~ Chapter Forty-Six ~
„Wie kommen wir zurück?", fragte Hermine. Draco ging vor durch das Dickicht. Verletzt und erschöpft bewegte er sich immer noch leiser als sie. Hermine fühlte sich wie ein verlorener, taumelnder Elefant. Nachtwanderungen waren definitiv nicht ihr Ding. Zweimal hatte sie sich schon selber ins Gesicht gepeitscht, mit tieferhängenden Ästen, die sie übersehen hatte. Sie hoffte inständig, dass nichts, was mit ihrem Gesicht in Berührung kam, so etwas war wie giftiger Efeu. Sie konnten kaum sehen, wohin sie gingen.
„Das lösen wir, wenn wir Apparieren müssen", erwiderte Draco.
„Nur wenn da kein Apparier-Schutz ist."
Er hielt einen Ast für sie zurück. „Vielleicht, aber den haben wir bestimmt schon hinter uns gelassen."
Hermine fasste ihn am Ellbogen, um ihn aufzuhalten. Sie musterte ihn skeptisch, als er sich ihr zuwandte. „Malfoy, ich mein es nicht böse, aber wenn wir zusammen apparieren, kommen wir am Ende an der Hüfte zusammengefügt wieder raus. Du wirst es nicht schaffen können."
Sein Mundwinkel hob sich. „Dann sitzt du wirklich mit mir fest."
„Ich mache keine Witze!"
„Ich weiß", sagte er, tatsächlich sehr ernst. „Du hast ja auch keinen Humor."
„Draco, wir haben bloß einen Zauberstab. Wenn es keinen Portschlüssel zurückgibt, warten wir besser auf die anderen Auroren."
„Es wird einen Portschlüssel zurück zum Verbotenen Wald geben", versicherte er. „Und den werden wir auch finden."
Finden? Sie konnte kaum ihn ausmachen, ganz zu schweigen vom Rest des Waldes.
„Kamst du hierher, als du hier gelandet bist?"
Kurz dachte er nach, ehe er antwortete. „Ja, ich denke schon. Diese Bäume kommen mir bekannt vor."
Hermine betrachtete die Bäume. Natürlich kamen sie ihm bekannt vor. Sie sahen genauso aus wie die letzten dreihundert Bäume, die sie in den zwanzig Minuten passiert hatten. Draco schien zu glauben, dass sie in die richtige Richtung gingen, denn er wurde schneller. Selbst Hermine konnte sehen, dass die toten Blätter hier zu einem Pfad zertrampelt worden waren. Dieser Bereich wurde offensichtlich ständig genutzt.
Draco beschritt einen großen Halbkreis, humpelte jedoch immer noch, und nickte sich selbst zu.
Hermine war dankbar, nach Luft schnappen zu können. Sie sah ihm zu und dachte, dass die ganze Schuld an dieser Sache leicht der Liebe zugeschoben werden konnte. Blaise, Draco, Goyle, Pansy. Mit Harry und Ginny als dem eher neuen, unterstützenden Pärchen. Hermine wollte sie aber nicht als Vorbild sehen. Sich selber zu viel zu verweigern war schlecht für die Seele.
Wenn sonst nichts, hatte sie Fida Mia jedoch davon überzeugt.
Wer hätte gedacht, dass zu lieben bedeutete, alles in seinem Leben verlieren zu können, jede Sekunde am Tag? Wie konnte das etwas Gutes sein?
Es war surreal. Nein, es war unsurreal. Zu denken, all das war nur passiert, weil sie Dracos langsamem, herablassendem Lächeln nachgegeben hatte, in der Nacht der Abschlussfeier. Es fühlte sich an, als wäre es Jahrhunderte her.
Sie sah ihm zu und dachte, dass es ungefähr eine Millionen Dinge gab, die sie mit ihm machen wollte, ihm zeigen wollte, wenn sie erst einmal in Sicherheit waren. Das war eine unmögliche Aufgabe, oder nicht? In Sicherheit zu sein? Es erfüllt sie mit glücklicher, Schmetterlinge-im-Bauch erwartender Ungeduld, wenn sie an die vielen Dinge dachte, über die sie gemeinsam lachen könnten. Streite. Viele Streite. Sex haben. Auch das vielfach. Jemanden zu haben, der dir seine Jacke um die Schultern legt, ohne dass du sagen must, dass dir kalt ist, denn sie findet den Weg zu deinen Schultern sowieso, weil er es weiß.
