Chapter Thirty-Eight
Alles schien gleichzeitig zu passieren.
Harry schob praktisch den Tisch zur Seite, um entweder den Kampf zu unterbrechen oder Ron zu Hilfe zu eilen. Hermine hatte sich ebenfalls in Bewegung gesetzt, aber Harry erklärte ihr scharf, dass sie gefälligst zurück bleiben sollte, wenn sie nicht dringend einen Ellbogen im Gesicht sitzen haben wollte. Harry hätte besser selber auf seine Anweisung gehört.
Ron, der die Weasley Familien Schule der Geschwisterschlägerein besucht hatte, hatte bisher nur verdattert Draco angestarrte, ehe er ihm hart vor die Brust stieß. Oder wenigstens versuchte er, dies zu tun. Er war einen halben Kopf größer als Draco, hatte eine größere Reichweite, aber dennoch wurde schnell klar, dass er nicht so schnell war wie er.
Draco wich ihm aus, was bedeutete, dass Ron lediglich in die Luft stieß und gegen Harry fiel, der die volle Wucht des Stoßes abbekam.
„Ron, du Idiot", keuchte Harry vom Boden aus, während er sich die Kehle massierte. Ron wandte sich knurrend um. Mit neuem Tatendrang wollte er erneut auf Draco zustürmen, um ihn zu Boden zu zwingen, aber Harry verhinderte dies, indem er den Fuß hastig ausstreckte, und Ron zu Fall brachte. Ron fiel mit wedelnden Armen und hätte sich bestimmt das Kinn auf der Tischkante aufgeschlagen, hätte Draco den Tisch nicht eilig aus dem Weg geschoben.
Hermine Zauberstab ruhte über dem Chaos. Sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie alle schocken oder eine Wasserfontäne auf sie loslassen sollte.
Und dann kam Madame Pince um die Ecke.
Nach einer halben Stunde saßen drei Jungen (zwei freiwillig, einer sehr unfreiwillig) neben Ginny in der Großen Halle, nachdem sie von Madame Pince mit großem Ärger aus der Bibliothek verwiesen worden waren. Die Große Halle war leer, abgesehen von einem Drittklässler aus Hufflepuff, der den ganzen Tag schon die Zeitung las und ein Lied von den Schrecklichen Schwestern summte. Er klammerte sich fest an seinen Tagespropheten als er Ron erkannte, denn er hatte ein anderes Exemplar bereits heute Morgen an den Vertrauensschüler verloren.
„Das hier ist privat. Verzieh dich", knurrte Ron in Richtung des armen Schülers.
Harry schenkte dem Jungen einen bedauernden Blick, um den Jungen für die Unterbrechung zu entschädigen. Der Junge verließ die Halle, aber er lächelte halb.
Das war Harrys Art.
Ginny hörte Harry mit weit aufgerissenen Augen zu, während er ihr die Neuigkeiten berichtete, ohne jede Hilfe von einem recht gleichgültig dreinblickenden Draco. Die Jungen sahen fertig aus. Harrys Haaren lagen wie immer wild, aber er hatte die ersten Knöpfe seines Hemds geöffnet und massierte sich seinen Nacken. Dracos Krawatte hing ihm aus der Hosentasche und sah höchst zerknittert aus. Das weiße Hemd hing komplett aus seiner Hose, und einige Knöpfe fehlten. Am schlimmsten jedoch sah Ron aus, mit seinem blauen Augen, dass innere rot, der äußere Bereich dunkel lila.
Harry fehlte sich seltsam, während er Ginny diese intime Geschichte erzählte, während Draco ihm gegenüber saß. Malfoy hatte die Arme vor der Brust verschränkt, mit einem arroganten Lass-mal-sehen-wie-du-die-Sache-händelst-Blick, aber Harry schaffte es, die Geschichte ohne großes Zögern und Räuspern zu erzählen.
Die jüngste der Weasleys hörte zu, ohne zu unterbrechen. Ab und an warf sie Draco einen Blick zu, wie um sich zu vergewissern, dass er tatsächlich hier mit ihnen saß und nicht ihrer Einbildung entsprang.
Ron und Draco erdolchten sich immer noch mit Blicken.
„Wo ist Hermine jetzt?", fragte Ginny schließlich.
