Chapter Twenty-Eight

Jemand kam den Korridor hinab, und es war nicht Bob der Kerkerwächter. Tonks wusste dass, denn Bob trug Springerstiefel und trampelte viel, wenn er lief. Nein, diese neue Person war leichtfüßig und sehr, sehr leise. Tonks hörte die Ankunft des Fremden nur, weil sie diese erwartet hatte, sei dem sie hier in dieser Zelle aufgewacht war.

Menschen, die andere kidnappten und gefangen hielten, warfen normalerweise auch einen Blick auf ihr Hinterteil. Früher oder später, egal wie viele Handlanger und Bobs es gab, lag es in der Natur der Bösen, dass die Person, die das Sagen hatte, auftauchte und ebenfalls einen langen, ausgiebigen Blick auf sie warf.

Wichtig war, dass du gut aufpasst und eine Person, die das Sagen hat erkennst, wenn du sie vor dir hast.

Und jetzt öffnete sich der obere Teil ihrer Tür. Ein Gesicht erschien. Blass, neugierig und mit stiller Überlegenheit. Es war wie ein Schlag in die Brust, Harry Potters junges Gesicht zu erkennen, welches sie mit Interesse anstarrte, aber Tonks hatte ihre Emotionen schnell wieder unter Kontrolle.

Wenn das Harry war, dann war Dumbledore Madame Rosmerta in einer sehr cleveren Verkleidung.

„Keiner mag Angeber", begann Tonks im Plauderton.

Harrys Gesicht wurde von einem wissenden Lächeln erhellt. Es war die gleiche Art von Lächeln, das Tonks schon auf dem Gesicht des falschen Dracos erkannt hatte. Also war dies die Person, die die Fäden in der Hand hielt. Aber es mussten noch andere helfen, denn diese Kerker-Sache hier war keine Nacht und Nebelaktion gewesen.

„Du bist die Cousine vom kleinen Malfoy? Andromedas Balg?", erwiderte der Metamorhpmagus.

„Und du musst einen echten Hirnschaden haben, wenn du denkst, du kommst einfach so davon, wenn du zwei Auroren gefangen nimmst?", antwortete Tonks freundlich.

Einen Auror", korrigierte ihr Kidnapper sie mit einem abschätzenden Blick. „Ich halte nur einen Auror gefangen."

Tonks Atem gefror. Also war Bligh wirklich tot. Sie hatte so viel schon angenommen, hatte aber dennoch gehofft, sie läge falsch. Moody würde die Hölle loslassen, um diesen Mann zu stellen, aber dafür müsste Tonks erst mal entkommen, um es Moody zu sagen. Sie versuchte nicht an Astrid Huggins zu denken, die Bligh vergöttert hatte. Oder an Blighs Mutter, deren Namen Tonks sich gerade nicht ins Gedächtnis rufen konnte, welche aber so stolz gewesen war, als Bligh als Auror von der Akademie zurückgekehrt war.

„Ich mag dich", erklärte der Metamorphmagus anscheinend zufrieden, weil er sie kurzzeitig sprachlos gemacht hatte. „Du bist nicht so dumm wie die anderen Auror. Es liegt wohl Blut der Blacks."

Tonks fragte sich, ob der kleine Angeber wusste, dass sie ebenfalls ein Metamorphmagus war, aber diese Informationen behielt sie vorerst besser für sich.

„Wer bist du?", fragte sie. „Wieso sagst du es mir nicht? Es sieht nicht so aus, als würde ich im Moment irgendwohin gehen."

Das Gesicht, das sie beobachtete wurde sehr ernst. Es war zu einem Großteil echte Hingabe und zu einem Teil schlichter Wahnsinn. Es erinnerte sie an Voldemorts Zeiten.

„Ich bin jemand, der nicht beachtet, abgeschrieben und zum Vorzuge anderer, die es nicht verdient haben, übersehen wurde. Aber nicht mehr für lange."

Tonks nickte mit falscher Feierlichkeit. „Und du übst diese kleine Rede wie viel Mal am Tag vor deinem Spiegel?"

Die Worte gefielen ihrem Kidnapper nicht. Die Luke schloss sich augenblicklich wieder. Und ihr heimtückischer, leichtfüßiger, fraglich Verrückter Metamorphmagus verließ die Kerker wieder.

Niemand kam an diesem Tag, um nach ihr zu sehen. Und auch nicht am nächsten.

