~ Chapter Forty-Five ~

Draco hatte Hermine hinter sich geschoben, als er bemerkt hatte, dass sich die Tür zu den Kerkern öffnete.

Kurz protestierte sie gegen diese Maßnahme, ehe sie sich fügte. Stur wie sie war, wusste sie, dass er den einzigen Zauberstab besaß, ihre einzige Verteidigung.

„Draco", flüsterte sie besorgt, als sich die Türen langsam öffneten.

„Mach dich bereit", erwiderte er, während er mit ihr nach hinten wich.

Er spürte ihre harten Atemzüge an seiner bloßen Schulter. Die schweren Türen, die sich öffneten, schoben Travers leblosen Körper in Richtung Wand und dieser hinterließ eine schmierige Blutspur.

Draco hob den Zauberstab, den Stupor auf den Lippen.

Der Spruch war dabei seinen Mund zu verlassen, als erkannte, dass es sich weder um Blaise noch Bellatrix – oder noch schlimmer, um Voldemort – handelte, sondern um Goyle. Hinter ihm war Tonks, die ebenfalls wirkte, als würde sie nur zu ungerne am Rand warten und zusehen, wie Hermine hinter ihm.

„MERLIN SEI DANK!" Tonks stieß Goyle praktisch aus dem Weg, um Hermine zu umarmen, aber sie hielt sich selber auf, als sie die Menge an Blut registrierte, di auf Hermines Sachen klebte.

„Nicht meins", informierte Hermine sie hastig, als sie Tonks umarmte. „Mir geht es gut, dank Draco."

Tonks zog sich zurück, um Draco verblüfft anzusehen. „Cousin, die Rettung ist dein Werk?"

Draco starrte Goyle praktisch zornig an. „Nicht am Anfang, aber jetzt ist sie es."

„Und das ist aber dein Blut, nehme ich an." Tonks hob die Hand, um Dracos Platzwunde zu inspizieren.

Er duckt sich, um ihrer Hand auszuweichen. „Unglücklicherweise ja."

„Er muss behandelt werden", sagte Hermine plötzlich dringender. Ihre Augen wirkten besonders groß in ihrem bleichen Gesicht.

Goyle räusperte sich. „Ahem. Sorry, dass ich die glückliche Vereinigung unterbreche, aber die Rettungsaktion ist noch nicht ganz beendet. Ihr drei müsst gehen." Er sah Tonks ins Gesicht, ohne Erbarmen. „Jetzt."

Draco sah ihn finster an. „Das wären drei, du Arsch. Du kommst mit."

Tonks atmete aus. „Erspar dir das. Ich hab es schon versucht. Er will nicht mit."

„Hast du den Verstand verloren, Greg?", fragte Draco. Der Ausdruck auf seinem Gesicht sagte deutlich, dass er genau das annahm.

Goyle wurde rot. „Geht endlich. Es gibt keine Diskussion. Ich weiß, was ich tue, ok?"

„Es ist wegen Pansy, oder nicht?" Draco lachte bitter. „Aus allen idiotischen, bescheuerten Gründen, Todesser zu werden! Ausgerechnet! Du machst dir Illusionen, mein Freund."

Es war fast ein Spektakel Goyle ausrasten zu sehen. Trotz seiner Größe war nicht gewalttätig, es sei denn man legte es wirklich darauf an. Hermine hatte es natürlich schon einmal gesehen, aber nur nach Quidditchspielern in erhitzten Diskussionen mit fremden Spielern. Niemals gegenüber Draco. Nicht ein Mal. Er bewegte sich erstaunlich schnell für einen so großen Menschen, oder vielleicht lag es daran, dass Draco sich nicht bewegte. Draco wurde gegen die Wand gedrückt, und Goyle schob seinen Unterarm gegen Dracos Kinn. Beide Jungen beäugten sich gleichermaßen feindselig.

„Ganz ruhig", warnte Tonks jetzt, aber sie rührte sich nicht, um die Szene zu unterbinden und hielt Hermine am Arm fest, als diese vortreten wollte.