„Das ist es, ich bin mir sicher!", sagte er plötzlich. „Das ist, wo wir gelandet sind. Hier muss irgendwo das Portal sein." Er beäugte einen moosigen Stein mit mehr Interesse, danach einen gefallenen Ast. Hermine hatte noch nie jemanden so aufgeregt beim Anblick eines hohlen Baumstumpfs gesehen.
Sie musste ein wenig außer sich aussehen, denn er sprach mit ihr. „Granger? Geht's dir gut?"
Ihr Lächeln war schwach, aber sie hätte es nicht gewusst, wenn es ihr niemand sagte. Plötzlich war ihr kalt. Der Anblick von Travers schlaffen, offenem Mund und seinem blutverschmierten Körper tanzte vor ihren Augen, wie eine Marionette aus einem Albtraum.
„Wir sind fast Zuhause", versicherte ihr Draco. Er hatte so eine wunderschöne Stimme. Hermine fragte sich, wie sie es nie hatte bemerken können. Es beruhigte ihren Schock. Er humpelte zu ihr und drückte ihre Hand. Ihr fiel auf, dass ihre Finger kalt waren wie Eis.
„Der Gryffindor-Mut verlässt dich nicht gerade, oder?", fragte er, mit einem leisen Lächeln. Sein falsches Lächeln sah besser aus als ihres, aber sie wusste immer noch, dass er sich Sorgen um sie machte.
Sie schüttelte den Kopf.
„Gut."
Er klopfte gegen verschiedene Dinge in ihrer Umgebung. Er hielt noch immer ihre Hand, Hermine bereitete sich vor auf die Sensationen in ihrem Körper, die reisen mit Portschlüsseln jedes Mal hervorriefen, aber nichts passierte. Mit dem Fuß berührte er den Baumstamm, dann die Steine daneben, dann den toten Baumstumpf.
Immer noch nichts.
„Malfoy, wenn wir diesen Portschlüssel nicht finden, solltest du vor mir zum Mungo apparieren. Ich kann zurück und Harry und Ron finden", schlug sie vor.
„Ich bin nicht kurz davor, tot umzufallen, Granger." Obwohl die Ohnmacht vielleicht nicht ganz so weit entfernt lag, dachte er bei sich. „Hör auf zu meckern und hilf mir lieber."
Etwas in der Dunkelheit fing ihren Blick, sei es auch nur, weil die Wolken am Himmel kurz aufklarten und der Rest des Mondlichts auf die Lichtung fiel. Es sah aus wie ein goldener Krawattenknopf, in die Rinde einer Eiche gedrückt. Sie begann, darauf zuzugehen.
„Draco, siehst du das? Ich glaube-"
Er machte ihr Angst, als er die Hand über ihren Mund legte und sie zurück in den Schatten zog. Sie standen zusammen unter einer gebeugten Weide, halb verdeckt durch die tiefhängenden Äste. Sie zitterte wohl stark genug, dass Draco hinter ihr ihre Oberarme rieb. Sie fühlte die Bandagen um seine Handgelenke.
„Was ist?", flüsterte sie.
„Weiß nicht", gab er zurück, und sein Atem bewegte die kurzen Haare an ihrem Ansatz. „Vielleicht nichts."
Aber es war nicht nichts. Jemand war gerade auf die Lichtung getreten. Hermine spähte durch die hängenden Blätter. Alles, was sie erkennen konnte, war eine schlanke Person n der Dunkelheit. Sie versuchte, einen Ast aus dem Weg zu drücken, um besser sehen zu können, aber Draco hielt sie auf.
Er sah besser als sie. Sie legte den Kopf in den Nacken, um ihn anzusehen. Sie nahm an, er wusste, wer es war, denn sein Blick war tödlich.
