Chapter Thirty-Five

Als sie das Cobblestone Inn verließen betraten sie anscheinend einen Mahlstrom.

Draco erkannte den Besitzer, gerade als er die Treppe runter kam. Er trug den Morgenmantel einer Frau. Er war lila und ungefähr zwei Größen zu klein, mit kleinen eingesteckten Rosetten. Er hatte den Zauberstab gezogen und fluchte laut. Auf der Straße draußen riefen verbliebende Feiernde und stoben auseinander, in alle Richtungen. Der Besitzer griff sich ein Tintenfass vom Tresen und schleuderte ihm einem Mann hinterher, der so eilig lief, wie seine krummen Beine es erlaubten. Das Tintenfass verfehlte sein Ziel, hinterließ jedoch ein schiefes Ausrufezeichen auf der Straße.

„Du schuldest mir Geld für drei Nächte, du alter Bastard!", rief der Mann und schwang drohend seine Faust.

„Was ist passiert?", erkundigte sich Draco, während er dem großen Mann geschickt auswich, ehe sie zusammen stießen.

„Was passiert ist? Leute glauben, sie könnten die Zeche prellen, nur weil ein paar Todesser unterwegs sind. Das ist passiert", schnaubte der Mann wütend, und durch die viele Bewegung verschob sich der Morgenmantel. Zwei dünne blasse Beine waren nun zu erkennen. „Todesser sollten sich lieber zweimal überlegen herzukommen! Verdammt schlecht fürs Geschäft!" Sie waren draußen auf der Straße, als sie erkannten, wie die Panik sich ausbreitete.

Das Dunkle Mal war sichtbar, leuchtend und groß, nahezu fast über ihnen. Bei näherer Betrachtung jedoch war es aber wohl im Stadtkern an den Himmel geschossen worden.

Angsterfüllt starrte Hermine nach oben. „Ich fasse es nicht! Wie hatten wir das verschlafen können?"

Draco war blasser als sonst. Mit angespanntem Kiefer beobachtete er es für einen Moment. „Ich weiß es nicht, aber wir verschwinden sofort."

Das musste er ihr nicht zweimal sagen. Hermine ergriff seine Hand und folgte ihm in Richtung Winkelgasse. Es war auch bekannteres Territorium. Andere Leute taten es ihnen gleich. Eine Gruppe an jungen Männern, die so rochen, als wären sie die ganze Nacht über in Pubs gewesen rempelten sie fast um, und kurz wurde Hermine von der Menge mitgerissen, die in die andere Richtung lief, um das Mal näher zu sehen. Wie ein Schwimmer in einer Welle, ließ sie sich mitreißen, bis sie wagen konnte, einen Fluchtversuch zu unternehmen.

Hermine entkam nur knapp einem Sturz in den Rinnstein, aber sie hatte engen Kontakt mit einer Steinmauer. Ein kleines Kind hielt mit beiden Armen einen Laternenpfahl umklammert und weinte aus Leibeskräften. Glücklicherweise erschien die Mutter des Kindes aus der Menge und hob das Kind schnell auf den Arm, um zu verschwinden.

Das war es also, dachte Hermine. Das war die Massenpanik, die Voldemort anrichten konnte Sie war fast hypnotisiert von dem Chaos um sie herum.

Draco bellte ihren Namen mit solcher Kraft, dass einige Leute um sie herum erschrocken zusammen zuckten. Die Anzahl an Menschen auf der Straße schien sich in fünf Minuten verdoppelt zu haben.

„Hier!", antwortete sie, aber ihre Stimme war im Chaos verloren.

Aber er hörte sie, wusste Merlin warum. Innerhalb von Sekunden war er bei ihr, zog sie mit sich, während sie sich immer wieder umwandte und das Mal anstarren musste.

Sie hielten sich am Bürgersteig, immer an den Häusern entlang. Draco zog sie in die erste Gasse, die sie erreichten. Die Gasse füllte sich bereits mit Leuten, die ebenfalls in die Sicherheit ihrer eigenen Häuser apparieren wollten.

