Chapter Twenty-Seven
Samstag
Es gab drei Dinge, die Gregory Goyle Pansy Parkinson sagen wollte.
Die erste Sache erschien trivial, war aber nicht weniger wahr als die anderen beiden Sachen. Sie hatte die schönsten blauen Augen, die er je gesehen hatte und sie erinnerten an die Küsten von Südirland im Südpazifik.
Die zweite Sache, die er ihr dringend sagen wollte, war, dass es sinnlos war, Draco Malfoy nachzutrauern, denn es war ein aussichtsloses Unterfangen, denn Draco liebte nur sich selbst. Das war eine bewiesene Tatsache, die sie selber schon zu spüren bekommen hatte.
Das letzte, was er so dringend loswerden wollte, was er von dem höchsten Turm Hogwarts schreien, was er auf jedes Schülerpult in jedem Klassenraum ritzen wollte, war, dass er sie liebte.
Pansy wusste über vieles Bescheid, aber sie schien zu ignorieren, wie Goyle für sie fühlte. Es half auch nicht, dass sie sich seit dem Kindergarten kannten und auch fast schon solange befreundet waren.
Mit Slytherins befreundet zu sein war anders als mit normalen Leuten befreundet zu sein. Es war wesentlich einfacher. Slytherins waren nie lange sauer aufeinander, aus Gründen der Notwendigkeit und des Überlebens und weil sie zu viel gemeinsam hatten, um sich überhaupt zu streiten.
Goyle würde seinen Freund Draco unterstützen, wenn dieser beschließen sollte, in die Antarktis zu ziehen, um in einem Iglo zu leben und Huskys zu züchten. Oder so etwas. Goyle würde alles in seiner möglichen Macht tun, um diesen Traum wahr werden zu lassen.
Wenn es aber um Pansy ging, dann war Goyle schon aus Prinzip anderer Meinung.
Er konnte nicht anders.
Vor dem Frühstück war Goyle mit Pansy zum Astronomieturm spaziert, denn sie hatte anscheinend Neuigkeiten zu erzählen, die besonders geheimer Natur waren. Und es könnte jedes mögliche Thema sein, wie, dass Millicent ihr erzählt hatte, dass sie Freitag ein knutschendes Pärchen vor den Gewächshäusern erwischt hatte, oder dass Pansys betrunkener Vater wieder das halbe Vermögen der Familie verspielt hatte.
Sie trafen auf Professor Flitwick, der ihnen mitteilte, dass die Türen zum Turm nur noch eine halbe Stunde offen sein würden.
Pansy hatte ihm erklärt, dass sie keine halbe Stunde brauchen würde, denn sie würde schnell reden können. Professor hatte Pansy seit sieben Jahren in seinem Zauberkunstkurs und wusste, dass dies stimmte. Er gab ihnen somit die Erlaubnis zu Turm hochzugehen und führte seinen Kontrollgang fort.
Goyle fragte sich, um was für einen Tratsch es sich handeln mochte. Sie schien nicht so versessen darauf, es zu erzählen. Sie schien wohl eher dringend die Bürde loswerden zu wollen, die sie durch ihr Wissen belastete.
Der Wind heulte laut um den Turm, und Goyle widerstand der Versuchung, Pansys Unterarm festzuhalten, damit sie nicht hinab geweht wurde. Sie kam immer dünner vor in den letzten Wochen. Dünn genug, um von einer Sommerbrise davon getragen zu werden. Sie hatte all ihren Babyspeck in ihrem sechsten Jahr verloren und war so dünn wie noch nie. Goyle war es egal, wie sie aussah. Er nahm an, er wäre auch vernarrt in sie, hätte sie zwei Köpfe und einen Buckel.
„Draco schläft mit Hermine Granger", offenbarte sie ihm in nur einem Atemzug. Ihre Augen schimmerten mit Tränen des Zorns.
Goyle verschränkte die Arme vor der Brust. „Bist du sicher?"
„Natürlich bin ich sicher!", schnappte sie und warf ihm sofort einen entschuldigenden Blick zu, welcher nicht minder schroff war. „Ich meine, dass sind nicht einfach nur Gerüchte, Gregory. Es sind Tatsachen. Ich habe sie im Krankenflügel gesehen. Diese dämliche Kuh sah so aus, als hätte sie die gesamte Nacht mit ihm verbracht."
„Was hat Draco gemacht?", fragte Goyle jetzt. Er hatte natürlich intelligentere Fragen in seinem Kopf, aber er war nie jemand gewesen, der solche Fragen wirklich laut äußerte. Es war besser, die Dinge auf sich zukommen zu lassen, und sie stumm im eigenen Kopf zu bestätigen.
