Auraya ging in ihrem kleinen Quartier auf und ab. Heute war Freitag, der Tag an dem alle Arbeit ruhte. Seid dem Vorfall vor 2 Tagen zog sie sich, wann immer sie die Möglichkeit hatte, in ihr Zimmer zurück, um über das geschehene Nachzudenken.
„Wie konnte ich mich nur so weit provozieren lassen, dass ich irgendwelche Novizen mitten in der Universität angreife? Und dann auch noch mit einem Schlag aus purer Magie."
Aus Lorlens Gedanken wusste sie, dass er wusste, dass sie ihn anlog. Doch er wusste selber nicht, was genau das war, was Auraya da auf die anderen Novizen losgelassen hatte. Er spürte nicht nur die starke Luftbewegung, die dieser Angriff anrichtete, nein er spürte auch ein starkes kribbeln, allerdings wusste er nicht was dies zu bedeuten hatte. Was Aurayas Rettung war. Die Magier der Gilde schienen nichts von der Magie zu wissen, die sie umgab. Daher würden sie wahrscheinlich auch nicht so schnell herausfinden, was genau das für eine Art angriff war. Doch auch das würde ihr nicht weiterhelfen. Was sollte sie tun, wenn Lorlen seinen Gedanken verwirklichte und Regin wegen des Vorfalles anzeigte. Er ging davon aus, dass sowohl Sonea als auch sie ihm eine Gedankenlesung gestatten würde. Doch das konnte sie niemals tun.
Gedankenverloren ging sie weiter in ihrem Zimmer auf und ab. Gelegentlich blieb sie wie angewurzelt stehen und folgte mit ihren Augen dem Weg, den sie immer wieder hin und er gelaufen war, als erwarte sie, dass auf ihm bereits eine Vertiefung entstanden war von ihrem ganzen hin und her.
Ein leises klopfen lies sie jäh innehalten. Sie streckte ihren Geist nach der Tür aus und blieb still an der stelle stehen, an der sie halt gemacht hatte.
Es war Sonea, die vor ihrer Tür stand. Seid dem Abend, als Auraya Sonea vor Regin gerettet hatte ging sie ihr aus dem Weg. Bevor sie ihr wieder unter die Augen treten konnte musste sie sich zuerst genug antworten auf all die Fragen einfallen lassen, die Sonea vor hatte ihr zu stellen.
Bei Sonea fiel es Auraya besonders schwer sich etwas Glaubwürdiges einfallen zu lassen. Dadurch dass sie ihr so nahe stand, hatte sie die ganz Wucht von Aurayas angriff deutlich spüren können. Nun fragte sie sich, wie Auraya das gelungen ist, wie sie so was so schnell lernen konnte und ob sie selbst in der Lage war diesen Angriff zu lernen, um Regin von sich fern zu halten ohne ihn wirklich zu verletzten.
In den letzten zwei Tagen kam Sonea mehrmals an Aurayas Zimmertür. Immer klopfte sie und ging danach wieder davon wenn Auraya nicht reagierte. Das klopfen wurde nie wiederholt und das obwohl sie genau wusste, das sie da war. Auraya wusste, das sie ihre Schritte auf der anderen Seite hören konnte. Sonea wusste nicht warum Auraya nicht reagierte aber sie akzeptierte, das sie für den Moment allein sein wollte und dafür war Auraya ihr sehe dankbar. Doch sie wusste, dass sie ihr nicht ewig aus dem Weg gehen konnte. Spätestens zu beginn der neuen Woche würde sie Sonea gegenüber treten müssen und bis dahin brauchte sie eine gute Erklärung. Sie wollte Sonea nicht einfach kaltherzig zurück weisen. Dafür hatte sie sie in den vergangenen Wochen zu lieb gewonnen.
