Mumm wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er hatte seinen Helm abgenommen und hielt ihn auf dem Schoß, klammerte sich regelrecht daran fest um zu verhindern, dass seine Hände zitterten.

„Hauptmann, mir ist diese Unterredung genauso unangenehm wie dir, aber manchmal müssen diese Dinge einfach hinter einen gebracht werden.".

„Ja, Herr.".

Es war kein schöner Anblick, den er vor sich sah und, dass sich zwischen ihm und dem Diebesgilden-Vorsitzenden und dem Patrizier nur ein presshölzerner Schreibtisch befand war ihm nur ein schwacher Trost.

„Nun, ich nehme an, du hast davon gehört.".

„Ja, Herr.".

„Was gedenkst du zu tun?".

„Ich...".

„Hmm. Ich kann es nicht zulassen, dass in meiner Stadt meine eigenen Familienmitglieder nicht mehr sicher leben können. Mein Vetter Eierschmalz genießt vollkommene Immunität und trotzdem wurde er letzte Nacht von einem unlizenzierten Dieb ausgeraubt! Nun, es ist wohl nicht mehr ganz richtig von einem Dieb zu sprechen. Wie mir zu Ohren kommt ist es inzwischen schon der Dieb!", Vetinaris ruhiger und berechnender Stimme fügte sich einen neue, ungeahnte Komponente hinzu. Sie knurrte, unterschwellig, aber deswegen um so bedrohlicher.

„Ja, Herr.".

„Ich sehe ein, dass in den letzten Jahren die Aufgaben der Verbrechensbekämpfung zum größten Teil von den Gilden übernommen wurden, aber ich erwarte doch von der Stadtwache zumindest, dass sie dieser Arbeit nicht kontraproduktiv im Wege steht.".

„Ja, Herr.".

„Wie mir der Vorsitzende Freemont erzählte, haben deine Männer einen verdeckt ermittelnden... Ermittler in dieser Einbruchserie derartig zusammengeschlagen, dass er seinen Beruf wohl nie wieder so ausführen kann, wie zuvor.".

Es hat sicher nicht unbedingt den Falschen erwischt. Dieb bleibt Dieb, dachte Mumm bitter und sagte: „Die ganze Angelegenheit ist sehr bedauerlich und ich tue mein Möglichstes um meinen Männern die Ordnung der Stadt wieder...".

„Ich fürchte, das wird nicht ausreichen, Hauptmann.", sagte Vetinari und blickte hinüber zu Freemont, der neben ihm saß bisher unbeteiligt getan und an Mumm vorbei an die Wand gestarrt hatte. Was er dort interessantes betrachtet hatte, ist nach wie vor ein Rätsel, denn Lord Vetinari pflegte es nicht seine Zimmer besonders zu schmücken. Es gab keine Gemälde, keine Dekoration, keine gemusterte Tapete. Höchstens zeigten sich hier und da einige dunkle Flecken, Zeichen der langsamen Verwitterung, die von außen nach innen kroch.

„Ich bin bereit den Zwischenfall zu vergessen, Mumm.", sagte Freemont, „Allerdings gäbe es da eine Sache, die mir ein wenig auf dem Magen liegt. Keine Angst, es wäre eine Vereinbarung, die zu unser beider Zufriedenheit beitragen würde.".

„Na, wenn das so ist.", Mumm lächelte gequält, er hatte die Erfahrung gemacht, dass Vereinbarungen, die angeblich zu beiderseitigen Zufriedenheit geschlossen wurden, zumeist zu seinem Nachteil gediehen.

„Es ist mir ebenso unangenehm wie dir, dass die Gilde und die Wache in letzter Zeit ein wenig aneinander geraten ist. Unsere Nerven liegen alle blank.".

„Kann ich mir vorstellen. Ich könnte mir denken, dass, wenn der mysteriöse Dieb nicht bald gefasst wird die Diebesgilde für illegal klärt werden könnte.", sagte Mumm und biss sich auf die Zunge.

„Das kann aber in unser beider Interesse nicht sein, verstehst du? Es würde viel unangenehme Arbeit auf dich zukommen.", sagte Freemont süffisant.

