Epilogue: Part Five
Es kostete Draco nur ein klein wenig Anstrengung Grimmauld Platz unbemerkt zu verlassen, nachdem die Aufklärung über ihn entschieden hatte. Während sie es geschafft hatten, Dracos Rückkehr innerhalb des Ministeriums geheim zu halten, wusste der Rest der Stadt allerdings Bescheid.
Es brauchte nicht lange, bis die Reporter anklopften.
Lucius' Flucht und Dracos anschießendes Verschwinden waren noch immer Grund genug, um ab und an in der Zeitung thematisiert zu werden. „Malfoy Sichtungen" waren beliebt, vor allem im Sommer, wenn Leute in Urlaub an den Strand fuhren, schworen sie, den Vater oder den Sohn in Mallorca oder am Bazar in Marrakesch gesehen zu haben.
Harry hatte es mit Elvis verglichen und hatte dann zehn Minuten damit verbracht, einem eher weniger interessierten Draco zu erklären, wer Elvis Presley war.
Draco hatte nicht viel Gepäck dabei gehabt. Harry hatte einen Blick auf den zerschlissenen, sandigen, nach Kamelurin stinkenden Seesack geworfen, den er mit ins Haus gebracht hatte, und hatte nahezu direkt befohlen, ihn zu verbrennen und anschließend zu vergraben. Es hatte Draco nicht viel Aufwand gekostet, sein Hab und Gut in einen Beutel zu stopfen und runter zu Harry zu gehen, um ihm beim Frühstück Gesellschaft zu leisten, ehe er arbeiten ging.
Darauf hatte Harry leider bestanden.
Malfoy Manor lag eine Besenreise von einer Stunde von London entfernt. Pansy Parkinson, die beauftragte Gesellschafterin des Herrenhauses befand sich zurzeit dort. Harry hatte dies für Draco bestätigt.
Der Mann, auch bekannt als Junge, der überlebt hat, stahl einen Blick nach draußen, in dem er die schweren purpurnen Samtvorhänge im großen Wohnzimmer vom Grimmauld Platz Nummer 12 zur Seite zog, und wurde sofort von blitzenden Kameralichtern von mehr als einem Dutzend schaulustiger Reporter geblendet.
„Die sind früh wach", bemerkte der immer noch verschlafene Harry. „Das habe ich das letzte Mal erlebt, als ich hier eingezogen bin."
Gleichmütig zog sich Draco seinen neuen Stiefel an. „Zerbrich dir nicht deinen hübschen Kopf, Potter. Ich gehe hinten rum raus."
„Das würde funktionieren, wenn wir einen Ausgang hinten hätten", informierte ihn Harry vielleicht etwas zu fröhlich.
Draco erhob sich und starrte ihn an. „Du willst mir sagen, dieses Haus hat keine Hintertür?"
„Ich hatte immer schon vor, eine einbauen zu lassen", sagte Harry. „Ich verstehe nicht, wieso du nicht über Floh reisen willst?"
Draco wollte nicht per Floh oder durch Apparieren nach Malfoy Manor reisen, denn jemand, der fünf Jahre nicht dort gewesen ist, platzte nicht einfach so ins Haus. Es war einfach respektlos. Er würde zur Vordertür gehen und anklopfen, um hinein zu gelangen.
„Ich habe gesagt, zerbrich dir nicht den Kopf. Ich werde schneller in der Luft sein, als sie gucken können."
Harry sah amüsiert aus. „Du kennst offensichtlich die neue Zucht an Reportern des Tagespropheten noch nicht."
Ein entnervter Draco warf einen heimlichen Blick durch die Vorhänge. Obwohl man es nicht unbedingt als heimlich bezeichnen konnte. Er marschierte direkt auf das Fenster zu und riss die Vorhänge zu Seite, um die Reporter böse anzusehen.
„Wer ist das da vorne? Sieht wie Colin Creevey, nur zweieinhalb mal so groß…"
„Das dürfte Colin Creevey sein. Er trainiert."
Colin hatte Draco ebenfalls am Fenster bemerkt. Die Kamera blitzte scharf auf.
„Erwartet dich Pansy?", fragte Harry.
„Nein."
Harry beharrte nicht weiter auf einer Antwort. Denn diese Antwort gab ihm Draco ständig, wenn es um persönliche Dinge ging. Es störte Harry, dass er nicht genau sagen konnte, ob er und Draco nun Freunde waren oder nicht. Es wäre eher probehalber. Und es störte Ginny, die Harry löcherte, ob er und Draco jetzt so etwas wie Kameraden geworden waren. Sie sah es als notwendig an, dass Draco so etwas zugab, denn sonst würde sie nicht erlauben, dass Draco Anstalten machte, Hermine zurückzugewinnen. Harry liebte Ginny, aber sie war ein wenig naiv, wenn sie glaubte, Draco würde wäre die Art von Person, die wartete, ob ihm etwas erlaubt wurde oder nicht. Auch nicht, Hermine zurückzugewinnen. Malfoy tat, was er wollte. Dieser Aspekt seiner Persönlichkeit war unverändert geblieben.
