Vielen herzlichen Dank, für das liebe Review.
Reid schlief lange und James mit ihm. Es ist fast Mittag, als James geht. Reid räumt noch ein wenig auf und setzt sich dann erneut an seinen Computer. Einige Zeit später klingelt es. Reid steht auf und wundert sich, eigentlich bekommt er selten Besuch und noch seltener ohne Anmeldung. Aber vielleicht ist es auch ein Fremder, der was verkaufen oder erbetteln will. Seufzend öffnet Reid die Tür. Einen Moment sieht er den Mann erschrocken an. Der lächelt und meint ruhig: "Hallo Reid. Ich wollte dich nicht erschrecken, aber ich dachte ich schau mal vorbei." Reid nickt: "Äh ja, natürlich… ist okay… Komm doch rein." Hotch tritt in die Wohnung und sieht sich kurz um. Reid dirigiert ihn zur Sitzecke: "Setz dich doch." Hotch nimmt auf einem der Sessel platz, während Reid sich auf die Couch setzt. "Ich komm gleich zur Sache.", meint Hotch direkt und nachdem Reid genickt hatte, erklärt er: "Ich sorge mich ein wenig um dich. Ich hoffe dass dir die Pause gut tut."
Reid schüttelt den Kopf: "Bevor du weiterredest… In zwei Tagen hast du meine Kündigung auf deinem Schreibtisch." Hotch sieht ihn überrascht an: "Was?! Ich meine…" "Es hat nichts mit dir oder so zu tun. Ich fühl mich der Belastung… der psychischen Belastung, nicht mehr gewachsen. Ich hab das Gefühl dass ich nicht mehr klar denken kann. Ich will nicht mehr soviel Leid sehen, gegen das ich nichts unternehmen kann." "Aber wir haben den Täter, ja… es sind drei Mädchen gestorben, aber wir haben ihn daran gehindert weiterzumachen." "Nein.", Reid schüttelt den Kopf: "Die Mädchen sind nicht einfach so gestorben, sie wurden grausam ermordet und vorher unglaublich gequält." Er sieht Hotch ruhig an: "Ich kann einfach nicht mehr. Ich war schon bei einer Psychologin, wir dachten ich würde es in den Griff bekommen, aber ich hab keine Kraft mehr." Hotch überlegt eine Weile, dann fragt er: "Hat dein Entschluss auch etwas mit Morgan zu tun?" Reid schließt die Augen, einen Moment denkt er daran zu verneinen, aber dann meint er leise: "Ja, schon. Aber er kann nichts dafür. Er trägt keine Schuld daran und weiß auch nichts, von meinem Entschluss."
Hotch sieht ihn verständnislos an: "Ich hab zwar geahnt, dass Morgan und du noch immer Probleme habt. Aber das es so schlimm ist, dass du kündigst." Erneut schüttelt Reid den Kopf: "Morgan trägt keine Schuld. Ich hab mich wirklich schon länger mit dem Gedanken gequält und das tote Mädchen… und die Schwierigkeiten mit Morgan… Sie haben das Fass eben zum überlaufen bekommen. Aber es ist ganz allein meine Entscheidung, ich hab es mir in letzter Zeit einfach zu schwer gemacht und bin nicht mehr zur Ruhe gekommen… Vielleicht ist auch deswegen die Sache mit Morgan passiert… Bitte, mach ihm keine Vorwürfe oder so." "Willst du nicht erstmal einige Wochen frei nehmen? Du könntest in Urlaub fahren, dich auch anderen Projekten widmen und dann…" "Hotch, ich hab ein Angebot bekommen, vor Monaten. Ich hab es damals sofort abgelehnt, man hat mir aber versichert, dass ich die Stelle später immer noch übernehmen könnte." Reid sieht Hotch an, versteht dass er mehr erklären muss: "Das Angebot kam vom FBI, ich werde in eine andere Abteilung wechseln, wo man mein Wissen mehr braucht." "Wir brauchen dein Wissen auch…" Reid lächelt bitter: "Hotch, ihr kommt gut allein zurecht. Bitte frag nicht weiter, mein Entschluss steht fest." Reid steht auf, um das Gespräch zu beenden. Hotch erhebt sich, meint aber ruhig: "Also gut, wenn ich in zwei Tagen, deine Kündigung auf dem Schreibtisch hab…, ansonsten vergessen wir das Gespräch." Er nickt Reid zu, der erwiderte.
