Epilogue: Part Twelve

Es war noch vor dem Morgengrauen. Der Himmel war noch überwiegend Schwarz, aber rot, orange und marmorfarbige Streifen zogen sich bereits durch die Wolken. Auf der Fensterscheibe war Wasser kondensiert. Es war warm in Hermines Schlafzimmer. Nicht die trockene Wärme, die mit einem Temperatur-Zauber kam, sondern die langsam, stetige Wärme, die einen ganz erfasste, einem in die Knochen ging, überallhin, wo man annahm, dass man dort nie warm werden würde. Es war ein Wintermorgen so gut, wie er eben sein konnte.

„Mrrrau."

Krummbein sah aus wie ein haariger, orangener Donut am Fußende des Bettes. Er war etwas anhänglich, seitdem Hermine ihn aus dem Versteck unter den Dielen hervorgeholt hatte. Zwar hatte sie ihm neben den Hasenhausschuhen auch noch eine warme Wasserflasche in seinen Korb gelegt, aber dennoch kam er immer wieder zurück ins Bett. Wenn Draco raten müsste, würde er sagen, die Katze war ein wenig besitzergreifend.

„Du kein dein Frauchen nach dem Frühstück wieder ganz für dich haben", flüsterte Draco. Anscheinend zufrieden senkte Krummbein seinen eckigen Kopf wieder auf seine Pfoten und schlief weiter.

Draco sah Hermine wieder an. Er das tat bereits seit einer Stunde. Sie schlief, wie er sich erinnerte: tief, alle Gliedmaßen von sich gestreckt, mit einem fast ernsthaftem Ausdruck auf den Zügen. Manche Menschen, runzelten die Stirn oder zuckte im Schlaf, aber sie war ruhig. Wie ein Kind seufzte sie manchmal sanft und ihre Mundwinkel hoben sich ein winziges Stück.

Wenn sie träumte, war es wohl ein guter Traum.

Sie lag halb über ihm, ihre ruhte auf seiner bloßen Brust, die sich sanft hob und senkte, mit jedem Atemzug, den er tat. Das Bettlaken, das sie sich teilten, bedeckte nur ihre Hüfte. Draco blickte an ihr hinab, über ihren Kopf, zu den entspannten Schultern, ihren hübschen Rücken hinab, bis zu der sanften Kurve über ihrem Po.

Diese Aussicht war, seiner Ansicht nach, perfekt.

Sie bewegte sich im Schlaf, drehte ihr Gesicht von der rechten auf die linke Seite, und er bemerkte die Locken, die sie im Schlaf platt gedrückt haben musste.

Draco berührte eine der größeren Locken auf ihrem Kopf. Er tat dies vorsichtig, falls er sein Glück zu selbstverständlich nahm und sie plötzlich unter seinen Fingern verschwinden würde. Oder was schlimmer wäre, falls er anschließend aufwachen würde, kalt und alleine auf Malfoy Manor.

Echtes Licht schien nun durch die Fenster, so dass er die Wärme der Sonne auf seinem Gesicht spüren konnte. Es war offiziell ein neuer Tag und es fühlte sich real an. Es war kein Traum.

Als er wieder zur Hermine blickte, hatten sich ihre Augen geöffnet. Sie sah noch nicht sehr wach aus. Eigentlich wirkte sie ziemlich verschlafen. Draco wusste nicht, warum, aber er hielt den Atem an, aus Angst, dass sie ihre Meinung geändert haben könnte.

„Deine Füße sind kalt", murmelte sie, rümpfte kurz die Nase und dann war sie wieder eingeschlafen.

Er atmete erleichtert aus und begann wieder, ihre Haare zu streicheln.

Jemand klopfte an der Tür. Hermine stützte sich auf den Ellbogen ab, als sie aufwachte. Sie drehte sich um. Draco saß am Fuße des Bettes, bereits fast vollständig angezogen, während er die Stiefel überzog. Seine Kleidung wirkte immer noch etwas feucht. Sie erinnerte sich, dass sie sie neben das Feuer gehangen hatte, ehe sie schlafen gegangen waren.