Es war unmöglich zu sagen, was Draco dachte. Wenn er als Teenager verschlossen gewesen war, dann war er jetzt vollständig unlesbar, was seine Gefühle anging. Harry hatte angenommen, er wäre vielleicht glücklich oder erleichtert, seit das Ministerium ihm eröffnet hatte, keine weiteren Nachforschungen anzustellen, aber wer wusste schon, was er dachte?
Was Harry wirklich störte, war, dass Draco das Leben auf Messers Schneide zu leben schien. Oder immer noch zu leben schien, passte besser. Selbst nach sechs Wochen in einem Haus, mit normalen Essen und Harry, der am Abend für simple Gespräche zur Verfügung stand, wirkte Draco immer alarmbereit. Es war beunruhigend. Vor allem, weil diese Alarmbereitschaft ansteckend war, und Harry konnte das Gefühl in seinem eigenen Haus nicht leiden. Es war keine Paranoia, welche verständlich gewesen wäre, nach allem, was Draco hatte durchmachen müssen, nein. Es war eher Dracos natürliche Art, alarmbereit zu sein.
Es war wohl eher eine unwahrscheinliche Vorstellung, dass ein rachsüchtiger Voldemort-Fanatiker in das Haus einbrechen würde, nur um sie in ihrem Schlaf zu töten, aber das hielt Draco nicht davon ab, selbst jede Nacht Nachtwache zu übernehmen, Türen und Fenster und Schränke zu beobachten. Als sie selber im Ministerium hatten anwesend sein müssen, hatte Harry das Gefühl gehabt, seinen eigenen Bodyguard bei sich zu haben.
Also, hieß das, sie waren Freunde? Harry nahm an, das war wohl eher nicht der Fall. Freunde vertrauten einander. Draco vertraute niemandem.
Harry war sich sicher, es gab nur eine einzige Person, die Zugang zu den komplexen Gedankengängen in Dracos Gehirnwindungen hatte. Die Sache war nur, dass diese eine Person im Moment nichts mit Draco zu tun haben wollte.
Hermine hatte das mehr als deutlich gemacht, jedes Mal, wenn das Thema Draco zur Sprache kam.
Dracos wachsamer Blick wurde niemals müde, nicht einmal im Schutz und der Sicherheit vom Grimmauld Platz. Draco machte es nicht mit Absicht, Harry wusste das. Es musste anstrengend sein, sich nirgendwo sicher genug zu fühlen, um zu entspannen, nirgendwo wirklich zuhause zu sein, dachte Harry.
Harry konnte nicht tun, um Dracos Vertrauensproblem zu lösen, aber er konnte ihm wenigstens mit dem Zuhause behilflich sein. Nach Hause zu kommen, sollte etwas privates sein. Draco nach Malfoy Manor zu bekommen, ohne eine Sturmflut an Reportern mit auf den Weg zu schicken, dürfte schwierig werden.
Er merkte gar nicht, dass er Draco die ganze Zeit angestarrt hatte, bis dieser ihm einen entnervten Blick schenkte.
„Dein plötzliches Interesse an meinen Hosen ist beunruhigend, Potter. Was ist los?"
„Hmm", war alles, was Harry sagte, und äußerte seine Sorge laut, „welche Größe hast du noch mal?"
Colin Creevey hatte einen beschissenen Tag. Er und seine unverzichtbare Assistentin Jessica hatten es bisher geschafft, eine Sammlung an Fotos zu schießen, die die Fassade vom Grimmauld Platz zeigten, den ersten Stock und Nachaufnahmen von unerkennbaren Nasen, die sich gegen die Scheibe abgezeichnet hatten. Niemand zahlte für Fotos von anonymen Nasen.
Keine Spur von Draco Malfoy, der heute Harry Potters wachsamen Schutz verlassen würde, nachdem ihm das Ministerium glaubte.
Colins Informant, der in der Magischen Transportabteilung arbeitete, hatte berichtet, dass es bisher keine Floh-Reisen vom Grimmauld Platz gegeben hatte. Das war clever von Malfoy. Floh-Reisen konnten verfolgt werden. Besenflüge nicht.
Nun, nicht, wenn man nicht bereit war, die Verfolgung aufzunehmen, was sie definitiv tun würden.
