Epilogue: Part Three
Harry Potters Stadthaus am Grimmauld Platz ächzte und beschwerte sich, wie es nur ein altes Zaubererhaus konnte. Es quietschte und stöhnte ab und zu im strengen Wind. Mit Regen hatte es begonnen. Die Art von Regen, die einem höchstwahrscheinlich eine Gehirnerschütterung verpassen konnte, wäre man dumm genug, tatsächlich ohne Schirm nach draußen zu gehen. Muggel-Wettermänner hatten bereits Hagel angekündigt, aber der musste erst noch seinen Weg finden. Wind folgte bald dem Reden. Er hatte wohl eine hohle Stelle unter dem alten Dach gefunden und sauste heulend durch die Korridore des Hauses.
Potter war die Geräusche wahrscheinlich gewöhnt. Es war nicht so, dass es hier unangenehm war. Sirius Blacks altes Haus war schon recht gastfreundlich, auf eine gruselige Art und Weise. Draco war es gewöhnt unter gruseligen, makabren Umständen zu leben. Er war in Malfoy Manor aufgewachsen. Es war einfach nur, dass es eine Weile her war, dass er in einem Bett geschlafen hatte.
Mit einer Matratze.
Und vier weichen Daunenkissen, die nach Lavendel rochen.
Und eine Decke, die er nicht mit Käfern teilen musste. Und Sand. Merlin, er würde niemals vergessen, wie es gewesen war, im Sand zu leben.
Die weiche Matratze tat ihr bestes, ihn zu verschlucken und Draco hatte genug, nach der vierten Stunde hin und her Wälzens. Er setzte sich auf, führte den Lumos aus und blickte grimmig hinab auf seine alte silberne Taschenuhr. Die Gewohnheit zwang ihn, die Uhr auch im Bett bei sich zu haben, obwohl Diebe, die einen im Schlaf beklauten, in Potters Haus wohl eher seltener zu erwarten waren.
Potter schlief tief und fest, dem Schnarchen nach zu urteilen, dass er durch den gesamten Flur hören konnte. Draco schlief mit offener Tür. Er rechnete das dem Umstand zu, dass er es mittlerweile so gewöhnt war, draußen zu schlafen. Dass es plötzlich unangenehm war, von vier Wänden eingeengt zu werden, während die Decke nicht aus Sternen bestand.
Sanftes Kerzenlicht von draußen fiel in das Zimmer und warf einen rechtwinkligen Schatten an die Wand. Es war drei Uhr, und es war Dienstagmorgen.
Scheiß drauf, dachte er, als er die Bettdecke von sich war und aus dem Schlafzimmer schritt. Erst als er die Treppe erreichte, erinnerte er sich, wieder zurückzugehen und sich erst mal ein paar Sachen überzuziehen.
Ginny fragte sich, wie sie jemals im Weasleyhaus hatte überleben können, wo sie doch so ein Leichtschläfer war. Mit den Zwillingen im gegenüberliegenden Schlafzimmer, wo die Explosionen ständig – auch mitten in der Nacht – gehört werden konnten. Oder kurz vor dem Frühstück. Das Weasley-Leben war ein besonders lautes. Harry schnarchte nicht chronisch, aber er schnarchte lauter, wenn er besonders müde war. Und das war im Moment der Fall. Es war ein langes Wochenende gewesen, in jedem Sinne. Für zehn Sekunden überlegte Ginny, Harry aufzuwecken, damit er mit ihr kuschelte, aber der arme Mann war so erschöpft, dass sie es nicht über sich bringen konnte. Außerdem war sie hungrig nach dem sehr frühen Abendessen gestern.
Sie war ohnehin wach und beschloss nach unten zu wandern, für etwas Heißes zu trinken und was sie eben an Essen finden konnte. Vielleicht Trinkschokolade. Oder nur einen Kaffee und einen Keks. Danach würde sie auf der Couch die Füße hochlegen und die Zeitung von gestern lesen.
