~ Chapter Forty-Seven ~
Draco musste sich nicht nach vorne werfen. Sie stand zu nah dafür. Er streckte lediglich seinen Arm nach ihr aus, obwohl er nicht wusste, was er damit bezwecken wollte. Das dumme Mädchen sah ihn nicht mal an. Sie beobachtete immer noch Blaise. So wie auch Potter und Weasley.
Draco fielen diese Details auf, denn es kam ihm vor, als würde die Zeit langsamer ablaufen (so auch seine Bewegungen). Ein primitiver Instinkt in seinem Gehirn wusste, er musste sich schneller bewegen, aber er schien in der Zeitlupe gefangen zu sein.
Blaise hatte eine Glaskugel geworfen. Das neue Licht des Sonnenaufgangs wurde vom Glas der Kugel reflektiert. Er traf Hermines Hüfte und zerbrach augenblicklich. Dicke, dunkle, qualmende Flüssigkeit lief aus, verteilte sich auf ihrem Rock. Der strenge Geruch von Drachenblut lag in der Luft. Der Qualm war dann auch nicht schwarz, wenn es wirklich Drachenblut war. Im normalen Licht wäre es ein dunkles sattes Rot. Aus dem Innern dieses seltsamen flüssigen Gefängnisses wurde eine goldene Münze freigesetzt. Eine goldene Galleone.
Draco konnte nur zusehen und spürte eine Furcht, wie er sie noch nie in seinem Leben gespürt hatte, als sich die Münze einige Male in der Luft drehte und dann fiel. Sie berührte Hermines staubigen, abgetragenen Schuh der Schuluniform.
Als Dracos Hand sie ergriff, fasste er nur noch in nebelfeuchte Luft. Sie war fort.
„NEIN!"
Er vernahm Potters Schrei, als käme er von weit fort. Eine schreckliche Taubheit befiel ihn, gefolgt von grenzenlosem Zorn. Er begann zu zittern.
Harry starrte für einen Moment perplex nach vorne, ehe er sich drehte und Blaises Beine unter ihm wegtrat. Er stellte einen Fuß auf Blaises Nacken und drückte ihn nieder. „Wo ist sie?"
Blaise keuchte. Er versuchte, Harry mit der rechten Hand abzuschütteln, aber Harry pinnte ihn mit dem anderen Fuß zu Boden. Blaises linke Hand griff nur in den Dreck am Boden. Harry setzte mehr Gewicht auf den Fuß und erntete ein Röcheln aus Blaises Mund.
„WO HAST DU SIE HINGESCHICKT, DU KRANKES ARSCHLOCH?"
Rons Hand war in seinen Haaren vergraben. Er schüttelte den Kopf und starrte immer noch auf die Stelle, wo Hermine vor einer Sekunde noch gestanden hatte. „Was… was ist gerade passiert?"
Draco konnte nicht antworten. Er starrte immer noch auf die Münze, hell golden, bespritzt mit Blut. In seinem Innern hörte er ein Geräusch. Er wollte es rauslassen, denn die Kraft, die es kostete, es in sich zu behalten, schmerzte ihn, aber seine Stimme hatte ihn verlassen.
„WAS IST GERADE PASSIERT?", wiederholte Ron erneut.
Harrys Kopf schnappte nach oben. Er sah Ron an, mit einem Blick völliger Leere. Harry wusste, dass Portschlüssel einen an schlimme Orte schicken konnten.
„Hermine wurde… irgendwohin transportiert."
Ron starrte ihn an. „Mit einem Portschlüssel? Wohin?"
Harry arbeitete noch daran, es rauszufinden. Er stellte sich über Blaise und richtete den Zauberstab auf dessen Brust. „Du wirst mir sofort sagen, wo sie ist, oder ich schwöre bei Gott, Zabini, ich fluche dir die Eingeweide raus."
Blaise sah hasserfüllt zu Harry auf. „Es ist zu spät", flüsterte er. „Sie ist tot."
