Hauptmann Mumm saß müde und in einer schlechten, fast poetisch schlechten Stimmung hinter seinem Schreibtisch und strich mit seinem Finger über ein abgerissenes Stück Papier.

Man hielt es nicht einmal für nötig, ihm einen ordentlichen Brief zukommen zulassen, dachte er. Kein Wachssiegel, kein Briefkopf. Fast konnte man es einen schäbigen Notizzettel nennen, der gerade gut genug war, ihn Mumm zukommen zu lassen. Und dann hatte man ihn nicht einmal in die Entscheidung mit einbezogen. Über seinen Kopf hinweg...

Mumm machte sich nichts vor, noch nie hatte man seine Meinung als wichtig genug empfunden, um sie sich anzuhören. Alles wurde über seinen Kopf hinweg entschieden, seit Anbeginn der Zeiten. Schien ein Naturgesetz zu sein.

Dem jungen Mann konnte er keinen Vorwurf machen. Es war eher zu bemitleiden. Von der Palastwache zu den Nachtwächtern versetzt zu werden, kam einer Degradierung vom Menschen zur Schmeißfliege gleich.

Mumm war kein Mensch, der sich über den Charakter neuer Rekruten allzu große Gedanken machte. Früher oder später würde sie all ihre guten Eigenschaften einbüßen und entweder zu zynischen Kotzbrocken oder semikriminellen, korrupten...

Sein Gedankenkonstrukt wurde unterbrochen, als Errol, der neben seinem Schreibtisch in einer Obstkiste schlummerte einen langen, benzinaromatisierten Rülpser von sich gab.

„Schon gut, sie werden nicht alle zu semikriminellen, korrupten..., aber er bestimmt!", sagte er zu dem kleinen Sumpfdrachen, der daraufhin genüsslich gurgelte.

Vorurteile waren eines von Mumms Fachgebieten und er konnte sich nicht helfen, er mochte den neuen Rekruten nicht.

Er las sich erneut die hin gekrakelte Mitteilung durch, mit der Kenneth Fleischmeister, Fähnrich Kenneth Fleischmeister, seinem Kommando unterstellt wurde.

Sein ungebührliches Verhalten war für den Palast nicht mehr tragbar. Für die Straßen Ankh-Morporks jedoch waren sie ausreichend, dachte Mumm bitter.

Schon beim Rekrutierungsgespräch war ihm der Mann unangenehm aufgefallen. Noch vor fünf Minuten saß er vor ihm, auf der anderen Seite des modernden Schreibtisches.

Kenneth Fleischmeister war ein Mann, jung an Jahren, dafür aber alt im Geist. Seine Kopfform, ein perfekter Kreis, wies auf eine nicht unbedingt spritzige Intelligenz hin, dafür aber auf andere schlagkräftige Argumente. Sein Schädel war mindestens so dick wie der eines Rhinozerosses und auch der Rest seines Körpers erinnerte an einen gepanzerten, mehrere Tonnen schweren, wilden und unberechenbaren Unpaarhufer. Wenngleich Fleischmeister mehr Haare aufwies. Nicht unbedingt auf seinem Kopf, aber überall sonst an seinem Körper.

In diesen Haaren sammelten und mischten sich seltene Aromen, die sich nur dann entwickelten, wenn ein organischer Stoff für Monate von Wasser und Luft fern gehalten wurde. Womöglich war Fleischmeisters Abneigung gegen Seife auch nur eine Vorsichtsmaßnahme. Jemand, der derartige Substanzen produzierte, musste jede Sekunde darauf gefasst sein, wenn er zu viele hygienische Experimente an sich durchführte, irgendwann einer chemischen Reaktion am eigenen Leib zum Opfer zu fallen.

Dennoch, der beißende Gestank stand noch immer in seinem Büro und diese Tatsache wirkte sich eher kontraproduktiv auf das Heben seiner Stimmung aus. Als ob er es darauf angelegt hatte...

Mumm machte sich darauf gefasst, in einigen Stunden die Beschwerde von Korporal Nobbs zu Protokoll nehmen zu müssen. Armer, kleiner Kerl, aber irgendjemandem musste er den Neuen schließlich auf's Auge drücken.

Nobby schien ihm ohnehin am besten geeignet für den Job, er setzte keine großen Erwartungen in neue Rekruten, mochte es zur Abwechslung einmal den höheren Rang inne zu haben, dabei keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Aber mit diesem Typen würde er keinen Spaß haben.

Mumm wusste noch nicht genau, warum man ihn aus der Palastwache geschmissen hatte, aber es gab einen Grund dafür!

Es gab immer einen Grund!

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