Sie wurde zwar überall nur als das Hüttenmädchen schlechtgemacht, doch Auraya konnte diese Voreingenommenheit der anderen Novizen sowie Magier nicht verstehen. Zu ihr war sie immer freundlich und hilfsbereit. Und dadurch, dass sie sich in all den Jahren, durch ihre Herkunft keine Freunde unter den Novizen machen konnte war sie sichtlich erfreut, das Auraya zu ihr stand.
Seufzend lies Lorlen sich in seinem Sessel im Abendsaal nieder. Nur noch eine Woche, dann waren endlich Winterferien und die meisten Novizen und Magier der Gilde Verliesen für die nächsten Wochen die Gilde um etwas Zeit bei ihren Familien zu verbringen.
Er dachte darüber nach, wie es wäre, wenn er auch einfach einmal für ein paar Tage seine Familie besuchen würde. Doch es war ihm nicht möglich. Er hatte noch zu viel zu tun. Zusätzlich zu seinen alltäglichen Problemen machte ihm auch noch Annys durchaus große Macht Sorgen, die sie ihm unfreiwillig demonstriert hatte.
„Administrator Lorlen?"
Lorlen blickte sich nach dem Eigentümer der tiefen Stimme, die seinen Namen gerufen hatte um und entdeckte den in roten Roben gewandten Lord Garrel.
„Lord Garrel? Was kann ich für euch tun?", fragte Lorlen, als der andere Mann ihn erreicht hatte.
„Ich möchte Anklage erheben, gegen dieses Fremdländische Mädchen."
Lorlens Augen weiteten sich, „Warum? Was ist passiert?"
„Sie hat vor einer Woche Regin mit Magie angegriffen. Der arme Junge konnte die gesamte letzte Woche nicht im Unterricht mitschreiben, da sie ihm, durch den Angriff die Schulter ausgekugelt hatte."
„Und warum kommt ihr erst jetzt mit diesem Problem zu mir? So kurz vor den Ferien?", wollte Lorlen wissen und versuchte seine Missbilligung über Regins Beschwerde nicht zu zeigen.
Garrel verzog das Gesicht. „Lady Lyra hat mir erst heute Morgen erzählt, was vorgefallen ist. Nachdem sie sich bei mir erkundigt hatte, wie es Regin ginge und ob er seinen Arm auch schonte. Ich weiß nicht, warum der Junge nicht selber zu mir gekommen ist. Wer weiß was dieses Mädchen ihm erzählt hat, das er nun vielleicht Angst hat es jemanden zu erzählen. Aber sie gehört ausgestoßen. Sie hat gegen 2 ihrer Schwüre verstoßen, die sie vor nicht einmal erst einem halben Jahr abgelegt hat." erklärte Garrel und wurde zunehmend wütender.
„Das ist eine sehr schwere Anklage, die ihr da stellt. Ich hoffe, das ist euch bewusst. Vielleicht sollte ihr vorher mit Regin selbst reden, damit er euch seine Sicht der dinge erklären kann. Für mich sah dieser Vorfall nämlich komplett anders aus."
Garrel starrte Lorlen einen Moment sprachlos an, dann fasste er sich wieder und fragte leicht verwirrt. „Ihr wart dabei gewesen?"
Lorlen lächelte den anderen Magier schwach an. „Sagen wir mal so, ich war zufällig in der Nähe gewesen. Ich denke ihr wisst genauso gut wie ich, was Regin für eine Abneigung gegen Sonea hat, was wahrscheinlich an ihrer Herkunft liegt. Bisher hat er auch nie versucht zu verbergen, wie sehr er sie hasste und ihr eine Falle nach der anderen gestellt."
Garrel runzelte die Stirn. „Das sind nur kleine Novizen streiche gewesen. Niemand wurde dabei verletzt. Aber das ging zu weit."
„Ich schlage vor, dass ihr erst einmal mit eurem Novizen über diese Angelegenheit sprecht. Sollte ihr bei der Meinung bleiben, das ihr die Anklage aufrecht erhalten wollt werden wir eine Zusammenkunft nach der Winterpause vereinbaren."
