Chapter Thirty
Draco wurde klar, dass Borgin ein Treffen mit dem Experten am späten Nachmittag vereinbart, jedoch außerdem vorgeschlagen hatte, dass Draco ein Zimmer im Cobblestone einige Stunden früher bezog.
Und Draco fragte sich, wieso wohl?
Lucius ließ potentielle Geschäftspartner stets früh zu einem Treffen erscheinen, wobei ein zuvor bereits eingetroffener Lucius die Männer vorher schon beobachtet hatte. Sein Vater hatte gesagt, dass man viel über einen Menschen erfahren konnte, wenn er nicht glaubte, dass man ihn beobachtete. Schlechte Angewohnheiten, Triebe, was ihm gefiel und was nicht. Diese Strategie musste für seinen Vater besonders gut funktionieren, denn er war extrem erfolgreich in allen Dingen, die er anstrebte.
Außer seiner Ehe. Frauen waren anscheinend die Ausnahme der Regel.
Wurden sie also beobachtet? Draco bezweifelte, dass es irgendetwas mit Borgin zu tun hatte. Vielleicht war es ihr mysteriöser Experte, der seine Klienten vorher ausführlich begutachtete, ehe er sie zu dem vereinbarten Treffen traf.
Draco mochte keine Geheimnisse.
Was er außerdem nicht leiden konnte, war, eine spannungsgeladen, dreistündige Überbrückungszeit mit einer nervösen Hermine Granger in einem winzig kleinen Zimmer.
Glücklicherweise bot ihm sein knurrender Magen eine Auszeit an, und erinnerte ihn, dass er wohl kürzlich zu viele Mahlzeiten hatte ausfallen lassen. Es würde bestimmt einige Zeit in Anspruch nehmen, ein gutes Restaurant zu finden, zu essen und wieder zurück ins Gasthaus zurück zu kommen. Ein Ausflug, um essen zu finden, könnte sogar ihn drei Stunden an Zeit kosten, wenn er es nur richtig anstellen würde.
Er könnte sie fragen, ob sie wollte, dass er ihr etwas mitbrachte, aber es erschien ihm zu intim, zu persönlich.
Sein vorangegangenes Experiment an Höflichkeit war darin gegipfelt, dass Granger in indirekt beschuldigt hatte, ihr Ableben zu planen und hat darin geendet, dass er beinahe auf ihr drauf gelegen hatte und das dumme Mädchen an dummen Stellen berührt hatte. Er würde also der vertrauten Taktik der rüden Unhöflichkeit folgen und ihr weder seine Anwesenheit, noch ein Essen anbieten.
Sie roch nach Rosen, jedes Mal, wenn sie nur einen Meter von ihm entfernt stand. Und alles, was er dann tun wollte, war, mit der Hand in ihre Locken zu greifen und sein Gesicht darin zu vergraben.
Ok, ja, er wollte noch eine Menge mehr tun, als bloß das, aber er es würde ihn Teufel holen, sollte er wirklich seinen niederen Gelüsten nachgeben. Sein Schwanz mochte vielleicht eine Abhängigkeit zu ihr entwickelt haben, aber sein Gehirn war das Organ, was die Befehlsgewalt hatte.
Meistens.
Es war, wie seine Mutter gesagt hatte, „ein Problem nach dem Anderen, Liebling. Und wenn du zu viele auf einmal hast, dann brauchst du mehr Angestellte". Pansy war nicht mehr da, um als beruhigender Puffer zu fungieren. Crabbe war schon längst fort, Millicent gab nur gute Ratschläge, wenn sie nicht gerade von ihren Hormonen besessen war, und Goyle war nicht da, um ihm einen Testosteronschub zu geben. Zabini war…
Hmm. Was war Zabini? Blaise war ein Klugscheißer. Wie Granger. Und er war eine hübsche Dekoration. Aber er blieb immer etwas von ihnen entfernt. Draco hatte immer angenommen, der Junge strebte politische Positionen an, weswegen er sich immer solche Mühe, korrekt und höflich zu jedem zu sein.
