Chapter Twenty-Nine

„Was soll das heißen, nur ein Zimmer und nur ein Bett?"

Hermine zog so subtil wie möglich an Malfoys Ärmel, um ihm zu bedeuten, wie laut und unhöflich er war.. er schob ihre Hand einfach zur Seite.

Einige Damen, die das Haus verließen beäugten sie mit Interesse. Die hübsche Hexe mit dem gelben Sonnenschirm war ihnen sogar ins Innere gefolgt und betrachtete Malfoy, als wäre er ein besonders nettes Paar Schuhe, welches sie sich zwar nicht leisten konnte, aber dennoch gerne anprobieren würde.

„Sehen Sie", sagte Malfoy, während er seinen Finger gegen den abgenutzten Tresen presste, „ich habe eine Eule geschickt mit meiner Reservierung."

Der Besitzer des Cobblestone schien jedoch eine fröhliche Gleichgültigkeit an den Tag zu legen.

„Das haben Sie getan, Mr Merrybones, Sir. Wir haben Ihren Brief und die Bezahlung heute Morgen erhalten. Die Sache ist, mein Sohn, wir sind seit zwei Wochen völlig ausgebucht. Diese Zauberstabmacher Messe, wissen Sie? Jedes Zimmer in der Stadt ist belegt. Ich fürchte also, das einzige, was wir noch haben, ist-"

Malfoy verengte die Augen und forderte den Mann praktisch dazu heraus, es zu sagen.

„Ein Einzelzimmer", beendete der Besitzer den Satz, mit einem selbstgefälligen Lächeln. Malfoys Ausbruch war wohl mehr als amüsant für ihn.

„Nimm es endlich, ok?", brachte Hermine gepresst hervor. „Vergiss die zwei Zimmer."

Sie bereute die Worte, sobald sie ihren Mund verlassen hatten. Malfoy ließ nun ihr seinen ganzen Unmut zuteilwerden. Es war, als träfe sie ein arktischer Wind ins Gesicht. Sie wich einen Schritt vor ihm zurück.

Er schien einige Dinge zu verabscheuen, jetzt wo er inkognito war. Alleine die Tatsache, dass Menschen nicht demütig zu seinen Füße fielen, keine Rosenblüten bei seiner Ankunft streuten oder ihre unverheirateten Töchter zur Auswahl für Mr George Merrybones bereitstellten, sowie sie es für Mr Draco Malfoy getan hätten.

„Ich stelle mich für einen weiteren Tag zur Verfügung, für die Hälfte von dem, was sie verlangt", warf die Hexe mit dem Sonnenschirm ein, während sie auf Hermine deutete.

Hermine warf ihr einen zornigen Blick zu und wunderte sich, wann das Mädchen die Zeit gefunden hatte, sich neben Malfoy zu schleichen, und ihren, mit Rouge hervorgehobenen, Ausschnitt gegen seinen Bizeps zu pressen. Malfoy sah an dem Mädchen herab, wie an einem übereifrigen Kätzchen, das er gerade nicht streicheln konnte, worauf er aber gerne später zurückkommen würde.

„Ich bin seine Frau", stellte Hermine jetzt scharf fest. Sie fühlte praktisch, wie Malfoy innerlich seine Augenbraue bei diesem Kommentar hob.

Es konnte sie alle mal. Sie waren hier, um das verheiratete Paar zu spielen, oder?

Die Hexe grinste jetzt. „Uuhh. Und ich bin seine Mama."

„Sally, würde es dir was ausmachen?", bemerkte der Besitzer müde. „Ich versuche hier, ein Geschäft zu machen."

„Ich auch", erwiderte Sally die Schlampe. Aber sie bewegte sich in Richtung Tür, ohne wirklich verärgert zu sein. Sie wandte ihren Kopf noch einmal um, um Malfoy einen Handkuss zuzuwerfen. Hermine widerstand der Versuchung, den Kuss in der Luft abzufangen, und ihm der Hexe zurück ins Gesicht zu werfen.

„Wir können Ihnen einige Erweiterungssprüche für das Zimmer anbieten, wenn Sie wollen. Für einen minimalen Zuschlag", erklärte der Besitzer jetzt. Er roch wohl einen möglichen Profit.

„Das wäre nett, Danke", unterbrach Hermine rigoros jede zukünftige Drohung, die Malfoy dem Mann noch entgegenschleudern wollte. Malfoy schien wohl auch immer noch abgelenkt von Sally der Schlampe mit den schwingenden Hüften.