Niemand wusste, ob Harry überhaupt noch zuhause war, an diesen Morgen, aber Malfoy war es jedenfalls. Sie hatten ihn gerade gesehen.
Drei Stunden in der bitteren Kälte zu warten, hatten sich ausgezahlt, als Malfoy sich endlich gezeigt hatte. Die aufmerksame Jessica hatte ihn als erstes bemerkt.
„Da ist er!", hatte sie gerufen, die Stimme rau von der Kälte. Der unkollegiale Haufen an ihnen, hatte jeden Sinn für Wettbewerb über Bord geworfen, als sie alle nahe zusammengerückt waren, um sich vor der Kälte zu schützen. Sie rissen nicht sofort die Kameras nach oben, denn ihre Arme waren steif, sie brauchten eine Sekunde länger als für gewöhnlich.
Jemand von der Hexenwoche bemerkte, wie gut es sich anfühlen würde, seine Füße wieder zu spüren.
Es war Malfoy. Sie alle hatten die braunen Hosen und die schwarze Strickjacke erkannt, als er am Fenster gestanden hatte. Er hatte die Kapuze über den Kopf gezogen und einen Schal um seine untere Gesichtspartie gewickelt. Kurz galt ihnen sein Blick – Colin erkannte seine Verachtung, denn es musste Verachtung sein – und dann hatte sich Malfoy schon auf seinen Besen geschwungen und war mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Luft gestiegen.
Zeit, Geld für die Miete zu verdienen, entschied Colin, als er und Jessica ihre Besen bestiegen.
Draco wartete die abgesprochenen zwanzig Minute ab, bevor er den Grimmauld Platz unbemerkt verließ. Es war kein Reporter in Sicht. Potter war ein exzellenter Flieger, das musste Draco zugeben. Viel besser, als er als Junge gewesen war.
Potter hatte außerdem falsch gelegen.
Sie hatten nicht die exakt selbe Größe, denn Potters Reiseumhang war ihm ein Stück zu kurz.
Nach Hause zu kommen sollte sich nicht so anfühlen, dachte Draco. Vor allem nicht bei diesem Zuhause. Merlin, er war tatsächlich nervös. Er blieb für einen Moment in der Luft und streckte seine Finger in den Handschuhen. Draco konnte sich nicht daran erinnern, das letzte Mal feuchte Handflächen gehabt zu haben. Und er hatte sie trotz der kühlen Landluft.
Er war über das nahegelegene Dorf Thimble Creek geflogen, welches von einer Frostschicht überzogen war. Nebel lag über dem Dorf, aber es schien zehnmal mehr Einwohner zu haben als früher. Lucius war fort, und Magie war in der Gemeinschaft wieder möglich. Die Leute konnten wieder Geld verdienen. Die alten Einwohner mussten zurückgekehrt sein. Das, oder neue magische Leute hatten sich hier niedergelassen. Alles wirkte neu und mehrere Geschäfte waren aus dem Nichts erwachsen. Draco konnte sogar neue Landhäuser am Rand des Dorfes erkennen, Cottages. Überall, wo er hinsah, erkannte er Menschen, die ihren Arbeitstag begannen.
Da waren auch Kinder. Draco konnte sich kaum daran erinnern, dass Kinder jemals in Thimble Creek gewohnt hatten. Während er über dem Dorf hinweg flog, kam er sich vor wie ein Eindringling, wie ein Teil der düsteren und deprimierenden Vergangenheit des Dorfes.
Es fühlte sich fast falsch an, zurückzukehren.
Ganz kurz erwachte etwas Junges, Ängstliches in ihm, und für einen Moment wollte er umdrehen und verschwinden. Aber es gab nichts, wohin er zurückgehen könnte.
Dann erkannte er Malfoy Manor weit hinter den Tannenspitzen und sein Vorhaben wurde wieder zerschlagen. Er landete völlig still, direkt vor den schmiedeeisernen Toren und für einen Moment blieb er völlig unbewegt.
Obwohl es Winter war, war alles grün. Die Bäume waren kahl, aber die beiden Reihen an gepflegter Hecke, die den Weg zum Haus säumten blühten und waren in gutem Zustand. Draco sog den Anblick in sich auf, wie es nur jemand konnte, der so viel Zeit in der kahlen Wüste verbracht hatte.
Pansy kümmerte sich wirklich gut um das Anwesen.
Er zog den Zauberstab und berührte damit das Tor. Es schwang mühelos auf. Es war weder rostig noch kaputt. Das gehörte der Vergangenheit an. Er schwang den Besen über die Schulter und begann zu laufen. Das Laub zerbarst unter seinen Füßen.