POV Spencer:
Ich hab es gewusst! Natürlich nehmen meine Kollegen meine Kündigung nicht einfach so hin. Ich hab ja auch gerne mit ihnen zusammengearbeitet. Ich würde auch nachfragen und versuchen denjenigen umzustimmen, wenn jemand kündigen würde.
Aber bei meiner neuen Arbeit kann ich freier arbeiten. Ich kann auch mal Zuhause vorm Computer alles klären und ich muss nicht ständig umherfliegen, was mir doch manchmal ziemlich auf die Nerven geht.
Es ist besser so. Und ich bin ja nicht aus der Welt. Ich bleibe hier wohnen.
Morgan und sein Bekannter entspannen noch ein wenig, bis Bob meint: "Was meinst du? Gehen wir noch einen Kaffee trinken?" "Ja gerne. Ich hab heute nichts vor. Ich will nur hier raus, mir wird's langsam zu warm." Beide nicken sich zu und verlassen dann die Sauna.
Als Morgan etwas später sein Handy anschaltet, hat er eine SMS von Hotch auf der Anzeige. Er liest sie und sagt dann zu Bob: "Du, ich kann nicht. Ich muss dringend wohin. Tut mir wirklich leid." Bob schüttelt den Kopf: "Naja, schade… Aber ist schon gut, vielleicht ein anderes Mal." Morgan nickt und packt eilig seine Sachen zusammen. Schnell läuft er zu seinem Auto und fährt los.
POV Derek:
Das kann alles nicht wahr sein. Das kann er doch nicht machen.
Wenn er das wirklich macht… dann… Ich weiß auch nicht. Es darf einfach nicht sein.
Nicht nur ich brauche ihn, nein, das ganze Team.
So schnell Morgan kann fährt er zu seinem Ziel. Am Haus angekommen eilt er die Treppen hinauf und klingelt an der Tür. Kurz danach wird ihm geöffnet. "Du darfst nicht kündigen." Reid sieht ihn irritiert an. Dann bittet er Morgan rein und meint ruhig: "Ich kann nicht anders." Morgan schüttelt verzweifelt den Kopf: "Reid bitte… Hotch hat mir ne SMS geschrieben… Sag mir warum du kündigen willst?" Reid verschränkt die Arme, vor der Brust, und erklärt ruhig: "Ich kann mit dem ganzen Leid nicht mehr um gehen. So viele Tote zu sehen und Täter, die so grausame Dinge tun… Ich ertrag das einfach nicht mehr." Er sieht erst jetzt wieder Morgan ins Gesicht: "Und ich hab ein besseres Angebot bekommen." Morgan holt tief Luft und schüttelt den Kopf: "Hat es etwas mit mir zu tun?" Reid schüttelt stumm den Kopf. Doch Morgan entgegnet: "Ich kann dir das irgendwie nicht glauben. Du warst so distanziert, in letzter Zeit. Du hast nicht mehr als nötig mit mir geredet und mich überhaupt nicht mehr an dich rangelassen." "Ja, ich war in dich verliebt. Aber die Gefühle für dich haben nichts mit meiner Entscheidung zu tun."
POV Spencer:
Es ist nicht direkt eine Lüge. Ich liebe ihn noch immer, aber ich hab keine Hoffnung mehr, also ist die Liebe doch etwas abgekühlt. Aber ich kann ihm einfach nicht mehr nahe sein. Ihn tagtäglich zu sehen… das kann ich einfach nicht mehr.
Die Arbeit ist aber auch ein Grund. Ich freu mich auf die Veränderung. Endlich hab ich nur noch mit Fakten und Daten zu tun, nicht mehr mit dem Leid anderer Menschen. Sicher, ihnen zu helfen, ist ein tolles Gefühl… Aber das wiegt den Rest nicht auf.
