Epilogue: Part Thirteen
Sie hatten ein Date.
Hermine war vollkommen neben sich vor Nervosität. Sie wünschte, sie hätte Zeit, noch shoppen zu gehen, um sich was Neues zum Anziehen zu kaufen, aber sie musste bis sechs arbeiten, und Draco erwartete sie um halb sieben.
Sie konnte nicht fassen, wie nervös sie war. Es war lächerlich.
Nach einer schnellen Dusche (denn sie war ja erst Samstag mit ihm zusammen in der Dusche gewesen und war nun allein tatsächlich deswegen errötet), legte sie ein paar Outfits auf ihr Bett (und auch bei dieser Aussicht errötete sie), um zu überlegen, was sie anziehen sollte. Das war wichtig, also würde sie sich Mühe geben.
Es gab zwei Kleider, die in die engere Wahl kamen. Da war das elegante, silberne Cocktailkleid, was sie noch nie angehabt hatte. Es war seriös, sexy, eng gefasst und hatte einen tiefen ausschnitt. Oder das pfirsichfarbene Chiffonkleid, mit dem sie sich fühlte, als würde sie auf einen Schulball gehen.
Letztendlich entschied sie sich gegen die Kleider und beschloss, auf Komfort zu setzen. Sie war nervös genug und wollte sich nicht auch noch wegen ihres Outfits seelisch fertig machen müssen und Angst haben, ständig zu kleckern. Aber dafür besaß sie auch bei weitem nicht genug Busen, dass das passieren würde, überlegte Hermine.
Es schien wie eine leichte Wahl. Die enge, auberginefarbene Kaschmirhose passt wie ein Traum. Das sollte sie besser auch, so teuer wie sie gewesen war. Darüber zog ein silbernes Babydoll, das in der Spitze mit frischen Süßwasserperlen bestickt war. Sie brauchte keinen BH, denn sie nahm an, er wäre verlorene Mühe bei Draco. Und das Gefühl der Seide gegen ihren bloßen Busen gab ihr ein Gefühl von Übermut.
Ein wenig Übermut war in Ordnung.
Sie suchte sich eine weiche Angora-Jacke aus, die einen Ton dunkler war als die Seide. Darüber zog sie einen grauen Trenchcoat, der das Outfit komplett machte.
Sie trug wenig Makeup, so wie immer. Hermine spritzte etwas Parfüm in die Luft, trat dann in den feinen Nebel und musste niesen. An der Tür stieg sie in ein Paar mattsilbern glänzende Highheels und betrachtete sich ein letztes Mal im Spiegel.
Sie entschied sich, noch einen Knopf der Jacke zuzumachen und griff sich ein Paar schwarze Handschuhe und einen passenden Schal von der Garderobe.
„Bereit?", fragte sie ihr Spiegelbild und klang etwas atemlos. Wirklich, es war besorgniserregend, wie oft sie mit sich selbst im Spiegel sprach.
Das Gesicht, was zurückblickte, war gerötet vor Aufregung.
Hermine apparierte zehn Minuten zu früh vor die Tore von Malfoy Manor, aber in den hohen Schuhen brauchte sie auch ungefähr so lange für die Auffahrt.
Toolip öffnete die Tür. Hermine musste ein Lachen unterdrücken, denn die Elfe nahm ihren Job heute besonders ernst. Toolip machte einen tiefen Knicks und streckte den kleinen Arm dramatisch weit aus.
„Wir heißen Sie auf Malfoy Manor willkommen, Miss."
„Danke, Toolip."
„Wenn Miss Toolip in den Salon begleiten möchte? Master Draco wird gleich kommen."
„In Ordnung", erwiderte Hermine und verkniff sich das Lachen.