Das Herrenhaus war sogar Frisch angestrichen worden. Fast war Draco amüsiert darüber, dass selbst die schicke weiße Farbe die gotische Unterdrückung, die das Anwesen ausstrahlte, nicht hatte entfernen können. Das Haus hatte einen eigenen Charakter. Das Dach war neu gedeckt worden, und die Fenster und deren Rahmen wirkten ebenfalls neu und sehr sauber. Als er den Haupteingang erreicht hatte, erkannte er, dass die beiden weißen Marmorsäulen ebenfalls poliert worden waren. Die bronzenen Drachenkopf-Türklopfer schimmerten ebenfalls im Licht.
Das Déjà-Vue traf ihn hart. Er erinnerte sich, als er das letzte Mal vor der Tür gestanden hatte und sich ebenfalls unwohl gefühlt hatte, weil er damals seinen Vater hatte über die Heirat mit Hermine hatte informieren müssen. Hermine hatte neben ihm gestanden, ängstlich, mutig, aufgewühlt und entzückend. Sogar recht zuversichtlich in ihrer Naivität, dass Draco sie vor allem bösen in Malfoy Manor würde beschützen können. Ob nun vor Lucius Malfoy oder eben allem anderen.
Er hätte ihre Hand halten sollen.
Draco benutzte den Türklopfer und wartete. Aber es dauerte nicht lange, bis er schnelle Schritte hinter der Türe hörte und diese aufschwang. Pansy stand vor ihm, in sauberer, teurer pinker Kleidung und Lippenstift in derselben Farbe. Sie wirkte nicht einmal überrascht, ihn zu sehen.
„Das wird aber auch Zeit", sagte sie, ehe sie sich in seine Arme warf.
„Ähm."
Draco blickte über Pansy dunkelhaarigen Kopf hinweg, zu einem blonden Mann, der beiden einen bösen Blick vom Treppenabsatz zuwarf. Er hielt einen Staubwedel in der Hand, aber von seinem Blick her zu urteilen, hätte es auch gut eine Machete sein können.
Eine schniefende Pansy löste sich aus der leichten Umarmung und strahlte mit glasigen Augen zu ihm empor. Und dann schlug sie ihm gegen den Arm. „Ich würde dich am liebsten umbringen, wegen all der Sorge, die ich hatte!"
„Stell dich an", murmelte Draco und rieb sich seinen Oberarm. „Wer ist das?", wollte er mit einem Kopfrucken in Richtung des bösen Mann wissen, der anscheinend unbedingt zusehen musste, wie Pansy ihn maßregelte.
„Oh." Pansy wurde rot und richtete ihre Haare, obwohl sie immer noch perfekt lagen. „Draco, das ist Boris. Mein Diener."
Boris ließ als Begrüßung seine Hacken gegeneinander schlagen, aber der finstere Blick blieb auf seinen Zügen.
Irgendwas an dieser Vorstellung verlangte eigentlich noch weitere Nachfragen, aber Draco war gerade viel zu beeindruckt, was Pansy alles mit dem Anwesen angestellt hatte.
Alles war renoviert worden in einem Rokokostil. Wandornate, Deckenrosetten und Stuck, den seine Mutter so geschätzt hatte, waren alle wieder hergerichtet, poliert und verfeinert worden.
„Pansy, du hast ganze Arbeit hier geleistet", sagte er, ehrlich beeindruckt.
Pansys Mundwinkel hoben sich zufrieden bei diesem Kompliment. „Du weißt doch, dafür wurde ich geboren, Draco."
Er neigte ihr den Kopf zu. „Das hast du immer gesagt", erwiderte er leise. „Ich glaube, dass ich niemals begreifen werde, wie viel Arbeit es kostet, so etwas zu leisten."
Pansy schniefte wieder. „Deine Mutter hat fabelhafte Arbeit geleistet, mag sie in Frieden ruhen. Ich habe nur fortgeführt, was sie begonnen hat." Sie hakte sich bei ihm unter. „Komm, ich führe dich rum, bevor ich dich ausfrage. Boris, würden Sie uns Tee in den Salon bringen?"
Pansy mochte vielleicht ein gutes Oberhaupt hier im Haus sein, aber Boris war kein höriger Hauself. Ein leicht angewiderter Ausdruck lag auf seinem mürrischen Gesicht.
„Bitte?", fügte sie scharf hinzu und verengte die Augen.
Dieser murmelte etwas Unverständliches und verschwand. Sein Gang war merkwürdig plump, für so eine schmale Person.
Draco sah sie mit erhobener Augenbraue an, und sie verdrehte die Augen. „Keine Sorge, ich nehme ihn mit, wenn ich gehe."