Ich kann einfach so nicht mehr weitermachen.
POV Derek:
Ja, ich hab natürlich mitbekommen, dass er im Job nicht mehr so gut zurechtkommt. Aber ich dachte nicht dass es so schlimm wäre. Mir geht es auch nahe, was mit manchen Opfern geschieht, aber ich konzentriere mich auf die Täter…
Aber kann ich ihm das wirklich glauben. Das er nicht mehr wirklich was für mich empfindet… also zumindest mich nicht mehr liebt? Ich glaube nicht. Gefühle verschwinden nicht so einfach.
Ich fühl mich schuldig. Ich hätte nie mit ihm Sex haben dürfen. Wie konnte ich das nur zu lassen? Jetzt hab ich alles kaputtgemacht.
"Meine Entscheidung steht fest.", meint Reid fest. Morgan schließt verzweifelt die Augen. "Reid bitte." "Ich bin dir nicht böse, oder so. Du trägst keine Schuld, an meiner Kündigung und hast mich auch nicht aufgefordert, tiefere Gefühle für dich zu haben. Ich will es uns beiden auch nicht unnötig schwer machen, deswegen kam mir das Angebot sehr gelegen." Morgan geht im Zimmer auf und ab, bevor er sich wieder umdreht, zu Reid: "Die anderen im Team werden nicht glücklich sein, mit deiner Entscheidung." "Das befürchte ich auch.", meint Reid schmunzelnd: "Aber ich kann nicht anders und es wird nichts ändern."
Nach einigen Sekunden Stille fragt Morgan: "Und wo wirst du arbeiten?" "Nur ein paar Häuser, von der BAU, entfernt. Das FBI hat mir eine Stelle angeboten, in der es sich fast ausschließlich um Analyse handelt." Morgan nickt ruhig: "Ich verstehe, dass das Angebot verlockend ist. Es ist dein Spezialgebiet." Reid lächelt ein wenig, Morgan erwidert es sanft: "Wenn das deine Entscheidung ist, dann werde ich dir nichts mehr reinreden." "Danke." Morgans Lächeln wird offener: "Werden wir uns wieder sehen?" "Ich denke schon. Aber ich halte es für besser, wenn wir ein wenig Abstand gewinnen. Vielleicht sehen wir uns mal beruflich, aber privat möchte ich das gerne vermeiden."
POV Spencer:
Ich fühl mich so wohl, in seiner Nähe. Aber gleichzeitig will ich das er geht. Ich kann ihm nicht so nahe sein, wie ich es gerne wäre und das ist unerträglich für mich.
Es wird uns gut tun, wenn wir uns einige Zeit nicht sehen. Mal schauen, wie's dann weitergeht. Ich hoffe so, dass meine Liebe für ihn verschwindet… Aber das hoffe ich ja schon länger.
POV Derek:
Ich werde ihn schrecklich vermissen, das weiß ich jetzt schon. Er ist ein guter Freund geworden, der Beste, im Team. Wen soll ich in Zukunft necken? Mit wem soll ich eng zusammenarbeiten? Ich weiß momentan gar nicht wie's weitergehen soll…
Und was wird aus unserer Freundschaft? Haben wir uns endgültig verloren? Ich hatte so gehofft dass alles wieder wie vor diesem Zwischenfall wird…
Aber ich darf nicht nur an mich denken. Reid hat eine Entscheidung getroffen und vielleicht ist es wirklich so das Beste… für uns beide.
Morgan stellt sich direkt vor Reid: "Dann wünsche ich dir alles Gute. Sei so lieb und meld dich ab und zu wenigstens mal bei mir, damit ich weiß, dass es dir gut geht." Reid nickt lächelnd. "Du weißt, ich bin immer für dich da. Wenn du mich brauchst." Erneut nickt Reid. "Gut dann… wünsch ich dir alles Gute." "Ich dir auch. Mach's gut und pass auf dich auf." Morgan nickt. Er überlegt einen Moment, dann zieht er Reid in eine Umarmung. Die dieser vor Überraschung gar nicht so schnell erwidern kann, da lässt Morgan ihn los und verschwindet.