Der Besitzer räusperte sich, wohl erfreut, dass sie sich einig werden konnten. „Ich erstatte Ihnen eben den zweiten Raum und schreibe Ihnen eine neue Etablissement-Rechnung." Er griff unter den Tresen, aber Draco hielt ihn auf. Es war besser, wenn ihr Aufenthalt hier nicht schriftlich festgehalten wurde.

Hermine trommelte mit ihren Fingern auf dem Tresen. Eigentlich interessierte sehr, wie eine sogenannte Etablissement-Rechnung eines Bordells aussehen würde.

„Behalten Sie das Geld." Malfoy schob dem Mann nun auch noch zusätzlich einen Beutel Galleonen über den Tresen. „Für Ihre Diskretion."

Anscheinend war dies keine besondere Bitte. Denn der Besitzer nickte nur knapp, und verstaute das Geld unter dem Tresen. „Diskretion ist unser Motto, Junge. Genießen Ihren Aufenthalt in unserem feinen Etablissement."

Zufrieden, dass seine Pläne nicht alle den Bach runtergegangen waren, setzte Malfoy die Dünger-Kappe ab. Er fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, damit sie nicht mehr flach lagen. Es war so eine typische Jungen-Sache, die er tat. Hermine war kurz verwundert, dass es ihr gefiel, ihm dabei zuzusehen, wie Malfoy er selbst war. Das tat er nicht sehr häufig.

Je mehr Zeit sie in seiner Gesellschaft verbrachte, umso mehr Dinge fielen ihr auf, die ihr gefielen. Obwohl man natürlich erst mal die vielen Schichten an aufgeblasener Arroganz und Ambivalenz runter schälen musste…

Er war immer noch arrogant und ambivalent, aber das war eben nicht alles an ihm. Diese ganze Geheimnistuerei hier tat ihm gut. Seine Wangen waren attraktiv gerötet, und seine Augen funkelten heute.

„Ich denke, ich mag die Nokturngasse", informierte er sie mit einem lasziven Lächeln.

Hermine bezweifelte dies nicht. Er war ganz und gar seine Umgebung.

Das letzte Mal, dass sie sich ein Zimmer geteilt hatten, waren sie vollkommen betrunken gewesen, hatten die ganze Zeit gelacht, waren glücklich, frisch tätowiert und völlig außer Kontrolle durch die Magie verstärkte Lust. Dieses Mal waren sie nüchtern. Auch in ihren Köpfen. Eine dunkle Wolke der Verantwortung schwebte über ihnen, obwohl Hermine nicht sicher war, ob Dracos Sorge lediglich seinem Vermögen galt.

Das ganze Spionieren war anstrengend.

Ihr Zimmer war das dritte auf einem schmalen langen Korridor, in einer Kurve im vierten Stock mit einer roten Tür. Sie hatten einen Schlüssel bekommen und ein Handtuch in der Größe von Hermine Handfläche. Das winzig kleine Handtuch war, zu ihrer beider Unterhaltung, mit ihren Initialen versehen. Hermine hatte still beschlossen, es als Souvenir zu behalten, um in besseren Zeiten über dieses Erlebnis zu lachen.

„Wir haben eine Toilette eingebaut, aber besser, man bleibt da nicht zu lange drin, sonst bricht es über einem zusammen!", witzelte der Hausmeister, der außerdem auch der Concierge/Türsteher/Koch zu sein schien.

„Entzückend", bemerkte Malfoy und blinzelte exakt zweimal. Er stieg die Treppen hoch, sehr darauf bedacht, nichts anzufassen. Nicht das Geländer, nicht die Wände, nicht die Damen, die hoch und runter kamen, um sich ja nichts einzufangen, was hier sein könnte.

Kurz überkam sie ein unangenehmer Moment, wenn sie das Zimmer erreichten und vor der Schwelle inne hielten. Malfoy beschäftigte sich mit einem Träger seines Rucksacks und schickte sie mit einer Handbewegung vorwärts, als die Tür offen war.

„Ladys First."

Es war ganz natürlich, dass sie das schlimmste von ihm dachte, ehe sie überlegte, dass er einfach nur höflich sein wollte? Ein höflicher, umsichtiger Draco Malfoy war ähnlich absurd wie ein Standardtanz tanzender Harry Potter.