„Und was, wenn ich es alles für Pansy mache? Sag mir, auf was ich mich nach Hogwarts freuen soll, Draco. Kein Geld, keine Verbindungen, keine Aussichten. Keine Zukunft."

Nimm deine Hände von mir." Dracos Stimme war gefährlich ruhig. „Ich bin wegen dir hier, du undankbarer Bastard."

Irgendetwas flackerte in Goyles dunklen Augen. Der Zorn verließ ihn und zurückblieb ein unsicherer junger Mann. „Ich danke dir. Es war dumm von dir, aber trotzdem danke." Er ließ Draco los und wandte sich zu Tonks und Hermine um. „Wenn ihr mir jetzt erlauben würdet, diese gute Tat ebenfalls zu erweisen, dann bringe ich euch jetzt sicher nach Hause."

Goyle führte sie zurück zu den Treppen. Draco lehnte Goyles Hilfe ab, auch wenn er mit dem Laufen Probleme hatte. Jedoch hielt er Hermines Hand fest in seiner, Goyle befahl ihnen, am Fuße der Treppe zu warten, während er nach oben verschwand, um zu sehen, ob die Luft rein war.

„Wer zur Hölle ist der Kopf hinter dieser Sache?", wollte Tonks wissen.

Draco antwortete. „Blaise Zabini. Er ist der rekrutierende Todesser. Der kleine Wichser ist außerdem ein Metamorphmagus."

Tonks unterdrückte ihr Erstaunen nicht. „Zabini? Das hätte ich nie gedacht!"

„Ich glaube, das war auch der Plan."

Jetzt wandte sich Tonks an Hermine. „Was zur Hölle tust du hier? Bist du mit Malfoy gekommen?"

Hermine schüttelte den Kopf. „Blaise hat mich hergebracht." Sie betrachtete dann ihren Ehemann.

„Falls du sagen willst, dass ich mein Versprechen gebrochen habe, dann tu es nicht. Das hatte nicht mit meiner Mutter zu tun. Ich bin hier wegen Goyle, ok?", sagte Draco.

„Du bist hier auf einer Mission, ohne es mir zu sagen. Es macht also kaum einen Unterschied!"

„Es macht jeden Unterschied", zischte er zornig.

Hermine fragte sich kurz, wann beide ihre Hände den Weg zu ihren Hüften gefunden hatten. „Spiel nicht dumm, Malfoy. Es steht dir nicht."

„Im Gegensatz zu: von Geburt an dumm zu sein? Oh, ich weiß. Für das Wiesel wirkt es Wunder."

Tonks sah beide nachdenklich an. „Ihr beiden seid schlimmer als Lupin und Snape. Und Draco, was, um Himmels Willen, ist mit deiner Mutter?"

„Sie ist tot, das ist mit ihr. Blaise hat sie vor drei Monaten umgebracht, auf Befehl von Bellatrix Lestrange." Dracos Stimme klang emotionslos.

„Nein", entfuhr es Tonks. „Das kann nicht sein."

„Sicher kann es das", entgegnete Draco glatt. „Du kennst unsere Familien, oder nicht?"

„Also ist Blaise an allem schuld", schloss Hermine grimmig. Der kluge aufmerksame Junge, mit dem sie befreundet gewesen war, war ausgelöscht. Es hatte ihn nie gegeben. Sie holte tief Luft und sah zu Tonks. „Wir müssen dem Ministerium Bescheid geben, bevor er für immer verschwindet."

Der Rest der Unterhaltung wurde durch Goyles Erscheinen verschoben. „Die Luft ist rein! Kommt schnell!"

Tonks ging als erste, blieb aber stehen, den Draco hatte Probleme, sein verletztes Bein zu heben. Der Schmerz zeigte sich deutlich auf seinem Gesicht, als er sich am Geländer festhalten musste. Es wackelte gefährlich unter seinem Gewicht, und sie befürchteten fast, dass es komplett einstürzen würde.

„Verdammt", sagte er und schloss die Augen. Seine Stimme klang gepresst. Sein rechtes Hosenbein war in Blut getränkt. „Granger, gib mir eine Minute. Geht schon mal vor."