„Runter zur Küche. Etwas Eis besorgen", erwiderte Harry und warf Rons geschwollenem Auge einen hastigen Blick zu.
„Tut es weh?", erkundigte sich Ginny bei ihrem Bruder, eher weniger mitfühlend.
Ron verzog grimmig das Gesicht. „Nein, denn er schlägt zu wie ein Mädchen."
Ginny schnaubte auf. „Das letzte Mal, als ich dich geschlagen habe, hast du fast geweint."
„Das ist drei Jahre, wenn ich dich erinnern darf, und du hast mich nicht ins Gesicht geschlagen."
„Es ist unverzeihbar, was du zu ihm gesagt hast", sagte Ginny jetzt. „Mum wäre angewidert gewesen."
Das M-Wort zu benutzen war immer gefährlich. Harry sah aus, als fühlte er sich nicht wohl, Ron wirkte ebenfalls nervös, und Draco… Ginny beobachtete ihn prüfend. Draco sah gelangweilt aus. Sie fragte sich, ob gelangweilt als zornig bei ihm durchging.
Es hatte sie weniger Zeit gekostet als angenommen, um die Neuigkeiten zu verdauen. Natürlich wollte ein Teil von ihr, sich beide Hände vor den Mund schlagen und sofort zu Hermine rennen, um nach Details zu fragen. Harry war nicht gut mit Details, denn er erinnerte sich kaum an irgendwelche. Harry war eher für den vagen Überblick zu begeistern.
Ginny wusste natürlich sehr genau, zu was Malfoy in der Lage war – der Schultratsch war der sehr präzise informiert – aber es war eine vollkommen andere Neuigkeit, dass Hermine so risikofreudig war.
„Also, warum hast du sie geheiratet?" Es kam ihr komisch vor, dass noch niemand diese Frage gestellt hatte, aber wahrscheinlich brauchte es dazu ein Mädchen, nahm sie an.
Draco schenkte ihr seinen typischen Blick des Missfallens. Dazu mischte sich außerdem eine unausgesprochene Drohung. Es war immer ein bisschen beunruhigend, wenn Malfoy jemandem direkt in die Augen sah. Und das tat er jetzt gerade definitiv. Er hatte wunderschöne Augen, aber sie erkannte, dass seine Schutzschicht nicht leicht zu durchdringen war. Aber Ginny war zu neugierig, um aufzuhören, Fragen zu stellen.
„Also?", bohrte sie weiter.
„Ich denke, wir haben den Teil geklärt, indem wir klargestellt haben, dass wir einen Fehler gemacht haben."
„Mit ihr zu schlafen ist wohl ein Fehler gewesen. Sie zu heiraten und Tattoos stechen zu lassen erscheint mir dagegen jedoch… etwas zu krass."
Kurz spannte sich sein Kiefermuskel an. „Hast du die Stelle verpasst, wo wir vollkommen betrunken waren?"
Ron schnaubte auf. „Na und? Nachdem, was man hört, seid ihr doch jedes Wochenende so drauf. Es ist schon fast Allgemeinwissen. Hermine verträgt keinen Tropfen Alkohol. Das müsste dir zumindest klar gewesen sein."
„Willst du damit sagen, was passiert ist, war komplett meine Schuld?" Draco schoss Ron böse Blicke zu.
„Natürlich war es komplett deine Schuld", platzte es aus Harry heraus. „Du hast sie ausgenutzt!"
„Ich habe-", begann Draco außer sich. Er wünschte, er hätte immer noch die Biss- und Kratzspuren auf seinem Rücken von ihrer ersten gemeinsamen Nacht, um sie den anderen zu zeigen. Ihre Freunde schienen nur zu gerne anzunehmen, Granger sei das arme Opfer in dieser schlüpfrigen Geschichte.
Ron sah so aus, als würde er zu gerne den Schlagabtausch mit Malfoy fortführen. „Sie ist auf jeden Fall die unschuldige von euch beiden. Hast du nicht gesagt, du hast ein paar Engelsflügel auf deinem Rücken? Engelsflügel, Malfoy?"
Ginnys Gesicht hellte sich auf. „Oh, kann ich es sehen?"
„Nein", schnappten Harry und Ron gleichzeitig.
„Sie müssen nicht unbedingt Engelsflügel sein. Viele Kreaturen haben… Flügel." Draco wusste, er klang wie ein… Idiot, aber er konnte nicht anders.