„HERMINE IST NICHT TOT!"
„Doch, ist sie", beharrte Blaise. Er klang sogar fröhlich. „Das ist ein Todesportal, Potter."
Ron begann zu laufen. „Todesportal! Harry… was sollen wir tun?"
Harry schüttelte den Kopf. „Nein, sie ist nicht tot."
Dracos Stimme schnitt durch die Panik. „Du hast Recht."
Harrys Kopf hob sich. Seine grünen Augen durchbohrten ihn. „Was? Kannst du sie spüren? Lebt sie?"
Dracos helle Augen verloren den Fokus. Er schloss sie und nahm einen tiefen, langen Atemzug, als wäre Atmen plötzlich schwer geworden. Auf seinem bloßen Rücken erkannte Harry, dass die tätowierten Flügel aussahen, als wollten sie sich von seiner Haut losreißen und fliegen. Es war verdammt eindrucksvoll.
„Ja."
Ron war kalkweiß. „Dann ist sie nicht tot, wo auch immer sie ist."
Harry wandte sich wieder an Blaise und schlug ihn mit dem Handrücken ins Gesicht. „Wo führt es hin, Zabini?"
Blaise hustete heftig und spuckte anschließend einen Zahn in den Dreck. „Ich weiß es nicht…"
Harry schlug ihn erneut, diesmal härter. „Flasche Antwort. Wo führt es hin?"
„ICH WEIß ES NICHT! Ich weiß nicht, wo die Portale einen hinführen, ok? Es wurde mir nicht gesagt. Alles, was ich weiß-"
„Wie wäre es, wenn wir es testen?", unterbrach ihn Harry. Er packte Blaise an seinen Haaren, schleifte ihn zu der Münze und presste sein Gesicht hinab. Blaise verschwitzter Pony hing nur Zentimeter über der Münze. „Wo du doch so willig bist, ein unschuldiges Mädchen in den Tod zu schicken, wie wäre es, wenn du vorgehst und uns sagst, wohin das Portal dich bringt, ok?"
Blaise lachte. Das Geräusch kam tief aus seinem Innern. Angewidert ließ Harry ihn los. Hustend kroch Blaise rückwärst vom Portschlüssel zurück. Er setzte sich im Dreck auf, und sein Lächeln zeigte blutverschmierte Zähne.
„Es macht keinen Unterschied. Mich zu töten bringt sie nicht zurück, oder?"
„Malfoy, was tust du?", rief Ron plötzlich.
Draco stand über der Münze. Er sah aus, als wolle er gleich auf sie treten. Harry, der ihm am nächsten war, hielt ihn auf, in dem er seine Mitte umschlang und ihn zurückzog. Sie fielen in den Dreck. Draco trat wieder nach ihm, hielt sich aber auf. Er würde den Rest an Kraft, die er hatte, noch brauchen.
„Lass los", sagte er ruhig zu Harry.
Harrys Augen war gerötet vor ungeweinter Tränen. Er sah Draco an, mit einer Mischung aus Schmerz und vorsichtiger Hoffnung. „Du bist verrückt."
„Lass los."
„Nein", erwiderte Harry und schluckte. Er schüttelte heftig den Kopf. „Du verstehst nicht. Ich sollte es sein."
„Wenn überhaupt jemand geht, werde ich es sein. Jetzt geh mir aus dem Weg, Potter", wiederholte Draco.
Wie vor den Kopf gestoßen zog Harry seine zitternden Hände von Draco zurück. Hinter ihm hörte Ron Blaise festhalten. Er konnte Ron jedoch jetzt noch nicht helfen. Harry hatte nur Augen dafür, was Draco Malfoy als nächstes tun würde.
Draco schenkte Harry einen letzten Blick, bevor er den Fuß hob und ihn auf die Münze setzte.
[Hermine]
So kalt. Dunkel. Kann mich nicht bewegen. Kann nicht atmen.