Hermine fühlte sich sofort schlecht dafür, dass sie noch eine Minute vorher mit ihm gestritten hatte. Sie sah Tonks hilflos an. „Können wir nicht irgendetwas tun?"

Goyle stand immer noch oben am Treppenabsatz. „Wir müssen jetzt weiter!"

Tonks entschied sich jetzt. Sie griff nach Dracos Arm und legte ihn sich um die Schultern und während Tonks zog und Hermine schob, hievten sie Draco die Treppe nach oben.

„Gib mir das", befahl Tonks und nahm Draco den Zauberstab ab. Sie schnitt ein Stück Stoff ihrer Kleidung ab.

„Ich könnte einen Zauber anwenden, der dein Bein öffnet, reinigt und näht, aber dein Bein wird für zehn Minuten nicht zu gebrauchen sein, je nachdem wie tief die Wunde ist."

Draco biss die Zähne fest zusammen, während Tonks sein Bein verband. „Mach es später."

„Bevor oder nachdem du verblutet bist?", wollte Tonks trocken von ihm wissen.

„Versteckt euch, es kommt jemand", sagte Goyle plötzlich. Die vier wichen flach gegen die Wand zurück, versteckt vom Schatten der Treppe. Schnelle Schritte näherten sich. Sie kamen näher. Sie hatten keine Zeit, sich besser zu verstecken. Tonks kauerte sich zu Goyles Füßen und Draco zog Hermine an seine Brust. Sie war warm und zitterte und war Merlin sei Dank am Leben. Sie so nahe zu halten wirkte beinahe Wunder. Ein Seufzer der Erleichterung verließ seine Lungen, und seine Hand fiel von ihrer Hüfte, um ihren Po leicht zu drücken.

Hermine schnappte leise nach Luft und ihre Augen schossen hoch zu seinem Gesicht in der Dunkelheit. Nur Draco würde es halbtot noch schaffen, sie tatsächlich so zu berühren.

„Du hast einen Schatten, das weiß du?"

Er schaffte es, schwach zu lächeln. „Erst seit ich dich geheiratet habe."

Hermine sah runter auf Tonks, die einen Finger auf die Lippen gelegt hatte. Tonks hob den Zauberstab und führte stumm einen Zauber aus. Hermine brauchte eine Sekunde, ehe sie begriff, dass sie nun von einem Desillusionierungszauber verdeckt wurden. Es fühlte sich an, wie eine warme Wolke. Wenn sie zu Draco auf sah, erkannte sie verschwommen die Wand durch sein Gesicht. Keiner von ihnen bewegte sich.

Wer auch immer so in Eile war, stürmte die Treppe nach oben, ohne sie zu bemerken.

Goyle wartete noch einen Moment, ehe er aus der Desillusionierung hervortrat. Der Zauber verpuffte augenblicklich.

„Nett", sagte er zu Tonks.

„Verblüffend, was einem die Auroren Akademie alles beibringen kann, nicht wahr?", erwiderte sie trocken. Der Witz ging an ihm vorbei.

„Im Westen ist der Ausgang", sagte er und zeigte in die Richtung. „Bleibt bei den Bäumen, wenn ihr erst raus seid."

Die Geräusche draußen wurden immer lauter. Es klang, als wäre eine Schlacht im Gange. Laute Geräusche und Schreie und Explosionen drangen an ihre Ohren. Die Rettung endete hier.

„Was passiert heute hier?", fragte Draco Goyle mit neuem Interesse. „Ich meine, warum kommt Bellatrix überhaupt?"

Beide Freunde sahen sich ernst an. „Aus demselben Grund, aus dem ich gekommen bin. Bellatrix bewertet die Rekrutierten."

„Die Rekruten? Sie sind jetzt alle hier?"

Goyle zögerte, ehe er nickte. „Ja. In diesem Stockwerk."

Dracos schöne Augen wurden schmal. „Zeig sie mir."

Hermine schüttelte den Kopf. „Wir haben keine Zeit dafür." Sie sah Tonks an. Unglücklicherweise kam Tonks ihr nicht zu Hilfe.