Pansys Kiefer spannte sich an, während sie zornig hinab auf den Waldrand starrte. „Sie gehalten als wäre sie das ultimative Heilmittel gegen jede schlechte Frisur."
„Ich verstehe."
Sie wandte sich blitzschnell zu ihm um. „Ja, wirklich? Tust du das? Ich verstehe es nämlich nicht! Ich meine, ich weiß, Draco ist seit dem letzten Jahr anders – aber das? Einem Schlammblut hinterher zu schmachten ist eine Sache, aber wirklich mit ihr zusammen zu sein eine völlig andere."
„Sie sind zusammen?"
„Glaub mir, die sind zusammen", bestätigte Pansy nickend.
„Wie willst du das wissen?"
„Er will kaum Händchenhalten mit den Mädchen, mit denen er vorher was hatte. Warum zum Teufel sollte er also mit einer sein Bett teilen, von der er unmöglich regelmäßig Sex bekommen kann?"
„Denkst du, Potter weiß es?"
Pansy sah nachdenklich aus, obwohl Goyle es eher als intrigant bezeichnet hätte. Es war ihr gewöhnlicher Ausdruck, und es war besser als wütend oder totunglücklich.
„Nein, das glaube ich tatsächlich nicht. Interessant."
„Das wird die Dinge… komplizieren." Goyle trat abwesend mit dem Schuh gegen die Mauer.
„Nein, wird es nicht. Man kann Draco vertrauen", erwiderte Pansy überzeugt, obwohl sie zu heftig nickte, als würde sie so selber ihre Zweifel beseitigen. „Er weiß, wem gegenüber er sich loyal verhalten muss."
Goyle jedoch hatte auch seine Zweifel. Wenn er dem, was Pansy sagte, Glauben schenken konnte, dann war wohl mehr als nur Lust im Spiel. Denn wenn Draco das Mädchen wirklich mochte, dann war es für keinen weise sich auf seinen fragwürdigen gesunden Menschenverstand zu verlassen.
Aber man widersprach Pansy Parkinson nicht, ohne sich dabei selber in Gefahr zu bringen. Außerdem hatten sie nur noch fünfzehn Minuten Zeit, ehe der Turm geschlossen wurde, und die verbrachte man an so einem schönen Tag besser nicht mit einer wütenden Pansy.
Und deshalb nickte Goyle. Später war noch genug Zeit, um sich mit Draco Malfoy zu beschäftigen.
„Ich vertraue Draco auch. Ich vertraue ihm mit meinem Leben."
Und das war keine Lüge.
Die Winkelgasse platzte förmlich aus ihren Nähten. Es war nicht unbedingt der beste Zeitpunkt, um einen wichtigen und geheim Termin mit Borgin und seinem Fida Mia Experten zu vereinbaren, und doch war es auch nicht der schlechteste Zeitpunkt.
Es war der Abend für die Versammlung der Kesselmacher. Und jeder Kesselhersteller, der vor drei Monaten genügend Verstand gehabt hatte, bereits ein Zimmer zu buchen, war heute in London unterwegs. Und wie bei jeder Versammlung der Kesselmacher seit hunderten von Jahren, bemühte sich die Bevölkerung von London, ihr Gold für Essen, Unterhaltung und Alkohol so schnell wie möglich auszugeben.
Die geldgierigen Geier der Winkel- und Nokturngasse rieben sich bereits die Hände und hatten alle Preise erhöht. Es gab immer betrunkene, die sich nicht störten, viel Geld auszugeben.
Es war also leicht, im Gewimmel unterzugehen. Ob Borgin das Treffen also mit Absicht auf diesen Tag gelegt hatte, wusste sie nicht.
Hexen und Zauberer und weitere magische Kreaturen, die in die Klassifizierung des Ministeriums fielen tummelten sich auf den Straßen des magischen Londons und bewegten sich Konga-artig von Bude zu Bude. Hermine atmete also tief ein, nutzte die erste freie Lücke in der Menschenschlange und ließ sich von Fleck zu Fleck schieben. Und wenn man hier bestohlen wurde, dann nur, weil man dumm genug war, seine Taschen nicht magisch zu versiegeln.
Wenn man das Pech hatte, unsittlich berührt zu werden, dann konnte man dem entsprechendem Individuum die Handtasche – oder was man eben greifbar hatte – über den Kopf ziehen (für gewöhnlich Regenschirme, Taschen oder wenn man zur Kesselmacher-Gesellschaft gehörte, einen zehn Zentimeter dicken, riesigen, mit einem Preis ausgezeichneten Kessel).