Ich bin unter Wasser…
Sie würde ertrinken.
Oh Gott, bitte hilf mir. Ich will nicht sterben.
Denk nach, Hermine!
Sie war in einem Käfig. Metallen und verrostet. Nicht besonders groß, denn sie konnte beide Seiten berühren, wenn sie die Arme ausstreckte. Er war jedoch hoch. Sie musste hoch schwimmen, um die Decke zu erreichen.
Ich werde nicht sterben ich werde nicht sterben.
Ihre suchenden, verzweifelten Hände fanden etwas auf dem Boden des Käfigs. Stoffreste, die an einem metallenen Riegel hingen. Glatt, rutschig…
Großer Gott, jemand war schon hier!
Nicht jemand. Ein toter Körper. Ihre Wade strich gegen ein Bein und angewidert wich sie zurück. Es war ein Mann. Er trug einen Umhang. Zauberer haben Zauberstäbe! Sie durchsuchte seine Kleidung. Ihre suchenden Hände glitten über sein Gesicht. Es fühlte sich schwammig an, aber sie unterdrückte das Verlangen, zurückzuweichen und suchte weiter. Seine Hände waren leer. Seine Taschen nicht! Hermine weinte fast vor Erleichterung, als sie einen Zauberstab hervorzog.
Großer Gott, ihre Lungen brannten. Ihre Haut fühlte sich an, als würde sie enger werden, sie ersticken.
Sich richtete den Zauberstab fest auf Stäbe des Käfigs und feuerte einen einfachen Explosiv-Zauber ab.
Nichts passierte. Verwirrt versuchte sie es erneut. Und dann noch mal. Alohomora zeigte auch keine Wirkung.
Es funktionierte nicht. Wieso? Neinneinnein!
Hermine tastete über den Zauberstab. Es war ein Muster eingraviert. Das war normal, aber ansonsten war er nicht kaputt.
Sie bekam keine Luft mehr. Ihre Brust schmerzte so sehr.
Und dann plötzlich war sie nicht mehr allein. Nicht mehr allein mit dem toten Mann und dem fremden Zauberstab in seiner Tasche, der nicht funktionierte. Es war als könne das Unterwassergefängnis sie nicht beide fassen, sie und Draco.
Völlig ungläubig wandte sich Hermine im Wasser um. Sie konnte ihn nicht sehen, aber sie wusste, er war hier mit ihr. Die Angst, die sie spürte, verstärkte sich um das Zehnfache.
Er war neben ihr. Es waren seine Hände, die sie hielten, ihr versicherten, dass er wirklich real war. Der Drache auf ihrer Hüfte drängte und wand sich ihm entgegen, anscheinend glücklicher ihn zu sehen, als sie es war.
Wieso war er hier? War er auch von einem Portschlüssel getroffen worden? Sah es für Ron und Harry auch so aus?
Er schien begriffen zu haben, was sie tun mussten, in weniger Zeit als sie. Nachdem er sie gefunden hatte, griff er nach ihrem Kinn und legte seinen Mund auf ihren.
Luft! Oh Gott, ja, er gab ihr Luft.
Sie nahm sie gierig von ihm und zog den ihren Mund zurück, als sie begriff, dass es auch seinen Tod bedeuten würde.
Draco tat alles anscheinend nur aus Vertrauen, denn er war hier ohne Zauberstab. Es gab also keinen Weg, herauszufinden, ob der Zauberstab, den sie benutzte, einfach nicht funktionierte. Sie klopfte ihn gegen seinen Arm. Er nahm ihn sofort, und einen Teil von ihr fühlte sich erleichtert, nicht derjenige zu sein, der verantwortlich dafür war, sie nicht retten zu können.
Es war selbstsüchtig von ihr, aber sie war zu weit entfernt, sich noch Gedanken zu machen. Sie hatte die Panik übersprungen. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht war das alles bereits Panik.