Der Salon lag im Wetsflügel. Das Geräusch ihrer Absätze auf dem Marmorboden hallte den gesamten Flur entlang. Es fühlte sich komisch an, hier zu sein, nach dem Todesser Angriff. Malfoy Manor war aber in keiner Wiese beschädigt worden. Im Ballsaal jedoch waren die Fenster wieder repariert, die Vorhänge zugezogen und die alten Schutzflüche wieder aktiv. Heute würde niemand einbrechen. Es sei denn, sie waren sehr mächtig oder sehr blöd.
Sie musste im warmen, angenehmen Salon nicht lange warten, was gut war, denn sie konnte ohnehin nicht lang genug auf ein und derselben Stelle sitzen. Draco verschloss gerade seine Manschettenknöpfe, als er durch die Türen schritt.
„Entschuldige, ich wäre selber zur Tür gekommen, aber ich habe über Floh mit Alastor Moody gesprochen."
Hermine wünschte sich plötzlich, sie hätte doch ein Kleid angezogen. Draco war für ein feines Essen angezogen. Sein Anzug war handgefertigt und tiefgrau. Er trug keine Krawatte. Aber das ließ das Outfit nicht weniger elegant wirken. Er sah…
„Du siehst wunderschön aus", sagte er. Die Wärme seiner Augen sagte er, dass er es aufrichtig meinte.
„Du auch", erwiderte sie und wollte sich direkt eine Ohrfeige verpassen.
Sie blieben voreinander stehen und sahen sich an, ehe Hermine einfiel, dass sie ihn noch nicht geküsst hatte. Unglücklicherweise schien Draco dasselbe zur selben Zeit zu denken. Sie lehnte sich gleichzeitig vor und wären ineinander gestoßen, hätte Draco nicht in letzter Sekunde den Kopf schräg gelegt.
Toolip stand steif neben dem Getränkewagen, also kam eine leidenschaftliche Umarmung wohl eher nicht in Frage. Dem Anlass entsprechen war Dracos Kuss sanft und kurz. Sie atmete den Duft seines Aftershaves ein und fühlte sich plötzlich sehr leicht. Sie fragte sich, ob ihr Parfüm dieselbe Wirkung auf ihn hatte. Wahrscheinlich nicht. Draco war nie leicht zumute, nahm sie an.
„Wie war die Abreit?", fragte er, nachdem sie zurückgewichen waren. Sie standen immer noch nah voreinander.
„Anstrengend. Gut", erwiderte sie.
Er hielt ihr den Arm entgegen und geleitete sie zu einer gepolsterten Chaiselongue. „Möchtest du dich setzen und einen Drink vor dem Essen haben?"
„Oh nein, danke. Mir geht's gut", sagte Hermine. Sie wollte momentan nichts Stärkeres als Wasser zu sich nehmen. Ihr Magen schien ohnehin vorzuhaben, die Schwerkraft zu bekämpfen.
Zu ihrer Überraschung schien Draco etwas verloren zu sein. Sie könnte sich selber treten. Drinks vor dem Essen zu haben, war, was man hier tat, oder nicht? Drinks waren es auch gewesen, die den Anfang ihrer turbulenten Beziehung markiert hatten.
Gott, musste es jetzt wirklich so unangenehm sein? Warum war er so förmlich? Ein wohlerzogener Draco war unangenehm für jeden, ihn wohl miteingeschlossen.
„Bist du hungrig? Du musst hungrig sein." Er schenkte ihr einen eindringlichen Blick und hielt ihr den Arm entgegen, den sie nahm. „Dann werden wir direkt essen."
Sie gingen direkt ins Esszimmer, das nicht weit vom Salon lag. Das war schade, denn Hermine genoss den kurzen Spaziergang. Sie hatte das Esszimmer noch nie gesehen und musste bei der Größe die Augen aufreißen. Sie bemerkte gar nicht, dass Draco ihren Stuhl hervorgezogen hatte.
„Danke." Sie wurde rot, setzte sich und entfaltete ihre Serviette. Das gemeinsame Essen in der Sushi-Bar in der Euston Street kam ihr plötzlich merklich weit entfernt vor.