Hermine und Draco hatten Hogwarts am frühen Nachmittag verlassen. Einen Tag nach dem Gehirnerschütterungstrauma von Dracos und Tandishs Abenteuer auf dem Quidditchfeld. Madame Pomfrey hatte einen leicht benebelten Draco Malfoy vor dem Frühstück untersucht und erklärt, dass er in keiner Verfassung wäre, aufzustehen, und deshalb Bettruhe dringend benötigte und sich ausruhen und entspannen sollte.
Natürlich hatte er ihr lediglich einen grimmigen Blick geschenkt, sich angezogen und den Krankenflügel in weniger als fünf Minuten verlassen gehabt.
Hermine hatte die Große Halle verlassen, nachdem sie Frühstück mit Harry und Ginny gehabt hatte, als ihr etwas gequält erscheinender Ehemann auf sie zumarschierte.
Es war noch kaum jemand übrig im Schloss. Die jüngeren Schüler waren fast alle nach Hause geholt worden, als verkündet wurde, dass zwei Auroren auf dem Gelände entführt worden waren.
Die einzigen Schüler, die noch anwesend waren, waren etwa ein paar Dutzend Sechst- und Siebtklässler, die Schulsprecher, sowie die Vertrauensschüler und eine Handvoll jüngerer Kinder, deren Eltern entweder auf Reisen oder Muggel waren. Hermine wappnete sich schon mal gegen die Fragen, bezüglich, was im Krankenflügel passiert war.
Aber dann kam Professor McGonagall die Stufen hinab, wünschte ihnen beiden einen knappes „Guten Morgen" und betrachtete dann Draco.
„Wie geht es Ihrem Kopf, Mr Malfoy?"
„Ist immer noch dran, Professor", war seine Antwort. Er trug ziemlich modische dunkle Jeans, dazu ein graues Shirt und sah wesentlich besser aus, als die Nacht zuvor.
„Ich habe gerade mit Madame Pomfrey gesprochen, die Ihre vorzeitige Entlassung aus dem Krankenflügel als verfrüht betrachtet", informierte sie Draco förmlich.
„Tut sie das?", erwiderte Draco ohne den Auch von Reue. „Das war mir nicht aufgefallen. Haben Sie Tandish Dodders schon gesehen, Professor? Geht es ihm gut?"
„Er lebt und ist noch in einem Stück, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe", erwiderte die Hauslehrerin. „Obwohl er seitdem in der Obhut Ihres Hauslehrers ist. Ob er immer noch in einem Stück vorhanden ist, sei also dahingestellt."
„Der arme", murmelte Hermine.
McGonagalls strenger Blick richtete sich nun auf die Schulsprecherin. „Miss Granger, ich bedanke mich, dass Sie die letzten beiden Tage hier gewesen sind. Es sind nur noch zwei Dutzend Schüler da, und es ist gut, dass die Schülervertretung auch anwesend ist."
„Als Schulsprecherin ist es meine Pflicht, bis zum letzten Tag des Schuljahres anwesend zu sein. Ich denke, ich spreche hier auch für Blaise", entgegnete Hermine ernster als Draco zuvor.
McGonagall lächelte, legte Hermine ermutigend die Hand auf die Schulter und setzte ihren Weg fort.
Draco wartete bis das Geräusch ihrer Schritte nicht mehr zu hören war, und tat so, als müsse er würgen.
„Gut, dass ich das Frühstück versäumt habe. Diese übertrieben demütige Ergebenheit wäre mir sonst noch auf den Magen geschlagen."
Hermine schenkte ihm einen sauren Blick. „Gut, dass es dir besser geht."
Er sah sie an und sagte gar nichts. Erinnerte er sich denn? Er sah nicht so aus als täte er es. Sie wurde misstrauisch.
„Tut dein Kopf noch weh?", fragte sie also vorsichtig.
„Was du eigentlich fragen willst, ist, ob ich mich erinnere, dass du mich gestern Nacht besucht hast?", fragte er gedehnt und hob eine Augenbraue.
„Ähm…", erwiderte sie vage.
„Nicht wirklich", fuhr er schließlich fort. „Ich kann mich nicht an viel erinnern, nachdem du meinen Zustand für dich ausgenutzt hast."
Sie wusste, er versuchte sie aus der Reserve zu locken, aber sie würde nicht anspringen. „Also, du erinnerst dich an nichts weiter, außer dass ich zu dir gekommen bin?"
