Der Geheimgang zu den Tunneln in Akkarins Kellerraum schloss sich geräuschlos.
„Willkommen zurück, Meister", sagte Takan unterwürfig. „Ist alles gut gegangen? Ihr seid erst so spät zurück."
„Keine Sorge, Takan", sagte Akkarin, während er die Roben entgegen nahm, die sein Diener für ihn bereithielt.
„Der Mann war clever und hat versucht sich vor mir zu verstecken. Er hätte noch etwas Zeit gebraucht um sich mit mir zu messen", erklärte er seinem Diener, während er in die schwarzen Roben des Hohen Lords stieg. „Was macht mein Schützling?"
„Sie ist nach wie vor auf ihrem Zimmer und ließt irgendwelche Bücher. Allerdings scheint sie eure Abwesenheit zu faszinieren. Seit ich sie vor der Tür entdeckt habe, ist sie allerdings vorsichtiger geworden. Heute hat sie mich nach euren Aufgaben gefragt, genauer die, die euch zu so später Stunde noch aus der Gilde führen. Aber sie scheint es nicht mehr zu wagen, selbst der Sache nachzugehen."
Akkarin runzelte die Stirn. Anny war stark. Sehr stark sogar. Zu Beginn hatte er mit dem Gedanken gespielt, sie in seine Machenschaften einzuweihen, um sie so als eine Willige Kraftquelle zu gewinnen. Eine Aufgabe, die seit Jahren nur Takan belastet. Doch die Spione werden von Mal zu Mal stärker und er hatte befürchtet, dass die Magie, die er von Takan nahm, bald nicht mehr ausreichen würde, um sie zu vernichten.
Vor einigen Tagen geschah allerdings etwas, was seine Pläne endgültig durchkreuzte. Es war ihm nicht gelungen, Annys Gedanken zu lesen. Nicht einmal mit dem Blutstein, den er Rothen gegeben hatte. Bevor er ihr ein so mächtiges Geheimnis offenbarte, musste er allerdings wissen, ob er ihr Vertrauen konnte. Lorlen hatte ihn gewarnt, dass sie vielleicht gefährlich sein könnte. Vielleicht war es wahr und sie verfolgte ein ihm unbekanntes, finsteres Ziel.
„Meister?", fragte Takan leise und riss Akkarin aus seinen Gedanken. „Alles in Ordnung?"
„Ja, ich habe gerade nur über eine Möglichkeit nachgedacht, Anny etwas abzulenken."
„Warum schickt ihr sie nicht zu den Heilern? Dort kann sie helfen und lernt einige nützliche Dinge für später"
„Das ist eine sehr gute Idee, Takan. Aber das kann noch bis morgen warten", sagte Akkarin und stieg die Treppen zu seinem Empfangsraum hinauf. Als er in den Raum trat, drehte er sich herum und wartete, bis sein Diener aus der Tür trat, bevor er sie schloss und einen magischen Schild darüber legte. Eine Vorsichtsmaßnahme, die er seit Annys versuchter Spionage an den Tag legte.
Als er sich wieder um drehte, verbeugte sich Takan mit einem leisen „Gute Nacht, Meister" und ging in sein Quartier.
Akkarin ging zu der anderen Tür und schritt leise und geräuschlos die Treppen zu seinem Schlafraum empor.
Am nächsten Tag ging Akkarin direkt in das Gebäude der Heiler. Als er durch den leicht gebogenen Flur ging, spürte er die verwunderten Blicke, die ihm folgten. Seit seiner Wahl zum Hohen Lord war er nicht mehr hier gewesen und auch davor war er nur wenige Male als Patient in dem runden, hohen Gebäude.
Als er vor der Tür, zu der er wollte, ankam, blickte er, bevor er an die Tür klopfte, in den Flur hinter sich. Die meisten Magier, die ihn bei seinem Eintreffen interessiert beobachtetet hatten, hatten sich längst wieder ihren eigentlichen Arbeiten zugewandt. Er hob die Hand um an die Tür zu klopfen. In dem Moment öffnete sich die Tür und eine hochgewachsene Frau, etwas jünger als er selbst, schaute ihn überrascht an.
