Dorrien klopfte an die Tür. Nachdem er eine Weile gewartet hatte, kam Sonea verschlafen heraus.
„Dorrien. Wer hat dich aus dem Bett geschmissen? Komm rein."
„Guten Morgen, Sonea", sagte er und gab ihr einen Kuss. „Ich hatte erwartet, dass du heute schon zeitig auf bist."
Sonea verzog das Gesicht. Anscheinend wusste sie, dass er auf die bevorstehende Anhörung anspielte, die in wenigen Stunden stattfinden sollte.
„Gib mir einen Moment", sagte sie und drehte sich um, um aus ihren Schlafgewändern zu kriechen und sich ihre braunen Roben überzustreifen. Dorrien war überrascht. Er hatte erwartet, dass Sonea ihn raus schicken würde, bevor sie sich umzog. Etwas verunsichert stand er an der Tür in ihrem kleinen Zimmer und schaute verlegen durch den Raum. Er wollte nicht, dass sie sich beobachtet fühlte.
„Hast du Hunger?", fragte er sie, als sie ihre Schärpe zusammenband.
„Ich bezweifle, dass ich vor der Anhörung etwas herunter bekommen werde."
Dorrien lächelte sie mitleidig an.
„Dann müssen wir etwas finden, was dir etwas Ablenkung verschafft, bis es soweit ist. Was hältst du von einem schönen, warmen Bad?"
„Klingt gut", antwortete sie ihm lächelnd. „Einen Moment noch."
Sie ging zurück an ihr Bett, nahm ein paar Bücher und Zettel die darauf verteilt lagen und legte sie säuberlich auf ihren Schreibtisch. Anscheinend war seine Freundin doch schon länger wach und hatte sich mit Hausaufgaben beschäftigt.
Dorrien stand noch immer an der Tür und beobachtete Sonea, wie sie nun ihre Bettdecke zusammenlegte und auf dem Bett noch einmal glatt strich.
„So, wir können", sagte sie schließlich.
Er trat einen Schritt zur Seite um sie durch die Tür zu lassen und folgte ihr hinaus in den verlassenen Korridor.
Es war noch sehr früh und sie waren die einzigen, die auf dem Gelände der Gilde unterwegs waren. Auch in dem Badehaus herrschte noch absolute Stille. Dorrien folgte ihr mit ein paar Schritten Abstand in das Badehaus. Sonea ging ein paar Schritte, dann blieb sie abrupt stehen.
„Öhm... Dorrien... Du weißt schon, dass das hier der Damenbaderaum ist?!"
„Psst. Ich weiß. Aber es ist noch keiner außer uns hier. Es ist noch so früh, dass ich bezweifle, dass sich das in der nächsten Zeit ändern wird", antwortete er ihr mit einem verführerischem Lächeln.
Aber…", wollte Sonea protestieren. Doch Dorrien ging näher an sie heran und schlang seine Arme um sie, während er begann sie leicht am Hals zu küssen. Er spürte, wie Sonea leicht zu zittern begann, doch sie sagte nichts mehr dagegen.
Dorrien genoss die Wärme des Wassers. Auch wenn es tagsüber langsam wärmer wurde, so war es an den Abenden und am Morgen noch immer bitter kalt. Er öffnete widerwillig die Augen, als er spürte wie Sonea, die an ihm lehnte, zusammen zuckte. Er schreckte hoch, als er die höhere Lady in der Tür stehen sah.
„Lady Vinara!", sagte er steif.
Die Magierin wandte sich von dem Badebecken in dem Dorrien und Sonea saßen ab und räusperte sich kurz.
„Ich werde nun Frühstücken gehen. Danach würde ich gerne Baden", sagte sie mit einer festen Stimme und ging ohne weiteres Zögern aus dem Raum.
Dorrien starrte noch einige Sekunden die Tür an, die Lady Vinara hinter sich geschlossen hatte. Dann begann er zu grinsen und wandte sich Sonea zu.
Ihr Gesicht war bleich und tot ernst. Er wusste, dass es ihr wahrscheinlich sehr unangenehm gewesen sein musste, von dem Oberhaupt der Heiler mit einem Mann im Pool erwischt zu werden.