Er hakte seine Daumen in die Schlaufen seiner Jeans und lehnte sich auf den Hacken nach vorne und wieder zurück. „An nichts", erwiderte er aufgeräumt.
Zu aufgeräumt.
Hermine war nicht überzeugt, aber sie würde nicht weiter fragen. Sie hatten andere Sorgen. Je eher sie ihr Leben wieder in den Griff bekam, umso mehr Nutzen würde sie für Dumbledore und den Orden sein.
„Irgendwas von Borgin gehört?"
„Ja, habe ich", erwiderte er. „Deswegen habe ich Neville Longbottoms grauenhaftes Morgengesicht auf den Toiletten im dritten Stock ausgehalten, um zu erfahren, wo du bist." Er holte ein kleingefaltetes Stück Pergament aus der hinteren Tasche seiner Jeans und reichte es ihr.
Das Papier war so warm wie sein Körper. Hermine verdrängt den Gedanken und faltete die Nachricht von Borgin auseinander.
Drei Sekunden später hob sie den Blick. „Malfoy, warum lese ich das Rezept für einen Hafer-Muffin?"
„Oh", erwiderte er und klang ungeduldig. Hastig nahm er ihr den Zettel wieder ab und holte seinen Zauberstab hervor. Er murmelte einen Spruch und schüttelte anschließend das Papier, als würde er damit die Worte in die richtige Position bringen.
„Versuch es jetzt."
Die Buchstaben hüpften übereinander und zeigten schließlich Borgins Nachricht. Sie vergewisserte sich mehrmals, dass sie die exorbitanten Worte des Fida Mia Experten auch richtig verstanden hatte, kommentierte dies jedoch nicht.
„Wir treffen uns vor dem Cobbletone in einer Stunde. Wirst du Probleme haben vor Potty und dem Wiesel davonzukommen, den Beschützern deiner uneingeschränkten Tugenden?"
Gott, er war ein Idiot. Hermine ließ sich nicht davon ablenken, den Brief weiter zu untersuchen. „Wenn meine Tugenden uneingeschränkt vorhanden wären, dann bräuchte ich auch keine Beschützer."
Draco schnaubte auf. „Touché."
Sie machte den Fehler, den Blick zu heben und ihm ein amüsiertes Lächeln zu schenken. Sollte man sie doch verklagen. Es war kaum ihr Fehler, dass sie mit Absicht ein freundlicher Mensch war. Er hatte sie überrascht.
Er mochte diesen freundlichen Moment zwischen ihnen wohl nicht. Sein Ausdruck war nicht mehr milde gereizt, er war jetzt misstrauisch. „Granger, ich weiß wie es sich anhört und anfühlt, aber wir verstehen uns nicht."
Sie sah ihn an. Ihre Wimpern klimperten mit falscher Unschuld. Die neuentdeckte Fähigkeit, dass sie es schaffen konnte, dass er sich unwohl fühlte, verlieh ihr eine gewisse Macht. „Tun wir nicht?"
Er war sehr schnell. Er hatte sich knapp umgesehen, dass niemand sie beobachtete und hatte ihren Oberarm umfasst. Schroff zog er sie unter die Stufen der Haupttreppe. Es lag beachtlich viel Müll hier: Reste von Schokofröschen, leere Bertie Botts Bohnen Packungen, die aussahen als wären sie aus den Siebzigern, ein violettes Haargummi und ein Aufsatz über Muggelkunde von einem Fünftklässler namens William Hunt-Smith.
„Nein, wir sind keine Freunde."
Sie zupfte ein paar Spinnenweben aus seinen Haaren und war fasziniert, dass sie keine Angst mehr vor ihm hatte.
Auch wenn er größer war als sie.
„Wenn du es sagst."
„Wenn das alles hier vorbei ist, bin ich froh, dich nie wieder sehen zu müssen", fuhr er fort.
Aber sie konnte fast fühlen, wie seine Augen über ihr Gesicht wanderten, sich die Details einprägten, die er sich nicht gestattete zu bemerken, wenn sie nicht alleine waren. Ihre Hand hob sich von selbst, wie eine Verräterin, und doch war sie geradedas Ehrlichste an ihr, und legte sich auf seine Hüfte. Nur wenige Zentimeter höher und sie würde die Stelle seines Shirts berühren, unter der sich das Tattoo befand.
Sie würde wahrscheinlich ohnmächtig werden. Wie eine, in eine Korsage eingeschnürte Heldin, deren Blutzucker zu niedrig war, nahm Hermine an.
