Haut ihrer Hüfte streichelten. Sie konnte sich vorstellen, wie das Drachentattoo sich zu strecken versuchte, um in Berührung mit seinen Finger zu kommen. Seltsam, dass diese Sensation auf ihrer Haut ihr nicht mehr fremdartig vorkam. Lediglich neu.
„Du trägst wieder das Shirt", bemerkte er und betrachtete ihre Brust. Er sah aus wie Harry morgens, wenn er seine Brille nicht finden konnte. „Das mit dem Frosch. Kevin."
„Kermit", korrigierte sie ihn und lächelte in seinen Nacken.
„Erzählst du mir jetzt, was es mit dieser Rainbow Connection auf sich hat? Oder ist das streng geheim? Das größte Muggelgeheimnis, das ein Zauberergehirn nicht begreifen kann?" Es lag genug Unmut in seiner Stimme, um sie daran zu erinnern, dass unter den Schwellungen, den Salben, dem Schlaftrank, dem Krankenflügel-Pyjama und dem Händehalten immer noch Draco Malfoy lauerte.
Sie zögerte, denn sie wusste, wohin diese Unterhaltung führte. „Na ja, das ist das Lied, das er singt."
„Perfekt. Sing es."
„Nein, Malfoy. Ich darf nicht mal hier sein, schon vergessen?"
Er schwieg. Unglaublicherweise überlegte Hermine, dass er wohl tatsächlich beleidigt war. Merlin.
Sie verdrehte die Augen und gab nach. Man konnte nicht sagen, dass Hermine Granger nicht ihre weichen Seiten hatte. „Wirst du schlafen, wenn ich für dich singe?"
Seine andere Hand fand einen Weg zu ihrem Gesicht und strich sanft über ihre andere Wange, was sie auslegte als: ja danke, das wäre wirklich nett. Sie würde ihn jetzt nicht ansehen. Es war zu intensiv. Es würden zu viele Gefühle in seinem Gesicht zu sehen sein. Sie fühlte sich wieder wie ein Gast, der unwillkommen in einen intimen Moment gestolpert war.
„Ok."
Sie sang das Lied. Schief, denn sie konnte nicht singen, und schon gar nicht, wenn sie halb flüstern musste. Aber er hörte ihr zu, und es gab keine Beschwerden mehr.
Hermine glaubte, er schlief bereits, als sie zur letzten Strophe kam, aber das tat er nicht. Mit seiner Hand schlüpfte er unter den Saum ihre Shirts, legte die flache Hand über die Kurve ihres Bauches, drückte leicht zu und wanderte dann höher über ihren Brustkorb und umfasste ihre linke Brust. Er presste seine Nase gegen ihre Wange und atmete tief ein, während sein Daumen abwesend über ihren Nippel strich. Er tat dies, als hätte er es bei ihr schon hundert Mal getan.
Es war nicht berechnend. Bloß die schlichte Notwendigkeit. Es schien ihn zu beruhigen.
Es war als würde ihr gesamter Körper flüssig werden. Sie war sich sicher, sie hatte sich unter seinen Berührungen in Pudding verwandelte, hier auf seinem Bett.
Hermine stotterte beim Refrain. Sie spürte seinen Atem gleichmäßig an ihrem Nacken. Alles deutete hin auf einen tiefen, gesunden Schlaf. Sie wusste nicht, wann sie sich jemals wohler gefühlt hatte, oder sicherer. Und das sagte einiges. Neben der Person einzuschlafen, die man mochte, war schön, egal wer man verdammt noch mal war oder was gerade in der Welt passierte.
Es war schön. Es musste so sein.
Sie schloss die Augen. Nur für eine Minute, sagte sie sich. Nur bis sie sicher war, dass er fest schlief.
Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als Hermine die Augen öffnete. Es kostete sie eine unglaubliche Anstrengung, um den Schlaf abzuschütteln. Für gewöhnlich war sie innerhalb von zehn Minuten aus dem Bett und angezogen, aber heute… war es etwas anderes. Malfoy hatte Arme und Beine um sie geschlungen. Er füllte eigentlich das gesamte Bett aus, und sie schien lediglich im Weg zu sein, also hatte er sie komplett in sich eingebaut.
Die Decke lag wieder auf dem Boden. Ihr ging auf, dass sie die ganze Nacht auf seinem rechten Arm geschlafen hatte. Sie drehte sich zur Seite, um ihn von ihr zu lösen.
Er schlief wie ein Toter.
Und erst als sie sich aus seiner Umarmung und seinen Beinen befreit und sich aufgesetzt hatte, bemerkte sie Pansy Parkinson am Ende des Bettes, einen Strauß Narzissen in der Hand. Es war immer noch größtenteils dunkel im Krankenflügel.
„Guten Morgen", bemerkte das Slytherin Mädchen äußerst kalt.
Hermine schob sich eilig das Haar aus dem Gesicht und erhob sich. Ihr Haargummi war nicht mehr da. „Pansy."
„Ich bin gekommen, um zu sehen, ob es ihm besser, aber diesen Aufwand hätte ich mir auch sparen können, wo er doch in so guten Händen ist", erwiderte sie spitz. Ihr Kiefer hatte sich angespannt, und Hermine sah, dass sie die Blumen etwas zu heftig drückte.
Gut. Das war wirklich super. Harry würde seinen Umhang sterilisieren lassen, wenn er herausfand, wo sie gewesen war. „Ich denke, ich sollte es erklären", begann Hermine lahm. Es gab eigentlich nur eine Erklärung für das, was Pansy sah. Und es gab eigentlich auch keine Möglichkeit es schön zu reden. Sie würde Pansys Intelligenz nicht mit Leugnen beleidigen.
„Nicht nötig", erwiderte Pansy lächelnd. Ron nannte diese Art von Lächeln, Mund-Dehnung. Denn mehr war es nicht. Es gab nichts Freundliches daran. „Ich hatte schon angenommen, er hat ein neues Spielzeug, aber… nicht, dass du es sein würdest."
Spielzeug? Hermine nahm an, dieses Wort würde ausreichen müssen. Lieber Spielzeug als Liebhaber. Dafür würden sie ihn umbringen.
„Keine Sorge", versicherte Pansy abschätzend. „Ich werde es keinem sagen. Er hat genug um die Ohren, als auch seinen Ruf verteidigen zu müssen."
Hermine verschränkte ihre Arme. Ihr ging auf, dass sie beide flüsterten, um Draco nicht zu wecken. Pansys Gefühle für Draco waren kein Geheimnis, aber Hermine begriff jetzt erst, wie weit diese Gefühle zu gehen schienen.
„Und was soll das bedeuten?"
Pansy verzog spöttisch den Mund. „Tu nicht dumm. Es steht dir nicht. Du weißt alles über die Wichtigkeit des Rufs. Deiner wird nicht unbeschadet bleiben, wenn diese Sache rauskommt."
„Ich bitte dich bestimmt nicht um irgendeine verdammte Sache, Parkinson", entgegnete Hermine leise. „Wenn du beschließt, nichts zu sagen, dann tu es für Draco, nicht für mich. Du brauchst mir keine Gefallen zu erweisen."
„Dann tu mir einen Gefallen, ja?", gab Pansy zurück und schob die Blumen in Hermines Hände. „Gib ihm die. Es sieht so aus, als wäre bereit, alles zu nehmen, was du ihm gibst. Und sei vor sechs Uhr draußen, bevor Madame Pomfrey ihre erste Runde macht."
Und damit warf Pansy dem schlafenden Draco noch einen letzten Blick zu, ehe sie den Krankenflügel verließ.