Er sah auf sie hinab und sah sogar recht bösartig aus in seiner Ernsthaftigkeit. „Kannst du Apparieren und musst über Floh reisen?" Es war eine faire Frage, bedachte man, dass jemand vielleicht noch nicht in einer kritischen Situation gewesen war, in der es um Todesser ging.

Sie zitterte, aber sie war nicht so sehr neben sich, dass sie sich zersplittern würde. „Ich kann apparieren."

Er nickte, den Zauberstab bereits in der Hand. „Kennst du den kleinen Picknick Platz, nahe dem Bahnhof in Hogsmeade?

Sie kannte den Fleck. Die meisten Schüler von Hogwarts, die ins Dorf durften kannten den Platz. Es war eine Lichtung hinter dem See. Nicht zu schattig, nicht zu sonnig und von Schülern sehr beliebt.

„Auf drei", flüsterte sie. Er verschwand als sie bis eins gezählt hatte.

Sie kamen zusammen am vereinbarten Ort an. Draco zuerst, Hermine danach. Hogsmeade Green war einen achtminütigen Fußweg entfernt. Hogwarts wuchs vor ihnen empor, hinter dem See und der berühmten Apparier-Grenze. Instinktiv suchte Hermine den Himmel ab. Sie atmete erleichtert auf, denn sie sah nichts, außer einem Schwarm Vögel, die über die See flogen.

Verglichen mit der Panik und dem Chaos aus dem sie kamen, war die Stille am See fast unheimlich. Hogwarts war Zuhause, und nirgendwo auf der Welt fühlte sie sich sicherer als dort. Es war hier viel kühler als in der Nokturngasse. Hermine rieb über ihre Oberarme, um die plötzliche Kälte zu vertreiben, die genauso viel mit dem Schwarzen Mal von vorhin zu tun hatte, wie mit dem kühlen Wind, der vom See hinüber wehte.

Ein Blick in Dracos Gesicht sagte ihr, er dachte über mehr nach als nur das Mal. Er strich sich die Haare zurück, streckte den Rücken durch und begann zu laufen.

„Irgendwas stimmt nicht", sagte Hermine.

„Abgesehen von der Tatsache, dass wie beide zweimal das Mal innerhalb von zwei Wochen gesehen haben?", schnaubte er. „Ja, irgendwas stimmt wirklich nicht."

Sie ging ein Stück voraus und war dabei, ihr Haar hochzubinden. Ihre Hände zitterten immer noch, und so brachte sie nur einen lockeren Dutt fertig, der so leicht zusammen fallen konnte, wie sie ihn gebunden hatte. Ihr Nacken lag nun bloß und zeigte die feinen Locken ihres Ansatzes. Ein winziger Schmutzfleck zeigte sich direkt über dem Träger ihres Oberteils, über dem obersten Knochen ihrer Wirbelsäule und kurz bevor ihre Schultern anfingen. Es könnte Dreck oder Staub oder jede Art von Schmutz sein, den es in der Nokturngasse gab.

Egal, was es war, Draco sah es nicht gern. Beinahe abwesend, leckte er über seinen Daumen und wischte den kleinen Fleck weg.

Hermine blieb abrupt stehen und wandte sich zu ihm um. „Das hast du jetzt gerade nicht getan?"

Er wirkte mehr überrascht, als sie es war und starrte hinab auf seinen Daumen, als hätte dieser ihn gerade nach dem Wetter gefragt. „Anscheinend habe ich das."

Es war sicher, diesen Moment zu wählen, wo er noch relativ offen für ihre Fragen schien, entschied sie. „Du musst mir wirklich sagen, ob diese Male etwas damit zu tun haben, weswegen Dumbledore mit dir gesprochen hat. Ich glaube nicht, dass es Zufall ist."