„Wo ist die Zeitung, wenn man sie mal braucht?", beschwerte sich Ron bei sich selbst. Es war keine Zeitung gebracht worden, denn die meisten Schüler, die diese abonniert hatten, waren bereits abgereist. Ron hatte auch bei der Durchsuchung des Gemeinschaftsraums kein Glück. Sein Glück besserte sich allerdings, als er einen Hufflepuff entdeckte, der den Tagespropheten unter seinem Arm trug.

„Kann ich mir die leihen?" Es war eine rhetorische Frage. Ron hatte die Zeitung dem Jungen bereits weggenommen.

Ron fand Harry am Rand des Sees, wo dieser mit Ginny auf der Steinbank saß, die Hermine immer dann aufsuchte, wenn es im Schloss zu warm war. Ron setzte sich, seufzte, öffnete die Zeitung und begann nach Neuigkeiten über Tonks zu suchen. Seine Aufmerksamkeit wurde kurz auf den Bericht über die Chudley Canons und ihren neuen Treiber gezogen, aber schuldbewusst wandte er sich kurz darauf wieder der Suche nach Hinweisen zu.

Es wren die ersten echten Ferien der Freunde, seit dem Tonks und Bligh verschwunden waren.

Sorge überschattete die Dinge meistens.

„Warte mal", hielt Ginny ihn stirnrunzelnd auf. Sie nahm dem protestierenden Ron die Zeitung weg und fasste einen Artikel nahe am Ende der ersten Seite ins Auge. „Narzissa Malfoy ist tot?"

„Was?", sagte Harry. „Seit wann?"

Ginny las den Bericht, ehe sie antwortete. „Anscheinend seit einer Weile. Sie war in der Schweiz, als es passiert ist. Ist das nicht, wo Dumbledore ist? Professor McGonagall hat gesagt, er hat dort wichtiges zu tun."

Ron wunderte sich, wie er den Bericht hatte übersehen können. „Sagt der Bericht, wie sie gestorben ist?"

„Nein. Da steht nur, dass der Tod irgendwie versucht wurde zu verdecken und dass das Ministerium jetzt neue Untersuchungen veranlasst. Ich frage mich, was Dumbledore damit zu tun hat?"

„Das ist schrecklich." Harry schüttelte den Kopf. „Ich meine, man muss ihr zugutehalten, dass sie Lucius am Ende verlassen hat. Das war mutig. Ich glaube nicht, dass sie viel freien Willen gehabt hatte."

Ginny biss sich auf die Unterlippe. „Denkt ihr, Lucius hat damit zu tun?"

„Wie?", warf Ron ein. „Er kann sich nicht mal alleine den Hintern abputzen, ohne dass das Ministerium ihm das Toilettenpapier reicht."

„Das ist nett, Ronald", erwiderte Ginny und schenkte Ron einen angewiderten Ausdruck.

Harry sah mittlerweile jedoch besorgt aus. „Ich frage mich, ob Malfoy es weiß."

„Weißt du, ich glaube, er weiß es nicht. Er war das ganze Jahr über so wie immer."

„Und was wäre so wie immer?", wollte Ron interessiert von seiner Schwester wissen.

„Er ist ein Ekel", erwiderte Ginny. „Eine Verbesserung von Rassist, Tyrann und Bastard, aber immer noch ein Ekel."

„Das stinkt doch nach Beeinflussung." Zwar war es Harry, der es sagte, jedoch dachten es alle. Dumbledore und das Ministerium waren nicht gerade direkt heraus oder überhaupt für Teamarbeit bekannt, obwohl Dumbledore schon versucht hatte, das zu ändern.

Das Ministerium für Zauberei jedoch, war noch eine andere Sache.

Ron sah sich um, als stelle erst jetzt gerade fest, dass die Meinung einer weiteren Person fehlte. „Wo ist Hermine?"

Ginny band sich die Schuhe neu. „Sie ist heute weg. Sie sagt, sie muss nach Gringotts."

„Oh", entgegnete Ron. „Das hätte sie mir auch sagen können. Ich wäre mit ihr gegangen. Ich brauche neues Futter für Pig. Ihm bekommt das neue Zeug, was Mom gekauft hat nicht. Er kotzt alles wieder aus", erläuterte Ron mit verzogenem Mund.