Ginny schlich lautlos durch die düstere Küche des Grimmauld Platzes und drehte den Löffel in ihrem Kaffee als Draco plötzlich in der Tür materialisierte. Das Morgenlicht erleuchtete ihn kurz, als es durch eine Lücke der Wolken in die Küche fiel. Sie war so erschrocken, dass sie ihre Tasse fallen ließ. Etwas der heißen Flüssigkeit traf ihre Zehen. Das Fluchen das folgte, war wesentlich lauter als ihr Umrühren.
„Hmm", sagte die langhaarige, wildaussehende Erscheinung, die tatsächlich Draco Malfoy war. Er blickte hinab auf die dunkle Pfütze auf dem Boden. „Es scheint, als schulde ich dir ein Getränk."
Sie wusste, dass Malfoy im Grimmauld Platz bleiben sollte, natürlich. Das gesamte Ministerium sprach davon. Ahrry hatte sich über nichts anderes am Montag beschwert. Es war nur, dass sie selber nicht viel Zeit mit Harry verbringen konnte, und weil ihr überarbeiteter Verlobter jetzt auch noch auf Malfoy aufpassen musste, hatte sie gedacht, sie würde ihn spät am Abend einfach überraschen.
Ginny glaubte immer noch, dass keine Geschworenen in der ganzen Welt sie jemals dafür verhaften würden, wenn sie Draco Malfoy mit einem großen stumpfen Objekt zu Tode prügeln würde. In ihrem Fall handelte es sich um einen antiken, eisernen Fleischklopfer, welcher zu seinem Glück, mit dem Küchentresen verbunden war. Er war nervtötend.
Nach einigen Kommentaren über ihre Schusseligkeit, schwachen Nerven und dass all dies typische Weasley Charakterzüge seien, trug der letzte Malfoy Erbe eine Kaffeetasse zum Esstisch, wo sie saß, und schob ihr die Tasse zu, über die polierte Platte. Ginny wusste, dass er den Kaffee nicht vergiftet hatte, denn sie hatte ihn beobachtet. Vorsichtig nippte sie an dem Getränk und stellte fest, dass er tatsächlich die richtige Menge an Milch und Zucker hinzugefügt hatte, ohne sie gefragt zu haben.
Sie hob fragend den Blick.
Malfoy zuckte die Achseln als Antwort. Das Kerzenlicht an den Wänden hob seine hohlen Wangenknochen starker hervor. „Ich hab mich erinnert."
„Du erinnerst dich, wie ich meinen Kaffee mag?", fragte Ginny.
Das Grinsen verschwand. Sie fragte sich, ob es an den Erinnerungen lag, die in ihm aufstiegen. „Als ich damals am Gryffindortisch saß, um Potter über das freundliche Quidditchspiel mit den Auroren zu informieren. Es gab Pfannkuchen an diesem Morgen. Du hast dir Kaffee eingegossen. Es ist nur ein Detail."
„Sicher", erwiderte Ginny, welche wünschte, dass Harry mehr auf solchen kleinen „Details" achten würde.
Es entstand eine kurze Pause, in der Ginny versuchte, zu fassen, was so anders an Malfoy war. Ja, er war älter. Das waren sie alle. Aber vielleicht lag es an seiner ganze Erscheinung, die etwas gebändigter wirkte, weil Harry ihn mit erhobenem Zauberstab gezwungen hatte, im Ministerium zu duschen, ehe er ihn mit nach Hause nahm. Und auch dort hatte er ihn zu einem kompletten Bad genommen, denn das Eau-de-Kamel, was Malfoy ausgestrahlt hatte, war für Harry absolut inakzeptabel gewesen.
Und wie er mit ihr umging. Er war nicht mehr wütend. Das war es. Sie hatte immer eine gewisse Anspannung gespürt, wann immer sie in Malfoys Nähe gewesen war. Das war auch der Grund gewesen, weshalb die Leute Draco Malfoy strengstens gemieden haben, es sei denn natürlich, sie standen bei ihm in gutem Licht. Aber das dürften nur besonders wenige tun. Es war nicht ungewöhnlich, dass Jungen wütend waren. Harry war in seinem letzten Jahr nicht anders gewesen. Aber bei Malfoy hatte es immer eine… Instabilität gegeben, die Möglichkeit, dass er ohne Grund ausrastete, bloß weil ihm danach war. Und bei Merlin, wenn sich Draco Malfoy mit einem anlegte, war das nichts, was man schnell vergaß.
