Chapter Thirty-One

Blaise Zabini war acht Jahre alt, als er feststellte, dass er ein Metamorphmagus war.

Natürlich hatte er damals nicht den speziellen Fachbegriff gekannt oder überhaupt gewusst, dass es einen gab. Wie es bei magischen Kindern häufig der Fall ist, zeigen sich solche Fähigkeiten mehr aus Zufall. Es passierte kurz nachdem ihn seine Mutter nach Hause gerufen hatte, damit er die Haare geschnitten bekam. Er hatte seine langen Haare gemocht, aber anscheinend geziemte es sich nicht für einen jungen Mann, lange Haare zu haben, oder etwas Ähnliches hatte seine Mutter gesagt.

Dann waren sie ab, und Blaise war über Wochen zornig deswegen gewesen.

Und an einem Nachmittag, als seine Eltern Verwandte zu Besuch hatten, hatte sich Blaise im Schlafzimmer auf den Hocker vor die Spiegelkommode gestellt und hatte sein Haar gezwungen wieder nachzuwachsen.

Und das tat es. Innerhalb ungefähr zehn Sekunden. Das hatte er nicht erwartet und wäre fast vom Stuhl gefallen.

Aus Angst, was seine Mutter wohl sagen – oder fragen – würde, schnitt Blaise die Haare wieder ab und mied alle Spiegel für Wochen. Später merkte er, dass er die Gabe kontrollieren konnte. Und er wusste, dass es tatsächlich eine Gabe war.

Darüber waren ganze Bücher geschrieben. Und es war eine seltene Gabe. Außerdem wichtig genug, dass das Ministerium seinen Namen aufnehmen würde, würde er es sagen.

Und das tat er nicht.

Als er zehn Jahre alt war konnte er so ziemlich jeder sein, der sein wollte, vorausgesetzt, er hatte genügend Zeit mit der Person verbracht und wusste, wie sie aus allen Winkeln und Perspektiven aussah.

Dass er ein Metamorphmagus war, war nur eine der vielen Sachen, die niemand über Blaise Zabini wusste. Als Einzelkind gaben ihm seine Eltern viele Freiräume und waren durchweg zufrieden mit seinen hervorragenden schulischen Leistungen und Auszeichnungen. Er kam aus einer wohlhabenden und privilegierten Familie. Allerdings wohl nicht so wohlhabend wie es die Malfoys nachgesagt bekamen, oder die Parkinson, bevor Pansys Vater das gesamte Vermögen verspielt hatte.

Wenn er etwas zu gelassen oder zu berechnend war, dann schoben es seine Eltern lediglich auf die sehr gute Erziehung.

Zurzeit befand sich Blaise Zabini im Eingang einer geschlossenen Schneiderei, einige Gebäude vom Cobblestone Inn entfernt. Abgesehen von seiner Gabe, war Blaise nicht danach heute eine andere Haut anzulegen. Die Sonne war untergegangen und die Dunkelheit würde einen ausreichenden Schutz für ihn bieten.

Er konnte eine Verwandlung auch nie lange durchhalten, wenn er sich zu schlapp fühlte. Es war, als würde er versuchen, einen Klumpen Ton zu formen und nur seine Ellbogen benutzen. Das Resultat wäre weniger als gut. Es war eine anstrengende Woche für ihn gewesen, und er hatte sehr viel zu tun.

Zuvor am Tag hatte er auch noch einen Blick auf die Aurorin geworfen, den sie gefangen genommen hatten. Unabsichtlich gefangen genommen, erinnerte er sich und verzog das Gesicht. Er war gut bei dem, was er tat, aber er wurde übermütig.

Er hatte den Fehler begangen, sich am Donnerstagabend sehen zu lassen, als er das Schloss verlassen hatte. Aus Gründen, mit denen er sich nicht zu lange beschäftigen wollte, hatte er Dracos Gestalt angenommen. Das hatte ihm etwas Zeit gekauft, aber er hätte nicht erwartet, dass es Nymphadora Tonks sein würde, die ihn durchschauen konnte.