Blasie betrachtete den Boden angestrengt. Es sah aus, als versuche er die Spuren auf den Blättern zu lesen. Er seufzte laut.
„Ich kenne den Wald wie meine Westentasche. Ich kenne ihn in und auswendig."
Hermine verspannte sich, sobald sie Blaises Stimme erkannte. Sie hatten einen Zauberstab! Sie sollten ihn einfach schocken, solange sie noch die Chance dazu hatten! Draco machte aber keine Anstalten, das zu tun.
„Bist du das, Draco?", rief Blaise jetzt. „Natürlich bist du es. Du suchst den Portschlüssel zurück, nicht wahr? Das dachte ich mir. Du bist nicht blöd genug, hier zu bleiben und Held zu spielen, oder? Nicht mal, um deine süße Frau zu beeindrucken. Obwohl… vielleicht war die Rettung der Aurorin schon beeindruckend genug?"
Hermine spannte alle Muskeln an. Sie dachte an Ron, Harry und Tonks und betete, dass sie in Sicherheit waren.
„Ich weiß, ihr seid hier. Ich weiß, dass jemand hier ist. Du bist es Draco, oder? Hermine, bist du bei ihm? Bringst ihn sicher zurück nach Hogwarts? Warst du es, die diese furchtbare Sache mit Travers angestellt hat?"
Sie konnte nicht anders. Sie sah den toten Körper erneut. Ihr Gehirn war eine Qual. Draco schiene s zu merken, und begann, sie sanfter zu halten.
„Wollt ihr nicht rauskommen? Vielleicht kann ich es euch schmackhaft machen, wer ihr auch seid", fuhr Blaise fort. Seine Arme waren vor der Brust verschränkt und fast tippte er mit dem Fuß auf dem Boden. „Zeigt euch, und vielleicht sage ich euch, wo Bellatrix ist. Sie haben sich bis jetzt nicht gefunden, wisst ihr. Diese unmöglichen Leute haben die Festung gestürmt, und sie ist verschwunden wie Rauch. Aber ich weiß, wo sie ist." Er sagte die Worte in einem Sing-Sang.
Blaise hatte vielleicht den Eindruck vermittelt, dass er die volle Kontrolle hatte, aber Hermine stand auf ihren Zehen und beobachtete ihn und sah, dass er jetzt ziemlich unsicher wirkte. Seine Augen suchten nervös die Umgebung ab, um zu sehen, ob irgendjemand kam.
Hermine sprach im Flüsterton. „Er blufft. Er würde sie nie verraten."
Als hätte Blaise sie gehört, sprach er wieder. „Mein Herr wir Bellatrix für das Chaos der Mission verantwortlich machen. Und nach all der harten Arbeit und Treue seines Todessers in diesem Jahr, werde ich ihren Platz einnehmen, Draco. Komm raus, komm raus, und ich sage dir, wo sie ist. Die Frau, die den Tod deiner Mutter befohlen hat. Ich tausche es für ein letztes Lebwohl, mein Freund."
Ganz sicher fiel Draco nicht auf diesen Quatsch herein, oder?
„Bleib hier", sagte Draco zu ihr.
Hermine wandte sich in seinem Griff und sah zu ihm auf. „Was? Bist du wahnsinnig!", zischte sie. „Du überlebst keine Sekunde!"
„Dein Vertrauen in mich ist ehrlich berührend", erwiderte er, langsam gereizt.
„Er blutet nicht und leidet auch nicht an den Nachwirkungen des Cruciatus', also kann ich wohl behaupten, dass er in wesentlich besserer Verfassung ist, als du es gerade bist!"
„Sein kein Miststück", gab er zurück. „Ich werde nicht gegen ihn kämpfen. Ich werde ihn nur ablenken. Er denkt, er hat nichts mehr zu befürchten, weil er das Gebäude unbemerkt verlassen konnte, aber er liegt falsch. Geh und hol Weasley und Potter. Oder besser noch, bring echte Auroren hier her."
„Du denkst wirklich, er erzählt dir, wo Voldemorts rechte Hand ist?"
„Ja, tue ich. Und nimm den Zauberstab mit."