„Bleib hier", sagte er knapp.

Sie brauchte einen Moment, ehe sie sich den Schlaf aus den Augen gerieben hatte. Sie bekam wohl also kein zärtliches, liebevolles ‚Guten Morgen' von ihm zu hören. Hermine spürte einen kurzen Stich. Sie setzte sich hin und zog das Laken bis zum Kinn. „Wie spät ist es?"

Es klopfte erneut. Er stand auf und verschloss den Reißverschluss. „Viertel vor sieben. Erwartest du jemanden so früh?"

Hermine runzelte die Stirn. Sie entschied sich, dass sie Draco lieber nackt um sich hatte. Sie wusste, was er dachte, wenn er keine Kleidung trug. Vollständig angezogen wirkte er abwesend, geschäftig. „Nein. Aber es ist niemand, der nicht hier sein sollte, sonst wäre der Alarm losgegangen."

Seine Augenbraue hob sich. „Das wäre dann derselbe lautlose Alarm, der mich gestern Abend angekündigt hat?"

„Jap, alles in meinem Kopf", erwiderte sie mit einem zufriedenen Lächeln. Sie wusste, dass ihn der Zauber beeindruckte.

„Du musst mir später erklären, wie er funktioniert", sagte er und besaß dann die Dreistigkeit zur Tür zu maschieren.

„Warte, Malfoy. Komm zurück."

Sie fühlte sich leicht und krabbelte zum Rand ihres Bettes und zog ihn an seinem Shirt zu sich, um ihn fest zu küssen.

„Guten Morgen, Draco", sagte sie lächelnd. Seine Lippen teilten sich und sie beschloss, die Chance zu nutzen und den Kuss zu vertiefen. Aber schnell geriet es außer Kontrolle.

Schon war das Laken verschwunden. Er sah sie an, aber sein Ausdruck war düster. Sie fragte sich, ob der neue Tag eine neue Reihe an Problemen mit sich brachte, die seine Leidenschaft zügelten.

Aber nein, anscheinend nicht.

Er schlang den Arm um sie, küsste ihren Nacken und widmete sich dann ihren Brüsten. Hermine hatte sie stets ein wenig zu klein gefunden, aber sollte Draco es ebenfalls so sehen, dann sah man es seinem Gesicht bestimmt nicht an. Seine waremn Handflächen, massierten ihre Brüste. Dann saugte er an den Brustwarzen, küsste ihre Brust hinab, und im Licht des hellen Tages schickte es Schauer über ihren Rücken, seinem blonden Schopf dabei zuzusehen.

Er war jetzt unglaublich sanft, und es war ein starker Kontrast zur Wildheit der letzten Nacht. Es war ihr egal, wie er sie liebte, denn es gefiel ihr alles gleich Sie fühlte sich zerbrechlich und wertgeschätzt unter ihm.

Sie lagen wieder auf dem Bett und er plazierte sanft Küsse auf der Innenseite ihres Oberschenkels. Verlangen überkam sie. Sie war immer noch wund und sensibel von den Anstrengungen der letzten Nacht, und wenn er vorhatte, was sie annahm, dass er vorhatte, dann würde sie es wohl nicht aushalten.

Das Klopfen an der Tür war jetzt ein Hämmern geworden.

Sie umfasste seine Schultern und zog ihn leicht zurück. Er hörte auf, denn er reagierte immer auf sie. Sie sahen einander kurz in die Augen und dann spürte Hermine seinen warmen Atem zwischen ihren Beinen für einen kurzen Moment lang. Dann teilte seine Zunge ihren Eingang und leckte und drang in sie. Sie keuchte auf und unterdrückte die Geräusche, die sie machte, in dem sie ein Kissen vor ihr Gesicht zog.