Selbst zu Hufflepuffs.
Blaise wäre die bessere Wahl des Ministeriums für einen Spion gewesen. Er kam mehr herum, und er war auch beliebter als Draco es war. Und doch war es Draco gewesen, der gefragt worden war, den Rest des Jahres potentielle Voldemort-Anhänger ausfindig zu machen.
Draco schnaubte auf. Arthur Weasley, Dumbldore und das ganze verdammte Ministerium konnten zur Hölle fahren… schade nur, dass sein Erbe und sein Geburtsrecht auf dem Spiel standen.
War das aber wirklich seine Freunde wert?
Waren sie wirklich seine Freunde? Es war ein Kreuz mit Slytherins befreundet zu sein. Es brauchte kein Genie, um zu wissen, dass Potty und das Wiesel sich unter einen Bus geworfen hätten, würde es bedeuten, dass sie die Leute retten konnten, die ihnen etwas bedeuteten. Das war das geschmacklose Honorar vom Hause Gryffindor.
Slytherins waren praktischer veranlagt. Ein Slytherin würde sich vorher gelassen erkundigen, ob es nicht jemanden mit Einfluss zu bestechen, verprügeln oder zu verführen gab, ehe er sich selbst opferte.
Granger ist eine Person mit Einfluss. Vielleicht sollte ich sie in meinem Bett behalten und sehen, wohin es mich führt?
Dieser Gedanke beinhielt einen neuen und einen definitiv positiven Vorteil. Es traf ihn fast wie ein Schock, dass er noch nicht daran gedacht hatte, sie als Trittbrett zu benutzen oder als Möglichkeit mit dem Ministerium zu verhandeln, anstatt sie als Bürde zu sehen, die er loswerden musste.
Es war nicht typisch von ihm, den Silberstreifen an seinem besonders dunklen Horizont einfach zu ignorieren.
Sie saß auf der Bettkante und zog gerade ihre Sandale wieder an, die er ihr zuvor ausgezogen hatte. Als er daran dachte, hob sich ihr Blick zu seinem Gesicht. Ihre braunen Augen waren nicht in der Lage, Boshaftigkeit zu halten. Nicht mal, wenn jemand vorher Boshaftigkeit in eine Flasche abfüllen würde und diese direkt in ihre Augen injiziert würde.
Es lag eine übelkeitserregende Lieblichkeit auf ihr. Sie war eine Rarität. Etwas, womit er keine Erfahrung hatte und somit gerade deshalb fasziniert von ihr war. Sie war wie Potter, denn sie besaßen beide diese unerschütterliche Unschuld. Sie waren beide die Sorten von Mensch, der nur etwas Schlechtes in der stille seiner eigenen Gedanken über jemanden sagen würde, und selbst dann würden sie sich noch schuldig deswegen fühlen.
Draco seufzte. Er wusste, weshalb er es nicht konnte. Sie nicht behalten konnte. Aber es zuzugeben, war ein Schicksal, schlimmer als der Tod.
„Ich gehe kurz raus. Warte hier auf mich", erklärte er schroff.
„Aha?" Sie stand auf und sah erleichtert aus, einen Grund zum Sprechen zu haben. „Gehst du raus, um was zu essen? Dann komme ich mit dir."
Nein, du dämliche Gans. Ich will nicht, dass du mit mir kommst. Du bleibst hier, erwiderte die Stimme in seinem Kopf. Wenn du mir folgst, raste ich wahrscheinlich aus.
„Meinetwegen, mir egal", war, was tatsächlich aus seinem Mund kam. Er war zu hungrig, um großartig zu diskutieren.
Draco setzte die Nutrisoil-Kappe wieder auf und ignorierte ihr feines Lächeln, als sie ihn dabei beobachtete.