„Guten Morgen, Lady Meydin. Ich wollte mit euch über meine Novizin sprechen. Hättet ihr einen Moment Zeit?"
„Natürlich. Kommt herein und setzt euch", sagte sie und trat einen Schritt zur Seite, damit Akkarin eintreten konnte. Die privaten Räume im Heilerquartier waren genauso schlicht eingerichtet, wie in den Quartieren der anderen Magier. Der einzige Grund, warum ein Teil der Heiler nicht in den Magierquartieren lebte, war dass auch bei Nacht, wenn Notfälle kamen, schnell ein Heiler zur Stelle sein musste.
„Bitte setzt euch, Hoher Lord", sagte Meydin, nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte.
„Nein danke. Ich werde es kurz machen. Ich wollte euch fragen, ob ihr Anny als Gehilfin nehmen würdet. Ihr, als ihre Lehrerin in der Heilkunst, wisst am besten, was ihr ihr zumuten könnt. Sie langweilt sich im Moment sehr und ich denke diese Arbeit würde ihr nicht nur in der Zukunft weiterhelfen sondern ihr auch Spaß bereiten."
Meydin nickte nachdenklich. „Ab wann könntet ihr sie zu mir schicken?", fragte die Frau schließlich mit einem leichten Lächeln.
Nachdem sie ausgemacht hatten, dass er Anny so bald wie möglich zu der jungen Heilerin schicken würde, verabschiedete er sich flüchtig von ihr und machte sich auf den Weg zurück in die Residenz.
Kurz bevor er die ersten Bäume des Gartens erreicht hatte, durch welche sein Haus vor neugierigen Blicken gut geschützt lag, wies er Takan per Gedankenrede an, Anny in den Empfangsraum zu schicken. Er würde dort auf sie warten.
Als Akkarin den Empfangsraum betrat, stand Anny bereits bei den nebeneinander stehenden Sesseln und wartete auf ihn. Als sie ihn bemerkte, verbeugte sie sich und verspannte sich leicht.
„Guten Morgen Anny. Schön, dass du schon da bist."
Sie nickte lediglich knapp und sah ihn erwartungsvoll in die Augen.
Es war beinahe unheimlich, wie sie ihn so direkt musterte, als würde sie direkt durch seine Augen ihn seinen Geist blicken können. Genau wie er es konnte, bei allen außer ihr.
Es gab nicht viele Personen, die es überhaupt wagten, dem Hohen Lord so fest in die Augen zu sehen. Was wahrscheinlich auch den kalten Schauder erklärte, der ihm über den Rücken lief. Doch er ignorierte dieses Gefühl. Stattdessen wandte er sich von ihr ab und ging auf die beiden Sessel zu.
„Bitte setz dich. Ich würde gerne mit dir reden", erklärte er ihr und ließ sich langsam in den seinen sinken. Anny zögerte kurz, bevor sie seiner Einladung nachkam und sich ebenfalls setzte.
„Ich war soeben bei deiner Lehrerin, die dich in der Heilkunst unterrichtet", begann er, doch sie schaute ihn nur unbeeindruckt an. Akkarin rechnete fest damit, dass sie wie ein unerzogenes Kind eine schnippische Antwort von sich geben würde, doch sie sagte nichts.
„Ich habe sie gebeten, dich als Gehilfin über die Ferien zu nehmen", wieder machte er eine Pause und betrachtete sie. Ihre Miene hatte sich nicht im Geringsten verändert. Sie zeigte weder Freude noch Widerwille. Akkarin holte noch einmal lautlos Luft und sagte dann in strengem Ton. „Ich wünsche, dass du von heute an jeden Tag ein paar Stunden im Heilerquartier mithilfst. Du wirst sehen, es wird deiner Ausbildung zugute kommen. Auch wenn du die Prüfungen des dritten und vierten Jahres bestanden hast, hast du in der Praxis noch sehr viel Nachholbedarf."