„Und Hermine hat ein Drachen an einer… intimen Stelle?", fasste Ginny zusammen. „Etwas offensichtlich, findest du nicht?"
„Was? Der Drachen oder die Stelle, wo er sich befindet?" Draco konnte nicht widerstehen, zu fragen. Ihr Bruder bot eine wunderbare Imitation eines Muggel-Feuerhydranten.
„Ich weiß nicht, ob ich wissen will, wohin dieses Gespräch führt…", murmelte Ron.
Draco musterte ihn amüsiert. „Ich glaube, dir wird auch nicht gefallen, wohin der Drachen auf Grangers Oberschenkel führt."
Ron warf Harry einen stechenden Blick zu. „Harry, mach, dass er seine Klappe hält."
„Ich bin es nicht, der ihn über die dämlichen Tattoos ausfragt!"
Ginny ignorierte Harry und Ron gleichmütig. „Wusstest du, was Fida Mia ist, bevor ihr tätowiert wurdet?"
Draco war kurz davor, ja zu sagen, denn er hatte eine vage Idee gehabt, aber er änderte seine Meinung. Das würde ihnen noch komischer vorkommen. Er richtete die nächsten Worte an Ron. „Ich sehe, deine Schwester ist von derselben Krankheit befallen, wie Granger."
„Und welche Krankheit wäre das wohl?", wollte Ron gefährlich leise von ihm wissen.
„Fragen. Würdest ihr Weasleys euch verpissen, während ich mit Potter spreche?"
Ginny gefiel dieser Satz gar nicht. „Hermine ist auch meine Freundin", beschwerte sie sich. „Ich werde bleiben."
„Das ist kein Gespräch für leicht besaitete."
„Ich bin nicht leicht besaitet", konterte sie.
Draco lächelte freudlos. „Ich habe deinen Bruder gemeint."
„Idiot", spuckte Ron ihm entgegen.
„Weasley", kam Dracos prompte Retour.
Ginny sah Harry hilfesuchend an. "Können wir uns beeilen, und es hinter uns bringen, bevor Hermine kommt?"
Harry dachte kurz nach. Nach einer Weile sprach er. „Sie kann den Sommer mit mir am Grimmauld Platz verbringen. Sie wollte ohnehin ihre Eltern besuchen."
„Grimmauld Platz", wiederholte Draco das bekannte Wort. „Wo hab ich das schon mal gehört?"
„Das ehemalige Haus der Blacks?"
„Das Haus von Sirius Black, meinst du?"
Harrys Augen wurden dunkler. „Ja, sein Haus." Harry fragte sich, ob Draco wusste, dass seine Tante Sirius getötet hatte.
„Verflucht noch mal, Potter. Du sagst ihr, was sie tun soll, und dann tut sie es gefälligst!"
Harry musterte Draco, dessen Ärger nun sichtbar war. „Vielleicht ist es dir entgangen, Malfoy, aber das Mädchen hat ihren eigene Willen?"
„Dieser Rekrutierungssache…", unterbrach Ginny das Gespräch. „Was will das Ministerium genau von dir?"
„Wenn man bedenkt, in welchen Kreisen ich mich bewege, glaubt das Ministerium wohl, ich hätte die Chance dem Kopf dieser Sache persönlich das Handwerk zu legen, oder würde wenigstens so nahe dran kommen, die Person zu identifizieren", erwiderte er. „Es würde auch Sinn machen, abgesehen von der Tatsache, dass ich keine Lust habe, es zu machen.
„Verflucht", sagte Ron, „und du denkst, das hat etwas damit zu tun, dass Tonks verschwunden ist?" Diese enorme Information von Draco aus schien wirklich mächtig gewesen zu sein.
Tonks Verschwinden ernüchterte die Gruppe wieder. „Ja, das und die Sache mit dem Mal in der Nokturngasse gestern. Es sollte heute in den Nachrichten stehen."
Ron wandte den Kopf zum Hufflepufftisch. „Verdammt! Wo ist der Junge mit der Zeitung?"
„Du hast ihm gesagt, er soll verschwinden, weißt du noch?", erinnerte ihn Ginny gedehnt.
„Wie soll man eine Person identifizieren, wenn man keine Ahnung hat, wo man suchen soll?"