Sie hatte einen ähnlichen Blick wie Draco in den Augen. „Tut mir leid, Hermine, aber ehrlich gesagt will ich sehen, wen Voldemort für würdig erachtet, den Krieg für ihn zu gewinnen. Geh vor", sagte sie zu Goyle, aber es war mehr ein Befehl, als eine Bitte. „Schnell!"

Goyle gehorchte mit einem gequälten Blick. Hermine hatte keine Wahl, als zu folgen.

Der Raum, um den es ging, war der dritte auf ihrem Weg und er war nicht verschlossen. Sie wunderte sich, warum die jungen Männer dort blieben, aber Goyle beantwortete diese Frage.

„Ihre Zauberstäbe wurden ihnen abgenommen", erklärte er, ohne sein Missfallen zu verbergen. Hätte er nicht längst Blaises Vertrauen gewonnen, wäre er ebenfalls gezwungen gewesen, in dem Zimmer auf Bellatrix zu warten. Egal, was der Grund war, gezwungen zu sein, seinen Zauberstab aufzugeben, war nie ein gutes Zeichen. Es bedeutete, dass Leute einem misstrauten oder dass Voldemort Menschen gerne in Furcht versetzte.

„Dumm und hilflos", erkannte Draco kopfschüttelnd. „Bellatrix wird sich freuen."

Draco bedeutete den anderen, zu warten. Hermine sah ihm missbilligend zu, als er Tonks den Zauberstab abnahm und die Tür magisch öffnete. Die anderen konnten nicht sehen, was Draco sah, aber sie wurden Zeugen einer bemerkenswerten Verwandlung. Sein Ausdruck wurde kälter, arroganter, und mit seinem gesunden Fuß trat er die Tür auf.

Hermine machte einen Schritt nach vorne, aber mit nur einem Blick hielt Draco sie zurück.

Acht junge Männer befanden sich in dem Raum, alle in Todesser-Farben gekleidet, anscheinend selber ausgesucht. Draco nahm an, das war ihr Enthusiasmus.

Vier oder fünf sahen nach Durmstrang-Schülern aus, wo man, wenn man nicht den richtigen Weg zu den Toiletten fand, Gefahr lief vom Hausmeister sechs Monate später erfroren in einem verhexten Besenschrank gefunden zu werden. Die Jungen waren still.

Zwei weitere wirkten besorgt über die Geräusche draußen und sprachen in hastigem Französisch miteinander, als Draco die Tür aufgestoßen hatte.

„Bien le bonjour", erklärte Draco glatt. Hermine, Tonks und Goyle sahen ihm zu. Goyle sah so aus, als ob er gleich panisch werden würde, während Tonks ruhig wartete.

Im Raum schienen die Jungen Dracos blutige Erscheinung mit Schrecken wahrzunehmen. Einer der Beauxbatons-Jungen, großer und orange-haarig, war aufgestanden. Er war misstrauisch und unerschrocken, wahrscheinlich der unverkündete Anführer der Gruppe hier.

„ Excusez-moi...qui ętes-vous?" fragte er und runzelte das hübsche Gesicht.

„ Draco Malfoy, ŕ votre service", antwortete Draco mit einer leichten Verbeugung. Wahrscheinlich wäre er ohnmächtig geworden von dieser Geste, würde er sich nicht mit einer Hand an der Tür festhalten.

Die Augen des Jungen wurden größer. Er wandte sich an seine Kameraden, ehe er wieder zu Draco sprach. „Malfoy! Alors vous ętes probablement, vous aussi, un nouvel adhérent ici?"

Dracos Antwort war ein böses, freudloses Grinsen, ganz nach Malfoy-Manie. Es war nett, erkannt zu werden. „Nicht in deinem Leben, du gälischer Wichser."

Niemand im Zimmer hatte seine Worte verstanden, aber ein Durmstrang-Junge hatte die Finte schneller gerochen als die anderen. Er versuchte, zur Tür zu rennen.

„Willkommen in England", endete Draco. Und damit warf er die Tür zurück ins Schloss und verschloss sie von außen. Ein scharfer Schmerz schoss durch sein Bein.