„Ich denke es wird nicht nötig sein noch eine weitere Woche abzuwarten. Wer weiß was bis dahin noch alles geschieht. Regin wurde bereits einmal von ihr verletzt und ich verlange, dass dieses Mädchen dafür bestraft wird.
„Also schön.", sagte Lorlen widerwillig. „Dennoch werde ich diese Zusammenkunft erst nach der Winterpause einberufen. Auch ich habe vor den Ferien noch viel Arbeit vor mit." fuhr er energisch fort.
Einigermaßen zufrieden gestellt nickte Garrel Lorlen kurz zu und ging seiner Wege.
Lorlen seufzte laut, was ihm einen Mitleidigen blick von Lady Vinara eintrug, die sich während des Gespräches zu ihnen gesellt hatte und nun in ihrem Sessel neben Lorlen platz nahm.
„Ihr sehr nicht gut aus, Administrator. Vielleicht solltet ihr auch ein paar Tage Urlaub machen um Euch etwas von dem Stress zu erholen." bemerkte sie.
Lorlen verzog das Gesicht. „Ich glaube, wenn ich die Gilde für eine Woche verlasse liegt hier alles in Schutt und Asche, wenn ich wieder zurückkomme."
Die Frau kicherte leise. „Ich glaube ihr übertreibt, Administrator. Die Gilde wird schon einmal ein paar Tage ohne euch auskommen. Auch ihr braucht mal wieder etwas Entspannung und Ablenkung."
„Ich befürchte, das selbst wenn Ihr mich an das andere ende der Welt schicken würdet, ich mir über die Geschehnisse in der Gilde Sorgen machen würde. Aber ich denke ich werde in der nächsten Zeit die Nächte mehr zum schlafen als für die Arbeit nutzen."
Mit diesen Worten stand Loren auf und verabschiedete sich bei den anderen höheren Magiern, die um ihn herum saßen und in verschiedenste Gespräche verwickelt waren. Lady Vinara nickte Lorlen aufmuntern zu, bevor er sich umdrehte und den Abendsaal verließ.
Er ging über das Gelände in Richtung Universität um noch ein paar Berichte aus seinem Büro zu holen. Die Reiseerlebnisse anderer Leute würden ihn weit genug ablenken um frühzeitig Schlaf zu finden.
Lorlen ging durch sein Büro auf seinen Schreibtisch zu und blieb wie erstarrt vor ihm stehen, als er das rascheln einer Robe hinter sich hören konnte. Er drehte sich herum und entdeckte, wie er bereits vermutete Akkarin in einer Ecke des Raumes sitzen.
„Du willst doch nicht etwa zu so später Stunde noch arbeiten." bemerkte der Hohe Lord gelassen.
Lorlen hatte keine Ahnung, wie es seinem Freund gelang in sein Büro zu kommen, obwohl er die Tür immer gut verschloss. Doch er fragte Akkarin nicht mehr danach. Jedes mal, wenn er ihn darauf angesprochen hatte lächelte er nur und machte eine spöttische Bemerkung dazu, das der Hohe Lord alle Räume betreten konnte, wie es ihm beliebe und ob er, Lorlen, etwas dagegen hätte, wenn er ihm einen kleinen Besuch abstattete.
„Akkarin. Was führt dich zu dieser späten Stunde noch zu mir? Ich wollte mir lediglich noch ein paar Reiseberichte holen, bevor ich mich auf mein Quartier zurückziehe." erklärte Lorlen ihm, während er die besagten Berichte aus der untersten Schublade seines Schreibtisches holte.
„Etwas Lektüre zum einschlafen, was?" bemerkte Akkarin und lächelte leicht. „Ich wollte dir nur einen kleinen Besuch abstatten und mich erkundigen was es neues gibt."