Harry und Ginny teilten einen Blick, der teilweise amüsiert, teilweise bemitleidend war. „Ron, ich glaube, sie hätte deine Anwesenheit heute nicht besonders wertgeschätzt."

Ron starrte seine Schwester an, dann Harry, der plötzlich ziemlich interessiert an seinen Fingernägeln war. „Mir wird gleich etwas sehr unangenehmes erzählt, oder?"

„Sag du es ihm", entgegnete Ginny an Harry gewandt.

Harry hob den Blick. „Ich? Wieso ich?"

„Sag mir was?", wollte Ron wissen und war nun wirklich besorgt. „Was ist mit Hermine?"

„Beruhige dich, Ron. Es ist nichts mit Hermine."

„Oh ja, sicher!", schnappte Ron. „Ich will es wissen!"

Ginny verdrehte die Augen. „Natürlich wussten wir, dass du überreagierst. Es ist nicht weiter schlimm, Ron. Harry und ich glauben, dass… sie einen Freund hat. Oder so…"

„Was soll das heißen, oder so?"

„Es heißt, sie hat es uns nicht gesagt. Noch nicht", erklärte Harry jetzt.

„Wissen wir, wer?"

Ginny zog ihren Bruder am Arm, so dass er sich erneut neben sie setzte. Ihm war wohl nicht aufgefallen, dass er plötzlich auf den Füßen gestanden hatte. „Na ja, ich glaube, sie würde kein Geheimnis daraus machen, wenn sie nicht glauben würde, dass wir ihn nicht sofort… akzeptabel finden würden."

Ron wurde sehr blass. „Oh mein Gott!"

Ginny kannte ihren Bruder gut genug, um zu wissen, was für Gedanken jetzt gerade in seinem Kopf stattfanden. „Sei nicht blöd, Ron. Es ist kein Lehrer!"

„Bist du sicher?"

„Ja! Ganz sicher, Ron!"

„Gut, wer ist es dann?", wollte Ron zornig wissen.

Ginny warf Harry einen Blick zu, und dieser seufzte, ehe er antwortete. „Wir glauben, er ist ein Slytherin. Es ist wohl jemand, den sie in letzter Zeit besser kennen gelernt hat…"

„Du meinst nicht…", begann Ron.

„Na ja, er mag sie schon ziemlich lange, oder? Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, weshalb er sie nicht schon längst gefragt hat", erklärte Ginny. „Das Timing ist nur schlecht, bedenkt man die neuesten Entwicklungen."

„Aber – aber er ist aus Slytherin!", erwiderte Ron mit empörter Vehemenz, die er sich sonst nur für Victor Krum aufsparte.

„Blaise sieht gut aus, ist höflich, charmant, beliebt und hat Spitzennoten. Vielleicht ein bisschen zu clever, aber das ist Hermine auch"

Harry hob eine Augenbraue. „Du hattest anscheinend genügend Zeit, um über Zabini nachzudenken."

Ginny tätschelte tröstend seinen Arm. „Du siehst auch gut aus, bist höflich, charmant und beliebt, Harry."

„Hey, du hast clever vergessen!", stellte Harry fest.

Menschen waren immer noch Menschen. Egal, ob sie mit dem Besen oder mit dem Bus zur Arbeit kamen.

Um es allgemein zu sagen, Männer mochten Sport. Sie mochten außerdem die Gesellschaft von anderen sportbegeisterten Männern. Wenn es heißer wurde, mochten sie es, Dinge draußen zu kochen, über die Arbeit zu sprechen, Renovierungen und bessere Rasenmäher.

Es war möglich, zu behaupten, dass Zauberer die gleichen Vorlieben hatten wie gewöhnliche Männer. Nur weil sie ein genetisches Extra besaßen, dass ihnen erlaubte, die Tageszeitung mit dem Zauberstab in ihre Hand schweben zu lassen (im Gegensatz zu Mr Granger, der in seinen Boxershorts aus dem Haus schlüpfte, und jedes Mal hoffte, die Nachbarn würden ihn nicht sehen), waren sie nicht zivilisierter oder besser.

Demnach wenn es also Bordelle und Häuser mit schlechtem Ruf in der Muggelwelt, oder wie man sie nennen möchte, gab, dann existierten diese Dinge auch in der Zaubererwelt. Und an diesen Orten drängte sich die schlechte Umgebung praktisch auf.