Es kostete sie eine halbe Stunde, um hundert Meter voran zu kommen, so voll war es in der Winkelgasse. Sie kamen an einigen Ständen vorbei, wo gegrillte Sachen an einem Stab verkauft wurden. Einigie Leute um sie herum aßen bereits das streifenartige Fleisch von den Stäben. Der Ausdruck auf ihren Gesichtern verhieß nicht unbedingt etwas Gutes.
„Florean Fortescue ist voll", bemerkte Hermine. Sie stand auf dem Bürgersteig auf ihren Zehenspitzen, um besser sehen zu können. „Ich glaube nicht, dass wir eine Chance haben, überhaupt in irgendeinen Pub zu kommen."
„Ich esse keine Ratte am Stock", murmelte Draco.
Ihre Mundwinkel zuckten kurz. „Ich denke, der Mann sagte, es sei Wachtel."
„Wachteln haben keinen langen, dünnen Schwanz."
Sie lachte. Es war das erste Mal, dass er sie das tun hörte, in seiner Anwesenheit. Es überraschte ihn so sehr, dass er ihr erlaubte ihn neben sie auf den Bürgersteig zu ziehen.
„Keine Sorge", versicherte sie ihm, ganz die Schulsprecherin. „Wir machen es auf die Muggelart."
Er verlor sie zweimal auf dem Weg zum Tropfenden Kessel. Sie war kein Zwerg, aber sie war auch nicht gewillt, ihre Ellbogen einzusetzen, um sich mehr Platz zu verschaffen. Unwillig hatte er sie vor sich geschoben, hielt sie an seiner Brust und lenkte sie nach vorne. Es kostete ihn fünf Minuten direkte Nähe zu ihr und ihr Duft stieg in seine Nase, und er war sofort hart geworden. Ein oder zweimal hatten sie anhalten müssen, und ihr Körper stand eng gepresst gegen seinen, ihr weicher Hintern, gegen seine Mitte. Sofern sie seine augenscheinliche Abneigung ihr gegenüber fühlte, hatte sie genug Takt, es nicht zu sagen.
Draco zog die Kappe tiefer in sein Gesicht, als sie durch den Tropfenden Kessel huschten, um in den Muggelteil von London zu gelangen.
Sie liefen zwanzig Minuten lang, fast bis zum Bahnhof Kings Cross. Es gab einige kleine Restaurants in der Euston Road, und sie gingen langsamer, um sich umzusehen. Draco spürte dieselbe Abneigung, die er immer spürte, wenn er Muggel Territorium betrat. Es war, als müsse man einen Schuh anziehen, der nicht passte, und man durfte sich nicht darüber beschweren. Als wäre es dunkel, und er könnte den Lumos nicht ausführen. Als wären sie verloren, und er könnte nicht den Kompass Spruch ausführen. Es war als wäre seine rechte Hand hinter seinem Rücken gefesselt.
Es gab Smog, und Obdachlose und Teenager, mit einem Kilo Metal durch ihre Gesichter gestochen. Außerdem rasten die Autos an ihm vorbei, aber immerhin gab es keine Ratten auf Stäben, und er hatte wieder genügend Platz. Es hing gebratene Ente im Schaufenster eines chinesischen Restaurants, aber keine Ratte.
„Nach was steht dir der Appetit?", fragte sie jetzt.
Nach zurückgehen, wollte er sagen, tat es aber nicht.
Sie hatten neben einem kleinen Restaurant angehalten. Und so etwas hatte Draco noch nicht gesehen. Rote Stühle waren in den Boden geschraubt, und davor stand ein ovaler Tisch, auf dem ein Zug auf Schienen im Kreis fuhr. Er trug eine Menge an bunten Platten mit Seltsamkeiten. In der Mitte des riesigen Tisches standen zwei asiatische Männer, die das Essen zuzubereiten schienen. Sie schnitten und schoben, würfelten und rollten mit unheimlicher Präzision. Zwei Menschen nahmen sich ihr Essen von dem Zug, und die Asiaten füllten die Stellen wieder auf.