Wenn man so etwas sah, wollte man ein Foto machen.

Hermine lugte in das Zimmer, höchst misstrauisch. Es war nicht halb so schlimm, wie sie gedacht hatte. Es war so groß wie ihr Zimmer in Hogwarts. Das Bett war winzig, mit einem schlichten Laken, das so oft genäht worden war, dass es aussah, als bestünde es aus hundert Teilen. Aber das Kopf- und Fußteil des Betts waren poliert und alles roch sauber nach Limonen und Möbelpolitur. Neben dem winzigen Bett war eine Kommode mit einer Wasserschüssel aus Keramik, und alles wirkte rustikal. Es gab auch ein Fenster, aber die Gardinen waren zugezogen, so dass nur ein Streifen der Nachmittagssonne auf den Boden schien. Die Decke war etwas gewölbt, aber das war nur natürlich, wenn man einen Vergrößerungszauber ausführte.

Vielleicht wollte es jemand wie einen Unfall aussehen lassen? Vielleicht war der Vergrößerungszauber mit Absicht falsch ausgeführt? Vielleicht öffnete sich gleich eine Art Portal im Boden und spuckte sie über der Themse aus!

Hermine schenkte Draco einen eindeutigen Blick. „Du zuerst."

Er sah sie an, runzelte die Stirn und schulterte seinen Rucksack neu. „Geh rein, Granger."

„Geh du doch rein!", schnappte sie und wurde langsam hysterisch.

Er öffnete seinen Mund, sah sie angewidert an, und dann, ohne jede Warnung, hob er sie auf seine Arme.

Hermine hatte kaum Zeit zu protestieren, bevor sie unfeierlich über die Schwelle getragen und auf das Bett geworfen wurde. Er stand über ihr und wirkte tatsächlich beleidigt.

„Noch am Leben? Noch in einem Stück? Alle Gliedmaßen noch dran?"

Sie spürte, wie sie rot wurde, sah ihn aber immer noch an. „Tut mir leid! Ich bin bloß… vorsichtig."

„Wenn ich dir wirklich etwas antun wollte, hätte ich-" Er ließ den Satz unbeendet.

Hermine seufzte auf. Das Bett war sogar recht bequem. „Ja, ja. Dann hättest du es schon getan."

Er sah sie nicht mehr an. Er betrachtete ihr Bein. Präziser gesagt, er betrachtete ihr Drachentattoo. Ihr Rock war ein Stück weit hoch gerutscht.

Plötzlich fühlte sie sich wirklich unwohl und hastig schob sie ihren Rock tiefer, aber er ließ seinen Rucksack fallen und fing ihre Hand ab.

„Nein, lass mich sehen." Seine Stimme war unglaublich sanft. Es war kein Befehl. Es war nur eine Bitte. Er umfing ihr Bein unter ihrem Knie. „Es hat sich verändert."

Er schob ihre Sandale vom Fuß und sie fiel fast geräuschlos zu Boden. Wahrscheinlich hörte sie es nicht, weil das Blut bereits in ihren Ohren hämmerte. Ihr bloßer Fuß stand gegen seine Brust, und sie fühlte seinen starken, gleichmüßigen Herzschlag. Sein Daumen und Zeigefinger drückte er leicht ihre Achillessehnen, bevor seine Finger über ihre glatte Wade höher wanderten. Er hielt inne, um ihr Knie zu umfangen, und dann, ohne zu Drängen, schob er ihren Rock zur Seite, so dass er der dünne blaue String ihrer Unterwäsche auf ihrer Hüfte zu sehen war. Ansonsten schien er sehr darauf bedacht, alles weitere verdeckt zu halten.

„Hier", sagte er jetzt, höchst interessiert mit wachsamem Blick, „es ist nicht nur einfach Silber. Es glitzert, als… hättest du Diamantenstaub in deiner Haut", fuhr er mit fast belegter Stimme fort. Er fuhr mit der Fingerspitze über den Drachenschwanz. „Es sieht nicht aus, als wäre es gemalt. Es sieht aus, als wäre es unter deiner Haut. Es fühlt sich sogar dicker an. Bemerkenswert."

Sie schauderte, als sein Finger über dem Tattoo entlang fuhr, über ihren Hüftknochen und zurück.