Auf einen unsichtbaren Befehl hin, materialisierte Toolip direkt neben ihrem Ellbogen und tischte den ersten Gang – eine Suppe – auf. Es war eine einfache Hühnersuppe, was bei diesem Wetter ideal war.
Draco saß zu weit weg. Und mit zu weit meinte Hermine, dass sie die winzigen Regungen in seinen Augen nicht erkennen konnte. Auch konnte sie den Geruch seines sexy Aftersaves nicht mehr ausmachen.
„Moody sagt, sie haben nicht viel Glück, Snape zu finden. Obwohl es einen Hinweis in Valencia auf ihn gab", informierte er sie.
Hermine hatte Probleme mit dem Suppenlöffel. „Snape in Spanien? Was für eine seltsame Vorstellung! Wie verlässlich ist die Quelle?"
Dracos Mundwinkel hob sich. „So verlässlich, wie die vielen Hinwiese, dass mein Vater in Nordamerika ist. Aber wer weiß das schon."
Sie sprachen weiter über Snapes Verschwinden, bis der nächste Gang aufgetischt wurde. Es war ein Käse, garniert mit Vinaigrette und krossem Brot. Ernsthaft interessiert fragte sie Draco, was es für ein Käse war.
„Burrata", erwiderte er. „Schmeckt er dir?"
„Sehr gut", antwortete sie. Ohne jeden Zweifel war es alles sehr nett. Wenn sie es nur über sich bringen konnte, alles zu genießen. Sie sah sich um, während sie aßen, betrachtete die Portraits an der vertäfelten Wand und schönen, hohen Decken.
Der dritte Gang waren Meeresfrüchte, ein Krabbencocktail mit kalten Gurken und crême fraîche. Toolip blieb aufmerksam neben ihnen stehen, falls die Weingläser aufgefüllt werden mussten. Hermine war aufgefallen, dass weder sie noch Draco mehr als einen Schluck getrunken hatten, seitdem sie zu essen begonnen hatten. Sie sah zu ihm auf und bemerkte, dass er nahezu besorgt hinab auf seinen Teller blickte.
„Weißt du was? das funktioniert nicht für mich."
Hermine spürte ein Ziehen in ihrem Magen. „Die Krabben?", fragte sie, obwohl sie wusste, dass er das nicht meinte.
Draco schob seinen Stuhl zurück und warf die Serviette auf den Tisch. „Ich habe eine bessere Idee." Er griff nach seinem Teller und reichte ihr die Hand. „Komm mit mir."
All ihre Sorgen verschwanden, als sie etwas in seinen Augen aufblitzen sah. Es war genug, damit sie sich noch einmal in ihn verliebte.
Hermine ergriff ihren eigenen Teller und nahm seine Hand. „Wo gehen wir hin?"
„In die Bibliothek", erklärte er, als würde es erst jetzt gerade entschieden haben. Er beauftragte Toolip alle weiteren Gänge in die Bibliothek zu bringen.
Ein Feuer war bereits entfacht, in dem riesigen Raum, der zwischen zwei Stockwerken lag. Vor dem Kamin zog Draco seine Schuhe aus und setzte sich im Schneidersitz auf den dichten Teppich. Dann klopfte er neben sich auf den Boden. Hermine stieg aus ihren Schuhen und setzte sich dankbar neben ihn.
Sie redeten und aßen, wenn möglich, mit den Händen. Und jetzt wurden die Gläser unzählige Male neu gefüllt. Ehe Hermine es bemerkte, hatte sie die gesamte Flasche getrunken. Zwei Stunden war unglaublich schnell vergangen. Das Feuer war zu glühenden Stücken runter gebrannt, als das Dessert serviert wurde.
„Ich fühle mich schlecht. Ich glaube, ich habe das meiste hiervon gegessen", sagte Draco und legte Löffel zurück, mit dem Hermines Teil der Mousse au Chocolat gegessen hatte. Sie fand nicht, dass er wirklich entschuldigend aussah und piekste ihn in die Rippen.