„Keine Ahnung, Potter", gab Draco zu. „Aber ich hänge eine Vorschläge-Kasten in der Halle auf. Wenn dir was einfällt, werf einfach eine Notiz ein."
„Mir gefällt das gar nicht. Dad muss echt verzweifelt sein, wenn er sich Hilfe bei Malfoy sucht", sagte Ginny an Ron gewandt.
„Dads Entscheidung stehen hier nicht zur Diskussion", schnitt Ron ihr das Wort ab. Das war sowieso immer eine der ewigen Streitereien.
„Sollten sie aber! Er wird nur solange im Amt sein, wie diese Krisensituation besteht. Es ist ein gewähltes Amt, Ron. Er hat ein Mandat in der Gemeinde."
Jede weitere Diskussion wurde von Hermines Erscheinung unterbrochen. Sie wirkte gehetzt, während sie zwei Kühlpakete in den Händen trug. Sie kam auf sie zu und nickte Ginny entgegen.
„Hi, geht's dir gut?", erkundigte sich Ginny.
Hermine schaffte es, zu lächlen. „Mir geht's gut. Sie haben es dir also erzählt?"
„Ja, haben sie", gab Ginny sanft zurück. „Komm, setz dich."
„Ja, sofort." Hermine betrachtete Rons zugeschwollenes Auge mit Missfallen. Sie platzierte das Kühlpaket auf der Schwellung, ohne besonders liebevoll zu sein. Draco konnte nicht hören, was die Freunde besprachen, denn sie flüsterten, aber er vernahm das Wort Idiot und danach Rons Seufzen.
„Aua! Vorsichtig", zischte er Hermine zu. Er sah zu Draco während dieser nicht sanften Tortur auf. Draco gefiel es, dass der andere seinem Blick nicht lange standhalten konnte.
Er sah sie weiterhin an, und seine Augen verengten sich, während er Hermines Hand betrachtete, die über Rons lag, um das Kühlpaket in Position zu halten. Sie sah auf ihn hinab, wie eine entnervte Mutterglucke. Ihre Haare hatte sie nicht zusammen gebunden, und die dichte, schokoladenfarbige Lockenmasse fiel wellig nach vorne über ihre Schlutern, berührte Rons Stirn, und er machte keine Anstalten zurückzuweichen, während sie sich um ihn kümmerte.
Es war nicht völlig abwegig, dass Draco Eifersucht spürte. Granger und Weasley hatten eine Vergangenheit. Vergangenheit war ein dehnbarer Begriff. Dennoch konnte er das ungute Gefühl nicht abschütteln.
Dracos Gedanke verflüchtigten sich jedoch, als sie schließlich fertig war, und ihren Weg fortsetzte. Direkt zu ihm.
Sie setzte sich neben ihn, ergriff seine linke Hand, legte sie in ihren Schoß und platzierte das zweite Kühlpaket auf seinen roten Knöcheln. Er bemerkte, wie er bestimmt eine Minute auf ihre schmale Hand hinunterblickte, die seine Finger umschlossen hielt.
„Wie geht es dir?", sagte er eilig, fast rau. Er wusste nicht, woher diese Frage gekommen war. Er hatte es ich gefragt und hatte es dann plötzlich laut geäußert.
Hermine warf ihm einen prüfenden Blick zu. Ihre Augen verheimlichten ihm nichts. Sie war lächerlich leicht zu lesen. „Ich sollte dir diese Frage stellen. Hast du genug geschlafen?", flüsterte sie und strich mit dem Daumen über seine Knöchel.
„Ja", log er.
Ron, Ginny und Harry starrten sie beide praktisch an. Ron und Harry wirkten vollkommen perplex, Ginny eher nachdenklich.
Hermine bewegte sich auf ihrem Platz, unangenehm berührt, denn ihr fiel jetzt erst ihr Publikum wieder ein. „Was soll das heißen, ich soll im Grimmauld Platz bleiben?"
„Malfoy glaubt, du wärst dort sicherer. Oder im Fuchsbau", fügte Harry hinzu. „Und ich stimme mit ihm überein", ergänzte er, als er ihren Schmollmund bemerkte.
„Das ist ungünstig", erwiderte Hermine in ihrem Schulsprecher-Tonfall. „Ich werde euch beide besuchen, aber es steht nicht zur Debatte, dass ich im Fuchsbau oder im Grimmauld Platz eingeschlossen werde, den ganzen sommerlang." Sie wandte sich an Draco. „Ich werde dir helfen, ob es dir gefällt oder nicht."