Und dann glitt seine warme Handfläche unter ihren Oberschenkel und weiter, bis er tatsächlich die Innenseite ihres Schenkels hielt, wo der Drachenschwanz endete. Die Teile von ihr, die nicht mit ihrem Verstand verbunden waren, erwachten plötzlich schlagartig zum Leben. Sie pulsierten in ihrem Innern, schienen ihn zu brauchen. Unbewusst lehnte sie sich näher zu ihm.

Sollte er sie wirklich anfassen wusste sie, dass ihr nüchterner Verstand sich verabschieden würde. Und dennoch wollte sie das. Sie wollte in dieser Sensation gefangen sein, die die Zeit anzuhalten schien. Die Sensation, die sie alles andere vergessen ließ, alles, außer der Frage, wo er sie als nächstes berühren würde. Er besaß diese Eigenschaft, und deshalb war er gefährlich. Hermine fragte sich, ob er das gleiche im Bezug auf sie fühlte. Es war fast ein Schmerz in ihrem Innern geworden. Es war, als wären sie zwei Magneten, die sich anzogen, aber dennoch versuchten, eine sichere Distanz zu wahren. Es wurde langsam ermüdend.

Er saß fast zwischen ihren Beinen auf dem kleinen Bett. Und das war eine äußert bedrohliche und gefährliche Position für sie. Aber sie hatte den letzten Abend neben einem gefühlvollen und offenen Draco verbracht, und deshalb war wenig Furcht in ihr übrig geblieben.

Oh, es gab immer noch Furcht. Aber sie war nicht mehr so überwältigend wie vorher.

Seine Finger verstärkten probeweise den Griff in ihr blasses weiches Fleisch, lockerten sich wieder und hinterließen einen blassen roten Abdruck.

„Deine Haut sieht aus wie Rosenblüten", flüsterte er. Die unbewusst tiefere Tonlage in seiner Stimme jagte ihr gleich mehrer Schauer über den Rücken. „Dich kann man leicht verletzen."

Sie sah zu ihm auf. Seine wunderschönen Augen blickten nach unten, und sie glaubte, er war so nah, dass sie jede einzelne blonde Wimper zählen konnte. Die Strähnen in seiner Stirn kitzelten ihre Nase.

„Wir hätten doch auf zwei Zimmer beharren sollen", sagte sie schließlich.

Abrupt schüttelte er den Kopf, als wolle er den Nebel verscheuchen, der sich zwischen ihnen gebildet hatte. Er räusperte sich, erhob sich vom Bett und stellte sich ans Fenster. Er stand übertrieben lange am Fenster, während er durch die Gardinen linste und das Treiben unten beobachtete. Sein Ausdruck war nicht zu deuten. Sie schwiegen für eine qualvolle Minute.

„So hatte ich nicht vor, die letzten Wochen meines letzten Jahres zu verbringen." Es klang eine Traurigkeit in seiner Stimme mit, die nicht nur von dem Fida Mia kommen konnte, wusste Hermine.

Seine Worte sponnen unausgesprochene Möglichkeiten in der Luft zwischen ihnen.

„Es tut mir leid", erwidert sie. Und es tat ihr wirklich leid. Es tat ihr so leid, dass sie an dem Abend der Feier so schwach gewesen war. Dass sie kein besseres Urteilungsvermögen beiwesen hatte. Dass sie nicht besser auf sie beide aufgepasst und dieses Desaster verhindert hatte. Dass sie nicht bei Harry und den anderen war, wenn diese sie doch brauchten.

Es tat ihr einfach leid.

Ihre Schultern sanken, und zu ihrer großen Panik spürte sie, wie heiße Tränen in ihr aufstiegen.

Malfoy sah sie verstört an. „Komm her", sagte er.

Sie kam auf ihn zu. Sie zitterte leicht. Und sie trug nur einen Schuh. Wenn wirklich das zwischen ihnen passierte, was sie dachte, dann war es ganz schlechtes Timing.

Es war seltsam, dass sie sich so sicher fühlte wie noch nie. Und dass sie sich ausgerechnet so sicher in seiner Umarmung fühlte, wo er doch ihr Feind gewesen war. Vielleicht konnten alle Feinde Freunde oder Liebhaber sein, wenn man ihnen nur die Chance dazu gab. Vielleicht war nichts in Stein gemeißelt, egal, wie sicher man sich war.