„Wie ihr wünscht, Hoher Lord. Dann werde ich gleich zu Lady Meydin gehen", sagte sie kurz nachdem er den Mund geschlossen hatte. Auch wenn sie sich so bereitwillig fügte, entging ihm der leichte Unterton in ihrer Stimme nicht. Wahrscheinlich grollte sie im, dass sie nun die einzige freie Zeit des Jahres auch noch mit Hilfsarbeiten verbringen durfte. Aber es musste sein. Er brauchte seine Ruhe und konnte nicht ständig noch ein Auge darauf haben, dass seine Novizin brav in ihrem Zimmer oder irgendwo anders, aber nicht in seinem Keller war. Sie war schlau und zudem war sie zu stolz, als dass sie sich je bei ihm beschwert hätte.
Als er nichts mehr sagte, erhob sich Anny von ihrem Sessel und ging in Richtung Tür. Vor ihr blieb sie noch einmal kurz stehen und verbeugte sich.
„Vielen Dank, Hoher Lord", sagte sie und verließ das Haus.
Akkarin schaute ihr überrascht nach. Hatte sie ihm soeben tatsächlich gedankt?
Rothen genoss die Zeit der langen Sommerpause. Er hatte sich zwar in den letzten Jahren abgewöhnt, die Gilde für diese Zeit zu verlassen, doch dennoch ging er bei diesen Gelegenheiten in die Stadt und über den großen Marktplatz, an dem einmal in der Woche alle möglichen Neuheiten und Kuriositäten den Besitzer wechselten.
Rothen ging langsam durch die langen Gassen, die diese Stände bildeten und hielt Ausschau nach Dingen, die er eventuell kaufen konnte.
„Rothen?", drang plötzlich eine vertraute Stimme an seinen Geist. Er stärkte die Verbindung und erwiderte. „Dorrien?"
Mit einmal drangen starke Gefühle in seine Wahrnehmung. Es war eine Mischung aus Erleichterung, Angst und Besorgnis.
„Was ist los mein Sohn?", fragte Rothen ungeduldig, als Dorrien nichts weiter sagte.
„Wir wurden angegriffen", antwortete er schließlich.
Angegriffen? Rothen wurde mit einmal schlecht. Alles um ihn herum begann sich zu drehen.
„Ist Sonea etwas passiert?", platze er heraus, als sein Sohn wieder zu schweigen begann.
„Solltest du, als mein Vater, nicht erst mal fragen, ob es mir gut geht?", fragte Dorrien belustigt und Rothen wusste, dass die Situation nicht so ernst war, wie sie im ersten Moment schien. Sie wurden offensichtlich angegriffen, aber ihnen ist nicht passiert. Sonst würde sein Sohn nicht mit ihm rumdiskutieren.
Aber es stimmte. Sonea war ihm beinahe wichtiger als sein eigener Sohn. Vielleicht lag es daran, dass sie selbst für ihn wie eine eigene Tochter ist, aber jünger und unerfahrener als Dorrien.
„Verzeih, lass es mich noch einmal versuchen. Ist euch etwas passiert?"
Er nahm einen Anflug von Erheiterung bei seinem Sohn war.
„Nein, uns geht es gut."
„Dann sag, was ist passiert? Und vor allem, wer ist so wahnsinnig, 2 Magier anzugreifen?"
„Genau das ist der Grund, warum ich dich gerufen habe. Es war eine Magierin und dazu eine sehr starke. Als sie uns die Pferde abgenommen hat, murmelte sie an uns Gewand einige fremdartige Worte. Von ihrem Aussehen her, stammte sie weder aus Kyralia noch aus einem der anderen Verbündeten Länder."
Als Dorrien ihm das Bild der Frau sandte, keuchte Rothen entsetzt auf. Ihre Statur und ihre Gesichtszüge hatten überraschende Ähnlichkeit mit denen Annys.
Konnte es sein, dass es in Ithania Magier gab?
Aber klar gab es dort welche. Anny selbst hatte ihm erzählt, dass ihre Mutter für die Hausarbeit Magie benutzt hatte.