Letzte war all das so dekadent und emotional gewesen. Jetzt war es hart und echt und… ohhh.

Sie kam.

Bäng, bäng, bäng, schallte es von der Tür.

Feuerwerke schienen hinter ihren geschlossenen Augen zu explodieren. Sie registrierte, dass Draco sie in den Arm genommen hatte und sanft ihren Rücken streichelte, während die Wellen abebbten.

„Ich werde jetzt zur Tür gehen", flüsterte er. Wie konnte er hier nach so normal klingen?

Hermine hatte nicht geglaubt, dass sie ihn würde loslassen können, aber sie schaffte es.

„Zieh dich an und komm raus, wenn du fertig bist." Er küsste sie auf die Stirn.

Und dann war er gegangen und hatte die Tür leise hinter sich geschlossen. Es war gut, dass die magische Bevölkerung länger lebte als die der Muggel, denn Hermine würde alle die übrigen Jahre brauchen, um sich an das Zusammenleben mit Draco zu gewöhnen.

Sie fühlte sich glücklich und entspannt und ließ sich wieder zurück aufs Bett fallen. Sie zog die Decke wieder über den Kopf und spürte, wie sie angestupst wurde. Sie lugte unter der Decke hervor und vertraute orangene Augen blickten sie erwartungsvoll an.

„Meine Güte, Krummbein. Ich dachte, ich hätte dich in deinen Korb geschickt?"

Der alte Kater sah sie an, als wolle er fragen: ‚Und, ist er endlich weg?' Dann begann er laut zu schnurren.

„Du schläfst heute so was von auf der Couch, Mister", informierte sie ihn ernsthaft, aber sie machte ihre Drohung zunichte, indem sie ihn daraufhin ausgiebig kraulte.

Ron war rot vor Anstrengung, als Hermines Tür sich öffnete. Er begriff, dass er mit einem missmutigen Blick auf dem Gesicht vor der Tür verharrte, die Faust in der Luft, wie ein Trottel, aber der Schock wischte alle Gedanken weg.

Draco Malfoy, von Kopf bis Fuß in Fliegerklamotten gekleidet, betrachtete ihn leicht genervt.

„Ja?"

„Was tust du denn hier?", wollte Ron wissen und bereute, dass seine Stimme eine halbe Oktave höher geklettert war. „Und was zur Hölle ist mit dem Zaun passiert?"

„Ich bin nicht derjenige, der zu unpassenden Stunden an einem Sonntagmorgen an die Tür hämmert", erwiderte Draco ruhig.

Ron versuchte, über Dracos Schulter zu spähen, aber Draco füllte die gesamte Tür, mit wenig Platz, um hineinzusehen. „Wo ist Hermine? Ich muss sie sprechen. Eigentlich ist es gut, dass du hier bist. Ich habe Neuigkeiten für euch beide." Er machte einen Schritt nach vorn.

Draco blockierte mit der Hand die Tür und hielt Ron auf.

„Sie zieht sich an, und dann wollen wir ein nettes, gemütliches Frühstück haben. Wir beide haben diese Sache schon hinter uns, also mach es nicht extra schwer für sie, Weasley", warnte er ihn, und keine Freundlichkeit lag in seiner Stimme.

Ron fühlte sich beleidigt. „Wir sind nicht mehr in der Schule. Vielleicht überrascht es dich, aber ich habe Manieren."

Draco lächelte dünn. „Ja, das überrascht mich."

Idiot. Ron wollte ihn schlagen. „Kann ich jetzt reinkommen?"

Draco schritt zur Seite.

Hermine verschloss gerade den Gürtel ihres weißen Kimonos, als sie das Wohnzimmer betrat. Ihr fiel auf, dass Ron an der Tür gewesen war und dass er und Draco wohl versuchten, sich gegenseitig Aneurysmen zu verpassen, allein durch böse Blicke.