„Nein wirst du nicht! Du wirst dich von mir fernhalten, bis das erledigt ist!"
„Und wie lange schätzte du wird das wohl dauern?", gab sie gereizt zurück.
„Ich würde gerne mit Malfoy darüber reden, wenn es dir nichts ausmacht?", unterbrach Harry sie.
Die anderen drei sahen ihn an. „Allein. Was bedeutet ihr Weasleys und Hermine verschwindet endlich", erläuterte Harry streng.
Ginny hatte verstanden. Sie schlug Ron leicht zwischen die Schulterblätter und erhob sich. „Ok. Wir sind im Gemeinschaftsraum. Komm, Hermine."
Es war deutlich, dass weder Hermine noch Ron gehen wollte, aber nach einer kurzen Pause erhoben sich beide schließlich und folgten Harrys Anweisung.
Nachdem sie gegangen waren wandte sich Harry an Draco. Seine grünen Augen nachdenklich.
„Komm, Malfoy. Lass uns frische Luft schnappen."
Harry hat das tatsächlich wörtlich gemeint.
Die Schulbesen waren langsam und alt und abgegriffen an den Stielen, aber sie flogen, und das war alles, was wichtig war.
Harry fühlte sich sofort leichter, als seine Füße den Erdboden verlassen hatten. Ohne Frage ging es Malfoy ähnlich. Es war ein guter Tag, um draußen zu sein. Sie hielten ungefähr hundert Meter über der Erde inne, wo die Luft kühl und trocken war. Draco machte einen dreihundertsechzig Grad Rückwärtssalto, um die Steuerung des Besens zu lockern, denn er zuckte die gesamte Zeit.
Harry sah ihm zu. Und wenn er seine Meinung sagen müsste, dann würde er sagen, dass Malfoy gut aussah. Es war nichts, was ein heterosexueller Junge über einen anderen laut sagte, aber Harry interessierte es, was Hermine an Malfoy anziehend fand.
Je länger er darüber nachdachte, umso weniger Möglichkeiten kamen in Betracht. Abgesehen davon, dass er schon gut aussah. Seltsam, Harry hätte nie angenommen, dass Hermine die Art Mädchen war, die sich von einem hübschen Gesicht beeindrucken ließ.
Malfoys Haare waren lang, aber nicht so lang wie Rons. Aber Rons Haare konnten am besten als ungekämmt und niedlich strähnig bezeichnet werden (so wie es eine junge Bewunderin getan hatte), und Dracos Haare hingegen waren eher elegant ungebändigt. Er musste ein Vermögen für seine Friseurbesuche ausgeben.
Harry verzog den Mund. Er klang schon wie eine Schlagzeile der Hexenwoche.
Und Malfoy wusste, wie man gut in Kleidung aussah. Sei es die Quidditchuniform oder die Schulsachen. Er trug eine gelassene Zuversicht in der Art, wie er sich präsentierte. Als würde er nicht wissen, was es bedeutete, sich unwohl bei irgendwas zu fühlen, und es störte ihn auch nicht an anderen. Es störte Harry. Malfoy war zwar ein Teenager, aber ohne die lästigen Selbstzweifel.
Jetzt schwang Draco ein Bein über den Besen, so dass er ihn nicht mehr ritt, sondern lediglich die Beine baumeln ließ. Sie schwebten still in der Luft.
Es war egal, wie gut der Bastard auf einem Besen zurechtkam. Wenn es etwas gab, dass Harry ziemlich genau wusste, dann, dass er, Harry, besser war.
Die Liebe zum Quidditch jedoch würde nicht ausreichen, um eine Freundschaft darauf zu gründen. Harry war sich sicher, dass er Draco niemals würde leiden können, egal wie gern Hermine ihn mochte.
Über manche Sachen konnte nicht hinweggesehen werden.
„Danke, dass du Ron vorhin geholfen hast. Ich glaube nicht, dass er gemerkt hat, dass er sich das Gesicht an dem Tisch zerschlagen würde, bevor du ihn weggezogen hast."
Draco schnaubte auf. „Ja, das liegt vielleicht daran, dass der Tisch kein Paar Brüste besitzt."