Sie schob ihn zurück in seine Hand. Und jetzt kochte er vor Zorn.
Er sprach durch zusammengebissene Zähne. „Granger, er wird verschwinden, wenn er mich mit einer Waffe auf ihn zukommen sieht. Lass ihn denken, ich wäre unbewaffnet und außer mir vor Rachegelüsten."
„Und? Bist du das?", fragte sie mit einem Stirnrunzeln, den dieser Gedanke kam ihr erst jetzt.
Er sah sie an, lange und hart. Die Ruhe kehrte in sein System zurück, als er seine Hand auf ihre Wange legte. „Vertraust du mir nicht?"
„Hier geht es nicht um Vertrauen, hier geht um blöde Pläne! Es wie eine alte Batman-Folge", sagte sie, mit bitterer Verurteilung. „Es ist das Vorrecht des Bösewichts, dem Helden einen bunten und lächerlich gehobenen Tod zu bescheren."
Draco schenkte ihr einen leicht ungläubigen Blick. „Batman."
Langsam wurde sie hysterisch. „Ja, verflucht, Batman!"
„Hermine, er kann mich nicht umbringen. Ich habe sein Leben gerettet, als wir Kinder waren. Es besteht eine Zauberer Schuld zwischen uns."
Das waren Neuigkeiten. Hermine starrte ihn an, mit großen besorgten Augen. Töten war nicht verletzen, und Blaise hatte bereits bewiesen, dass er mehr als willig war, Draco all den Schmerz der Welt zu verursachen. Draco war nicht Batman. Er war die Liebe ihres Lebens.
„Was wirst du tun?"
Draco zuckte die Achseln. „Ihn nerven. Anscheinend ist es, was ich am besten kann." Er schob sie zurück ins Dickicht, aber es fiel ihr schwer, ihn gehen zu lassen. Sein Tattoo war schwarz verschwommen auf der hellen Haut seines Rückens.
„Beeil dich." War das ein Hauch von Furcht in seiner Stimme? Unmöglich. Hermine zögerte.
„Nur falls er verrückter ist, als er aussieht." Er schaffte es, ein Lächeln auf seine grimmigen Züge zu zaubern.
Nur widerwillig ließ sie ihn los und sah zu, wie er aus den Bäumen trat, um dem Bösewicht der Geschichte ein letztes Mal gegenüberzutreten.
Remus Lupin nahm an, es lag an dem Schlag gegen den Kopf. Bei Kopfverletzungen war es immer schwer zu sagen.
Einmal hatte James aus Versehen einen Kricket Schläger gegen Sirius Kopf geschleudert, als sie im Gemeinschaftsraum rumgealbert hatten, und er hatte geschworen, noch Stunden später, tanzende Feen gesehen zu haben.
Lucius Malfoy war keine kleine tanzende Fee.
Und darüber hinaus hatte der Bastard gerade versucht ihn umzubringen.
Obwohl er fairerweise sagen musste, dass es nichts Persönliches war. Lucius' Absicht war wohl gewesen, den gesamten Flur voller Todessern platt zu machen, ohne gewusst zu haben, dass sich zwei Auroren in die Festung geschlichen hatten. Remus hatte den scharfen Geruch des Drachenknochen Pulvers in der Luft sofort erkannt, als sich die Tür geöffnet hatte. Der fein gemahlene Puder hatte war höchst aggressive. Nur eine Prise, korrekt gehandhabt, konnte ganz leicht eine Gliedmaße zerstören.
Wer auch immer für die Explosion verantwortlich war, hatte wohl ein ganzes Glas von diesem Zeug benutzt.
Remus sah Lucius im Moment tatsächlich nicht. Astrid war durch die Wucht der Explosion rückwärts aus dem Gebäude geworfen worden. Remus hatte währenddessen unangenehm engen Kontakt mit einer Mauer gehabt und rutschte hinab auf den Boden. Er konnte noch zwei weitere bewusstlose Kämpfer auf dem Boden entdecken. Hoffentlich Todesser. Moody beeilte sich verdammt noch mal besser.