Wie immer roch er unglaublich. Waschpulver, saubere Haut. Draco. Die Beule auf seiner Stirn war fast komplett verschwunden. Sie konnte nicht anders, und versuchte gar nicht erst, sich aufzuhalten. Sie strich über die Stelle.

„Immer noch keine Freunde?", fragte sie ihn.

Er antwortete nicht. Es war ein wunderschöner, warmer Tag draußen. Und sie mussten ein paar Stunden totschlagen, bevor sie den Termin mit dem Fida Mia Experten hatten.

Die Entstehung des „Fida Mia", zusammengefasst durch Hermines Notizen zu dem Thema aus Chapter Seven.

- 1762 erhielt der dänische Zauberexperte und berühmte Polygamist Lars Hendricks das Verbot vom Ministerium seine fünf Geliebten zu heiraten, die er mit dem Selbstpatentierten Hochzeitsritual an sich gebunden hatte. Nebenbei: Lars wurde später verfolgt und festgenommen wegen Misshandlung einer Ziege (eigene Notiz: Im Vergleich zu Aberforth Dumbledore nachschlagen)

-1800. Fida Mia, das Hochzeitsritual, wurde von der Hendricks Familie entwickelt (etwa vierunddreißig Familienmitglieder) und als Modezauber unter die magische Bevölkerung gebracht, als Zusatz des Eheschwurs

Und weniger als hundert Jahre später wurde der Zauber in Brittannien als illegal erklärt, wurde aber immer noch in Teilen von Osteuropa als legal bindend praktiziert…

Der junge Mann zog das Jackett aus, legte die Taschenuhr auf den Tisch, sowie seine Manschettenknöpfe. Er rollte seine Ärmel hoch, trat die Schuhe von den Füßen und öffnete die ersten beiden Knöpfe seines feinen weißen Hemds. Ein durchgesessenes Sofa stand im Raum und er fiel praktisch hinein, während er nachdenklich aussah.

Eine silberhaarige Frau, die jedoch weit davon entfernt war gebrechlich zu sein, trat in das Zimmer, ein Tablett mit Limonade auf den Händen.

Üblicherweise feierten sie einen erfolgreichen Schwindel mit einem echten Drink, aber die Gesundheit seiner Urgroßmutter war nicht mehr das, was es einmal war. Also beschränkten sie sich in diesen Tagen auf Limonade. Oder manchmal auch Wein, wenn es draußen kalt war.

„Füße vom Tisch, bitte", sagte die alte Dame und stellte das Tablett ab. „Ich miete zwar, aber ich mag es hier."

„Die Halle riecht nach totem Wiesel."

Sie schürzte ablehnend die Lippen, während sie ihm en Glas einschenkte. „Also? Wie geht es unseren beiden jungen Turteltauben?"

Er nahm das Glas entgegen und sah zu ihr auf, mit den zwei verschiedenfarbigen Augen. Sie sahen aus wie ihre – eins grün und eins blau. Ein seltsames Erbe, dass sie beide zu einer seltsamen Familie gehören ließ. Nur ihre Augen waren müde vom Alter.

„Sie sind Kinder, Nana."

„Pah, das sind keine Kinder! Der Junge hat mehr gesehen als du." Die Frau hatte eine Hand in die Hüfte gestemmt und richtete ihr Monokel. „Sie sind aber klug. Beide haben es geschafft, Tallowstubs Buch in die Finger zu bekommen. Man muss ein Lob aussprechen, wenn es angebracht ist. Es zeigt Initiative." Sie nickte bestätigend.

Der Junge Mann schnaubte auf. „Diese Stück Müll? Es ist völlig wertlos, abgesehen von dem Bild der knienden Maid auf Seite 617…"

„Woran denkst du?", unterbrach ihn seine Großmutter schroff.

„Ich denke, du hättest bessere Kandidaten auswählen sollen. Wir könnten im Mittelpunkt des Ärgers stehen. Hast du gewusst, dass der Vater des Jungen ein Todesser ist? Und das Mädchen ist eine Freundin von Harry Potter."

Nana Hendricks wedelte unbeeindruckt mit der Hand. „Ja, dieser abscheuliche Borgin hat es erwähnt. Ich habe natürlich gesagt, ich wüsste nicht, was ein Todesser ist."

Der junge Mann starrte sie an. „Du machst Scherze."

„Wenn es um die Familie geht, mache ich nie Scherze, Junge."