„Was ist los, ist ein simples ‚Guten Morgen' zu viel verlangt?", wollte sie erschöpft wissen. Sie wandte sich mit besorgtem Blick an Ron. „Was ist los, Ron? Ist alles in Ordnung?"

Hermine hatte zwar etwas an, aber sie hätte genauso gut nackt sein können. Sie sah aus, als wäre sie einen Marathon gelaufen. Außerdem waren ihre Haare zerzaust und ihre Lippen verräterisch geschwollen. Dennoch fand Ron, er riss sich sehr gut zusammen und brachte die Neuigkeiten endlich über die Lippen.

„Snape ist letzte Nacht geflohen."

„Was?", rief Hermine aus und ihre Augen weiteten sich.

Draco schien eher neugierig als geschockt. „Wie?"

„Sie nehmen an, er hatte Unterstützung", erwidert Ron. „Er hat kein einziges Schloss zerstört und keine Wachen verletzt. So wie es aussieht, ist er aus Askaban spaziert, ohne dass es jemand mitbekommen hat. Na ja, abgesehen von Ginny."

„Ginny!", entfuhr es Hermine. „Sie war da?"

„Äh, ja." Dieser Teil gefiel Ron überhaupt nicht gut. „Sie hatte mit ihm einen Termin in einer privaten Verhörzelle. Er hat es geschafft, sie bewusstlos zu schlagen und ist dann verschwunden."

Jetzt wirkte Draco überrascht. „Snape hat Ginny Weasley geschlagen?"

„Ihr… ihr geht's wirklich gut!", versicherte Ron Hermine schnell, denn sie war merklich blass geworden. „Er hat sie am Hinterkopf erwischt. Sie ist nicht hart gefallen. Hat kaum eine Beule. Obowhl… - das Harry klar zu machen war-"

„Wo ist Ginny jetzt?", unterbrach ihn Hermine.

Ron kratzte sich am Hinterkopf. „Sie ist im Fuchbau mit Harry. Ich weiß nicht, wer trauriger ist, Harry oder Mum. Es sind bereits Leute auf Snapes Spur, das Problem ist nur, dass er so gut wie keine hinterlassen hat." Er wandte sich an Draco. „Was wolltest du überhaupt mit meinem Vater besprechen? Er hat gesagt, du hattest ihm letzte Woche eine Eule geschickt, um über Snapes Strafe zu sprechen."

„Das habe ich", bestätigte Draco. Er saß auf der Armlehne von Hermines Blumensofa, die Arme vor der Brust verschränkt. Er wirkte amüsiert. „Aber es scheint, als hätte sich dieses Problem gelöst."

Ron grunzte auf. „Ja, es scheint so. Bisschen zu passend, oder nicht?"

Draco schenkt Ron einen eisigen Blick. „Nicht wirklich. Zu passend wäre es, wenn dein vater mir gesagt hätte, er könne Snape nicht helfen und Snape wäre dann passenderweise geflohen, während du mich am nächsten Morgen in Malfoy Manor finden würdest, ohne Hermine und ein wasserdichtes Alibi."

Ron wandte sich abwartend an Hermine.

„Oh, große Güte, Ron! Ja, er war bei mir die ganze Nacht! Seit acht Uhr abends."

„Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass er nichts damit zu tun hat", stellte Ron klar.

„Ronald-"

Draco erhob sich. „Du hast recht, das tut es nicht. Und ich sage dir, ich hätte es versucht, wenn es keine Möglichkeit zu einer neuen Verhandlung gegeben hätte."

„Malfoy, das ist nicht hilfreich!"

Ron zuckte die Achseln. „Immerhin sind wir ehrlich miteinander." Er blickte hoffnungsvoll Richtung Küche. „Wo ich schon mal hier bin, besteht die Chance auf eine Tasse Tee? Es ist arschkalt draußen."