Hermine benutzte ihren Zeigefinger um den letzten Rest Mousse zu essen, steckte den Finger in den Mund und leckte genüsslich das Mousse ab, während sie nachdenklich ins Feuer blickte.
Draco betrachtete sie. „Sag mir, dass es eine gute Idee war."
Hermine zog die Fingerspitze aus dem Mund und bemerkte erst dann seinen glänzenden Blick. „Das war eine fanatischtische Idee. Ich glaube nicht, dass man oft so essen kann?"
Er legte sich auf die Seite und stützte sich auf seinem Ellbogen ab, als er einen ausgiebigen Schluck trank. „Wir haben nur im Esszimmer gegessen. Manchmal, wenn Lucius oder meine Mutter aus waren, habe ich lieber in der Küche mit Toolip gegessen. Sie kann hervorragend Püree aufbraten. Wir hatten manchmal draußen ein Picknick, natürlich nicht die Idee meiner Mutter. Goyle und Zabini waren da und haben praktisch das Haus zerstört. Wir wurden nach draußen verbannt."
Das Erwähnen von Blaises Namen hatte nicht den ernüchternden Effekt, den sie vermutet hatte. Oder den es haben sollte. Es war nur noch eine Erinnerung. Eine gute, wie es schien. Egal, was passiert war. Erinnerungen waren schon seltsam. Es war oft nicht leicht, die guten Erinnerungen zu vergessen, selbst wenn man das Gefühl, was man mit ihnen verbindet nicht mehr spüren möchte. Hermine wusste das nur zu gut.
Sie nahm an, die Geschichte hatte noch eine andere Bewandtnis. „Was ist passiert?"
Draco punktierte die Zunge in seiner Wange. „Es hat geregnet. Mitten im heißen Sommer, und wir haben gedacht, es ist das beste, was passieren konnte. Wir haben trotzdem gepicknickt, haben nasse Sandwiches gegessen, weichen Kartoffelsalat und Mutter hat einen Zusammenbruch bekommen, als wir den ganzen Schlamm wieder ins Haus gebracht haben."
Hermine musste lächeln, bei diesen raren kleinen Geschichten aus Dracos Leben. Sie konnte noch eine ganze Welt mit ihm entdecken und würde mit seiner Vergangenheit vertraut werden.
„Es ist alles neu für mich", hörte sie ihn als nächstes sagen. Seine Stimme klang ernster. „Ich mag es nicht… unsicher zu sein. Du musst mir etwas Weisung geben." Mit wachsamer Konzentration fuhr er mit dem Fingerknöchel über ihre Unterlippe, ihr Kinn, hinab zu ihrem Nacken. Er hielt erst beim ersten Knopf ihrer Jacke inne. Sie bekam sofort eine Gänsehaut.
„Ich glaube nicht, dass du Hilfe brauchst", erwiderte sie rau. „Du scheint öfter zu wissen, was du tust, als es das Gegenteil ist."
Dracos Lächeln war purer Sex. „Alles was vorher und danach kommt, ja. Was machen nette Mädchen außerhalb des Betts?" Seine Stimme war ein raues Knurren und sie hätte schwören können, ein Schauer befiel sie bis auf die Knochen.
„Wieso glaubst du, dass ich ein nettes Mädchen bin?", erwiderte Hermine ernst. Sie legte die Hand über die harte Beule seiner Hose. Sie wusste sehr wohl, dass er seit der letzten Stunden hart war.
„Granger, ich will ehrlich sein. Abendessen war das letzte, was ich im Sinn hatte, als du durch die Tür gekommen bist. Aber ich weiß, wir müssen andere…", ihre Fingernägel kratzten über den Stoff seiner Hose, „…Dinge tun", endete er.