Die Runde begann in der Bibliothek, in der ein riesiger, neuer Perserteppich lag. Außerdem war der Kamin komplett neu gekachelt. Draco erkannte den großen Spiegel über dem Kamin. Er hatte damals in einem der Gästezimmer gehangen. Zwischen den Mahagonibücherregalen hing eine Karte von den britischen Inseln. Magisch, natürlich. Immer wieder fuhr ein winziges Tintenschiff von der Südküste los und zeichnete eine Linie nach Frankreich. Die Runde führte weiter durch die Schlafzimmer, die größtenteils unberührt geblieben waren, außer frischer Farbe an Dracos Wänden und neuen Vorhängen aus braunem und goldenem Satin. Fast Gryffindor-Farben, überlegte Draco.
Frische Blumen standen im alten Schlafzimmer seiner Mutter, und Draco war aufgefallen, dass Pansy einige der Portraits ersetzt hatte, die Lucius zuvor fortgebracht hatte. Er hielt vor dem einzigen inne, das alle drei zeigte – ihn und seine Eltern. Es war das letzte Bild, das von ihnen gemacht worden war, ehe Narzissa das Anwesend verlassen hatte.
Pansy stellte sich neben ihn. Der Duft ihres Parfüms füllte das Zimmer. „Das hat mir immer gefallen", sagte sie. „Wie alt warst du da?"
„Zwölf", erwiderte Draco. Seine Stimme klang weit entfernt.
Das Gemälde war beinahe schon aus einem anderen Leben. Er betrachtete sein zwölf Jahre altes Ebenbild. Er war noch nicht ganz in seine Züge gewachsen, und er hasste die furchtbare Robe, die ihm seine Mutter damals aufgezwungen hatte. Im Bild zog und zerrte er ständig daran. Es hatte passend dazu noch einen Hut gegeben, aber da hatte er sich strikt geweigert. Narzissa saß auf einem Stuhl, während ihre blassen, eleganten Hände bescheiden in ihrem Schoß gefaltet waren. Sie bewegte sich nicht, blinzelte manchmal, als würde sie immer noch für das Portrait sitzen. Kein Lächeln. Narzissa lächelte nie auf Bilden, denn sie sagte ein Lächeln machte das Bild älter. Aber Draco hatte nie verstanden, warum. Ein Lächeln war zeitlos, seiner Meinung nach.
Lucius stand locker hinter Narzissa, einen Arm auf der Stuhllehne, einen Fuß im langen glänzenden Stiefel lässig vor den anderen gestellt. Das war natürlich vor der Untersuchung. Vier Jahre vorher, ehe ihm sein Zauberstab genommen worden war. Sein Ausdruck zeigte kein Zeichen des Verlusts oder dass er vom Ministerium besiegt worden war. Sein schönes Gesicht strahlte über alles hinweg, auch über den Betrachter.
Pansy war in einem der Gästezimmer im Ostflügel untergebracht. Und pink war hier eine der dominanten Farben. Aber, was Draco wirklich ins Auge fiel, war das Bett. Oder vielmehr, die Stoffelefanten, die sich auf der Tagesdecke aus Seide gegenseitig verdrängten.
Es waren ein Dutzend flauschige Elefanten, in verschiedenen Größen, die in Reihen auf dem Bett arrangiert waren.
In der Mitte sah Draco den ältesten Elefanten, groß, gelb und die Ohren könnten neue Nähte gebrauchen. Er wandte an Pansy, um ihr einen entsprechenden Blick zuzuwerfen, aber sie war damit beschäftigt, den Himmel des Bettes in allen Einzelheiten zu beschreiben.
Und Draco beherrschte sich nur knapp.
Es bestand die Möglichkeit, dass er eine falsche Vermutung anstellte, aber das bezweifelte er.
Das nächste Ziel war das Studierzimmer seines Vaters. Aber er hielt vor der Tür inne. Sie standen an derselben Stelle, an der er Hermine beinahe geküsst hatte, damals, als sie Lucius besucht hatten.
Pansy missverstand sein Zögern. „Brauchst du einen Moment? Soll ich dich alleine lassen?"
Er entschied sich für eine passende Antwort. „Nein, schon gut. Ich denke, ich überspringe dieses Zimmer. Dafür ist später noch Zeit."
Sie nickte, ergriff seine Hand und führte ihn in den nächsten Salon.
„Hier gab es nicht viel zu tun. Toolip hat es in Ordnung gehalten, selbst als dein Vater verschwunden war. Sie meinte, es wäre, was er gewollt hätte."
„Wo ist Toolip überhaupt? Du hast sie nicht entlassen, oder?"