Sie fühlte sich so leicht in ihrem Kopf. Der Druck auf ihrer Brust war nicht auszuhalten. Es kostete sie jedes bisschen an Kraft, nicht den Mund zu öffnen, und Wasser in ihre Lungen zu atmen. Hermine schloss fest die Augen und fand sich damit ab, sie wohl nicht wieder öffnen zu können.
Es tut mir so leid, Mum und Dad. Harry, Ron, Ginny.
Draco.
Draco untersuchte immer noch eine Seite des Käfigs. Sie schlang die Arme um seine Taille und presste ihre Wange gegen seine wunderschönen dunklen Flügel, als würde das allein die Angst vorm Sterben nehmen.
[Draco]
Es schwebte ein scheiß toter Körper unter ihnen.
Er zuckte zusammen, als Hermine den Zauberstab gegen seinen Arm klopfte. Er kannte diesen Zauberstab. Wiedererkennung und Vertrautheit durchfluteten ihn.
Das ist der Zauberstab meines Vaters! Er wusste es, so sicher wie er wusste, dass Hermines Augen braun waren. Seinen ersten Zauber hatte er mit Lucius' Zauberstab vollführt. Er erinnerte sich gut an diesen Tag. Lucius hatte ein seltenes, aufrichtiges Lächeln gelächelt.
Sie würden sterben, wenn er nicht herausfand, wie er den Verschluss des Käfigs brechen konnte. Er hatte diese Art der Magie schon mal gesehen. Die Kerker aus den sie geflohen waren, unterlagen ähnlichen Zaubern. Wenn der Käfig so verzaubert war, dass er Magie aus dem Innern verbot, vielleicht erlaubte er dann Magie von außerhalb. Die Lösung erschien so einfach, aber ihr Überleben hing davon ab, wie weit der Zauber auf dem Käfig sich nach außen erstreckte. Jeder Zauber hatte seine Grenzen.
Der Schlüssel des ganzen jedoch, war nicht in Panik zu geraten, weil sie gerade ertranken.
Draco schob seine Hand zwischen den Gitterstäben nach draußen und richtete den Zauberstab zurück auf den Käfig. Der Spruch funktionierte nicht.
Verdammt! Vielleicht musste er es von weiter weg versuchen, aber er hatte nicht mehr Armspannweite dafür. Oder vielleicht lag er einfach falsch. Ja, das war definitiv möglich.
Keine.
Panik.
Hermine hielt ihn nicht mehr länger fest. Er hatte gespürt, wie sie ihn fest umschlungen hatte, dann waren ihre Hände von ihm abgefallen. Es war absolute Folter, sich nicht zu ihr umdrehen zu können, aber Draco musste sich auf das konzentrieren, was er gerade tat. Wenn er der Furcht nachgab, starben sie mit Sicherheit.
Er rammte seine Schulter so brutal zwischen zwei Gitterstäbe, wie er es zustande brachte. Ein Teil des Rostes brach zur Seite. Es war schwer, unter Wasser genügend Kraft aufzubauen, also suchte er sich Halt an den hinteren Gitterstäben für seine Füße und begann zu schieben.
Es klappte. Seine kaputte Schulter kugelte sich aus und der bekannte Schmerz durchflutete ihn. Er war ohnehin in großer Gefahr vom Blutverlust ohnmächtig zu werden und sah kleine weiße Punkte vor seinen Augen tanzen.
Dank seiner ausgekugelten Schulter passten nun zwei Zentimeter mehr durch die Gitterstäbe. Der Schmerz war nahezu lächerlich stark, und er musste seine Hand zwingen, den Zauberstab schwach halten zu können. Aber er duldete den Schmerz, denn er zeigte ihm, dass er noch am Leben war.
Er betete, wenn er auch nicht wusste, für was oder zu wem, aber er nahm an, Gott erkannte völlige Verzweiflung, wenn er sie hörte.