Davon war jetzt nichts mehr übrig. Immer noch lag ein tiefer, aber jetzt definitiv ruhiger, Ozean hinter seinen bekannten grauen Augen.
Seine langen Finget trommelten plötzlich auf dem Tisch, als würde er langsam ungeduldig werden, unter ihrem plötzlichen, prüfenden Blick. „Also, was tust du hier?", wollte er wissen. Lustig, dass er sie das fragte, als wäre sie der seltsame Gast im Grimmauld Platz.
„Ich besuche Harry", antwortete Ginny schlicht. Musste er wirklich fragen? Sie trug ein Nachthemd, Merlin noch mal. Es erschien zumindest offensichtlich genug. Es war alles Mollys Schuld, dass Ginny so seltsam war, was die Schlafarrangements betraf, wann immer sie Harry besuchte, denn Molly gehört noch zu der getrennte-Schlafzimmer-Fraktion. Sie gehörte nicht nur dazu, nein, sie war die Fraktionsvorsitzende. Harry hasste es, zu lügen (und Ginny brachte es nicht mal fertig) also schliefen sie getrennt.
Malfoy nickte nicht. Er tat nichts, weswegen sie sich vielleicht besser fühlen konnte. Er wirkte lediglich amüsiert. „Du siehst gut aus", sagte er, tatsächlich freundlich. „Gut zu wissen, dass du dir wegen Potter noch nicht die Haare ausreißt."
„Du wiederum siehst aus wie etwas, das Krummbein mit ins Haus gebracht hat", erwiderte Ginny mit dem plötzlichen Bedürfnis, Harry zu verteidigen, auch wenn sie sich nicht sicher war, weshalb. „Haben sie keine Spiegel in der Wüste?"
Malfoy lachte auf. „Krummbein. Ist dieser alte Fellklumpen noch am Leben?"
„Ja, er genießt seine Pensionierung in Hermines Cottage."
„Ah. Also lebt sie alleine?"
„Oh nein." Ginny verengte ihre Augen. „Ich verrate dir gar nichts. Da bist du ganz allein."
„Etwas, was ich zu ändern gedenke", informierte er sie.
Ginny starrte ihn an. Sie spürte heiße Wut, Hermine zuliebe. „Du denkst wirklich, du kommst damit durch, oder? Hermines Herz brechen und fünf Jahre lang auf irgendeine Selbstmord-Mission verschwinden. Sie hat dich nicht vergessen, weißt du? Und nicht auf die Art, wie du es gerne hättest."
Malfoy blieb unbeeindruckt. "Dann soll sie mir das persönlich sagen."
„Oh, hör schön auf!" Ginny wollte ihn zornig sehen. Es war leichter mit jemandem wütend zu sein, wenn derjenige dieselben Gefühle zeigte. „Wir wissen beide, dass du nicht wirklich hier sein müsstest. Harry kann dich nicht halten, und er weiß das. Du könntest einfach aus diesem Haus spazieren, also wieso tust du so, als könnten wir dich halten?"
„Diplomatie hat ihre Vorteile", erwiderte er. „Selbst der schnarchende, notorische Regelbrecher da oben hat das gelernt. Bedenkt man die Umstände, unter denen ich zurückgekehrt bin, ist es wohl besser, mich zu benehmen, denkst du nicht?"
Liebe war kein Spiel, wollte sie ihm sagen. Auch Krieg war das nicht. So viel mehr als Hermines zukünftiges Glück stand auf dem Spiel. Wenn er tatsächlich wieder zurück war, dann hoffte der Soldat in ihr, dass es noch aus einem anderen Grund war, als nur Hermine.
„Wir sind so nah dran. All das für immer zu beenden, weißt du", sagte sie sanft.
„Gut." Malfoy lehnte sich näher vor. Seine Beine waren überschlagen, und Ginny fiel erst jetzt auf, dass er barfuß war. Er lächelte. Es war ein dunkles Lucius-Malfoy-Lächeln. „Dann habe ich einen guten Zeitpunkt gewählt, wiederzukehren, oder nicht?"