Hermine machte ein resignierendes Geräusch, wandte sich ab und ging in die Küche.

Ron betrachtete Draco einen Moment lang. „Wegen Snapes Flucht… Ich weiß, dass jeder, der mit dem Fall vertraut ist, dasselbe denke, aber niemand hat genug Schneid, es zu sagen. Na ja, vielleicht würde Dumbledore es sagen…"

„Mit ‚dasselbe denken' meinst du, dass die Flucht gerechtfertigt war?"

„Besser Gerechtigkeit als eine lebenslange Strafe", entgegnete Ron. „Offensichtlich nicht die Gerechtigkeit, die mein Dad im Sinne hat oder der Zauberergamot. Und meine Meinung diesbezüglich verringert natürlich nicht die Freude der Suche nach Snape. Wir werden es machen, wie es im Buche steht. Wenn wir ihn finden, kommt er zurück."

„Natürlich", sagte Draco, und in seiner Stimme lag genug Herablassung, um Rons Finger zucken zu lassen.

Es entstand eine lange Pause, die nur durch Hermine Krach in der Küche unterbrochen wurde. Es war das Geräusch von Metall, dass auf den Boden fiel. Darauf folgte ein leiser Fluch von Hermine. „Also", begann Ron, „ich, ah, nehme an, zwischen dir und Hermine ist alles wieder… gut?"

Der alte Draco hätte Ron gesagt, dass er sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern sollte, aber der neue Draco hatte kein Problem, zu antworten.

„Soweit es jemals als ‚gut' zu bezeichnen gewesen war." Malfoy betrachtete Ron mit Abschätzung in den Augen. Es machte Ron nervös.

Ron nickte. „Ihr beide wart nicht das Händchenhaltende, Rosen am Valentinstag Pärchen. Ich kann gerade überhaupt keinen logischen Sinn darin sehen, mit einem Mädchen zusammen zu sein."

Dracos Lächeln war kühl. „Logik hatte hiermit noch nie etwas zu tun, unglücklicherweise."

„Ja, sicher", erwiderte Ron. Er fühlte sich ein wenig seltsam. Der Tag, an dem er zugeben würde, Draco Malfoy zu mögen, wäre der Tag an dem er mit Terry Boot ausgehen würde. Er würde sich jedoch benehmen gegenüber Malfoy, jedoch nur, weil er Hermines Entscheidung respektieren wollte.

„In dem silbernen Bilderrahmen hinter dir steht meine kleine Nichte. Die Tochter von meinem Bruder Bill. Sie hat heute Geburtstag."

Der Themenwechsel schien Draco nicht zu stören. Er blickte knapp zum Kaminsims und betrachtete das Bild. Das Kind hatte feine Gesichtszüge und schien ein Kleid zu tragen, dass komplett aus weißer Spitze bestand. Wahrscheinlich konnte man darüber hinwegsehen, bedachte man, dass sie aus einer Familie kam, wo Töchter selten und kostbar waren. Ihr langes Haar steckte in Zöpfen, die in übergroßen Schliefen endeten. Sie lächelte ihn an und offenbarte eine große Zahnlücke. Die Hände hatte sie hinter ihrem Rücken verschränkt und wippte von Seite zu Seite, wie ein Kind, dass ein Geheimnis hatte. Der Fuchsbau war im Hintergrund, in all seiner schiefen Pracht. Draco bemerkte, dass ihr Haar die Farbe eines Weizenfeldes im Sommer hatte. Keine Spur von Rot war zu erkennen.

„Ich nehme an, sie kommt nach ihrer Mutter?", erkundigte sich Draco.

Ron grinste. „Nur nach dem Äußeren. Sie ist einf reches kleines Ding. Manchmal kann ich gar nicht glauben, was in so kurzer Zeit passiert. Einige von uns haben schon Kinder. Ich glaube, ich fühle mich viel älter, als ich bin. Weißt du, was ich meine?"