„Ist das so?", entgegnete Hermine. „Ich denke, wir werden bald einen guten Rhythmus gefunden haben." Bei dem Wort ‚Rhythmus' hatte sie seine Hose geöffnet und seine Erektion befreit, um sie in die Hand zu nehmen.
Sie seufzte. Das Licht des Feuers ließ seine blasse Haut golden erscheinen. Er war heiß und fühlte sich unglaublich an. Sein bekannter Geruch war benebelnd. Sie drückte seinen Schaft und freute sich fast, als ein Tropfen auf der Spitze erschien. Hermine neigte den Kopf und nahm ihn mit der Zunge auf, um ihn zu schmecken. Auf ihrer Zunge lag noch der Geschmack von Schokolade.
Draco keuchte auf und fing ihre Schultern ab. „Hör auf."
Sie sah lächelnd auf. „Warum?"
Wenn ich jetzt komme, habe ich wahrscheinlich nicht mehr die Energie oder die Lust, mit dir spazieren zu gehen, wie ich es geplant habe. Natürlich nur, wenn du möchtest?"
Es war ein Weg, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Es war wirklich befreien. Das Abendessen hatte alles begonnen und der Spaziergang durch das Gelände markierte den Anfang ihrer Reise, wohin sie auch führen würde.
Draco hatte darauf bestanden, sie in eine weitere Schicht über ihren Mantel zu wickeln. Den Mantel, den sie trug, war noch aus Hogwarts-Zeiten. Er war rieisg und roch noch immer nach der Großen Halle, wenn die Große Halle denn einen speziellen Geruch hatte. Es roch nach Eiern und Bacon, nach Muffins oder Hermines Lieblingsduft, Früchtekuchen an Weihnachten, dessen Geruch in den Wänden hing.
„Warm genug?", fragte er, als sie draußen waren.
Sie nickte. Sie trugen beide Handschuhe, aber sie konnte trotzdem die Wärme seiner Hand durch den Stoff spüren.
Sie gingen durch einen kleinen Wald, hinter dem Anwesen. Es war derselbe kleine Wald, in dem sie auch Carmen Meliflua und Tandish Dodders in der Nacht des Angriffs getroffen hatten.
Aber dieses Mal beschritten sie einen anderen kleinen Pfad, der tiefer in das Wäldchen führte. Hermine bemerkte, dass sie auf Gestein liefen, denn sie spürte es unter ihren Füßen.
Bald schon erreichten sie einen Hügel, von dem aus sie einen hübschen Blick auf Malfoy Manor hatten. Von diesem Aussichtspunkt sah es aus, als läge das Dorf Thimble Creek in einer Talsenke. Die unzähligen Fenster von Malfoy Manor leuchteten vom Westflügel bis zum Ostflügel. Es war eine beeindruckende Aussicht.
„Ich habe es letzte Woche errichten lassen", sagte er und deutete auf einen gotischen Pavillon auf der Spitze des Hügels. Er roch nach frischem Holz. „Das alles hier ist im Sommer mit Wildblumen bewachsen. Meiner Mutter hat diese Stelle immer gefallen, und ich dachte, ich sollte etwas daraus machen."
Sie begriff. Er meinte, dass er etwas Bedeutungsvolles hatte machen wollen, jetzt, nachdem seine Mission beendet war.
Hermine blickte hinab auf Malfoy Manor und fragte sich, worüber Narzissa bei diesem Anblick nachgedacht hatte.
Sie standen unter dem Pavillon und Draco legte seine Arme von hinten um sie, während er sein Kinn auf ihren Kopf legte.
„Was wirst du jetzt tun?", fragte sie ihn.
Er blickte immer noch auf das Haus. „Dich in jedem Zimmer verführen." Sie spürte, wie er grinste.
„Außer im Arbeitszimmer deines Vaters", erwiderte sie scheu.
Er schien darüber nachzudenken. „Richtig. Ja, in jedem Raum, außer in diesem."