Er neigte den Kopf, um draußen das zerstörte Gelände nach Astrid abzusuchen. Er sah, dass sie aufrecht saß, eingehüllt in Staub und pulverisiertem Gestein. Ihr Husten sagte ihm, dass sie immerhin knapp entkommen war.
Und dann, zu Remus' großer Überraschung, spazierte Lucius Malfoy praktisch aus den qualmenden Überbleibseln und stieg über ihn, mit glänzenden schwarzen Stiefeln.
Er schritt weiter, bleib dann stehen, wandte sich um starrte auf ihn hinab.
„Lupin?", sagte Lucius, fast im Plauderton.
Remus blinzelte durch den Staub zu ihm auf. Er arbeitete an einer Antwort.
Lucius war schneller. „Mein Sohn, ist er bei dir?"
„Nein", hustete er.
Seht zu, dass ihr ihn findet, bevor ihr diese Schlangengrube verlasst", sagte der ältere Malfoy. Er schritt weiter und hielt nur kurz an, um beiläufig einem bewusstlosen Todesser den Zauberstab abzunehmen.
Als Remus es endlich schaffte, auf die Füße zu kommen, war Lucius noch in Reichweite für einen Fluch.
Aber falls der ältere Malfoy auf Remus' Fluch wartete, wurde er enttäuscht. Remus verfluchte ihn nicht.
Draco wusste, wo Bellatrix sich aufhielt. Er hatte nicht betteln, bestechen oder foltern müssen, um es zu erfahren. Blaise hatte es ihm einfach gesagt. In seinen Augen standen Vergnügen und schlichte Berechnung. Die Mission war vielleicht gescheitert, aber falls eine Beförderung für ihn rausspringen sollte, würde sich Blaise auch darüber freuen, nahm Draco an. Soweit Soziopathen Freude überhaupt erfahren konnten.
Blaise war kein Idiot. Abgesehen von der impulsiven Aktion, Hermine zu kidnappen, war er eigentlich das genaue Gegenteil eines Idioten. Unglücklicherweise nützte eine Ablenkung nur, solange man jemanden ablenken konnte. Da er nun hatte, wofür er sein Genick riskierte, war er es sich nicht sicher, was er noch mit Blaise anfangen sollte.
Der Wunsch, ihn zu erwürgen, stand außer Frage, denn er hatte ja keinen Zauberstab, und ohne würde ihn die Anstrengung wahrscheinlich zur Ohnmacht zwingen. Das wäre nicht nur peinlich, sondern wohl auch fatal für ihn.
Es sei denn, Hermine kam sehr bald zurück mit Hilfe.
Draco versuchte es auf die lockere Art. „Ok", sagte er. „Danke für die Information. Wir sehen uns."
Verwunderlicherweise hatte Blaise überhaupt keine Eile. „Du planst ohne deine Frau zu verschwinden?", fragte er Draco. „Hast du sie den Auroren überlassen? Was sollte dieses fass-sie-an-und-ich-bringe-dich-um-Gerede in den Kerkern dann? War das nur Spiel?"
„Nein", sagte Draco „Aber seitdem ich weiß, was für eine schreckliche Nervensäge sie ist, habe ich meine Meinung geändert. Du kannst sie haben."
„Du hältst dich für wahnsinnig witzig, oder?", schnarrte Blaises Stimme.
„Nur in extremsten Lebens- und Todessituationen."
Draco bekam einen finsteren blick verpasst. „Wo ist Hermine, Malfoy?"
Das spielte er also. Bemerkenswert. Er war immer noch hinter dem Mädchen her. Draco wollte ihn sehr dringend umbringen. Vielleicht hätte diese ganze Tragödie abgewandt werden können, hätte Draco Blaise öfters mit ihm Goyle zum Trinken mitgenommen, damit der verdammt Idiot endlich entjungfert worden wäre.
Draco schnaubte auf. „Fick dich, du Wahnsinniger. Hol dir dein eigenes Schlammblut."
„Ausdruck, Malfoy", sagte Harry. Er erschien auf dem Weg, den Draco und Hermine zuvor gegangen waren. Hermine und Ron folgten ihm.