„Ich glaub, wir sollten gehen", sagte sie, stand ohne ein weiteres Wort auf und zog sich mit hektischen Bewegungen an. Dorrien wäre gerne noch länger im Wasser geblieben, doch er folgte Soneas Beispiel und zog sich so schnell wie es ihm möglich war an und verließ den Raum, um draußen auf Sonea zu warten.
Es war beeindruckend, wie viele Magier zu der heutigen Anhörung erschienen waren. Obwohl es sich nur um eine Kleinigkeit handelte, über die heute entschieden werden sollte. Wahrscheinlich wollten sie sehen, was die Gilde für eine Rechtsprechung an Novizen ausübte, die nicht aus den verbündeten Ländern kamen. Sollte dies der Grund sein, war er froh, dass Anny in der Geschichte ein Einzelfall war.
Lorlen durchquerte die Gildenhalle. Überall in dem großen Gebäude standen Gruppen von Magiern zusammen und unterhielten sich. Durch die besondere Wölbung der Kuppel, die das Dach der Gildenhalle bildete, klangen die Stimmen, der Männer und Frauen, viel lauter als es normal sein sollte.
Dieser Effekt wurde nur zufällig bei dem Umbau der Gildenhalle, die das älteste Gebäude der Gilde ist, entdeckt. Früher befanden sich hier die Quartiere der wenigen Magier, die hier lebten. Später wurden die Magier- und die Novizenquartiere gebaut. Da die Gildenhalle nicht einfach einem neueren Gebäude weichen sollte, baute man sie zu einem großen Versammlungsort um.
Lorlen ging an den Magiern vorbei, die an der Stirnseite der Halle saßen. Dort wo die Plätze der höheren Magier stufenförmig angerichtet lagen. Während Lorlen durch die Masse ging, wurden die Gespräche langsam leiser. Als er seinen Platz über eine der schmalen Treppen, die zu beiden Seiten lagen, erreicht hatte und sich zu den Magiern umwand, sah er, dass diese bereits ihre Plätze zu beiden Seiten des Raumes einnahmen.
Als endlich Ruhe eingekehrt war, erhob Lorlen sich von seinem Stuhl um die Anhörung zu eröffnen. Nachdem er die formellen Worte gesprochen hatte und die Anklage vorgetragen hatte, gab er seinem Assistenten, Lord Osen, ein kleines, kaum merkbares Zeichen, dass dieser nun mit der Vernehmung der Zeugen beginnen kann und setzte sich wieder.
„Regin, Novize Lord Garrels, aus der Familie Winar, Haus Paren, bitte trete vor", begann Osen, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, wie Lorlen bemerkte. Lord Osen hatte sich innerhalb der letzten Jahre, seit Lorlen ihn zu seinem Gehilfen ernannt hatte, stark verändert. Zu Beginn war der junge Magier zurückhalten und hatte sich selbst vor den einfachsten Aufgaben fast gefürchtet. Und nun stand er da unten. In mitten der Aufmerksamkeit der Gilde und es schien ihn in keinster Weise mehr zu stören.
Regin trat langsam und zögerlich vor und sprach seinen Schwur, dass alles, was er zu dieser Anhörung vorbringen würde, der Wahrheit entsprach.
Nach dem er die Worte gesprochen hatte, blickte er einen kurzen Augenblick direkt zu Lorlen auf. Sein Blick war unerwartet ruhig und fest, beinahe trotzig und Lorlen war sich nicht sicher, ob der Novize die Wahrheit über diese Geschichte erzählen würde.
Er begann die Auseinandersetzung mit Anny zu schildern, beinahe so, als wäre er weder der Täter, noch das Opfer, sondern einfach nur ein Zuschauer des Schauspiels gewesen.
Nach ihm trat Lord Garrel, sein Mentor und Ankläger vor und stellte sich neben seinen Schützling.
Garrel konnte lediglich über die Folgen des Angriffes berichten, was, wie Lorlen auffiel, eher unüblich für den Kläger war.
Beide berichteten die Auseinandersetzung, wie Lorlen erwartet hatte so, dass Regin keine Schuld zu treffen schien. Er selbst war hin und her gerissen, sollte er für diese Fremdländerin, der er selbst so sehr misstraute, aussagen? Das würde bedeuten, das Anny für unschuldig erklärt werden würde, allein aus der Tatsache heraus, dass der Administrator selbst von ihrer Unschuld überzeugt war. Doch das war er bei weiten nicht. Er wusste zwar, dass Regin es selbst provoziert hatte, dass sie ihn Angriff, doch letzten Endes war sie es, die ihm Schaden zugefügt hatte.
