„Post für dich, Liebes!", rief Kenneth Fleischmeister, als er nach Ende seiner Schicht sein Haus betrat. Er wedelte mit einem Brief, als er in die Küche kam und zu seiner Freude Charlotte erblickte, die im Bademantel und mit wirren Haaren eine Tasse Kaffe schlürfte.

„Ach tatsächlich? Ich hab den Postboten gar nicht gehört.", erwiderte sie und gähnte gelangweilt.

„Sieht nicht so aus, als hätte dieser Brief einen offizielle Postweg genommen.", sagte Fleischmeister, nachdem er den Umschlag von allen Seiten begutachtet hatte.

Er war zartviolett und roch nach Lavendel.

„In dem Fall scheint er interessant genug zu sein, um ihn zu öffnen, was nicht bedeutet, dass ich den Brief lesen werde.", sagte Charlotte, stand auf, griff blitzschnell zu und zog ihrem Mann den Brief aus den Fingern.

Auch sie begutachtete ihn zuerst von außen und eine Erkenntnis ließ ihr fast schon hoffnungsvolles Gesicht enttäuscht erschlaffen: „Ach, ich weiß, was das ist.", sagte sie warf den Umschlag grob vor sich auf den Tisch und setzte sich wieder auf ihren Stuhl.

Nach einer kurzen Pause fragte Fleischmeister vorsichtig: „Und, was ist es?".

„Oh, es ist die Einladung zu Theodor Bleichfuß Sommerparty zum Fest der Geringen Götter. Die Feier wird jedes Jahr langweiliger, aber niemand traut es sich zu sagen.".

„Oh, das tut mir Leid.", sagte ihr Ehemann schnell, „Ich werde dich nicht begleiten können, weil...".

„Keine Sorge, du bist ohnehin nicht eingeladen. Und das ist der Grund, warum diese Partys so langweilig sind.", fiel Charlott ihm ins Wort.

„Nein, das verstehst du falsch. Ich werde dort sein. Nur... im Dienst. Und es ist mir leider nicht erlaubt mit den Gästen zu sprechen und deshalb werde ich nicht mit dir dort hingehen können.", erklärte der Fähnrich pflicht- und schuldbewusst.

Charlotte runzelte die Stirn: „Wieso bist du im Dienst?".

„Das darf ich dir nicht sagen, Schatz.", sagte er sanft und er wusste, dass darauf ihre gefährlichste Stimme folgen würde, der er nichts entgegen zu setzen hatte.

„Wie so darfst du es mir nicht sagen? Ich bin sehr interessiert am Beruf meines Ehemannes.", flötete Charlotte süßlich und hob eine Augenbraue.

Wie zufällig entschloss sich ihre Hand plötzlich über ihr Haar zu streichen und es ein wenig - jedoch nicht zu viel - zu glätten.

Verdammt, dachte Fleischmeister, gleich hat sie mich!

„Bitte sag mir, worum es bei diesem Auftrag geht. Ich muss doch wissen, ob ich mir Sorgen machen muss um meinen Ehemann.", sie zwinkerte.

Sie macht sich keine Sorgen um dich, du bist ihr völlig egal, denk nur an die Sache mit den Schlafzimmern, dachte Fleischmeister, sie benutzt dich nur, sie schauspielert, sie... macht das unglaublich gut... Hey, war das gerade ein nackter Fußknöchel?

Er erklärte schließlich folgendes: „Der Hauptmann geht davon aus, dass der Einbrecher, dieser Katzeneinbrecher, du weißt schon, dass der sich die Chance nicht nehmen lässt, um auf dieser Party aufzutauchen. Es ist die letzte diesen Sommer und die größte und die exklusivste und es werden jede Menge Damen mit jeder Menge Schmuck anwesend sein. Hauptmann Mumm will den Dieb auf frischer Tat ertappen und deshalb sind wir Wachleute und die Leute der Diebesgilde in der Nähe um das ganze zu beobachten und im richtigen Augenblick zuzuschlagen. Es heißt der Patrizier hat ihm ganz schön die Armbrust vorgehalten. Er will endlich einen Erfolg sehen. Der Hauptmann ist ganz und gar nicht begeistert von der Aktion, hat keine Lust auf diese elitäre Veranstaltung und sich unter die Leute zu mischen... Komischer Kerl... Jedenfalls...".

„Der Hauptmann wird auch da sein?", erkundigte sich Charlotte und bemühte sich nicht hastig zu klingen.

„Ja. Er ist schon seit Tagen schlecht gelaunt deswegen. Hat dem armen Nobby ne Sonderschicht aufgebrummt, um die Toiletten im Wachhaus zu schrubben.".

„Hmm... Ich denke, ich werde mit Lilian ein Kleid kaufen müssen.", sinnierte Charlotte.

„Du willst doch hingehen?", fragte Fleischmeister verblüfft.

„Es ist meine Pflicht. Außerdem interessiere ich mich für echte polizeiliche Arbeit. Was in diesen Büchern steht halte ich für völlig überzogen.", erwiderte Charlotte und widmete sich wieder ihrer Tasse Kaffee.

„Deine Pflicht ist es auf Partys zu gehen?", fragte Fleischmeister ungläubig.

„War es schon immer und wird es immer sein. Als Mädchen in unserem Stand hat man nicht viele Möglichkeiten. Entweder man beginnt das Repräsentieren zu lernen oder man heiratet jemanden, für den man das nicht muss.", erklärte Charlotte ohne aufzusehen.

„Aber für mich musst du nicht repräsentieren.", überlegte ihr Ehemann leise, wartete und stiegt dann resigniert die Treppe zu seinem Schlafzimmer hinauf.

Charlotte schwieg und nahm einen Schluck kalten Kaffee.

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