Draco machte ein amüsiertes Geräusch. „Gut, denn es gibt so etwas wie Zufall nicht. Gewöhn dich lieber dran. Alles passiert, weil es nur so passieren kann."

„Ja, ist das?", erwiderte sie herausfordernd. Es klang so, als würde er ihr gleich einen moralischen Vortrag halten.

„Wusstest du, dass ich der erste Schüler war, den Potter getroffen hat, bevor er nach Hogwarts gekommen ist? Ich habe nicht gewusst, wer der Idiot war. Ich habe noch mal mit ihm im Zug auf dem Weg nach Hogsmeade gesprochen, wahrscheinlich bevor ihr zwei euch kennen gelernt habt. Weißt du, was er zu mir sagte?", wollte er in rhetorischer Manie wissen.

Sie schüttelte den Kopf, neugierig, worauf er hinaus wollte.

„Er hat gesagt, er könnte selber herausfinden, wer die richtige Art von Freund wäre. Und er hat mich angesehen als wäre ich Dreck, den er unter seinem Schuh abgekratzt hatte." Es klang bemerkenswert viel Bitterkeit in seiner Stimme mit. Hermine war überrascht, wie viel Bedeutung er diesem Treffen zumaß.

Für einen Moment war sie still. Und dann zuckte sie die Achseln. „Du hast dich wahrscheinlich wie ein Arsch verhalten."

„Das ist unerheblich", beharrte er und hob einen Finger, um seine Worte zu verstärken. „Ist ist kein Zufall, es ist Schicksal. Es ist fast lächerlich passend, dass Potter mich zuerst kennengelernt hat, um sich direkt zu entscheiden auf welchem Ende der Seite er stehen wollte. Menschen mögen Extreme, denn sie sind angenehm. Sie setzen Standards und Grenzen. Ich bin sicher, dass Potter danach in seinem kleinen Kopf entschieden hat, dass er am liebsten ganz weit am anderen Ende stehen wollte. So weit weg von mir, wie metaphorisch möglich. Er mag es so. Genauso wie Voldemort, nehme ich an."

Aus bestimmten Gründen, hörte es Hermine nicht gern. Sie hatte ihn lieber im Kopf, als jemand, dem es egal war, wo die Leute standen, nur dass sie ihn nicht in eine Richutng drängten. Malfoys Version war zu fatalistisch. Vielleicht hatte er auch Blut einer Seherin in seinen Adern. Seher waren die deprimierendsten Leute, die jemand kennen konnte.

Abgesehen von Sybil Trelawny natürlich. Diese Frau war einfach nur verrückt.

„Das sehe ich anders", sagte sie schließlich.

„Musst du auch nicht", erwiderte er.

„Harry besitzt keine extremen Tendenzen." Und kaum hatte sie die Worte gesagt, merkte Hermine, dass sie nicht wahr waren.

„Wenn es dich beruhigt, so zu denken", entgegnete Draco gelassen.

„Warum kannst du ihn nicht leiden?"

„Warum verteidigst du ihn immer?", schnappte er, scharf genug, um sie zusammenzucken zu lassen.

Hermine öffnete ihren Mund, um ihm zu antworten, schloss ihn aber wieder. Sie nahm an, sie verteidigte Harry wirklich viel. Aber nur, weil Malfoy es zu seiner persönlichen Mission machte, Harry überall ausnahmslos schlecht dastehen zu lassen, wenn er nur konnte.

Draco verengte die Augen, als käme er zu einem langsamen Entschluss. „Du hast Gefühle für ihn." Es war eine Feststellung, die er nicht gerne zu machen schien.

„Natürlich habe ich das. Wir sind Freunde seit wir elf sind!"

Er schnaubte auf. „Deine Vernarrtheit wird dich nirgendwohin führen. Potter sieht dich als nichts anderes als einen Freund", erklärte er, als würde er ihr damit den besten Ratschlag ihres Lebens geben.