Mumm knurrte. Es war eine böswillige Unterstellung, dass er und seine Truppe arbeitsscheu waren. Sie waren einfach nicht mehr daran gewöhnt die Aufgaben eine Polizei zu bekleiden.

„Was reden sie so lange da herum?", mischte sich Vetinari, „Es ist ganz einfach, weil es ein Erlass des Patriziers ist. Eine Art solomanisches Urteil.".

„Ein was?", fragte Mumm.

„Ein Dekret, das dafür sorgt, dass Wache und Gilde sich fortan nicht mehr ihm Wege stehen und dieser Einbrecher so schnell wie möglich gefangen wird. Ich möchte nicht, dass unter den Bürgern Stimmen laut werden, die nach der Schließung der Gilden rufen. Ich kann Unruhe im Augenblick nicht gebrauchen. Ich versichere euch, niemand wird dem anderen mehr im Weg stehen. Es ist eine uralte Trumpfkarte, die wir Herrscher hin und wieder ziehen, wenn es darum geht, seine Macht zu vergrößern.".

„?", Mumm schaute abwechselnd zu Vetinari und Freemont, der zufrieden lächelte.

„Ich bin schon recht lange auf der Suche nach einem Ehemann für meine Tochter.", sagte Freemont schließlich.

„!", sagte Mumm.

„Wen würdest du vorschlagen, Hauptmann?", fragte Vetinari und lächelte, was in seinem Gesicht sehr gefährlich aussah.

„Nun, von meinen Männern?", fragte Mumm langsam um Zeit zu schinden.

„Natürlich! So viele sind es ja nicht. Also?".

„Ähm... Ich kenne die junge Dame ja nun gar nicht, also kann ich...".

„Ich nehme an, dir ist klar, dass du die Entscheidung nicht weiterreichen kannst.", erklärte Vetinari.

„Naja. Also. Korporal Nobbs würde ich keiner Frau zumuten wollen. Feldwebel Colon ist bereits verheiratet.", er atmete aus. Es gefiel Mumm gar nicht derart über seine Männer zu verfügen. Sicherlich gab er ihnen für gewöhnlich allerlei Befehle, er erlaubte es sich sogar ihnen den Sold zu kürzen, wenn sie in ihrer Freizeit mit unpassenden Kleidern auf die Straße gingen und von ihm gesehen wurden. Aber die Entscheidung, wen sie heiraten sollten, wollte er dann doch nicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden.

„Nun, wen hast du noch?", fragte Freemont lächelnd, als kümmerte es ihn gar nicht, wen seine Tochter heiratete.

„Äh... Gefreiter Karotte...".

„Von dem hab ich gehört. Das ist doch so ein Gesetzesfanatiker.", mischte sich Freemont ein.

Vetinari rümpfte die Nase: „So jemandem sollte man vielleicht kein so hohes Amt wie dem eines Ehemannes zukommen lassen.".

„Er fände es selbst wohl auch nicht... moralisch... Er ist von Zwergen aufgezogen worden, wisst ihr und er glaubt, dass die Ehe irgendwie... heilig ist. Außerdem kennt er wohl kaum den Unterschied zwischen Mann und Frau.".

„Und weiter?".

„Dann bleibt eigentlich nur noch Fähnrich Fleischmeister übrig, aber den kannst du nicht für deine Tochter wollen.", sagte Mumm schnell.

„Ist das der, der meinen Dieb verprügelt hat?".

„Ich denke schon, ja. Das ist er.", sagte Mumm kleinlaut.

„Gut, den nehm ich. Weißt du, meine Tochter ist recht schwierig. Ich kann niemanden gebrauchen, er ihr eventuell verfallen könnte. Was ich brauche ist eine Typ, der ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit gibt. Sie hat manchmal ganz absonderliche Ideen.".

„Und das Wohl deiner Tochter?", fragte Mumm vorsichtig.

„Charlotte kommt schon zurecht. Sie ist eine ziemlich bodenständige Person, leider viel zu hübsch und das wahre Drama an der Sache ist, dass sie es weiß.".

Nicht zu fassen, dachte Mumm, der will seiner Tochter eins auswischen und verheiratet sie glatt mit dem widerlichsten Typen, den er finden konnte.

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