Der Tod des Auroren (was war sein Name? Bligh?) war eine unglückliche Notwendigkeit gewesen. Unglücklich in dem Sinne, dass Leute nervös wurden, wenn Auroren einfach verschwanden. Besonders Auroren, die auf dem Schulgelände verschwanden, was von dem Ministerium doch so gut bewacht wurde.

Dennoch war es spannend gewesen, eines der Todesportale zu nutzen, die Wurmschwanz ihm letzte Woche zur Verfügung gestellt hatte. Sie waren klein genug, von ihm transportiert zu werden, versteckt unter seiner Kleidung.

Wo auch immer Bligh hingegangen war, er war verschwunden. Schade, dass die Aurorin mit der scharfen Zunge, die er in den Todesser Barracken besucht hatte, ein ähnliches Schicksal erwartete. Sie war ziemlich clever und erinnerte ihn an Hermine.

Das einzige gute, was durch die Gefangennahme der Auroren passiert war, war, dass alle Schüler schon früher in die Ferien gefahren waren und die Nachforschungen wieder im Ministerium stattfanden. Es war nun wieder möglich, als er selbst durch Hogwarts zu wandern, ohne sich in einen Lehrer oder einen patrouillierenden Auroren verwandeln zu müssen.

Blaise Langeweile und Ungeduld schlugen in wachsames Interesse um, als er endlich das Objekt seiner Mission dieses Abends entdeckte. Er hatte wirklich lange genug gewartet, nachdem er Granger von Hogwarts in die Nokturngasse gefolgt war.

Draco trug eine Kappe und war somit schwerer zu erkennen, sollte man nur noch seinem auffallenden Haupthaar Ausschau halten. Granger fiel eher auf. Ihre lockigen Haare waren lose zusammen gebunden, aber es fiel Blaise nicht schwer, sie auszumachen. Er erkannte sogar aus dieser Entfernung, dass sie die Stirn gerunzelt hatte. Die weiche, glatte Haut zwischen ihren Augen, einen Zentimeter über ihren Sommersprossen, warf eine zarte Falte.

Sie tat es immer, wenn sie besorgt war, und jetzt war sie besorgt. Ohne Zweifel, war Malfoy der Grund dafür. Er zog sie die Straße entlang, hoch zum Cobblestone Inn, mit angespanntem Kiefer und extrem angespannten Zügen.

Es gab wenig an Hermine Granger, was Blaise über das letzte Jahr hinweg nicht bemerkt hatte. Er fand es seltsam, dass er tatsächlich jemandem, ohne es erwartet zu haben, auf diese Weise so viel Beachtung schenken konnte.

Sie… sie war anders, oder? Etwas, dass Jungen wie er und Malfoy zwar aus der Entfernung bewundern, aber niemals anfassen konnten. Nicht so banal, wie andere Gryffindors. Nicht so streng, wie Ravenclaws, oder ohne jede Fantasie wie die meisten Hufflepuffs. Oh ja, sie war etwas verklemmt, aber das machte sie wett mit nicht nur einer ihrer ansprechenden Eigenschaften.

Sie hatte einen Verstand, gemacht dafür, zu Organisieren, und mit dem richtigen Antrieb, zu führen. Es war alles in ihr. Potter vertraute ihr mit seinem Leben. Abgesehen davon, dass Dumbledore ihren Intellekt sehr schätzte, wusste er, dass es Hermine war, die Potters Hang zur Unberechenbarkeit beherrschen konnte. Potter war ein Kapitel im Geschichtsbuch. Er war eine Schokofrosch Karte. Alle seiner Leute waren verdammt dazu, in der Schlacht zu fallen, Märtyrer auf Lebenszeit. Und Potter wusste das, und liebte sein Leben so, dass er alle seine Lieben darauf vorbereiten konnte. Manchmal bewunderte Blaise den Jungen dafür.

