Sam Mumm ging in seinem Zimmer auf und ab. Er war nervös. Er wollte nicht hinunter und sich der Meute aussetzen. Er wollte aber auch nicht hier bleiben und verpassen, wenn oder falls der Dieb auftauchen sollte. Er wollte seine Männer im Auge behalten und er wollte etwas ordentliches zu trinken.

Man hatte ihm kein besonders gutes Zimmer gegeben. Es hatte keinen Blick in den Innenhof und befand sich direkt über der Waschküche, die sich im ersten Stock befand und dreckiges Wasser nach unten und miefige Luft nach oben ableitet.

Ganz wie zu Hause, dachte Mumm und setzte sich auf sein Bett.

Er hatte kein Gepäck herbringen lassen, noch nicht einmal seine Uniform hatte er mitgebracht. Jetzt kam es ihm fast wie ein fataler Fehler vor.

Das einzige, mit dem er sich beschäftigen konnte, war ein uralter Kamm, dem einige Zähne fehlten. Er steckte in der Brusttasche seines Hemdes.

Er spuckte darauf und strich sich damit durch die Haare. Er hoffte, dass dies der derzeitigen Pomade-Mode wenigstens ein bisschen nahe kam.

Draußen auf dem Flur hörte er Kinder lachen und glucksen. Er streckte den Kopf durch die Tür, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Bei näherer Betrachtung stellte er fest, dass ein rotwangiger Junge, den irgendeine bestialische Mutter in einen Anzug gesteckt hatte, hinter einem kleinen Mädchen her rannte und versuchte es zu fangen. Auch das Mädchen war unnötig herausgeputzt, trug an allen erdenkliche Stellen ihres Kleides und in ihren Haaren Schleifen. Sie war klar im Nachteil, da sie ihr Kleid im Rennen aufraffen musste, damit sie nicht über den Saum stolperte.

Mumm schaute den Kindern nach und es beruhigte ihn, dass es noch Menschen gab, die den ganzen Trubel nicht so ernst nahmen und versuchten Spaß zu haben.

Dem kleinen Jungen folgten schwere Schritte.

„Gefreiter Karotte, was hat das zu bedeuten?", zische Mumm, als der Wachmann den Kindern nach und an seiner Zimmertür vorbei jagte.

Karotte blieb wie angewurzelt stehen und lief rot an: „Hauptmann Mumm!", rief er überrascht, „Ich...", er wusste sich nicht zu erklären und die Bedeutung des Wortes „Lüge" war ihm nach wie vor ein Rätsel.

„Verhalte dich angemessen! Vergiss nicht, wo du dich befindest!", sagte Mumm.

„Ja, Hauptmann.", sagte Karotte und blickte schuldbewusst zu seinen Sandalen.

„Ansonsten alles ruhig?", fragte Mumm.

„Alles ruhig, Hauptmann!", bestätigte Karotte.

„Gut so.", murmelte Mumm und schloss die Tür hinter sich.

Die Kinder kamen zurück und kicherten fröhlich, bis sie abrupt von etwas aufgehalten wurden. Mumm ahnte schon, um was es sich handelte, aber er hatte keine Nerven sich damit nun auch noch auseinander zu setzen.

„Halt!", rief Karotte, „Verhaltet euch angemessen!".

Zwei entsetzte Schrei entfernten sich. eine Tür schlug zu. Stille. Karottes Schritte auf dem Flur.

Mumm legte sich auf sein Bett und starrte an die Decke.

Als wäre es die Ruhe vor dem Sturm, dachte er.

*