„Ich denke schon", erwiderte Draco leise.

„Ich hab gehört, du und Harry redet viel in letzter Zeit. Und ich weiß, wir beide verstehen uns nicht wirklich. Aber jetzt, wo du ein Teil von Hermines Leben sein wirst, wollte ich dir nur sagen, dass ich nichts dagegen habe." Er beendete seine kleine Rede mit einem bestätigenden Nicken.

Natürlich musste der Bastard amüsiert wirken. „Merlin sei Dank, Weasley. Jetzt kann ich nachts besser schlafen."

„Du bist immer noch ein Arsch, so ist es nicht", fühlte sich Ron gehalten zu sagen.

Ein Topflappen traf ihn mitten ins Gesicht, als Hermine zurück ins Wohnzimmer kam. Ihr Blick war um einige Grad kälter als das Wetter draußen. Ihr Ton war allerdings wärmer als sie sprach. „Frühstück ist fertig. Und mit fertig meine ich, der Toast ist angebrannt, ich habe die Eier zu lange kochen lassen und das Teewasser kocht jetzt."

„Ich mache den Tee", bot Draco an, um weitere Desaster zu vermeiden. Er schenkte Ron einen Blick. „Du bleibst zum Frühstück, richtig?"

Ron drehte den Topflappen in den Händen und grinste. „Als ob ich jemals eine Mahlzeit ausschlagen würde."

Harry war in schlechter Stimmung. Es half nicht, dass er sich gerade mitten in einem Streit mit Ginny befand, die ihm sogar die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte.

Ok, er hatte ein paar blöde Dinge gesagt.

Wieso musste Snape ausgerechnet auf einen Samstag fliehen? Es hatte ihnen allen das Wochenende ruiniert. Die Reaktionen der Zeitungen variierten bezüglich der Flucht. Die, die mehr Details zu Snapes Geschichte kannten, kommentierten die Flucht mit schadenfroher Resignation und dass Gerechtigkeit, wie unpassend sie auch sein möge, sich nicht aufhalten ließ. Malfoy selbst hatte versucht, als Snapes Zeuge aufzutreten, nachdem er endlich Zeuge sein konnte, aber scheinbar hatte Arthur ihn die ganze Zeit über immer wieder vertröstet.

Diejenigen, die Snape nur als ehemaligen Todesser kannten, schlugen praktisch selber die Gesucht-Plakate an jede Hauswand Londons.

Snapes Flucht war immer noch ein sensibles Thema. Es brauchte nicht viel Intellekt, um Ginny die richtigen Fragen zu stellen. Sie konnte gut lügen, wenn sie musste, aber sie konnte es nicht gut gegenüber Harry.

Was auch der Grund war, dass es ihn unglaublich störte. Sie traute ihm ihr Schicksal an, aber nicht Snapes. Arthur saß auch mächtig in Klemme mit Snapes Ausbruch, der der einzige war, seitdem Bellatrix damals rausgeholt worden war. Ron verdächtigte ohnehin jeden, und dann gab es da noch diese kleine alte Frau, die draußen vor seinem Büro wartete…

Harry hatte keine Ahnung, wie lange sie schon dort stand. Es war gerade mal zehn Uhr morgens. Sie hatte einen Besucherausweis an ihre Strickjacke stecken, was wohl bedeutete, dass sie einen Termin hatte.

„Kann ich Ihnen helfen?", wollte Harry brüsk wissen. Er öffnete seine Tür weiter.

Sie lächelte zu ihm auf und sprach mit leicht akzentuierter Stimme. „Sie sind ein vielbeschäftigter Mann, Mr Potter. Ich habe meine Anfrage bereits vor einem Monat abgegeben."