Grangers Schicksal war nicht so klar. Ungewiss. Wenn Blaise das Sagen hätte – und das hatte er immer wieder – dann wäre es noch unklarer. Er hatte beschlossen, sein Interesse an ihr in den letzten Monaten kundzutun, aber es waren anstrengende Monate gewesen, und nicht jeder konnte die UTZe, die Übernahme der Schule und die Todesseranwerberei alleine auf einmal bewerkstelligen.

Aber er war so von ihr eingenommen, mochte Hermine so sehr, dass ihm aufgefallen war, dass sie die letzten Wochen mit jemand anderem intim zu tun hatte.

Nicht bloß irgendein Schüler, nein, jemand, von dem sie nicht wollte, dass es jemand erfuhr.

Zuerst war es das übermäßige Studieren des Fida Mia Buches in der Bibliothek gewesen. Dann hatten seine Alarmglocken geklingelt, als er verstanden hatte, worum der Spruch ging. Sie war an der Abschlussfeier für eine Nacht verschwunden, und Blaise wusste, dass die einzig andere verschwundene Person Draco Malfoy gewesen war.

Aber ein solcher Zusammenschluss wäre absurd.

Und doch stimmte es.

So beschützend, wie Malfoy sich ihr gegenüber aufgeführt hatte, als das Mal am Himmel erschienen war, hatte es fast bestätigt. Blaise war stolz darauf, wie leicht ihm solche Details auffielen. Und nach dem Klatscher-Unglück hatte Pansy jedem, der nicht schnell genug entkommen, erzählt, dass sie am frühen Morgen in den Krankenflügel schleichen wollte.

Sie war nur kurz danach aufgelöst in Tränen zurückgekommen, denn Draco hatte anscheinend bereits einen Besucher gehabt.

Der Vorfall mit dem Dunklen Mal hätte ein monumentaler Fehler sein können. Blaise hatte die Wurmschwanz bei ihrem letzten Treffen deutlich gemacht. Bei allen Zauberstäben, die die Todesser hätten stehlen können, hatten sie ihm ausgerechnet den Zauberstab von Lucius Malfoy zukommen lassen, der vom Ministerium gekennzeichnet war.

Das Mal in den Himmel zu schießen hatte ein besonderer Moment für Blaise sein sollen. Sein erster Morsmorde in seinem Dienst. Und dann verwandelte sich das dämliche Ding in das Symbol der Malfoys, direkt vor seinen Augen.

Warum musste sich immer alles um Draco Malfoy drehen?

Es war leicht genug gewesen, die Klatscher zu manipulieren. Blaise war gut darin, Fallen zu legen. Malfoy in Gefahr zu bringen, war alles, was er benötigt, um Grangers Gefühle für den Jungen zu beweisen. Unglücklicherweise einem Heiratsspruch zu unterliegen, war eine Sache. Verliebt in seinen Ehemann zu sein, eine ganz andere.

Blaise musste sicher gehen. Bisher hatte er nur unsichere Schlüssel gezogen.

Doders als Entschuldigung zu benutzen war ideal gewesen. Das Kind hatte eine handfeste Vendetta gegen Malfoy. Wäre einem von ihnen dabei ernsthaft etwas passiert, hätte niemand etwas an dem Hergang angezweifelt. Feindlichkeiten bei den Slytherins waren nichts ungewöhnliches, aber ihnen war nicht nachzusagen, dass sie kein Geheimnis daraus machen konnten.

Es gab viele Gründe, weshalb Malfoy nicht geeignet war, ein Todesser zu sein. Zuerst schon einmal, weil er kein Interesse in das Leben als Todesser bekundete, nachdem sein Vater in der Öffentlichkeit so ruiniert worden war. Die andere Tatsache war, dass er dazu bereit war, sein eigenes Leben in Gefahr zu bringen für einen völlig nutzlosen Klassenkameraden.

Blaise hatte gewusst, dass Draco so handeln würde. Er hatte sich darauf verlassen. Dieser Bastard hatte ihn nicht enttäuscht. Vielleicht war ein wenig von Potter auch in Malfoy.