Als seine Hand so weit wie möglich vom Käfig entfernt war, drehte er den Zauberstab um, achtete darauf, dass er nicht das Ziel wurde, zielte und sprengte die Gitterstäbe.
Unter blubberndem heißem Wasser sprangen die Stäbe aus ihren Fassungen. Der Körper des Mannes unter ihm stieg bereits Richtung Oberfläche.
Aufgeregt wandte sich Draco zu Hermine um.
Sie war… nein.
Er wusste, ohne nachzusehen, dass kein Tattoo mehr auf seinem Rücken war. Es war, als wäre es einfach von seiner Haut abgezogen worden.
Der Verlust des Fida Mia war wie der Tod. Der Schmerz war so tief und alles verzehrend, dass der Zauberstab seines Vaters aus seinen Fingern zu gleiten drohte.
Zu spät.
Eine weiche Wärme streifte seine Gesicht. Er fühlte die Berührung seiner Mutter. Wo auch immer sie waren, die Sonne ging auf. Das Licht schnitt durch das trübe Wasser, wie Sonne durch eine Regenwolke. Plötzlich leuchtete alles voller Farben, wie in einem Prisma. Er sah hinab auf Hermine unbewegtes, blasses Gesicht. Ihre Wimpern ruhten auf ihren Wangen. Die Stille war überall und perfekt.
Draco hob den Kopf und blinzelte ins Licht. Das Licht war da. Das Licht hieß Sicherheit, so wie es seine Mutter ihm gesagt hatte, in seinen schmerzverhangenen Träumen. Die Dunkelheit war nicht endlos.
Seine Faust schloss sich um den Zauberstab seines Vaters. Es war seltsam, zu denken, dass beide Eltern gerade hier bei ihm waren.
Die leuchtende, goldene Sonne erhob sich stetig über dem Wasser. Draco hielt Hermine fest, Lucius' Zauberstab zwischen ihnen, und konzentrierte sich auf einen einzigen Zauberspruch und das Bild einer Küste.
Sie wurden an einer Küste ausgespuckt, einer bekannten Küste. Aber, es war eher eine Sandbank. Hogwarts großer See, um präzise zu sein. Es war ein Akt der Verzweiflung gewesen, denn die Chancen, zersplittert aufzutauchen, waren groß gewesen, bedachte man, dass er keine Ahnung gehabt hatte, wo sie gewesen waren und wie viel Energie es ihn kosten würde.
Aber er hatte es geschafft. Und sie kamen an als zwei Personen in ganzen Stücken. Er dankte Merlin dafür.
Große Mengen an Wasser waren mit ihnen gekommen. Draco brach auf der nassen Grasbank zusammen, hielt Hermine aber immer noch fest, als das Wasser um sie herum niederregnete. Der erste Atemzug brachte ihn beinahe um. Er krümmte sich unter schmerzendem Husten, drehte gleichzeitig Hermine auf den Rücken und schob ihre nassen Haare aus ihrem Gesicht.
Sie war blau. Ihre Haut war kalt und ihr für gewöhnlich rosa Mund war lila geworden. Er sah voller Furcht auf sie hinab, berührte sie mit seinen Fingerspitzen, als könne er Leben spüren, wo seine Augen nur den Tod erkannten.
Er war nicht Harry. Er war nicht bekannt dafür, Wunder zu vollbringen. Nein, dafür war er nicht geschaffen. Und Dracos Kraft ließ ihn im Stich. Er konnte kaum noch richtig sehen. Verzweifelt versuchte er, sich an die Wiederbelebungssprüche zu erinnern, die sie in Zauberkunst gelernt hatten.
„Anapeno", keuchte er und sah dabei zu, wie sich ihre Brust hob und senkte. Er wiederholte den Spruch fünfmal, wie es Professor Flitwick einer desinteressierten Gruppe an Slytherin und Ravenclaw Fünftklässlern erklärt hatte.