Harry setzte sich an seinen Schreibtisch und stöhnte innerlich, weil ein Berg an Memos vor ihm leise knisterte, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. „Unglücklicherweise ist ein Monat Wartezeit nicht lang. Entschuldigung, ich habe Ihren Namen nicht verstanden…" Er griff nach seinem Terminplaner, um zu sehen, ob seine Sekretärin den Termin für ihn notiert hatte, sowie Hintergrundinformationen, mit denen er etwas anfangen konnte.

„Mrs Hendricks", erwiderte sie strahlend und sah aus wie jedermanns Kekse backende, Pullover strickende Großmutter. „Aber nennen Sie mich bitte Nana."

Der Name regte etwas in seinem Innern, aber es war nicht genug, als dass er sich erinnern konnte.

„Wie kann ich Ihnen helfen?", fragte er.

„Ich lebe seit einer Weile in London, seitdem mein Enkel umgebracht wurde. Ich würde gerne zurück nach Kopenhagen, Mr Potter, aber nicht ohne quasi die Gebeine meines Sohnes. Wir haben eine Familiengruft, und ich möchte ihm eine anständige Beerdigung ausrichten."

Harry runzelte die Stirn. Sein Terminplaner war voll. Verdammt. Er hatte bis mittags keine Zeit. Das ließ ihm keine Zeit, Ginny für einen Tee rauszulocken. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe", erwiderte er etwas abgelenkt.

Sie verlor nie den freundlichen Ausdruck. „Nun, Sie haben seine Augen, verstehen Sie."

Verblüfft hob Harry den Blick. „Wie bitte?"

„Sie haben seine Augen", wiederholte Nana Hendricks geduldig. „Mein Arne wurde in der Nokturn Gasse vor fünf Jahren umgebracht und seine Augen wurden ihm genommen. Ich nehme an, sie wurden als Beweismittel benutzt, um seinen Mörder ausfindig zu machen."

Die Erinnerung erschlug ihn fast. Harry nahm die Brille ab und blinzelte, ehe er die Frau wieder ins Auge fasste und bemerkte, dass sie ein blaues und ein grünes Auge hatte, etwas verschwommen durch das Alter. Er begriff, dass er sie anstarrte.

„Sie waren das! Sie haben Malfoy und Hermine mit dem Fida Mia belegt!"

„Ich belege niemanden mit dem Fida Mia, junger Mann", korrigierte sie ihn. „Ich erlaube dem Zauber bloß, sich zu festigen."

Harry war ehrlich geschockt. „Ich kenne den Fall, aber da habe ich noch nicht beim Ministerium gearbeitet."

„Oh, das weiß ich", erwiderte sie nickend. „Ich hätte jemand anders meinen Fall anvertrauen können, der tatsächlich damals zuständig gewesen war, aber ich hatte angenommen, Sie würden der Sache nachgehen, da Sie persönlich betroffen waren?" Es lag ein flehender Schimmer in ihren Augen.

Mittels Floh rief Harry die übrigen Mitarbeiter zusammen, welche sich heute nur auf Zacharias Smith bliegen. Smith war weniger als erfreut, ans andere Ende des Ministeriums geschickt zu werden, um fünf Jahre alte Beweise zu durchwühlen, um das gewünschte Beweismittel zu finden, aber Harry war gut in seiner Überzeugung.

„Sie sind wieder zusammen, wissen Sie, Malfoy und meine Freundin Hermine", erzählte er Nana Hendricks, während sie warteten.

Sie wirkte nicht überrascht. „Ich habe mich als Rentner angesehen, indem Moment als mein Junge umgebracht worden ist. Ich hatte nicht das Herz, noch habe ich den Willen, weiterzumachen, ohne meinen lieben Arne. Es passt, dass sich unser letzter Auftrag auf das junge Paar bezogen hat. Und dann war es auch noch der wahre Fida Mia. Ich kann nicht behaupten, dass das sehr häufig passiert." Sie strahlte ihn wieder an, so dass ihr Gesicht in einem Meer an Falten lag. „Am Ende soltle man immer fröhlich sein, wissen Sie? Der junge Mann und sein Mädchen sind immer noch Bekannte von Ihnen, nicht wahr?"