„Die Elfe?", schnaubte Pansy. „Da hätte ich mehr Glück, Harry Potter zu verführen. Sie ist im Dorf, Besorgungen machen."
„Wo wir gerade von Thimble Creek sprechen… - alles hat sich dort verändert", bemerkte Draco.
Pansy grinste. „Ja, nicht wahr? Alles wegen der Weißbuche. Ich lasse sie von den Leuten anbauen. Es wäre unmöglich, das Dorf zu unterhalten, mit dem wenigen Gold, dass das Ministerium hier erlaubt. Also musste ich einen anderen Weg finden, Geld zu machen. Die Bäume auf Malfoy Manor sind tatsächlich die besten im Land. Hat uns etwas Zeit gekostet, herauszufinden, wie man das Holz am besten weiterverarbeitet, aber sobald wir es gemeistert hatten, konnten wir direkt an die Zauberstabmacher verkaufen. Und an einige Apotheker. Und das Dorf profitiert von den Verkäufen, wie du wohl gesehen hast."
Sie betraten den Salon und setzten sich gegenüber auf zwei satinbezogene, gestreifte Sofas neben dem Kamin. Pansy schürte das Feuer, während Draco sich die Handschuhe auszog und in seine Tasche steckte.
„Die sehen gut aus", bewunderte Pansy das Kaschmir gesäumte Leder. Es war offensichtlich, dass die Handschuhe überhaupt nicht zum Rest von Dracos Kleidung passten. Pansy fiel so etwas auf.
„Sie gehören Potter. So wie alles andere auch, was ich im Moment trage", gestand er resignierend ein. „Mir wurde auch mit Haftstrafe gedroht, wenn ich sie nicht zurückbringe."
Pansy richtete ihren Rock und sah ihn schließlich an, die Augen groß und fragend. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass du mir tatsächlich gegenüber sitzt."
Draco schenkte ihr ein Lächeln. „Bin ich so schlimm gealtert?"
Sie lachte auf. Es klang so wie in der Schule. Mädchenhaft, ein wenig herablassend. „Draco, Schatz, selbst mit dieser Frisur bist du unwiderstehlich, auch wenn du einhundertundacht Jahre alt wärst." Sie wurde ernst. „Aber war es so schlimm, wie die Zeitungen vermuten lassen? Sie sagen, du warst eine zeitlang in Afrika. Stimmt das?"
„Ich war in Ägypten", bestätigte Draco. „Ich war in Europa, zwei Jahre davor."
„Was ist in Ägypten passiert?"
Kurz sah es so aus, als wolle er nicht ins Detail gehen, aber dann sprach er. „Ich habe Bellatrix aufgespürt, sie bis nach Kairo verfolgt, dann ist sie nach Kenia geflohen. Am Ende, habe ich in sie Nairobi gestellt und sie zurück nach Kairo gebracht, ehe wir hierher kamen."
„Ja", sagte Pansy, die Augen groß. Ein Schauer schien sie zu befallen. „Und ich glaube, alles, was dazwischen passiert ist, würde mir Albträume bereiten. Sag mir eines. Wäre es möglich gewesen, dass das Ministerium sie hätte fangen können, wärst du zurückgekehrt und hättest gesagt, was du wusstest?"
Das Untersuchungs-Team hatte diese Frage natürlich schon von allen Seiten beleuchtet. Er sagte ihr dasselbe, was er dem Ministerium gesagt hatte. „Vielleicht", räumte Draco ein, „aber ich denke, ich habe es nur geschafft, weil ich fähig war, mich in sie hineinzuversetzen, sozusagen. Es hat viel Zeit gedauert, mich ihr zu nähern, ohne dass sie es gemerkt hat. Ich kann dir nicht sagen, wie paranoid sie gegen Ende geworden ist."
„Und aus gutem Grund, wie es scheint", bemerkte Pansy.
Seine Antwort war ein sardonisches Lächeln.
„Hast du immer noch Gefühle für Granger?", fragte sie mit fast grausamer Gleichgültigkeit. „Du bist seit mehr als einer Stunde hier und hast nicht einmal ihren Namen erwähnt. Man kann die Umstände wohl kaum vergessen, als du verschwunden bist", erwähnte sie. „Oder erraten, warum du jetzt wieder hier bist."
„Meine Gefühle in dieser Sache sind unverändert", erwiderte Draco neutral.
„Es wird dich viel Zeit kosten, sie dazu zu bringen, die wieder zu vertrauen. Ich würde dir niemals vergeben, selbst wenn du Bellatrix Lestrange als Entschuldigung mit dir zurück gebracht hast."
„Danke, Pansy."