Von Tellern mit Brühe stieg ein warmer, erdiger, angenehmer Duft auf, die von einer Kellnerin herumgetragen wurden.
„Wir essen hier", erwiderte er mit unverhohlener Neugierde.
Es war kein geschäftiger Nachmittag, bedachte man, dass es zwei Stunden nach der üblichen Mittagszeit war. Ein kleines Mädchen, keine fünf, die Hände voller klebrigen Reis, starrte Draco mit offenem Mund an, als er an ihr vorbeischritt. Sie zog dann am Ärmel ihres Vaters, um dessen Aufmerksamkeit zu bekommen.
„Vielleicht sollte ich die Kappe abnehmen", schlug er vor. „Die Leute sehen mich komisch an." Er schenkte dem Mädchen am Tisch einen feindlichen Blick, und diese schnappte erschrocken nach Luft, um dann mit der Hand vor dem Mund ihr Kichern zu verstecken.
Hermine biss sich auf die Unterlippe, um ihr Lächeln zu verbergen. Das Mädchen interessierte sich nicht für die Kappe.
„Ich glaube nicht, dass du in der Gefahr schwebst in einer Euston Road Sushi Bar erkannt zu werden, Malfoy."
Er sah dies als Bestätigung, um sich die Dünger Kappe vom Kopf zu ziehen.
Sie setzten sich auf zwei Stühle, die am weitesten vom Eingang entfernt waren (auf Dracos Anraten). Eine junge Frau mit einer weiten Schürze und einem Schild, das sie als Fay, Shushi Hut, vorstellte, war in wenigen Sekunden an ihrem Tisch erschienen.
„Grüner Tee oder Miso?", fragte sie automatisch, während sie Kaugummi kaute und die Blätter uaf ihrem Block nach hinten blätterte.
Draco hatte gerade erst den Servietten-Spender gefunden und platzierte eine Serviette in seinem Schoß. Hermine betrachtete ihn mit einer Mischung aus Verwunderung und Freude.
„Was ist Mi-so?", fragte er, tatsächlich sogar höflich.
Der Kellnerin wurde wohl nicht besonders oft diese Frage gestellt. Sie hob den Blick, um Draco wie einen Touristen anzusehen, der Sushi als etwas ansah, dass er einmal, bevor er starb, gegessen haben musste. Was sie jedoch sah, war einen 1, 85m großen Mann, mit dem Körperbau eines muskulösen Suchers, der zurzeit auf einem der roten Stühle saß. Blass, mit feinen Gesichtszügen, die wohl eher durch die traditionsreiche Familie kamen als durch ständiges Drinnensitzen. Blondes Haar, das in der Stirn zu lang war, und sich im Nacken leicht wellte. Dazu hellgraue Augen, mit feinen blauen Flecken, wenn man nur nah genug vor ihm stand, um sie zu bemerken.
Sie betrachtete also das Resultat aus zehn Genrerationen streng magischer Zucht, und sie hatte Hermines vollstes Verständnis.
In der kleinen, bescheidenen Sushi Bar wirkte Malfoy noch eleganter als sonst.
Hermine räusperte sich und stützte ihr Kinn auf ihre Hände. Die Kellnerin warf ihr einen erschrockenen Blick zu. Dann klärte sich ihr Blick. „Oh, um… das ist eine gekochte Paste mit Sojabohnen, Seegras und Champignons."
„Wir nehmen jeder eine Tasse Tee und eine Tasse Suppe. Ist das ok?", fragte Hermine der Höflichkeit halber.
„Ok", erwiderte Draco. Er studierte das kleine, laminierte Menü mit amüsiertem Interesse.
Er hatte wohl schon mal Stäbchen benutzt, denn er hatte kein Problem, damit umzugehen, nachdem Hermine ihm erklärt hatte, dass er nicht ein missgebildetes großes Stäbchen bekommen hatte (er wollte schon die Kellnerin rufen, um sich zu beschweren), sondern, dass die beiden Stäbchen immer in einem großen kamen, das auseinander gebrochen werden musste.