Draco war zwanzig Minuten zu spät, aber Hermine war noch nicht bereit es zuzugeben, während sie in genau dieser zwielichtigen Umgebung wartete, ihre Nerven zum Zerreißen gespannt. Brave Hexen liefen nämlich nicht alleine und ohne Begleitung durch die schiefen Winkel der Nokturngasse.

Brave Hexen gingen mit ihren braven Freunden, ihrem braven Freund oder ihren Eltern zusammen.

Draco Malfoy war kein braver Zauberer, der sie warten ließ in dieser… - sollte sie es sagen - dunklen Ecke der Stadt. Aber Hermine war keine zarte Blume. Es würde sie nicht für ihr Leben schockieren, einen Tag lang Londons gefährlichen Rotlicht-Distrikt zu sehen. Sie hatte schon schlimmere Dinge gesehen – Snape, Voldemort, Hagrids Kochkunst, und so weiter, und so weiter – ohne dass sie große Schäden davon getragen hatte.

Es hatte sie nicht viel Zeit gekostet das Cubblestone auszumachen. Es war ein Ort, an dem Geschäfte abgewickelt wurde oder, wo Leute wegen der farbenfrohen Aufmachung hingingen.

Das Gasthaus sah nicht aus wie ein typischer Gasthof. Es sah eher aus, als wurde jedes Zimmer schief auf das andere drauf gesetzt. Vielleicht war es derselbe intelligente Architekt, der auch für den Bau des Fuchsbaus verantwortlich war.

Für so ein dunkles und skurriles Gebäude hingen dennoch viele pinke Gardienen in den Fenstern. Die Menschen, die kamen und gingen sahen sogar tatsächlich zufrieden aus. Es gab Feenlichter, die von echten Feen ausgingen. Aber bei näherem Hinsehen erkannte Hermine, dass diese Feen entweder schliefen oder betrunken waren. Daneben hing ein graues Neonschild, welches entweder noch angestellt werden musste oder es funktionierte nicht mehr.

Es waren auch jede Sorte an Hexen vertreten. Große, kleine, alte und junge, schlichte und über alle Maßen hübsche Hexen, die alle sehr schick und provozierend gekleidet waren, als würden sie in einem amerikanischen Westernfilm Statisten in einem Saloon sein.

Hermine spürte die Röte in den Wangen, als sie an einer Hexe vorbei schritt, die einen gelben Sonnenschirm in den Händen drehte, eine passende gelbe Korsage dazu trug, Seidenstrümpfe und einen dunklen Mantel, aber sie passt perfekt hierhin.

„Auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten, Herzchen?", rief das Mädchen ihr nach. Ein paar andere Damen im Hintergrund lachten.

Dieser verfluchte, berechnende, Peroxyd-blonde Wichser wusste bestimmt ziemlich genau, was einen hier in diesem Gasthaus erwartete und wollte sie mit voller Absicht blamieren, in dem er sich auch noch draußen treffen wollte.

Sie würde ihm diese Genugtuung nicht geben. Sie schritt die Straße entlang, stellte sich neben einen netten, altmodischen Laternenpfahl und wartete dort.

Und wartete.

Hermine hatte sich dazu entschlossen die enthaltenen Stoffe auf der Rückseite ihres Labellos zu studieren, als sie spürte, wie jemand ihren Arm ergriff und sie vom Bürgersteig wegführte. Zuerst dachte sie, es wäre Draco, welcher genauso unhöflich wäre, aber es war jemand komplett fremdes, und sie schreckte zurück.

„Ich habe eine Kutsche in der nächsten Straße", erklärte der Mann. Er war gut angezogen und nicht viel älter als sie selbst.

„Das ist schön für Sie", erwiderte sie, denn ihr fiel nichts Besseres ein. Sie wünschte sich, sie würde Hagrids rosa Schirm bei sich tragen.

Unbeeindruckt, zog der dreiste Idiot vor ihr, eine Tasche voller Gold hervor, die er an seinen Gürtel gebunden hatte und schüttelte den Beutel, um die Münzen klingen zu lassen. „Ich zahle mehr als der Durchschnitt", erklärte der Mann. Er hatte ein blaues Auge und ein grünes. Das war recht ungewöhnlich. Das blaue Auge zwinkerte ihr zu.

Oh, sie würde Malfoy den Hals umdrehen, wenn er auftauchen würde.

