Mumm notierte:

Ärstens: Montag, Haus der Fammilie Braunscheitel, Königstraße, Perlenhallsbant, Goltarmbandt, Bargelt in Höhe fon 300 Dollar

Zwaitens: Dienstag, Haus der Fammilie Schönkirsche, Teekuchenstraße, Silbärohrringe, Fußkättschen, Edelsteinanhenger, Bargelt in Höhe fon 150 Dollar, lokere Fliesen an der Badezimmärwand seient plözlisch fäst befästigt

Drittens: Donnerstag, Haus von Frau Herbstrot, Teekuchenstraße, Goltketten, Ammulette, anthike Müntzen

Viertäns: ???

Er schob den Zettel beiseite und suchte nach einer alten Stadtkarte von Ankh-Morpork. Er fand sie unter Errols Obstkiste, wischte grob die Spuren des Inanspruchnahme durch den kleinen Drachen ab, ignorierte sein protestierendes Knurren, breitet sie vor sich auf dem Schreibtisch aus und zeichnete drei Punkte auf sie ein.

Alles hier im Viertel. Alles hier, direkt vor unserer Nase!

Wenn nur dieser Freemont nicht immer so... Ach sein Auftreten ist einfach nicht... Es gehört sich nicht, so aufzutreten, wenn man keine Ahnung, keine Anhaltspunkte und überhaupt nichts sonst vorzuweisen hatte!

Mumm wünschte sich nichts sehnlicher, als die seltsamen Einbrüche selbst aufzuklären. Eine Frage der Ehre.

In Ankh-Morpork waren Einbrüche nichts Ungewöhnliches. Sie waren sogar geduldet und legal. Allerdings wurden für gewöhnlich Visitenkarten an den Tatorten gefunden, die darauf hinwiesen, dass der jeweilige Einbrecher eine Lizenz der Diebesgilde aufwies und ein ehrenhaftes Handwerk ausübte, das zudem noch der Finanzierung der Verbrechensbekämpfung dienlich war.

Die Diebesgilde revanchierte sich für ihre Legalisierung damit, dass sie unlizenzierte, freischaffende Diebe schnell, sicher und ohne viel Aufhebens aus dem Verkehr zogen.

Man könnte fast behaupten, die Diebesgilde machte die Institution der Polizei, der Wache, überflüssig und könnte der Stadt somit noch einmal erhebliche Steuern sparen. Das tat sie aber nicht, da die Wache nebenher immer noch existierte und monatlich ihren Sold für's Nichtstun verlangte.

Die meisten Leute waren nicht gut auf die Wache zu sprechen, während hingegen Diebe ein hohes Ansehen genossen.

Die Diebesgilde war zudem straff organisiert, knüpfte feste Beziehungen zu den anderen Gilden und schuf somit ein schnell funktionierendes Netzwerk der Verbrechensbekämpfung.

Die Gilde der Spione besaß Akten über jeden einzelnen Bewohner der Stadt, die Gilde der Meuchelmörder bildete geschmeidige, intelligente und bestens ausgestattete Geheimkämpfer aus und die Diebesgilde schließlich repräsentierte das Netzwerk, organisierte Treffen, Abendessen und zeichnete sich durch gleichermaßen hervorragende Strategen wie auch Schleicher, Kletterer und Überwältiger aus.

Damit konnte die Wache nicht mithalten und Mumm schätzte seine eigenen kriminalistischen Fähigkeiten zudem eher pessimistisch ein, wenngleich er gewisse, uralte Polizeisinne nicht von der Hand weisen konnte.

Zumeist waren diese Sinne für das Verfolgen eines Verbrechens in den komplexen Verbrechenssystemen in Ankh-Morpork ehr nachteilig, dachte Mumm betrübt.

Es war schwer diese Erkenntnis anzunehmen, aber er war ein ehrlicher Mann und dazu gehörte es nun mal auch, dass er ehrlich zu sich selbst war.

Mumm war ehrgeizig, aber eben auch realistisch genug um seinem Ehrgeiz eher pessimistisch gegenüber zu stehen.

Seine Männer waren ebenfalls keine Helden, aber er konnte es ihnen nicht verübeln. Die Bezahlung war miserabel und die Arbeitszeit eine Zumutung. Außerdem zeichnete sich der Beruf des Wächters dadurch aus, dass ausgerechnet ein gewisser Mangel an Einsatzbereitschaft einem den Genuss seiner Rente garantierte.

Mumm mochte die Diebesgilde nicht. Wache und Gilde waren natürliche Feinde, zwei Pluspole zweier Magneten, die man mit Gewalt auf einander presste. Das Resultat einer Zusammenarbeit musste ein unsicheres Wackeln der Substanz zur Folge haben. Wie zwei Magneten, die sich abstoßen, die man aber trotzdem aufeinander drückt, dachte Mumm, so etwas passt zu den Gedankengängen des Patriziers.

Und wie so oft blieben ihm seine Absichten rätselhaft. Er ist zweifellos scharfsinniger als ich, vielleicht sogar scharfsinniger als der Gildenvorsitzende. Vielleicht aber nur verrückter.

Es war lange her, dass es einen derartig geschickten Einbrecher in Ankh-Morpork gab, der nicht von er Gilde lizenziert war.

Vielleicht war es ein Neuankömmling hier in Ankh-Morpork? Aber dafür kannte er sich zu gut in den Straßen und Häusern aus. Er wusste genau, in welchen Häusern er wo suchen musste.

Vielleicht war es ein Gildendieb, der seine Beute nicht mit der Gilde teilen wollte.

Wie dem auch sei, der Dieb hatte Stil, er hatte Ahnung, er war geschickt, schnell und hinterließ keine Spuren. Alles sprach dafür, dass er zumindest eine Ausbildung in der Diebesgilde begonnen hatte.

Mumm grinste. Bei seinem nächsten Zusammentreffen mit Freemont würde er diese Theorie ansprechen.

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