„Ah", sagte er nur. Dann griff er sich die ersten vier Teller, die in der Runde fuhren und stellte sie vor sich. Die Kellnerin kam zurück mit dem Tee und ihrer Miso.
Hermine verschluckte sich an dem ersten Schluck kochend heißem Tee. „Malfoy, du kannst dir nehmen, was du willst, das weißt du? Du musst nicht das erste nehmen, das kommt."
Er sah zu ihr auf, das Inari recht selbstbewusst zwischen den Stäbchen. „Ich dachte, das würde ich tun?"
Die Menge, die er essen konnte, hätte sie für gewöhnlich verwundert, aber sie hatte Ron und Harry schon essen sehen. Genauso viel wie Malfoy. Aber sie bezweifelte, dass sie Ron dazu bringen könnte, eine Kalifornien Rolle zu essen, geschweige denn gleich drei auf einmal.
„Was ist das?", fragte er jetzt und zeigte auf einen hell orangen Fischrogen in seinem Gunkansushi.
Sie erklärte es ihm.
„Also Kaviar", entschied er und aß es.
Sie hatten einen kurzen Streit, als er eine tödliche Menge an Avocadocreme auf seinem Teller verteilte.
„Uh, Malfoy, das ist zu viel Wasabi."
Er ignorierte ihren Einwand und begann zu essen, nur um dann einen Hustenanfall zu bekommen.
„Tee?", erkundigte sie sich trocken.
Er riss ihr die Tasse aus der Hand, sobald sie mit einschütten fertig war und leerte sie in einem Zug.
Eine Stunde später standen vierzehn leere Teller neben Draco und vier neben Hermine.
„Ich hab kein Muggel Geld bei mir."
Hermine zuckte lediglich mit den Achseln und griff in ihrer Tasche nach ihrem Portemonnaie. „Gut, ich bezahle nämlich. Du bezahlst schon für das Zimmer."
Es gefiel ihm nicht, aber es gab nicht viel, was er daran ändern konnte. Also wartete er draußen und betrachtete den Verkehr, während sie drinnen bezahlte.
„Das war nett", sagte er, als sie neben ihm stand.
Es war seine Art, ihr zu danken, das wusste sie. Plötzlich fühlte sie sich unwohl, als wäre dieses versteckte Dankeschön, zu viel, als dass sie damit umgehen konnte.
„Ja, war es."
Sie gingen eine kleine Runde. Das erste Mal fiel er nicht in den Malfoy-Stechschritt und sie musste auch nicht neben ihm joggen, um mitzuhalten. Es schien, als wäre keiner von ihnen besonders erpicht darauf, in ihr Zimmer zurückzukehren.
„Kann ich dich etwas fragen?", begann sie, als sie die Straße überquerten, wo der Eingang zum Tropfenden Kessel war.
Sie starrte auf den Boden. Was auch immer es war, es schien ihr peinlich zu sein.
„Wann hat dich jemals jemand davon abgehalten, eine Frage zu stellen?", war seine Antwort. Es kam sarkastischer raus, als es seine Absicht gewesen war, und er spürte kurz etwas in seinem Innern, als er sah, wie ihr Ausdruck verschlossener wurde.
Aber sie war immer noch Granger und nahm die Worte nicht zurück.
„Die Nacht der Party, als ich zu dir gekommen bin… du wirktest etwas amüsiert. Was hast du gedacht?"
Ah, das war also ihr Ziel.
„Mir war langweilig. Goyle war betrunken. Parkinson war sauer auf mich wegen irgendwas, was ich nicht mehr weiß. Und du kamst spät in die Halle. Du hast geduscht oder so etwas, denn deine Haare waren noch nass und deine Haut war… pink." Kurz berührte er ihr Ohrläppchen, mit einem intensiven Blick aus seinen grauen Augen. „Du sahst aus, als hättest du die Party genauso satt wie ich. Ich hab mich gefragt, was du tun würdest, wenn ich dich fragen würde, ob du mit mir runter in die Keller kommst. Ich habe mir gedacht, es wäre an der Zeit, zu fragen."