Sie blinzelte, denn das Verständnis kam, wie immer, wenn sie mit Malfoy sprach, spät. „Warte. Wir reden nicht über dasselbe, oder? Ich bin nicht in Harry verliebt, du Idiot."

Gott, sie hasste es, wenn er von ihr davon lief, immer wenn sie eine Diskussion hatten. Es war das höchste Maß an Unhöflichkeit. Den Zorn, den sie spürte, war jenseits der Erträglichkeit. Es tat weh, von ihm ignoriert zu werden.

„Ich hasse es, wenn du das tust", murmelte sie. Es war eine zornige, aber private Äußerung. Er sollte es nicht hören.

Er hörte es jedoch. Er hörte sie immer.

Draco verschränkte seine Arme. „Du bist sehr unbeständig. Hass oder Liebe, Granger, was soll es sein? Vor einer halben Stunde hast mir letzteres ins Ohr geschrien."

Sie würde nicht auf seine wilden Übertreibungen anspringen. Stattdessen behielt sie ihre Würde bei und sah ihn über die Nase hinweg an.

„Du bist so ein Vollidiot."

„Nur weil du mich in einen verwandelt hast", erklärte er. Er schlenderte zu ihr und zog sie in seine Arme.

„Lass mich los", sagte Hermine und war immer noch sauer auf ihn.

Er lächelte. „Niemals."

Und dann hob er ihr Kinn mit seinen Fingerknöcheln an und gab ihr den langsamsten, sanftesten Kuss, den sie jemals von ihm bekommen hatte. Es war alles sehr ungewöhnlich und beunruhigend. Er war kein sanfter Küsser. Weiche, federleichte Schmertterlingsküsse waren nicht wirklich Draco. Er küsste so, wie er beleidigte; kraftvoll und ab und an gemein. Für gewöhnlich küsste er sie, als wolle er einen Abdruck auf mehr als ihrer Haut hinterlassen.

Es war eine angenehme Wandlung. Aber Hermine brauchte keine Schmeicheleien. Sie zitterte, wenn sich seine Zunge verlangend an ihrer rieb. Der Druck seiner Lippen wechselte von leicht und leichter, aber seine Lippen saugten und knabberten an ihren. Er stöhnte in ihren Mund, als sie das Shirt aus seiner Hose zog und ihre Handfläche über die Unterseite seines Rückens strich, die Muskeln dort massierte.

Hermine ruhte ihr Kinn auf seiner Brust aus und es war fast ein Triumph seinen rasenden Herzschlag in seiner Brust hämmern zu hören. Es war eine romantische und beinahe friedfertige Lösung ihres kurzen Streits. Bis zu dem Punkt, wo er seine Hose öffnete und ihre Hand in seine Shorts führte. Was folgte waren kurze Anweisungen, wie sie ihn halten sollte, berühren sollte, ihre Hand bewegen musste. Aber sie lernte schnell und bald lehnte er schwer atmend mit seiner Stirn gegen ihrer.

Körperliche Intimität war neu mit Draco. Er schien sich nie zu schämen, ihm war nie etwas unangenehm, was auch gut war. Denn sie schämte sich für sie beide genug.

Es war beängstigend, wie sehr sie ihn mochte. Diesen komplexen, launischen jungen Mann, dessen heißen Atem sie in ihren Haaren spürte. Erste Eindrücke zählten nichts, wenn es um Draco ging. Man brauchte Geduld und Ausdauer.

Und vielleicht eine Flasche harten Alkohol.

Türen, entschied sie. Das war es, woraus er bestand. Viele Türen, die alle eine andere seiner Emotionen oder Eigenschaften öffneten, die er mit aller Macht versuchte, unter Verschluss zu halten. Es war seine Art mit Dingen umzugehen. Die Türen öffneten sich, wenn sie beharrlich genug war und anschließend Wunder erlebte, wenn er zart und aufrichtig war. Aber genauso schnell fielen diese Türen wieder ins Schloss.