Nachdem beide Männer mit ihren Berichten fertig und alle Fragen der Höheren Magier beantwortet waren, gingen die beiden zusammen, wie Komplizen, an den Rand der Fläche und Anny und nach ihr Sonea wurde aufgerufen. Die Prozedur wiederholte sich bei den beiden, erst konnten sie ihre Sicht der Dinge erklären und zum Schluss wurden ihnen Fragen gestellt.
Als Lorlen merkte, dass die Höheren Magier sich nicht sicher waren, wem sie mehr glauben schenken sollte, beschloss Lorlen doch für Anny auszusagen.
Normalerweise mussten solche Anklagen mit einer Wahrheitslesung geklärt werden. Allerdings hat Anny sich geweigert eine durchführen zu lassen. Sie meinte, dass der Magier, der in ihre, in diesem Moment frei schwebenden Gedanken, blicken würde, vielleicht Dinge in ihrem Geist sehen konnte, die ihre Heimat gefährden könnten.
Lorlen konnte nicht nachvollziehen, von was für Dingen sie in ihrem kurzen Leben erfahren haben konnte, doch er akzeptierte ihre Aussage und versuchte seit dem auch nicht noch einmal sie vom Gegenteil zu überzeugen. Und da der Angeklagte, in dem Fall Anny die Wahrheitslesung ablehnte, machte Regin von seinem Recht Gebrauch, diese ebenfalls abzulehnen.
Lorlen wartete einen Moment, bis die beiden jungen Frauen ebenfalls an den Rand getreten waren, dann erhob er sich erneut.
„Ich hätte auch noch etwas zu diesem Vorfall zu berichten." Ohne auf die verdutzenden Blicke der Magier um ihn herum zu achten, ging Lorlen die Treppe hinunter und stellte sich an den Platz, an dem vor ein paar Momenten noch Anny und Sonea gestanden haben.
Er berichtete, was er gesehen hat und von dem darauf folgenden Gespräch mit den beiden jungen Frauen, nur wenige Minuten nach dem Angriff. Er erklärte, dass Sonea von irgendetwas oder eher von irgendwem sehr erschöpft gewesen war und dass sie nicht mal mehr in der Lage war, selbständig einen Schritt zu tun. Lorlen erklärte, dass Regin und ein Großteil seiner Mitschüler dafür schuld gewesen sein mussten und dass Anny eingegriffen hatte, bevor sie Sonea ernsthaften Schaden zufügen konnten. Er erwähnte auch, dass ihr Angriff sehr kontrolliert war und dass es keine weiteren Verletzten gegeben hatte. Damit machte er nur zu gut deutlich, dass Regins Verletzung reines Unglück gewesen war.
Während er seine Geschichte erzählte, schaute er in die verwunderten Gesichter um ihn herum. Die meisten merkten wahrscheinlich nicht einmal, dass er nichts mehr sagte. Nach einigen Minuten des Schweigens räusperte sich Lord Osen.
„Vielen Dank, Administrator Lorlen, dass ihr uns Eure Sicht der Dinge dargelegt habt. Es sind einige neue Aspekte hinzugekommen, von denen uns die anderen Zeugen leider nicht eingehend berichtet hatten."
Bei diesen Worten schaute er besonders Lord Garrel und seinen Novizen Regin finster an. Osen wandte sich zu den Höheren Magiern und erkundigte sich, ob noch irgendjemand Fragen an den Administrator persönlich hatte.
Dann, anscheinend um ganz sicher zu gehen, fragte er in die Menge der anwesenden Magier, ob noch jemand etwas als Zeuge vorbringen wollte. Als kein weiterer Magier sich meldete, erklärte Osen, dass nun das Urteil besprochen werden sollte.
Als Osen die Anhörung für beendet erklärte, trat Lorlen aus dem Kreis der Magier, die rund um ihn saßen und nun begannen aufgeregt mit einander zu diskutieren, heraus und stieg wieder über die Treppe zu seinem Platz hinauf. Schweigend hörte er sich die Meinungen der Höheren Magier an, die genau so wie die anderen Magier in heftige Diskussionen verstrickt waren.