Sie sah ihn an. „Wirklich?"
Er nickte. Eine kleine Horde an Schulmädchen kam an ihnen vorbei, die sich gegenseitig in die Rippen stießen, als sie ihn anstarrten. „Wirklich."
„Aber du mochtest mich nicht."
Draco nickte und hatte gemerkt, dass sie mochtest anstatt magst benutzt hatte. Überhebliches Mädchen.
„Jemanden nicht zu mögen, hat nichts damit zu tun, dass man denjenigen nicht gerne über das nächste Pult geworfen hätte."
Ihre Augen wurden größer. „Ich verstehe. Und seit wann hast du diese Gedanken?"
Draco schnaubte auf. Er hielt sie auf, ehe sie den Pub betreten konnten. „Was lässt dich glauben, ich hätte diese Gedanken immer noch?"
Sie schien ihre Worte lange abzuwägen. „Dein Verlangen ist… nicht gerade subtil. Ich kann sie fühlen wegen des Spruchs. Aber wahrscheinlich auch ohne Fida Mia."
Sie war wieder einmal auf der Suche nach Umschreibungen. Aber sie konnte suchen, so viel sie wollte. Er würde seinen Kopf nicht für sie auf den Stein legen, damit er ihm ihretwegen abgehackt werden konnte.
Er verdrehte die Augen. „Im Vergleich zu Weasleys Verlangen? Der Versager mag seine Höhepunkte vielleicht unter einem Schulrock in den Büschen finden, aber ich denke, du solltest wissen, wohin meine Neigungen gehen." Seine Stimme hatte einen sanften, trägen Tonfall angenommen.
Sie errötete bis zu ihrem Haaransatz. Er konnte es erkennen, selbst im schwindenden Licht. Hermine Granger war die lächerlichste Kombination aus Sachlichkeit und kleinem Schulmädchen, die ihm bisher untergekommen war. Er wollte, dass sie noch einmal errötete.
„Ich versuche nur, herauszufinden, was der Spruch bewirkt hat. Wo wir aufhören und er anfängt?
Er beschloss, direkt zu sein. „Du willst wissen, ob ich dich seit einer gewissen Zeit flachlegen will, oder ob es bloß der Spruch ist."
Hermine sah wie versteinert zur Seite. „Ich kann nicht glauben, dass wir dieses Gespräch führen…"
„Hey, du hast gefragt."
Sie nahm einen beruhigenden Atemzug und schoss ihm dann einen zornigen Blick zu. „Ja, aber müssen wir mit Absicht so provozierend sein, wenn wir antworten?"
Er musste lächeln. „Du bringst eben das schlimmste in mir zum Vorschein. Das nehme ich zur Kenntnis. Vor Fida Mia wollte ich dich in Tagträumen in Geschichte der Zauberei. Nach Fida Mia…", fuhr er fort mit einem stechenden Blick, aus dem die meiste Wärme verschwunden war, „… nun, ich hatte immer einen Sammlerblick."
„Ich verstehe", erwiderte sie. Sie schwieg kurz, ehe sie antwortete. „Was ist passiert, als Dumbledore dich in sein Büro geholt hat, nachdem das Dunkle Mal am Himmel erschienen war?"
Das war das letzte, was er erwartet hatte, das sie fragen würde. Er mochte es nicht. Für eine kurze Zeit hatte er es verdrängt. Seine Augen verengten sich. „Du hast solche Fragen nicht zu stellen."
„Wieso nicht? Vertraust du mir nicht?", fragte sie jetzt. „Ich vertraue dir, egal, was du davon hältst."
„Dann vertraust du zu schnell."
„Wie an dem Tag im Badezimmer der Vertrauensschüler?"