Lorlen verzog eine Grimasse. „Allerdings. Lord Garrel, der Mentor von Regin, ist soeben im Abendsaal an mich herangetreten und hat Anny angeklagt, da sie Regin mit Magie verletzt haben soll." Lorlen seufzte laut, dann erzählte er Akkarin die ganze Geschichte, wie er Annys Macht gespürt hat und ihre Erklärung zu diesem Vorfall.
„Du machst dir noch immer Sorgen, das sie größeren Ärger machen könnte." bemerkte Akkarin, als hätte er das eben gehörte gar nicht Wahrgenommen.
„Das tut sie bereits, Akkarin. Auch wenn sie sich und Sonea nur geschützt hat ist es ihr verboten außerhalb des Unterrichts Magie zu nutzen."
„Denkst du denn, das sie sich mit Magie gewährt hätte, wenn Regin sie selbst nicht mit Magie angegriffen hätte?" sagt der Hohe Lord und runzelte die Stirn. „Ich denke du machst dir zu viele Sorgen um dieses Mädchen. Auf mich macht sie einen ganz vernünftigen Eindruck. Regin ist an seiner Situation selber Schuld, das werden auch die anderen Höheren Magier erkennen, nachdem sie die Geschichte gehört haben." er machte eine kurze pause und blickte Lorlen durchdringend an. „Es ist schon spät und ich halte dich vom schlafen ab. Gute Nacht Lorlen." sagte er schließlich und ging ohne auf eine Antwort von Lorlen zu warten aus dem Bürozimmer.
Auch Lorlen verließ sein Büro und versicherte sich, das er die Magischen Schlösser anbrachte. Er konnte nicht nachvollziehen, wie Akkarin immer so ruhig und gefasst bleiben konnte. Mehr als ein Novize haben in den letzten Tagen ihre Gelübde gebrochen und es scheint ihn nicht im geringsten zu interessieren. Lorlen machte sich zunehmend Sorgen darüber, das Anny noch stärker werden könnte. Sie stand erst am beginn ihrer Ausbildung und war jetzt schon stärker als ein dutzend Novizen aus dem Abschlussjahr. Er schüttelte den Kopf. Es konnte Akkarin nicht einfach so kalt lassen. Wenn sie sich so weiter entwickelte würde sie einmal die besten Chancen haben seine Nachfolgerin zu werden. Sie wäre die erste Hohe Lady in der Geschichte der Gilde und das als Fremdländerin. Lorlen blickte am Eingang der Universität in Richtung des Waldes, wo in einsamer Dunkelheit die Resistenz des Hohen Lords stand. Er konnte nur leichte Umrisse des dunklen Gemäuers erkennen, sonst war alles dunkel. Akkarin war also noch nicht in der Resistenz angekommen.
Sonea stocherte lustlos in ihrem Abendessen herum.
„Alles in Ordnung mit dir Sonea? Du wirkst so bedrückt."
Sie blickte von ihrem Teller auf und seufzte laut. „Ich weiß echt nicht, warum sie nicht mehr mit mir redet." erklärte sie ihrem Mentor, der an der gegenüberliegenden Seite des Tisches saß und sie besorgt musterte.
„Anny?" fragte er.
Sonea nickte.
„Du weißt es also noch nicht." stellte er fest.
„Was weiß ich nicht? Ist ihr etwas zugestoßen?" hakte sie nach.
„Nein, nein, keine Sorge. Soweit ich weiß geht es ihr gut. Ich glaube ehr, das sie dich schützen will."
„Ich verstehe nicht, worauf ihr hinaus wollt Rothen. Nun sagt schon." drängte sie.
Rothen legte sein Besteck an die Seite und lehnte sich in seinem Sessel zurück.
„An dem Abend, wo Anny dich vor Regin beschützt hat, wurde er durch ihren Angriff verletzt."
Sonea sog entsetzt die Luft ein.