Alles, was Hermine wusste, war, dass sich ihr Herz nach ihm verzehrte, weil er keine glückliche Person war. Sie wusste diese Sache genauso sicher, wie sie die Farbe ihrer Augen kannte.

„Stopp", zischte er plötzlich und schob ihre Hand beiseite. Sein leichtes Zittern sagte ihr, dass ihre Arbeit ihn nahezu über die Klippe gebracht hatte.

Sie beugte den Kopf, so dass sie in sein Gesicht sehen konnte. Seine Augen öffneten sich halb. „Wieso kannst du mich alle intimen Fragen der Welt fragen, und jedes Mal wenn ich es versuche, reißt du mir den Kopf ab?"

Er seufzte. Eine Tür öffnete sich hinter seinen Augen. „Ich bin eifersüchtig auf Potter. Und auf Weasley. Verdammt, selbst auf deinen schiefbeinigen Kater, der in deinem Schoss sitzt wäre ich eifersüchtig. Es tut mir leid, dass ich abscheulich bin, aber es wird noch öfters vorkommen. Sehr viel öfters."

Was für eine beschissene Entschuldigung. Hermine verdrehte die Augen. „Du bist abscheulich für 80 Prozent der Zeit."

„Und die anderen zwanzig Prozent?", fragte er, während seine Lippen über ihre Mundwinkel strichen. Sie atmete seine Frage sein.

„Bist du erregt", erklärte sie und wurde belohnt mit seinem hemmungslosen Lachen. Sie konnte es in seiner Brust rumoren hören und sog dieses wunderbare Geräusch in sich auf, wie Wüstensand Regenwasser speicherte.

Wie zur Hölle hatte es dazu kommen können? Sie hatte gerade noch Schicksal und Zufall abgehandelt. Keine zehn Minuten vorher.

„Frag mich, und ich verspreche dir, ich reiße dir nicht den Kopf ab." Seine Stimme war rau und nachsichtig.

„Malfoy, wir befinden uns in der Mitte einer Krise", erinnerte sie ihn, und ihre Stimme war getränkt in Ungeduld. „Wir sollten zurück ins Schloss, um die Leute zu informieren."

Wir sollten nicht hier rumstehen und Sex durch Worte haben.

Er rieb seinen Körper schamlos gegen ihre, und sie konnte seine Hitze praktisch durch vier Schichten an Stoff spüren. „Ich denke, die Krise wurde verhindert, als ich deine kleine geschickte Hand von meinem Körper entfernt habe."

„Draco-"

„Vergiss Hogwarts für einen Moment. Unterhalte mich."

Sie seufzte. „Was ist deine Lieblingsfarbe?"

„Ich habe keine. "

„Was ist dein Lieblingsessen?"

„Du", erwiderte er und knabberte an ihrem Ohrläppchen.

„Hast du jemals mit Pansy Parkinson geschlafen?"

Das zerstörte die Stimmung. Er sah auf sie hinab. „Was? Ich habe dir schon gesagt, das habe ich nicht. Auf gar keinen Fall."

„Wolltest du jemals mit ihr schlafen?", fragte sie weiter und ließ ihn nicht aus den Augen.

Er brauchte eine nervtötend lange Zeit, um zu antworten. „Nicht wirklich, aber ein Mann denkt immer über die Möglichkeiten in Zeiten einer… Dürre nach."

Sie zwickte ihn in den Arm, weil er so frech war und wurde aber schnell wieder nüchtern. „Was wollte das Ministerium von dir in Dumbledores Büro? Jedes Mal, wenn du es mir nicht sagst, vermute ich das Schlimmste…"

Draco sah sie einfach nur an. Vollkommen perplex. Denn er konnte sie nicht anlügen. Er war dazu vollkommen bereit gewesen. Zu ihrem eigenen Besten.