Es war wirklich schmerzhaft für Blaise gewesen, in McGonagalls Büro zu sitzen und zuzusehen, wie Granger tatsächlich leichenblass geworden war, bei der Erkenntnis, dass ihrem Ehemann auf dem Quidditchfeld ernsthaft etwas zugestoßen sein könnte. Er wollte sie schütteln. Ihr eine Ohrfeige verpassen.

Er wollte diesen Blick der Sorge und Panik für sich. Nicht für Malfoy. Sein kleiner Test hatte funktioniert und seine Vermutungen hatten sich bestätigt.

Nach diesem Tag hatte er sich dazu bekannt, sehr gerne Malfoys Tod zu arrangieren. Dies ohne die Zustimmung des Dunklen Lords zu tun, war schwierig, aber nicht unmöglich. Sein Meister wollte den Jungen unter ihren Rängen, egal, wie viele Dutzend andere schon protestierten mit der Gewissheit, dass Malfoy nicht zu trauen sei.

Der Dunkle Lord wollte es nicht hören. Wenn Albus Dumbledore Harry Potter hatte, dann würde Voldemort seinen eigenen Musterschüler bekommen. Seinen Schützling. Es hätte Blaise sein sollen. Jeder mit nur ein wenig Verstand konnte sehen. Was hatte sein Meister gesagt? Die Sünden des Vaters bestimmten nicht die Zukunft des Sohnes? Oder irgendeinen ähnlichen Bullshit aus dem Riddle-Familienbuch.

Aber der Mann konnte erzählen, wenn man ihn ließ.

Voldemort. Eine größere Verschwendung an Zeit und Talent als Harry Potter. Eine so große Gefolgschaft zu haben, inspiriert durch Furcht, ein Name, den die Menschen aus Angst nicht sagen wollten, so viel Macht zu haben und sie nicht klug umzusetzen. Sein Regime würde nicht bestehen. Voldemort besaß nicht den Durchblick oder die Politik es bestehen zu lassen.

Blaise könnte es. Er hatte Langzeitpläne, die nicht anfingen mit dem Tod von Harry Potter und darin auch noch gipfelten. Voldemort würde nicht für immer regieren. Blaises Amibitionen waren nicht diese unklaren Visionen, die Voldemort hegte. Sie waren glasklar. Er hatte auch schon einige eingesessene Todesser von seinen Ideen überzeugt. Subtil, natürlich. Für sie war ein bloß ein aufsteigender Leutnante in den dünnen Rängen Voldemorts. Ein nützliches Werkzeug. Eine Notwendigkeit sogar.

Seine Zukunft unter dem Dunklen Befehl war sicher.

Und Ereignisse begann sich zu entfalten. Er hatte eine gefangen Aurorin, die er loswerden musste, den Sohn eines Verräters zu umgarnen und ein Mädchen zu bekommen.

Es war unvermeidbar, oder nicht? Die magische Welt konnte so nicht weiter machen. Verscheucht und verstoßen an die Grenzen der Zivilisation, während die Muggel immer weitere Technologien entwickelten. Die magische Welt konnte nicht für immer versteckt sein. Selbst Dumbledore wusste das. Eine neue, provozierende Führung wurde gesucht. Und Blaise würde stehlen, lügen, betrügen und morden, um diesen Platz zu bekommen und wäre es das letzte, was er tat.

Was waren schon ein paar Leben für das größere Wohl?

Aber abgesehen von diesen großen Plänen in so jungen Jahren, abgesehen von seinem unleugbaren Talenten, seinem Verstand, und der Tatsache, dass er ein Genie war, mit der richtigen Prise Paranoia, war Blaise lediglich ein achtzehnjähriger Junge, der immer feuchte Handflächen bekam, wenn er mit einem Mädchen sprach, das er mochte.

Jedoch war das Mädchen bei einem anderen.

Es musste etwas tun. Er würde nicht sitzen und warten, bis Hermine Granger wieder zu Sinnen kam.