„Na, Fähnrich? Was treibt die Gattin? Bist du schon in die höheren Kreise eingeführt worden? Ich hab gehört, die Gildenvorsitzenden feiern rauschende Feste und Bälle.", fragte Nobby eines Nachts.

„Mag sein. Für Bälle und Feste habe ich keine Zeit. Für gewöhnlich finden derartige Veranstaltungen Abends und Nachts statt, wenn ich meine Schicht schieben muss.", antwortete Fleischmeister niedergeschlagen, „Kann schon sein, dass Charlotte zu solchen Sachen eingeladen wird. Ich habe keine Ahnung, was sie treibt, wenn ich nicht zu Hause bin und meistens weiß ich auch nicht, was sie treibt, wenn ich zu Hause bin.".

„Ich nehme an, dass ihr zum großen Sommerfest der Geringen Götter bei Theobald Bleichfuß eingeladen sein werdet. Jeder, der Rang und Namen hat geht dort hin!", erklärte Nobby und nickte großspurig.

„Was soll das für ein Fest sein? Nie davon gehört.", gestand der Fähnrich.

„Ein Sommerfest. Das letzte des Jahres vor der Saison der Herbstfeste. Die hohen Tiere der Stadt, der Gilden und der Adel treffen sich in der Villa Bleichfuß und schlürfen Schampus und essen Wildbraten. Jedes Jahr ist es das Ereignis, der Stadt!", erzählte der Korporal und mit jedem Wort leuchteten seine Augen mehr auf.

„Wie kann es das Ereignis der Stadt sein, wenn der größte Teil gar nicht eingeladen wird?", warf Karotte ein.

„Das ist es ja gerade. Wer nicht eingeladen ist, wünscht sich hinzugehen und alle die, die eingeladen sind, werden das ganze Jahr darüber sprechen.", erklärte Nobby weise.

„Bestimmt wird Charlotte dort hingehen wollen. Sie sehnt sich nach Abwechslung, glaube ich. Letztens habe ich sie und ihre Freundin dabei erwischt, wie sie versucht haben, in unserem Diebesfall zu ermitteln.".

Nobby lachte laut auf und rief: „Frauen!".

„Ja, sie sind schon anstrengend.", gab Feldwebel Colon zu. Er saß auf dem Stuhl hinter Mumms Schreibtisch, auf den er seine Füße gelegt hatte. Es schaute verträumt durch das kleine Wachhaus und war bis vorhin dem Gespräch seiner Kameraden gefolgt, bis er sich selbst einmischte: „Ständig wollen sie etwas haben. Ständig muss es nach ihrem Kopf gehen. Die Kunst ist es, Frauen seine eigenen Ideen als ihre zu verkaufen.".

„Du must bedenken, dass Charlotte fast schon den Stand einer Lady inne hat.", warf Nobby ein, „Sie ist einen gewissen Standard gewohnt und den hat sie auch verdient. Natürlich ist sie anspruchsvoll, aber das spricht doch nur für sie. Und dann heißt es, sie sei atemberaubend sch...".

„Das ist sie. Das ist sie.", bestätigte Fleischmeister langsam und überlegte sich einen Satz, der die Aussage relativieren konnte: „Aber genau das macht mir Sorgen. Sie ist wie eine Bienenkönigin mit einer ganzen Auswahl an Drohnen. Wer weiß, was sie so alles treibt, wenn ich hier bin?".

„Bist du etwa eifersüchtig?", fragte Nobby und lachte glucksend.

Die Tür quietschte, schwang unverhofft energisch auf und der Raum wurde betreten von einem missgelaunten Hauptmann Mumm. In seiner Hand hielt er einen zerknüllten Zettel: „Männer!", setzte er an, atmete ein, atmete aus und stieß hervor: „Feldwebel! Nimm gefälligst Haltung an! Und nimm die Füße von meinem Tisch!".

Colon nahm langsam die Füße herunter und stand vom Tisch des Hauptmanns auf.

„Die Katze, hat wieder zugeschlagen! Und ihr sitzt hier nur nutzlos herum!", stieß Mumm hervor.

„Die Katze?".

„Ich dachte, wir könnten unserem Phantomdieb ruhig einen Spitznamen geben.", erklärte er.

„Wann ist es passiert?", fragte Colon.

„Und wo?", ergänzte Fleischmeister plötzlich mit voller, professioneller Grimmigkeit.

„Die Villa Schinkentanz, gestern Nacht. Gerade fand ich diese kurze Notiz der Diebesgilde unten an der Tür.", er zeigte den Zettel in seiner Hand, auf dem geschrieben stand:

„Information für die tapferen Männer der Stadtwache. Gestern Nacht: Unlizenzierter Einbruch in der Villa Schinkentanz, Königsstraße 15. Hoffen auf weiterhin gute Zusammenarbeit und drücken hiermit unser absolutes Wohlwollen aus. Charles Freemont.".

„Grässliche Rechtschreibung, was?", fiel Nobby auf.

„Davon abgesehen, ist es eine Frechheit.", stieß Fleischmeister hervor.

„Eine Provokation, um genau zu sein.", murmelte Mumm und fügte hinzu: „Er ist doch dein Schwiegervater...".

„Und? Das heißt nicht, dass ich ihn... kenne.", verteidigte sich Fleischmeister.

„Schon gut, schon gut. Was ist jetzt mit dem Fall?", sagte Mumm und wedelte mit dem Papier ungeduldig durch die Luft.

„Der Korporal und ich werden uns darum kümmern. Eine Aufnahme machen und ein Protokoll schreiben. Ich hoffe die Schinkentanzes sind noch wach...", bot sich Feldwebel Colon an und erntete einen finsteren Blick aus Nobbys Richtung.

„In Ordnung.", und Mumm fügte hinzu: „Fähnrich Fleischmeister und Obergefreiter Karotte: Ihr geht auf Patrouille in Ankh. Wer weiß, vielleicht begegnet ihr der Katze ja auf frischer Tag.", Mumm klang nicht so, als würde er das glaube, was er gerade gesagt hatte, aber Fleischmeister und Karotte nickten pflichtbewusst und zogen los.

„Sag mal, Hauptmann, hast du eigentlich eine Einladung zum Sommerfest der Geringen Götter bekommen?", fragte Nobby leise und vorsichtig.

Was?", keuchte Mumm, „Ich habe nun wirklich wichtigeres zu tun! Und du solltest das auch haben! Und jetzt Abmarsch!".

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