Auf der anderen Seite der Tür schlugen die Jungen zornig gegen das Holz. Goyle sah fast erleichtert aus, als er Dracos Arm um seine Schultern legte, um ihn zu stützen. Draco gestattete es ihm. „Eigentlich sind wir in Wales."

„Gut zu wissen", zwang sich Draco zu erwidern. Er wandte sich an Tonks. „Ein Geschenk für Moody, wenn er die Festung stürmen wird."

Tonks grinste. „Oh, er wird es lieben."

„Einige europäische Dörfer werden ihre Idioten vermissen, aber sie werden es wohl überleben."

Hermine stöhnte gereizt auf. Vielleicht fehlte ihr dieses Gen, um Gefahr zu lieben, aber langsam wurde es albern. „Schön, wir haben sie eingesperrt. Können wir jetzt gehen?"

Ein Fluch schoss nur Zentimeter über ihre Köpfe hinweg. Harry wusste es, denn es streifte seinen Kopf. Er fiel zurück und fuhr mit einer Hand über seine Haare.

„Was zur-" sagte er, als er ein Büschel steife Haare spürte, wo eigentlich ein Stück seines Schädels fehlen sollte. Oder noch schlimmer. Ein Teil seiner Haare stach hoch. Nicht, dass das etwas Neues war. Es war mehr die Tatsache, dass es nun mit Absicht zu verhext worden war.

„Alles klar?", rief Ron eilig aus.

Hary blinzelte und stach mit dem Finger in das steife Haar. „Jahh."

„Dann mach weiter! Moody hat gesagt, dass wir keine Pause machen sollen!"

Harry sah ihn perplex an. „Ron, wann hast du das letzte Mal einen Todesser zu Gesicht bekommen, der in einem Todeskampf den Petrificus angewandt hat?"

Ron starrte auf Harrys vertikalen Pony. „Äh…"

„Halt die Stellung hier", sagte Harry nach einem Moment.

„Was tust du? Komm zurück!", zischte Ron, aber Harry war an Ron vorbeigekrochen, durch die Büsche n den Bäumen vorbei. Er hockte sich hin und betrachtete den freien Raum, der sie von ihren Feinden trennte. Es war immer noch dunkel. Die Sonne würde erst in einer Stunde aufgehen.

Harry legte die Hände um seinen Mund. „OY!", rief er laut. Das Geräusch wurde über das Feld getragen. Einige Vögel stiegen erschrocken in die Luft. Man sah sie nicht, aber man hörte die Flügelschläge.

Die Geräusche der Flüche verstummten plötzlich.

„HARRY?", schrillte es als Antwort, keine zehn Sekunden später.

Harry war aus seinem Versteck aufgesprungen. Er würde diese Stimme überall erkennen. „Hermine!"

Auch sie hatte sich erhoben. Sie hielt den Zauberstab immer noch fest in der Hand. Ihre Schritte wurden schneller als sie ihn erkannte. Sie warf sich in seine Arme mit so viel Kraft, dass er einen Schritt zurückmacht, um nicht zu fallen.

Harry umarmte sie fest und lachte. „Nett, dich hier zu sehen! Ich dachte, wir-" Alle Freude fiel von ihm ab, als er ihre blutige Erscheinung wahrnahm. Sein Mund öffnete sich stumm.

„Mir geht's gut, Harry", unterbrach sie ihn hastig, mit einem Lächeln. „Ein bisschen zittrig, aber ansonsten ist alles gut."

Er war nicht vollkommen überzeugt, aber er fragte nicht weiter. „Mit wem bist du hier?"

„DU wirst schon sehen!", rief sie aus. „Oh Harry! Ich kann nicht fassen, dass du hier bist!"

„Und wo sonst wäre ich, wenn nicht auf irgendeiner gefährlichen Rettungsmission?"

„Hallo? Ich bin auf derselben Mission." Es war Ron. Er war hinter Harry zum Stehen gekommen. Er sah froh aus, aber missmutig. Hermine wollte ihn umarmen, aber Ron bedeutete ihr, dass Harry wohl noch nicht fertig war.

„Natürlich seid ihr beide blöd, dass ihr hier seid, aber ich hatte nichts anderes erwartet", erklärte sie atemlos.