Falls er auftauchen würde! Gott, er würde doch kommen, oder?

„Ich stehe nicht zum Verkauf", erklärte sie dem Mann und war wütend auf jede Frau, die glaubte ihren Körper einzusetzen, um Geld zu verdienen sei die einzige Möglichkeit. „Nimm dein verdammtes Geld und verschwinde."

„Alles hat seinen Preis", erwiderte er und lächelte. Und dann hob er die Hand, um eine ihrer Locken anzufassen.

Angewidert schlug Hermine seine Hand zur Seite.

Weiter die Straße runter warfen ihr die Mädchen vor dem Cobbelstone feindliche Blicke zu, die meisten jedoch wirkten amüsiert.

Das mit dem Unauffällig bleiben klappt ja wunderbar, überlegte Hermine dumpf. Der Widerling sah sie immer noch auffordernd an.

„Die willst du nicht, Kumpel", sagte jetzt eine bekannte Stimme. „Die hat deine Eier danach auf verschieden Weisen in der Hand."

Der Sonnengott war endlich aufgetaucht, obwohl sein goldenes Haar durch eine Muggel-Kappe größtenteils verdeckt wurde, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte. Auf der Kappe Stand Nutrisoil Dünger.

Hermine las es erneut, nur um sicher zu gehen.

Nur Draco Malfoy konnte wahrscheinlich für Kuhdünger Werbung machen, und immer noch passabel aussehen.

Hermines beinahe-Klient stand immer noch am selben Platz, entweder zu dumm oder zu stur, um vor Malfoys tonloser Gruselstimme Angst zu haben. Sie hatte Erstklässler das Weite suchen sehen, wenn Malfoy auf diese Weise mit ihnen sprach.

„Hau ab, oder wir haben ein Problem." Sein innerer Lucius schien heute Tageslicht zu sehen.

Der Mann wollte wohl kein Problem. Vielleicht war er ein Zauberer, der einen Ruf zu verlieren hatte. Oder vielleicht sah er keinen Sinn in einer Konfrontation, wenn es noch mehr Damen gab, die er mitnehmen konnte. Während er Hermine noch einmal zuzwinkerte (wieder mit dem blaue Auge), steckte er den Geldbeutel zurück und schritt pfeifend die Straße entlang.

„Urgh!", rief Hermine aus, mit dem Bedürfnis sofort zu duschen.

Draco wandte sich zu ihr um. „Hat dir deine Mutter nie beigebracht, dein Knie zu benutzen?", erkundigte er sich wütend.

Sie funkelte ihn böse an. „Meine Mutter hat mir beigebracht, meinen Verstand zu benutzen."

Ein Teil seines Ärgers verrauchte. „Richtig. Du kannst ihm auch deinen Kopf in den Hintern rammen. Manchmal effektiv."

Hermine ignorierte den Anflug von Humor in seiner Stimme, während sie an sich hinabblickte und überlegte, ob sie gerade irgendwelche Signale von sich gegeben haben könnte, die andeuteten, dass sie für die Stunde bezahlt wurde. Sie trug einen dünnen, Rock, Sandalen und ein Spaghettiträger-Top. Ja, überlegte sie trocken. Sie war der Inbegriff einer Lady der Nacht.

Draco las ihre Gedanken. „Das Cobblestone bietet Frauen für alle Geschmäcker, Liebling", bemerkte er und wackelte mit seinen Augenbrauen. „Glaub es oder nicht, manche Männer stehen auf den keuschen Jungfrauentyp." Er betrachtete ihre bloßen Beine auf eine Art und Weise, so dass sie sich nach einem Paar weiter Jeans sehnte.

Sie warf ihm einen bösen Blick zu. „Du bist zu spät."

„Ich musste mich um ein paar Last-Minute Dinge kümmern, ehe ich gehen konnte", war alles, was er sagte. Dann umfing er ihr Handgelenk und zog sie zum Eingang des Gasthauses. „Komm, wir sehen nach, ob sie ein Zimmer frei haben."

„Du meinst zwei. Zwei Zimmer", korrigierte sie ihn. „Und hör auf, mich zu ziehen. Ich kann laufen!" Sie hatte genug davon von unhöflichen Männern durch die Gegend gezogen zu werden.

„Dann beweg dich schneller. Die Leute gucken."

„Sagte der junge Zauberer mit der Dünger-Kappe…", murmelte sie.