Überrascht wie Blaise war, war er doch noch immer schnell. Harrys Reflexe jedoch standen den seinen in nichts nach. Er warf sich zu Boden, rollte sich ab und entkam Blaises Stupor gekonnt. Ron hatte Hermine nach unten gezogen, um sie zu schützen. Der Zauberstab, den Draco ihr gegeben hatte, fiel ihr aus der Hand, und sie wäre umgekehrt, um ihn zu holen, aber Ron zog sie einfach weiter.
Ein Schwall toter Blätter stob durch die Luft.
„IMPEDIMENTIA!", schrie Harry, bevor er wieder auf die Beine kam.
Der Fluch traf Blaise direkt in die Rippen. Verblüfft fiel er zur Seite auf den Boden. Ron schoss nach vorne und trat Blaises Zauberstab hastig aus dessen Hand.
Ein keuchender Ron wandte sich dann an Draco. „Geht's dir gut, Kumpel? Hermine war sich sicher, dass wir nur noch verkohlte Asche von dir finden würden."
Draco hatte den Blick nicht von Blaise abgewandt. „Nein", sagte er. Dann schritt er zu dem gefallenen Jungen, holte mit dem unverletzten Bein aus und trat ihn mit voller Wucht in den Bauch.
„Es geht mir besser. Jetzt."
„Hat er es dir gesagt?", wollte Harry wissen. „Wo Bellatrix ist, meine ich?"
„Ja, hat er, aber ob diese Information verlässlich ist, wird sich zeigen. Wenigstens haben wir den Informanten."
Ein Grinsen zeigte sich auf Harrys Zügen. „Sieht so aus, als hätten wir den Fang des Tages gemacht. Ich bin mir sicher, Moody will ihn gerne ein paar Dinge fragen."
Ron zog einen keuchenden Blaise am Umhang zurück und lehnte sich zu dessen Ohr. „Sag gar nichts. Atme nicht mal, wenn du es vermeiden kannst. Versuch irgendetwas, und ich lasse Malfoy wesentlich schlimmere Dinge machen, als seinen teuren Wanderstiefel in deine Eingeweide zu rammen. Hast du mich verstanden? Du bist gerade nicht so mächtig, oder, Schulsprecher?"
„Ron", sagte Hermine. Sie schritt langsam zu Draco. Es waren heute genug schlimme Dinge passiert. „Können wir das bitte schnell beenden?"
„Schön. Wir bringen ihn zu Moody. Ihr beiden geht ins Mungo, wie ihr es vorhattet."
Ron schob Blaise grob in Harrys Richtung, der die Führung übernahm, und die Spitze seines Zauberstabs unter Blaises Kinn hielt.
Blaise machte einige Schritte voran, ehe er vor Dracos Gesicht innehielt. „Malfoy-"
„Ignorier ihn", rief Harry, während er Blaise den Zauberstab härter in die Haut bohrte.
„Du hattest Recht!", beharrte Blaise. „Du kannst mir nicht geben, was ich will, Draco."
„Ich hab dir gesagt, du sollst das Maul halten, Zabini!", schnappte Ron.
Draco hob die Hand. Er wollte das hören. „Und was willst du jetzt? Mich tot sehen? Aber du kannst es alleine nicht, oder? Denn das bedeutet deinen eigenen Tod, und wir wissen beide so märtyrerisch verlangt bist du nicht."
„Dich tot sehen?" Blaise lächelte. „Letztendlich, ja. Aber zuerst will ich dich leiden sehen." Er behielt das Lächeln auf den Zügen, bis er sich an Hermine wandte. Blaise hatte ein ausdrucksstarkes Gesicht. Die Aufrichtigkeit auf seinen Zügen ließ sie alle für einen Moment den Atem anhalten.
„Es tut mir so leid."
Er verstand nicht ganz, aber instinktiv griff Draco nach Hermines Arm. Sie stand bloß zwei armlängenweit von ihm entfernt.
„Harry?", schrie Ron die Warnung. Aber zu spät.
Blaise schleuderte einen kleinen Glasball. Er zerbrach an Hermines Hüfte.