Harry musste grinsen. Ron würde keine Unterstützung von Harry in dieser Hinsicht erhalten. „Hm, ja, also hast du das bemerkt?"
„Hast du mich raus gebeten, um über Weasleys alles andere als subtile Gestarre zu reden?"
„Denkst du darüber nach, die Menschen zu finden, die für den deiner Mutter verantwortlich sind? Ich würde gerne helfen."
„Danke, Potter. Aber ich glaube, du hast genug damit zu tun, mit Lord Volde-Fuck zu kämpfen, um deine eigene Mutter zu rächen."
Malfoys Art, immer direkt zu sein, war etwas beunruhigend. Es kostete Harry einen Moment, um sein emotionales Gleichgewicht wieder zu finden. „Wenn du es so betrachtest, sind wir hinter denselben Leuten her. Es sei denn, du denkst, in deinem Fall handelt es sich nicht um Todesser."
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass Voldemorts Leute dafür verantwortlich sind, aber das bedeutet noch lange nicht, dass wir unsere Kräfte vereinen, oder etwas ähnlich Blumiges. Ich weiß, mir wird etwas einfallen, aber bis dahin, halt Granger von mir fern."
Harry verengte die Augen. „Sie ist kein Objekt, das du ins Regal stellen kannst, wenn sie dir zu anstrengend wird, Malfoy."
Draco verzog grimmig das Gesicht. Sein Besen begann zu vibrieren, und er beruhigte ihn abwesend mit der Hand. Seine Stimme hatte sich dunkler gefärbt als er sprach. „Wenn du nichts Besseres weißt, dann verpiss dich. Ich verschwende nicht noch mehr Zeit, dir die Situation zu erklären. Sie wird mich nicht von dem ablenken, was ich tun muss."
„Oh, ich verstehe die Situation! Aber ich denke, du musst erst begreifen, was sie dir bedeutet, bevor du diese Aufgabe erledigst, denn wenn du erfolgreich bist, wirst du nicht derselbe sein, der zurückkommt. Und es wäre vielleicht hilfreich, wenn sie wüsste, wie lange sie warten muss."
„Sie muss verflucht noch mal gar nichts tun!", zischte Draco.
Etwas in Dracos Augen, ließ Harrys Blut gefrieren. Sehr plötzlich wurden Harry Dracos Beweggründe klar, denn es waren auch die seinen Beweggründe. Es ging nicht darum, wann er zurückkam. Die Frage war, ob er zurückkommen würde.
„Du glaubst nicht, dass du wiederkommen wirst, richtig?", erwiderte Harry, ohne seine plötzlich Einsicht zu verbergen.
„Dieses Gespräch ist beendet", schloss Draco und drehte den Besen herum, um zu verschwinden.
Aber Harry schoss nach vorne, um ihn aufzuhalten. „Ich weiß, was du denkst. Was zur Hölle kann ich dir schon sagen? Mein eigenes Leben ist kompliziert genug."
„Wenn du die Sache mit Alice Crowley aus Hufflepuff vergangenen Monat meinst, dann ist das eher eine Untertreibung, Potter!"
Harry spürte, wie er rot wurde. Er griff nach Dracos Besenstiel, als es danach aussah, als ob er abhauen wollte. „Hör zu, ich liebe Ginny. Aber mit ihr zusammen zu sein, würde sie einer Gefahr aussetzen, von der ich glaube, dass du sie auch nicht für Hermine willst. Und ich bin nicht aus Stein. Alice hatte weder Hoffnungen oder Erwartungen in unsere kurze Beziehung gesetzt. Es war sicher für mich, mit ihr etwas anzufangen."
„Warum erzählst du mir all das?", wollte Draco leise wissen.
„Weil ich gerade begriffen habe, dass du nicht ein komplett selbstsüchtige Bastard bist, wovon ich eigentlich ausgegangen war." Harry machte eine wirkungsvolle Pause. „Und ich glaube, das musst du auch begreifen."
Harry war sich sicher, er würde gleich beleidigt oder geschubst werden. Nichts davon passierte. Malfoy schien keine Munition für Harry parat zu haben.
„Wenn sie dir etwas bedeutet, dann halt sie von mir fern", erklärte Draco mit gerunzelter Stirn, ohne ihn anzusehen.
Und dann verschwand er.