„Das ist deine Dankbarkeit", sagte Ron schroff. Seine Augen wurden groß, als Tonks neben ihnen apparierte.

„TONKS!"

Tonks klopfte sich den Umhang sauber. „Ihr beiden habt also auf uns gefeuert?", wollte sie freundlich wissen. „Weasley, das war wohl das freundlichste Feindliche Feuer, dass ich jemals erlebt habe."

Ron und Harry waren begeistert, sie zu sehen. Harry klopfte ihr hart auf die Schulter. „Sie, Fräulein Aurorin, sind anscheinend unzerstörbar."

Sie zwinkerte ihm zu. „Es scheint so. Wo ist Moody und der Rest? Und wo ist Remus, verdammt! Er wird von mir richtig Ärger bekommen, wenn er es gewagt hat, Zuhause zu bleiben!"

„Sie sind drinen. Alle."

„Moody hat euch beide hier alleine draußen gelassen?", wollte Hermine ungläubig wissen.

Harry missverstand die Frage. „Ja, kannst du das glauben?"

Hermine tätschelte seinen Arm. „Er wird schon seine Gründe gehabt haben."

„Was für Gründe? Nach dem ganzen Ärger, den wir hatten, überhaupt mitgenommen zu werden, müssen wir auch noch draußen bleiben? Ich wusste, es würde ein bescheuerte Job sein, auf alles zu fluchen, was die Festung verlässt, bis ihr beiden aufgetaucht seid", sagte Harry.

„Wir drei", korrigierte sie ihn.

„Harry, es war ein bescheuerter Job, denn anscheinend hat niemand außer den beiden die Festung verlassen."

„Außer uns dreien", wiederholte Hermine.

„Drei was?", fragte Ron, und dann verlor sein Gesicht die Freude. „Hermine! Ist… ist das Blut?"

Harry unterband die Antwort und riss den Zauberstab in die Höhe. „ZURÜCK!"

Draco war der Grund der neuen Panik. Er war auf dem Weg zu ihnen.

„Wirst du fluchen, ehe ich in Position bin, Potter?", schnarrte Dracos Stimme. Sein Bein stand in einem seltsamen Winkel ab, und selbst in der Dunkelheit erkannte Harry, dass seine Hautfarbe noch blasser wirkte als sonst.

Harrys Hand zuckte.

„Harry, nicht!" Hermine griff nach seinem Handgelenk. Es war als hing sie von einem Klettergerüst, er bewegte sich nicht. Sie wartete bis er sie wieder ansah, ehe sie sprach. „Er gehört zu uns", sagte sie eindringlich.

„Was?"

„Er hat einen Todesser für mich getötet", fügte sie snafter hinzu, mit Augen, die dunkler waren als bloßes Braun.

„Es stimmt, Hary", bestätigte Tonks. Sie legte einen Zeigefinger auf Harrys Zauberstab und drückte ihn runter. „Er ist nett. Wir können ihn mit nach Hause nehmen und behalten."

Tatsächlich war Ron schneller bereit, es zu glauben als Harry. Er lief eilig zu Draco, um ihm seinen Arm anzubieten. Für seine Geste bekam er ein Grinsen und Draco schlug seinen Arm zur Seite.

„Wow", rief Hary aus, die Augen groß, während er Draco von Kopf bis Fuß musterte. „Du siehst aus, als hätte die Hölle dich wieder ausgespukt, mein Freund."

„Gut, dich auch zu sehen, Potter", knurrte Draco. Er humpelte zum nächsten Baum und lehne sich dagegen.

„Wir müssen ihn in den Krankenflügel bringen oder ins Mungo, um sein Bein zu behandeln", sagte Hermine jetzt atemlos.

Harry drückte ihre Hand zuversichtlich und bemerkte, dass Draco diese Geste grimmig registrierte. „Nehmt Tonks mit. Ron und ich bleiben. Moody hat uns diese Aufgabe gegeben. Egal wie blöd sie sein mag, wir werden sie beenden."

„Mir war klar, dass ihr bleibt", sagte Hermine. „Ich habe dich auch nicht darauf angesprochen, mitzukommen."