Nach einer Weile hörte Lorlen, dass die meisten Magier an seiner Seite eine einheitliche Meinung gefunden hatten. Er schaltete sich in das Gespräch ein, um herauszufinden was sie für die beste Möglichkeit hielten. Nachdem sie sich ausführlich beraten hatten, erhob sich Lorlen einmal mehr von seinem Platz um den Rest der anwesenden Magier zum Schweigen zu bringen.
Als die Gespräche verstummt waren, begann er mit klarer, kraftvoller Stimme zu sprechen. Das Echo seiner Stimme, was von der Halle zurückgegeben wurde, klang fast beängstigend.
„Wir, die Höheren Magier haben ein alleiniges Urteil gefällt."
Er blickte zu Anny, die stocksteif an der Seite des Raumes gelehnt stand. Fast wie eine Statur, die schon immer dort stand. Einzig ihr beschleunigter Atem war ein Zeichen von Leben.
„Du hast Regin angegriffen. Ob aus Notwehr oder nicht ist in diesem Fall egal. Du hast ein Gelübde abgelegt, niemals einem anderen Menschen zu schaden und ohne die Anweisung eines voll ausgebildeten Magiers gehandelt. Das Gesetz der Gilde sieht in diesem Fall vor, dass man dich aus der Gilde verstößt. Allerdings erkennen wir an, dass du dich und Sonea lediglich schützen wolltest und noch keine Ahnung über das zerstörerische Maß deiner Kräfte hattest. Deshalb haben wir beschlossen, von einer Verbannung abzusehen. Du wirst den Rest des Semesters den Schneedienst erledigen und zusätzlichen Unterricht in der Kriegskunst erhalten, um deine Kräfte besser zu kontrollieren."
Während Lorlen sprach, beobachtete er Annys Miene genau. Zuerst war sie erschrocken, entsetzt, doch als sie das endgültige Urteil gehört hatte, wirkte sie erleichtert. Er wandte sich dem anderen Novizen zu, Regin, der sich ebenfalls einer Straftat schuldig gemacht hat.
„ Regin", begann Lorlen und bemerkte den scharfen Ton in seiner Stimme. Er blickte den jungen Mann kurz an und fuhr streng, aber nicht mehr so bissig fort. „Auch du hast dein Gelübde gebrochen. Einen Magier vollends zu erschöpfen, ist auch eine Verletzung. Zudem hast du ebenfalls ohne die Anweisung eines ausgebildeten Magiers gehandelt. Bei dir haben wir auch über eine andere Möglichkeit nachgedacht, als die Verbannung. Du wirst Anny bei ihrem Strafdienst helfen. Sollte sich herausstellen, dass du ihr allein die Arbeit überlässt, wird deine Strafe sich verlängern. Du weißt wie stark du bist, dennoch hast du deine Stärke unwillkürlich ausgenutzt um vermeintlich schwächere zu Schädigen. Wir sind der Überzeugung, dass für den Zeitraum, während du deine zusätzlichen Aufgaben erledigst, kein weiterer Unterricht in den Kriegskünsten bei Lord Balkan stattfinden wird." Ohne auf Regins wütende Miene zu achten, wandte Lorlen sich wieder zu Anny um.
„Anny Schreiber, wirst du das Urteil der Höheren Magier akzeptieren?"
„Ich werde das Urteil annehmen, Administrator", antwortete sie und verbeugte sich.
Zufrieden stellte er Regin dieselbe Frage, dieser antwortete mürrisch.
„Ja, Administrator."
„Dann erkläre ich die Anhörung für beendet. Sollte ein Magier Widerspruch gegen das Urteil der Höheren Magier erheben, soll er sich bitte umgehend bei mir melden", sagte Lorlen und war froh, dass er die Sache endlich hinter sich gebracht hatte.
Wie er erwartet hatte, kam Lord Garrel sofort auf ihn zu. Lorlen ging dem Magier entgegen und hoffe, dass dieser verstand, dass er sich später bei ihm melden sollte, doch er wandte sich nicht ab und ging direkt auf Lorlen zu, der fast die Tür der Gildenhalle erreicht hatte.