Sie konnten nur hoffen, dass die Frau auf der Durchreise war und nur zufällig Magier angegriffen hatte, Wenn sie so stark war wie Anny, könnte sie einen ernsthafte Bedrohung für die Gilde darstellen.
„Vater? Bist du noch da?", fragte Dorrien. Rothen war so sehr in seine Gedanken vertieft, dass er ihm nicht weiter geantwortet hatte.
„Entschuldige Dorrien. Was sagtest du?"
„Könntest du bitte zu Administrator Lorlen gehen und ihm davon berichten. Ich würde gerne mit Sonea nun weiter gehen. Dann kommen wir heute noch zu Hause an."
„Ich werde gleich zu ihm gehen", versicherte Rothen ihm. „Passt auf euch auf."
„Du auch auf dich, Vater."
Als Dorriens Anwesenheit in seinem Geist langsam verblasste, wurde Rothen sich wieder seiner Umgebung bewusst. Er war mitten auf dem Weg stehen geblieben und um ihn herum standen ein paar Leuten, die ihn neugierig musterten. Rothen räusperte sich laut und hob den Kopf, um in einer stolzen, ehrfürchtigen Bewegung die Leute daran zu erinnern, wer er war, und das sie besser ihren Tätigkeiten nachgehen sollte.
Erleichtert stellte er fest, dass es funktionierte. Die Gruppe um ihn herum löste sich auf. Er selbst drehte sich auf dem Absatz um und eilte zurück in die Gilde, um dem Administrator zu berichten, was seinem Sohn und Sonea widerfahren war.
„Anny, kommst du mal bitte?"
„Einen Moment, Lady Meydin. Ich will nur noch schnell die letzten Verbände einsortieren."
Die Tür öffnete sich ein Stück weiter und die junge Frau, die nach Auraya gerufen hatte, blickte hinein.
„Lass das liegen. Das kann ein Diener fertig machen", sagte sie lächelnd. „Komm mit mir, wir haben einen Patienten."
Auraya legte die, zu kleinen Rollen aufgewickelten, Stoffbahnen auf den Tisch vor ihr und folgte Lady Meydin in den vorderen Bereich des Hauses, in dem die Behandlungszimmer lagen. Auf dem Weg verfluchte sich Auraya selbst, da sie ohne zu zögern Akkarins Befehl ausgeführt hatte. Sie hatte zwar nichts dagegen, im Heilerquartier auszuhelfen und Akkarins Begründung, warum sie das tun sollte, war auch gerechtfertigt, dennoch hätte sie nicht ganz so leicht klein beigeben sollen. Wahrscheinlich lauerte er wieder irgendeinem hilflosen Opfer in seinem Keller auf. Nur dass es diesmal nicht die nächtlichen Stunden dafür nutzte, sondern die Zeit der Ungestörtheit, in denen Auraya nicht zugegen war.
Lady Meydin betrat einen der vorderen Untersuchungsräume, welche für leichtere Verletzungen genutzt wurden.
Ein kleiner Junge, um die 5 Jahre alt, saß auf der Behandlungsbank und hielt sich den Arm. Neben ihm saß seine Mutter, die sich große Sorgen um den Jungen machte.
Nach einem kurzen Gespräch, was ausschließlich die Mutter des Jungen und Lady Meydin führten, erklärte die Heilerin, dass dies nun ihr Patient war.
Wann immer so ein leichter Fall eintraf, überließ Lady Meydin ihn Auraya. Vorausgesetzt der Patient stimmte zu, dass ihn ein Novize heilte. Die Heilerin beobachtete sie genau und begutachtete, nachdem Auraya mit ihrer Arbeit fertig war, das Ergebnis.
Sie setzte sich auf die Bank zu dem Jungen und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Auch ohne ihre Fähigkeit, die Gedanken und Gefühle der Menschen um sie herum lesen zu können, spürte sie deutlich, wie verängstigt der Junge war.