„Ich meine, im ernst. Was wirst du tun? Ich glaube nicht, dass du damit zufrieden sein wirst, Lord auf Malfoy Manor zu spielen?"
„Hm, ja, aber Lord zu sein, bedeutet noch einiges mehr, als in engen Reiterhosen durch die Räume zu stolzieren, während ich jeden Abend ein Glas Absinth in meiner Hand schwenke und die Hauselfen mit meinem ausschweifenden Forderungen quäle."
Sie musste kichern, bei dem hedonistischen Bild, was er gedanklich malte.
„Erklär mir, was ‚ausschweifende Forderungen' sind."
Er brauchte einen Moment, um ein gutes Beispiel zu finden. „Nun, mein Großvater Julius hatte eine wöchentliche Mädchen-Nacht eingeführt…"
Das Kichern verwandelte sich in ein aufrichtiges Lachen.
„Jeden Donnerstag. Er schickte jemanden ins Dorf, und wenn ein passendes Mädchen nicht gefunden werden konnte, ließ er nach London aussenden, um eine zu suchen."
Hermine beherrschte sich endlich wieder. „Bitte sag mir, dass es eine Biographie gibt, die ich dazu lesen kann. Der alte Julius klingt plötzlich höchst interessant."
„Der Name Malfoy stand nicht immer mit dem Dunklen in Verbindung. Wir hatten einst eine sehr farbenfrohe, flamboyante Geschichte. Bis zu meinem Vater, natürlich. Lucius hat das Dunkle zurück gebracht, in mehr als nur einer Art und Weise."
„Wo denkst du, ist er? Dein Vater, meine ich?", fragte Hermine.
„Wenn ich Geld darauf wetten müsste, würde ich sagen, er ist auf dem Weg zu Snape, wenn sie sich nicht schon getroffen haben." Dracos Ton war eine Spur kühler geworden.
„Denkst du, du wirst einen von ihnen je wieder sehen?"
Er nickte. „Ich bin mir sicher. Zwischenzeitlich habe ich dieses Land hier, mit dem ich arbeiten kann. Pansy hat fantastische Arbeit geleistet, während meiner Abwesenheit. Vielleicht wird es Zeit, dass sich der Malfoy Erbe etwas mehr um sein Vermächtnis kümmert. Ich muss mein Zuhause neu kennenlernen. Und während ich damit beschäftig bin, könntest du mich neu kennenlernen…"
Er klang fast ängstlich. Sie wandte sich um, um ihn anzusehen. „Ich kenne dich. Ich weiß genug über alles wichtige, um zu wissen, dass ich dich liebe."
Sie spürte, wie er einen Schauer nach diesem Geständnis bekam. Draco schob ihr die Kapuze vom Kopf zurück, um sie ansehen zu können. „Ich werde niemals müde werden, das von dir zu hören."
„Dann werde ich dran denken, es dir jeden Tag zu sagen."
Er küsste sie.
Woanders, in der nicht so fernen Zukunft…
Der hochgewachsene Mann mit dem Strohhut war ein leichtes Ziel. Zumindest dachte das der junge Taschendieb. Er sah aus wie einer dieser selbstsicheren Touristen, die sich von ihrer Herde entfernt hatten, bewaffnet mit ihren Brandneuen Lonely Planet Reiseführer. Die Khaki-Hosen, die er trug, hatten überall Taschen, aber die Tasche, die den Taschendieb am meisten interessierte, war vorne rechts. Sie war tief und weit offen.
Seine Brieftasche würde sich darin befinden. Oder vielleicht die Schlüssel zu seinem Hotelzimmer.
Der Taschendieb folgte dem Mann über den Markt. Es war Sonntag, und der Basar war voll wie immer. Was einst ein verlassener Platz gewesen, Jemaa el Fnaa, war nun in ein Meer aus hundert bunten Ständen. Man konnte alles und nichts kaufen, auf dem Markt von Marrakesch. Man musste nur wissen, wo man suchen musste.