Lord Garrel erklärte, dass Anny zu gefährlich war und dass er darauf bestehe, dass sie die Gilde verlässt.
Während Lorlen dem anderen Magier widerstrebend zuhörte, kam Garrel immer mehr ins stottern, bis seine Stimme endgültig verstummte. Er musterte den auf einmal stummen Garrel, dessen Blick auf etwas hinter Lorlen gerichtet war. Auch die übrigen Magier, die soeben dabei waren die Gildenhalle zu verlassen, verstummten in ihren Gesprächen und starrten auf den Punkt hinter Lorlen. Er drehte sich um und bemerkte Akkarin, den Hohen Lord, der soeben die Gildenhalle betrat.
Der schwarz gewandte Magier glitt elegant durch die Halle. Er bewegte sich auf die freie Fläche zu, auf der Anny noch immer mit Sonea stand. Die Magier, die um ihn herum standen und ihn überrascht musterten, schien er gar nicht wahr zu nehmen. Vor den Plätzen der Höheren Magier blieb er stehen und drehte sich zu der Masse um. Doch er schien immer noch nicht bemerkt zu haben, dass der gesamte Raum voller Magier war. Sein Blick galt einzig Anny. Selbst Administrator Lorlen war verwundert über das abrupte Auftauchen des Hohen Lords, als welchen ihn Auraya aus den Gedanken, der Menschen um sie herum, erkannte. Dieser schwarz gewandte Mann war das Oberhaupt der Gilde. Als sie dies bemerkte, wurde ihr mulmig. Noch schlimmer wurde das Gefühl, der Unterlegenheit, als er sie ohne Skrupel musterte. Fast so, als wäre sie eine Trophäe, mir der er sich schmücken wollte. Und noch etwas kam ihr an diesen Magier merkwürdig vor. Doch sie begriff nicht was es war. Als er zu sprechen begann, konzentrierte sich Auraya wieder auf ihre Umgebung, die Verblüffung und Anspannung, die sich von den anderen unwillkürlich auf sie abfärbte. Was wollte er? Sie wusste, dass er nur selten das Wort an die Menge richtete und wenn es doch einmal der Fall sein sollte, war irgendetwas passiert. War es das?
„Ich wünsche zu Anny Schreibers Mentor bestimmt zu werden", sagte er mit einer tiefen, kräftigen Stimme.
In dem Moment als er die Worte sagte, schienen alle Magier in diesem Raum die Luft für mehrere Sekunden anzuhalten. Auch Auraya stellte fest, dass sie nicht mehr atmete. Sie stieß die Luft aus um gleich darauf ihre Lungen erneut mit Sauerstoff zu füllen. Kurz darauf setzte sich wieder lautes Gemurmel ein und hier und da wurden Protestrufe laut.
„Sie stammt nicht einmal aus den Häusern!"
„... eine Ausländerin."
„... gegen die Häuser!"
„... gewiss nicht so..."
langsam verklangen die Stimmen um Auraya herum, als sie sich der Bedeutung dieser Worte klar wurde. Ihr lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Sie sollte die Novizin des wichtigsten und stärksten Magiers der Gilde werden. Immer mehr machte sich die Panik in ihren Geist breit, als sie sich alle möglichen Konsequenzen ins Gedächtnis rief.
Er sollte über außerordentliche Gaben verfügen und sogar in der Lage sein die Gedankten der Menschen um ihn herum zu erspüren. Konnte er ihre Gedanken auch lesen? Oder bot ihr Schild ihr auch vor ihm Schutz? Was würde er tun, wenn er mitbekam, dass er sie nicht lesen konnte und was würde er tun, wenn er herausfand, wer sie wirklich war.
Auraya bemerkte, wie es ihn ihrem Kopf zu rauschen begann und die Welt um sie herum sich langsam drehte. Der schwarz gewandte Magier war bereits wieder verschwunden und die restlichen Magier in der Halle machten sich auf den Weg nach draußen. Sie selbst stand wie erstarrt da. Einen Moment später stürzte sie durch die Massen. Sie wollte einfach nur weg, weg von den Magiern, weg von der Gilde. Doch sie konnte nicht einfach gehen. Ihr Zimmer musste ihr erst einmal genügen.