Ihr Blick war mitfühlend. „Entschuldige, dass ich so pessimistisch bin. Vor vier Monaten ist August Winthrop auf einer Mission nach Devonshire umgekommen. Er und Millicent waren bloß zwei Wochen verheiratet gewesen."
„Verfluchte Scheiße", zischte Draco. „Was ist passiert?"
„Seltsamerweise hat jemand behauptet, dich gesehen zu haben. Das Ministerium hat zwei Leute losgeschickt, das tun sie üblicherweise, wenn eine Malfoy-Sichtung vorliegt – sei es wegen dir oder deinem Vater. Niemand hat erwartet, direkt in ein Todesser-Camp zu wandern. Und es waren keine Auroren gewesen, die das Ministerium geschickt hatte. Winthrop war bloß Verwaltungsleiter, meine Güte. Millicent ist seitdem untröstlich. Liebe ist eine Last, Draco", sagte sie, ein wenig zu scharf, als dass es ein neutraler Kommentar sein könnte. „Es macht dich verwundbar für alle Schmerzen, aber ich denke, das weiß du schon."
„Weswegen du ein glücklicher Single bleibst, nehme ich an?" Draco betrachtete sie wachsam.
Sie blinzelte verblüfft bei diesem Themenwechsel. „Ja, ganz genau."
Draco legte seine Arme zurück auf die Sofalehne und begutachtete die Tür. „Dein Boris braucht ziemlich lange für den Tee."
Als wäre es ein Stichwort gewesen, hörte er das Geräusch einer Tür, die zu laut ins Schloss fiel und anschließend das Geräusch von zerbrechendem Glas.
Pansy wirkte kurz beunruhigt, zauberte aber schließlich ein Lächeln auf ihre Züge. „Die Küche ist etwas entfernt."
Draco versteckte seine Belustigung. „Ja, ich erinnere mich."
Pansy Lächeln wurde schmaler, und sie erhob sich. „Ich sehe mal nach, warum er so lange braucht."
Nach einem kurzen Moment, zog Draco Harrys teure Handschuhe aus der Tasche und ließ sie auf dem Sofa liegen.
Er blieb für insgesamt drei Stunden. Wenigstens kochte Pansy besseren Tee als es Potter tat. Sie hatte entschieden eine Soiree zu veranstalten, um Malfoy Manor wieder zu öffnen, und seinen rechtmäßigen Bewohner willkommen zu heißen. Draco war klug genug, nicht zu widersprechen. Denn es war eigentlich Pansys Auf Wiedersehen, und er würde es ihr nicht verwehren.
Draco hatte darauf bestanden, dass sie blieb, um die erfolgreicher Zucht der Weißbuchen zu überwachen, aber sie hatte ihm versichert, dass im Dorf bereits ein ausreichend ausgebildeter Zauberer ihren Platz einnahm. Es hatte ihn etwas Überredung gekostet, aber sie hatte ihm schließlich verraten, dass sie nach Norditalien gehen würde, um dort in einem Haus zu leben, was sie erworben und renoviert hatte. Boris, der so gut wie unvermittelbar war, würde sie mitnehmen.
Aus Mitleid, behauptete sie.
Pansy war vieles, aber Draco hatte nicht gewusst, dass sie eine weiche Seite besaß.
Draco würde im Dorf bleiben, bis die Transaktion erfolgreich beendet wäre, trotz ihrer Proteste sofort in sein Zimmer zu ziehen. Nach sechs Wochen mit Potter kam Draco die Einsamkeit gerade recht.
Er verließ gerade das Anwesen durch die Tore, als Boris außer Atem zu ihm aufschloss.
„Mr Malfoy! Die haben Sie vergessen!", rief er und deutete auf Harrys Handschuhe.
Draco wandte sich gereizt zu ihm um. Er griff sich die Handschuhe. „Merlin, Goyle, das hat verdammt lange gedauert. Wäre ich noch langsamer gegangen, wäre ich irgendwann rückwärts gelaufen."
Goyles Mund öffnete sich perplex. Er sah aus wie ein geschockter Goldfisch. „Was… du… du weißt es!"
„Ja, ich weiß es", schnappte Draco. „Als wäre die kleine besitzergreifende Vorstellung im Foyer nicht schon genug gewesen, dann hätte mich spätestens die bunte Safari auf Pansys Bett überzeugt."
Goyles Mund schloss sich. „Nun, ja. Sie mag Elefanten", murmelte Goyle.
„Das hatte ich angenommen", seufzte Draco. „Warum zur Hölle bist du hier? Wenn sie dich finden, verbringst du den Rest deines Lebens in Askaban! Ganz zu schweigen, was sie ihr antun würden!"
