„Genau Zwölf Minuten und zweiunddreißig Sekunden! Du schuldest mir den Schmuck!".
„Hier, bitte! Aber es ist eigentlich deine Schuld, du hast mir nicht gesagt, hinter welcher Fließe das Geld versteckt war.".
„Na hinter der Lockeren!".
„Die waren alle locker! Und nachdem mir drei Stück einfach so von der Wand gefallen sind, musste ich sie wieder festkleben.".
„Äh... Wie hast du das denn gemacht?".
„Ein guter Dieb hat eine gewisse Ausrüstung bei sich.".
„Und..."
„Betriebsgeheimnis!".
„Was wollen wir heute Abend machen?".
„Was weißt du über das Haus von Clarice Herbstrot?".
„Noch nichts, aber ich könnte mal im Aktenschrank nachsehen.".
„Tu das!"
„Aber ich kann allerfrühestens heute Nacht da ran. Du weißt, er sperrt sich tagsüber darin ein.".
„Na gut, dann eben erst morgen Nacht. Und was machen wir heute?".
„Was würdest du davon halten?".
„Was ist das denn? „Mord per Brief"? Ich mag keine Bücher über Mörder.".
„Nein, du magst keine Mörder, das ist das Problem.".
„Und? Zeig mir einen Mörder, der es wert ist, dass man einen Roman über ihn schreibt!".
„Drüben in der Meuchlergilde haben sie einen Lehrling...".
„Du stehst auf einen von denen?".
„Erzähl mir nicht, dass du einzig und allein auf einen Dieb wartest!".
„Nein, nicht unbedingt einen Dieb...".
„Du bist seltsam, weißt du das. Ich hab keine Ahnung, was du überhaupt willst. Würde mich wundern, wenn du es überhaupt selbst weißt.".
„Was soll ich schon wollen? Was willst du denn?".
„Hmm... Es wäre nett einen Mann zu heiraten, der...".
„Heiraten! Das ist es also, was ein Mädchen in unserem Alter wollen soll. Klingt nicht sehr aufregend.".
„Ach, erzähl mir nicht, dass du dir nicht auch hin und wieder vorstellst, dass einer deiner Romanfiguren eines Tages vor der Tür eurer Gilde steht und um Einlass bittet, nur um die dich zu entführen.".
„In diesem Fall täte ich besser mir keinen Meuchelmörder vorzustellen, was?".
„Blödsinn! Aber Vater sagt, dass ein Meuchler immer noch besser ist als ein Kaufmann.".
„Mein Vater sagt auch so einige Sachen. Das heißt aber nicht, dass sie automatisch stimmen müssen. Jedenfalls möchte ich selbst entscheiden, wen ich heirate.".
„Und das wäre in deinem Fall? Jetzt sag halt! Du stehst auf Diebe, ich weiß es!".
„Naja, nicht unbedingt auf Diebe. Ich meine, nicht zwingend.".
„Aber du liest keine Krimis mit Mördern. Alles, was du liest sind Diebesgeschichten. Hör mal, jeder weiß, dass die Romane, die jemand liest, alles offenbaren. Alle deine Wünsche und Träume und so.".
„Und was sagst du, oh weise Literantologin?".
„Du stehst auf Diebe, weil du dir insgemein wünschst selbst einer zu sein. Oder so ähnlich.".
„Ich bin den ganzen Tag umgeben von Dieben. Mein Vater ist ein Dieb!".
„Ah! Vaterkomplex! Insgeheim wünschst du dir... wie dein Vater zu sein. Oder so ähnlich.".
„Naja. Eigentlich sind es nicht die Diebe, die mich interessieren... Sag mal, findest du es nicht seltsam, dass wir... Ich meine es ist schon komisch... Andere Mädchen in unserem Alter lesen Liebesromane, könnt ich mir denken.".
„Schnickschnack! Wir waren noch nie wie andere Mädchen. Das ist Schicksal!".
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