Harry sah sie an. „Hermine, du wirst immer frecher."

„Es ist mein innerer Draco." Hermine schenkte ihm ein Lächeln. „Pass auf Ron auf."

„Ja", bestätigte Harry und dachte an Rons ehemalige weiße Turnschuhe. „Er braucht es auch."

„Halt die Klappe, ich kann dich hören", murrte Ron.

Tonks verdrehte die Augen. „Als ob ich euch beide allein lassen würde", erklärte sie. „Ich bleibe. Wenn auch nur, um Moody zu sagen, dass ich durch Lucius Malfoy befreit wurde."

„WAS?", stieß Ron aus.

Tonks tauschte einen kurzen Blick mit Draco. Sie wusste über Lucius Flucht und die Rettung seines Sohnes Bescheid. Wegen Goyles Sicherheit verloren sie kein Wort über seine Hilfe. Sie schoben es alles auf den mysteriösen Lucius.

Hermine teilte diese Ansicht nicht, aber wenn es bedeutete, Goyles Leben in Gefahr zu bringen, würde sie sich fügen. „Vier Dinge solltet ihr wissen", sagte sie geschäftig. Sie flocht ihre Haare lose in einen Zopf.

„Falls eines dieser Dinge ist, dass Bellatrix Lestrange hier ist, streich es von der List", sagte Harry.

„Ok. Blaise Zabini ist der rekrutierende Todesser für Hogwarts. Er hat mich hergebracht. In der Festung ist ein Zimmer voller zorniger Anwärter, die wir eingeschlossen haben und ja, Lucius Malfoy ist verantwortlich dafür, dass wir einen Zauberstab hatten." Das war auf jeden Fall die Wahrheit. Sie hob den Zauberstab. „Er ist frei und wahrscheinlich bereits hundert Meilen von hier entfernt. Könnt ihr Moody das alles sagen, wenn ihr ihn seht?"

Ein Muskel zuckte in Harrys Kiefer. Hinter seiner Brille erkannte sie seinen verrückten Blick. „Zabini, sagst du?"

„Ja."

„Und Lucius Malfoy ist frei?" Ron schien noch immer Schwierigkeiten mit dieser Information zu haben.

„Er war derjenige, der Draco befreit und ihm den Zauberstab gegeben hat. Es war außerdem eine Ablenkung geplant."

Ron hob den Blick. „Die Explosion!"

„Die Ablenkung deines Vaters muss wirklich ablenkend gewesen sein", bestätigte Tonks trocken. „Wir sind wohl die einzigen hier draußen."

Ron nickte. Er deutete auf eine große graue Rauchwolke, die aus dem östlichen Bereich der Festung stieg. „Die Explosion hat diesen Teil des Gebäudes in die Luft gesprengt", erklärte er. „Moody hat den Rest des Teams durch das Loch in der Wand geschickt. Und er hat uns beauftragt auf jeden zu fluchen, der das Gebäude Richtung Westen verlässt."

„Das wären dann wohl wir", erwiderte Tonks lächelnd.

„Wo ist der andere Auror? Waren nicht zwei von euch verschwunden?", fragte Ron. Sein Ton hatte etwas Vorsichtiges angenommen.

Tonks Lächeln verschwand. Sie legte ihren Handrücken gegen ihre Stirn, und hob mit Bedauern den Blick. „Bligh ist tot."

„Durch wen?", fragte Harry.

„Es ist in Hogwarts passiert. Ein Portschlüssel hat ihn wohl an einen fiesen Ort geschickt, nehme ich an." Tonks dehnte die Finger ihrer rechten Hand. „Was würde ich für meinen Zauberstab geben…"

„Ihr zwei verschwindet besser", sagte Harry zu Draco und Hermine. „Wir sehen euch später."

„Pass auf dich auf, Harry."

„Geht schon", erwiderte er mit einem schiefen Lächeln, und winkte Hermine zu. Dann wandte er sich Draco zu, die Stimme gesenkt. „Wenn ihr irgendwas passiert, bist du tot."

Draco hatte darauf keine schlagfertige Antwort parat. „Immerhin sind wir darüber einig."