„Keine Sorge, Sonea, er wurde nicht schwer verletzt. Allerdings hat Regins Mentor Anklage gegen Anny erhoben. Was in meinen Augen ein Grund sein könnte, warum sie dir ausweicht. Wahrscheinlich will sie dich nicht noch weiter in die Sache mit hineinziehen."
Sonea blieb still in ihrem Sessel sitzen und dachte über das nach, was Rothen ihr gerade alles erzählt hatte. Er blieb geduldig sitzen und sagte kein Wort mehr. Nachdem sie eine weile schweigend zusammen saßen und ihr Abendmahl beendeten, blickte Sonea zu Rothen auf.
„Es ist schon spät. Ich werde wohl langsam auf mein Quartier gehen."
Rothen nickte ihr leicht zu. „Gute Nacht, Sonea. Mach dir nicht zu viele Gedanken wegen Anny, es wir schon alles wieder werden."
Sonea verzog zur Antwort das Gesicht und verließ Rothens Räume.
Als Dorrien das Tor der Gilde Durchquerte hingen lange Eiszapfen an dem kunstvoll gearbeiteten Metall. Die Wege um die Universität herum und zu den Quartieren der Magier und Novizen waren bereits von Schnee frei geräumt worden.
„Welchem Novizen wohl dieses Jahr die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde." dachte er leicht grinsend nach. Er hat zu seiner Zeit, als er noch ein Novize an der Universität war, sich zweimal freiwillig für diesen Dienst gemeldet. Da seine Familie, oder zumindest sein noch verbliebener Vater, eh in der Gilde lebte, machte es ihm keine großen Umstände. Zudem brachte es ihm Lob von seinen Lehrern ein.
Als der große runde Platz vor der Universität in Sicht kam trieb Dorrien sein Pferd zu einer schnelleren Gangart an. Um kurz darauf endlich stehen bleiben zu können. Er war froh, dass er endlich aus dem unbequemen Sattel steigen konnte, in dem er die letzten Tage bei Wind und Wetter saß.
„Willkommen zu Hause, mein Sohn." sagte eine vertraute Stimme z seiner Linke. Dorrien ließ sich aus dem Sattel gleiten und wandte sich zu dem Mann, der an ihn herangetreten war um.
Sein Vater sah gut aus. Er wirkte sehr glücklich und Dorrien wusste, das der Grund seine Freude nicht nur an seiner Rückkehr lag.
„Hallo Vater, wie geht es dir?", fragte er den älteren Mann und umarmte ihn kurz.
„Gut geht es mir. Und du? Du bist doch hoffentlich nicht die ganze Nacht durchgeritten. Du siehst so erschöpft aus."
Dorrien grinste seinen Vater an. Es kam ihm vor, als wäre er nie weg gewesen. Sein Vater versucht noch immer ihm ins Gewissen zu reden und zu den heutigen Tagen stellte Dorrien fest, das es ihn nicht im geringsten störte. Im Gegenteil. Es machte ihn glücklich, zu wissen, dass sein Vater sich nach all den Jahren noch immer um seine Gesundheit sorgte. Als Novize hatte er ihn für so etwas gehasst. Er wollte sein eigenes Leben haben und nicht ständig darauf achten müssen, das er mit seinen Handlungen nicht seinem Vater vor den Kopf stieß.
„Du weißt wie ich Nächte unter freiem Himmel hasse, Vater. Vor allem bei diesem Wetter."
„Ich bin der Meinung, das es sicherer ist, die Nacht auf festem Boden zu verbringen und nicht im Sattel. Außerhalb der Stadt muss der Schneesturm noch schlimmer gewesen sein."
„Was für mich Grund genug war, diese Nacht in Bewegung zu bleiben, sonst wäre wahrscheinlich nicht nur ich, sondern auch mein Pferd erfroren."
