Charlotte stand in der Küche und hantierte mit eine Teekanne. „Wie lange muss er ziehen?", rief sie hinüber ins Wohnzimmer, wo sie eine Antwort von ihrem Mann erwartete.

„Sieben Minuten.", rief Kenneth, „Und kannst du bitte etwas Milch mitbringen?".

„Ich glaube, wir haben keine Milch.", sagte Charlotte niedergeschlagen.

„Macht nichts. Macht nichts.".

Kenneth Fleischmeister saß in einem unbequemen Stuhl, der eine Vorrichtung besaß, auf der sein rechtes Bein geschnallt wurde, sodass es gerade und ruhig lag.

„Kannst du mich etwas näher zum Fenster schieben?", fragte er.

Charlotte schob und reichte ihm dann seine Tasse Tee.

„Siehst du die Frau da unten?", fragte Fleischmeister plötzlich.

„Ja. Was ist mit ihr?", fragte Charlotte als sie sich zum Fenster hinausgebeugt hatte.

„Das ist Frau Schimmelpfennig.".

„Ich weiß. Ihr Mann verkauft Fisch auf dem Markt.", erklärte Charlotte.

„Tatsächlich?", fragte Kenneth verschwörerisch, „Hey, nichts zu auffällig, Schatz. Sie sollt nicht sehen, dass wir sie beobachten!".

„Ich beobachte sie nicht.", verteidigte sich Charlotte.

„Das solltest du aber. Ich glaube nämlich kaum, dass ihr Mann ihr diesen Ring da mit verkauftem Fisch finanziert hat.".

„Welchen Ring?", fragte Charlotte interessiert.

„Hier, nimm das Fernglas!", Kenneth reichte es ihr und Charlotte schaute hindurch, versuchte dabei nicht allzu auffällig zu wirken. In Ankh-Morpork sah man es nicht gerne, wenn sich die Nachbarn zu sehr für die eigenen Angelegenheiten interessierten, was sie nicht davon abhielt, sich für die Angelegenheiten ihrer Nachbarn zu interessieren.

„Tatsächlich!", stieß sie hervor, „Ein Goldring. Mit einem Diamanten.".

„Was mag so etwas kosten?", fragte Kenneth und er wollte keine Antwort.

„Wie meinst du das?", fragte Charlotte.

„Herr Schimmelfinger ist es gewohnt sich auf glitschigem Boden zu bewegen.", erklärte Kenneth.

„In seiner Fischverarbeitung ist der Fußboden sich sehr rutschig, ja.", gab Charlotte zu.

„Und er ist recht athletisch gebaut.", fuhr Kenneth fort.

„Kann man wohl sagen.", bestätigte Charlotte analytisch.

„Er könnte der Dieb sein.", schloss Kenneth.

„Ich hörte wie seine Frau sich beschwerte, dass sie nicht in die Bleichfuß-Villa eingeladen wurde, obwohl ihr Mann der erfolgreichste Fischhändler der Stadt ist.", berichtete Charlotte.

„Noch ein Motiv: Eifersucht! Vielleicht hat sie ihn angestachelt!", sagte Kenneth und bewunderte seinen kriminalistischen Verstand.

„Könnte es nicht sein, dass er den Ring deshalb kaufen konnte, weil er ein so erfolgreicher Händler ist und er ihn seiner Frau zum Trost gekauft hatte, weil sie nicht eingeladen wurde?", warf Charlotte ein und schlürfte an ihrem Tee, verzog das Gesicht, „Brr... Ziemlich Bitter!".

„Möglich.", meinte Kenneth, „Aber wir behalten es im Hinterkopf!".

„Ich fahre heute Nachmittag zu Lilian. Ich hoffe das geht in Ordnung für dich.", warf Charlotte ein.

„Oh. Natürlich. Fahr nur. Ich wünsche viel Spaß. Kommt Lilian dich abholen?".

„Sie schickt ihre Kutsche.".

„Ah.".

Schweigen.

Schlürfen.

„Ich glaube, ich werde das da wegkippen. Das hier ist ungenießbar! Soll ich deine Tasse mitnehmen?".

„Ja. Bitte.".

Charlotte seufzte. Zur Hausfrau war sie nicht geboren.

*