Hauptmann Mumm hatte eine offizielle Einladung bekomme. Zu ersten Mal in seiner Karriere hatte man es für angebracht empfunden, ihn als Repräsentanten der Stadtverwaltung auf das Fest der Geringen Götter einzuladen.

Es war ihm nie wichtig gewesen, auf derartigen Feiern anwesend zu sein. Es war ihm nur recht, nicht hingehen zu müssen. Selbst, wenn man ihn eingeladen hätte, er wäre vermutlich nicht hingegangen.

Doch nun lag sie vor ihm. Die nach Lavendel stinkende Einladungskarte zum exklusivsten Fest der Saison. Und er hatte keine Chance, dem zu entgehen.

Er würde einen Anzug tragen müssen. Ein Kettenhemd wäre ihm lieber.

Er würde seine Haare waschen und seine Bartstoppeln abrasieren müssen.

Wieso musste er nur diese lächerliche Idee vorbringen? Wieso musste er so tun, als wüsste er, wovon er sprach? Es waren Vetinaris Augen, ohne Zweifel. Diese Augen hatten hypnotische Wirkung.

Er war der einzige seiner Wachmannschaft, der eine Einladung bekommen hatte. Vermutlich handelt es sich um eine Verlegenheitsgeste. Wenn man schon verlangte, dass seine Männer für sie Überstunden schoben, dann glaube der Geldadel offensichtlich, dass es angebracht schien, den Hauptmann der Wache persönlich einzuladen.

Mumm widersprach innerlich. Was auch immer man mit seiner Anwesenheit bezwecken wollte, er würde nicht darauf eingehen!

Er wusste, dass seine Männer alles versuchen würden, um den Dieb zu fassen - falls er überhaupt auftauchen sollte, was er mittlerweile ernsthaft bezweifelte. Er musste sie sicher nicht im Auge behalten. Adlige hatten immer die seltsame Idee, dass man Untergebene im Auge behalten musste.

Mumm widersprach, einfach nur um sich selbst besser zu fühlen.

Er wusste, dass er recht ungeschickt war, was Auftritte auf einem öffentlichen Parkett betraf und wenn er da an seine Männer dachte, stellten sich ihm die Nackenhaare auf.

Feldwebel Colon würde sich wohl noch am ehesten zurecht finden. Er war seit Jahren verheiratet und seine Frau würde schon dafür sorgen, dass Colon sich zu verhalten wusste.

Gefreiter Karotte war ein freundlicher Kerl. Auch bei ihm machte sich Mumm wenig Sorgen. Jungen wie er waren charmant und liebenswürdig genug, dass man ihnen kleine Fehler verzieh.

Korporal Nobby hingegen konnte ein Problem werden. Ihn konnte man nun wirklich unter keinen Umständen als charmant bezeichnen, er wirkte eher abstoßend. Auch war Nobby nicht verheiratet, er hatte auch keine Freundin und er kannte niemanden, der ihm ein ganz klein wenig Benehmen beibringen konnte, das man bei einer solchen Party voraussetzte.

Fähnrich Fleischmeister. Nun, Mumm wusste nicht, was er von ihm halten sollte. Noch vor ein paar Wochen war er sich sicher, dass Fleischmeister auf ganzer Linie versagen würde, wenn es um gepflegte Konversation oder Tischmanieren ging. Nun jedoch war er mit einer jungen Frau verheiratet, die diese Partys von klein auf miterlebt hatte. Vielleicht würde es ja positive Überraschungen geben.

Seine Frau würde auch da sein, wusste Mumm. Und auch das machte ihm aus irgendeinem Grund Sorgen. Er fühlte sich unwohl bei dem Gedanken mit dieser Dame ein weiteres Wort wechseln zu müssen, vor allem ich Sichtweite des Fähnrichs... Charlotte Freemont war in der Lage Männer in äußerst Unangenehme Situationen zu bringen.

Am Ende ging es auch nicht um das Verhalten seiner Männer, sondern einzig um sein eigenes. Aber auch das würde ohne Zweifel katastrophal enden.

Es fiel ihm schwer etwas vorzugeben, vor allem wenn es darum ging gute Mine zum bösen Spiel zu machen.

Er hasste all diese Leute, all diese reichen und adligen und deshalb einflussreichen Menschen, welche die Wirklichkeit in den Straßen von Morpork nur aus vagen Gerüchten kannten.

Er hasste diese scheinheiligen Festlichkeiten, das piekfeine, fettreduzierte Essen, das Tanzen, die überladenen Kleider der Damen, ihre Frisuren und den Puder in den Gesichtern.

Und er hasste Smalltalk.

Nichts hasste er mehr. Außer vielleicht Verbrecher, die dafür sorgten, dass er sich in eine Smalltalk-Situation geriet.

Mumm verdrängte die ganzen Äußerlichkeiten und versuchte sich auf die Mission zu konzentrieren.

Seine Männer durften ihrer Uniform tragen, mussten sich nicht unter die Gesellschaft mischen, sondern waren eingeteilt Haus und Hof im Auge zu behalten.

Draußen vor der Villa würden die Diebe der Gilde patrouillieren. Man wollte sie nicht hinein lassen, dazu vertraute man ihnen dann doch nicht genug.

Beneidenswert, dachte Mumm, ich wünschte, ich wäre ein Dieb und das alles bliebe mir erspart.

Er war sich fast sicher, dass der Dieb nicht auftauchen würde. Viel eher würde er versuchen in eines der in dieser Nacht leerstehenden Häuser einer der Partygäste einsteigen. Die ganze Aktion war sicherlich unnötig, vielleicht sogar kontraproduktiv, denn wenn die Wachen sich die ganze Nach auf einer Feier herumtrieben, fehlten sie in den lasterhaften Straßen von Ankh-Morpork. Dennoch gab es Mumm das Gefühl, etwas getan zu haben. Das beruhigte ihn und vor allem Lord Vetinari für eine Weile.

Mumm legte seine Füße auf den Schreibtisch und schloss die Augen. Genug für heute!

Es würde ein Desaster, da war er sich sicher.

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