Rothen schüttelte leicht lächelnd den Kopf. „Vielleicht willst du dich erst einmal etwas ausruhen. Ich habe dein altes Zimmer in meinem Quartier herrichten lassen." sagte er und beendete damit das Thema zuvor. Sein Vater würde ihm niemals Recht geben, dass es genauso gefährlich war, stehen zu bleiben und zu schlafen als wie weiter zu Reiten. Aber mit diesem abrupten Themenwechsel machte er Dorrien deutlich, das er nicht ganz unecht hatte. Was ihm als Bestätigung für sein Recht reichte.
„Danke Vater, aber ich würde gerne vorher noch Sonea begrüßen. Ich hatte eigentlich erwartet, dass sie dich begleiten würde. Weißt du, wo ich sie finde?"
„Sie ist wahrscheinlich auf ihrem Quartier..." Rothen wollte noch etwas erwidern. Doch Dorrien hatte sich bereits von ihm abgewandt und ging in Richtung der Novizenquartiere. Rothens Worte wurden von dem kalten Wind, der noch immer stark blies einfach davon geweht.
Er klopfte an die Tür zu Soneas Räumen. Die Tür öffnete sich im Selben Augenblick und Sonea strahlte ihn an.
„Dorrien!", rief sie erfreut, bevor sie ihm um den Hals fiel. Er kam gar nicht dazu, etwas zu sagen. Als sie ihn wieder los lies strahlte sie noch immer.
„Komm herein. Warum bist du schon da. Ich dachte, du würdest erst heute Nachmittag ankommen."
Dorrien trat in Soneas Zimmer und ließ sich auf den einzigen Stuhl nieder.
Er erzählte ihr von den Schnellstürmen, durch die er geritten war und dass er es nicht gewagt hatte, zu lange an einem Ort zu bleiben, da er befürchtete, dass er ein schneien würde. Zudem erzählte er ihr von den Menschen in seinem Dorf und wie einsam er sich gefühlt hatte, als er das letzte Mal die Gilde verlassen hatte. Er hoffte auf eine Reaktion, von Sonea, das sie ihm sagte, dass sie ihn auch vermisst hatte doch sie blieb stumm. Ihre Augen hatten einen leeren, träumerischen Ausdruck angenommen. Dorrien räusperte sich und Sonea blickte zu ihm herüber.
„Alles n Ordnung mit dir?" fragte er, nachdem er sich sicher war, das er ihre Aufmerksamkeit zurückgewonnen hatte.
Sonea stieß einen tiefen Seufzer aus. Sie erzählte ihm von der Sache mit Regin und was ihre neue Freundin Anny mit dieser Sache zu tun hatte. Dorrien nahm sie in den Am und gab ihr einen kurzen Kuss.
„Mach dir keine Sorgen. Vielleicht solltest du einfach mal außerhalb der Gilde mit ihr reden. Wenn sie allein aus Ithania hierher gekommen ist, wird sie keine besonderen Gelegenheiten haben, das Gelände der Gilde einmal zu verlassen. Es kann sehr bedrückend sein, wenn man sich Tag für Tag nur an einen Ort aufhalten muss."
„Dafür müsste sie erst einmal mit mir reden."
Dorrien schaute seine junge Freundin ratlos an. Rothens Gedankenruf rettete ihn aus dieser Situation.
„Dorrien, kommst du mit Sonea zum Essen?"
„Ja, Vater, wir machen uns gleich auf den Weg." antwortete er ihm still.
„Vater hat uns soeben zum Essen eingeladen." Unterbrach Dorrien das schweigen.
„Dann sollten wir uns besser beeilen." erwiderte Sonea mit einem leichten lächeln, bevor sie sich von ihrem Bett erhob, auf das sie sich während ihrer Unterhaltung gesetzt hatte und auf ihre Zimmertür zuging. Dorrien folgte ihrem Beispiel und ging zusammen mit ihr über das Gelände zu dem Magierquartier.