Der Mann ging schnell, trotz der dichten Mengen. Und das allein hätte schon ausreichen sollen, den Taschendieb von seinem Ziel abzubringen. Der Taschendieb, so gut er auch war, seinen Weg durch die Menge zu finden, war dennoch außer Atem, als er zwei oder drei Schritte von seinem Ziel entfernt war. Er hielt seinen Fokus auf die Tasche geheftet, die von etwas Schwerem nach unten gezogen wurde. Er hoffte, es ihm eine Woche Geld bringen.
In der Nähe hörte er Krach. Zwei Händler stritten sich mit besonders blumigen Kraftausdrücken. Die Menge hatte innegehalten, um das amüsante Spektakel zu beobachten. Egal, wie schnell sich der Mann in der Menge bewegen konnte, er würde stehen bleiben müssen, bis die Masse wieder weitergehen würde.
Jetzt war seine Chance. Der Dieb näher sich von hinten, drehte den Arm gelenk nach vorn und zur Seite nach unten, während seine Finger flink in die Tasche schlüpften Sein Daumen und Zeigefinger schlossen sich um ein schlankes Stück… Holz? Der Dieb war kurz verwirrt.
Eine starke Hand schloss sich um seine eigene. Der Griff war erbarmungslos. Augen, in der Farbe glatten Stahls, blickten unter dem Rand des Strohhuts auf ihn hinab.
„Ich denke nicht", sagte der Mann.
Das Englisch des Jungen war beschränkt, aber er verstand genug, um zu wissen, dass er extrem viel Glück hatte, als der harte Griff sich löste und er seine Hand befreien konnte. Er verschwand so schnell ihn seine Beine trugen.
Eine sehr genervter Lucius Malfoy schob sich durch die Menge, um zu dem kleinen Café zu gelangen, von dem er wusste, dass Snape dort auf ihn wartete. Hogwarts' ehemaliger Zaubertrankmeister hatte seinen Pfefferminztee fast ausgetrunken, als ein zorniger Lucius den Stuhl neben ihm zurückschob.
„Ich nehme an, du hattest kein Glück, eine Zeitung zu finden?", wollte Snape mit erhobener Augenbraue wissen. Er war wie immer in schwarz gekleidet. Lucius konnte nicht begreifen, wie er es aushielt, denn es zog die Hitze an wie ein Misthaufen die Fliegen. Dennoch hatte diese Kleidung seine Vorteile. Als sie durch Südamerika gereist waren, war Snape oft für einen Priester gehalten worden, und er war klug genug gewesen, nichts Gegenteiliges zu erwidern, wenn gute Samariter den Zwang verspürt hatten, einen reisenden Pater zu bekochen.
„Vielleicht gibt es wirklich keine verfluchten Zauberer hier", murrte Lucius. Lucius hielt fluchen eigentlich für vulgär und gewöhnlich, aber Snape nahm an, dass das Leben unter ihren Bedingungen ihn weicher gemacht hatte.
Lucius setzte den Hut ab und warf ihn auf den Tisch. „Keine verdammten Neuigkeiten über irgendetwas, was außerhalb dieser gottverdammten Stadt passiert. Ich weiß nicht, wie du mich dazu überreden konntest, hierherzukommen."
Snape war ein Meer der Ruhe, im Vergleich zu Lucius. Und ein wenig herablassend. „Oh, es gibt Zauberer hier. Sie sind nur nicht offen. Es gibt schlimmeres als Voldemort zu fürchten." Er griff in seine Jacke und zog eine mitgenommene Ausgabe des Tagespropheten hervor. Es war nicht unbedingt eine neue Ausgabe. Nein, sie war schon ein Jahr alt. Aber es war die Ausgabe, die sie gesucht hatten.
Lucius riss sie ihm aus der Hand. „Wo hast du sie gefunden?"