Es war nicht so, dass er keine akzeptablen Lüge im Kopf hatte, es war nur so, dass keine Lüge, die er in seinem Kopf formulierte über seine Lippen wollte. Was zum Teufel sollte er sagen? Ich kann dir nicht von dem Spionage-Job erzählen, weil du dann denken wirst, ich handele nur auf Grund selbstsüchtiger und geldgieriger Motive?

Und stimmte das nicht auch? War er nicht vollkommen bereit, das Vertrauen seiner Freunde zu hintergehen, um von Ministerium in Ruhe gelassen zu werden und sein Vermögen ausgezahlt bekäme?

Wie selten dämlich es von ihm war, dass er keine Ahnung hatte, wie er sie behalten sollte, wenn er es jetzt doch unbedingt wollte.

Er hatte Angst vor ihrem Urteil, so wie er um Sicherheit fürchtete, wenn er sie mit dieser Information belastete. Sie würde noch wieder zu ihren ausgezeichneten Sinnen kommen. Die Wärme in ihren braunen Augen, wenn sie ihn ansah, würde verschwinden und würde ersetzt werden durch mildes Mitleid. Etwas war falsch mit ihr, wenn sie ihn liebte. Und er hatte Angst, dass die mentale Krankheit, an der sie vorrübergehend litt, verschwinden würde, würde sie erst sein schwarzes Herz erkennen.

Also sagte Draco gar nichts.

Hermine beeindruckte es nicht, dass er kein Vertrauen zu ihr hatte. Sie schob steif seine Arme von ihrer Hüfte. „Vergiss es", murmelte sie und schritt weiter voran. „Ich werde dich nicht mehr fragen. "

Er war kurz davor, nach ihr zu rufen, etwas Beruhigendes zu sagen, an eine Entschuldigung grenzend, aber er hielt sich selber auf. Ein dumpfes Klopfen und Zischen am Boden erregte seine Aufmerksamkeit.

Es war ein Wust an Fadenkraut, eingeklemmt zwischen zwei Steinen. Dickes, gesundes Fadenkraut, das Glück hatte, in Lupins Stunde übersehen worden zu sein. Dieses Zeug wurde nervös durch ihre Schritte.

Und dann fiel ihm etwas auf.

„Granger, wo würdest du sagen, ist das erste Mal erschienen? Nicht weit südlich des Gewächshauses, richtig? Wir waren südwestlich unterwegs."

Hermine sah ihn an. „Ja, das habe ich auch Dumbledore gesagt."

Draco schien nachzudenken. „Weasley und Millicent waren mit uns unterwegs. Und die anderen waren nahe dem Gewächshaus, weil es verdammt noch mal zu heiß war, um wirklich zu arbeiten."

„Hm, außer Harry und Blaise, glaube ich. Sie sind in die Richtung der Peitschenden Weide gegangen."

Draco hob seine Augenbraue bei dieser Information. „Und Sankt Potter hatte nichts weiter zu berichten?"

„Wenn Harry etwas gesehen hätte, hätte er es gesagt", erwiderte Hermine stirnrunzelnd. „Genauso wie Blaise. Du hast doch den Blick auf seinem Gesicht gesehen. Eine steife Brise hätte ihn aus den Schuhen gehauen, so schockiert war er gewesen."

„Waren sie die ganze Zeit zusammen?"

Sie sah ihn misstrauisch an. „Ich denke schon. Ich kann Harry fragen", sagte sie. „Oder du fragst Blaise."

„Hmm", war alles, was er sagte. Sie kamen zum Ende des Wegs und zum Beginn einer uralten Hecke. Schon jetzt hatte der Himmel über Hogwarts eine lavendelfarbene Färbung angenommen. Mit der Aussicht auf das Schloss, zog sich ihr Magen unter nervösen Krämpfen zusammen. Sie fragte sich, ob die Neuigkeiten des zweiten Mals schon die Runde gemacht hatten.

„Malfoy, warte kurz."