Nachdem sie langsam das Vertrauen des Jungen gewann, kitzelte sie ihn leicht an dem verletzten Arm, um ihm vorzuführen, wie es sich anfühlen würde, wenn sie ihn heilte. Er begann zu Lachen und bemerkte nicht einmal, dass sie sein Arm währenddessen bereits geheilt hatte. Auch Lady Meydin traute ihren Augen kaum. Sie hatte anscheinend noch nie erlebt, dass ein Heiler seine Konzentration auf seine Umgebung und gleichzeitig auf die Heilung richten konnte. Der Junge und seine Mutter strömten zu der üblichen Dankbarkeit auch eine starke Bewunderung ihr gegenüber aus. Auch Lady Meydin war sehr stolz auf Auraya, nachdem sie den Jungen nachuntersucht hatte.
„Ich glaube, du solltest mich unterrichten", scherzte die Magierin, nachdem sie den Behandlungsraum verlassen hatten.
Auraya antwortete nichts auf diese Aussage und verabschiedete sich flüchtig.
Es tat gut, endlich wieder öffentlich Magie nutzen zu können. Doch sie musste vorsichtiger sein.
Akkarin saß mit seinem Freund Administrator Lorlen gemütlich in seiner Residenz. Sie tranken einen der besten Weine, die die Gilde zu bieten hatte.
„Lord Rothen war heute Mittag bei mir, er berichtete, dass sein Sohn und Sonea von einer wilden Magierin angegriffen wurden. Sie scheint sich auf dem Weg in die Stadt zu befinden."
Akkarin ließ sein Glas langsam sinken, welches er gerade angesetzt hatte und schaute Lorlen ungläubig an.
„Ist ihnen etwas passiert?", fragte er und war froh, dass seine Stimme genauso klang wie immer. Sein Freund durfte nicht bemerken, wie ihn diese Nachricht in Aufruhr brachte. Hätte er die Möglichkeit, würde er so schnell wie möglich einen Boten zu dem Mann schicken, der ihm half die Spione zu finden. Doch er musste erst einmal ruhig hier sitzen bleiben und mit Lorlen erörtern, was die Gilde tun sollte. Wenn der Angriff erst heute stattgefunden hatte, brauchte die Frau noch ein paar Tage, bis sie die Stadt erreicht hatte und dann musste er handeln, bevor die Gilde sie zu Gesicht bekommen würde.
„Alles in Ordnung, Akkarin?", fragte Lorlen und riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Freund hatte offensichtlich bereits weiter gesprochen.
„Ja, ich denke, dass es das Beste wäre, wenn erst einmal so wenig Leute wie möglich von dieser wilden Magierin erfahren. Sonst haben wir keine Möglichkeit sie zu finden, sobald sie die Stadt erreicht hat."
„Deshalb wollte ich morgen mit meinem Assistenten und drei weiteren Magiern ausreiten und nach der Frau suchen."
Als Lorlen diese Worte aussprach, hätte Akkarin am liebsten laut protestiert. Er hatte keine Ahnung, nicht einmal eine wage Vorstellung wie stark die Frau war, wenn sie tatsächlich eine Spionin war. Akkarin bemühte sich, seine teilnahmslose Miene beizubehalten und antwortete lediglich.
„Dann passe gut auf dich auf, mein Freund, du weißt nicht wie stark diese Frau ist. Wenn sie tatsächlich eine wilde Magierin ist."
Lorlen nickte und erklärte ihm, wie er vorgehen wollte um sie zu finden ohne viel Aufsehen um die Sache zu machen.
Nachdem sie langsam zu einen anderen Thema abdrifteten, wünschte sich Akkarin, dass Lorlen endlich gehen würde, damit er selbst mit seinen Nachforschungen über die Magierin beginnen konnte. Trotz der Unruhe, die in seinem Inneren herrschte, gelang es ihm so gelassen wie immer zu wirken und seinem Freund aufmerksam zuzuhören.