Eine jüngere Ginny wäre vor dieser Einschüchterung vielleicht zurückgewichen, aber auch sie war erwachsen. „Malfoy, im Moment denke ich, hast du größere Chancen Voldemort zu bekommen, als Hermine. Außerdem wird dich Harry niemals in ihre Nähe lassen, wenn nicht auch jede Minute deiner Geschichte bestätigt wurde. Und entschuldige meinen Ausdruck, aber es ist eine verdammt scheiß Geschichte, voller Besessenheit und Rache."
Er überraschte sie mit seinem sofort missgelaunten Ausdruck. „Und Merlin, wie lange wird das dauern?"
Nun war Ginny an der Reihe zu grinsen. Er war es anscheinend nicht gewöhnt nach dem Terminplan eines anderen zu arbeiten. „Draco Malfoy, willkommen in der Ministeriums Bürokratie. So etwas dauert minimal sechs Wochen."
„Wunderbar. Und für diese Zeit bin ich an das Brillengesicht gebunden?"
„Das Brillengesicht ist der Grund, weshalb du deine Zeit nicht in der Untersuchungshaft verbringen musst!"
„Ich werde nicht hinter Potter herdackeln, wie ein verblödeter Fan!", zischte er.
Aber Ginny erwiderte den Blick zornig. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Harry das auch nicht bevorzugen würde!"
Er verpasste ihr einen Blick, der ihr bis auf die Knochen ging. „Ich habe euch Bellatrix Lestrange gebracht. Ihr wisst, was ich als Gegenzug will", erwiderte er gepresst.
„Ja, aber bis du nicht das bist, was auch Hermine will, kannst du in deinem eigenen Chaos sitzen bleiben. Ich weiß, dass du zurück bist, Malfoy. Aber unter welchen Bedingungen bist du das?"
Man musste ihm zu Gute halten, dass er wohl begriff, was sie ihn fragte. Der Ärger fiel von ihm ab. Jetzt gerade sah er so aus, wie ein Mann, der müde war. Jemand, der fertig war. Der sich ausruhen wollte. „Ich bin so weit. Es hat mich Zeit gekostet, aber ich bin so weit, und was wichtiger ist, ich kann es auch", erklärte er. „Und ich muss wissen, ob sie es auch kann."
Ginnys Blick war beinahe bewundernd. Seine Ehrlichkeit überraschte sie. So wie auch seine andere Eigenschaft. „Deine Arroganz ist bemerkenswert."
Sein Blick war voller Ungeduld. „Es ist keine Arroganz. Es ist Schicksal."
Er war nicht romantisch. Ginny bezweifelte nicht, dass er auch das sein konnte. Die alte Gerissenheit war immer noch da. Nein, er war sich einfach sicher. Sicher, wo sein Platz jetzt war und was er jetzt wollte. Er war hier, um zu sehen, ob Hermine genauso sicher war.
Ein Teil von ihr wünschte sich, Harry wäre mehr wie er. Nein, eigentlich nicht. Das wollte sie überhaupt nicht. Draco Malfoy war eine eigene Art von kompliziert, mit der sich eine Frau niemals rumschlagen sollte. Nein, sie wollte ihre Helden verlässlich und sicher, selbst wenn sie sich bei Herzensangelegenheiten etwas dumm anstellten. Alle Leute, für die sich Hermine hätte entscheiden können, sollte es Malfoy sein, der ihre Aufmerksamkeit erregte. Diese Frau wollte es auch kompliziert.
„Warum bist du überhaupt schon wach?", fragte er sie. Der Themenwechsel war absichtlich, aber Ginny war dankbar dafür.
„Konnte nicht mehr schlafen. Harry ist fertig. Ich wollte ihn nicht wecken."
„Und weiß Mama Weasley, dass ihr zwei…", er schien nach den rechten Worten zu suchen und grinste, als er sie gefunden hatte, „die Decke teilt?"