Der Spruch tat, was er tun sollte, aber es funktionierte nicht. Wie lange waren sie unter Wasser gewesen? Es konnte nicht länger als drei Minuten gewesen sein? Für Hermine war es ganz klar länger gewesen.
Wasser lief ihm über sein keuchendes Gesicht. Draco setzte sich rittlings auf sie und begann rhythmisch auf ihre Brust zu drücken, so wie er es einen Muggelmann bei einem Jungen hatte machen sehen, damals am Thimble Creek.
Der Junge hatte es nicht geschafft, fiel ihm wieder ein. Draco war mit Goyle auf den Besen unterwegs, als er diese Szene erlebt hatte. Er hatte den Mann verachtet für diese lächerliche Technik, um das Kind wiederzubeleben. Ganz sicher wirkte Muggelmethoden nicht besser als die magischen Alternativen?
Aber er würde jetzt alles versuchen.
„Verlass mich nicht, Hermine. Du kannst ich nicht verlassen", flehte er und presste dreimal ihren Brustkorb nieder. Mehr Worte stolperten aus seinem Mund. Flehende Worte. Er hörte einen schrecklichen, herzzerreißenden Laut. Er flehte zu Gott, dass es aufhören würde.
Der Laut kam aus seinem Mund.
Tränen liefen sein Gesicht hinab. Es fühlte sich an, als lösten sich seine Eingeweide auf. Er weinte so, wie er geweint hatte, als er Kind gewesen war. Er versuchte, die Schluchzer zu kontrollieren, als er ihren Kopf zurücklegte, um Luft in ihre Lungen zu atmen. Die Anstrengung brachte ihn beinahe um. Draco wankte über ihr, seine Augen rollten zurück in ihre Höhlen und er fiel hart zur Seite neben sie, in eine Embryohaltung.
Es war schon ein Kampf, alleine bei Bewusstsein zu bleiben. Er konnte es nicht allein. Er verlor sie.
Lucius' Zauberstab lag zu seinen Füßen. Keuchend sah Draco ihn zielsicher an und griff nach ihm.
Er brauchte Hilfe aus Hogwarts. Das Problem war, dass Hogwarts nicht wusste, dass sie hier waren.
„Ich hatte den Zauberstab deines Dads als Prototyp vorgeschlagen", erinnerte er sich an Moodys Worte in Dumbledores Büro. „Natürlich haben wir das Malfoy Symbol als Testzeichen gewählt. Der Bindungszauber war immer noch wirksam als der Zauberstab entwendet wurde."
Der tote Mann in dem nassen Grab war irgendwie in den Besitz von Lucius' markiertem Zauberstab geraten. Draco war bereit, zu wetten, dass der Mann der vermisste Auror, Donald Bligh, gewesen war.
Aus Erfahrung konnte nur ein Spruch die richtigen Leute in seine Richtung schicken.
Das wäre das erste und letzte Mal, dass der das Dunkle Mal an den Himmel schießen würde, und es wäre eine gute Tat. Die Ironie dieser Sache war fast genug, dass er lächelte.
Wenn Hermine den nächsten Sonnenaufgang überleben sollte, würde Draco Mad Eye Moody küssen, das nächste Mal, wenn er ihn sehen sollte.
Er nahm die kalte Hand seiner jungen Braut in seine eigene, hob den unverletzten Arm hoch über seinen Kopf und vollführte den Spruch, von dem Voldemort annahm, er wäre dafür geboren, ihn zu benutzen. Es kostete ihn einiges, um es milde zu sagen. Er fühlte den dunklen Strom der finsteren magischen Macht tief in seinem Innern in seinen Arm steigen und dann in den Zauberstab. Es raubte ihm alle Energie, die er noch hatte.
„Morsmorde."
Das letzte, an das er sich erinnern konnte, war das Dunkle Mal, das im hellen, blauen Himmel thronte, kurz bevor es sich in den Malfoy Drachen verwandelte.