Als Lorlen endlich gegangen war, eilte Akkarin in seinen Keller, streifte seine Roben ab und legte sich einen alten Umhang um die Schultern. Dann trat er in den unterirdischen Tunnel und eilte in die Hüttenviertel. Er blieb auf seinem Weg nur kurz stehen, um die magischen Barrieren zu entfernen und hinter sich wieder hochzuziehen.
Als die kleine Hütte zwischen den Bäumen in Sicht kam und Dorrien den Weg einschlug, der zu ihr führte, machte Soneas Herz einen Freudensprung. Nach tagelangem Reiten und einem, wie ihr es vorkam, noch längerem Fußmarsch, hatten sie ihr Ziel endlich erreicht.
„Willkommen in meinem Zuhause", sagte Dorrien und strahle sie zum ersten Mal an diesem Tag an. Aber als er sich umdrehte und durch die Tür trat, die er ihr aufgehalten hatte, sah sie in ihren Augenwinkel, dass er erneut das Gesicht in tiefe Falten gelegt hatte. Wahrscheinlich dachte er wieder an die wilde Magierin, die sie so kurz vor ihrem Ziel überfallen hatte. Sonea selbst schauderte bei dem Gedanken an die Begegnung mit ihr.
Die Frau hat kein Wort zu ihnen gesagt. Zumindest nichts, was sie verstanden hätte. Sie kam einfach auf sie zu, machte eine knappe Handbewegung und schon saßen Dorrien und sie auf der staubigen Straße.
Das Schild, was sie hochgezogen hatte, um die Frau von sich fern zu halten, erlitt merkwürdigerweise nicht den geringsten Schaden. Als wäre die Frau in ihren Schild eingedrungen und hatte sie innerhalb diesen angegriffen.
„Sonea? Möchtest du etwas Essen?"
Beim klang von Dorriens Stimme schob sie die Gedanken an die Magierin beiseite. Die nächsten vier Wochen gehörten einzig ihr und Dorrien und diese Zeit wollte Sonea mit allen Sinnen genießen.
„Ja, bitte", antwortete sie und lächelte ihren Freund an. „Ich komme mir vor, als hätte ich seit Tagen nichts mehr gegessen."
Dorrien lächelte sie bei dieser Bemerkung schwach an und begann in einem Schrank nach etwas Essbarem zu suchen. Sonea nutzte die Zeit um sich in dem Raum genauer umzuschauen.
Der Raum war fast genauso groß wie das gesamte Haus und diente offensichtlich als Küche und Wohnraum gleichzeitig. Abgesehen von der Eingangstür waren noch zwei weitere Türen auf der anderen Seite des Raumes. Eine von ihnen führte wahrscheinlich in Dorriens Schlafzimmer und das andere in den Waschraum.
Neugierig ging sie auf eine der Türen zu und spähte hindurch.
Ja, das war sein Schlafraum. Der Raum war klein und das große Bett benötigte nahezu den gesamten Platz.
Dorrien hatte sich unbemerkt an sie herangeschlichen und legte ihr seine Arme und die Taille, was sie leicht zusammenzucken ließ.
„Und denkst du das Bett reicht für uns in der Nacht?"
Sonea drehte sich zu ihm um und lächelte verführerisch.
„Warum in der Nacht?", antwortete sie ihm, nahm seine Hand, zog ihn zu sich und ging langsam rückwärts auf das Bett zu.
Ihr Körper schrie regelrecht nach Dorriens Berührungen. So lange waren sie voneinander getrennt gewesen. Doch kurz bevor sie das Bett erreicht hatten, brach Dorrien die Küsse ab.
„Wollten wir nicht zuerst etwas essen?", sagte er mit hochgezogener Augenbraue. Ohne ein weiteres Wort wandte er sich von ihr ab und ging zurück zu einem großen Topf, aus dem ein wunderbarer Geruch drang, der Soneas Magen zum knurren brachte.
„Kommst du? Das Essen ist fertig", rief er und balancierte zwei dampfende Schalen zu dem großen Tisch, der mitten im Raum stand. Seufzend schloss Sonea die Tür zu dem Schlafraum und ging zu dem Tisch.