„Freunde", korrigierte Harry. „Was meinen Sie, wenn Sie sagen, Fida Mia kommt nicht häufig vor?"

„Nicht jede Liebe ist gleich, Mr Potter. Es ist wie das alte Muggel Sprichwort, man kann ein Pferd zum Wasser führen, aber man kann es nicht zwingen zu trinken, verstehen Sie? Herz und Verstand sind manchmal sture Dinge. Die Seele andererseits… nun… sie kennt den Unterschied."

Ein schweres Gefühl, das sich in Harrys Magen niederließ. Er fühlte plötzlich das dringende Bedürfnis, sich bei Ginny zu entschuldigen…

Fast, als würde sie seine Gedanken lesen. Der milchig Blick der alten Dame senkte sich auf Harrys Schreibtisch, wo ein Bild von Ginny gerade mit verschränkten Armen zu ihm aufschaute. Sie war ziemlich wütend.

„Ehefrau?", wollte Nana Hendricks wissen.

„Äh, nein. Freundin."

Sie griff in ihre große Handtasche und suchte für eine Weile. Sie zog einen Krückstock hervor, einen Kupferkessel und anscheinend ein Set Steakmesser. Schließlich fand sie eine leicht zerknitterte Visitenkarte und seufzte auf. „Ah, da bist du ja." Sie strich sie glatt, ehe sie die Karte Harry aushändigte. Der hell purpurne Text war für Harry unverständlich, bis der Übersetzungszauber auf der Karte ihn komplett ins Englische übersetzt hatte.

Sind Sie das alte ‚Ja, ich will' leid?

Suchen nach etwas persönlichen, etwas bedeutungsvollem und permanentem?

Warum dann kein Hochzeitstattoo?

Fragen Sie nach Nana im Snake & Stone

Nokturn Gasse, Magisches London

Souvenir-Tasse für den Monat Mai umsonst!

Definitiv permanent, dachte Harry als er sich räusperte. Seine Erinnerungen an Hermines Auf und Ab mit Fida Mia war noch in Gehirn eingebrannt. „Äh ja… meine Freundin und ich… - es ist ein sehr nettes Angebot, Mrs Hendricks, aber Fida Mia passt nicht wirklich zu uns."

Sie zuckte die Achseln. „Denn geben Sie die Karte dem jungen Mann und seinem Mädchen. Sei es auch nur als Geschichte, die sie ihren Kindern erzählen können."

Harry musste husten. Der Gedanke an kleine Dracos, die frei herum liefen, war genug, um ihm Kopfschmerzen zu bereiten. Kleine Hermine jedoch waren eine zauberhafte Sache, überlegte er.

Es klopfte an der Tür.

„Herein", rief Harry. Zacharias Smith betrat das Büro und trug eine kleine Kiste in den Händen, auf der das Wort ‚BEWEIS' auf dem Deckel stand. Er wirkte ungesund blass.

„Das hier scheint zu sein, wonach Sie suchen… obwohl ich Ihnen nicht raten würde, den Deckel aufzumachen."

„Danke, Smith!", sagte Harry und nahm ihm die Kiste ab.

Zacharias schaute ziemlich neugierig von Harry zu Nana Hendricks und wieder zur Kiste.

„Danke, Smith", wiederholte Harry mit Nachdruck.

Als Zacharias verschwunden war, reichte Harry Nana Hendricks wortlos die Kiste. Sie öffnete den Deckel, blickte hinein und schloss ihn wieder, mit glasigem Blick.

„Vielen Dank, Mr Potter. Das bedeutet einer alten Frau sehr viel."

Harry half ihr aufzustehen und brachte sie zur Tür. „Mein allerherzlichstes Beileid. Es tut mir wirklich sehr leid."

„Mir auch, mein Junge. Mir auch."