„Sie werden mich nicht finden. Ich bin Boris, schon vergessen?"
„Was mich zu der Frage bringt: Wo ist der echte Boris?" Draco verengte die Augen. „Oder will ich das nicht wissen?"
Er ist ein Verkäufer aus Ulaanbaater in der Mongolei. Er hat hiervon keine Ahnung, und wir haben genug seiner Haare, um noch ein weiteres Jahr Vielsafttrank zu verwenden und… ja, du willst es nicht wissen."
Draco runzelte die Stirn. „Dann hoffst du besser, dass niemand aus dem Urlaub wiederkommt und sich wundert, warum ein Verkäufer, den sie gesehen haben, plötzlich Türgriffe für Pansy Parkinson in Wiltshire poliert!"
„Wer zur Hölle geht nach Ulaanbaatar in der Mongolei, um Urlaub zu machen?"
Draco dachte kurz nach. „Stimmt auch wieder", schloss er.
Goyle wirkte kurz unschlüssig und besaß dann die Dreistigkeit ihn anzugrinsen. „Gut, dich zu sehen. Selbst wenn du aussiehst wie Scheiße."
Draco fragte sich, ob er nun dazu verdammt war, ständig über sein verlorenes Aussehen hören zu müssen. „Seit wann bist du schon Boris, der Diener?"
„Seit zwei Jahren."
Wieder wurde er zornig. „Scheiße, Goyle! Ich hätte angenommen, nach so langer Zeit hättet ihr euren Plan – was auch immer euer Plan ist – in Angriff genommen!"
„Tja, es war nett, hier zu leben, in Frieden, nach allem, was ich tun musste… das weißt du alles, nehme ich an. Es wundert mich, dass sie mich überhaupt zurückgenommen hat! Du kannst nicht verurteilen, dass wir ein wenig Routine wollten."
„Du hättest es mir sagen sollen! Es beleidigt mich, dass weder du noch Pansy mir vertrauen."
„Malfoy, bei allem Respekt, wir haben erst vor zwei Monaten erfahren, dass du noch am Leben bist. Wir wussten nicht, was wir denken sollten, ehe wir dich gesehen haben. Du hättest geschickt worden sein können, um mich zu finden."
„Und was denkst du jetzt?"
Goyle schien nachzudenken. „Ich denke, du bist zurückgekommen, aus demselben Grund aus dem ich auch zurückgekommen bin. Und da ist etwas, was Pansy nicht gesagt hat…"
Draco sah ihn neugierig an. „Ja?"
Goyle zögerte. „Also, ich nehme bloß an, dass Pansy es dir nicht gesagt hat, weil du gerade nicht danach aussiehst, als würdest du gerne jemanden umbringen wollen-"
„Ich weiß von Snape", unterbrach ihn Draco. „Und ich bin in der Lage, etwas dagegen zu tun, jetzt, wo ich meine Identität zurückhabe."
Goyle nickte schnell. „Natürlich ist furchtbar, was ihm passiert ist. Er wurde verhaftet, weil er Lucius befreit hat, aber dann war da noch die illegale Verwendung von Veritaserum gegen Pansy, in der Nacht, als wir verschwunden sind. Sie hat sogar einen Brief geschrieben und gesagt, es hätte ihr nichts ausgemacht, sie hätte ihm schon längst vergeben, aber das hat nichts gebracht. Dumbledore hat alles versucht, um ihn zu retten, aber alle Stimmen waren gegen Snape."
„Wenn es nicht um Snape geht, was hätte mir Pansy sonst sagen sollen?"
Goyle wirkte nun besonders nervös. „Nicholas Winter", sagte er schnell. „Er ist muggelgeboren und arbeitet in Grangers Abteilung. August Winthrop und Winter waren gute Freunde. August und Millicent waren oft hier zu Gast und… ich habe die Gespräche belauscht, als fleißiger Diener, der ich nun mal bin."
„Nicholas Winter?", wiederholte Draco, und sein Ausdruck verdunkelte sich.
„Er ist Grangers Chef. Nicht wirklich Chef. Eher ein… Abteilungsleiter. Vielleicht nicht mal das. Vielleicht ist er auch bloß ein Kollege, ich könnte auch falsch liegen. August hat jedenfalls immer erzählt, dass Nick die Abteilung praktisch leitet."
Draco hob ungeduldig die Hand. „Greg, wer zur Hölle ist Nicholas Winter, und warum sollte ich so was wie mörderische Wut ihm gegenüber empfinden?"
Goyle schenkte seinem alten Freund ein Blick voller Mitgefühl. „Er ist Grangers fester Freund."