Sie sah ihn finster an. Die Dunkelheit versteckte ihre Röte. Noch einmal hatte er ihren wunden Punkt gefunden. „Halt deine Klappe. Ich bin zweiundzwanzig."
„In anderen Worten, nein, sie weiß es nicht."
Ginny seufzte. Sie würde jetzt nicht mehr einschlafen. Malfoy sah genauso wach aus. Sie trug ihre leere Kaffeetasse zurück in die Küche und war nicht überrascht, dass Draco ihr folgte. Ginny fragte sich plötzlich, wie lange er die Einsamkeit hatte ertragen müssen. Sie sah ihm an, dass es schwer gewesen sein musste.
Er setzte sich auf den Rand des Küchentresens du blickte zum verregneten Fenster. Seine Haare hingen lang seinen Rücken hinab. Ein Teil war in sein Gesicht gefallen und verbarg seine Augen.
Ginny fragte sich, ob er an Hermine dachte.
Und sie fragte sich, ob Hermine auch wach war und Malfoy dachte.
„Wie wäre es mit einem Haarschnitt?", fragte Ginny ihn aus einer plötzlichen Eingebung heraus.
Das traf ihn völlig unvorbereitet. „Was?" Er blinzelte.
„Wie wäre es, wenn ich dir die Haare schneide? Ich bin gute mit der Schere, und nimm's nicht persönlich, aber du hast keine Ahnung, wie sehr du gerade deinem Vater ähnelst." Der Punkt war, dass das nicht gerade etwas Gutes war, wenn man das Ministerium von seinen guten Absichten überzeugen wollte.
Für einen Moment war er wieder achtzehn, als er abwesend sein langes Haar berührte und sie ansah, als wäre sein Aussehen keine Sekunde lang Teil seines Plans gewesen, Hermine zurückzugewinnen. Entweder war er wirklich so bescheiden oder er verbarg seine Beweggründe sehr gut. „Denkst du?"
„Es war etwas beunruhigend dich in der Küche zu entdecken", sagte Ginny ehrlich. Sie durchsuchte viele Schubladen in der Küche, bis sie eine große Schere fand. Nicht gerade ideal, um Haare zu schneiden, aber na ja. Es war ja nicht so, als ob er in nächster Zeit zum Frisör spazieren konnte.
„Dann legen wir los", sagte Ginny und zog einen Stuhl für ihn nach vorn.
Plötzlich wirkte Malfoy nicht mehr so sicher. Er begutachtete die Schere mit milder Besorgnis. „Brauchen wir nicht mehr… Licht?"
Ah, also war der Mann doch sterblich.
„Keine Sorge. Wie ich mit großen, scharfen Objekten in der Nähe umgehe, wird zum Großteil davon abhängen, wie Hermine auf dich reagierte, wenn sie dich wiedersieht. Bis dahin bin ich neutral", versicherte sie ihn mit einem zuckersüßen Lächeln. Die Schere glänzte im Mondlicht.
Er wirkte nur ein wenig vorsichtig, als er auf dem dargebotenen Stuhl Platz nahm und ihr den Rücken zuwandte. „Irgendwie glaube ich, dass Potter dem nicht zustimmen würde", warnte er. Ginny hatte seine Haare bereits in einen Zopf gefasst.
„Ich könnte immer noch besonders schlechte Arbeit leisten", schlug sie ihm vor.
„Könntest du."
Sie scherte sich nicht, ob er einen bestimmten Schnitt wollte. Es kam ihr so vor, als wäre es ihm egal. Und letztendlich verpasst sie ihm den Weasley-Standard-Schnitt. Es bedeutete, das Haar so gerade wie möglich zu schneiden, ohne irgendwelche kahlen Stellen zu hinterlassen. Jahrelange Übung an Rons Haaren hatte sie zu einem Profi werden lassen, fand sie.
Hätte ihr gestern jemand gesagt, sie würde heute Nacht um vier Uhr morgens in Harrys Küche stehen und Draco Malfoys Haare schneiden, hätte sie demjenigen einen Vogel gezeigt und geflucht, dass ihre Mutter ihr dafür auf die Finger geschlagen hätte.