Es gab viele Dinge, die sie nicht gut beherrschten, aber Timing war wohl das erste auf der Liste. Er sah ihr zu, während sie ihren Zauberstab hervorholte und erst wieder sprach, als er ihr einen fragenden Blick zuwarf. „Wir haben nicht… äh… also, ich habe nichts getan oder genommen… vorhin."

Einiges an Anspannung verließ sein Gesicht. Es war gut, dass er ihre Gedanken lesen konnte, denn unter gewöhnlichen Umständen hätten ihren mysteriösen Worte Anlass zu einigen Fragen gegeben.

„Du meinst Verhütung? Warum hast du… ahem… das nicht gesagt? Komm her. "

Sie schob seine Hand beiseite. „Ich kann es selber machen. Ich will es nur jetzt tun, bevor wir reingehen." Den Spruch im Schloss zu machen war ein wenig so, als würde sie ein Kondom in Haus ihrer Eltern benutzen wollen. Der Spruch war nicht schwer, aber aus emotionaler Perspektive betrachtet, war es schon eine große Sache für sie. Aber er würde sie für dumm halten, würde sie das zugeben.

„Gib mir den Zauberstab. Ich habe den Spruch schon vorher angewandt."

Hermine hob abwehrend die Hand. „Erspar mir die Einzelheiten. Du erzählst mit wahrscheinlich, dass du so ein Experte bist, dass du deinen Zauberstab nicht mal mehr brauchst."

„Nicht wirklich", erwiderte er, und sein Mundwinkel hob sich leicht. „Du musst nicht so feindselig klingen. Halt still." Ehe sie protestieren konnte, ließ er den Zauberstab über ihren Unterleib wander und sagte den Spruch. Und Respekt schwang in seiner Stimme mit. Und dafür war sie dankbar. Und es überraschte sie.

Ein kaltes Gefühl strömte über ihren Bauch. Es war unangenehm, aber immer noch besser als der bittere Trank, den sie in Malfoy Manor hatte nehmen müssen. Und es war diskreter. Sie wüsste nicht, ob sie es über sich bringen würde, zu Madame Pomfrey zu gehen, um nach einem solchen Trank zu fragen.

„War das alles?", fragte sie und sah an sich hinab. Die Kälte verschwand schnell.

„Die männliche Version dieses Spruchs ist komplizierter", erklärte er.

Hermine hob eine Augenbraue. „Ja, das sagen alle Männer. Wie hast du vor, uns ins Schloss zu bekommen, ohne dass alle aufwachen? Die Türen sind verschlossen bis sechs Uhr morgens." Sie nahm an, sie konnten warten. Es würde nicht mehr lange dämmrig sein, und die Hecke würde ihnen genug Schutz bieten.

Draco linste durch die Hecke und wirkte nicht gestört durch ihre Worte. „Du vorne, am Eingang."

Hermine stand auf ihren Zehenspitzen, um über seine Schulter zu blicken, um zu sehen, was er sah, versteckt in dunklen Büschen. Das war es, was ihr Leben jetzt war. Sich mit Draco Malfoy in Büschen verstecken, dachte sie dumpf.

„Es ist Snape!" Sie hätte die Haltung dieses Mannes und seine nachtschwarzen Roben überall erkannt. Er starrte böse in die Dämmerung, fast als wolle er etwas herausfordern, zu erscheinen, was es wagte, noch bedrohlicher als er selbst zu sein. „Wusstest du, dass er die Eingangs-Patrouille heute Morgen macht?"

Er antwortete, indem er aus dem Gebüsch trat. Hermine machte den Versuch, ihn festzuhalten, verfehlte ihn aber um Zentimeter, und er grinste.

„Psst! Malfoy! Was tust du?" Snape würde sie noch entdecken.

Draco Antwort beruhigte sie nicht wirklich. Aber es waren Neuigkeiten für sie.

„Bleib da. Ich sage meinem Patenonkel Hallo."