„Das war ein Fehler, und ich habe mich bereits dafür entschuldigt!", unterbrach er sie scharf. Dieses Gespräch entglitt seiner Führung. Sie war wie ein Bär auf der Suche nach Honig. „Bist du fertig mit deinen Fragen? Wir gehen jetzt zurück."
„Warte."
„Genug", widersprach zwar sanft, aber mit einer offenen Drohung in der Stimme. Sie hatte sich vor den Eingang gestellt. „Wir kommen zu spät."
Hermine stöhnte auf. „Wieso können wir nie ein Gespräch beenden, ohne dass du irgendwann zornig weglaufen willst?"
Er kam zornig näher. „Ich laufe niemals weg."
Sie war nun sogar ziemlich wütend. Eine Hand war in ihre Hüfte gestemmt, und ihre Augen sprühten Feuer in seine Richtung. „Es ist für dich vielleicht schwer vorstellbar, aber die meisten Leute finden können mich tolerieren."
„Du bist zu tolerieren, wenn du deinen Mund hältst", erwiderte er. „Und ich kann mir ein paar verschiedene und angenehme Wege vorstellen, deinen Mund zu stopfen." Er starrte auf ihren Mund.
Und sie verlagerte ihr Gewicht peinlich berührt auf die andere Seite. „Hör auf damit."
„Dann hör auf, mich aufzuhalten, oder ich hebe dich hoch und trage dich durch die Tür."
Hermine schenkte ihm einen langen, nachdenklichen Blick. „Deine Eltern haben wirklich Applaus verdient."
Draco war sich nicht völlig sicher, was sie meinte, aber er wusste, sie verdiente eine saubere Antwort, direkt unter der Gürtellinie.
„Nicht mehr als Potters."
Es hatte nicht funktioniert. Sie sah nur noch bereiter aus, ihn in einen Streit zu zwingen.
„Harrys Eltern sind tot."
„Meine könnten es ebenfalls sein."
Granger hob die Hände in die Luft. „Draco, du musst dich durch das Leben wandern, als Selbstreflexion aller Fehler deiner Eltern. Bist du es nicht leid, dich immer selbst zu quälen? Lass ein bisschen Sonne, bevor du vertrocknest und verdammt noch mal stirbst vor Angst!"
Sie hatte nicht nur die Linie überschritten, sie war so weit entfernt von der verdammten Linie, dass sie sie nicht mal mehr sehen konnte. Er packte sie an den Schultern, hob sie vom Boden hoch und schüttelte sie. Ihre Füße baumelten Zentimeter über dem Boden. Ihr Ausdruck auf ihrem Gesicht forderte ihn dazu heraus, das schlimmste zu tun, aber da war immer noch ein Hauch von Furcht in ihren Augen.
Er war froh, es zu sehen. Er ließ sie zu unverschämt werden.
„Ich weiß, du bist die nervtötendste Sache, die in drei Dimensionen existiert, aber musst du es wirklich immer wieder beweisen? Du hast kein Privatrecht zu meinen Gedanken, Granger. Frag mich, was du willst, aber erwarte nicht, dass ich tief und komplex werde, nur weil ich Sex mit dir hatte. Dir gehört nicht mein Herz. Mein Herz und mein Schwanz sind zwei grundverschiedene Dinge. Ich bin nicht hier, weil ich gerne hier sein möchte. Ich bin hier, weil ich hier sein muss. Das hier ist der Anfang vom Ende, begreifst du das? Du kannst meinetwegen vergessen, wer du bist, aber vergiss nicht, wer ich bin." Er kochte vor Wut, und für einen Moment ließ sie der Zorn in seinem Blick verstummen.
Er lockerte den Griff, ließ sie runter und sie fiel gegen seine Brust. Er musste wohl etwas neben sich sein, um das zu erlauben. Dann trat er einen Schritt zurück und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
„Und jetzt gehe ich zurück. Mit dir oder ohne dich."
Es war wohl mit ihr, denn er hatte ihre Hand ergriffen und zog sie bereits hinter sich her.