„Es zahlt sich aus, die Leute manchmal höflich zu fragen, Lord Malfoy."
Snape bekam dafür einen Blick aus verengten Augen seines Kameraden. „Das ist der Titel meines Sohnes, wenn es dir recht ist."
„Ich bitte um Verzeihung", erwiderte Snape würdevoll. „Willst du es lesen oder nicht?"
Schlecht gelaunt, blätterte Lucius die vergilbte Seite um, überflog den Kulturteil weiter hinten. Er schien den Bericht gefunden, zu haben, den er gesucht hatte, denn seine Augen weiteten sich und verengten sich schließlich wieder. Ab und an schnaubte er auf.
„Fünzig Gäste! Kannst du das fassen? Das ist kaum eine Feier, geschweige denn eine anständige Hochzeit."
„Klein und intim", entgegnete Snape.
„Dumbledore hat sie verheiratet!"
Snape zuckte die Achseln. „Er hat eine Lizenz dafür."
„Er hat sie auf Hogwarts verheiratet." Diesmal war weder Zustimmung noch etwas Gegenteiliges in Lucius' Stimme zu hören, also sagte Snape nichts.
Lucius las weiter und machte ab und an seine Kommentare. Als er fertig war, faltete er die Zeitung vorsichtig zusammen und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Ist deine Neugierde jetzt befriedigt?", wollte Snape wissen.
Lucius' Antwort war ein unverbindliches Grunzen, aber Snape merkte, dass er zufrieden war. Glücklich, fast.
„Gut." Snape bezahlte für seinen Tee.
Die beiden Männer verließen das Straßencafé und schritten zum Bahnhof. Sie hatten ein Ticket für den Nachmittagszug nach Fez. Als Flüchtiger blieb man besser nie lange an demselben Ort.
*The End*
Personal Note: Thank you, Rizzle, for the great opportunity of lending me your words, so I could bring your wonderful and amazing story to life in yet another language! And let me tell you one thing: I know your story by heart now. And I assure you, with all sincerity, that I tried my very best to come as close to your magic as humanly possible.
Oh, and I had a hell of a good time...
So long 3
Trivia:
The Dragon's Bride wurde 2003 von Rizzle auf veröffentlich unter dem Titel „Skin Deep".
2004 erschien die Story auf der Seite Coloured Grey, die 2009 leider einem Sever-Crash zum Opfer gefallen ist, wodurch die Story über 3000 Reviews verlor.
Seit 2009 hat sie auf über 3000 Reviews bekommen.
Die Story wurde als Challenge geschrieben.
Sie gehört mit zu den meist gelesenen, meist reviewten und beliebtesten amerikanischen Geschichten des Fanfiction-Genres aus dem Potter-Universum.
Sie wurde bislang ins Französische und Deutsche übersetzt.
Awards, die die Story erhalten hat:
HP Fanfic Polls 2013
3RD PLACE: Best legacy story (The Dragon's Bride)
Dramione Awards 2010
1ST PLACE: Best short story (Dystopia)
Dramione Awards Best of 2009
1ST PLACE: Best G/PG/PG-13 (Christmas Lights)
DMHGxchange 2005
Best R-rated (Eyes of the Forest)
Dramione Awards Round 3
1ST PLACE: Best Epic (Dragon's Bride)
1ST PLACE: Best Snark (Dragon's Bride)
1ST PLACE: Best Action/Adventure (Dragon's Bride)
1ST PLACE: Best Declaration of Feelings (Dragon's Bride: Epilogue Part 6 )
Dramione Awards Round 4
3RD PLACE: Best Heart Wrenching Angst (Eyes of the Forest)
Zu finden ist die Original-Story hier:
s/5095119/1/The-Dragon-s-Bride
hallo, ihr lieben leser,
ich hoffe, euch hat die übersetzung gefallen :
danke für euer feedback, hat mich sehr gefreut! wir lesen uns bald :
~Meg