„Gleichfalls", erwiderte sie, etwas außer Atem. Der Stoff seines Shirts fühlte sich unglaublich gut an, besonders mit der Wärme und Härte seiner Hüfte darunter. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte sie ihn vielleicht gefragt, welchen Weichspüler er benutzte.
Erinnerte sich an letzte Nacht? Er hatte ihr zwar keine Anhaltspunkte diesbezüglich gegeben, aber seine Augen schrieben ganze Romane.
Hermine fand endlich ihre Schlagfertigkeit wieder, die sich in einer warmen Ecke ihres Magens zusammengekauert hatte. Tatsächlich verstand sie ihn. Es machte sogar Sinn.
Jedes Mal, wenn sie einen Moment hatten, wurde er zu einem wirklich hoffnungslosen Fall. Es war ein Verteidigungsmechanismus. Und die Angst, dass er verschwinden würde, ließ sie die Dinge auf beunruhigende Weise völlig klar erkennen.
„Letzte Nacht wollte ich sehen, wie es dir ging", erklärte sie ruhig.
„Ich brauche dich nicht, um nach mir zu sehen", knurrte er. Seine Hände drückten nun nicht mehr schmerzhaft auf ihre Oberarme. Sie rieben sie, drückten leicht zu, als wolle er verhindern, dass ihr kalt wurde. Als könne er sich nicht entscheiden, ob er ihr weh tun, oder sie streicheln wollte. Aber es passte immer noch ein Mensch von Goyles Größe und Umfang zwischen sie.
Der Abstand zwischen ihm und ihr war wohl immer noch der entscheidende Faktor.
„Dein Problem ist, dass du nicht weißt, was du willst, Malfoy", schnappte sie wütend. „Du weißt nicht mal, auf welcher Seite du stehen willst. Entscheide dich endlich. Dunkle oder hell. Wir sind hier im Krieg. Du hast nicht den Luxus zwischen den Seiten zu stehen. Also hör auf uns andere zu hassen, nur weil wir wissen, wo wir stehen."
Sie sah, wie sich sein Kiefer lockerte. Und unerschrocken fuhr sie fort.
„Du willst, dass ich dir helfe, dieses Fida Mia Problem zu lösen, aber gleichzeitig willst du mich nicht dabei haben? Du wirst wütend, wenn ich dir nicht zuhöre, aber wenn ich mich füge benimmst dich wie der allergrößte, jammernde Mistkerl, der jemals in Slytherin war."
Sie fixierten sich mit heißem Zorn für einige Sekunden.
„Und das sagt einiges", fügte sie hinzu.
Er sah aus, als wolle er sie erwürgen. Sie würden ihre Leiche wohl später zwischen regenbogenfarbenen Berties Botts Packungen und Hunt-Smiths Aufsatz „Muggel und Versicherungen: Notwendigkeit oder Paranoia?" finden.
„Du dummes, kleines Mädchen", erwiderte er höhnisch, sein Atem heiß und süß auf ihrem Gesicht. „Ich sage dir genau, was ich nicht will. Ich wollte dich nicht wirklich in der Nacht der Abschlussfeier, aber hey, du hast dich angeboten, und ich bin nicht Sankt Potter, der einen passablen Fuck abschlägt, weil ich in meinen besten Freund verliebt bin. Ich wollte nicht, dass du mir jemals wieder zu nahe kommst, nachdem du mir im Badezimmer der Vertrauensschüler klar gemacht hast, wie widerlich du mich findest. Ich brauche deine Fürsorge nicht, nachdem ich Dodders verflucht unfähigen Arsch aus dem Quidditchfeld gerettet habe. Und ich will nicht morgens aufwachen mit einer steinharten Erektion und Laken, die nach dir riechen, ohne dass du da bist und ich dir sagen kann, dass du zum Teufel noch mal verschwinden sollst!"
Hermine öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Sie glaubte nicht, dass sie ihm wirklich sagen musste, dass er verrückt war. Dieser kleine Monolog hatte dies ohne Zweifel bestätigt.
„Sprachlos?", erkundigte er sich mit einem Nicken, und seine Stimme zögerte kurz. „Gut. Wir sehen uns in der Winkelgasse."
Merlin, sie wusste, es waren ihr schon seltsamere Dinge in ihrem Leben passiert, aber ihr nächster Gedanke ließ all diese Dinge eine andere Perspektive annehmen.
Sie sah zu, wie er in Richtung der Keller verschwand.
Und Hermine war sich sicher, dass er gerade ihr Herz mit sich nahm.