„Du willst mir wahrscheinlich auch erzählen, du hast keine Augen, wer dieser Voldemort ist…"

Die alte Frau nickte. „Ja… dieser Name. Ich habe ihn zufällig auf der Straße getroffen, in Kopenhagen, vor vierzig Jahren. Er hat eine Wand gegossen."

„Du bist eine Schwindlerin, Nana."

Sie schenkte ihrem Urgroßenkel einen schelmischen Blick. „Du arbeitest noch nicht lange genug mit mir, um zu sagen, wann ich schwindele."

Er machte ein frustriertes Geräusch. „Zurück zum Punkt. Ich denke, wir haben ein Problem."

„Unsinn!" Sie tätschelte sein Knie. „Es hat niemals ein Problem gegeben, und ich mache dieses Geschäft seit fast einem Jahrhundert. Du stellst dich auch viel besser an als dein Urgroßvater. Der Mann hatte ein Gesicht, das viel zu ehrlich war."

Ihr Urgroßenkel schenkte ihr einen misstrauischen Blick.

„Das Spiel war immer dasselbe", fuhr sie fort, mit traditionellem Stolz. „Ich, mysteriöser Weise alt, mit fraglicher Mundhygiene, verheirate die beiden." Sie klatschte in die Hände. „Sie wachen auf, werden panisch, wenn der Zauber zu wirken beginnt. Sie suchen überall nach einem Heilmittel, und es gibt einfach so einen Experten in der Stadt, der jede Woche vorbei schaut! Du tauchst auf, mit einem befristeten, seltenen und teuren Heilmittel, wo sie doch geglaubt hatten, es gäbe keins. Es ist ein ertragreiches Leben, wenn ich es so sagen darf."

Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Abgesehen davon, dass es keine echte Heilung für einen echten Fida Mia gibt."

Die alte Frau runzelte die Stirn. „Ja, ich weiß, mein Junge. Mein eigener Großvater hat den Spruch entwickelt."

„Was ich sagen will, es gibt keine Heilung für dieses Paar."

Die alte Dame war immer noch schnell von Begriff, entgegen ihres Alters. Ihr Monokel fiel aus dem Auge und baumelte an der Kette. „Wie bitte?"

„Der Spruch hat gewirkt! Dieses Mal wirklich!"

Sie setzte sich sprachlos neben ihn und umfasst mit faltiger Hand ihre Kehle. „Ich hab den Fida Mia in über achtzig Jahren nicht mehr erfolgreich ausgeführt." Sie sah mit gerunzelter Stirn zu ihm auf. „Bist du sicher? Bist du wirklich völlig sicher?"

„Natürlich bin ich sicher! Alleine schon neben ihnen zu stehen war, wie durch Honig zu laufen."

Sie schnappte nach Luft und war mehr als verwundert. „Ja! Ja, so fühlt es sich an! Zumindest für unsereins. Wir nehmen es anders war, wir Hendricks'…"

„Du hast schlechte Paare zu wählen, Nana! Das ist der ganze Sinn! Das Paar wird verrückt, weil der Spruch nicht passt, und wir streichen den dicken Profit ein, wenn wir den verdammten Spruch lösen! Wir können es nicht lösen, wenn es permanent ist!"

„Ich habe nie behauptet, dass sie ein gutes Paar wären!", rechtfertigte sich die Frau.

Der junge Mann erhob sich. „Wir sollten verschwinden. London war gut zu uns. Ich würde es hassen, hier nie mehr arbeiten zu können."

Sie schüttelte den Kopf. „Oh nein. Das will ich mit meinen eigenen Augen sehen. Nenn mich sentimental, aber jedes Paar ist anders. Einzigartig. Wenn du sagst, der Spruch hat dieses Mal funktioniert und wirkt, dann will ich es mir ansehen."

„Wir können ihnen keine Hilfe anbieten, begreifst du das? Und eine Schande ist es, denn der Junge ist reich wie Krösus. Wir hätten dreimal so viel verlangen wie sonst, und er hätte es gezahlt."

Die alte Frau zuckte die Achseln. „Ja, aber wir können immer noch Ratschläge in Rechnung stellen, mein Junge."

Ihr Urgroßenkel lächelte sie an. Im Familienbetrieb zu arbeiten hatte sich als besser herausgestellt, als er gedacht hatte. Die Hendricks' waren schon immer eine sehr pragmatische Familie gewesen.